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Besser starten als warten

Bildnachweis: 2ragon – stock.adobe.com.

Mit „Weniger China wagen“ hat die GTAI kürzlich ihre SWOT-Analyse zu China überschrieben. Der Titel spiegelt wohl mehr die politische Stimmung und den Stand der öffentlichen Diskussion wider als die wirtschaftliche Realität. Trotz COVID-Lockdowns und Risiken ist Chinas Wirtschafts­entwicklung nämlich stabil. Die prognostizierten 4% Wirtschaftswachstum 2022 sind in absoluten Zahlen sogar mehr als die knapp 7% im Jahr 2017. Dabei setzt sich auch in der deutschen Politik langsam die Erkenntnis durch, dass die Entkoppelung von China für die deutsche Wirtschaft weder machbar noch sinnvoll ist. Zu viele Zukunftssektoren können rein praktisch betrachtet nur in wirtschaftlicher Kooperation bearbeitet werden. Damit werden sich 2023 vielerlei Chancen für Investitionen in und mit China eröffnen.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sich gerade exportorientierte Unternehmen verstärkt mit einem Engagement in China und Asien auseinandersetzen, insbesondere wenn sie derzeit nur über Händlerstrukturen vor Ort agieren. Wurden die deutschen Unternehmen früher vor allem durch niedrige Lohnkosten motiviert, mit eigenen Niederlassungen nach China zu gehen, war es später der oft große, aber in jedem Fall wachsende Binnenmarkt für zumeist B2B-Produkte des deutschen Mittelstands.

Heute wird China zunehmend als Innovationsstandort gesehen – oder zumindest als Ideengeber für Produktwünsche anderer asiatischer Kunden und als Standort für die Bearbeitung des Weltmarkts. Man kann also seine Wettbewerbsfähigkeit im innovativen Umfeld Chinas sowie durch die Bearbeitung des wachsenden asiatischen Markts mit 2,3 Milliarden Einwohnern, die im Durchschnitt deutlich jünger als in der westlichen Welt sind, massiv stärken.

World Average of robot density more than doubles compared to six yeras ago; Quelle: World Robotics 2022, www.ifr.org

Bereits heute gibt es Branchen, in denen China weltweit hinsichtlich Produktionskapazität die Führungsrolle übernommen hat, immer öfter aber auch in technologischer Hinsicht.

Wachstumsmarkt Photovoltaik

Ein Beispiel ist die Photovoltaik-(PV-) Industrie (PV). Die EU-Kommission verfolgt das politische Ziel, die installierte PV-Leistung bis 2025 auf 300 GW auszubauen, bei derzeit <10 GW Produktionskapazität in der EU. Die Photovoltaik erlebt gegenwärtig ein rasantes Wachstum von +50% im dritten Quartal 2022 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum (Export: +110%, 35 Mrd. USD, >100 GW).

Nach einer Analyse von Apricum planen 20 chinesische Firmen den Aufbau von PV-Fertigungskapazitäten von 380 GW innerhalb Chinas in den nächsten zwei Jahren. Der Vergleich zu dem vom EU-Kommissar Thierry Breton ausgegebenen Ziel eines Aufbaus von 20 GW PV-Fertigungskapazität bis 2025 in Europa zeigt die ­Dimension des chinesischen Vorsprungs, aber auch die Chancen für Anlagenbauer als Marktteilnehmer in China.

Deutschland hat schlicht verpasst, dort als Komplettsystemanbieter zu agieren, obwohl hier ein erheblicher Teil technologischer Vorarbeit in Europa geleistet wurde. Aus der Sicht mittelständischer Unternehmen mit Technologieführerschaft in Nischensegmenten, muss man in jedem Fall in China sein, um diese bedienen zu können sowohl mit lokaler Produktion als auch mit lokalem Service vor Ort.

Nehmen wir die Firma centrotherm, die 2018 ­eine Fertigung in China aufbaute. Sie ist mit ihrer Tochter in Kunshan ansässig. Vor Ort stellt man erfolgreich thermische Anlagen zur Solarmodulherstellung mitsamt Peripherie her und vertreibt sie sehr erfolgreich in China für ein oberes Marktsegment. Auf dieser Grundlage kann stetig im chinesischen Markt weiter expandiert werden.

Roboterindustrie zeigt Weg in die ­Zukunft

Eine weitere Branche unter hohem Augen­merk Beijings ist die Roboterindustrie. Hier hat China in der Roboterdichte 2021 noch einmal beachtlich zugelegt und liegt nach Angaben der International Federation of Robotik (IFR) nun bei 322 Robotern auf 10.000 Beschäftigte (2020: 246/10.000). Damit überholt China erstmals die USA in der Roboterdichte, die dort mit 274 Robotern auf 10.000 Beschäftigte angegeben wird (Deutschland: 397/10.000).

Für die Roboterherstellerindustrie stellt sich die Situation aber anders dar als bei Photovoltaik oder Wasserstofftechnik. Ausländische Hersteller wie ABB, FANUC oder Yaskawa beherrschen nach wie vor den Markt, während große chinesische Hersteller wie SIASUN, EFORT oder Estun relativ stabil mit circa 30% Marktanteil operieren.

Quelle: World Robotics 2022, Quelle: A new Centre of Gravity, RCEP and ist Trade Effects, UNCTAD, Dezember 2021

Übrigens sind die chinesischen ­Roboterhersteller bisher überwiegend auf dem Heimatmarkt aktiv mit Exportquoten unter10%. Nur vereinzelt agieren sie unter eigener Marke in Europa wie beispielsweise Estun, die seit 2017 mit einem R&D-Zentrum in Italien ansässig sind. Umgekehrt gilt für europäische Unternehmen: Wer nicht vor Ort ist, wird die Entwicklungen und Kundenanforderungen verschlafen, die derzeit im chinesischen Markt – nicht zuletzt – dank reduzierter Reglementierung – bei kollaborativen Robotern, dem Einsatz von künstlicher Intelligenz oder automatisierter optischer Erkennung forciert werden. Und bevor chinesische Unternehmen die westlichen Märkte intensiv zu bespielen beginnen – in manchen Zweigen des Maschinenbaus und bei der E-Mobilität ist dies bereits spürbar –, sollte man seinen Wettbewerb und dessen Technologien kennen!

Von China aus in den Weltmarkt

30% der Weltwirtschaftsleistung und der Weltbevölkerung sind in Japan, China, Südkorea, Australien und Neuseeland sowie den ASEAN-Mitgliedsstaaten zu Hause. Die Möglichkeiten, den asiatischen Markt aus China heraus zu bearbeiten, sind mit Inkrafttreten des asiatischen Handelsabkommens RCEP (ASEAN plus die fünf genannten Länder, ohne Indien) Anfang 2022 noch einmal deutlich gewachsen. Durch das Abkommen sinken die Zölle auf im RCEP-Raum (hauptsächlich) produzierte Waren und Güter nach Einschätzung der Vereinten Nationen (UNCTAD) um 92%!

Die UNCTAD erwartet eine Zunahme der Warenexporte innerhalb des RCEP-Raums um 42 Mrd. USD mit Zuwächsen für Japan, China, Südkorea und Australien, während die rein exportfokussierten Unternehmen aus der EU heraus mit -8,3 Mrd. USD die großen Verlierer sein werden. Insofern erscheint eine in Asien lokale Wertschöpfung unausweichlich, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die GTAI hat in diesem Zusammenhang Beispiele erarbeitet, die die hohe Relevanz auch für deutsche Mittelständler und ihre Exportprodukte zeigen. Für den Import eines Verbrennungsmotors von Japan nach China muss beispielsweise kein Zoll entrichtet werden, wenn >40% der verarbeiteten Teile aus Japan kommen. Um diese 40% und damit den Zollfreistatus zu erreichen, macht es einen Unterschied, ob ein Zulieferteil (z.B. ein Kolben) aus einem Nicht-RCEP-Land wie Deutschland kommt oder innerhalb des RCEP-Raums produziert wurde – da die 40% auch kumuliert aus RCEP-Ländern stammen dürfen, um die Zollpräferenz in diesem Fall Japan zu erfüllen.

Die ­Ursprungslandquoten sind je nach Produkt unterschiedlich. Klar ist, dass ein Erreichen der erforderlichen Voraussetzungen für europäische Komponenten schwieriger wird , während Hersteller in Asien strategisch darauf achten werden, die Quoten sicher zu erfüllen.

China kommt dabei für die deutsche Industrie eine Schlüsselrolle zu, denn das Land bietet nach wie vor eine sehr gute Basis für die Erschließung asiatischer Märkte: Tiefe Zulieferketten, qualifizierte Arbeitnehmer, eine steigende, aber noch moderate Kostenstruktur, ein regulatorisch einheitlicher Binnenmarkt und oft bereits vorhandene Unternehmensstrukturen.

FAZIT

Um im asiatischen Markt und im Wettbewerb mit chinesischen Unternehmen zu bestehen, müssen viele mittelständische deutsche Unternehmen sich zukünftig in China Südostasien stärker engagieren. Das Risiko, sich dem Wettbewerb und der Innovationskraft nicht vor Ort zu stellen, wird man spätestens dann begreifen, wenn bislang noch weitgehend unbekannte asiatische Hersteller mit ihren Technologien nach ­Europa drängen. Die Versäumnisse im Aufbau der Batterietechnik, in der Südkorea und China inzwischen globale Technologieführer sind, sollten uns Lehre und Motivation genug sein. Im Jahr 2023 sollten Unternehmen die Weichen für ihre Zukunft stellen und intelligent mehr China wagen.

www.startupfactory-china.de

Bringt der Hase, was er verspricht?

