„Das Ergebnis übertraf bei Weitem die Erwartungen“

Intelligente Mobilität: Byton ist beim autonomen Fahren und In-Car Services ganz vorne mit dabei. 智能交通:拜腾在智能驾驶和车内服务方面处于最前沿。

Chinesische Start-ups im Bereich Elektromobilität sorgen derzeit auf dem ganzen Globus für Furore. Jüngst konnte die Future Mobility Corp – besser bekannt unter dem Markennamen Byton – in einer Series-B-Finanzierung 500 Mio. USD einsammeln. CVCapital war als weltweit exklusiver Financial Advisor dabei. Ein Gespräch mit John Ma, Managing Partner bei der chinesischen Investmentbank.

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M&A China/Deutschland: Wie bewerten Sie den Erfolg der Finanzierungsrunde?

John Ma: Ich mir sicher, dass der Erfolg der Series-B-Finanzierung sowohl für Byton als auch für CVCapital von großer Bedeutung ist. Vom Beginn der Zusammenarbeit an waren wir fest davon überzeugt, dass es richtig ist, mit dem Augenmerk auf der strategischen Unternehmensentwicklung die Konzeption des Finanzierungsplans sowie die Kommunikation und Kooperation mit den Investoren anzugehen. Das Ergebnis übertraf am Ende bei Weitem die Erwartungen. Der Einstieg einer großen Bandbreite an strategischen Investoren ist ein Zeichen für den hohen Grad der Anerkennung gegenüber dem Management, der Technologie und den Produkten des Unternehmens. Vor allem verschafft es dem Start-up wichtige Ressourcen für das Wachstum. Für CVCapital lässt sich festhalten, dass wir durch die Finanzierungsrunde mit Byton unseren Blick auf die Branche der New Energy Vehicles (NEV) ausweiten konnten und in unserer Überzeugung gestärkt wurden, weiter diesen Bereich intensiv zu bearbeiten.

Wo gab es Herausforderungen?

Zu Beginn der Finanzierungsrunde gab es einige Fragen, in die Investoren keinen direkten oder genauen Einblick hatten. So zum Beispiel, ob Byton eigentlich ein chinesisches oder ein ausländisches Unternehmen ist oder auf welche Weise man am besten deutsches Fertigungs-Know-how und Hightech aus Silicon Valley in den chinesischen Markt einbringen sollte. Bekanntermaßen hat Byton seinen Hauptsitz in Nanjing und unterhält im Silicon Valley und in München Entwicklungszentren. CVCapital hat an diesen drei Standorten eigene Teams, die eng kooperieren konnten. Über den Verlauf der Kapitalrunde hinweg bestritten wir zusammen mit dem Unternehmen so wichtige Meilensteine wie den Launch der Marke Byton, die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas mit der Enthüllung des Konzeptautos sowie die Auto China in Peking. Dadurch gelangten wir zu einem umfassenden, unmittelbaren und eingehenden Verständnis in Bezug auf Aspekte wie die Entwicklungsarbeit, das Management, die Produkte und die Technologie des Unternehmens.

Lead-Investor war der staatliche Autobauer FAW. Mit dabei waren der Batteriehersteller CATL und der Silk Road Funds. Was waren die Gründe für sie, bei Byton einzusteigen?

Zunächst einmal schätzen die Investoren die „DNA“ von Byton, die sich aus der deutschen fertigenden Industrie ableitet. Das deutlichste Beispiel hierfür ist FAW. Dass ein chinesischer OEM wie FAW als Lead-Investor gewonnen werden konnte, ist ein Zeichen für die hohe Anerkennung gegenüber Byton. Die Kernkompetenz eines OEM wie Byton wiederum besteht nicht etwa darin, dass er einfach die verschiedensten Highendteile zusammenmontiert, um so das beste Fahrzeug zu bauen. Denn von der Hardware bis zur Software müssen alle diese Komponenten eines solchen Fahrzeugs aufeinander abgestimmt sein. Die Fähigkeit zur Integration der Komponenten basiert notwendigerweise auf jahrelanger Erfahrung. Ein solcher Prozess benötigt ein entsprechend hohes technisches Know-how und professionelles Können. Das war auch ein Punkt, auf den die Investoren achteten und der ihnen bei Byton gefiel.

