Chinesische M&A-Aktivitäten in Europa rückläufig

Nachlassende Investitionen: Chinas M&A-Volumen in Europa hat sich mehr als halbiert. 投资减少:中国在欧洲的并购交易量减少了一半以上。

Die Zahl chinesischer M&A-Deals in Europa ist weiter rückläufig: Im ersten Halbjahr fiel die Anzahl er Übernahmen und Unternehmensbeteiligungen um 12% von 126 auf 111. Das Investitionsvolumen hat sich sogar mehr als halbiert: von 31,6 auf 14,9 Mrd. USD. Indes stieg in Deutschland das M&A-Volumen in ersten sechs Monaten des Jahres bei gezählten 22 Deals im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 6,7 auf 9,9 Mrd. USD. Ausschlaggebend hierfür war der Einstieg des chinesischen Autobauers Geely bei Daimler mit einem Volumen von geschätzt 8,9 Mrd. USD. Dies ist das Ergebnis einer Auswertung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY.

Anzeigen

Zusammen mit Deutschland bleibt Großbritannien nach Anzahl der Deals weiterhin das beliebteste Investitionsziel von Käufern aus China. Dort wurden ebenfalls 22 M&A-Transaktionen gezählt – allerdings vorwiegend kleine Deals. Das Volumen fiel auf den britischen Inseln von 16,2 Mrd. USD im Vorjahreszeitraum auf magere 0,6 Mrd. USD in der ersten Jahreshälfte 2018. In Frankreich stieg die Zahl der Übernahmen von 10 auf 13, während sie in Italien von 12 auf 11 sank.

Schwierigkeiten bei Transaktionen

Den seit dem Rekordjahr 2016 anhaltenden Abwärtstrend begründen die EY-Experten mit wachsendem politischem Widerstand gegen einen befürchteten Abfluss von Technologie und Know-how, aber auch mit transaktionsbezogenen Problemen. So wären chinesische Investoren bei verschiedenen Ausschreibungen überboten worden oder hätten die Finanzierung nicht zustande gebracht. Das Interesse aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sei aber ungebrochen. „Wenn in Europa ein attraktives Unternehmen als Übernahmeziel gilt, ist eigentlich immer auch ein chinesisches Unternehmen unter den Interessenten“, erklärt Yi SUN, Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz bei EY, anlässlich der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen.

Konsum im Fokus

Der Branchenfokus richtet sich verstärkt auf die Bereiche Infrastruktur, Hightech,  Energie und Konsumgüter. Dafür lies das Interesse an klassischen Sektoren nach:  So sank im ersten Halbjahr die Zahl der gekauften europäischen Industrieunternehmen massiv von 43 auf 23. Auch im Finanzsektor war die Transaktionsaktivität rückläufig: von 17 auf acht Deals. Gestiegen ist hingegen die Zahl der Übernahmen und Beteiligungen in den Bereichen Energie (von sechs auf neun Transaktionen) und Rohstoffe (von sieben auf zehn). Vor allem aber gewann der Konsumgütersektor stark an Bedeutung: Hier stieg die Zahl der Deals von fünf auf 19.

Kleinere Deals

Im Vergleich zu früher ist auch die Zahl sehr großer Transaktionen rückläufig: Nachdem im ersten Halbjahr 2017 europaweit noch elf Deals mit einem Volumen von mehr als 500 Mio. EUR über die Bühne gegangen waren, sank die Zahl im laufenden Jahr auf fünf. In Deutschland stellten die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft indes nach wie vor ein hohe Anzahl von Distressed M&A fest.

Kommunikation immer wichtiger

Eine neue Herausforderung für Unternehmenskäufer aus dem Reich der Mitte sind die gestiegenen Anforderungen an die Finanzierung:  „Die Verkäufer sind vorsichtiger geworden – sie fordern heute oft schon bei der Vertragsunterzeichnung hohe Garantien von den chinesischen Käufern. Und auch Bankbürgschaften sind für chinesische Investoren deutlich schwieriger zu erhalten“, führt Yi Sun aus. „Dadurch verzögern sich viele Abschlüsse – das Geschäft ist schwieriger geworden.“ Für die nächsten Monate ist die Leiterin des Chinageschäfts zwar optimistisch – auch weil die politischen Spannungen mit den USA die Offenheit Europas gegenüber Chinas Unternehmenskäufern befördern könnte.  Gleichzeitig mahnt sie aber  Verhaltensänderungen an:  „Heute müssen die chinesischen Investoren ihre Absichten deutlich besser kommunizieren als vor einigen Jahren und zum Teil auch Zugeständnisse in Bezug auf Arbeitsplätze und Unternehmenssitz machen, um Ängsten zu begegnen“, so Sun.

China bleibt wichtiger Investor

Im Ranking der größten Investoren in Deutschland landet China im ersten Halbjahr gemeinsam mit Frankreich und den Niederlanden auf dem vierten Platz – hinter den USA (73 Transaktionen), Großbritannien (64) und der Schweiz (39). China ist also nach den USA der zweitgrößte außereuropäische Investor in Deutschland.

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Vereinfachtes Chinesisch