Start Blog Seite 81

Kommentar zur Änderung der Außenwirtschaftsverordnung durch die Bundesregierung

Kommentar der China International Investment Promotion Agency (Germany) 中国国际投资促进中心(德国)特稿Bildquelle: Adobe Stock; © meshmerize

Am 12.07.2017 hat das Bundeswirtschaftsministerium offiziell die neunte Verordnung zur Änderung der Außenwirtschaftsverordnung genehmigt. Wir glauben, dass die Bundesregierung mit dieser Handlung einen weiteren Schritt in Richtung Protektionismus macht. Die gesamten Investitionsinteressen und Kooperationsaktivitäten von Unternehmen aus Nicht-EU-Ländern werden unmittelbar beeinträchtigt und das deutsche Investitionsumfeld verschlechtert. Wir sind darüber äußerst besorgt.

1. Protektionismus führt zu Behinderung der Entwicklung der Wirtschafts- und Handelskooperationen zwischen China und Deutschland

Die aktive Nutzung ausländischer Investitionen ist ein wichtiger Bestandteil eines offenen Wirtschaftssystems, der eine positive Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung spielt. In Deutschland sind die ausländischen Investoren, einschließlich der chinesischen Investoren, im lokalen sozialen und wirtschaftlichen Leben integriert. Durch die aktive Teilnahme am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben in Deutschland schaffen und sichern ausländische Investoren Arbeitsplätze, übernehmen gesellschaftliche Verantwortung und leisten somit einen Beitrag zur Entfaltung neuer Wachstumspotenziale in Deutschland. Allerdings bringt die neunte Verordnung zur Änderung der deutschen Außenwirtschaftsverordnung Unsicherheit bei Investitionen durch Nicht-EU-Unternehmen, einschließlich chinesischer Unternehmen, und eine Verschlechterung des Investitionsklimas mit sich. Damit belastet der Vorgang das Vertrauen in die partnerschaftliche Zusammenarbeit bei Investitionen in Deutschland.

Zurzeit entwickeln sich die chinesisch-deutschen Beziehungen sehr positiv und die praktische Zusammenarbeit vertieft sich stetig. Die häufigen hochrangigen Besuche zwischen China und Deutschland tragen zu einem verbesserten Wissen übereinander bei. China und Deutschland sind wichtige Handelspartner. Als Vertreter der chinesischen Investitionsförderungsagentur in Deutschland setzen wir uns aktiv dafür ein, das Investitionsumfeld und die Industriepolitik jeweils in den beiden Länder bekannt zu machen, die Entwicklung bilateraler Investitionen im Rahmen partnerschaftlicher Zusammenarbeit voranzutreiben und unterstützten die Verbreitung von Information und den Aufbau von Kanälen, um die Ressourcen beider Seiten füreinander verfügbar zu machen. Aber in den letzten Jahren haben wir festgestellt, dass mit Blick auf Außenwirtschaft und Außenpolitik das Umfeld in Deutschland immer konservativer wird. Dies gilt vor allem seit dem letzten Jahr, als es als Reaktion auf das Midea-Angebot für Kuka und die Übernahme von Osram zu Versuchen politischer Einflussnahme kam. Insbesondere widerrief das Bundeswirtschaftsministerium die bereits erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Übernahme von Aixtron durch Fujian Grand Chip Investment. Diese in sich widersprüchliche Entscheidung hat dem Vertrauen ausländischer Investoren bei ihren geschäftlichen Aktivitäten in Deutschland auf jeden Fall geschadet. Diese protektionistischen Maßnahmen und die neu verkündeten Verordnungen stehen im Widerspruch zum Wunsch nach einer weiteren Vertiefung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen.

2. Stärkung des gegenseitigen Vertrauens und der richtige Blick auf die bilateralen Investitionen zwischen China und Deutschland

Im Jahr 2016 stiegen die Greenfield-Investitionen von China nach Deutschland im Vergleich zum Vorjahr auf 2,945 Mrd. US-Dollar an und überschritten damit erstmals die deutschen Direktinvestitionen nach China. Der Startschuss für den Investitionsfluss von China nach Deutschland fiel erst relativ spät, die Ausgangsbasis war niedrig. Obwohl sich die Investitionen in den letzten Jahren schnell entwickelt haben, ist die Investitionssumme Chinas in Deutschland immer noch weniger als 1% der Gesamtsumme aller ausländischen Investitionen hierzulande. Auch ist die Differenz zu der Gesamtsumme sehr groß, die Deutschland in China investiert hat. Mit Blick auf M&A-Projekte von chinesischen Unternehmen in Deutschland, sorgen sich viele Deutsche, dass es zu einem Ausverkauf deutscher Unternehmen nach China  kommen könnte. Dies ist jedoch unbegründet. China hat nicht die Absicht und ist auch gar nicht in der Lage, in Deutschland Unternehmenskäufe in einem derartigen Umfang zu tätigen. Wir wissen, dass viele deutsche Unternehmen von der wirtschaftlichen Öffnung Chinas profitieren. Der staatliche Strategieplan „Made in China 2025“ wird den deutschen Partnern weitere Wachstumschancen bringen. Die bilaterale Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland ist kein Nullsummenspiel, sondern bringt beiden Seiten Gewinne. Wenn man Kooperationen aus Sorge vor Konkurrenz ablehnt, gehen  Chancen und Entwicklungsspielräume verloren. Die deutschen Unternehmer sollten Vernunft walten lassen und die langfristigen Perspektiven im Auge behalten, um bei der rasanten Entwicklung Chinas mit an Bord zu sein. Die deutsche Regierung sollte erkennen, dass sich die Zusammenarbeit beider Länder beim Handel nur gesund entwickeln kann und sich das Niveau der Kooperation steigern lässt, wenn die Investitionen in beide Richtungen ungehindert fließen.