Die Kapitalrunde spülte dem chinesischen Elektroauto-Start-up 500 Mio. USD in die Kassen. Was bedeutet dies für die Position von Byton in China und im weltweiten Markt für Elektrofahrzeuge?

Schaut man sich den Markt an, so tut sich gegenwärtig bei der Finanzierung von Elektromobilität in China so einiges. So manch ein Wettbewerber von Byton bemüht sich gerade auch um eine Finanzierung. Denn alle wollen als Nächstes in die Fertigung einsteigen und mit der Massenproduktion beginnen. Bei dieser Finanzierungsrunde von Byton zeigten die Investoren großes Interesse. Es wurden mehr Mittel eingesammelt als ursprünglich geplant. Zum Schluss blieb uns nichts anderes übrig, als bei einigen Investoren den Anteil zu reduzieren. Natürlich ist das auch ein positives Signal, das die außergewöhnliche Anerkennung der Investoren gegenüber Byton zum Ausdruck bringt. Gleichzeitig verschaffte die Finanzierung Byton ausreichend Munition. Dadurch ist es möglich, den nächsten Schritt des Unternehmens in die Massenproduktion problemlos zu gewährleisten. Zudem lässt sich anhand dieser Kapitalrunde erkennen, dass die Positionierung Bytons auf große Akzeptanz am Markt trifft. Das ist eine gute Basis für die folgenden Schritte bei der Finanzierung sowie der Expansion ins Ausland.

In China gibt es zahlreiche Start-ups, die sich im Bereich Elektrofahrzeuge und autonomes Fahren tummeln und die Mobilität von morgen entwickeln wollen. Wodurch hebt sich Byton von den zahlreichen anderen „jungen Wilden“ aus China ab?

Bytons Besonderheit liegt darin, dass das Unternehmen im Bereich von Design und Fertigung so manch anderen Fahrzeugherstellern deutlich überlegen ist. Außerdem fokussiert sich Byton unter den vielen Start-ups in diesem Bereich speziell auf hochwertige SUV. Auch NIO bearbeitet dieses Segment. Aber in China gibt es viele Start-ups im Bereich Elektromobilität. In der gegenwärtigen Anfangsphase stehen nicht unbedingt alle im Wettbewerb miteinander. Manche stellen Kleinwagen her, andere wiederum SUV im unteren Preissegment. Die stellen keine Konkurrenz für Byton dar.

Wird CVCapital künftig bei weiteren Finanzierungsrunden und Transaktionen in den Bereichen E-Mobility und autonomes Fahren aktiv werden?

Zunächst einmal schenken wir dem Bereich Elektrofahrzeuge und den Möglichkeiten des neuen Zeitalters der Mobilität äußerst hohe Beachtung. Daher fokussieren wir uns nicht nur auf die Elektroautos selbst, sondern auf die ganze mit den Fahrzeugen zusammenhängende moderne Produktionskette. Das umfasst Technologien wie Batterien, Lidar-Systeme, autonomes Fahren oder Präzisionskartensysteme. In diesen Bereichen arbeiten wir derzeit sowohl für US-amerikanische als auch europäische und chinesische Klienten.

Wie ist CVCapital insgesamt positioniert?

Erstens: In Bezug auf Branchen positioniert sich CVCapital insbesondere in den Sektoren Advanced Manufacturing, Healthcare, Consumer Goods und TMT. Der Bereich Advanced Manufacturing umfasst dabei auch klassische Industrien wie Automotive und Maschinenbau. Zweitens unsere Positionierung in Bezug auf die globale Präsenz: Es gibt nur sehr wenige chinesische Investmentbanken, die wie wir nicht nur in Festlandchina und Hongkong, sondern auch mit München in Deutschland bzw. Europa und mit dem Silicon Valley in den USA vertreten sind. Darüber hinaus sind wir noch in Israel aktiv. Vor dem Hintergrund, dass die internationalen Finanzmärkte auch mit Blick auf die Finanzierung von jungen Unternehmen immer mehr zusammenwachsen, ist unsere globale Präsenz ein Alleinstellungsmerkmal und ein Vorteil. Natürlich kann ich nur sagen, dass wir gegenwärtig in Hinsicht auf die globale Präsenz eine führende Position einnehmen. Schließlich haben wir noch einen langen Weg vor uns.

