Start Blog

Post M&A-Restructuring: Herausforderung für chinesische Investitionen

Symbolbild. Gavel und Geld.
Quelle: Adobe Stock © thodonal

Chinesische Investitionen in deutsche Unternehmen erfolgen für gewöhnlich durch den Erwerb von Geschäftsanteilen/Aktien und/oder Finanzierungen durch Ausreichung von Darlehen. Gerät die Zielgesellschaft in die Krise, gefährdet dies den Wert der Beteiligung und der Darlehensrückzahlungsansprüche, denn die Gesellschafterdarlehen sind typischerweise nachrangig. Neben dem Verlust des Investments können sich auch noch Haftungsfolgen für den chinesischen Investor sowie den chinesischen Geschäftsführer ergeben.

Verlust des Investments

Das deutsche Insolvenzrecht kennt als oberste Maxime die bestmögliche Gläubigerbefriedigung. Wenn einmal das Insolvenzverfahren eingeleitet worden ist, richtet sich die Entscheidung, ob das Unternehmen liquidiert oder fortgeführt wird oder die Assets des Unternehmens als Going Concern verkauft werden können, danach, welcher Weg für die bestmögliche Gläubigerbefriedigung der vorzugswürdige ist. In dieser Hinsicht sind besonders Situationen gefährlich, in denen der chinesische Investor Gesellschaftsanteile erwirbt und zugleich Gesellschafterdarlehen ausreicht. Im Insolvenzverfahren der deutschen Zielgesellschaft sind Gesellschafterdarlehen nachrangig: Sie werden erst bedient, wenn alle gesicherten und einfachen Insolvenzgläubiger vollständig befriedigt wurden.

Insolvenzanfechtungen von Rückzahlungen von Gesellschafterdarlehen

Darüber hinaus sind auch Zahlungen, die ein Gesellschafter aufgrund eines Gesellschafterdarlehens im Zeitraum von einem Jahr vor der Stellung des Insolvenzantrags erhalten hat, durch den Insolvenzverwalter anfechtbar und müssen in die Insolvenzmasse zurückgeführt werden. Noch weiter zurück reicht die Insolvenzanfechtung von Sicherheiten, die ein Gesellschafter für ein Gesellschafterdarlehen erhalten hat – hier beträgt die Anfechtungsfrist sogar zehn Jahre. Die konkrete Ausgestaltung des Ausreichens von Gesellschafterdarlehen sowie deren Rückzahlungen kann entscheidend sein, um die Haftungsfolgen zu minimieren. So kann es z.B. besser sein, wenn der Gesellschafter erst auf die Sicherheit verzichtet, bevor ein Darlehen zurückgezahlt wird.

Ein Gesellschafter muss auch stets zahlen, wenn er einem Dritten für dessen Darlehen eine Sicherheit gestellt hat – sei es durch Mithaftung, Bürgschaft, Sicherungsübereignung oder andere Personal- oder Realsicherheiten. Diese Haftung des Gesellschafters gilt im Ergebnis unabhängig davon, ob die Gesellschaft den Dritten im Zeitraum von einem Jahr vor dem Insolvenzantrag befriedigt hat oder ob die Gesellschaft dazu nicht mehr in der Lage war.

Vorsicht ist auch bei der Ausreichung von Darlehen und Sicherheiten durch konzernverbundene Unternehmen geboten, die nicht selbst direkt Gesellschafter sind, denn nicht nur der Gesellschafter selbst ist von den erwähnten Regelungen betroffen, sondern auch mit ihm horizontal oder vertikal verbundene Unternehmen.

Schuld bei der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung

Ebenso birgt das ungeprüfte Ausreichen von (weiteren) Darlehen durch den chinesischen Investor in der Krise des deutschen Zielunternehmens nicht unerhebliche Risiken. Ein Darlehensgeber kann sich unter Umständen der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung schuldig machen, wenn die Gesellschaft im Zeitpunkt der Darlehensvergabe insolvenzreif war, der Darlehensnehmer dies wusste oder sich leichtfertig der entsprechenden Erkenntnis verschloss und so das Hinausschieben des gebotenen Insolvenzantrags bewirkt oder geduldet wird. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich für den chinesischen Investor, umfassende Informationen einzuholen und sorgfältige Dokumentationen anzufertigen, damit im späteren Streitfall die finanzielle Situation des Zielunternehmens sowie die Intentionen des chinesischen Gesellschafters nachvollziehbar und belegbar sind.

Haftung des Gesellschafters aus Patronatserklärungen

Einen Durchgriff auf das Vermögen des chinesischen Gesellschafters sieht das deutsche Recht bei Kapitalgesellschaften per se nicht vor. Eine Haftung des chinesischen Investors für Verbindlichkeiten des deutschen Zielunternehmens kann aber aus vertraglichen Regelungen resultieren, insbesondere aus Unternehmensverträgen und Patronatserklärungen. Gerade Letztere werden oftmals unüberlegt und weder in zeitlicher noch betragsmäßiger Begrenzung ausgereicht. Häufig werden sie auch „vergessen“ und nicht beseitigt, wenn die Gesellschaft sie eigentlich nicht mehr benötigt. Im Insolvenzfall sind sie für den chinesischen Investor besonders riskant, zumal eine Kündigung erstens zulässig sein muss und zweitens nur für die Zukunft Wirkung hat. Zu empfehlen ist daher, Patronatserklärungen z.B. nur für die Geltung jeweils eines Jahres und idealerweise der Höhe nach begrenzt auszureichen, damit stets neu und bewusst entschieden werden kann, ob und in welchem Umfang die deutsche Zielgesellschaft finanziell gestützt werden soll.

Herausforderungen für chinesische Geschäftsführer

Zusätzliche Risiken bestehen dann, wenn auch die Geschäftsführung durch den chinesischen Investor besetzt wird. Nach dem deutschen Insolvenzrecht obliegt der Geschäftsführung durchgängig die Pflicht zur Überprüfung einer etwaigen Insolvenzantragspflicht. In der Krise und späteren Insolvenz kann dabei häufig eine Art Generalverdacht bestehen, dass die Geschäftsführung nur oberflächlich und fehlerhaft durchgeführt worden ist, wenn der Geschäftsführer seinen Sitz im Ausland hat und typischerweise nicht immer vor Ort am Sitz der Gesellschaft tätig ist. Es können sich persönliche Haftungsrisiken ergeben, insbesondere wegen Insolvenzverschleppung, Zahlungen ab Eintritt der Insolvenzreife, Nichtabführen von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern sowie Eingehungsbetrugs, wenn klar ist, dass das Unternehmen einen Vertrag durchzuführen nicht mehr imstande sein wird. Eine Inanspruchnahme von – auch ausländischen – Geschäftsführern scheuen die Insolvenzverwalter nicht. D&O-Versicherungen bieten hierbei ebenfalls keinen umfassenden Schutz.

Dabei trifft die persönliche Pflicht zur Insolvenzantragsstellung (so denn eine solche zu bejahen ist) jeden einzelnen Geschäftsführer oder Vorstand, unabhängig von statutarischen Vertretungsregelungen, internen Geschäftsverteilungsplänen oder Ressortverantwortlichkeiten. Nötigenfalls muss der einzelne Geschäftsführer oder Vorstand den Insolvenzantrag allein stellen; weder ist eine Zustimmung des Gesellschafters dabei erforderlich noch befreit eine Gesellschafterweisung vom Befolgen der Antragspflicht.

Gerade einem chinesischen Geschäftsführer, der vielleicht nicht dauerhaft vor Ort ist, fällt die Überwachung der Insolvenzantragspflichten aber oftmals schwer. Zum Teil liegt die Schwierigkeit an mangelnder Kenntnis der tatsächlichen Finanzlage der Zielgesellschaft – schließlich überlässt der chinesische Investor häufig der deutschen Geschäftsführung einen wesentlichen Teil des täglichen Managements nach der Transaktion. Zudem sind einem chinesischen Geschäftsführer solche Überwachungspflichten zur Vermeidung der Insolvenz häufig auch unbekannt. Ihnen fehlt darüber hinaus meistens auch die entsprechende Erfahrung, wie ein entsprechender Insolvenztest technisch umzusetzen ist. Die aus der Pflichtverletzung resultierende Haftung kennen sie regelmäßig nicht.