Deutschland China CAI

In wenigen Tagen wird der Tiger vom Hasen davongejagt. Was so unglaublich klingt, geschieht in der Nacht zum 22. Januar: Das Jahr des Hasen löst das Jahr des Tigers ab.

Hasen sind, so heißt es, talentiert, umsichtig, ehrgeizig, auch elegant. Auf Eleganz lässt sich verzichten, wenn es gelingt, das neue Jahr mit Talent und Ehrgeiz zu gestalten, und umsichtig zu handeln.

Nach dem unerwarteten und abrupten U-Turn in der chinesischen Corona-Politik Anfang Dezember und der kompletten Wieder-Öffnung des Landes 30 Tage später ist die Zeit gekommen, erneut durchzustarten, anzuknüpfen an Altem, sich aber auch dem veränderten internationalen Umfeld zu stellen. Lieferketten müssen wieder funktionieren, der persönliche Austausch muss wichtiger als Video-Calls werden, um Unstimmigkeiten schneller aus dem Weg zu räumen und Gemeinsamkeiten zu finden. Dialog mit – und nicht übereinander – das sollte in den Mittelpunkt gerückt werden. Im Kleinen wie im Großen. Im alltäglichen Geschäft wie in der sogenannten „großen“ Politik. Vertrauen muss wiedergewonnen, Zuversicht gestärkt werden.

So sollten wir, in das Jahr des Hasen startend, zuallererst gegenseitige Schuldzuweisungen hintanstellen. Keinem hilft, den anderen zu belehren, was „wissenschaftlich begründet“ oder was „nicht angemessen“ ist. Dass die Pandemie noch nicht vorbei ist, auch wenn sie hier und da bereits als endemisch betrachtet wird, sollte allen klar sein. Es bleibt ein Vor und Zurück. Vorkehrungen zu treffen, damit wir nicht wieder im Jahr 2020 landen, ist nur zu selbstverständlich. Überall auf der Welt. Nachdem die Chinesen vergangenes Jahr fast täglich zum PCR-Test „getrieben“ wurden, dürfte es auch keine große Hürde sein, sich vor dem Besteigen eines Flugzeuges testen zu lassen, letzten Endes zur eigenen Sicherheit. Darüber lamentieren – wozu? Ab und an ist es besser, einmal zu schweigen.

Denn entscheidend ist, dass Geschäftsleute wieder zusammenkommen können, ob in China oder Europa. Entscheidend ist, gemeinsam Ideen zu entwickeln, um die Herausforderungen der Zeit zu lösen. Entscheidend ist auch, Strategien zu formulieren, die nicht darauf zielen, einen Konkurrenten auszuschalten. Es muss darum gehen, die Kraft des Wettbewerbs zu nutzen, um Stärken zu stärken, gemeinsam im gemeinsamen Interesse. Politische Entscheidungen, die einschränken, anstatt Kräfte zu entfesseln, schaden nicht nur der Wirtschaft, sondern gefährden auch den gesellschaftlichen Wohlstand. Sogenannte wertebasierte Wirtschafts- und Außenpolitik sollte immer auch berücksichtigen und akzeptieren, dass Werte anderswo anders betrachtet werden.

Globalisierung mag manchem als gescheitert erscheinen, in die Tage gekommen. Doch wer sich oder andere abkoppelt, manövriert sich nur ins Abseits. Die Globalisierung muss auf neue Füße gestellt werden, innovativer werden. Kein exklusiver Club, sondern ein Modell internationalen wirtschaftlichen Handelns, an dem jedes Land partizipiert – und profitiert.

Illusorisch wäre es zu glauben, nach drei Jahren Pandemie dort fortsetzen zu können, wo Ende 2019, Anfang 2020 vieles zum Stillstand gekommen ist. Nein, der Hase muss schon große Sprünge im neuen Jahr machen. Möge er aber nicht zu viele Haken schlagen –damit es ein gutes Jahr wird.

Peter Tichauer ist ausgewiesener China-Experte. Nachdem er mehr als 20 Jahre das Wirtschaftsmagazin ChinaContact aufgebaut und als Chefredakteur geleitet hat, ist er seit 2018 im Deutsch-Chinesischen Ökopark Qingdao (www.sgep-qd.de) für die Kommunikation mit Deutschland verantwortlich.

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Schon unsere brandneue Jahresausgabe ‚Anleihen 2022‘ (11. Jg., Erscheinungstermin Dez 2022) gesehen?

Die Ausgabe 3/2022 Biotechnologie 2022 der Plattform Life Sciences ist erschienen. Die Ausgabe kann bequem als e-Magazin oder pdf durchgeblättert oder heruntergeladen werden.

! Neu ! Investment Guide 2023 erschienen

Was aktuell im deutsch-chinesischen Investmentgeschehen wichtige Entwicklungen sind, dafür liefert Ihnen unser jährlicher Investment Guide 2023 mit vielen Experten-Beiträgen und -Analysen Antworten.

Hier können Sie ihn schon vorab als digitale Version erhalten, zum Chinese New Year Ende Januar erscheint er in einer nochmals erweiterten Version wie gewohnt als gedruckte Auflage.

Für 2023 zeigen sich am M&A-Horizont Signale für eine vermehrte chinesische Beteiligungsaktivität in Deutschland. Allen voran dürfte die Öffnung Chinas nach dem Lockdown (‚Null-Covid-Strategie‘) positiv wirken, aber auch das ungebrochene Interesse chinesischer Unternehmen an deutschen Targets in Branchen wie Industrie, Gesundheit oder Chemie.

Der Kauf eines Bereichs von ams-OSRAM durch Inventronics aus Hangzhou oder der Kauf der Krüger & Sohn GmbH durch die Sinoseal Holding sind nur zwei der Beispiele dafür aus diesem Jahr. Die M&A Aktivitäten deutscher Unternehmen in China hingegen erreichen gar trotz schwieriger politischer Stimmung gegenüber China nahezu Rekordniveau, allen voran sei die Milliardenbeteiligung von VW bei CARIAD Horizon Robotics genannt.

Was sind nun für das kommende Jahr die wichtigen Faktoren und Rahmenbedingungen im deutsch-chinesischen Investmentgeschehen? Den vertiefenden und hoffentlich erhellenden Blick dafür finden Sie im neuen Investment Guide 2023.

Aus dem Inhalt des Investment Guide 2023

US-Gesetzesvorhaben bedroht deutsche Chinainvestitionen
– Was für China als Standort spricht: Innovationen, Talentpool und Infrastruktur
Lieferketten China-Deutschland: Probleme, Trends, Chancen für Unternehmen und Investoren
Rechtstrends 2023 für Unternehmen, Investitionen und HR
– deutsch-chinesischer M&A Korridor – quo vadis?
– Herausforderungen für Investitionsvorhaben in China: Investoren bekommen Zollbefreiungen und Steuererleichterungen
– Interview „Der M&A-Markt hat bei chinesischen Investoren Nachholbedarf“
– Interview „Ich glaube an mehr chinesische Investitionen in Deutschland“
Joint Ventures als Königsweg für den Gang in den chinesischen Markt
– Unternehmen in China 2023 starten: von China aus in den Weltmarkt
Compliance Tools in China: Softwarelösungen und Hinweisgebersysteme
– wichtige Werkzeuge, die man im Chinageschäft kennen sollte
– Interview „Lokale Wertschöpfungsketten gewinnen in China an Bedeutung
Top-Five-Herausforderungen für die China-Asien-Expansion
Zahlungsverkehrslösungen zwischen China und Deutschland
Währungsabsicherung bringt Planungssicherheit bei Transaktionen
– Rückschritt nach vorne? Expertenumfrage zur Einschätzung der deutsch-chinesischen Investitionen 2023

! Link zum e-Magazin – bitte hier klicken !

Dieses und anderes mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Investment Guide 2023. Das e-Magazin zum interaktiven Durchblättern kann natürlich auch als pdf heruntergeladen werden – über Weiterleitungen des Links freuen wir uns genauso wie über Interaktionen in den üblichen Social-Media-Kanälen !

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Cross-Media-Empfehlungen:

Schon die brandneue Jahresausgabe ‚Anleihen 2022‘ (11. Jg., Erscheinungstermin Dez 2022) gesehen? – bequem als pdf zum Downloaden, teilen oder weiterleiten.

Die Ausgabe 3/2022 Biotechnologie 2022 der Plattform Life Sciences ist da. Die Ausgabe kann bequem als e-Magazin oder pdf durchgeblättert oder heruntergeladen werden.

Post M&A-Restructuring: Herausforderung für chinesische Investitionen

Symbolbild. Gavel und Geld.
Quelle: Adobe Stock © thodonal

Chinesische Investitionen in deutsche Unternehmen erfolgen für gewöhnlich durch den Erwerb von Geschäftsanteilen/Aktien und/oder Finanzierungen durch Ausreichung von Darlehen. Gerät die Zielgesellschaft in die Krise, gefährdet dies den Wert der Beteiligung und der Darlehensrückzahlungsansprüche, denn die Gesellschafterdarlehen sind typischerweise nachrangig. Neben dem Verlust des Investments können sich auch noch Haftungsfolgen für den chinesischen Investor sowie den chinesischen Geschäftsführer ergeben.