3. Objektive Unterschiede zwischen deutschen und chinesischen Regelungen zu Auslandsdirektinvestitionen

Im Vergleich zum wachsenden Konservatismus der deutschen Außenpolitik, fördert die chinesische Regierung derzeit die Öffnung nach außen und baut eines faireres, transparenteres sowie berechenbares Investitionsumfeld auf.

In den vom Staatsrat veröffentlichten „Ansichten zum Aufbau einer neuen offenen Volksirtschaft“ wird deutlich die Entschlossenheit dargelegt, dass das Niveau der Nutzung auswärtigen Kapitals angehoben und China weiter zum Anziehungspunkt für Investitionen ausländischer Geschäftsleute werden soll. Die Vertiefung der Reformen zur Verschlankung und Dezentralisierung der Verwaltung, die Verbindung von Deregulierung und Kontrolle sowie die Optimierung der Dienstleistungen der Verwaltung sollen weiter vorangetrieben und mit vereinten Kräften eine Win-win-Situation für beide Seiten verwirklicht werden.

Fazit

Sowohl China als auch Deutschland profitieren von der Globalisierung der Wirtschaft,  vom Freihandel und von internationalen Investitionen, deshalb sollte dieses Wirtschaftssystem von beiden Seiten gepflegt werden. Dies ist angesichts der heutzutage wachsenden Tendenz zum Protektionismus besonders wichtig. Wir hoffen, dass die deutsche Regierung und die betreffenden Institutionen genau wie die chinesische Regierung das richtige Signal an deutsche Unternehmen senden und reguläre wirtschaftliche Kooperationen weiter fördern werden.

 

China International Investment Promotion Agency (Germany)

18. Juli 2017

 

Ansprechpartner: TANG Zheng,  stellvertretender Direktor der China International Investment Promotion Agency (Germany).

Telefon: 069 2475 68020

E-Mail: tangzheng@fdi.gov.cn

Die China International Investment Promotion Agency (Germany) mit ihrem Büro in Frankfurt ist die offizielle Vertretung der dem chinesischen Handelsministerium MOFCOM unterstehenden Investmentagentur China Investment Promotion Agency (CIPA).

www.cipaeu.com

 

Jifeng baut Anteil an Grammer aus

Ningbo Jifeng baut seine Beteiligung am bayerischen Automobilzulieferer Grammer aus. Seit der letzten Ad hoc-Mitteilung der Amberger Ende Mai hat der strategische Investor und Partner aus China seinen Anteil von 15,07% auf mittlerweile 20,01% erhöht. Hierfür dürfte Jifeng nochmals schätzungsweise 30 Mio. EUR in die Hand genommen haben. Damit bekommt Grammer weitere Rückendeckung aus China im Abwehrkampf gegen die bosnische Investorenfamilie Hastor.

Einem Grammer-Sprecher zufolge hielt Hastor zuletzt eine Beteiligung von rund 22% an dem Autositzhersteller  – darunter  rund 19,2% über die Vehikel Halog und Cascade International. Die Hastors wollten den Grammer-Vorstand Hartmut Müller bei der Hauptversammlung im Mai absetzen und den Aufsichtsrat neu besetzen, scheiterten aber mit ihren Anträgen. Die Bosnier hatten 2015 mit einer Reihe von Übernahmen deutscher Autozulieferer für Aufregung gesorgt. Vergangenes Jahr eskalierte ein Streit mit Volkswagen und zog Produktionsausfälle beim größten deutschen Automobilkonzern nach sich. Laut Medienberichten werden daher die Versuche von Nijaz Hastor und seiner Familie, die Kontrolle über Grammer zu erlangen, in der deutschen Automobilbranche mit Argwohn betrachtet.

Seit Februar sind Grammer und Ningbo Jifeng strategische Partner. Für den Einstieg mithilfe einer Pflichtwandelanleihe über 9,2% der Unternehmensanteile legten die Chinesen 60 Mio. EUR auf den Tisch. Nach den Zukäufen an der Börse dürfte das Gesamtinvestment mittlerweile bei rund 135 Mio. EUR liegen. Beide Partner sind im Bereich Sitze und Fahrzeuginnenausstattung tätig und planen die Zusammenarbeit in Asien und insbesondere China auszubauen. Grammer erzielte im vergangenen Jahr mit 12.000 Mitarbeitern bei einem Umsatz von fast 1,7 Mrd EUR ein Vorsteuerergebnis (EBIT) von 73 Mio. EUR. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei rund 592 Mio. EUR, die des Partners Jifeng bei umgerechnet circa 1 Mrd. EUR.

