Neue Seidenstraße: Erster Güterzug aus China rollt an

Neue Seidenstraße
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Meileinstein: Zum ersten Mal ist ein Güterzug aus China auf direkten Weg in Deutschland angekommen. Die „Neue Seidenstraße“ ist ein Projekt, welches China bereits seit mehreren Jahren aufbaut. Im Rahmen des Projekts finanziert die Volksrepublik Transport- und Verkehrsinfrastruktur in verschiedenen Staaten in Europa und Asien.

10.000 Kilometer in 18 Tagen – eine beachtliche Distanz legte der Güterzug aus China zurück. Gestartet ist der Transport am 25.Juni in der ostchinesischen Stadt Hefei und passierte auf seiner Fahrt die Länder Kasachstan, Russland, Belarus und Polen. Schlussendlich traf der Containerzug nach fast drei Wochen Fahrt am Tiefwasser-Hafen JadeWeserPort in Willhelmshaven ein. Hierbei handelt es sich Angaben zufolge um den ersten Direktzug überhaupt, der im Rahmen der Neuen Seidenstraßeninitiative Chinas in Deutschland einfuhr.

Neue Seidenstraße als Transportwegalternative

Die Zugverbindung soll eine Alternative zu dem Containerschiffsverkehr bieten. Wie wichtig alternative Transportwege sein können, zeigt der aktuelle Containerschiffsverkehrstau im Hafen Yantian, der sich auf die globale Schiffstransportkette auswirkt.

„Die Verbindung ist interessant für Güter, die zügig transportiert werden müssen und dringend benötigt werden“, erklärte Andreas Bullwinkel, Geschäftsführer der JadeWeserPort Marketinggesellschaft. Denn der Transport über die Gleise ist wesentlich schneller als auf dem Wasserweg. So erreicht ein Güterzug aus China über die Neue Seidenstraße Willhelmshaven nach 20 Tagen, der Transport per Schiff wiederum benötigt rund 32 Tage. Allerdings wird der Zugtransport den Schiffsweg nicht ersetzen können, da die Lieferleistung eines Frachters immer noch deutlich höher ist.

Willhelmshaven als Umschlagsplatz

Willhelmshaven dient als Endpunkt für den Gütertransport auf Gleisen. Die Waren sollen im einzigen Tiefwasser-Hafen in Deutschland weiter umgeschlagen werden. Langfristig profitieren davon Dienstleister im Hafen, aber auch der Hafen selbst, so Bullwinkel. Die Zugverbindung über die Neue Seidenstraße könnte die ins Stocken geratenen Verhandlungen mit China Logistics, einer der größten chinesischen Logistikunternehmen, beflügeln. Das Unternehmen hatte vor einem Jahr geplant, rund 100 Millionen Euro in ein Logistikzentrum im JadeWeserPort zu investieren. Damals machte die COVID-19-Pandemie den Verhandlungen allerdings einen Strich durch die Rechnung.