China beschleunigt Prozess wirtschaftlicher Entkopplung

modern high-speed train at the station. Part of the train, coupl

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine wurde bei den Olympischen Spielen in Peking zwischen Wladimir Putin und Chinas Präsident Xi Jinping vorbesprochen. Beim Gipfeltreffen der sogenannten „Shanghai-Gruppe“ (SCO) in Usbekistan haben beide Länder nun eine noch engere Kooperation vereinbart. „Der neue Schulterschluss zwischen Putin und Xi  stärkt Chinas strategische Position. Nicht nur die wertebasierte globale Ordnung, sondern  auch die Dominanz der USA, geraten künftig noch stärker unter Druck. Gleichzeitig arbeitet China intensiv am Aufbau einer weitgehend autonomen wirtschaftlichen Hemisphäre“, sagt Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute.

Globaler Systemkonflikt verstärkt sich

Der Krieg gegen die Ukraine stehe für eine neue Zeit, in der Großmächte wie Russland oder China sich offen gegen das westliche Wertemodell und dessen Führungsmacht USA stellten. Russlands Angriff sei insofern Ausdruck eines harten Systemkonflikts zwischen dem Westen und einer Gruppe globaler Herausforderer. Dieser Konflikt befinde sich erst in einem relativ frühen Stadium, werde aber in kommenden Jahren deutlich an Intensität gewinnen. „Die nächste globale Konfliktlinie liegt in Taiwan. Chinas Ziel einer ‚Wiedervereinigung‘ wird von Xi Jinping weiter vorangetrieben und droht in einer direkten Konfrontation mit den USA zu enden“, betont Rapp.

Die neue Achse Russland – China

Der Taiwan-Konflikt und andere Probleme zwischen China und den USA hätten bereits ein hohes Maß an Eskalationspotential erreicht. Nun komme durch die neue Partnerschaft zwischen Russland und China aber noch ein weiterer Aspekt hinzu, der große strategische Bedeutung habe. „Indem Xi Jinping Russland gezielt als Energie- und Rohstofflieferanten nutzt, verschafft sich China für die Zukunft eine Reihe entscheidender Vorteile“, erklärt Rapp. „China gewinnt dadurch nicht nur eine dauerhafte Rohstoffbasis und neue Käufer für chinesische Produkte, sondern zugleich auch einen nützlichen Vasallen für jeden zukünftigen Konflikt mit den USA“, so Rapp.

China-zentrierte Hemisphäre als Ziel

Durch die engere Verbindung mit Russland komme Xi Jinping seinem strategischen Ziel näher, Chinas wirtschaftliche und politische Position zu transformieren. „China soll von einem Exportland, das eng in das System der Globalisierung eingebunden ist, zum Zentrum einer weitgehend autarken ‚chinesischen Hemisphäre‘ werden, in der China eigene Regeln setzt“, betont Rapp. China habe dann immer noch Zugriff auf wichtige Transaktionsnetze, sogar im ‚globalen Süden‘, könne sich dabei aber immer mehr der bestehenden Weltwirtschaftsordnung entziehen. „Die strategische Entkopplung von China läuft schon und wird sich weiter beschleunigen. Darin liegt ein ernstes Risiko, denn eine Aufspaltung der Weltwirtschaft hätte gravierende Konsequenzen. Unternehmer und Investoren sollten diesen neuen Trend sehr eng verfolgen und keinesfalls unterschätzen“, so die Analyse des FERI Cognitive Finance Institute.

Kaffee stimuliert Investitionen in China

Asian woman drinking coffee and thinking at desk

Chinas zunehmend urbanisierte und wohlhabende Bevölkerung trinkt mehr Kaffee denn je zuvor. Von 2018–19 bis 2020–21 stieg laut USDA 2022 der Kaffeekonsum in China um 140 %. Die daraus resultierenden Marktchancen spiegeln sich auch in den Aktivitäten von Investoren wider. Von Georg von Stein

Die Kaffeeindustrie Chinas erreichte 2021 einen Marktvolumen von 381,7 Mrd. Yuan, so Zhang Ruidong, Direktor des Alibaba New Service Research Center gegenüber China Daily. Dies entspräche einem Anstieg von 27,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2025 solle der gesamte chinesische Kaffeemarkt gar die Marke von 1 Bio. Yuan überschreiten. Dabei wirkt insbesondere Online als starker Treiber, denn die Zahl der Online-Konsumenten wuchs von 2019 auf 2021 besonders stark an, nämlich um 150 Prozent. Aber auch importseitig zeigt sich der Kaffeeboom. Mit 122.800 Tonnen Kaffeebohnen stieg die Einfuhr im Jahresvergleich um 74 Prozent.

Bild1_Kaffe-stimuliert-Investitionen-in-China
Chinesische Kaffeeimporte von 2018 bis 2021
https://www.austrade.gov.au/news/insights/insight-coffee-s-growing-popularity-in-china-brews-export-opportunities
Bild2_Kaffe-stimuliert-Investitionen-in-China
Chinesische Kaffee-Importe, Produktion und Konsum (in Mio 60-kg-Säcken Kaffee)
https://www.austrade.gov.au/news/insights/insight-coffee-s-growing-popularity-in-china-brews-export-opportunities

Die Dynamik drückt sich ebenfalls in der Zahl neuer Kaffeeunternehmen aus. 25.900 Firmen wurden im Kaffeebereich im vergangenen Jahr landesweit in China eröffnet -ein Anstieg von 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig expandieren auch bestehende Kaffeemarken schnell durch weitere neue Filialen.

Koffein für Investoren

Der Kaffeeboom schlägt sich auf der Investitionsseite nieder. So befindet sich das 2017 gegründete chinesische Unternehmen Luckin Coffee auf Expansionskurs. Im Mai diesen Jahres meldete man einen Umsatzsprung von fast 90 % und einen ersten Gewinn trotz herausfordernder Covid-Sperren. Insgesamt unterhält Luckin Coffee 6.580 Geschäfte auf dem chinesischen Festland, und betreibt mit in etwa 5.650 Filialen mehr als Starbucks in China.

Der japanische Kaffeeeinzelhändlers Lucky Ace International Ltd., bzw. der chinesische Betreiber seiner Kaffeekette in China, % Arabica, ist auf Expansionskurs. Man erwägt eine neue Finanzierungsrunde von etwa 300 Mio USD und hat sich bereits an potenzielle Investoren für die Runde gewandt. Für das Geschäft im Land strebt % Arabica dabei eine Bewertung von bis zu 1,2 Mrd. USD an.

Auch bei Manner Coffee, einer Kaffeekette aus Shanghai hatte man bereits für März die Eröffnung von 200 neue Cafés in 10 Städten China gemeldet: Shanghai, Peking, Wuhan, Chengdu, Nanning, Haikou, Shenzhen, Suzhou, Hangzhou und Chongqing.

In Shanghai boomt das Kaffeegeschäft

Auch in Shanghai trägt man dem Kaffee Boom also Rechnung. Dort wurde am 4. August der Hongqiao International Coffee Harbour als Kaffeehandels- und Ausstellungsplattform zertifiziert. Ab 2025 – bis zum Ende des 14. Fünfjahresplans (2021-25)- soll dort ein jährliches Handelsvolumen von 10 Mrd. Yuan (1,47 Mrd. USD) erreicht werden, so Zhu Jing, stellvertretender Geschäftsführer der Shanghai Hongqiao International Import Commodity Exhibition and Trade Co. Parallel hofft man auch, dass in Shanghai ein Preisindex für Kaffeebohnen eingerichtet wird, um eine einflussreichere Rolle in der weltweiten Kaffeeindustrie zu bekommen.

Bild3_Kaffe-stimuliert-Investitionen-in-China
https://stir-tea-coffee.com/tea-coffee-news/usda-strong-demand-for-coffee-imports-in-china/

Am 4. August wurde auch die Shanghai Coffee Industry Association ins Leben gerufen. Sie will künftig Talenttrainingsveranstaltungen und Barista-Qualifikationswettbewerbe abhalten, um das Niveau des Shanghaier Kaffeesektors auf unterschiedlichen Ebenen zu verbessern. Mao Fang, Vizepräsident von Meituan sagt unter Berufung auf einen Bericht gegenüber China Daily, dass die Zahl der Cafés in Shanghai am 30. Juni 7.857 erreicht habe. Angesichts dieser großen Anzahl von Cafés in Shanghai würden mehr als 23.000 Baristas in der Stadt benötigt, so Xia Yuan, General Manager des Geschäftsbereichs Innovation von Tim Hortons China.

