Chinesische Investoren auf Kontaktanbahnung in München

Fallbeispiel: Georg Leykauf von Grammer schilderte die Übernahme eines Joint Ventures. /案例分析:来自格拉默股份公司的Leykauf先生就收购合资企业进行案例分析

Am 21. Oktober 2015 war es soweit: Gemeinsam mit dem chinesischen Handelsministerium (MofCom) und der Commerzbank veranstaltete der Hongkong Trade and Development Council (HKTDC) ein Investmentforum mit anschließendem Matchmaking zwischen chinesischen und deutschen Unternehmen. Eine Delegation mit hochrangingen Unternehmensvertretern der chinesischen Hafenstädte Ningbo und Qingdao in Begleitung von Hongkonger Unternehmen sowie offiziellen Repräsentanten fand sich dazu in den Räumen der Commerzbank in München ein. Die rund 20 teilnehmenden Unternehmen aus China und die begleitenden Dienstleister aus Hongkong hatten allesamt ihr Interesse an einer direkten Zusammenarbeit mit deutschen Partner in Form von Kooperationen, Joint Ventures, M&A sowie Investitionen in neue Technologien bekundet. Im Fokus standen die Branchen Automotive, Fertigungsindustrie sowie Greentech.

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Vor dem Matchmaking stellten Vertreter der Commerzbank, des HKTDC und des MofCom die neuesten Trends bei den deutsch-chinesischen Investitionen dar. So führte Sun Tong, Generaldirektor der Abteilung für Taiwan, Hongkong und Macao-Angelegenheiten im Mofcom aus, dass sich 2014 eine Zeitenwende bei Chinas Cross-Border-Investments ereignet hatte. Erstmals übertrafen die Auslandsdirektinvestitionen (ODI) mit mehr als 120 Mrd. USD die FDI-Zuflüsse nach China. Für die nähere Zukunft rechnet er mit einem ODI-Wachstum von jährlich 10%. Dabei wird Hongkong – wie bisher auch für Investitionen in die Volksrepublik – als zentrale Drehscheibe für die Auslandsinvestitionen Chinas fungieren. Ergänzend wies Tao Bailiang, Konsul für Handel am chinesischen Generalkonsulat in München darauf hin, dass bereits über 1.000 Unternehmen aus dem Reich der Mitte investiert sind. Svetlana Huber von Invest in Bavaria verwies mit dem Netzwerkausrüster Huawei, der Beijing No. 1 Machine Tool Plant und dem Solarhersteller Yingli auf drei konkrete Beispiele chinesischer Unternehmen, die Deutschland respektive Bayern auch Forschung und Entwicklung in bedeutendem Umfang betreiben.

Wachstum im M&A-Geschäft

Der M&A-Markt in Deutschland mit besonderem Blick auf China stand im Zentrum des Vortrags von Ralf Hofmann, Director Corporate Advisory bei der Commerzbank. So zeigt sich bei den Domestic Deals in Deutschland in den letzten zwei Jahren ein konstantes Niveau, während Inbound- und Outbound-Transaktionen deutlich zulegen konnten. Vor allem Übernahmen und Beteiligungen in den USA sind für deutsche Unternehmen attraktiv. Das Volumen der chinesischen Inbound-Investments ist im Vergleich zu den Vereinigten Staaten und anderen europäischen Staaten noch gering – der Trend jedoch ist stark steigend. Dennoch stehen die Unternehmen aus dem Reich der Mitte vor besonderen Herausforderungen: Es fehlt Ihnen oft an dem richtigen Zugang zu den deutschen Mittelständlern. Häufig wissen sie nicht, wo sich Investitionsgelegenheiten bieten. Hinzu kommt, dass bei Unternehmensverkäufen in Form von Auktionen die Deadlines meist sehr eng sind.

Beispiel Grammer

Georg Leykauf, Vice President Group Finance and M&A bei der Grammer AG schilderte in einem konkreten Fallbeispiel eine gelungene Joint Venture-Übernahme. Der Amberger Automobilzulieferer hatte Anfang des Jahres von seinem Partner Jiangsu Yuhua den Anteil von 40% an Grammer Seating aufgekauft. Laut Leykauf lief die Transaktion auch deshalb so glatt, weil zuvor der Joint Venture Partner mit Blick auf eine mögliche Übernahme des Gemeinschaftsunternehmens sorgfältig ausgewählt worden war. Wichtige Kriterien hierbei waren eine gesunde finanzielle Situation des Partners mit einem profitablen Geschäft. Ein zentraler Aspekt bestand gleichfalls in der transparenten und einfachen Inhaberstruktur. Hierdurch ließen sich unangenehme Überraschungen vermeiden.

Erste Kontaktanbahnungen

Beim darauf folgenden Matchmaking hatten chinesische und deutsche Unternehmen sowie Berater die Gelegenheit, Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. Vertieft wurden die ersten geknüpften Bande bei dem abschließenden Business-Lunch.

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Vereinfachtes Chinesisch