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Post M&A-Restructuring: Herausforderung für chinesische Investitionen

Symbolbild. Gavel und Geld.
Quelle: Adobe Stock © thodonal

Chinesische Investitionen in deutsche Unternehmen erfolgen für gewöhnlich durch den Erwerb von Geschäftsanteilen/Aktien und/oder Finanzierungen durch Ausreichung von Darlehen. Gerät die Zielgesellschaft in die Krise, gefährdet dies den Wert der Beteiligung und der Darlehensrückzahlungsansprüche, denn die Gesellschafterdarlehen sind typischerweise nachrangig. Neben dem Verlust des Investments können sich auch noch Haftungsfolgen für den chinesischen Investor sowie den chinesischen Geschäftsführer ergeben.

Verlust des Investments

Das deutsche Insolvenzrecht kennt als oberste Maxime die bestmögliche Gläubigerbefriedigung. Wenn einmal das Insolvenzverfahren eingeleitet worden ist, richtet sich die Entscheidung, ob das Unternehmen liquidiert oder fortgeführt wird oder die Assets des Unternehmens als Going Concern verkauft werden können, danach, welcher Weg für die bestmögliche Gläubigerbefriedigung der vorzugswürdige ist. In dieser Hinsicht sind besonders Situationen gefährlich, in denen der chinesische Investor Gesellschaftsanteile erwirbt und zugleich Gesellschafterdarlehen ausreicht. Im Insolvenzverfahren der deutschen Zielgesellschaft sind Gesellschafterdarlehen nachrangig: Sie werden erst bedient, wenn alle gesicherten und einfachen Insolvenzgläubiger vollständig befriedigt wurden.

Insolvenzanfechtungen von Rückzahlungen von Gesellschafterdarlehen

Darüber hinaus sind auch Zahlungen, die ein Gesellschafter aufgrund eines Gesellschafterdarlehens im Zeitraum von einem Jahr vor der Stellung des Insolvenzantrags erhalten hat, durch den Insolvenzverwalter anfechtbar und müssen in die Insolvenzmasse zurückgeführt werden. Noch weiter zurück reicht die Insolvenzanfechtung von Sicherheiten, die ein Gesellschafter für ein Gesellschafterdarlehen erhalten hat – hier beträgt die Anfechtungsfrist sogar zehn Jahre. Die konkrete Ausgestaltung des Ausreichens von Gesellschafterdarlehen sowie deren Rückzahlungen kann entscheidend sein, um die Haftungsfolgen zu minimieren. So kann es z.B. besser sein, wenn der Gesellschafter erst auf die Sicherheit verzichtet, bevor ein Darlehen zurückgezahlt wird.

Ein Gesellschafter muss auch stets zahlen, wenn er einem Dritten für dessen Darlehen eine Sicherheit gestellt hat – sei es durch Mithaftung, Bürgschaft, Sicherungsübereignung oder andere Personal- oder Realsicherheiten. Diese Haftung des Gesellschafters gilt im Ergebnis unabhängig davon, ob die Gesellschaft den Dritten im Zeitraum von einem Jahr vor dem Insolvenzantrag befriedigt hat oder ob die Gesellschaft dazu nicht mehr in der Lage war.

Vorsicht ist auch bei der Ausreichung von Darlehen und Sicherheiten durch konzernverbundene Unternehmen geboten, die nicht selbst direkt Gesellschafter sind, denn nicht nur der Gesellschafter selbst ist von den erwähnten Regelungen betroffen, sondern auch mit ihm horizontal oder vertikal verbundene Unternehmen.

Schuld bei der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung

Ebenso birgt das ungeprüfte Ausreichen von (weiteren) Darlehen durch den chinesischen Investor in der Krise des deutschen Zielunternehmens nicht unerhebliche Risiken. Ein Darlehensgeber kann sich unter Umständen der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung schuldig machen, wenn die Gesellschaft im Zeitpunkt der Darlehensvergabe insolvenzreif war, der Darlehensnehmer dies wusste oder sich leichtfertig der entsprechenden Erkenntnis verschloss und so das Hinausschieben des gebotenen Insolvenzantrags bewirkt oder geduldet wird. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich für den chinesischen Investor, umfassende Informationen einzuholen und sorgfältige Dokumentationen anzufertigen, damit im späteren Streitfall die finanzielle Situation des Zielunternehmens sowie die Intentionen des chinesischen Gesellschafters nachvollziehbar und belegbar sind.

Haftung des Gesellschafters aus Patronatserklärungen

Einen Durchgriff auf das Vermögen des chinesischen Gesellschafters sieht das deutsche Recht bei Kapitalgesellschaften per se nicht vor. Eine Haftung des chinesischen Investors für Verbindlichkeiten des deutschen Zielunternehmens kann aber aus vertraglichen Regelungen resultieren, insbesondere aus Unternehmensverträgen und Patronatserklärungen. Gerade Letztere werden oftmals unüberlegt und weder in zeitlicher noch betragsmäßiger Begrenzung ausgereicht. Häufig werden sie auch „vergessen“ und nicht beseitigt, wenn die Gesellschaft sie eigentlich nicht mehr benötigt. Im Insolvenzfall sind sie für den chinesischen Investor besonders riskant, zumal eine Kündigung erstens zulässig sein muss und zweitens nur für die Zukunft Wirkung hat. Zu empfehlen ist daher, Patronatserklärungen z.B. nur für die Geltung jeweils eines Jahres und idealerweise der Höhe nach begrenzt auszureichen, damit stets neu und bewusst entschieden werden kann, ob und in welchem Umfang die deutsche Zielgesellschaft finanziell gestützt werden soll.

Herausforderungen für chinesische Geschäftsführer

Zusätzliche Risiken bestehen dann, wenn auch die Geschäftsführung durch den chinesischen Investor besetzt wird. Nach dem deutschen Insolvenzrecht obliegt der Geschäftsführung durchgängig die Pflicht zur Überprüfung einer etwaigen Insolvenzantragspflicht. In der Krise und späteren Insolvenz kann dabei häufig eine Art Generalverdacht bestehen, dass die Geschäftsführung nur oberflächlich und fehlerhaft durchgeführt worden ist, wenn der Geschäftsführer seinen Sitz im Ausland hat und typischerweise nicht immer vor Ort am Sitz der Gesellschaft tätig ist. Es können sich persönliche Haftungsrisiken ergeben, insbesondere wegen Insolvenzverschleppung, Zahlungen ab Eintritt der Insolvenzreife, Nichtabführen von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern sowie Eingehungsbetrugs, wenn klar ist, dass das Unternehmen einen Vertrag durchzuführen nicht mehr imstande sein wird. Eine Inanspruchnahme von – auch ausländischen – Geschäftsführern scheuen die Insolvenzverwalter nicht. D&O-Versicherungen bieten hierbei ebenfalls keinen umfassenden Schutz.