Verlust des Investments

Das deutsche Insolvenzrecht kennt als oberste Maxime die bestmögliche Gläubigerbefriedigung. Wenn einmal das Insolvenzverfahren eingeleitet worden ist, richtet sich die Entscheidung, ob das Unternehmen liquidiert oder fortgeführt wird oder die Assets des Unternehmens als Going Concern verkauft werden können, danach, welcher Weg für die bestmögliche Gläubigerbefriedigung der vorzugswürdige ist. In dieser Hinsicht sind besonders Situationen gefährlich, in denen der chinesische Investor Gesellschaftsanteile erwirbt und zugleich Gesellschafterdarlehen ausreicht. Im Insolvenzverfahren der deutschen Zielgesellschaft sind Gesellschafterdarlehen nachrangig: Sie werden erst bedient, wenn alle gesicherten und einfachen Insolvenzgläubiger vollständig befriedigt wurden.

Insolvenzanfechtungen von Rückzahlungen von Gesellschafterdarlehen

Darüber hinaus sind auch Zahlungen, die ein Gesellschafter aufgrund eines Gesellschafterdarlehens im Zeitraum von einem Jahr vor der Stellung des Insolvenzantrags erhalten hat, durch den Insolvenzverwalter anfechtbar und müssen in die Insolvenzmasse zurückgeführt werden. Noch weiter zurück reicht die Insolvenzanfechtung von Sicherheiten, die ein Gesellschafter für ein Gesellschafterdarlehen erhalten hat – hier beträgt die Anfechtungsfrist sogar zehn Jahre. Die konkrete Ausgestaltung des Ausreichens von Gesellschafterdarlehen sowie deren Rückzahlungen kann entscheidend sein, um die Haftungsfolgen zu minimieren. So kann es z.B. besser sein, wenn der Gesellschafter erst auf die Sicherheit verzichtet, bevor ein Darlehen zurückgezahlt wird.

Ein Gesellschafter muss auch stets zahlen, wenn er einem Dritten für dessen Darlehen eine Sicherheit gestellt hat – sei es durch Mithaftung, Bürgschaft, Sicherungsübereignung oder andere Personal- oder Realsicherheiten. Diese Haftung des Gesellschafters gilt im Ergebnis unabhängig davon, ob die Gesellschaft den Dritten im Zeitraum von einem Jahr vor dem Insolvenzantrag befriedigt hat oder ob die Gesellschaft dazu nicht mehr in der Lage war.

Vorsicht ist auch bei der Ausreichung von Darlehen und Sicherheiten durch konzernverbundene Unternehmen geboten, die nicht selbst direkt Gesellschafter sind, denn nicht nur der Gesellschafter selbst ist von den erwähnten Regelungen betroffen, sondern auch mit ihm horizontal oder vertikal verbundene Unternehmen.

Schuld bei der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung

Ebenso birgt das ungeprüfte Ausreichen von (weiteren) Darlehen durch den chinesischen Investor in der Krise des deutschen Zielunternehmens nicht unerhebliche Risiken. Ein Darlehensgeber kann sich unter Umständen der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung schuldig machen, wenn die Gesellschaft im Zeitpunkt der Darlehensvergabe insolvenzreif war, der Darlehensnehmer dies wusste oder sich leichtfertig der entsprechenden Erkenntnis verschloss und so das Hinausschieben des gebotenen Insolvenzantrags bewirkt oder geduldet wird. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich für den chinesischen Investor, umfassende Informationen einzuholen und sorgfältige Dokumentationen anzufertigen, damit im späteren Streitfall die finanzielle Situation des Zielunternehmens sowie die Intentionen des chinesischen Gesellschafters nachvollziehbar und belegbar sind.

Haftung des Gesellschafters aus Patronatserklärungen

Einen Durchgriff auf das Vermögen des chinesischen Gesellschafters sieht das deutsche Recht bei Kapitalgesellschaften per se nicht vor. Eine Haftung des chinesischen Investors für Verbindlichkeiten des deutschen Zielunternehmens kann aber aus vertraglichen Regelungen resultieren, insbesondere aus Unternehmensverträgen und Patronatserklärungen. Gerade Letztere werden oftmals unüberlegt und weder in zeitlicher noch betragsmäßiger Begrenzung ausgereicht. Häufig werden sie auch „vergessen“ und nicht beseitigt, wenn die Gesellschaft sie eigentlich nicht mehr benötigt. Im Insolvenzfall sind sie für den chinesischen Investor besonders riskant, zumal eine Kündigung erstens zulässig sein muss und zweitens nur für die Zukunft Wirkung hat. Zu empfehlen ist daher, Patronatserklärungen z.B. nur für die Geltung jeweils eines Jahres und idealerweise der Höhe nach begrenzt auszureichen, damit stets neu und bewusst entschieden werden kann, ob und in welchem Umfang die deutsche Zielgesellschaft finanziell gestützt werden soll.

Herausforderungen für chinesische Geschäftsführer

Zusätzliche Risiken bestehen dann, wenn auch die Geschäftsführung durch den chinesischen Investor besetzt wird. Nach dem deutschen Insolvenzrecht obliegt der Geschäftsführung durchgängig die Pflicht zur Überprüfung einer etwaigen Insolvenzantragspflicht. In der Krise und späteren Insolvenz kann dabei häufig eine Art Generalverdacht bestehen, dass die Geschäftsführung nur oberflächlich und fehlerhaft durchgeführt worden ist, wenn der Geschäftsführer seinen Sitz im Ausland hat und typischerweise nicht immer vor Ort am Sitz der Gesellschaft tätig ist. Es können sich persönliche Haftungsrisiken ergeben, insbesondere wegen Insolvenzverschleppung, Zahlungen ab Eintritt der Insolvenzreife, Nichtabführen von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern sowie Eingehungsbetrugs, wenn klar ist, dass das Unternehmen einen Vertrag durchzuführen nicht mehr imstande sein wird. Eine Inanspruchnahme von – auch ausländischen – Geschäftsführern scheuen die Insolvenzverwalter nicht. D&O-Versicherungen bieten hierbei ebenfalls keinen umfassenden Schutz.

Dabei trifft die persönliche Pflicht zur Insolvenzantragsstellung (so denn eine solche zu bejahen ist) jeden einzelnen Geschäftsführer oder Vorstand, unabhängig von statutarischen Vertretungsregelungen, internen Geschäftsverteilungsplänen oder Ressortverantwortlichkeiten. Nötigenfalls muss der einzelne Geschäftsführer oder Vorstand den Insolvenzantrag allein stellen; weder ist eine Zustimmung des Gesellschafters dabei erforderlich noch befreit eine Gesellschafterweisung vom Befolgen der Antragspflicht.

Gerade einem chinesischen Geschäftsführer, der vielleicht nicht dauerhaft vor Ort ist, fällt die Überwachung der Insolvenzantragspflichten aber oftmals schwer. Zum Teil liegt die Schwierigkeit an mangelnder Kenntnis der tatsächlichen Finanzlage der Zielgesellschaft – schließlich überlässt der chinesische Investor häufig der deutschen Geschäftsführung einen wesentlichen Teil des täglichen Managements nach der Transaktion. Zudem sind einem chinesischen Geschäftsführer solche Überwachungspflichten zur Vermeidung der Insolvenz häufig auch unbekannt. Ihnen fehlt darüber hinaus meistens auch die entsprechende Erfahrung, wie ein entsprechender Insolvenztest technisch umzusetzen ist. Die aus der Pflichtverletzung resultierende Haftung kennen sie regelmäßig nicht.

China bleibt unverzichtbarer Absatzmarkt für deutsche Konzerne

Jegliche Anzeichen für einen breiteren Abkopplungsversuch sind nicht vorhanden: Deutsche Direktinvestitionen in China erreichten 2023 ein neues Rekordhoch.

In den vergangenen Jahren wurde die Inflation verteufelt, und das aus gutem Grund. Sie erreichte in Deutschland rasch erschreckende Ausmaße, mit einem Anstieg auf über 10%. Diese Entwicklung drosselte die Kaufkraft der Verbraucher, erhöhte den Margendruck für Unternehmen und zwang zu drastischen Zinserhöhungen als Gegenmaßnahme.

Im Gegensatz dazu blieb die Inflation in China moderat, mit teilweise sogar deflationären Tendenzen im vergangenen Jahr. Dennoch kann eine leicht erhöhte Inflation durchaus wünschenswert sein, da sie die Wirtschaft ankurbelt.

Am kommenden Samstag werden die April-Daten für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt veröffentlicht, und Analysten erwarten eine Inflationsrate von 0,1% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Bericht ist für Anleger am deutschen Aktienmarkt von Bedeutung und ein entscheidender Teil des großen Puzzles.

China bleibt nach wie vor einer der größten Absatzmärkte für viele DAX-Konzerne. Infineon zieht beispielsweise 31% seines Umsatzes aus China, während BMW auf 26% kommt. Bei Adidas sind es 15% und bei BASF 13%. Und jegliche Anzeichen für einen breiteren Abkopplungsversuch sind schlicht nicht vorhanden: Die deutschen Direktinvestitionen in China erreichten 2023 ein neues Rekordhoch.