Verglichen mit den Vereinigten Staaten und Japan hinkt der Konsum bei frisch gebrühtem Kaffee in China aber noch weit hinterher. Der jährliche Konsum von frisch gebrühtem Kaffee liege, so Mao Fang, auf dem chinesischen Festland derzeit bei 1,6 Tassen pro Person. Für Chinesen, die in Städten der ersten und zweiten Reihe leben, sei die Zahl mit 3,8 Tassen pro Person etwas höher. In Japan und den USA liegen die Zahlen aber bei 176 bzw. 313. Insofern bietet der wachsende chinesische Appetit auf Kaffee nun interessante Chancen für Investoren.

Vgl. http://www.chinadaily.com.cn/a/202208/17/WS62fc3fc9a310fd2b29e729e2.html

Gut ist das nicht

Deutschland China CAI

Fast scheint es, Deutschland hat eine staatlich gelenkte Wirtschaft. Und die Bundesregierung kann entscheiden, welche Strategien die Unternehmen verfolgen. Jedenfalls drängt sich der Eindruck beim Lesen der Eckpunkte der Strategie auf, die Robert Habeck, dem grünen Bundeswirtschaftsminister, vorschweben, wenn es um die künftige Gestaltung der deutschen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit China geht. Wie weiland Peter Altmeier, der eine Wirtschaftsstrategie vorlegte, die einer Kopie von „Made in China 2025“ glich und eine eindeutige Stoßrichtung hatte, will jetzt auch Habeck „einen schärferen Kurs gegen China“ einschlagen, wie er im Interview mit Reuters diese Woche sagte. Setzt er sich durch, ist nichts Gutes zu erwarten. Dafür aber ein neues „Schlachtfeld“ der Konfrontation. Ob Deutschland dabei gestärkt herauskommt, ist anzuzweifeln. Das Desaster der vergangenen Monate, in denen die Bundesrepublik in eine der schwersten Wirtschaftskrisen manövriert wurde, sollte zumindest Warnung sein.

„Abhängigkeiten“ – das scheint das neue Schreckgespenst zu sein. Erst Russland, jetzt China. Um Unabhängigkeit zu erzwingen, manövriert sich die Bundesregierung in neue Abhängigkeiten, die, glaubt man den Berliner Strategen, freilich, weil „wertebasiert“, ganz andere sind. Da wird dann auch nicht so genau hingeschaut, da werden Ideale grün-nachhaltiger Politik ohne mit der Wimper zu zucken über den Haufen geworfen. Egal. Hauptsache wir machen jetzt alles anders.

Keine Unterstützung bei Chinainvestitionen

Deutsche Unternehmen sollten nach dem Willen des Ministers künftig nicht mehr unterstützt werden, wenn sie in China investieren. Er bringt den Gastgeber des diesjährigen G20-Gipfels ins Gespräch: Förderkredite sollten eher in Vorhaben in Indonesien fließen. Gut für Indonesien. Ein Ersatz für China ist es aber nicht. Allein ein Vergleich der Marktgröße sagt vieles: 1,4 Milliarden Chinesen stehen 270 Millionen Indonesier gegenüber. Ganz abgesehen davon, ließe sich auch über Indonesiens Demokratie streiten.

Deutschland investiert am meisten in China

Der Minister beklagt den „unlauteren“ Wettbewerb in China, der nicht länger hingenommen werden soll. Eine Klage, die vor allem von der Europäischen Handelskammer in China immer wieder vorgebracht wird. Deutsche Unternehmen hat dies aber nicht daran gehindert, in dem Land über Jahrzehnte gute Geschäfte zu machen. Kapital sei ein „scheues Reh“, heißt es allgemein. Nach China zu fließen, war es ganz und gar nicht scheu, wie die neueste Analyse der Rhodium Group zeigt. Seit 2003 entfällt auf Deutschland der größte Anteil europäischer Direktinvestitionen in China. 43 Prozent waren es damals. Der Höhepunkt wurde mit 51 Prozent im Jahr 2018 erreicht. 2021 waren es 46 Prozent. Für Autohersteller, Chemieunternehmen, Lebensmittelproduzenten, Pharma- und Biotechnologiefirmen sowie Anbieter von Konsumgütern bleibt das China-Geschäft ein Wachstumsmotor. Kein Zweifel, China profitiert davon, nicht weniger die Konzerne, aber auch der deutsche Wohlstand. Das wollen Habeck und Co. aufs Spiel setzen?

Handelsvolumen zwischen Deutschland und China steigt

Die Bedeutung Chinas als Absatzmarkt für deutsche Waren räumt der Minister ein. Nach chinesischen Zollstatistiken legte das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern im ersten Halbjahr 2021 um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Auf knapp 114 Milliarden US-Dollar. Chinas Export nach Deutschland stieg kräftig, die Importe gingen zurück, in absoluten Zahlen besteht jedoch Parität. Wo in Asien können deutsche Waren im selben Umfang abgesetzt werden? Habeck wird das nicht beantworten können. Ihm sollte aber klar sein, setzt die Bundesregierung Schranken in der wirtschaftlichen Kooperation mit China, würden die Schranken auch auf der anderen Seite schnell geschlossen werden. Ob dann so schnell Ersatz für Seltene Erden und andere strategische Rohstoffe, für Batterien oder Halbleiter made in China zu finden sein wird, ist stark zu bezweifeln. Deutschland würde noch weiter in die Krise schlittern, und hat dabei schon jetzt genug „Ärger am Hals“.

Kluges Handeln sieht anders aus. Globalisierung auf neue, gerechtere Füße zu stellen, darüber ließe sich reden. Ja, das muss sogar das Bestreben sein. Wer aber alles daransetzt, China dabei in irgendeiner Form einzuengen oder gar auszuschließen, gibt der Globalisierung den Dolchstoß.

3 Fragen an: Dr. Christian Haug (Startup Factory China)

Dr. Christian Haug ist Partner und Deutschlandgeschäftsführer der Startup Factory China.

Von den ersten chinesischen Outbound-Investments über die Boomphase mit mehr als 100 Cross-Border-M&A Deals jährlich bis zu den aktuellen „Krisen“ rund um COVID, Reisebeschränkungen und geopolitischen Unsicherheiten ist viel passiert. Beschreiben Sie uns als China-Kenner mal die aktuelle Lage im Investmentgeschäft zwischen China und Deutschland!

Die COVID-Politik in China und der damit verbundene, fast zum Erliegen gekommene persönliche Austausch in beide Richtungen ist sicher der größte Hemmschuh für die Investitionstätigkeit. Das gilt besonders für kleinere und mittlere Unternehmen für die der Aufbau von Vertrauen in Geschäftsbeziehungen vor allem über persönliche Treffen funktioniert, weit mehr noch als für in China etablierte deutsche Konzerne mit starken chinesischen Organisationen. Sowohl in China als auch der EU gibt es darüber hinaus regulatorische Aktivitäten, die Investitionen zumindest nicht attraktiver machen, sei es die striktere Kontrolle bei chinesischen M&A Aktivitäten in Deutschland, oder die ausgebaute IT- und Daten-Gesetzgebung in China, die das grenzüberschreitende Nutzen von in China gesammelten Daten für deutsche Firmen gerade in Richtung digitaler Geschäftsmodelle erschweren.

Banner-3-Fragen-SUF
Dr. Christian Haug ist seit 20 Jahren in China unternehmerisch aktiv und unterstützt deutsche Mittelständler operativ beim Aufbau von Produktionsunternehmen und eigener Organisation in China.

Der Bezug zu China ist für Sie auch heute noch Kernkompetenz und Geschäftskonzept zugleich. Warum wird Beteiligungsgeschäft zwischen Deutschland und China bleiben, auch wenn die Beziehungen wieder sehr „politisch“ geworden sind?