Dabei trifft die persönliche Pflicht zur Insolvenzantragsstellung (so denn eine solche zu bejahen ist) jeden einzelnen Geschäftsführer oder Vorstand, unabhängig von statutarischen Vertretungsregelungen, internen Geschäftsverteilungsplänen oder Ressortverantwortlichkeiten. Nötigenfalls muss der einzelne Geschäftsführer oder Vorstand den Insolvenzantrag allein stellen; weder ist eine Zustimmung des Gesellschafters dabei erforderlich noch befreit eine Gesellschafterweisung vom Befolgen der Antragspflicht.

Gerade einem chinesischen Geschäftsführer, der vielleicht nicht dauerhaft vor Ort ist, fällt die Überwachung der Insolvenzantragspflichten aber oftmals schwer. Zum Teil liegt die Schwierigkeit an mangelnder Kenntnis der tatsächlichen Finanzlage der Zielgesellschaft – schließlich überlässt der chinesische Investor häufig der deutschen Geschäftsführung einen wesentlichen Teil des täglichen Managements nach der Transaktion. Zudem sind einem chinesischen Geschäftsführer solche Überwachungspflichten zur Vermeidung der Insolvenz häufig auch unbekannt. Ihnen fehlt darüber hinaus meistens auch die entsprechende Erfahrung, wie ein entsprechender Insolvenztest technisch umzusetzen ist. Die aus der Pflichtverletzung resultierende Haftung kennen sie regelmäßig nicht.

CEP-Indikator für China erreicht Höchstwert

CEP-Indikator für China erreicht Höchstwert
Quelle: Adobe Stock; ©: photoschmidt

Seit 2013 erheben das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim (ZEW) und die Fudan Universität in Shanghai auf Basis des China Economic Panel (CEP) den CEP-Indikator. Jetzt hat er mit 64,0 Punkten einen neuen Höchststand erreicht.

Wie das ZEW in seiner aktuellen Pressemitteilung meldet, hat der seit 2013 in Zusammenarbeit mit der Fudan Universität in China erhobene CEP-Indikator den höchsten bisher gemessenen Wert erreicht. Er stieg seit Januar um weitere 9,1 auf jetzt 64,0 Punkte. Der Indikator gibt an, wie internationale Finanzmarktexperten die Aussichten für die Konjunkturentwicklung in China für die nächsten zwölf Monaten einschätzen.

CEP-Indikator für China wird vom ZEW in Mannheim gemeinsam mit der Fudan Universität erhoben.Die zur gleichen Zeit erhobene Bewertung der aktuellen Konjunktursituation stieg im gleichen Zeitraum um 13,6 Punkte. Damit erreicht der Lageindikator im Februar 55,8 Punkte, was ebenfalls einen neuen Höchstwert darstellt.

CEP erwartet höheres BIP-Wachstum in China

Auch die Prognosen hinsichtlich des erwarteten Wirtschaftswachstums fallen entsprechend positiv aus. Für 2021 rechnen die befragten Experten damit, dass das reale chinesische Bruttoinlandsprodukt um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen wird. Das stellt eine Steigerung um 0,6 Prozentpunkte gegenüber den noch im Januar erwarteten 5,9 Prozent dar. In gleichem Maße stiegen die Erwartungen für das Jahr 2022 von 4,9 Prozent auf 5,5 Prozent.

Das erwartete Wachstum wird von den Experten nicht zuletzt auf Konjunkturprogramme der chinesischen Regierung zurückgeführt. 88 Prozent der für den CEP-Indikator befragten Experten gehen von einem Anstieg des Staatskonsums in China aus. Folglich stiegen die Erwartungen mit Blick auf den Staatskonsum um 23,4 Punkte auf einen Indikatorstand von 70,0 Punkten. Auch der Indikator für die Inlandsverschuldung stieg um 11,3 Punkte auf jetzt 68,0 Punkte.

Interessanterweise beobachten die Experten eine Zweiteilung bei der konjunkturellen Entwicklung in China. Während der CEP-Indikator für Shenzhen, Shanghai, Guangzhou, Peking und auch Chongqing sehr positive Werte ausweist, bleiben die Erwartungen für andere Städte in China wie Hong Kong und Tianjin weit unterdurchschnittlich.

Volocopter plant Joint Venture mit Geely-Tochter

Volocopter plant Joint Venture mit Geely-Tochter
Bildquelle und Copyright: Volocopter

Das badische Flugtaxi-Unternehmen Volocopter steht offenbar vor der Gründung eines Joint Ventures mit der Wofei Changkong Technology Co (Wofei), die wiederum zur Zhejiang Geely Holding Group (Geely) gehört.

In einem Interview mit der chinesischen Zeitung „The Paper“ hat Wofei CEO Jing Chao das geplante Joint Venture angekündigt. Wofei werde die Mehrheit halten und sei auch für den Betrieb der Flugtaxis in China zuständig. Die Zulassung des Flugtaxis werde zuerst in Deutschland durch Volocopter erfolgen. Eine entsprechende Zertifizierung wurde bereits bei der European Aviation Safety Agency (EASA) beantragt. Wenn das Flugtaxi dann in Europa zugelassen ist, sei die Genehmigung für den Einsatz im chinesischen Luftraum aufgrund bestehender Abkommen einfacher zu erlangen. Angesichts der fast fertiggestellten Forschung und Entwicklung des Modells sei so mit einer Markteinführung schon in drei Jahren zu rechnen.

Als Zielgruppe sieht Jing unter anderem Geschäftsleute aber auch Eventveranstalter, Tourismusanbieter und schließlich den Massenmarkt, wenn die Flugtaxis sich als normale Verkehrsmittel durchgesetzt haben. Wofei wurden im September 2020 von Geely gegründet. Das Tochterunternehmen konzentriert sich seither auf die Forschung und Entwicklung von unbemannten Drohnen und eigenen Flugautos.