Infineon mit Fokus auf ChinaEine schrittweise Überwindung der Immobilienkrise, eine Steigerung der Exporte und eine Ankurbelung der inländischen Nachfrage bilden die Grundpfeiler für dynamischere Wachstumsraten in China.

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Ausgabe 3/2023
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Einfach mal die Perspektive ändern

Deutschland China CAI

Wie wäre es denn damit, einfach mal die Perspektive zu ändern? Angebracht wäre es, anstatt immer wieder dieselbe Leier wie eine Monstranz vor sich herzutragen?

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock ist gerade im Südpazifik unterwegs. In Suva, der Hauptstadt der Fidschi-Inseln, auf denen Deutschland vor einem Jahr die erste Botschaft in der Südsee eröffnet hat, stellt sie fest, andere hätten Botschaften, die zehnmal größer sind. Klar, die anderen sind die Chinesen. Sie spricht es nicht direkt aus. Ihre Klage über den wachsenden Einfluss der Chinesen auch in dieser Region ist aber laut genug und impliziert ziemlich unverblümt die Vorstellung, diese Rolle stehe eigentlich Deutschland zu.

Nun ist ja grundsätzlich nichts daran auszusetzen, dass sich auch Deutschland im Indo-Pazifik engagiert. Beispielsweise beim Klimaschutz, der ja wesentlicher Teil der sogenannten grünen Außenpolitik ist. Wie wäre es aber, mit konkreten Vorhaben voranzugehen und durch geeignete politische Maßnahmen deutsche Unternehmen zu unterstützen, am anderen Ende der Welt Erfolg zu haben, anstatt als erstes zu postulieren, wer ausgebremst werden soll? Wie wäre es auch damit, zu schauen, ob Akteure, die längst in der Region aktiv sind, als Partner gewonnen werden können. Andocken und gemeinsam Fortschritt gestalten – das wäre doch die bessere, die schlauere Herangehensweise.

Dasselbe ließe sich von der deutschen Diskussion um chinesische Elektroautos sagen. Erstaunlich ist ja, dass gerade in den grünen Reihen die Lieferung der umweltfreundlichen Fahrzeuge aus China auf Kritik stößt. Eigentlich müssten sie es doch begrüßen, wenn BYD & Co. dazu beitragen, Umweltziele in Deutschland und global zu erreichen, während deutsche Autobauer noch ein wenig hinterherhinken. Nein, eher wird geklagt, Chinas Hersteller würden den deutschen Markt fluten. Das Fluten hat aber eine Voraussetzung: Es müssen Abnehmer da sein.

Die wird es sicherlich auch geben, wenn sie sich von der Qualität der Fahrzeuge überzeugen, und vom wettbewerbsfähigen Preis, der, so die Hersteller, dank intensiver Entwicklung möglich ist. Den deutschen (und europäischen) Wettbewerbshütern ist der Preis ein weiterer Dorn im Auge. ‚Subventioniert‘, so der Vorwurf, als ob es das in Europa gar nicht gebe. Und die einzig denkbare Antwort: Strafzölle.

Zugegeben, es ist schwer einzuschätzen, was von der Erklärung der chinesischen Behörden zu halten ist, das Land habe derzeit genug wirtschaftliche Herausforderungen zu meistern und keine Möglichkeit, privatwirtschaftlichen Unternehmen Mittel zuzustecken. Der Siegeszug chinesischer Elektrofahrzeughersteller, die in den kommenden Jahren mit Sicherheit einen Prozess der Konsolidierung und Reinigung durchlaufen werden, wird mit europäischen Strafzöllen nicht aufzuhalten sein. Deutschen Autoherstellern helfen sie ebenso wenig, die Lücke zu schließen.

Vielmehr müssten die Anstrengungen auf die Schaffung eines europäischen Umfeldes gelegt werden, das Innovation leichter macht. Und: Anstatt denjenigen buchstäblich ein Bein stellen zu wollen, die inzwischen einen Schritt weiter sind, sollte überlegt werden, wie Partnerschaften gefördert werden können, wie voneinander noch mehr profitiert werden kann. Im Grunde sind Deutschlands Autobauer längst diesen Schritt gegangen. Kluge Wirtschaftspolitik, die sich noch dazu das Label ‚Grün‘ gibt, sollte das befördern, nicht behindern. Eine andere Perspektive tut Not.

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Die Verantwortung der Politik im Verhältnis zu China

US-Finanzministerin Janet Yellen appellierte am Ende ihres Staatsbesuchs in China sehr deutlich an die Regierung. Von Carsten Mumm*

China solle die Weltmärkte nicht mit billigen Produkten aus hoch subventionierter chinesischer Produktion – vor allem Solarpaneelen, Batterien und Elektrofahrzeugen –überschwemmen und stattdessen die Binnennachfrage stärken. Neben chinesischen Importen, die Jobs und Industrien gefährden, sorge sich die US-Regierung auch um Exporte nach China.

So wurde die Lieferung von Hochleistungschips eingeschränkt – mit der Begründung, dass diese zu militärischen Zwecken genutzt werden könnten. China hingegen wirft den USA vor, dessen wirtschaftlichen Aufstieg behindern zu wollen und schränkt die Nutzung von US-Produkten und Dienstleistungen sowie die Lieferung wichtiger Rohstoffe ein.

Peking, ChinaDoch die Liste der US-chinesischen Streitthemen geht weit über wettbewerbs- und handelsrelevante Aspekte hinaus: Darunter ein mögliches Verbot der chinesischen Social Media Plattform TikTok in den USA, fundamentale Uneinigkeiten beim Ukrainekonflikt und in der Taiwanfrage, die aus China stammenden Bestandteile der Droge Fentanyl sowie verschiedene Sichtweisen zu den Themen Klimawandel und Künstliche Intelligenz.

Es ist offensichtlich, dass diese Themen noch lange Gegenstand der Rivalitäten Chinas und der USA sein werden, denn ganz grundsätzlich geht es um die Herausforderung der jahrzehntelagen technologischen und wirtschaftlichen Vorherrschaft der USA durch China. Damit kann man positiv festhalten, dass es nach dem Tiefpunkt der US-chinesischen Beziehungen Mitte 2023 zumindest wieder einen regelmäßigen und ausführlichen Austausch auf verschiedenen Ebenen gibt.

So konsultieren sich verschiedene Kabinettsmitglieder, die Präsidenten Joe Biden und Xi Jinping telefonierten kürzlich und auf militärischer Ebene erfolgen Gespräche über sicherheitsrelevante Aspekte. Die Verhinderung einer Eskalation dürfte in beiderseitigem Interesse sein und Yellen sprach von einer besonderen Verantwortung der beiden weltgrößten Volkswirtschaften.

Ein andauernder und immer stärkerer Protektionismus, Sanktionen oder gar militärische Auseinandersetzungen hätten auch wirtschaftlich fatale Folgen. Schon heute klagen US-Chipproduzenten über verlorene Marktanteile, fehlende Umsätze und Gewinne aus dem Chinageschäft. In China hingegen werden die staatlich unterstützten Bemühungen verstärkt, um den technologischen Rückstand aufzuholen und weniger abhängig von kritischen Produkten aus der US-Produktion zu sein.

Für alle Beteiligten bedeutet der Verzicht auf komparative Kostenvorteile internationaler Arbeitsteilung jedoch steigenden Inflationsdruck und den Verlust von Wohlstand. Aufgrund der weiter hohen Abhängigkeiten von China bei Rohstoffen, in der Chemie, Elektronik und bei Medikamenten, ist für Deutschland ein kritischer, aber konstruktiver Austausch wichtig.

Mit Blick auf eine mögliche Wiederwahl Donald Trumps und einer drohenden Verschlechterung des US-chinesischen Verhältnisses bleibt es für Deutschland und Europa auch eine Frage der nationalen Sicherheit.

Carsten Mumm

*) Carsten Mumm ist Chefvolkswirt der Privatbank Donner & Reuschel.

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Ausgabe 3/2023 Biotechnologie 2023 der Plattform Life Sciences ist erschienen. Die Ausgabe kann bequem als e-Magazin oder pdf durchgeblättert oder heruntergeladen werden.

Signifikante Lockerung bei Regulierung grenzüberschreitenden Datenverkehrs

Am 22. März hat die Cyberspace Administration of China (CAC) die Bestimmungen zur Regulierung und Förderung des grenzüberschreitenden Datenverkehrs veröffentlicht. Von Burkhardt & Partner RAe

Die CAC-Bestimmungen sehen Ausnahmen für die grenzüberschreitende Übermittlung personenbezogener Daten vor und stellen somit eine signifikante Lockerung des aktuell geltenden strengen Regimes nach dem Gesetz zum Schutz von personenbezogenen Daten (‚GSPD‘) dar.

Eine der für KMU wichtigsten und am heißesten diskutierten Regelungen ist Art. 5 der CAC-Bestimmungen (ursprünglich in Art. 4 des Entwurfs). Dieser sieht vier Ausnahmetatbestände vor, bei deren Vorliegen die drei Voraussetzungen für grenzüberschreitende Übermittlung von personenbezogenen Daten nach dem GSPD keine Anwendung finden, d.h. es ist weder eine CAC-Sicherheitsbewertung noch eine Zertifizierung oder der Abschluss eines CAC-Standardvertrags erforderlich.

