Herzlichen Glückwunsch, Volksrepublik!

Bildquelle: www.tongguan.gov.cn

Die Volksrepublik feiert ihren 70. Geburtstag – mit großer Waffen- und Militärparade sowie einer umfangreichen Dokumentation der eigenen Leistungen.

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Vor 70 Jahren, am 1. Oktober 1949, rief Mao Zedong auf dem Platz des Himmlischen Friedens die Volksrepublik China aus. Er beendete damit 27 Jahre Bürgerkrieg und rund 100 Jahre Chaos, Wirren und Leid. Der Aufstieg des Landes seitdem war einzigartig. Diese Entwicklung wurde nun in einem Weißbuch, welches der Staatsrat anlässlich des 70. Geburtstags der Volksrepublik veröffentlichte, festgehalten. Die Veränderungen sind gewaltig und lassen sich bereits an einigen wenigen Zahlen ablesen: Im Jahr 1949 lebten quasi alle Chinesen in extremer Armut, heute sind es nur noch 1,7%. Das durchschnittliche, zur Verfügung stehende Einkommen stieg von 98 CNY im Jahr 1956 auf 28.228 CNY im Jahr 2018. Die Lebenserwartung stieg von 35 Jahre auf 77 Jahre an und während heute beeindruckende 48,1% der Bevölkerung einen höheren Bildungsweg einschlagen, waren es 1949 gerade einmal 0,22%. Zu dieser Entwicklung kann man China und dem chinesischen Volk nur von ganzem Herzen gratulieren.

 

Nachdem Mao Zedong das chinesische Volk in den Anfangsjahren der Gründung der Volksrepublik durch die schwierigsten Jahre geführt hatte, leistet Deng Xiaoping auch einen großeb Beitrag zum Aufstieg Chinas.

 

Schritt für Schritt wurden die kommunistischen Fesseln gelockert, die den Fleiß, die Innovationskraft und das wirtschaftliche Geschick der Chinesen bis dahin gehemmt hatten. Mit mehr ökonomischen Freiheiten begann das größte Wunder der Menschheitsgeschichte, im Zuge dessen rund eine Milliarden Menschen in kürzester Zeit aus bitterster Not und Armut in relativen Wohlstand aufstiegen. Dieses Wunder ist freilich bei genauerer Betrachtung eben kein Wunder, sondern ein natürlicher Prozess, der zum Tragen kommt, wenn die Menschen Raum und Freiheit haben, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und so ihre Bedürfnisse zu decken.

 

Heute ist die Volksrepublik die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde. Insbesondere die Küstenstädte sind moderner als die meisten Städte im Westen. Die Digitalisierung ist einer der großen Wirtschaftstreiber und wurde von der Bevölkerung – ebenfalls anders als im Westen – längst voll angekommen. Die im Weißbuch veröffentlichten Zahlen diesbezüglich lesen sich beeindruckend. Noch interessanter allerdings ist der Ausblick, der darin gewagt wird. Denn ganz deutlich sagen die Autoren, dass die 70jährige Volksrepublik keinesfalls gewillt ist, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Vielmehr soll die wirtschaftliche Entwicklung weiter forciert werden. Vor allem aber wird der Anspruch formuliert, an der Ausgestaltung der Weltordnung des 21. Jahrhunderts sehr viel aktiver mitzuwirken als das bisher der Fall war.

 

China verspricht, sich weiter öffnen. Freier Handel und Austausch zwischen den Völkern sollen gerade den ärmeren Nationen künftig zum Vorteil gereichen und China dabei als Vorbild dienen. Die Rede ist auch von einer anderen wirtschaftlichen Globalisierung, in der keine „the winner takes it all“ Mentalität mehr herrscht oder ökonomische Nullsummenspiele gespielt werden. Von weiterem Wachstum und weiter zunehmendem Wohlstand in China werde die gesamte Welt profitieren.

 

Explizit gehen die Autoren auch auf die Beziehungen zu den USA ein. Sie warnen vor der „Thukydides-Falle“, die ihrer Meinung nach aber nicht zuschnappen muss. Eine friedliche Koexistenz und Kooperation sei durchaus möglich– zum Wohle der gesamten Welt. Ebenfalls werden die Beziehung zu Russland, der EU und den chinesischen Nachbarstaaten beleuchtet. In jedem Fall strebe die Volksrepublik keinesfalls nach Hegemonie, sondern wünscht sich eine multilaterale Weltordnung, in welcher der Wille zu „Fairness und Gerechtigkeit“ das politische Handeln der Akteure bestimmt. Als entscheidende Stützen hierfür werden die UN, die WTO und andere supranationale Organisationen angeführt. Zeitgleich wird der Führungsanspruch bei Reform und Entwicklung des Systems der Global Governance im 21. Jahrhundert untermauert.

 

Es ist ein optimistisches Bild, getragen von den erfahrenen Wohlstandszuwächsen und einem Vertrauen in die technischen und technologischen Entwicklungen, welches von den Autoren der Studie gezeichnet wird. Man darf gespannt sein, inwieweit China die dort formulierten Versprechen und Verhaltensweisen angesichts der real bestehenden Herausforderungen, Risiken und Gegensätze einhalten wird können. Die Zukunft wird es in den nächsten 70 Jahren zeigen.

 

Link zum Weißbuch „China and the World in the New Era“ (englisch)

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Vereinfachtes Chinesisch