Geely hält bereits Anteile an Volocopter

Geely ist seit der Finanzierungsrunde C im Herbst 2019 an Volocopter beteiligt. Neben Geely gehört auch Daimler, in diesem Fall bereits seit 2017, zu den Volocopter-Investoren. Geely-Gründer Li Shufu ist wiederum der größte Einzelaktionär bei Daimler, was möglicherweise das Interesse von Wofei an den badischen Elektropionieren erklärt.

Das Unternehmen Volocopter mit Sitz im badischen Bruchsal zwischen Karlsruhe und Heidelberg besteht seit 2011. Mittlerweile hat die Firma zwei Modelle eines elektrischen Senkrechtstarters entwickelt. Es handelt sich dabei um das Flugtaxi VoloCity sowie die VoloDrone für den Einsatz im Logistik- und Landschaftsbereich. Neben dem chinesischen Markt hat Volocopter auch die USA im Blick. Wie das Unternehmen zuletzt vermeldete, hat es parallel zur EASA-Zertifizierung bereits die Zulassung durch die FAA beantragt. Ziel ist es, möglichst bald in den USA aktiv werden zu können.

Caixin PMI in China sinkt weiter

Caixin PMI in China sinkt weiter
Quelle: Adobe Stock © iamchamp

In China ist der Purchasing Manager Index (PMI) des Branchendienstes Caixin zum dritten Mal in Folge leicht gefallen. Er liegt jetzt auf dem niedrigsten Wert seit Juni 2020.

Die Erholung der chinesischen Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten etwas abgekühlt. So fiel der vom Branchendienst Caixin erstellte und in China vielbeachtete PMI von 51,5 auf zuletzt 50,9 im Februar. Der PMI ist so definiert, dass Werte über 50 Wachstum bedeuten, während Werte unter 50 auf eine Kontraktion hinweisen. Die chinesische Wirtschaft wächst demnach weiterhin, aber nur noch minimal.

Der Caixin PMI deckt sich auch mit den neuesten Zahlen aus dem National Bureau of Statistics (NBS), das einen eigenen PMI veröffentlicht. Das NBS hatte für den Februar einen Rückgang auf 50,6 Punkte nach zuletzt 51,3 im Januar gemeldet.
Ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität im Februar ist nichts ungewöhnliches, da das chinesische Frühlingsfest zwar zu erhöhten Reiseaktivitäten und auch Einkäufen führt, aber in gleichzeitig die meisten Unternehmen ihren Betrieb weitgehend einstellen. In diesem Jahr könnte dieser Rückgang noch durch die Reisebeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie verstärkt worden sein.

Chinas Wirtschaft weiter unter Druck

Wie der Caixin PMI zeigt, gerät Chinas Wirtschaft durch die Corona-Pandemie in verschiedenen Bereichen zunehmend stärker unter Druck. Die Nachfrage nach chinesischen Waren ist weiter zurückgegangen und die Exporte schrumpfen mittlerweile. Gleichzeitig steigen die Preisindices und mit ihnen der Inflationsdruck. Entsprechend kommt auch der Arbeitsmarkt nicht richtig in Schwung und die Nachfrage nach Arbeitskräften war daher zuletzt ebenfalls rückläufig.

Offizielle Stellen betonen den Einfluss des Frühlingsfestes auf den PMI in China und gehen von einer Erholung ab März aus. Die chinesischen Unternehmen hingegen rechnen mit einer Verbesserung erst, wenn die Pandemie erfolgreich bekämpft wurde. Die Chancen dafür sehen sie aber wiederum als hoch an. Der monatlich erhobene Caixin PMI erfasst auch die Erwartungen an die zukünftigen Entwicklung der Unternehmen in China. Dieser Wert, ähnlich dem ifo-Geschäftsklimaindex in Deutschland, stieg im Februar auf den höchsten Stand seit September 2014.

VW sieht schnelle Erholung im Kernmarkt China

VW sieht schnelle Erholung im Kernmarkt China
Bildquelle und Copyright: Volkswagen AG

Nicht zuletzt dank der Erholung im für VW wichtigen Markt China hat der Konzern das Pandemiejahr 2020 vergleichsweise gut überstanden. Gleichzeitig haben die Wolfsburger strategische Weichen gestellt, um die Transformation zum Tech-Unternehmen zu beschleunigen.

Bedingt durch die Corona-Pandemie gingen die weltweiten Umsatzerlöse VWs 2020 um 11,8 Prozent auf 22,9 Mrd. Euro zurück. Dennoch zeigt sich das Unternehmen angesichts der „beispiellosen Pandemie“ zufrieden mit dem Ergebnis. Für die starke Performance und erfolgreiche Begrenzung der Pandemie-Auswirkungen sei schließlich das gute Krisenmanagement des Unternehmens ausschlaggebend gewesen. Hinzu kam die schnelle Erholung des für VW größten und wichtigsten Einzelmarkts China. Hier erwies sich insbesondere das Premium- und Financial Services-Geschäft als Stabilitätsanker. Besonders die Marke Audi konnte ab der zweiten Jahreshälfte gute Umsätze erzielen.

Frank Witter, Konzernvorstand Finanzen und IT, sagte zum Ergebnis: „Covid-19 stellt uns alle vor bisher nie gekannte Herausforderungen. Im letzten Jahr hat der Volkswagen Konzern die Auswirkungen der Pandemie auf sein Geschäft erfolgreich eingedämmt und gleichzeitig wichtige strategische Weichen für seine Transformation gestellt. Die jetzt vorliegenden finanziellen Ergebnisse sind deutlich besser als ursprünglich erwartet und zeigen, wozu unser Unternehmen gerade auch in einer Krise fähig ist (…).“

Vor Steuern belief sich das Ergebnis des Volkswagen Konzerns auf 11,7 (18,4) Mrd. Euro. Die Umsatzrendite vor Steuern sank entsprechend auf 5,2 (7,3) Prozent. Das anteilige operative Ergebnis der chinesischen Joint Ventures lag bei 3,6 (4,4) Mrd. Euro.

VW erwartet 2021 höhere Umsatzerlöse

Der Wolfsburger Konzern geht davon aus, seine Umsatzerlöse 2021 wieder signifikant steigern zu können. Diese optimistische Einschätzung wird aber in mehreren Punkten qualifiziert. So gebe es weiterhin Herausforderungen aus dem konjunkturellen Umfeld und eine steigende Wettbewerbsintensität. Des weiteren müssten die Lieferketten abgesichert werden und auch verschärfte emissionsbezogene Anforderungen erfüllt werden – und all das vorbehaltlich einer erfolgreichen Eindämmung der Corona-Pandemie.