Cathay scheitert mit Angebot für Epigenomics

Alternativen gesucht: Nach der gescheiterten Übernahme muss Epigenomics auf anderem Weg neue Geldmittel suchen. 并购交易失败后,Epigenomics寻找其它融资机会。Bild: Epigenomics AG

Cathay Fortune International ist mit dem öffentlichen Übernahmeangebot für den deutschen Biotechspezialisten Epigenomics gescheitert. Wie die Berliner Gesellschaft mitteilt, verfehlte Summit Hero, das Übernahmevehikel der chinesischen Beteiligungsgesellschaft, die erforderliche Mindestannahmeschwelle von 75%. Mit Ablauf der Annahmefrist am 7. Juli hielt Summit lediglich 62,13% der Anteilsscheine. Der Aktienkurs von Epigenomics brach nach Bekanntwerden der gescheiterten Übernahme ein.

„Es ist bedauerlich, dass das Übernahmeangebot nicht erfolgreich war“, kommentiert Greg Hamilton, CEO von Epigenomics in der Mitteilung die gescheiterte Transaktion. Auf der Hauptversammlung Ende Mai hatte Hamilton den Aktionären die Annahme des Angebots empfohlen. Die Offerte über 7,52 Euro pro Aktie entsprach einem Plus von fast 50% gegenüber dem gewichteten durchschnittlichen dreimonatigen Börsenkurs vor Bekanntgabe der Übernahmeabsicht Ende April. Damit wurden die Berliner von der Hongkonger Gesellschaft mit 171 Mio. EUR bewertet. Neben dem Aufschlag für die Anteilseigner hatte der Epigenomics-Chef Vorteile auf der Aktionärsversammlung als Vorteil der Offerte den Zugang zu frischem Geld für Epigenomics zur Stärkung von Forschung und Entwicklung genannt, „Wir werden nun sorgfältig alternative Finanzierungsmöglichkeiten prüfen, um zukünftig unsere Produkte erfolgreich zu vermarkten und innovative Krebstests zu entwickeln“, meint Hamilton jetzt angesichts der Schlappe.

Die 1998 ins Leben gerufene Epigenomics ist im Bereich Molekulardiagnostik tätig und entwickelt Mittel für die Früherkennung und Diagnose von Krebserkrankungen. Das Hauptprodukt des Unternehmens ist Epi proColon, ein Bluttest zur Darmkrebsfrüherkennung. Daneben arbeitet der Berliner Biotechspezialist an der Zulassung zu einem Mittel für die Erkennung von Lungenkrebs. Epigenomics beschäftigt rund 40 Mitarbeiter. 2016 verdoppelte das Biotechunternehmen seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr auf 4,2 Mio. EUR. Cathay Fortune International wurde 1998 in Shanghai gegründet. Seit 2009 ist die Beteiligungsgesellschaft auch in Hongkong registriert. Cathay investiert vorwiegend in die Bereiche Telekommunikations- und Netzwerkausrüstung, Automatisierung, chemische Grundstoffe, Biomedizin, Luftfahrt und Bergbau. Bereits im November vergangenen Jahres stieg Cathay Fortune über eine Kapitalerhöhung mit Privatplatzierung bei Epigenomics ein und erwarb 2,15% der Anteile an den Berlinern.

Start-ups in China

创新想法: 小黄车树立榜样,用租赁自行车想法创建成功初创公司。Bildquelle: Adobe Stock; © XtravaganT

Die Start-up-Szene in China hat für Außenstehende in den vergangenen Jahren nahezu unbemerkt enorm an Größe und Einfluss gewonnen. Durch Investitionen von vornehmlich privaten Geldgebern gesellt sich das Land mittlerweile zu den bekannten Start-up-Hochburgen USA und Israel. Die Vorbilder vieler Chinesen sind schnell ausgemacht: Die Internet-Giganten Baidu, Alibaba und Tencent (BAT) lassen die Augen junger Gründer aufleuchten. Viele Unternehmer sind angespornt, wollen Jack Ma, dem Gründer von Alibaba, oder Pony Ma von Tencent nacheifern. Sie stellen sich die berechtigte Frage: „Warum sollte ich eigentlich nicht auch so erfolgreich werden?“

An Venture Capital mangelt es nicht

Die Digitalisierung, die enorme Größe und Dynamik des chinesischen Marktes und die Verfügbarkeit von Kapital haben den privaten Sektor in China stimuliert. 2015 unterstützte die chinesische Regierung Neugründungen im Land mit 231 Milliarden US-Dollar. Geld ist also ausreichend da. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum haben die USA 50 Milliarden US-Dollar in ihre Start-ups investiert, Europa hat 10 Milliarden Euro ausgegeben und Deutschland ganze 2 Milliarden Euro.

Innovationen in China kommen heute aber vermehrt aus dem privaten Bereich. Chinesische Unternehmen sind vielfach führend in Bereichen wie Internet Finance, New Social Media, Artifical Intelligence oder auch Virtual und Augmented Reality. Dagegen entwickeln sich in den Augen vieler Chinakenner die Staatsbetriebe immer mehr zu Wachstumsbremsen.

