Dunkle Wolken am Wirtschaftshorizont

Bildquelle: welt.de

Obwohl der ifo Geschäftsklimaindex sich kurzfristig erholt zeigt, sind die langfristigen Aussichten für die deutsche Wirtschaft nicht gut – es droht eine Rezession.

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Rund 9.000 Unternehmen befragt das Münchner ifo Institut für seinen Geschäftsklimaindex, der zu den besten Werkzeugen der Ökonomen zur Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland gehört. Zwar stieg der Index in diesem Monat hinsichtlich der aktuellen Lagebeurteilung überraschend an, aber hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten zeigen sich die Unternehmen immer skeptischer. Während die Beurteilung der aktuellen der Lage sowie das aktuell empfundene Wirtschaftsklima mit +1,1 beziehungsweise +0,3 Punkten zulegen konnten, fielen die Erwartungen hinsichtlich der kommenden 6 Monate gegenüber dem Vormonat abermals um -0,5 Punkte und damit auf mehrjähriges Tief.

Besonders bedenklich ist das Auseinanderklaffen von aktueller Lagebeurteilung und den Geschäftsaussichten. Eine so starke Divergenz bestand hier zuletzt während der Finanzkrise im Jahre 2009. Zudem fielen die Exporterwartungen der deutschen Wirtschaft im September drastisch: von -2,3 Saldenpunkten für den Vormonat auf -5,6 Punkte. Damit gibt es eine weitere Parallele zur Finanzkrise. Auch damals waren die Exporterwartungen ähnlich pessimistisch.

Insbesondere die Kernbranchen der deutschen Wirtschaft, die Automobil- und die Chemieindustrie stehen unter Druck: Diesel- und Abgasskandale, die Klimaproteste, verschärfte Regulierungen, sinkende Nachfrage und erstarke Konkurrenz im Ausland insbesondere in den wichtigen asiatischen Märkten, die unsichere politische Lage gerade in Nahost, verstärkt durch die Ungewissheiten des „Brexit“ und nicht zuletzt das Thema „Zölle“ sowie der drohende Handelsstreit mit den USA. Die Baustellen sind zahlreich.

Noch wird die deutsche Wirtschaft vom Baugewerbe und dem privaten Konsum getragen, aber auch hier spürt man zunehmend die Folgen der schwächelnden Industrie. Insbesondere wenn der angekündigte, massive Stellenabbau in der Chemieindustrie beispielsweise bei BASF oder Bayer und in der Automobilindustrie, beispielsweise beim weltgrößten Automobilzulieferer Bosch, umgesetzt wird, dürfte auch der private Konsum einbrechen. Dafür, dass sich die Industrie in Bälde erholt, gibt es keinerlei Anzeichen und entsprechend wenig optimistisch kommentiert der ifo-Chef Clemens Fuest: „Im verarbeitenden Gewerbe kennt das Geschäftsklima nur eine Richtung: abwärts.“

Besonders besorgend ist an der Entwicklung, dass es sich dabei nicht um nur eine kurzfristige Schwächephase handelt. Die Allianz beispielsweise rechnet für die Jahre 2019 und 2020 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von insgesamt rund 0,6% und damit gerade einmal der Hälfte des Wachstums in der gesamten Eurozone. Das Institut der deutschen Wirtschaft mit Sitz in Köln hat seine Konjunkturprognose jüngst reduziert und zeigt sich, ob der Möglichkeit einer „dauerhaften Wachstumsschwäche“ besorgt. Sollte der ifo Erwartungsindex mit seiner Prognose richtig liegen, dann droht Deutschland ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von -1,2% auf Jahressicht.

 

Link zu den Meldungen des ifo Institut

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