Mit diesem Optimismus ist VW, nicht zuletzt mit Blick auf die Erholung China, aber nicht allein. So liegt beispielsweise der aktuelle ifo Exporterwartungsindex des verarbeitenden Gewerbes zurzeit auf dem höchsten Wert seit 2018.

Ifo Exporterwartungen steigen mit Blick auf China

Ifo Exporterwartungen steigen mit Blick auf China und die USA
Quelle: Adobe Stock; Copyright: thomaslerchphoto

Die Exporterwartungen der deutschen Wirtschaft sind im Februar auf den höchsten Stand seit 2018 gestiegen. Als Gründe nennt das Münchner ifo Institut die gut laufende Konjunktur in China sowie die sich erholende Produktion in den USA.

Wie das ifo Institut meldet, ist der von ihm erhobene Exporterwartungsindex im Verarbeitenden Gewerbe im Februar von 7,5 auf jetzt 10,7 Punkte gestiegen. Er liegt damit 12,8 Punkte höher als im Februar 2020 (-2,1 Punkte) und auf dem höchsten Stand seit dem September 2018. Eine bemerkenswerte Erholung, wenn man bedenkt, dass der Index im April 2020 noch bei -48,4 Punkten lag.

Ifo Exporterwartungen steigen mit Blick auf China und USA

China und USA entscheidend für ifo Index 

Wie der Index auch zeigt, sind die Erwartungen je nach Branche sehr unterschiedlich. Besonders optimistisch sind laut ifo Institut Industrien mit Zielmärkten wie China und den USA. Dazu zählen die Chemische Industrie, Maschinenbauer, Automobilproduzenten und die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen. Sie profitieren von der weiterwachsenden chinesischen Wirtschaft und der Erholung in den USA. Als größte Handelspartner Deutschlands sind beide Länder von entsprechender Bedeutung für die deutschen Exporteure.

Die USA waren auch 2020 wichtigster Exportmarkt Deutschlands, während China auf Platz 2 weiter an Bedeutung gewann. Bei den Elektroexporten ist die Volksrepublik bereits der wichtigste Abnehmer und konnte diese Position auch in der Corona-Pandemie mit einem Plus von 6,5 Prozent auf 23,3 Milliarden Euro sogar noch ausbauen. Im gleichen Zeitraum brachen die Elektroexporte in den zweitwichtigsten Markt USA um 9,8 Prozent ein.

Da sich China und die USA je nach Branche auf den beiden vordersten Plätzen abwechseln, hängt der Exporterwartungsindex des ifo Instituts daher entsprechend stark von ihnen ab. Das sieht man auch an der Einschätzung anderer Branchen, die sich nicht so stark auf diese beiden Märkte verlassen können. So blicken beispielsweise die Möbel- und Bekleidungsindustrie weiterhin schwierigen Zeiten entgegen. Die befragten Unternehmen gehen sogar davon aus, dass ihre Umsätze in nächster Zeit eher zurückgehen werden.

Zeller+Gmelin erweitert Produktion in China

Zeller+Gmelin erweitert Produktion in China
Der bisherige Standort in Suzhou. Bildquelle & ©: Zeller+Gmelin

Die Zeller+Gmelin GmbH & Co. KG (Zeller+Gmelin), Hersteller von Schmierstoffen, Industriechemie und Druckfarben, errichtet 2021 einen neuen Fertigungsstandort in China. Dort verfügt das Unternehmen dann über eine eigenen Produktion, die erstmals auch den Bereich Druckfarben umfasst. Zusätzlich planen die Eislinger eine Entwicklungseinheit und Vertriebsmannschaft für den chinesischen Markt.

Zeller+Gmelin sind in China bereits seit den 1980er Jahren über Partner präsent. 2006 gründete das Unternehmen dann eine eigene Tochtergesellschaft in China: Zeller+Gmelin (Suzhou) Co. Ltd. Wie der Name verrät, siedelte sich das Joint Venture im 80 Kilometer westlich von Shanghai gelegenen Suzhou an.

Die ersten Jahre blieb das Geschäft „auf überschaubarem Niveau“, so Siegfried Müller, Geschäftsführer bei Zeller+Gmelin. Ab ca. 2010 sei der Umsatz dann aber jährlich um im Schnitt 15 Prozent gestiegen. „Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Schmierstoffen in China nimmt weiter zu. Aus diesem Grund bauen wir unsere Präsenz nahe an unseren Kunden deutlich aus.“

Spätestens 2018, als die Lokalregierung Zeller+Gmelin über neue Auflagen für Chemie-Unternehmen informierte, war klar, dass ein neuer Standort benötigt wird. Einerseits, um den Auflagen gerecht zu werden, aber auch, um mit Blick auf die Zukunft weitere Kapazitäten zu schaffen.

Zeller+Gmelin produziert jetzt allein in China

Da der bisherige Joint Venture Partner keine größeren Investitionen tätigen wollte, entschieden sich Zeller+Gmelin für einen harten Schnitt. Das Unternehmen kauft die Anteile des gemeinsamen Unternehmens komplett zurück. Danach verlagern und erweitern die Eislinger ihre Produktion in Eigenregie. Das neue Werk in China soll Zeller+Gmelin dann in die Lage versetzen, sein gesamte Leistungsspektrum chinesischen als auch globalen Kunden vor Ort anzubieten. Wohin genau Zeller+Gmellin umziehen, hat das Unternehmen noch nicht bekannt gegeben. Der neue Standort soll aber wieder im Großraum Shanghai liegen.

Das Unternehmen plant, das neue Werk schrittweise auszubauen und mit modernen Fertigungsverfahren aufzurüsten. Ziel sei eine wirtschaftliche Produktion mit hoher Flexibilität bei kurzen Durchlauf- und Lieferzeiten.

Neu hinzu kommt die Division Druckfarben, die Zeller+Gmelin auch in den neuen Produktionsstandort integriert. Mit diesem Geschäftsbereich waren die Eislinger bisher nicht in China aktiv. Er wird jetzt am neuen Standort komplett neu aufgebaut, da das Unternehmen optimistisch ist, was den Absatzmarkt für seine Druckfarben in China angeht.