51 der 203 nicht börsennotierten Unternehmen, die laut CB Insights aktuell mit einer Milliarde US-Dollar oder mehr bewertet werden, kommen aus China. 106 dieser sogenannten Einhörner (engl. Unicorns) kommen aus den USA.

 Mobilität ist eines der Top-Themen in China

Abseits der unzähligen Start-ups im Bereich Elektroautos feiern Fahrradvermietungsfirmen wie Xiaoming Danche, Ofo und Mobike große Erfolge. Mit ihren bunten Farben verändern sie das Stadtbild von Peking, Shanghai und vieler anderer chinesischer Städte (bislang 30 an der Zahl). Sie sind eine saubere Alternative im ohnehin überlasteten Stadtverkehr – und dabei sehr erfolgreich: Mobike kann mit mehr als 200 Millionen Fahrtenvermittlungen innerhalb eines Jahres aufwarten. Das Unternehmen hat 300 Millionen US-Dollar von Risikokapitalgebern eingesammelt. Wettbewerber Ofo wird bereits mit über einer Milliarde US-Dollar bewertet.

Chinesische Gründer überraschen mit innovativen Ideen

Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass man in China Geschäft mit der Vermietung von Fahrrädern machen kann? Ofo und Co. bringen aber nicht nur Räder an die Frau und den Mann, sie sammeln dabei auch jede Menge Nutzerdaten und werten sie aus. Dank der Digitalisierung sind hier neue Geschäftsfelder erschlossen worden, die nicht nur in China funktionieren. Die Gründer haben längst Ambitionen, auch ins Ausland zu expandieren.

Ein funktionierendes Ökosystem, wie es zum Beispiel in Israel existiert, entwickelt sich auch in China. Dieses setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen, die sich gegenseitig beflügeln und ergänzen: Da wäre zum einen die universitäre Forschung und der persönliche – vom Staat geförderte – Drang der jungen Menschen nach Innovation. Dazu kommen die finanzielle Unterstützung von öffentlicher Hand und Privatsektor sowie die gute technische Infra- und Internetstruktur. Dieser Mix ist es, der noch viele weitere innovative Unternehmen in China entstehen lassen wird. Die Zeit neigt sich dem Ende, in der das Land lediglich für die Qualität seiner Kopien bekannt war.

Lesen Sie zum Thema Start-ups auch die folgende Studie der KPMG: „The changing landscape of disruptive technology – Global Technology Innovation Hubs“.

Die Veröffentlichung des Beitrags erfolgt mit freundlicher Genehmigung der KPMG. Der Beitrag ist im Original auf dem Portal „Klardenker“ der KPMG und über den KPMG China Newsletter verfügbar. Den KPMG China Newsletter können Sie hier abonnieren.

„Wir verfolgen strategisch ausgerichtete, langfristige Investitionen aus China“

Attraktiver Standort: Das Saarland lockt auch zahlreiche chinesische Investoren an. Bildquelle: Adobe Stock; © sergeewitsch

Mit knapp einer Million Einwohnern ist das Saarland Deutschlands kleinstes Bundesland. Winzig im Vergleich zu chinesischen Dimensionen. Und doch wachsen die wirtschaftlichen Verbindungen kontinuierlich. Die Unternehmeredition sprach am Rande einer Investmentkonferenz in der ostchinesischen Küstenstadt Weihai mit Anja Petschauer von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Saar mbH (gwSaar). Das Interview führte Markus Rieger.

Unternehmeredition: Frau Petschauer, was verbindet das Saarland mit China?

Anja Petschauer: Sehr viel. Wir arbeiten schon seit Jahren intensiv mit chinesischen Partnern zusammen. Einige Großunternehmen haben sich im Saarland angesiedelt und es gibt zahlreiche Joint Ventures. In fast allen Fällen verfolgen wir strategisch ausgerichtete, langfristige Investitionen aus China, die in unserer Region auch Arbeitsplätze schaffen.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Gerne. Da wäre beispielsweise das Joint Venture zwischen der Vensys Energy AG und Goldwind aus China, das bereits seit 2003 besteht. Damals war Vensys noch ein Start-up, verfügte aber über eine Technologie zur Herstellung getriebeloser Windkraftanlagen. Die Drehzahl des Rotors wird hier direkt auf den Generator übertragen – ohne wartungsintensives, verschleißanfälliges Getriebe. Goldwind Science & Technology Co. Ltd. ist der größte chinesische Hersteller von Windturbinen. Als Anker-Investor der Vensys Energy AG trug man dazu bei, dass die Vensys-Technologie heute weltweit in über 12.500 Einheiten installiert ist und man global zur Nummer Zwei bei der Herstellung getriebeloser Generatoren aufgestiegen ist. Das Investment von Goldwind half, die Produktionslinie aufzubauen. Auch in China generiert das Joint Venture weiteres Wachstum.

In welchen Bereichen sehen Sie die nächsten großen Greenfield-Investments bzw. wo würden Sie sich diese am meisten wünschen?