Der asiatische Markt wird allein auf Grund der Zahl der Konsumenten immer wichtiger und die asiatischen Staaten haben einiges getan um über Freihandelsabkommen, zuletzt RCEP, auch institutionell eine Art Binnenmarkt zu entwickeln. China ist trotz Japan, Südkorea oder Indien der zentrale Akteur, ob uns das „politisch“ gefällt oder nicht. Wir erleben chinesische Unternehmen immer öfter als Wettbewerber z.B. für jeden sichtbar beim Bau von Akkus und Elektromobilität aber auch im Maschinenbau, übersehen aber noch immer oft die zunehmende Innovationsstärke dieser Unternehmen. Auch wenn Produktentwicklungen dort oft eher inkrementell verlaufen, so sind die sehr schnellen, kundenzentrierten Entwicklungszyklen chinesischer Unternehmen ein herausragendes Beispiel für Adaption, Umsetzung und Kundennähe. Nur wer vor Ort ist wird die Stärken und Schwächen der Konkurrenz beurteilen können, von Geschwindigkeit und Innovationen lernen können und in seine weltweite Strategie mit einbeziehen. Chinesische Produkte, Innovation, Wettbewerber und Partner auf dem Radar zu haben, wird unerlässlich sein, um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu bewahren oder auszubauen.

Das Modell des „German Mittelstand“ und auch unsere mittelständischen Unternehmer-Persönlichkeiten werden von den Menschen in China unglaublich geschätzt, dies auch im Vergleich zu Unternehmen aus den USA oder manchem europäischen Nachbarn. Hat sich hieran in den letzten Jahren etwas geändert, oder werden wir (nach Ende der Reisebeschränkungen) auch wieder in gleichem Maße mit offenen Armen empfangen werden?

Je weniger direkten persönlichen Kontakt man hat, umso weniger weiß man voneinander und die Gefahr von Fehlinterpretationen steigt. Diese Tendenz wird verstärkt durch den vom USA-China Handelskonflikt verstärkten Nationalismus in China, wie auch vom hier in Deutschland oft sehr stark simplifizierten Chinabild, das der Vielschichtigkeit des Landes und ihrer Herausforderungen oft nicht gerecht wird. Diese Entwicklungen machen Sorgen, aber dennoch bin ich guten Mutes, dass sobald wir wieder mit weniger Einschränkungen nach China und umgekehrt auch Chinesen wieder nach Deutschland reisen können, wir die gegenseitige Wertschätzung wieder stärken können.

Update: Lieferkettencompliance im Chinageschäft – Ombudsanwalt als Lösung?

Judge's gavel. Symbol for jurisdiction. Law concept a wooden judges gavel on table in a courtroom or law enforcement office on blue background. China flag background

>> Dieser Artikel ist eine Aktualisierung des ursprünglichen Artikels „Lieferkettencompliance im Chinageschäft – Ombudsanwalt als Lösung?“ von Burkardt & Partner Rechtsanwälte. Grund für die Aktualisierung ist die Veröffentlichung des UN-Berichts zur Menschenrechtslage in Xinjiang.

Am 31. August 2022, um 23:52 Uhr in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, hat das Büro von Michelle Bachelet, der Hohen Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, acht Minuten vor  Ende ihrer Amtszeit den seit über einem Jahr erwarteten Bericht über Chinas Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang veröffentlicht (,,Bericht‘‘).

Nach Bachelet’s Bericht seien schwere Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang im Zusammenhang mit der Anwendung von Strategien zur Bekämpfung von Terrorismus und ,,Extremismus‘‘ durch die chinesische Regierung begangen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen.

Der Bericht basiert u. A. auf und den Aussagen von vierzig Betroffenen, unter denen die meisten behaupteten, dass sie in verschiedenen Einrichtungen in Xinjiang interniert worden seien oder dort gearbeitet haben, und den enthüllten Regierungsdokumenten (,,China Cables‘‘, ,,Xinjiang Papers‘‘, ,,Karakax List‘‘, ,,Urumqi Police Database‘‘ und die ,,Xinjiang Police Files‘‘) , die die UN-Menschenrechtskommissarin als ,,sehr wahrscheinlich authentisch‘‘ bewertet hat.

Die UN-Menschenrechtskommissarin ist im Bericht aufgrund der vorliegenden Informationen zur Folgerung gekommen, dass „ein substantieller Anteil der uighurischen und anderen mehrheitlich muslimischen Bevölkerung“ in den sogenannten VETC (Vocational Education and Training Centres) und anderen Einrichtungen in Xinjiang interniert worden sei.

Die in dem Bericht erwähnten Menschenrechtsverletzungen stützen sich auf das innerstaatlichen ,,Anti-Terrorismus-Gesetzesystem‘‘, das aus der Perspektive der internationalen Menschenrechtsnormen und -standards höchst problematisch ist. Es enthalte vage, weit gefasste und unbestimmte Konzepte, die den Beamten einen großen Ermessensspielraum bei der Auslegung und Anwendung umfassender Ermittlungs-, Präventiv- und Zwangsbefugnisse lassen.

Dieser Rahmen habe in der Praxis zu umfangreichen willkürlichen Freiheitsberaubungen von muslimischen Minderheitsangehörigen geführt, zumindest zwischen 2017 und 2019, da nach dem ,,Anti-Terrorismus-Gesetzesystem‘‘, „jede Art von Gesetzesverstoß durch einen Muslim als mutmaßlich ,,extremistisch‘‘ bewertet werden könne, so der Bericht.

Selbst wenn das VETC-System seitdem in seinem Umfang reduziert oder abgewickelt worden sei, wie die chinesische Regierung behauptet, bleiben der Gesetzesrahmen und die ihm zugrundeliegende Strategien weiter in Kraft.

Bezüglich des regelmäßig erhobenen Vorwurfs der Zwangsarbeit führt der Bericht auf, dass es Hinweise darauf gebe, ,,dass Arbeits- und Beschäftigungsprogramme in ihrer Art oder Wirkung diskriminierend zu sein scheinen und Elemente von Zwang beinhalten‘‘.

Der Bericht erhöht damit erheblich den Handlungsdruck auf deutsche und andere europäische Unternehmen, die ihre Produkte direkt oder indirekt aus Westchina beziehen und führt zur Verstärkung der Annahme der sogenannten „substantiierten Kenntnis“ nach dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Infolgedessen sind deutsche Unternehmen zur Ergreifung erforderlicher anlassbezogenen Maßnahmen verpflichtet, wie z.B. zur Durchführung einer Risikoanalyse, Verankerung von angemessenen Präventionsmaßnahmen, Einführung eines Systems zur Minimierung von Menschenrechtsverletzungen oder ggf. Aussetzung der Geschäftsbeziehung.

Merken Sie sich schon einmal den 13. September, 2022 vor, denn dann soll die Gesetzesvorlage der EU-Kommission für ein Einfuhrverbot von Produkten aus Zwangsarbeit vorgestellt werden. Ein solches Gesetz könnte die erste Stufe einer europäisch-chinesischen Sanktions- und Anti-Sanktionsspirale darstellen, die möglicherweise bestehende Tendenzen zum Decoupling noch verstärken. Selbstverständlich halten wir Sie zu diesen und anderen relevanten Rechtsthemen mit China-Bezug auf dem Laufenden!

Nähere Informationen zu unserer Tätigkeit als Ombudsanwalt finden Sie auf der Seite von Burkardt und Partner Rechtsanwälte: Ihr Ombudsanwalt für China.

>> Dieser Artikel ist eine Aktualisierung des ursprünglichen Artikels „Lieferkettencompliance im Chinageschäft – Ombudsanwalt als Lösung?“ von Burkardt & Partner Rechtsanwälte. Grund für die Aktualisierung ist die Veröffentlichung des UN-Berichts zur Menschenrechtslage in Xinjiang.