Am neuen Standort wird Zeller+Gmelin aber nicht nur produzieren, denn auch der Aufbau eines Entwicklungslabors ist geplant. Ziel ist es, in China verstärkt Produkte zu entwickeln und zu produzieren, die auf die jeweiligen lokalen Marktbedürfnisse zugeschnitten sind.

Chinesische Investitionen (FDI) gingen 2020 zurück

Chinesische Auslandsinvestitionen (FDI) gingen 2020 zurück
Quelle: Adobe Stock; © Thaut Images

Bedingt durch die Corona-Pandemie gingen chinesische Auslandsinvestitionen (FDI) 2020 um 45 Prozent zurück. Damit dürfte aber auch die Talsohle erreicht sein. Es ist davon auszugehen, dass sich der politische und makroökonomische Gegenwind für chinesische Investoren 2021 abschwächen wird. Zusätzlich könnte das umfassende Investitionsabkommen (Comprehensive Agreement on Investment; CAI) zwischen der EU und China neue Wachstums-Akzente setzen.

Der zu Beginn der Corona-Pandemie befürchtete Kaufrausch in Deutschland ist laut einer aktuellen Analyse von Baker McKenzie in Zusammenarbeit mit der Rhodium Group ausgeblieben. So sind chinesische ausländische Direktinvestitionen in Europa um 44 Prozent auf 7,5 Milliarden USD gesunken. Gleichzeitig stiegen sie in Nordamerika hingegen um mehr als ein Drittel auf 7,7 Milliarden USD.
Weltweit ergibt sich insgesamt ein Rückgang von 45 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 29 Milliarden USD. Das entspricht einem Einbruch um fast die Hälfte gegenüber den 53 Milliarden USD FDI des Jahres 2019. Der Wert ist der niedrigste seit 2008 und weit entfernt vom Rekordhoch von 139 Milliarden USD aus 2017. Weltweit hielten nur die abgeschlossenen chinesischen Transaktionen in Lateinamerika 2020 mit dem Vorjahr Schritt. Es ist nicht zuletzt dem Rückgang chinesischer Investitionen zu verdanken, dass China 2020 zum weltweit größten Empfänger von FDI aufgestiegen ist.

Chinesische Auslandsinvestitionen haben sich verlagert

Der Investitionsrückgang erfolgte nicht gleichmäßig über alle Länder hinweg. Vielmehr zeigt sich ein Verschiebung der Schwerpunkte. So erhielt beispielsweise Deutschland mit 2,0 Milliarden USD fast das Dreifache des Investitionsvolumens von 2019 (0,7 Milliarden USD). Gleichzeitig brachen die chinesischen Investitionen in Großbritannien von 3,8 Milliarden USD im Jahr 2019 auf nur noch 427 Millionen USD ein. Hier dürften die Unsicherheit des Brexit, anhaltende chinesische Beschränkungen für ausländische Transaktionen im Immobiliensektor und anderen Dienstleistungssektoren sowie zunehmende Spannungen mit China zugrunde liegen.
Das chinesische Interesse an Großbritannien ist aber nicht völlig erloschen. Darauf deutet eine im Juni angekündigte milliardenschwere Greenfield-Investition von Huawei im Bereich Forschung und Entwicklung hin. Kommt diese Investition zustande, wird sie allein die FDI-Gesamtzahlen wieder deutlich erhöhen.

Chinesische Auslandsinvestitionen haben sich verlagert. Grund könnte nicht zuletzt das CAI sein.Nordamerika jetzt vor Europa

Rechnet man die Greenfield-Investitionen zu den abgeschlossenen Fusionen und Übernahmen hinzu, so zogen Nordamerika und Europa insgesamt USD 15,2 Milliarden an chinesischen FDI an. Die chinesischen Investitionen in Europa sanken allerdings weiter auf 7,5 Milliarden USD. Damit lagen sie zum ersten Mal seit 2016 unter dem Wert für Nordamerika. Allerdings hatten chinesische M&A-Transaktionen in Europa mittelgroße Ziele in einem breiteren Branchenspektrum im Visier als in Nordamerika. Auch waren chinesische Greenfield-Aktivitäten in Europa mit fast USD 1 Milliarde an abgeschlossenen Investitionen robuster als in Nordamerika. Es gab 2020 mehr mittelgroße Transaktionen in Europa, die sich über Branchen wie Immobilien und Gastgewerbe, Automobil und Energie verteilten.

Zu den Top-Deals nach Investitionsgröße gehörten Ziele wie ein Lagerlogistik-Netzwerk in Polen und anderen mitteleuropäischen Ländern (GLP, 1,1 Milliarden USD), die deutsche Steigenberger Hotels AG (Huazhu Group, 780 Millionen USD ), Frankreichs Asteelflash (Universal Scientific Industrial, 422 Millionen USD ), National Electric Vehicle Sweden (Evergrande, 380 Millionen USD ) und Frankreichs Maxeon Solar Technologies (Tianjin Zhonghuan Semiconductor, 300 Millionen USD).

Im Laufe des Jahres wurden auch große mehrjährige Greenfield-Projekte angekündigt. Darunter die 2,4-Milliarden-Dollar-Batteriefabrik von SVolt Energy Technology in Deutschland, die Ende 2023 eröffnet werden soll.

Gleichzeitig sorgten aber Kapitalverkehrskontrollen und die verstärkte Prüfung chinesischer Investitionen in den Gastländern für Gegenwind. Die Corona-Pandemie kam ebenfalls belastend hinzu. So brach die FAW Group im Laufe des Jahres die Gespräche zur Übernahme des italienischen Lkw-Herstellers Iveco für EUR 3 Milliarden ab. Als Grund für die Entscheidung nannte FAW die Pandemie.

Nordamerika bei FDI aus China vor EuropaEU-China-Investitionsabkommen setzt Akzente

Obwohl der regulatorische und politische Gegenwind für chinesische Investoren in der EU anhalten wird und das Comprehensive Agreement on Investment (CAI) keine sofortige Veränderung darstellt, sendet es ein starkes Signal, dass chinesische Investitionen in Europa willkommen sind. Das wird sich wahrscheinlich positiv auf die Psychologie der Anleger auswirken. Dies könnte in Verbindung mit einer möglichen politischen Ermutigung durch Peking dazu beitragen, chinesische FDI in Europa wiederzubeleben und den Abwärtstrend seit 2017 umzukehren.

