Chinesisch-deutscher Industrie-4.0-Fonds sammelt 1 Mrd. USD ein

Industrie 4.0: Das chinesische Interesse an deutschem Know-how wächst.

Ein neuer Private Equity-Fonds aus China plant, in deutsche Technologieführer aus dem Bereich Industrie 4.0 zu investieren. Der Fonds geht auf die Initiative von Henry Cai zurück, der bis vor Kurzem für den Investment Banking-Bereich der Deutschen Bank im Raum Asien Pazifik verantwortlich zeichnete. Auch mit Unterstützung chinesischer Staatsfonds und Kapital aus dem Nahen Osten plant Cai, 1 Mrd. USD an Mitteln einzusammeln.

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Henry Cai gab erst im Februar seine leitende Position bei der Deutschen Bank auf, um sich „für den Rest seines Lebens“ dem neuen „Chinesisch-deutschen Industrie-4.0-Förderungsfonds“ zu widmen. Dies berichtet das chinesische Wirtschaftsmagazin Caixin. Ziel sei es, in deutsche Mittelständler aus den Bereichen Intelligente Produktion, High-End-Maschinen und –Anlagen, moderne Werkstoffe sowie Medizintechnik zu investieren. Der Fonds soll als Plattform dienen, um die deutschen Unternehmen mit passenden Partnern aus China in Verbindung zu bringen. Gemeinsam sollen beide Seiten dann die fortgeschrittenen Technologien aus Deutschland für den chinesischen Markt weiterentwickeln. Laut Cai soll der neue Fonds damit eine Schlüsselrolle für den kürzlich veröffentlichten Plan „Made in China 2025“ spielen. Das strategische Konzept der Zentralregierung in Peking sieht vor, innerhalb von zehn Jahren aus China ein führendes Land im Bereich Innovation und modernster Industrieproduktion zu machen.

Cai rief den Fonds nach der Europareise des chinesischen Premierministers Li Keqiang ins Leben. Während Lis Besuch bei Bundeskanzlerin Merkel vereinbarten China und Deutschland ein Rahmenabkommen für eine vertiefte Kooperation auf dem Gebiet der Industrie 4.0. Der Begriff Industrie 4.0 bezieht sich im Kern auf vernetzte Fertigungstechniken zur Schaffung sogenannter „intelligenter Fabriken“. Technische Basis sind cyber-physische Systeme und das „Internet der Dinge“. Der 61-jährige Cai genießt in China einen ausgezeichneten Ruf als Dealmaker. So wird er als „Vater der IPOs chinesischer Privatunternehmen außerhalb des Festlands“ bezeichnet. Er brachte im Lauf seiner Karriere 29 Gesellschaften an die Börse. Vor seinem Einstieg bei der Deutschen Bank im Jahr 2010 war er unter anderem für die Schweizer Großbank UBS tätig. Für seinen neuen Fonds hat er um sich ein Team aus Spezialisten geschart, u.a. von der US-Private-Equity-Gesellschaft Carlyle Group.