Unternehmensansiedlung und Produktionsstätten als chancenreiches Deutsch-Chinesisches Investitionsfeld

Der 6. Investment Dialog war dem Thema Unternehmensansiedlung und Aufbau von Produktionsstätten als chancenreiches Deutsch-Chinesisches Investitionsfeld gewidmet. Die ersten zwei Vorträge beleuchteten die Gelegenheiten von Unternehmen und Investoren, die dafür Chancen in China suchen. Die beiden anderen Vorträge waren auf die Bedürfnisse chinesischer Unternehmen und Investoren ausgerichtet, die Unternehmensansiedlung und Produktionsstätten in Deutschland und Europa aufbauen. Von Georg von Stein

Den ersten Vortrag hielt Benjamin Kille, der als Geschäftsführer der SGB Group über viel Erfahrung in den relevanten Themenstellungen verfügt. Als erstes warf er einen Blick auf aktuell relevante Umfeldfaktoren für die Unternehmensansiedlung in China. Neben stark steigenden Produzentenpreisen, der von der UN kritisieren Zwangsarbeit in China und dem Thema:  „Null covid und kein Ende in Sicht“ spielt für ihn auch der Anstieg der durchschnittlichen Lagermiete von 35,1 Yuan/qm in 2014 auf 44,3 Yuan /qm in 2019 eine mitentscheidende Rolle. Für Unternehmen seien nun Überlegungen wichtig, wie man Kosten optimieren kann. Neben „Rotstift“ Ansetzen und dem Outsourcing von Arbeitsschritten kommt heute auch der Standortwechsel innerhalb Chinas in Betracht. Denn aus Sicht von Benjamin Kille bietet das Umfeld von Shanghai nicht mehr unbedingt das optimale Umfeld. Sein Unternehmen organisiere Zweigstellen in China sogar so, dass man sie auch ohne Gründung einer eigenen Firma in China unmittelbar starten könne. Hilfreich sei hier auch die umfassende Aufstellung der SGB Group mit Büros in Hamburg, München, Shanghai(CN), HongKong(CN) Bangkok(TH) und der Erfahrung bei Themen wie Einkauf, Sourcing, Supply-Chain-Themen, B2C- oder B2B-Distribution, aber auch Vertragsabwicklung, Personalmanagement & Büroräume, Marketing & Vertrieb, Installation & After-Sales Service, Recht & Steuern.

Gewerbepark Yancheng in Jiangsu

Eine günstige Möglichkeit sich physisch anzusiedeln, bietet aus Sicht von Benjamin Kille der Gewerbepark in Yancheng, Jiangsu. Er ist in die moderne und junge Tier 3 Stadt Yacheng mit 1.39 Mio. Einwohnern eingebunden, deren gesamtes Verwaltungsgebiet gar 6.709.629 Einwohner umfasst. In Yacheng war bisher u.a auch der Hauptsitz von KIA Motors in China beherbergt.

Zu den Standortvorteilen von Yancheng zählt neben einem Flughafen mit internationalen Flügen auch die Meeranbindung über den Dafeng Port.  Und vor allem ca. 30% geringere Personalkosten im Vergleich zum Shanghaier Umfeld böten, so Kille, klare Vorteile für den neu entstehenden Gewerbepark in Yacheng.

Fabrikplanung in China

Wer nicht die flexible Niederlassung in einem Gewerbepark, sondern als nächstgrößere Lösung eine Produktionsstätte, sprich den Bau einer Fabrik plant, bekam wertvolle Hinweise im anschließenden Vortrag von Stephan Gaida, Geschäftsführer von BSInprocon Engineering Consulting. Er unterscheidet bei der Fabrikplanung als erstes zwischen Neubau oder Bestandsbau. Beim Neubau geht es um die Entscheidung: Eigene Investition oder Build to Suit, beim Bestandsbau steht die Frage im Vordergrund: Soll er in einem Industriepark gebaut werden oder soll eine Start-Up Factory genutzt werden. Die Analyse wichtiger Punkte wie Kosten, Leasingzeiten, Planungsänderungen und -freiheiten, Zeitschienen oder Verantwortlichkeiten analysierte Stephan Gaida dann im Einzelnen. Die Ergebnisse finden Sie in den drei folgenden Charts verdeutlicht, in denen die Kernaussagen ziemlich selbsterklärend dargestellt sind.

In Teil2 wird werden Sie dann die umgekehrte Seite beleuchtet finden, also Erfolgsfaktoren für chinesische Produktion in Europa, insbesondere wenn sie ein Investitionsfeld für chinesische Unternehmen ist.

Low Code Markt eröffnet Chancen in China

computer chips over digital background with china flag. vector illustration

Immer mehr Unternehmen in China setzen für ein schnelleres Wachstum auf digitale Transformation. Entsprechend steigt auch die Zahl von Entwicklern, die mit Low-Code Anwendungen bis hin zu grafische Benutzeroberfläche bauen. Mit Low-Code Technologie lassen sich nämlich Anwendungen und Prozesse mit nur wenig oder gar keiner Codierung erstellen. Der Markt für Low Code-Anwendungen soll in China denn auch demnächst die Milliarden US-Dollar Grenze deutlich überschreiten. Von Georg von Stein

Laut Tim Srock, CEO von Mendix, einem großen zu Siemens gehörigen Anbieter im Bereich Low Code, ist die Low Code-Technologie in China beliebter als in vielen anderen Ländern. Bei der chinesischen Marktberatung iResearch schätzt man, dass Chinas Low-Code-Markt jedes Jahr um fast 50 Prozent wachsen und bis 2025 ein Volumen von 13,1 Mrd. Yuan (1,90 Mrd.USD) erreichen wird.  Bis 2030 soll China gar zum am schnellsten wachsenden Low Code Markt weltweit werden. Mendix CEO Srock sieht dabei für Low-Code in China besonders prioritäre Anwendungsfelder bei Bank- und Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Fertigung, Einzelhandel und Regierungsangelegenheiten.

Bild1_Low-Code-Development
Siehe https://www.marketsandmarkets.com/Market-Reports/low-code-development-platforms-market-103455110.html

Bereits heute ist China der größte Markt für den Siemens Low-Code im asiatisch-pazifischen Raum. Dabei muss man sehen, dass der chinesische Low-Code-Markt stark fragmentiert ist. „Viele Chinesen verwenden Low-Code, um damit fragmentierte und vorübergehende Bedürfnisse zu erfüllen“, so Ning Wei, ein Low-Code-Forscher von der staatlichen Denkfabrik China Academy of Information and Communications Technology gegenüber China Daily. Auch wegen der Fragmentierung kooperiert die Siemens Tochter Mendix mittlerweile mit Tencent Cloud. So will man besser für den chinesischen Markt geeignete und lokalisierte Lösungen entwickeln. Aber nicht nur für diese beiden Spieler dürfte Low Code in den nächsten Jahren ein interessantes Wachstumsfeld bieten.

Sinoseal erwirbt Kunststoffhersteller Krüger & Sohn

Hand on large pile of blue plastic granules in temporary storage of production line at recycle factory, masterbatch dye polymer plastics resin pellet background, injection molding process lab

Die Sinoseal GmbH, 100%ige deutsche Tochtergesellschaft der Sinoseal Holding Co. Ltd., China hat den Kunststoffhersteller Krüger & Sohn GmbH aus Landshut erworben und verfestigt damit seine Basis in Deutschland. Von Georg von Stein

Die in Shenzhen notierte Sinoseal ist auf Gleitring- und Trockengasdichtungen, Hilfssysteme, Drehstrahlpumpen und ähnliche Produkte spezialisiert. Sie deckt dafür die gesamt wirtschaftliche Kette ab, von Forschung und Entwicklung über die Herstellung bis zur Lieferung ab und versorgt damit u.a. Industriezweige wie die Öl- und Gasindustrie, Raffinerien, Petrochemie oder Energie. Mit der strategischen Akquisition erweitert Sinoseal sein Produktportfolio um die Kernkompetenz der Krüger & Sohn GmbH, die in der Herstellung von technischen Schichtpressstoffen liegt. Diese Stoffe werden weltweit in Produkten verschiedener Branchen eingesetzt, z.B. in der Elektroindustrie, im Maschinenbau, in der Schleiftechnik oder der Hydraulik.

Die Firma Krüger & Sohn entstand aus der bereits seit 1926 bestehenden Ing. Alfred Krüger & Sohn KG. Firmengründer Alfred Krüger hatte in Berlin kurz nach Entdeckung des Phenolharzes mit der Produktion von kleinen Hartpapierrohren begonnen. Heute werden in dem Unternehmen Ausgangsrohstoffe auf Beschichtungsanlage zu „Prepregs“ (auf Deutsch „vorimprägnierte Fasern“) veredelt und anschließend zu Rohren, Stäben oder Profilen verarbeitet. Die Bearbeitung der Produkte erfolgt auf CNC-gesteuerten Präzisionsmaschinen.

Die Übernahme soll einem Bericht zufolge für Sinoseal auch die Erfahrungsbasis für mögliche zukünftige industrielle Übernahmen und Fusionen auf dem internationalen Markt bieten.

Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Freigaben. Beraten wurde Sinoseal von King & Wood Mallesons (KWM), die die Durchführung der rechtlichen Due Diligence, die Entwicklung der Transaktionsstruktur, den Entwurf und die Verhandlung der Transaktionsdokumente, u.a. übernommen haben.

Investitionsfeld 5G in China

Symbolbild 5G in China
Quelle: Adobe Stock; © Sikov

China hat seine 5G-Infrastruktur mit hohem Tempo ausgebaut. Ende 2021 waren offiziellen Angaben zufolge alle chinesischen Städte mit 5G abgedeckt und bis Ende Juni liegt die Zahl der 5G-Basisstationen bei rund 1,85 Mio. Auch bei den abgesetzten Mobiltelefonen dominiert in China 5G bereits Ende 2021 mit einem Anteil von 82 Prozent (vgl. China Academy of Information and Communications Technology), wobei Chinas NutzerInnen rund 450 Mio. 5G-Mobilfunkverträge abgeschlossen hatten. Letzteres wiederum soll einem globalen Marktanteil von 60 Prozent entsprechen. Genauso treibt 5G aber auch den industriellen Sektor voran. Hier ergeben sich interessante Investitionsfelder. Von Georg von Stein

Für Unternehmen bietet 5G viele Vorteile, so beispielsweise: hohe Geschwindigkeit, hohe Zuverlässigkeit und geringe Latenz. Entsprechend hat 5G sich den Weg z.B. in die Fertigung, medizinische Dienstleistungen oder Landwirtschaft gebahnt.

Bild1_Installierte-5G-Basisstationen-in-China
Siehe https://www.gtai.de/de/trade/china/branchen/china-baut-5g-netze-weiter-kraeftig-aus-779576

So setzt Chinas führender Hersteller von Lithium-Ionen-Automobilbatterien, CATL, auf 5G bei zentral gesteuerter Produktion, visueller Ultrahochgeschwindigkeits-Qualitätsprüfung und Augmented-Reality-Expertensystemen in Produktionsanlagen. CATL-Ingenieure können durch 5G heute die gesamte Werkproduktion in Echtzeit überwachen und technische Probleme aus der Ferne lösen. In einer einzelnen CATL Fabrik pendeln mehr als 200 5G-fähige automatisierte Fahrzeuge durch Montagelinien, um Batterien und andere Materialien zu transportieren. Nun plant CATL, die 5G-Technologie in seinen 10 globalen Produktionsstätten zu implementieren.

Schiffbau

Ein anderes 5G Beispiel ist die Jiangnan-Werft der China State Shipbuilding Co Ltd in Shanghai. Der staatliche Schiffbauer arbeitet mit Wissenschaftlern der Shanghaier Jiao Tong University zusammen, um ein 5G-fähiges intelligentes System zu entwickeln. Es soll den Arbeitsprozess im Schiffbau von 14 Stunden auf etwa zwei Stunden verkürzen. Damit verbunden dürften hohe Effizienz- und Kostensparpotentiale sein. Wer also in China investiert ist, sollte die 5G Potentiale auch für seine Industrie prüfen.

Digitale Landwirtschaft

Auch in der Landwirtschaft gibt es in China viele interessante Anwendungsfelder für 5G. Auf einem Reisfeld in Heilongjiang bspw. nutzt man 5G-fähige mit KI-Kamera ausgestattete Sonden zur Blattaltersdiagnose, Krankheitserkennung, Schädlingsbekämpfung und Vorbeugung von Pflanzenkrankheiten. Durch 5G werden die Daten von Wasserstandssensoren zum Messen der Bodenfeuchte genutzt. Dadurch lässt sich eine automatische Bewässerung ermöglichen. 5G treibt also auch die Smart Farm voran.

Fernoperationen

Ein Chirurg des Shanghaier Huashan-Krankenhauses hatte 2019 eine endoskopische Operation durchgeführt, um den Hypophysentumor im Gehirn eines Patienten zu entfernen. Durch 5G-Geräte von Huawei konnten etwa 20 Kilometer entfernt fast 60 Praktikanten die Operation auf einem 4K-High-Definition-Bildschirm genau und live beobachten. Aufgrund des Vorteils der geringen Latenz von 5G-Netzen kommt die Technologie in China für chirurgische Eingriffe zunehmend zum Einsatz.
So haben Chirurgen des Huashan-Krankenhauses am 17. Januar 2022 den Versuch unternommen, einen einfachen Hirntumor auf innovative Weise zu entfernen: Mit VR-Brillen trugen sie Zielgewebe präzise durch einen fünf Zentimeter langen Einschnitt ab. Die verbesserten holografischen 3D-Bilder des Gehirns wurden in Echtzeit auf die Kopfhaut des Patienten projiziert, um die genauen Positionen im Gehirn anzuzeigen. Unterstützt wurde die Operation durch die 5G-Mixed-Reality-Technologie eines in Shanghai ansässigen Startups. 5G-Technologie wird in China aber auch bei Roboteroperationen aus 5.000 km Entfernung eingesetzt, z.B. zur Entfernung von Steinen. Während einer derartigen Operation wurde die durchschnittliche bidirektionale 5G-Netzwerklatenz auf nur 135 Millisekunden reduziert, sodass die entfernten Chirurgen ohne merkliche Zeitverzögerung kommunizieren konnten. Gerade für abgelegene Gebiete ergeben sich ungeahnte medizinische Möglichkeiten.

6G noch in Ferne

Für Investoren mag neben 5G auch der Blick auf 6G schon Relevanz bekommen, wird es doch nochmal ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Aber bei 6G ist vieles noch ungeklärt. Vonseiten Huawei hatte man Anfang 2022 denn auch verlauten lassen, dass man zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht definieren könne, was 6G eigentlich genau sei. Ob China die technologischen Führerschaft bei 6G erreichen wird, ist ebenfalls offen. Mit Standards für 6G dürfte laut einer Einschätzung des Konkurrenten Ericsson frühestens 2027 zu rechnen sein. Insofern lohnt heute der Blick von Investoren auf 5G umso mehr.

Vgl. https://www.chinadaily.com.cn/a/202209/02/WS63115e0ea310fd2b29e7595b.html

M&A-Strategien für den Mittelstand im China Geschäft

business people meeting

Gemessen am Beitrag zur Wirtschaftsleistung sind kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) bei Fusionen und Übernahmen (M&A) deutlich unterrepräsentiert. Dies liegt hauptsächlich an der geringen Größe, welche die Realisierung von akquisitorischen Großprojekten in finanzieller und administrativer Sicht erschwert. M&A als Strategie kann von KMU aber auch genutzt werden, um komplexere Herausforderungen in Zusammenarbeit – insbesondere mit chinesischen Geschäftspartnern – erfolgreich zu meistern. Von Simon Laube

Herausforderungen

Für das Wachstum im Mittelstand und speziell bei kleineren Unternehmen ist die Finanzierung oft das größte Hindernis. Dem European Capital Market Institute (ECMI) zufolge werden 60 bis 70 Prozent der Investitionen von KMU in der Europäischen Union (EU) mit internen Reserven finanziert, und der Rest wird fast ausschließlich von Bankkrediten und Leasing abgedeckt. Eigenkapitalfinanzierung durch außenstehende Investoren schließt sich für KMU meist gänzlich aus, was die Möglichkeiten für M&A stark einschränkt. Dabei braucht es gerade beim Aufbau von neuen Möglichkeiten im deutsch-chinesischen Business größere Finanzvolumina – unter anderem um in die notwendigen Anpassungen des eigenen Geschäftsmodells zu investieren. So erfordert der chinesische Markt oft ein schnelleres Wachstum, als deutsche KMU es von ihrem Heimatmarkt gewohnt sind. Im Gegenzug werden chinesische KMU, welche vermehrt ihren heimischen Kunden nach Deutschland folgen, mit ungewohnt hohen Aufwendungen für Produktion und Lohnkosten konfrontiert.

Zwei Trends -bei Unternehmensnachfolge und globalen Geschäftsmodellen- zeigen, dass M&As auch für KMU an Bedeutung gewinnen.