Allerdings wird das CAI die EU-Mitgliedsstaaten auch nicht darin einschränken, ausländische Direktinvestitionen weiter zu beschränken. Dazu gehören beispielweise das Screening von ausländischen Direktinvestitionen, die Gesetzgebung zur Beseitigung von Subventionsverzerrungen im Binnenmarkt, die Verabschiedung eines restriktiveren Beschaffungsregimes und der Vorstoß, Risiken im Zusammenhang mit 5G zu reduzieren.

Gegenwind für chinesische Investitionen wird schwächer

Geopolitische Spannungen und die COVID-19-Pandemie haben in den letzten Jahren für Gegenwind bei Investitionen gesorgt. Hinzu kamen Chinas Wiedereinführung von Kontrollen für Auslandsinvestitionen und die zunehmende regulatorische Prüfung chinesischer Investitionen in vielen Teilen der Welt. Jedoch dürften die sich verbessernden politischen und makroökonomischen Bedingungen diesen Abwärtstrend für chinesische Investoren in diesem Jahr ändern. Zwar bleibt die M&A-Pipeline Anfang 2021 noch niedrig, doch Chinas günstige makroökonomische Bedingungen, ein berechenbareres regulatorisches Umfeld im Ausland und ein weniger umstrittenes geopolitisches Umfeld könnten dazu beitragen, das Interesse an Transaktionen zu steigern. Das würde eine weltweite Erholung für chinesische Geschäfte im Ausland sowie ein anhaltendes Wachstum der Investitionen in China unterstützen.

Der Rückgang der abgeschlossenen chinesischen M&A 2020 steht im Gegensatz zu den M&A-Strömen in die andere Richtung. Ausländische Fusionen und Übernahmen in China erholten sich im zweiten Halbjahr 2020 stark. So erreichten sie für das Gesamtjahr ähnliche Werte wie 2019. Chinas relativ frühe und schnelle Erholung von den Auswirkungen von COVID-19 machten das Land zu einem attraktiven Ziel für ausländische Investoren, die auf kurz- und mittelfristiges Wirtschaftswachstum setzen.

Es ist davon auszugehen, dass 2020 den Tiefpunkt für chinesische Auslandsinvestitionen darstellt, falls der politische und makroökonomische Gegenwind nachlässt. Die wirtschaftlichen Anreize für chinesische Unternehmen, in europäische und nordamerikanische Märkte zu investieren, bleiben stark, und mehrere Kennzahlen – einschließlich höherer nachhaltiger Investitionen westlicher Unternehmen in China – bewegen sich in eine Richtung, die eine größere Anzahl von Transaktionen in beide Richtungen 2021 begünstigt.

Erste positive Zeichen?

Die jüngsten Signale – vor allem der Übergang zu einer neuen US-Regierung und ein erfolgreicher Abschluss des CAI – deuten auf ein konstruktiveres globales Umfeld für chinesische Unternehmen im Vergleich zu den vergangenen vier Jahren hin. Das könnte dazu beitragen, die Stimmung und die Risikobereitschaft der Investoren zu verbessern.

Darüber hinaus stieg Chinas Leistungsbilanzüberschuss 2020 rasant, da die Ausgaben der Chinesen für den Überseetourismus weltweit zum Stillstand kamen. Gleichzeitig erholten sich die chinesischen Exporte vor vielen anderen von der Corona-Pandemie betroffenen Nationen. Das übte einen Druck zur Aufwertung auf den Renminbi aus, womit sich China die Gelegenheit bot, mehr Kapitalabflüsse zuzulassen. Dies galt auch für FDI in Form von M&A im Ausland.

Ein weiterer Lichtblick sind die neuen Regelungen für das Investitionsscreening. Sie werden chinesischen Investoren einerseits einschränken, ihnen aber gleichzeitig mehr Transparenz über „rote Linien“ in ausländischen Jurisdiktionen geben. Strengere Regeln für das Investitionsscreening und damit verbundene Richtlinien erhöhten in den letzten Jahren erheblich die regulatorischen Risiken und Unsicherheiten für chinesische Investitionen, vor allem in den Bereichen Daten, Technologie, Infrastruktur und in verwandten Bereichen. Zusätzliche Unsicherheiten entstanden durch die Ad-hoc-Verschärfung der Prüfkriterien in vielen Ländern auf dem Höhepunkt der Pandemie. Mit Blick auf die Zukunft werden sich die Regeln zur Überprüfung ausländischer Investitionen zwar zweifellos weiterentwickeln, aber einige Unsicherheiten, was neue regulatorische Bestimmungen anbelangt, werden abnehmen.

 


 

Mehr zum Thema finden Sie auch im E-Magazin 2-20 „Das Märchen vom Ausverkauf der deutschen Wirtschaft“ der Investment Plattform China/Deutschland

Arvato Supply Chain Solutions wächst in China

Arvato Supply Chain Solutions wächst in China
Bildquelle und ©: Arvato Supply Chain Solutions

Der Supply Chain Management und E-Commerce-Dienstleister Arvato Supply Chain Solutions (Arvato) ist in China auf Wachstumskurs. Das Unternehmen hat weitere umfangreiche Logistik- und Fulfillment-Services in seinem chinesischen Netzwerk übernommen.

Arvato ist ein international agierendes Dienstleistungsunternehmen und eine von acht Divisionen der Bertelsmann SE & Co. KGaA. In China ist Arvato erst kürzlich an zwei neue Standorte expandiert und verfügt über sechs Distributionszentren mit insgesamt knapp 40.000 Quadratmetern Lagerfläche. Ein Schritt, der sich offensichtlich ausgezahlt hat: an vier Standorten konnte das Unternehmen zuletzt fünf Neukunden gewinnen. Grund für das Wachstum ist nicht zuletzt der in China pandemiebedingt noch einmal stark gewachsene E-Commerce-Sektor.
„Der Online-Handel ist ein starker Einflussfaktor bei diesen neuen Geschäften“, erklärt denn auch Raoul Kuetemeier, Head of Asia bei Arvato. „Mit unserer Supply-Chain-Kompetenz können wir alle Leistungen innerhalb der Prozesskette anbieten und integrierte E-Commerce-Lösungen in allen Vertriebswegen umsetzen. Und das wird von den Marktteilnehmern honoriert und verstärkt nachgefragt.“

Diese Leistungen bietet Arvato in sogenannten Multi-User-Distributionszentren an. Hier lagern Waren von mehreren Kunden, was Flächen und Logistikkosten spart. Im Zentrum in Kunshan mit seinen 5.000 Quadratmetern wickelt Arvato beispielsweise seit kurzem auch Sportartikel für Nike und Tony Bianco ab. Nike setzt in China verstärkt auf E-Commerce-Plattformen wie Tmall und Pinduoduo, wo der Sportartikelhersteller einen eigenen „Buy together“-Vertriebskanal eingerichtet hat. Arvato übernimmt Warehousing und Kommissionierung, Retourenmanagement sowie den chinaweiten Vertrieb an Endkunden. Aktuell verschickt das Distributionszentrum rund 30.000 Bestellungen im Monat und Arvato geht davon aus, dass diese Zahl noch weiter steigen wird.