Im Vergleich zum Entwurf der CAC-Bestimmungen vom 28. September 2023 sind die CAC-Bestimmungen nun präziser formuliert, schließen einige im Entwurf enthaltene Lücken und klären einige der in unserem Artikel zum Entwurf der Bestimmungen diskutierten Fragen. >>Hier geht es zum Artikel

Regulierung des grenzüberschreitenden Datenverkehrs
Regulierung des grenzüberschreitenden Datenverkehrs

Aufgrund der Wichtigkeit und Resonanz dieses Themas sind wir gerade dabei, zu den neuen CAC-Bestimmungen einen Artikel zu verfassen, in dem wir die Inhalte der CAC-Bestimmungen näher vorstellen, deren praktischen Auswirkungen auf KMU in China kommentieren und erklären, unter welchen Voraussetzungen KMU bei grenzüberschreitenden Datentransfers von den Ausnahmen nach den CAC-Bestimmungen Gebrauch machen dürfen.

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! NEU ! Die dritte BondGuide Jahresausgabe 2023 ist erschienen: ‚Mittelstandsfinanzierung 2023 – Chancen und Risiken investierbar machen‘ kann wie gewohnt kostenlos als e-Magazin oder pdf heruntergeladen werden.

Ausgabe 3/2023 Biotechnologie 2023 der Plattform Life Sciences ist erschienen. Die Ausgabe kann bequem als e-Magazin oder pdf durchgeblättert oder heruntergeladen werden.

Chinesische Unternehmen machten fast ein Viertel der US-Börsengänge 2023 aus

Der US-Börsenmarkt war und ist für chinesische Unternehmen aufgrund ihrer geschätzten Börsennotierungsplattformen und Finanzressourcen stets attraktiv.

Im Jahr 2023 hat China seinen Einfluss auf diesem Markt deutlich erhöht. Zahlen von Stocklytics.com zeigen, dass chinesische Unternehmen im vergangenen Jahr über 20% der Börsengänge auf dem US-Markt ausmachten.

Edith Reads, Finanzexpertin bei Stocklytics, kommentierte die Daten:

„Die chinesische Absicht, den US-Aktienmarkt zu übernehmen, ist bemerkenswert robust. Obwohl sie während der COVID-19-Pandemie und der regulatorischen Unsicherheiten in den USA mit Herausforderungen konfrontiert waren, feiern sie ein Comeback bei den US-Börsennotierungen.“

Chinesische Börsengänge in den USA

Trotz der gestiegenen Zahl chinesischer Börsengänge im Jahr 2023 wiesen die US-Börsengänge eine durchschnittliche Performance auf, wobei kleinere Börsengänge weiterhin dominierten.

Chinesische Unternehmen haben sich aktiv um Notierungen auf US-Börsenplattformen bemüht. Anfang 2023 waren 252 chinesische Unternehmen mit einer kollektiven Marktkapitalisierung von 1,03 Bio. USD gelistet. Bis Januar 2024 war diese Zahl auf 265 angestiegen, wobei 13 Unternehmen hinzukamen.

Seit Januar 2023 haben 24 chinesische Unternehmen nach ihrer Notierung an drei großen US-Börsen durch Börsengänge 656 Mio. USD eingenommen.

Allerdings wurden auch etwa 11 Unternehmen von der Börse genommen. Dazu gehören China Southern Airlines Company Limited und China Eastern Airlines Corporation Ltd. Mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt 32,3 Mrd. USD haben sich diese beiden Unternehmen freiwillig von der Börse zurückgezogen, nachdem sie hohe Betriebskosten und einen geringen Aktienumsatz angeführt hatten.

Wert der in den USA notierten Unternehmen

Chinesische Unternehmen zieht es an die US-BörsenDie Notierung an renommierten amerikanischen Börsen ist für jedes Land eine große Sache. Es ist ein strategischer Schritt, der Investoren den Zugang zu den globalen Kapitalmärkten ermöglicht. Außerdem werden die Unternehmen einem großen Anlegerkreis vorgestellt und gewinnen an Glaubwürdigkeit über die Grenzen hinaus.

China sieht sich selbst als globales wirtschaftliches Kraftzentrum. Indem es den US-Börsenmarkt dominiert, zeigt es Anzeichen für eine ‚Übernahme des Marktes‘.

Dies könnte jedoch schwieriger sein, als es klingt. Die US-Behörden wie die Sicherheits- und Börsenaufsichtsbehörde (Security and Exchange Commission, SEC) stellen strenge Regeln auf, um die Integrität der US-Börse zu schützen. Einige dieser Regeln haben sich gegen chinesische Unternehmen ausgewirkt – so dass sich diese wieder von der amerikanischen Börse zurückziehen mussten.

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China mit Rückenwind: erst die Solartechnologie, dann Europas Windenergiebranche?

Chinesische Hersteller eroberten zuerst die Solartechnologie. Und nun die hiesige Windenergiebranche mit dem gleichen Schicksal? Von Markus W. Voigt*

Zahlreiche europäische Wettbewerber stehen vor dem Untergang. Die Gefahr wächst. Allerdings gibt es einen Weg, wie europäische Hersteller ihre Stellung behaupten können.

Der europäischen Windenergiebranche dämmert es langsam

Der europäischen Windenergiebranche dämmert es langsam

Passiert nun das gleiche im Windbereich? Noch seien Unternehmen wie Vestas, Siemens Gamesa und GE Renewable Energie sehr relevante Markteilnehmer, aber die chinesische Goldwind holt immer weiter auf, auch in Europa. Ein Grund dafür: Die Service-Leistungen der europäischen Windturbinenhersteller werden immer unzuverlässiger und schlechter, so dass das Argument ‚guter Service‘ die Preisdifferenzen in der Anschaffung immer weniger rechtfertigt. Europas Unternehmen könnten damit ins Hintertreffen gegenüber Goldwind geraten, das seine Anlagen bereits heute deutlich unter dem Preis der etablierten Hersteller anbietet.

Was tun? Es ist noch nichts verloren, aber die etablierten Hersteller müssen aufpassen, hier nicht die führende Position zu verlieren. Im Prinzip schätzten europäische Investoren ‚westliche‘ Qualität und vor allem guten Service und seien daher noch geduldig. „Sie hoffen auf eine baldige Besserung bei Errichtungsqualität und After Sales Service auch bei Vollwartungsverträgen. Die Vergangenheit zeigt allerdings, dass auf die Geduld von Investoren nicht zu lange vertraut werden kann. Das Marktumfeld kann sich sehr schnell ändern. In fünf bis zehn Jahren kann schon alles anders aussehen.

Markus W. Voigt, aream Group

*) Markus W. Voigt ist CEO der aream Group, www.aream.deein Investment- und Asset-Manager für institutionelle Investoren und Industriekunden mit Fokus auf nachhaltige Infrastruktur im Sektor Erneuerbare Energien. Mit den drei Bereichen Fund- und Asset-Management, Projektentwicklung und Operation Management deckt aream die gesamte Wertschöpfungskette für Erneuerbare-Energien-Investments ab.

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Wie das Wirtschaftswachstum Chinas wieder ankurbeln?

Neue Wege werden beschritten: Für China soll der Konsum wieder mehr zur Stütze des Wachstums werden. 新的经济发展之路:消费日益成为促进中国经济增长的重要支柱。Bildquelle: Fotolia; © eyetronic

Nach der schleppenden Wiederbelebung der Wirtschaft post COVID bemüht sich die Regierung endlich um die Konjunktur: doch wie genau ankurbeln?

Das Land hat mit einer ganzen Reihe von Problemen zu kämpfen, darunter ein geringes Verbrauchervertrauen, sinkende Immobilienverkäufe und eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Selbst wenn es der Regierung gelingen sollte, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, müssen sich die Anleger möglicherweise mit einem strukturell niedrigeren Wachstum abfinden – ein Hintergrund, der ein wesentlich selektiveres Vorgehen an den chinesischen Aktienmärkten erforderlich macht.

Chinas Wirtschaft ankurbeln und die Risikoprämie reduzierenWarum hat sich die chinesische Wirtschaft nach der Wiedereröffnung nach COVID im Dezember 2022 nicht wie erwartet erholt? Wie sieht Ihr Ausblick für Chinas Wirtschaftsleistung im Jahr 2024 aus?
Vivian: Der Hauptgrund dafür, dass China nicht den Kurs anderer Länder nach COVID eingeschlagen hat, ist, dass das Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen auf einem historischen Tiefstand ist. Das ist verständlich. Das Land war vier Jahre lang abgeschottet, länger als der Rest der Welt, und erlebte dann eine Reihe von Stop-Start-Eröffnungen. […]

Wie wird das 1-Billionen-Renminbi-Konjunkturpaket eingesetzt werden?
Vivian
: Ende Oktober kündigte China an, dass es spezielle Staatsanleihen in Höhe von 1 Bio. Renminbi ausgeben und die Mittel direkt an die lokalen Regierungen weiterleiten wird, um Infrastrukturinvestitionen und die Erholung nach den jüngsten Überschwemmungen in bestimmten Gebieten zu unterstützen. Die erste Tranche in Höhe von 500 Mrd. Renminbi soll bis Ende 2023 ausgezahlt und eingesetzt werden, der Rest im Jahr 2024. Das Ausmaß dieses Konjunkturpakets und seine rasche Umsetzung zeigen die Entschlossenheit der Regierung, die Wirtschaft zu stabilisieren. Dieses Konjunkturprogramm dürfte dazu beitragen, die fiskalische Stabilität der lokalen Regierungen zu stärken, die Realwirtschaft anzukurbeln und das Vertrauen von Verbrauchern und Unternehmen wiederherzustellen, auch wenn die Auswirkungen eher graduell sein könnten.