Sehr deutlich ist der Trend bei der Unternehmensnachfolge sichtbar. Einer Umfrage der Kreditanstalt für Wiederaufbau zufolge – erhoben noch vor der Covid-19 Pandemie – können sich mindestens 42 Prozent der deutschen inhabergeführten KMU mit einem bevorstehenden Generationswechsel, vorstellen, an einen externen Investor zu verkaufen. Da eine Unternehmensnachfolge oft über Jahre hinweg geplant wird und KMU zumeist von Investoren aus der gleichen Branche akquiriert werden, ergeben sich hier neue Möglichkeiten für strategische Transaktionen mit chinesischen Industrieunternehmen. Mit dem Ziel einer Fusion können deutsche und chinesische KMU ihre Geschäftsbeziehungen über einen längeren und adäquaten Zeitraum hinweg vertiefen und somit kulturelle und unternehmensspezifische Differenzen überwinden.

Deal-Volume-by-Transaction-Size
Die Mehrzahl der bekannten Deals bewegt sich auch medium und small sized Bereich, in dem KMU unterwegs sind.

Ein zweiter Trend sind KMU mit globalen Geschäftsmodellen, darunter viele Start-Ups, die ein schnelles Wachstum nach der Firmengründung benötigen. Die Skalierung von Start-Ups wird vorwiegend mit Risikokapital finanziert, welches dem ECMI zufolge 2,5 Prozent der gesamten Finanzierung aller KMU in der EU ausmacht. Junge und schnell wachsende KMU sind generell offener gegenüber M&A mit chinesischen Partnern. Dies gilt insbesondere bei der Expansion nach China wo vermehrt Forschung und Entwicklung sowie direkte Kommerzialisierung angesiedelt wird. Hier können chinesische Partner helfen von Beginn an nahe am Kunden zu sein.

Strategien

Bei Expansion oder Produktdiversifizierung wird M&A oft als Weg beschritten  und bietet mehrere Vorteile, so z.B. schnellen Marktzugang und direkte Berührungspunkte mit vorhandenem Kunden- oder Lieferantenstamm. Für KMU ist es hierbei wichtig eine Strategie mit klarer Value Proposition zu entwickeln, bevor potentielle Kandidaten ins Auge gefasst werden. Damit lässt sich verhindern, dass eine Übernahme etwa zugunsten erhöhter Einnahmen auf dem chinesischen Markt, aber zum Nachteil interner Prozesse und ohne Rückhalt in der deutschen Belegschaft durchgeführt wird.

Falls ein M&A mit bestehenden Geschäftspartnern in China strategisch Sinn macht, bietet es zusätzliche Vorteile. Je nach Intensität der Geschäftsbeziehung, kann das gewonnene Wissen dazu beitragen, den Wert des Übernahmekandidaten zu bestimmen und die bevorstehende Integration damit gut in die Wege zu leiten.

Eine weitere Möglichkeit sind schließlich Unternehmensbeteiligungen, die die finanzielle Last, sowie die Anforderungen an Führungskräfte reduzieren. Allerdings ist hierbei die Kontrolle über Markt-, Kunden- oder Lieferantenzugang stärker eingeschränkt. Einen Mittelweg bilden daher stufenweise Übernahmen, wobei einerseits die Kontrolle über wichtige Ressourcen schrittweise gesteigert wird und andererseits eine mögliche Integration zunächst getestet werden kann, ohne sich bereits zu Beginn dem vollen Risiko eines Misserfolgs auszusetzen.


Ein Ausgestaltungsbeispiel für M&A

Dezan Shira & Associates hat ein mittelständisches Unternehmen bei der stufenweisen Übernahme eines chinesischen Lieferanten beraten. Investor und Lieferant formten zunächst ein JointVenture in China, in welches die Vermögenswerte des Lieferanten übertragen wurden, wobei sich der Investor das Recht vorbehielt, zu einem späteren Zeitpunkt die Unternehmensanteile des Lieferanten am Joint Venture zu erwerben. Damit wurde nicht nur das finanzielle Risiko einer vollen Übernahme reduziert, sondern auch die Möglichkeit geschaffen, das Joint Venture zunächst operativ zu führen.


M&As mit bekannten Geschäftspartnern, sowie Unternehmensbeteiligungen und stufenweise Übernahmen reduzieren Informationsasymmetrien, sie ersetzen jedoch nicht die Due Dilligence und Unternehmensbewertung. Oft hängt der Unternehmenserfolg von KMU stark vom Einfluss der Eigentümer und Geschäftsführer, sowie auch von nicht dokumentierten Prozessen und Fähigkeiten ab. Dies gilt für Deutschland und China gleichermaßen. KMU-Investoren sollten den Transaktionspreis jedoch strikt an historischen Fakten und erwartetem Cash-Flow orientieren.

Schlussendlich können KMU mit starkem Wachstumspotential auch eigene Unternehmensanteile veräußern, um den Ausbau ihres Kerngeschäfts zu finanzieren. Ein strategischer Investor kann zudem Synergien in das Unternehmen einbringen, welche gerade im Chinageschäft deutscher KMU entscheidend sein können. Die Eigenkapitalfinanzierung von starkem Wachstum birgt wiederum den Vorteil, dass das Kreditausfallrisiko minimiert wird, stellt es doch ein Haupthindernis für das Wachstum von KMU dar. In Summe betrachtet sollten M&As von KMU ganzheitlich betrachtet werden. Als Teil einer langfristigen Strategie können sie einen wichtigen Beitrag zur Erreichung von Unternehmenszielen leisten.

Teil 2: Chinas „Hidden Champions“ fordern deutsche Marktführer heraus

China and Germany flags on chess pawns on a chessboard. 3d illus

>> Lesen Sie hier den „1. Teil zu „Chinas „Hidden Champions“ fordern deutsche Marktführer heraus.

Die Unterstützungspolitik der chinesischen Regierung

Auf der Pressekonferenz zum „Bericht über Chinas industrielle Entwicklung und Industriepolitik (2011)“ im Juli 2011 hatte das MIIT die Begriffe „Specialized, Fined, Peculiar and Innovative (SFPI)“ als erstes und vorrangig hervorgehoben. „Spezialized“ bezieht sich auf spezialisierte Verwendung, Prozessexpertise und proprietäre Technologie; „Fined“ auf profunde Prozesstechnologie und veredelte Produkte; „Peculiar“ ist ausgerichtet auf Produkte und Dienstleistungen, die einzigartig sind und sich von anderen unterscheiden; ”Innovative“ bezieht sich auf Produkte mit fortschrittlicher technologischer Innovation, hohem Mehrwert und hohem wirtschaftlichem und sozialem Nutzen. Beispiele dafür finden sie weiter unten.

Der Begriff „SFPI“ wird nun 2022 erstmals in den „Regierungsarbeitsbericht des Staatsrates“ geschrieben. So heißt es im Bericht: Es werden Anstrengungen unternommen, um „SFPI SMEs“ zu kultivieren und eine starke Unterstützung bei Mitteln, Talenten und dem Aufbau von Inkubationsplattformen bereitzustellen.

Gegenwärtig belohnt die Zentralregierung jedes Unternehmen, das als national „Little Giants“ identifiziert worden ist, mit 6 Mio. CNY, die über drei Jahren hinweg verteilt werden (2 Mio. CNY pro Jahr). Darüber hinaus bietet sie auch Unterstützung bei der Unternehmenskultivierung, Politikunterstützung, Dienstleistungsentwicklung und Umweltoptimierung.

Um die Entwicklung regionaler KMU zu fördern, haben Provinz- und Kommunalregierungen unterschiedliche Niveaus von Anreizen und Subventionen für „SFPI SMEs“ auf verschiedenen Ebenen eingeführt: „SFPI SMEs“ in Peking können Subventionen in Höhe von 3-10 Mio. CNY (in Form von Dienstleistungsschecks) erhalten. Shanghai wird 50.000 bis 200.000 CNY an „SFPI SMEs“ auf kommunaler Ebene vergeben. Die Provinz Jiangsu hat auf Provinzebene SMEs bei Ausrüstungs-Upgrades und Internet-basierten Upgrades maßgeblich unterstützt. In der Provinz Guangdong bekommen SMEs auf Provinzebene eine einmalige Unterstützung in Höhe von 500.000 CNY gewährt.

Unterstützung geht über das Finanzielle hinaus

Neben der finanziellen Förderung will das MIIT auch die zuständigen Abteilungen koordinieren, um den Entwicklungsmechanismus von „SFPI SMEs“ unter drei Aspekten zu verbessern und zu unterstützen:

  1. Industriepolitische und finanzpolitische Koordinierung
  2. Hochrangige Qualitäts-KMU-Auflistung und -Kultivierung sowie
  3. Erweiterung der Finanzierungskanäle.