Arvato setzt in China weiter auf Wachstum

Die anderen Arvato-Standorte in Guangzhou und Shanghai konnten ebenfalls neue Kunden gewinnen und das Unternehmen blickt optimistisch in die Zukunft. „Die jüngsten Erfolge zeigen, dass wir ein attraktives Netzwerk in China haben, mit dem wir B2B- und B2C-Kunden eine effiziente Distribution und einen schnellen Marktzugang bieten. Regionale und globale Märkte können über unser modernes Distributionszentrum in einer Freihandelszone in Shanghai, zusammen mit unserem etablierten globalen Distributionszentrum in Hong Kong, optimal bedient werden“, resümiert Raoul Kuetemeier. „Das sind gute Voraussetzungen für einen weiteren Ausbau unseres Geschäfts in dieser Region.“

Neues China Mobile Rechenzentrum bei Frankfurt

Neues China Mobile Rechenzentrum bei Frankfurt
Quelle: Adobe Stock, © Scanrail

Der nach Kundenzahlen größte Mobilfunkanbieter der Welt, China Mobile International (CMI) hat bei Frankfurt ein neues Rechenzentrum eröffnet. Es ist für CMI das erste seiner Art auf dem europäischen Kontinent. Darüber hinaus ist es das erste Datencenter in der Region FrankfurtRheinMain, das komplett in chinesischer Hand ist.

China Mobile International (CMI) wurde bei der Expansion von der FrankfurtRheinMain GmbH International Marketing of the Region (FRM GmbH) in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises Groß-Gerau und der Stadt Mörfelden-Walldorf unterstützt. Das Rechenzentrum wird dem Unternehmen als wichtige Ergänzung seines globalen Netzwerks und als Internet-Rechenzentrum für internationale Kunden dienen. Das neue Datencenter in der Region Frankfurt Rhein-Main steht in Mörfelden-Walldorf unweit des Frankfurter Flughafens.

„Unser China-Team steht bereits seit 2014 in engem Kontakt mit dem Unternehmen. Nachdem wir CMI bereits bei der Ansiedlung des Vertriebsbüros unterstützt haben, erfuhren wir frühzeitig von den Expansionsplänen und konnten das Unternehmen von den Standortvorteilen unserer Region überzeugen.“, so Eric Menges, Geschäftsführer der FRM GmbH „Mit dieser Ansiedlung baut unsere Region ihre Rolle als europaweit führender Standort im Bereich Rechenzentren und Datenmanagement weiter aus. Schon heute gibt es bei uns knapp 60 Rechenzentren, die die herausragende Telekommunikations- und Internet-Infrastruktur vor Ort nutzen.“

China Mobile stärkt IT-Standort FrankfurtRheinMain

„Das Rhein-Main-Gebiet kristallisiert sich als begehrter Standort für internationale Investitionen in IT und Digitalisierung heraus“ erklärt Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen Trade & Invest GmbH. „Unser Ziel als Wirtschaftsförderer des Landes ist es, Hessens Position als führende europäische Digital-Region auszubauen. Wir schaffen mit dem Ausbau digitaler Infrastruktur beste Voraussetzungen für die Ansiedlung internationaler Investoren und so eine beständige Wertschöpfung in der Region. Die Eröffnung des CMI-Rechenzentrums in Mörfelden begrüßen wir daher ausdrücklich.“

Am Standort Mörfelden bei Frankfurt hat China Mobile International ein bereits bestehendes Rechenzentrum übernommen, um seine Aktivitäten in Deutschland weiter auszubauen. Nach eigenen Angaben plant das Unternehmen zunächst ca. 80 Millionen Euro in den Standort zu investieren und etwa 20 neue Arbeitsplätze zu schaffen.

CMI ist Teil des chinesischen Staatsunternehmens China Mobile und für das internationale Geschäft zuständig. Aktuell betreibt CMI weltweit mehr als 70 Land- beziehungsweise Untersee-Glasfaserkabel und ist an 180 Standorten global vertreten. Hier beschäftigt das Unternehmen rund 457.000 Mitarbeiter. China Mobile gehört zu den Fortune 500 Unternehmen und ist sowohl an der Börse in Hongkong als auch an der New Yorker Börse gelistet. Der Jahresumsatz 2019 betrug 108 Milliarden US-Dollar.

 

China bleibt Deutschlands wichtigster Handelspartner

China bleibt Deutschlands wichtigster Handelspartner
Quelle: Adobe Stock; © Rawf8

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitgeteilt hat, war China 2020 das fünfte Jahr in Folge der wichtigste Handelspartner Deutschlands.

Wie erst kürzlich berichtet wurde, war die Volksrepublik 2020 der bedeutendste Handelspartner der EU. Jetzt hat Destatis auch die Zahlen für Deutschland veröffentlicht. Sie zeigen, dass China 2020, bezogen auf den Gesamtwarenverkehr (Import und Export), mit einem Volumen von 212,1 Milliarden Euro der wichtigste deutsche Handelspartner war. Diesen Spitzenplatz nimmt China damit das fünfte Jahr in Folge ein. Auch im Corona-Pandemie-Jahr 2020 stieg der Gesamtwarenverkehr um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während er mit anderen wichtigen Handelspartnern im gleichen Zeitraum stark rückläufig war.

Auf den Plätzen zwei und drei der größten Außenhandelspartner folgen die Niederlande und USA, wobei die USA wie schon 2019 wieder wichtigster deutscher Absatzmarkt sind. Insgesamt hat Deutschland 2020 Waren im Wert von 103,8 Milliarden Euro in die USA exportiert. Dementsprechend hoch fiel dann mit 36,1 Milliarden Euro auch der Exportüberschuss aus.