Clifford: Um es klar zu sagen: Die Regierung zielt nicht darauf ab, die Konjunkturmittel zur direkten Unterstützung des Immobilienmarktes einzusetzen. Sie versucht, die Folgen der Abhängigkeit der Kommunalverwaltungen von den Einnahmen aus Grundstücksverkäufen in der Vergangenheit zu beheben. Die Unterstützung des Immobilienmarktes wird wahrscheinlich erst in zweiter Linie erfolgen und eine Senkung der Hypothekenzinsen, eine Neudefinition der Hypothekenbedingungen und die Gewährung von Vorzugskrediten umfassen. Es ist nicht die Priorität der Regierung, notleidende Bauträger vor ihren Gläubigern zu schützen.

–> Unter diesem Link geht es zum ausführlichen Interview mit den beiden Portfoliomanagern von William Blair.

*) Vivian Lin Thurston ist Partnerin und Portfoliomanagerin im globalen Aktienteam von William Blair und Clifford Lau Portfoliomanager im Team für Schwellenländeranleihen (EMD) von William Blair.

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Mehr Innovationsunabhängigkeit: Ist das gut oder schlecht?

Am Montag ist in Peking die diesjährige Tagung des Nationalen Volkskongresses zu Ende gegangen. Das erklärte Ziel: mehr Innovationsunabhängigkeit.

Die strategischen Ziele für das laufende Jahr wurden dabei abgesteckt, und es wurde klar gemacht, die wirtschaftliche Dynamik des Landes ist längst noch nicht erschöpft.

Daneben wurden die Grundlagen gelegt, um in Forschung und Entwicklung sowie bei Innovation mehr Unabhängigkeit zu erreichen. Dazu sollen in den kommenden Jahren Sonderstaatsanleihen mit einer „ultralangen Laufzeit“ aufgelegt werden. Finanziert werden damit strategische Schlüssel-Forschungsvorhaben. Grüne Technologien gehören ebenso dazu wie die Chip- und Halbleiterentwicklung. Allein im laufenden Jahr sollen es dem Vorschlag zufolge 1.000 Mrd. Yuan sein, fast 130 Mrd. EUR.

Innovationsunabhängigkeit: Ist das gut oder schlecht? Spontan kommen einen die 1960er und 70er Jahre in den Sinn, als China sich „auf die eigenen Kräfte stützte“ und mit voluntaristischer Politik das Land eher an den Abgrund brachte als nach vorn. Erst mit der Öffnung zu Beginn der 1980er und der zunehmenden Integration in die Weltwirtschaft hat China zur Aufholjagd angesetzt, dabei freilich auf die wissenschaftlichen und technischen Erfahrungen der Partnerländer setzend.

Allein bei Adaption ist es nicht geblieben. Gerade in den sogenannten neuen Technologien haben Chinas Ingenieure und Wissenschaftler, haben junge Start-up-Gründer begonnen, Maßstäbe zu setzen. Ging es zunächst darum, mit den entwickelten Industrieländern Schritt zu halten, zeigte sich bald auch in bestimmten Feldern, dass sie allmählich einen Schritt weiter, ja vorangehen können. In vier Jahrzehnten haben sich am Jangtse und Perlfluss Entwicklungen vollzogen, für die in Europa ein Jahrhundert und mehr notwendig waren.

Das wird freilich nicht überall auf der Welt mit Wohlwollen gesehen. China als sprudelnde Quelle von Gewinnen war willkommen. Als Wettbewerber beim technologischen Fortschritt ist es das weniger, wie die vergangenen Jahre, seitdem Donald Trump erstmals ins Weiße Haus eingezogen ist, deutlich zeigen. Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen tuen ein Weiteres dazu, dass versucht wird, den unlieben Konkurrenten im Fernen Osten in die Schranken zu weisen.

Mehr Innovationsunabhängigkeit: Asien ist längst Hochburg der biologischen Forschung geworden
Mehr Innovationsunabhängigkeit: Asien ist längst Hochburg der biologischen Forschung geworden

Da wird mit Sanktionen operiert, anstatt sich durch Wettbewerb gegenseitig anzutreiben. Den Konkurrenten ausbremsen, statt den eigenen Unternehmen ein Umfeld zu schaffen, wettbewerbsfähiger zu werden. Das scheint nun auch in Europa die Devise zu sein. Auf Teufel komm raus.

Dass sich China dem nicht beugen wird, dürfte klar sein. Zu viel steht auf dem Spiel. Der mühevoll aufgebaute Wohlstand des Milliardenvolkes vor allem. Gut oder schlecht – das Streben nach Unabhängigkeit in der Innovation ist zuallererst die Antwort auf Abgrenzung, die außerhalb des Landes betrieben wird. Denn Risikominimierung ist längst nicht nur ein europäisches Muss.

Sonnenuntergang über Peking: Welche Pläne schmiedet die Volksrepublik?

Vor allem werden sich die Europäer bald die Augen reiben. Denn das Gegenteil wird erreicht. China wird nicht zurückfallen, sondern eine gewisse Trägheit, ja Faulheit überwinden und innovativ im wahrsten Sinne des Wortes werden. Denn will das Land auch künftig den Ton mit angeben, kann es sich nicht mehr auf Anpassungen und Weiterentwicklungen verlassen. Es ist gezwungen, „wirklich innovativ“ zu werden, wie es viele in China sagen. Das ist positiv. Ohne Frage.

Gesagt ist damit nicht, auf internationalen Austausch könne verzichtet werden. Ganz im Gegenteil. Am Ende geht es um unsere gemeinsame Zukunft. Die erfolgreich zu gestalten, darauf kommt es an. Gemeinsam geht es auf jeden Fall besser. Und innovativer.

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Events mit China-Bezug / Vorschau

Im März 2024 veranstaltet Burkardt & Partner Rechtsanwälte gemeinsam mit Kooperationspartnern eine Reihe von On- und Offline-Veranstaltungen zu aktuellen Rechtsthemen mit China-Bezug.

Executive Breakfast: Effective Compliance Management from Digital Management of Environmental Regulations to Whistleblower Imperatives“ am Dienstag, 12. März 2024 von 0830 bis 1030 Uhr (CST) in Nanjing

Mit dem am 29. Dezember 2023 novellierten Gesellschaftsgesetz, das zum ersten Mal ausdrücklich regelt, dass Unternehmen bei deren Geschäftstätigkeit die Interessen deren Mitarbeiter und den Umweltschutz berücksichtigen müssen als auch Unternehmen zur entsprechenden Berichterstattung auffordert, wird deutlich, dass Unternehmen nunmehr deren Compliance auch im Bereich Environmental, Social & Governance (ESG) sicherstellen müssen.

Der sich in China erst entwickelnde ESG-Rechtsrahmen macht es für Unternehmen jedoch schwierig, einen detaillierten und umfassenden Überblick über die geltenden ESG-Vorschriften zu gewinnen. Zusammen mit der in China stärker als in Europa ausgeprägten Whistleblower-Kultur und in Verbindung mit staatlichen Belohnungen für direkte Meldungen von Verstößen an Behörden stellt dies Unternehmen vor nicht zu unterschätzende Compliance-Risiken.

Shanghai / ChinaIm Rahmen des Executive Breakfast der EU-Handelskammer spricht RA Rainer Burkardt, Gründer und Geschäftsführer von Burkardt & Partner, zum Thema „Whistleblower systems as part of ESG/EHS compliance systems: Legal framework and tips for their implementation“. In seinem Vortrag stellt Burkardt den Rechtsrahmen für den Schutz von Whistleblowern in China sowie die praktischen und kulturellen Herausforderungen bei der Einführung von Hinweisgebersystemen bei Tochtergesellschaften ausländischen Unternehmen in China vor und gibt Tipps für ihre Umsetzung.

Mehr Information zur Agenda und Anmeldung finden Sie HIER.

Webinar
Gesellschaftsrecht in China: Umfangreiche Änderungen im Jahr des Drachen“ am Mittwoch, den 13. März 2024 von 0930 bis 1030 Uhr (MEZ) online

Die Novelle des Gesellschaftsgesetzes der VR China vom 29. Dezember 2023 wird am 1. Juli 2024 in Kraft treten. Die zwischenzeitlich sechste Novellierung ist mit ca. 100 neuen und geänderten Artikeln die bislang umfangreichste Überarbeitung des Gesetzes seit 2005 und wird signifikante Auswirkungen auf alle Gesellschaften in China, einschließlich Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen, haben.

Im Webinar mit der Wirtschaftskammer Österreich informieren Sie die Rechtsexperten Rainer Burkardt und Ralph Koppitz über die bevorstehenden Änderungen des novellierten Gesellschaftsgesetzes, ordnen diese ein und geben Ihnen Empfehlungen aus der Praxis.

Mehr Informationen zum Webinar und zur Anmeldung finden Sie HIER.