Nun, wir sind ein Industriestandort und deshalb immer an Produktion interessiert. Die zentrale Lage, die gute logistische Anbindung sowie die traditionelle Industrieausrichtung des Saarlandes machen den Standort für produzierende Unternehmen interessant. Die Forschungslandschaft steht für die Kompetenz des Standorts für wissensbasierende Industrien. Wir freuen uns zum Beispiel sehr, dass sich das Helmholtz-Institut für IT-Security mit geplanten 500 Forschern und Wissenschaftlern direkt am Campus der Universität ansiedeln wird. Start soll bereits Ende 2017 sein. In diesem Umfeld sind auch Unternehmen aus China jederzeit willkommen, mit einer Ansiedlung zu profitieren.

Auch Firmenübernahmen durch chinesische Investoren wie etwa bei Saargummi kommen mittlerweile häufiger vor. Wie sind die bisherigen Erfahrungen mit den neuen Eigentümern aus dem Reich der Mitte?

Die Erfahrungen sind äußerst positiv. Das Industriekonglomerat Chongqing Light Industry & Textile Holding (CQLT) hat im Fall Saargummi seine Arbeitsplatzgarantien als Eigentümer auch über die vereinbarten Zeiträume hinaus eingehalten. Es wurde ein klares Bekenntnis zum Standort abgegeben und über den damaligen Kaufpreis hinaus weiter investiert. Die Produktentwicklung ist weiterhin im Saarland ansässig. Saargummi ist mit über 800 Mitarbeitern Hersteller von Endlosgummi-Dichtungen für den Automobilsektor.

 

Das Interview entstand während der 3. Delegationsreise der China Investment Promotion Agency (CIPA), die eine rund 25-köpfige deutsche Delegation aus Experten und Unternehmern vom 18. bis zum 25. Juni in die Städte Hangzhou(Hauptstadt der Zheijang-Provinz) sowie die Städte Zibo und Weihai in der Provinz Shandong führte. Die Publikation erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Unternehmeredition.

www.unternehmeredition.de

 

Anja Petschauer von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Saar mbH (gwSaar).
Anja Petschauer von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Saar mbH (gwSaar).

Zur Person

Anja Petschauer ist seit 2009 Director Marketing der gwSaar – Gesellschaft für Wirtschaftsförderung mbH. Sie ist unter anderem für die internationalen Beziehungen und das weltweite Partnernetzwerk der gwSaar verantwortlich.

www.strukturholding.de

Daimler und BAIC investieren gemeinsam in Elektromobilität

Die Daimler AG und BAIC haben vereinbart, rund 5 Mrd. RMB (655 Mio. EUR) in die Produktion von batteriegetriebenen Fahrzeugen zu investieren. In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, der anlässlich des G-20-Gipfels nach Deutschland gereist war, unterzeichneten die beiden Autobauer eine entsprechende Übereinkunft. Konkret werden die Investitionen in das Joint-Venture Beijing Benz Automotive (BBAC) fließen. Bereits Anfang Juni waren die Partner in einer Rahmenvereinbarung übereingekommen, dass Daimler einen Minderheitsanteil an der BAIC-Tochter Beijing Electric Vehicle (BJEV) erwirbt. Auch dabei stehen alternative Antriebe im Fokus.

Im vergangenen Jahr wurden in China über 500.000 Elektrofahrzeuge verkauft. Damit ist das Reich der Mitte der größte Markt weltweit – mit einem mehr als drei Mal höheren Absatz als in den USA. In Deutschland fanden 2016 lediglich 25.000 E-Cars einen Abnehmer. Daimler hofft von dem Elektro-Boom in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu profitieren. Darüber hinaus planen die Stuttgarter, bis 2022 weltweit mindestens zehn neue Elektroautos von Mercedes-Benz zur Serienreife zu bringen. 10 Mrd. Euro will der Konzern in den nächsten Jahren in den Ausbau der Elektroflotte stecken, 1 Mrd. Euro davon soll in die Batterieproduktion fließen.

BAIC ist einer der größten Autohersteller in China und hat mehrere Joint Ventures mit Daimler. Bei BBAC wird unter anderem die in China sehr erfolgreiche C-Klasse des Stuttgarter hergestellt. Auch an dem Sattelschlepperhersteller Foton Daimler Automotive ist BAIC beteiligt. Außerdem ist das Staatsunternehmen letztes Jahr bei Fujian Benz eingestiegen. Daimler wiederum hält 12% Anteile an der Hongkonger Tochter BAIC Motor.

Brenntag holt sich Wellstar Group ins Haus

在香港的并购: Brenntag 并购华海达集团及其中国子公司。Bildquelle: Adobe Stock; © lakov Kalinin

Die Brenntag AG übernimmt in einem zweistufigen Prozess den Hongkonger Spezialchemiehändler Wellstar Enterprises mitsamt seiner drei Tochtergesellschaften in Festlandchina. Das Mühlheimer Unternehmen erwirbt zunächst eine Mehrheit von 51 %, während der Kauf der restlichen 49 % für das Jahr 2021 vorgesehen ist. Bis dahin soll Wellstar als Joint Venture geführt werden. Der Abschluss der ersten Tranche soll bereits im Laufe der nächsten Wochen erfolgen. Zur Höhe des Kaufpreises äußerten sich die Beteiligten nicht.

