Tencent will Standort Frankfurt massiv ausbauen

Der chinesische Internetgigant eröffnet sein europäisches Cloud-Büro in Frankfurt am Main und will in den kommenden Jahren bis zu 3.000 Arbeitsplätze schaffen.

Frankfurter Skyline
Quelle: Adobe Stock, © Mojolo

Tencent wächst am Standort Frankfurt. „Es ist ein großer Erfolg, dass es gelungen ist, Tencent in der Region anzusiedeln“, freut sich Eric Menges, Geschäftsführer der FrankfurtRheinMain GmbH (FRM). „Damit baut die Region ihre Rolle als führender Standort asiatischer Unternehmen in Europa weiter aus. Zudem zeigt diese Ansiedlung auch ganz deutlich, dass die Region als Basis für Unternehmen aus dem IT- und Internetbereich hervorragend aufgestellt ist.“ Tencent Cloud Europe GmbH, ein Tochterunternehmen der Tencent Holding, eröffnet nun ihr Europa-Büro in Frankfurt. Die Ansiedlung wurde von FRM in Abstimmung mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Frankfurt unterstützt.

Tencent wurde im Jahr 1998 in der chinesischen Stadt Shenzhen gegründet. Heute ist es das größte Internetunternehmen Chinas und einer der wertvollsten Konzerne der Welt. Bekanntestes Produkt dürfte die Anwendung „WeChat“ sein. Sie ist aus dem digitalen Leben der Chinesen nicht mehr wegzudenken. Die App vereint Funktionen von Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter, Instagram und vielen mehr in sich. Darüber hinaus lassen sich in ihr Lokalisierungs- und Bestelldienste nutzen. Jenseits davon ist Tencent ein globaler IT-Serviceanbieter. Das Unternehmen gehört zu den weltweit führenden Entwicklern neuer Anwendungen wie Internetsicherheit, künstliche Intelligenz, Verarbeitung großer Datenmengen und digitale Bezahlsysteme. Allein die in WeChat integrierte Bezahlfunktion hat in China einen Marktanteil von rund 40%. Zudem verfügt das Unternehmen über ein riesiges Portfolio von über 700 Beteiligungen. Darunter unter anderem den Autohersteller Tesla, die Spieleschmiede Activision Blizzard und die Rabattwebseite Groupon. Im Jahr 2017 begann Tencent damit, Rechenzentren auch außerhalb Chinas betreiben.

Tencent in Frankfurt

Tatsächlich ist das Unternehmen auch seit damals bereits in der hessischen Mainmetropole vertreten. In Kooperation mit dem niederländischen IT-Dienstleister Interxion eröffnete Tencent im Juni 2017 dort sein erstes europäisches Rechenzentrum, anfangs mit bescheidenen 20 Angestellten. Nun allerdings wächst Tencent am Standort Frankfurt deutlich. 2.000 – 3.000 Arbeitsplätze will man in der Region schaffen und rund 3 Mrd. EUR investieren. Den deutschen Markt hat der Konzern als einen der vielversprechendsten für seine Cloud-Dienstleistungen ausgemacht. Die unvermeidliche Digitalisierung werde die Nachfrage nach IT-Dienstleistungen weiter vorantreiben, wie der Europachef von Tencent, Shiwei Li, gegenüber dem Handelsblatt erklärte.

Gerade für die exportorientierte deutsche Industrie sind Lösungen hochattraktiv, die Geschäfte mit Industriekunden und Partnern in China und dem Rest der Welt vereinfachen und beschleunigen. Zudem bietet Tencent seinen Partnern und Kunden Zugang zur Infrastruktur und dem riesigen Ökosystem des Unternehmens: Mehr als 1,1 Milliarde Menschen nutzen die sozialen Netzwerke und Unterhaltungsplattformen des Konzerns. Unlängst konnte Tencent den deutschen Premiumautobauer BMW unter anderem mit der Aussicht, diese Nutzer direkt ansprechen zu können, als Partner gewinnen. BMW nutzt WeChat nun für maßgeschneiderte Werbung und direkte Interaktion mit seinen Kunden. Zukünftig wollen die Münchner die App sogar ohne Umwege in ihre Automodelle integrieren. Noch wichtiger ist vermutlich der gemeinsame Bau eines Computerzentrums in Tianjin. Dort soll vor allem an Lösungen im Bereich des Autonomen Fahrens gearbeitet werden soll.

Cloud-Anbieter unter Beobachtung

Neben der Attraktivität der europäischen Märkte gibt es aber noch weitere Gründe für das nun massiv verstärkte Engagement des chinesischen Konzerns in Europa. Die strikten und immer weiter verschärften EU-Regularien in Sachen Datenschutz machen es notwendig, eine starke Präsenz vor Ort zu haben. Denn nur wenn diese Regularien genau beachtet und eingehalten werden, kann Tencent die Zugänge zu seinen Spieleplattformen sowohl für potentielle neue „Gamer“ als auch für die europäischen Spieleentwickler weiterhin schnell und unkompliziert halten. Schließlich spielt auch das wachsende Misstrauen der europäischen Regierungen, nicht zuletzt der deutschen, gegenüber den Chinesen eine Rolle. Die Bundesregierung verschärfte Ende 2018 die Regularien für ausländische Investitionen deutlich. Die Liste der besonders sensiblen Industriezweige weist Cloud-Computing-Dienste klar als einen Schlüsselsektor aus. Die Schaffung von Arbeitsplätzen und Investitionen in Milliardenhöhe vor Ort sind daher auch gute Argumente gegen die Sorgen der europäischen Regierungen.

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