In Zusammenarbeit mit der IHK Stuttgart erstellt Burkhardt & Partner einen 3-teiligen Artikel zu diesem wichtigen Thema. Details zur Veröffentlichung erfahren Sie auf der Webseite oder dem LinkedIn-Profil von Burkhardt & Partner.

Webinar De-Risking China – rechtliche Optionen zur Risikoreduzierung für Unternehmen mit Tochtergesellschaften in China“ am Donnerstag, 14. März 2024 von 0930 Uhr bis 1100 Uhr (MEZ) online

Angesichts der geopolitischen Spannungen nicht nur in der Taiwanstraße sowie der andauernden wirtschaftlichen Schwächephase in China sind ausländische Unternehmen, die in China präsent sind, derzeit zunehmenden Risiken ausgesetzt. Unternehmensvertreter stehen nun vor der großen Herausforderung, nicht nur die Risiken ihrer Tochtergesellschaften und deren Chinageschäfte richtig einzuschätzen, sondern darüber hinaus auch noch geeignete risikominimierende Maßnahmen zu identifizieren und rechtzeitig zu ergreifen.

Um mittelständische Unternehmen bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen, veranstaltet Burkardt & Partner Rechtsanwälte in Zusammenarbeit mit der ti communication GmbH und dem BVMW e.V. am 14. März 2024 von 0930 bis 1100 Uhr (MEZ) ein Webinar zum Thema „De-Risking China – rechtliche Optionen zur Risikoreduzierung für Unternehmen mit Tochtergesellschaften in China”.

Im Rahmen des Webinars stellt RA Rainer Burkardt vertragliche und unternehmensrechtliche Maßnahmen vor, wie mittelständische Unternehmen aus der D-A-CH Region mit Tochtergesellschaften in China Risiken in deren Chinageschäft mit dem Ziel entschärfen können, Vermögenswerte in China abzusichern, ohne die wichtige Präsenz auf dem chinesischen Markt aufgeben zu müssen.

Mehr Informationen zum Webinar und zur Anmeldung finden Sie HIER.

Gemeinschaftsveranstaltung mit der IHK Braunschweig und ADWA zum Thema Geschäftsbeziehungen zu Asien: Aktuelle rechtliche Entwicklungen für den Mittelstand“ am Dienstag, 19. März 2024 von 1300 Uhr bis 1800 Uhr (MEZ) in Braunschweig

Auch um Lieferketten resilienter zu machen, ist es für Unternehmen mit Tochtergesellschaften oder Geschäftsbeziehungen in Asien wichtiger denn je, den asiatischen Raum und die dortigen aktuellen Entwicklungen im Blick zu haben. Unternehmer müssen sich über die aktuellen rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen informieren, um richtige Geschäftsentscheidungen zum richtigen Zeitpunkt treffen zu können.

RA Rainer Burkhardt

Im Rahmen der Veranstaltung verschaffen Ihnen zehn Anwälte der Allianz Deutscher Wirtschaftsanwälte in Asien (ADWA), darunter auch RA Rainer Burkardt, einen Überblick über rechtliche und politische Entwicklungen in Taiwan, China und Indien. Anschließend an die Ländervorträge folgt eine Paneldiskussion mit weiteren ADWA-Anwälten aus Hongkong, Japan, Korea, Malaysia, Philippinen, Thailand, Singapur und Vietnam zu den aktuellen Entwicklungen und Veränderungen im Investitionsumfeld in diesen Ländern.

Mehr Informationen zur Agenda und Anmeldung finden Sie HIER.

Lesen Sie hierzu auch das entsprechende Interview des Harz Kuriers mit den ADWA-Anwälten „Warum Asien so sexy für deutsche Mittelständler sein kann”!

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China: bloß kein ‚verlorenes Jahrzehnt‘ wie einst in Japan

Bildnachweis: Rawpixel.com – stock.adobe.com.

Auf das Platzen der Immobilienblase folgte in Japan in den 1990er Jahren eine Zeit der wirtschaftlichen Stagnation. Ein solches ‚verlorenes Jahrzehnt‘ könnte auch China bevorstehen. Von Andranik Safaryan*

Alternde und schrumpfende Bevölkerung: Wenngleich die Bevölkerung Japans in den 1970er und 1980erJahren immer noch wuchs, begann die Erwerbstätigenquote zu sinken, da der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung zunahm.

China ist heute mit einem ähnlichen Muster konfrontiert: Der Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung sinkt bereits und die Gesamtbevölkerung wird sich bis 2100 gegenüber heute voraussichtlich halbieren. In Verbindung mit voraussichtlich dauerhaft negativen Migrationsströmen laut UN-Daten ist dies mittel- bis langfristig ein bedeutender Hemmschuh für die Wohnungsnachfrage. Finanzielle Anreize konnten am negativen Ausblick für den chinesischen Immobiliensektor bislang nicht viel ändern.

Übermäßige Straffung der Geldpolitik: Ende der 1990erJahre waren in Japan Grundstückspreise für Wohnimmobilien im Vergleich zu den 1970er Jahren auf das beinahe Sechsfache gestiegen. Im Bemühen, die Blase zum Platzen zu bringen und die Inflation unter Kontrolle zu bekommen, straffte die japanische Zentralbank Ende der 1980er Jahre ihre Geldpolitik. Diese blieb über Jahre restriktiv, zu einer Zeit, als die Grundstückspreise allmählich wieder sanken und der Yen stark aufgewertet hatte.

Weinen um ein verlorenes Jahrzehnt

Bei den derzeitigen Inflationsraten nahe null sind die Leitzinsen in China trotz der jüngsten Lockerung ebenfalls restriktiv. Nimmt man jedoch die Erwartungen steigender Inflation hinzu, sind die Realzinsen niedriger als in Japan und die People’s Bank of China (PboC) tendiert zurzeit zu einer Lockerung – anders als die Bank of Japan (BoJ) Ende der 1980er Jahre. Im jetzigen Stadium ist es für China von entscheidender Bedeutung, seine Geldpolitik so zu gestalten, dass die Blase nicht platzt, und dabei durch die Koordination von Geld- und Fiskalpolitik sowie gesetzgeberischer Maßnahmen zu versuchen, das Szenario einer harten Landung zu vermeiden.

Bankenproblematik: Da die Grundstückspreise in Japan in den Jahrzehnten vor dem Platzen der Blase stiegen, akzeptierten die Banken mehr Grundstücke als Sicherheit. Als die Blase platzte und die Preise einbrachen, machten die Banken Verluste. Dies führte in Verbindung mit den Vorgaben von Basel I, dass Banken 8% an Kapital halten müssen, zu einer Kreditkrise. Hiervon wurde nicht nur der Immobilienmarkt getroffen, sondern auch andere Branchen, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen.

Wenn es in China zu einem Niedergang kommen sollte, müssen die chinesischen Behörden dieses Szenario verhindern.  Das Engagement von drei der größten chinesischen Banken, Bank of China, Agriculture Bank of China und ICBC, in Darlehen für den Bau- und Immobiliensektor lag in den vergangenen Jahren jeweils zwischen rund 5 und 7%. Das Engagement japanischer Banken in diesen Sektoren zu der Zeit, als die Blase platzte, war wesentlich größer und lag bei etwa 14 bis 17%. Die Eigenkapitalkoeffizienten von chinesischen Banken sind heute ebenfalls höher, sie liegen bei den drei genannten Banken im Bereich von 16 bis 19%. Chinesische Banken sind daher im Vergleich heute besser aufgestellt als japanische damals.

Fehlgeschlagene Fiskalpolitik und geringe Investitionen: Japan ist es während des verlorenen Jahrzehnts nicht gelungen, die richtigen Investitionen ins Visier zu nehmen.

Andranik Safaryan über Parallelen zwischen China und Japan

Andranik Safaryan

In China haben der aktuelle wirtschaftliche Pessimismus und die geopolitischen Spannungen sowohl Entwicklungsfinanzierungen als auch private Investitionen verringert. Die Regierung muss hart arbeiten, um den Investitionsmotor wieder zum Laufen zu bringen, und ein verlorenes Jahrzehnt wie einst in Japan abzuwenden.

*) Andranik Safaryan ist Portfoliomanager des MainFirst Emerging Markets Corporate Bond Fund Balanced

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Emerging Markets: wie sich China durchwuseln könnte

Ein Auszug aus dem aktuellen Kommentar des Emerging Markets Debt Hard Currency Teams von Janus Henderson Investors.

Bullet Points:

– Schwellenländeranleihen in Hartwährung (EMDHC) sind Lichtblick unter den Risikoanlagen

– Hohe einstellige Renditen und relativ robuste Fundamentaldaten der Emittenten dürften Puffer gegen potenzielle Spread-Ausweitung bieten

– Carry-Möglichkeiten im High-Yield-Segment sowie bei der Laufzeitverlängerung in bestimmten Investment-Grade-Ländern

Aussichten für Emerging Markets: BIP

Quelle: Weltwirtschaftsausblick des IWF. Reales BIP-Wachstum, prozentuale Veränderung. Daten zum 10. Oktober 2023.