Die Wellstar Gruppe ist auf die Distribution von Spezialpigmenten, Harzen und Additiven hauptsächlich in China spezialisiert. Mit dem Deal will der deutsche Chemiehändler seine Position in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt und darüber hinaus im gesamten asiatisch-pazifischen Raum stärken. Dazu wird Brenntag auf das Vertriebs- und Servicenetzwerk der neuen Tochter zurückgreifen. Wie Anthony Gerace, Director M&A in einer Unternehmensmitteilung zu der Transaktion erklärt, möchte Brenntag durch den Zukauf u.a. Chancen in der chinesischen Automobilindustrie nutzen. „Des Weiteren können wir durch die Übernahme unsere Geschäftsbeziehungen mit einem strategisch wichtigen Lieferanten stärken“, erläutert Gerace. „Nicht zuletzt sehen wir Synergiepotenziale im Hinblick auf die Bestandskunden von Brenntag China.“

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Wellstar Gruppe einen Umsatz von knapp 27,6 Mio. EUR. Der Käufer indes spielt mit seinen 15.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 10,5 Mrd. EUR im Jahr 2016 in einer höheren Liga. Das EBITDA von Brenntag belief sich dabei auf 810 Mio. EUR. Das 1874 von Philipp Mühsam Unternehmen betreibt in 74 Ländern mehr als 550 Standorte.

Roto Frank kauft in China zu

Die Roto Frank AG erwirbt die Union Ltd., einen chinesischen Hersteller von Komponenten und Halbteilen für Fenster- und Türbeschläge. Damit stärkt der deutsche Bauzulieferer seine Sparte Fenster- und Türtechnologie. Das südlich von Shanghai ansässige Familienunternehmen mit seinen rund 450 Mitarbeitern soll auch künftig eigenständig bleiben und nicht in den Gruppen-Verbund von Roto Frank übergehen. Der Abschluss der Transaktion ist innerhalb der kommenden drei Monate geplant. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Roto Frank unterhielt schon längere Zeit Geschäftsbeziehungen zu seiner neuen Tochtergesellschaft.  Union fungiert seit mehreren Jahren als Zulieferer von Zinkdruckguss und Aluminiumgussteilen. Laut dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Eckhard Keill erfolgte die Entscheidung, Union selbstständig zu lassen, mit Rücksicht auf die Kunden des chinesischen Zulieferers. Dazu zählen nämlich auch Wettbewerber des deutschen Käufers. Der Roto-Chef bezeichnet das aktuelle Investment in einer Mitteilung als „nächsten Schritt einer offensiven Strategie, die sich voll auf die Erfüllung weltweiter Markt- und Kundenanforderungen konzentriert“.

Die Roto Frank AG mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart ist ein Produzent von Beschlagsystemen und Elementen für die Bauwirtschaft. Das Unternehmen produziert heute in 17 Werken auf vier Kontinenten. 2016 erwirtschaftete die Roto-Gruppe mit rund 4.500 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 622 Mio. EUR.

Haowu steigt bei Feuer Powertrain ein

Zusammenarbeit angekurbelt: Haowu aus Tianjin erwirbt 50% an Feuer Powertrain. Bildquelle: Adobe Stock; © Oleksandr Delyk

Die zur Teewoo Group gehörende Tianjin Haowu Electromechanical Automobile Trading (Haowu) erwirbt 50% an Feuer Powertrain. Durch die Transaktion soll eine strategische Partnerschaft begründet werden und ein global führender Hersteller von Kurbelwellen entstehen, wie es in der Mitteilung des Nordhausener Automobilzulieferers heißt. Konkret wollen die neuen Partner im nächsten Schritt ein Joint Venture in China gründen. Die Vereinbarung sieht darüber hinaus die Möglichkeit des Erwerbs weiterer Anteile vor. Zur Höhe des Preises machten die Beteiligten Partner keine Angaben.

Haowu und Feuer Powertrain zielen mit ihrer Partnerschaft und dem Joint Venture in erster Linie auf westliche OEMs. Feuer Powertrain soll dabei vor allem technologisches Know-how sowie seine Kontakte zu europäischen und amerikanischen Automobilherstellern einbringen. Der Beitrag von Haowu liegt hauptsächlich im Marktzugang in China und Asien und dem dortigen Vertriebsnetzwerk.

Die 2002 gegründete Feuer Powertrain hat derzeit 850 Mitarbeiter, davon 700 in Deutschland. Das Unternehmen verfügt über Standorte in Deutschland und den USA sowie über ein Montagewerk in China. Für das Jahr 2017 wird nach Unternehmensangaben ein Umsatz von 165 Mio. EUR angepeilt.

Tianjin Haowu Electromechanical Automobile Trading wurde im Jahr 2000 ursprünglich als Handelsunternehmen für Autos gegründet. Heute umfasst das Geschäft die Herstellung von Komponenten für die Automotive Industrie, Car Management sowie den Import und Verkauf von Fahrzeugen, Services für den Gebrauchtwagenmarkt, Verschrottung und Recycling von Autos, internationalen Handel und Logistik, Financial Leasing sowie Gewerbeimmobilienprojekte im Zusammenhang mit der Automotive Industrie. Haowu erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von rund 14 Mrd. RMB (etwa 2 Mrd. EUR) und beschäftigt mehr als 4.500 Mitarbeiter in mehr als 120 Gruppengesellschaften.