Welche Bedeutung hat der deutsche Markt für CVCapital als eine chinesische Investmentbank? Was sind die Pläne und Ziele für die Zukunft?

Der europäische und insbesondere der deutsche Markt ist für CVCapital von außerordentlich hoher Bedeutung. Denn im Bereich hochentwickelter Fertigungstechnologien ist Deutschland ein ganz wichtiges Land mit einer mächtigen industriellen Basis. Dementsprechend weist das Geschäft in Deutschland zu dem in China zahlreiche Synergien auf. Viele deutsche Unternehmen denken auch gerade darüber nach, wie sie ihr Chinageschäft entwickeln können. In dieser Situation kann CVCapital Unterstützung bieten. Das heißt, wir können sie mit strategischen Kooperationspartnern in China in Verbindung bringen. Oder, wenn ein deutsches Unternehmen als Investor oder in einem Joint Venture in China einen Standort aufbauen möchte, so können wir Kontakte knüpfen und Brücken zu den Lokalregierungen bauen.

Herr Ma, vielen Dank für das Gespräch.

 

Zur Person

John Ma ist Managing Partner bei der chinesischen Investmentbank CVCapital. Sein Spezialgebiet sind Privatplatzierungen und M&A in den Bereichen Telekommunikation, Medien und Technologie sowie im Konsumsektor. Er arbeitete mehr als 20 Jahre an der Wall Street und sammelte dort reiche Erfahrung bei der Beratung von M&A-Deals, IPOs, Folgeemissionen, PIPE-Transaktionen und Privatplatzierungen. Vor seinem Einstieg bei CVCapital 2012 war John Ma Chinarepräsentant für Roth Capital Partners. Zuvor war er für AIG und die Bank of America tätig. Die Investmentbank CVCapital mit Hauptsitz in Shanghai hat bereits Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 12 Mrd. USD abgeschlossen. Seit Anfang 2017 ist CVCapital mit einem eigenen Büro in München vertreten. Dr. Ernst Ludes leitet von dort aus das europäische Team.
www.cvcapital.com

 

Byton – ein deutsch-chinesisches Start-up

Weltpremiere: Byton-Gründer Daniel Kirchert (l.) und Carsten Breitfeld stellen auf der CES in Las Vergas ein Konzept-SUV vor (©Bild: Byton).

Als vor zwei Jahren die beiden Ex-BMW-Manager Carsten Breitfeld und Daniel Kirchert zusammen die Future Mobility Corporation mir ihrer Elektroauto-Marke Byton ins Leben riefen, kündigte sich Großes an. Denn Breitfeld, Entwickler des Elektro-Hybrids BMW i8, und Kirchert, ehemaliger Verkaufschef des Münchner Premiumautobauers n China, erhielten bald Unterstützung durch den Internetriesen Tencent und den taiwanischen Auftragshersteller Foxconn. Nach einer ersten Kapitalrunde im August 2017 über 200 Mio. USD folgte im Juni dieses Jahres die Series-B-Finanzierung über 500 Mio. USD, die die chinesische Investmentbank CVCapital als weltweiter exklusiver Financial Advisor begleitete. Die Namen der Beteiligten ließen aufhorchen: Lead-Investor war der staatliche Autohersteller und Volkswagen-Partner FAW, der sich mit 260 Mio. USD beteiligte. Hinzu kam der Batteriespezialist CATL. Mit dabei waren unter anderem auch Tus-Holdings, China Merchants Capital sowie der Belt-and-Road-Funds der Provinz Jiangsu. Die eingesammelten Mittel sollen in die weitere Produktentwicklung und die Massenherstellung fließen.

 

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Vereinfachtes Chinesisch