EMD (Emerging Market Debt) Hard Currency – mit Ausnahme Chinas – waren 2023 angesichts der restriktiveren Finanzbedingungen, der globalen Wachstumsverlangsamung und der Abflüsse von Investoren robust. Der JP Morgan Emerging Market Bond Index Global Diversified (EMBIGD) wies für 2023 (seit Jahresbeginn, Stand: 31. Oktober 2023) eine Gesamtrendite von 0,39% in USD aus, die durch den Anstieg der Treasury-Renditen beeinträchtigt wurde. Die Credit Spreads von Staatsanleihen waren sehr robust – sie haben sich im bisherigen Jahresverlauf verengt – was zu positiven Mehrerträgen in diesem Zeitraum führte. [1]

Die Credit-Fundamentaldaten sind stabil. Die Entwicklungsländer haben sich trotz sozialer Probleme von den wirtschaftlichen Schocks der letzten drei Jahre erholt. Unseres Erachtens werden die Auswirkungen positiver Politikkorrekturen mittelfristig häufig unterschätzt. Die Fundamentaldaten sind derzeit nicht so schlecht, wie manche Schlagzeilen vermuten lassen. Natürlich nimmt die Verschuldung in China immer noch zu, aber wenn man die Verschuldung nach der weit verbreiteten EMBIGD-Benchmark gewichtet (Chinas Gewichtung beträgt nur etwa 4,7%), halten sich die Fundamentaldaten auf der aggregierten EMBIGD-Ebene gut.

Quelle: Janus Henderson Investors, Moody“s, Stand: 30. Juni 2023.


High-Yield-Segment bietet interessantere Möglichkeiten

Insgesamt preisen die Credit Spreads für Staatsanleihen eher eine weiche Landung ein – insbesondere, wenn die EMBI-Spreads um das Segment der notleidenden Anleihen (CCC und niedriger) bereinigt werden. In unserem Universum gibt es weiterhin eine hohe Spread-Dispersion und Desynchronisation zwischen den Ländern, was Chancen für aktive Anleger schafft. Angesichts der Zweiteilung der Spreads (Investment Grade versus High Yield) sehen wir die Möglichkeit, attraktive Carrys zu erzielen, indem wir das kürzere Ende der Kurve bevorzugen und den Ländern mit BB- und Single-B-Rating mehr Aufmerksamkeit schenken, da die Bewertungen dort überzeugender sind.

Quelle: Janus Henderson Investors, Moody“s, Stand: 30. Juni 2023

Chinas Wachstum verlangsamt sich, wird sich aber durchwursteln

Über die strukturelle Wachstumsverlangsamung Chinas ist schon viel geschrieben worden. Zuletzt war das BIP-Wachstum im dritten Quartal besser als erwartet (4,9% im Jahresvergleich, wenn auch nach einem schwachen zweiten Quartal) und ein bescheidenes Konjunkturpaket wurde aufgelegt. Unseres Erachtens ist das Konjunkturpaket zu klein, um die „Lebensgeister“ zu wecken, und stellt auch keine grundlegende Änderung dar.

Quelle: Janus Henderson Investors und Macrobond, Stand: 31. Oktober 2023.

Es signalisiert jedoch, dass sich die Regierung stärker auf die Wirtschaft konzentriert, als bisher vom Markt angenommen, und reduziert das Abwärtsrisiko für die nächsten 3-6 Monate. Der Einbruch auf dem Immobilienmarkt hat das Vertrauen beeinträchtigt, und die hohe Jugendarbeitslosigkeit sowie die mangelnde Bereitschaft der privaten Haushalte, ihre Ersparnisse auszugeben, bleiben ein ständiger Gegenwind. Wir erwarten ein Szenario des Durchwurstelns und keine Krise.

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Wird der Holzdrache China Glück und Zielerreichung bescheren?

Im Februar 2024 beginnt in China das Jahr des Holzdrachens, der ein Symbol für Glück und Zielerreichung darstellt. Von Andranik Safaryan*

Mehr als drei Jahre sind vergangen, seit die chinesischen Behörden die ersten Maßnahmen ergriffen haben, um Spekulationen auf dem Immobilienmarkt einzudämmen. Wenngleich Peking den Abschwung des Immobilienmarktes mittlerweile ernst nimmt, muss noch mehr getan werden. Politischer Spielraum ist vorhanden.

Eine Verbesserung der Aussichten für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt sowie bei den Preiserwartungen auf dem Wohnungsmarkt sind kurzfristig unerlässlich. Geldpolitik und Banken müssten mittelfristig akkommodierend bleiben, um eine Kreditkrise zu vermeiden, die die gesamte Wirtschaft treffen würde – ähnlich wie in den 1990er Jahren in Japan.

Wir lassen zum jetzigen Zeitpunkt Vorsicht gegenüber dem Sektor walten. Doch Anleger, die Geduld und einen ausreichend langen Anlagehorizont haben, können in Einzelfällen gute Anlagegelegenheiten ausmachen. Die bedeutendste kurzfristige Herausforderung für die chinesischen Behörden sehen wir darin, die Stimmung der privaten Haushalte zu verbessern und privaten Investitionen neuen Schwung zu verleihen, um die Erwartungen bezüglich der Wohnungspreise zu verbessern und die Nachfrage anzukurbeln.

Keine nachhaltige Erholung auf dem Immobilienmarkt in Sicht

Im August 2023 hatte die chinesische Regierung beschlossen, die Untergrenze für die Anzahlung beim Erwerb der ersten und zweiten Wohnung zu senken. Weitere Maßnahmen waren ein niedrigerer Hypothekenzinssatz sowie die Erteilung der Genehmigung an lokale Regierungen, die Definition des Erstkäufers einer Wohnung zu erweitern. Doch der Effekt ist kurzfristig eher gering gewesen ein. Allerdings zeigen politische Maßnahmen erst nach einer gewissen Zeit Wirkung.

Zudem dürfte sich die Erholung auf die am weitesten entwickelten Städte (Rang 1 und 2) in China beschränken, darunter Peking, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen. Die Hauptnutznießer sind mit dem Staat verbundene Immobilienentwickler mit soliden Bilanzen, die Engagements in erstrangigen Städten haben, da diese Städte noch über politischen Spielraum zur Ankurbelung der Nachfrage verfügen. Hinzu kommt, dass sich diese Städte auch eines Zuzugs von Einwohnern aus kleineren Städten erfreuen und daher weniger von dem für die kommenden Jahre zu erwartenden Trend einer schrumpfenden Bevölkerung betroffen sind.

Nutznießer sind Staatskonzerne

Bei einigen der größten Immobilienentwickler in Rang-Eins-Städten handelt es sich um Unternehmen in Staatsbesitz. Diese haben zum Teil von den Turbulenzen am Immobilienmarkt profitiert, indem sie ihren Marktanteil zulasten von Unternehmen in Privatbesitz erhöht haben. Da sie sich in Besitz der Öffentlichen Hand befinden und solidere Bilanzen haben, stehen sie in der Gunst der Wohnungskäufer. Denn diese vertrauen darauf, dass die Projekte auch fertiggestellt werden.

Glück und Zielerreichung 2024?
Glück und Zielerreichung 2024?

Allerdings lässt sich die Nachfrage von Investoren nur schwer wieder ankurbeln: Es gibt einige Widerstände, die eine Erholung des Gesamtmarktes verhindern. Wir sehen anhaltende Insolvenzen von Immobilienentwicklern, zudem besteht weiterhin Ungewissheit darüber, ob Projekte überhaupt fertiggestellt werden. Außerdem gibt es die Erwartung fallender Immobilienpreise. Unsichere wirtschaftliche Aussichten tun ihr Übriges.

Ansatzpunkte für Anleger

Doch es gibt auch positive Beispiele. So bietet die Restrukturierung von SUNAC, eines Immobilienentwicklers mit großem Grundstücksbestand in Rang-Eins- und -Zwei-Städten, eine gute Vorlage für andere Unternehmen: SUNAC ging 2022 insolvent und wandelte daraufhin Auslandsschulden in Eigenkapital oder daran gebundene Instrumente wie Wandelanleihen um, um so die Kapitalstruktur zu verbessern. Anleger sollten staatliche Immobilienentwickler im Blick behalten, die zu einem ähnlichen Restrukturierungsprozess bereit sind. Gleiches gilt für Unternehmen, die Projekte veräußern und die Erlöse für Rückzahlungen an die Anleiheinhaber verwenden können. Die geringe Liquidität der Anleihen könnte mittelfristig zu einer höheren Erlösquote führen.

Die gute Nachricht ist, dass die Unternehmen Anleihen im Umlauf haben. Diese werden jedoch nicht zu attraktiven Kursen gehandelt, insbesondere im Hinblick auf die makroökonomischen und die Sektorrisiken. Immobilienentwickler wie COLI und China Resources Land (CR Land) erfüllen die Anforderungen, aber ihre Anleihebewertungen sind mit Renditen zwischen 5,5 und 7,5% nicht besonders aussichtsreich.

Andranik Safaryan

Wir raten davon ab, zum jetzigen Zeitpunkt ein großes Engagement einzugehen, da die Volatilität weiterhin hoch ist und die Stimmung schnell kippen könnte. Viele Entwickler sind weitgehend in Städten auf den unteren Rängen engagiert, in denen das Angebot-Nachfrage-Verhältnis sehr ungünstig ist. Einige Unternehmen werden wahrscheinlich nicht überleben, da sie nur einen dürftigen Bestand an abgeschlossenen Verkäufen haben, hoch verschuldet sind und durch kurzfristige Schwierigkeiten beeinträchtigt werden.

*) Andranik Safaryan ist Leiter des Teams Emerging Markets / Corporate Debt bei MainFirst Asset Management