Haowu gehört zur Tewoo Group aus Tianjin, einem Fortune 500 Unternehmen und einem der größten Konzerne Chinas im Bereich Rohstoffhandel und Material Handling. Der Staatskonzern erzielte zuletzt Erlöse in Höhe von rund 500 Mrd. RMB (70 Mrd. EUR) und beschäftigt rund 19.000 Mitarbeiter in mehr als 200 Tochterunternehmen.

 

Weihai: Entwicklungszonen umgeben vom Meer

Besuch bei einem Branchenführer: Wego rollt den Markt für Medizintechnik in China auf. 参观行业领袖:威高打开了中国医药科技的市场。

Umgeben vom Meer im äußersten Osten Chinas liegt Weihai. Die reizvolle zwischen Bergen und Meer gelegene Küstenstadt mit ihren 2,8 Mio. Einwohnern gehört zu den wohlhabendsten Regionen in China. Pro-Kopf-BIP von 17.000 USD erreicht mehr als das Doppelte des Landesdurchschnitts. Als Standort ist Weihai in Deutschland noch wenig bekannt. Zu Unrecht. Die Halbinsel in der Provinz Shandong ist mit ihren zahlreichen Entwicklungszonen ein Zentrum für Medizintechnik und Biotechnologie.

Auf der letzten Station der von der chinesischen Investmentagentur CIPA und dem DAW organisierten Reise nahmen die deutschen Experten und Unternehmer nochmals an einer Konferenz zum Erfahrungsaustausch und zur Kontaktanbahnung teil. Vor allem aber besuchten sie eine ganze Reihe von Produktionsstätten namhafter lokaler Firmen. Auf der Halbinsel drängen sich drei nationale Entwicklungszonen mit fünf Industrieparks. So gibt es dort drei Parks, die auf Biotechnologie und Medizintechnik, Automation und Smart Production sowie Karbonfaserherstellung spezialisiert.

Höhepunkt war der Abstecher bei Wego. Der mit 33 Mrd. RMB (4,4 Mrd. EUR) Jahresumsatz zweitgrößte Medinztechnikkonzern Chinas hat seine Zentrale in Weihai. Von der Einwegspritze bis zum Dialysegerät liefert das Unternehmen praktisch alles, was in einem Krankenhaus gebraucht wird. Die Delegationsteilnehmer hatten zudem auch Gelegenheit, einige Industrieparks in der Bauphase zu begutachten. Hier werden keine Kosten und Mühen gescheut. Es wird mehr als großzügig investiert, damit China beispielsweise im Bereich Biotechnologie zu den weltweiten Technologieführern vorstoßen kann. Der Platz für die dafür notwendigen Arbeitskräfte wird auch schon geschaffen. Allein in einem Immobilienprojekt, dessen Planungsphase auf drei und dessen Bauphase auf zehn Jahre angelegt ist, wird Wohnraum für 400.000 neue Einwohner gebaut.

Meeting am Meer: Yang Li, stellvertretende Bürgermeisterin von Weihai, mit Markus Rieger, Vorstandsvorsitzender der GoingPublic Media AG.
Meeting am Meer: Yang Li, stellvertretende Bürgermeisterin von Weihai, mit Markus Rieger, Vorstandsvorsitzender der GoingPublic Media AG.

Zibo: Neue Industrien an geschichtsträchtigem Ort

Event in Shandong: Die Vertreter der CIPA-Delegation bei der Konferenz für Industrie und Handel in Boshan, einem Bezirk der Stadt Zibo. CIPA代表团在山东省淄博市的博山区出席工商业会议。

„Hauptstadt der Pumpentechnologie“ – so wird Boshan genannt. Der Bezirk der ostchinesischen Stadt Zibo kann aber auch mit anderen modernen Industrien punkten. Neueste Materialen der Umwelttechnologie werden dort entwickelt, Pharmakonzerne investieren in den Ort, in dem auch traditionelles Handwerk weiterhin lebendig ist. Auf der zweiten Station der Delegationsreise der chinesischen staatlichen Investmentagentur CIPA und des DAW nutzen die deutschen Experten und Unternehmer auf der Konferenz für Industrie und Handel die Gelegenheit zum Austausch mit Anbietern aus Boshan. Tatsächlich hat der Ort bereits eine seit über 100 Jahren währende Beziehung zu Deutschland.

Entsprechend dem Branchenschwerpunkt der Delegationsreise stellten sich auf der Konferenz in Boshan den Teilnehmern mehrere chinesische Unternehmen aus den Bereichen Pharma und Umwelttechnologie vor. So präsentierte ZHANG Keming, stellvertretender Geschäftsführer von Boshan Pharmaceutical die Leistungen seines Unternehmens bei Produktion und Vertrieb von Medikamenten. Die Gesellschaft ist eine von über 220 Töchtern von Jointown Pharmaceutical. Der Konzern ist mit 65 Mrd. RMB (8,7 Mrd. EUR) Jahresumsatz landesweit die Nummer vier unter den Pharmaanbietern und der größte Branchenvertreter in privater Hand. Eines der zahlreichen Beispiele für den umwelttechnischen Fortschritt in China gab Professor ZHAO Yaohua von der Beijing University. An seinem Institut wurde auf Karbonbasis ein Material entwickelt, dass eine hocheffiziente Ableitung und Speicherung von Abwärme erlaubt und so u.a. den Nutzungsgrad von Solaranlagen oder Akkumulatoren deutlich erhöhen kann.