Zweitwichtigster Absatzmarkt ist wiederum China. Das Exportniveau blieb mit 95,9 Milliarden Euro praktisch unverändert zum Jahr 2019. Gleichzeitig hat Deutschland aber Waren im Wert von 116,3 Milliarden Euro aus China importiert. Das bedeutet eine Steigerung von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Somit hat sich auch der deutsche Importüberschuss für chinesische Waren auf zuletzt 20,4 Milliarden Euro erhöht.

 


Quellen:
Destatis
Chinadaily

China könnte Einzelpersonen Auslandsinvestitionen erlauben

China könnte Einzelpersonen Auslandsinvestitionen erlauben
Quelle: Adobe Stock; © alswart

Nach einer Veröffentlichung von Ye Haisheng, dem Leiter der Abteilung für Kapitalkontenmanagement bei der State Administration of Foreign Exchange (SAFE), könnte China in Zukunft auch Einzelpersonen Auslandsinvestitionen genehmigen. Bisher ist dies nur chinesischen Banken und qualifizierten institutionellen Anlegern erlaubt.

Wie Ye im China Forex Magazine schrieb, wird aktuell erwogen, auch Einzelpersonen Auslandsinvestitionen zu genehmigen. Angedacht sind Investitionen in Wertpapiere und Versicherungsprodukte. Bisher unterliegen diese sehr strengen Auflagen und nur Banken oder qualifizierte institutionelle Anleger dürfen sie tätigen. Zu diesem Zweck plane SAFE eine Machbarkeitsstudie, um die Auswirkungen zu untersuchen. Dabei werde sehr genau beobachtet, wie sich eine solche Lockerung auf Chinas Zahlungsbilanz und den Kurs des Yuan auswirke. Auch die Folgen der Konjunkturpolitik in den Zielmärkten werde man berücksichtigen.

Hintergrund für den Schritt könnte sein, dass sich Chinas Handelsüberschuss in der Corona-Pandemie weiter erhöht hat. Er stieg 2020 auf 535 Milliarden USD, was der höchste Wert seit 2015 ist. Gleichzeitig sind die Kapitalabflüsse gesunken. Indem China es Einzelpersonen erlaubt, Auslandsinvestitionen zu tätigen, könnte die Regierung ein entsprechendes Ventil schaffen.

Auslandsinvestitionen auf dem Prüfstand

 

Bisher ist es chinesischen Bürgern gestattet, 50.000 USD pro Jahr ins Ausland zu transferieren. Dieses Geld darf aber nur für Auslandsreisen, ein Studium oder eine Tätigkeit im Ausland eingesetzt werden. Investitionen oder der Kauf von Immobilien sind untersagt. Fällt die jetzt angekündigte Machbarkeitsstudie positiv aus, könnten Einzelpersonen künftig bis zu 50.000 USD jährlich in ausländische Wertpapiere und Versicherungsprodukte investieren. Alle Beträge müssten sie dann allerdings auf die bisher genehmigten 50.000 USD anrechnen.

Das Ergebnis der Studie steht bisher noch keinesfalls fest. Es kann auch sehr gut sein, dass die chinesischen Behörden von dem Vorhaben wieder Abstand nehmen. Sie befürchten ungeordnete grenzüberschreitende Kapitalflüsse, die sie verhindern müssten. Wie Ye schrieb, werde man daher die Überwachung ausländischer Kapitalflüsse in die und aus den Aktien- und Anleihemärkten des Landes verstärken. „Wir werden zweifelsohne einigen Herausforderungen gegenüberstehen.”

Quellen:
Reuters
South China Morning Post

China ist größter Handelspartner der EU

China ist größter Handelspartner der EU
Quelle: Adobe Stock; © Onur

2020 hat sich das Handelsvolumen zwischen der Volksrepublik China und den Staaten der EU auf 585 Milliarden Euro erhöht. China löst damit die USA als wichtigster Handelspartner der EU ab.

Die aktuellen Zahlen basieren auf einer Pressemitteilung der EU-Statistikbehörde Eurostat. Sie sind das Ergebnis einer Exportsteigerung um 2,2 Prozent auf 202,5 Milliarden Euro sowie einer Steigerung der Importe in die EU um 5,6 Prozent auf 385,5 Milliarden Euro. Die kumulierten 586 Milliarden Euro bedeuten, dass China die USA mit ihrem Handelsvolumen von 555 Milliarden Euro 2020 erstmalig überholt hat.

Die Gründe für die Ablösung der USA als wichtigstem Handelspartner sind allerdings vielschichtig. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass sie China bald wieder überholen werden. Der offensichtlichste Grund ist die nach wie vor nicht besiegte Corona-Pandemie. Chinas Wirtschaft hat sich schon seit dem Sommer 2020 wieder erholt. Gleichzeitig sind die Volkswirtschaften der USA und der EU weiterhin schwer getroffen. Aufgrund der Lockdowns auf beiden Seiten des Atlantiks sank das Handelsvolumen massiv. Zum Vergleich: 2019 betrug es noch 616 Milliarden Euro. Der Effekt ist der gleiche, mit dem China 2020 zum größten Empfänger von FDI weltweit wurde. Rückgänge in praktisch allen anderen Ländern der Welt führten dazu, dass die stabile chinesische Wirtschaft mehrere Plätze gut machen konnte.

China und die EU werden wichtiger füreinander

Während die Wirtschaftspolitik unter Präsident Trump die internationalen Beziehungen auch zwischen der EU und den USA durch Handelszölle belastete, wuchsen die Importe aus China stark an. Nicht zuletzt, da Schutzmasken und -ausrüstung im großen Stil zur Bekämpfung der Pandemie benötigt wurden.

Beide Faktoren könnten bereits 2021 entfallen. Die neu entwickelten Impfstoffe beginnen die Pandemie zurückzugedrängen. Gleichzeitig gibt es berechtige Hoffnung, dass die USA unter ihrem neuen Präsidenten Biden beginnen werden, Zollschranken abzubauen. Eine Normalisierung sowohl der Weltwirtschaft insgesamt als auch der amerikanischen Außenpolitik könnte so schon bald dazu führen, dass die USA wieder stärkster Außenhandelspartner der EU werden.

Aber selbst wenn, so hat das Jahr 2020 doch anschaulich die Bedeutung Chinas als wirtschaftlicher Stabilitätsanker für die EU gezeigt, die in den kommenden Jahren weiter steigen wird.

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