Im zweiten der Teil der Veranstaltung stellten sich die Unternehmer und Berater aus Deutschland in einer Road Show vor. Anschließend hatten sie Gelegenheit, mit potenziellen chinesischen Partnern in persönlichen Gesprächen Kontakte zu knüpfen. Zum Abschluss wurden mehrere Kooperationsvereinbarungen feierlich unterzeichnet. So unterschrieb Frau WANG Ziyun von der BankM ein Memorandum of Understanding mit Huacheng, einem örtlichen Pumpenhersteller.

Zibo liegt im Herzen der Provinz Shandong. Die 4,5 Mio. Einwohner verteilen sich auf fünf Bezirke, darunter Boshan. Im Gebiet von Zibo gab es bereits vor mehr als 3.000 Jahren mit Linzi, der Hauptstadt des Staates Qi, eine geschichtlich und kulturell bedeutende Siedlung. Heute blüht hier immer noch traditionelles Handwerk wie beispielsweise verschiedene Techniken der Lasur und Glasherstellung. Boshan wurde 1868 erstmals in einer deutschen Publikation erwähnt. Der Geologe Ferdinand von Richthofen, der den Begriff „Seidenstraße“ prägte, erzählte in seinen Reisebeschreibungen von dem Ort. Im Jahr 1904, als Boshan Protektorat des wilhelminischen Kaiserreichs war, bauten die Deutschen von dort aus eine Eisenbahnstrecke durch Shandong. 1996 investierte Siemens rund 260 Mio. RMB (35 Mio. EUR) in ein Vakuumpumpenwerk, das 2005 an den amerikanischen Industriekonzern Gardner Denver Nash verkauft wurde.

Erster Schritt: Die Investmentbank BankM und der Pumpenhersteller Huacheng unterschreiben ein MoU.
Erster Schritt: Die Investmentbank BankM und der Pumpenhersteller Huacheng unterschreiben ein MoU.

 

Alibaba: E-Commerce und Big Data

Alibaba bringt die verschiedenen Netzwelten zusammen: heute schon als klassisch geltende Plattformen für B2B- und B2C-E-Commerce, mit neuseten Fintech- und Mobile-Payment-Anwendungen sowie E-Logistik und Robotik. Bei ihrem Besuch in Hangzhou nutzten die Teilnehmer der von der chinesischen Investmentagentur CIPA und dem DAW organisierten Delegation die Gelegenheit zu einem Abstecher in das Hauptquartier des Internetriesen. Dort wird die Zukunft einer vernetzten Welt schon heute gedacht.

Den rund 25 Experten und Unternehmern aus Deutschland präsentierte ein Vertreter des Internetriesen bei einem Rundgang in der Zentrale das schnell gewachsene Reich von Alibaba. Nach den noch relativ einfachen Anfängen als B2B-Plattform entwickelte sich das Unternehmen von Jack Ma in Windeseile zu einem Konzern mit mittlerweile globalen Ambitionen, dessen Geschäftsbereiche jeden wichtigen Bereich vernetzten Handels und mobiler Dienstleistungen umfassen. Dabei treiben sich neue Technologien und die immer rascher steigenden Ansprüche der Kunden gegenseitig an. So erlaubt die Entwicklung von Cloud- und Big-Data-Anwendung die Optimierung der Lieferverfolgung für die vom elektronischen Handelshaus Taobao verschickten Produkte. Der Weg jedes einzelnen Pakets in den entferntesten Winkel des riesigen Landes lässt sich bequem in Echtzeit nachvollziehen.

Das neueste Gadget im Bereich E-Logistik: Alibabas Auslieferungsroboter, die selbständig navigieren, Hindernissen ausweichen und so die letzten Kilometer zum Kunden überwinden kan. Ein anderes Servicefeld, das in Deutschland noch unterentwickelt ist, ist der Bereich Mobile Payment. Mit Alipay hat der Konzern ein Zahlungsmittel geschaffen, das längst in allen Bereichen des Lebens in China Einzug gehalten hat. Ob es um die Zahlung eines internationalen Flugtickets oder den Einkauf auf dem Gemüsemarkt um die Ecke geht – fast jeder Smartphone-Besitzer des Landes nutzt die Vorzüge des Mobile Payments. Auch europäische und deutsche Anbieter müssen nachziehen. So können chinesische Touristen das Zahlungsverfahren bereits auf vielen internationalen Flughäfen nutzen. Darüber hinaus hat das Unternehmen ein drahtloses System für Mikrokredite entwickelt. Innerhalb von Sekunden erfolgt dabei die Bonitätsprüfung und Freigabe des Betrags. Auch hier spielt der konsequente Einsatz von Big Data zusammen mit riesigen Rechenkapazitäten eine entscheidende Rolle.

Im Zentrum der chinesischen Netzwelt: die Delegation in der Zentrale von Alibaba.
Im Zentrum der chinesischen Netzwelt: die Delegation in der Zentrale von Alibaba.