Für diese Ziele wurde am 3. September 2021 die Peking Stock Exchange registriert und gegründet. Sie ist die erste unternehmensbasierte Börse in China, die mit Zustimmung des Staatsrates gegründet wurde, und wird von der China Securities Regulatory Commission beaufsichtigt und verwaltet. Die Börse soll die Entwicklung von KMU unterstützen, KMU Finanzierungsmöglichkeiten bieten und die Servicekapazitäten verbessern.

Bild1_2010-2021-Anzahl-der-Kapitalinvestitionen-in-China
Abbildung 1: 2010-2021 Anzahl der Kapitalinvestitionen in Chinas „SFPI SMEs“
Datenquellen: Zero2IPO Group (bis zu Ende 2021)
Bild2_2010-2021-Hoehe-der-Kapitalinvestitionen-in-ChinaBild2_2010-2021-Hoehe-der-Kapitalinvestitionen-in-China
Abbildung 2: 2010-2021 Höhe der Kapitalinvestitionen in Chinas „SFPI SMEs
Datenquellen: Zero2IPO Group (bis zu Ende 2021)

Im Folgenden stellen wir Ihnen vier „Little Giants“ kurz vor:

SCIYON Gesamtmarktwert: 3,63 Mrd. CNY

SCIYON ist ein führendes Unternehmen in den Bereichen Produkte und Lösungen für Industrieautomation, Informationstechnologie. Sein Geschäftsbereich ist auf industrielle Internetplattformen ausgerichtet und auf die Verbesserung des Automatisierungs- und Informationsniveaus von Industrieanwendern.

Maxonic Gesamtmarktwert: 3,38 Mrd. CNY

 

Maxonic ist ein Unternehmen,  auf industrielle Automatisierungsinstrumente spezialisiert, die hauptsächlich in der Informationserfassung, -übertragung und -anzeige in der industriellen Massenproduktion, Informationsmaschinen und industrieller IT eingesetzt werden. Die Produkte von Maxonic umfassen Primär-, Sekundär- und Druckinstrumente usw.

Tianjin Printonics Circuit (TPC) Gesamtmarktwert: 2,59 Mrd. CNY

 

TPC aus Nordchina hat seit mehr als 30 Jahren die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Leiterplatten als Kerngeschäft. Die von ihm hergestellten Produkte werden hauptsächlich in der Luft- und Raumfahrt, in Computernetzwerken und in der Automobilelektronik verwendet.

Shenzhen RongDa Photosensitive Gesamtmarktwert: 5,75 Mrd. CNY

RongDa entwickelt, produziert und vermarktet als eines der ersten Unternehmen in China elektronische lichtempfindliche chemische Materialien. Nach mehr als 10 Jahren kontinuierlicher Entwicklung hat es nach und nach eine Reihe die Schritte gemeistert, um die Technologie für elektronische lichtempfindliche Chemikalien zu beherrschen.

Die Zukunft von „Little Giants“ und deutschen Hidden Champions in China

„Little Giants“ lassen sich durch die Zahlenfolge 5678 beschreiben, denn: Mehr als 50 % von ihnen haben mehr als 10 Mio. RMB in F&E investiert, mehr als 60 % zählen zum industriellen Basisbereich, mehr als 70 % sind seit mehr als 10 Jahren tief in ihrer Branche tätig. Und mehr als 80% stehen im Marktsegment in ihrer Provinz an erster Stelle. Einige „Little Giants“ schließen auch Mängel und Lücken in Chinas Industrieentwicklung und sind zu einer wichtigen unterstützenden Kraft beim Aufbau des Produktionssektors geworden.

Zweitens haben „Little Giants“ in diesem Jahr erstmals die landesweite Abdeckung erreicht und zwar überall in China prozentual im selben anteiligen Verhältnis zu der regionalen Verteilung der chinesischen Verarbeitungsunternehmen. Gibt es mehr Verarbeitungsunternehmen in einer Region, gibt es dort auch anteilig mehr „Little Giants“.

Drittens: Der Kapitalmarkt mag „Little Giants“. Mehr als 300 „Little Giants“ wurden mittlerweile an der Börse notiert. Ihre durchschnittliche Wachstumsrate bei Betriebsergebnis und Nettogewinn hat in den letzten zwei Jahren hat 25 % überschritten, was etwa dem Doppelten des Durchschnitts aller börsennotierten Unternehmen entspricht.

Viertens „Little Giants“ verfügen über eine hohe Innovationsfähigkeit. Der Anteil des F&E-Personals in „Little Giants“ erreicht grundsätzlich 25 %, und die durchschnittliche F&E-Intensität übersteigt 7 %. „Little Giants“ unterstützen das große Innovationsmuster in China.

Fünftens: „Little Giants“ agieren widerstandsfähig. Seit Anfang dieses Jahres haben „Little Giants“ im Zuge der Normalisierung der Pandemieprävention und -bekämpfung gegen den Trend eine Wachstumsdynamik gezeigt.

FAZIT

Trotz des harten Wettbewerbs ist der chinesische Markt immer noch eine gute Wahl für multinationale Unternehmen, wenn sie sich auf langfristige und nachhaltige Entwicklungen konzentrieren. Die gesamte Wirtschaftsleistung Chinas macht mehr als 17 % der Weltwirtschaftsleistung aus, Tendenz steigend. Aber nicht nur bei Größe oder Wachstumsrate spielt der chinesische Markt eine zentrale Rolle. Er steckt voller Möglichkeiten und Vitalität. Die Vorteile von Chinas Wirtschaft zeigen sich in guten Geschäftsbedingungen, entwickelten Transport- und Logistiksystemen uvm. Nicht ohne Grund sind zahlreiche multinationale Unternehmen seit der Reform und Öffnung Chinas zu Teilnehmern aber auch Nutznießern der kräftigen wirtschaftlichen Entwicklung geworden. Arnold Gertner, Vorstandsvorsitzender des deutschen Textilmaschinenherstellers Karl Mayer Group, hat dazu einmal gesagt, dass der Erfolg von Karl Mayer in den vergangenen 15 Jahren maßgeblich von China abhängig war. China ist schlißelich auch das fünfte Jahr in Folge Deutschlands wichtigster Handelspartner. Ob der „Hidden Champion“ auch in Zukunft „führend“ bleiben kann, mag auch an seinen Ergebnissen in China liegen.

 

Wir glauben, dass chinesische „SFPI SMEs“ im Prozess des Lernens von deutschen Hidden Champions immer besser werden und sich gleichzeitig auch die Zusammenarbeit mit Deutschland in diesem Entwicklungsprozess weiter intensivieren wird. Dem wirtschaftlichen Austausch und der wirtschaftlichen Entwicklung zwischen China und Deutschland wird all dies einen großen Schub geben.

Teil 1: Chinas „Hidden Champions“ fordern deutsche Marktführer heraus

China and Germany flags on chess pawns on a chessboard. 3d illus

99 % der deutschen Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen. Entsprechend beherbergt Deutschland zwar nur 28 der Top-500-Unternehmen der Welt, aber 46 % der kleinen Marktführer. Gemessen am Marktanteil sind kleine und mittelständische Familienunternehmen wie Krones und Webasto Global Player. China lernt von diesen markführenden Unternehmen und baut ein eigenes starkes Netz von Champions bei kleineren und mittleren Unternehmen auf.

Damit ein Unternehmen sich zum Hidden Champions qualifiziert, muss es drei Kriterien erfüllen:

  1. Nummer eins, zwei oder drei auf seinem globalen Markt sein
  2. einen geringen Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit haben
  3. weniger als 5 Mrd. USD umsetzen.

In Deutschland gibt es mehr solcher Champions als in jedem anderen Land. Gleichzeitig besitzen laut deutschen Medienberichten derzeit mehr als die Hälfte der deutschen „Hidden Champions“ eigene Niederlassungen in China. 60 % davon sind Produktionsstandorte in China, die restlichen 40 % Vertriebs- und Servicegesellschaften. Laut dem Mittelstandsexperten Prof. Simon werden deutsche „Hidden Champions“ nach 30 Jahren Exportboom nun stark durch chinesische Unternehmen herausgefordert. Hauptgrund dafür ist, dass China von deutschen „Hidden Champions“ lernt und aktiv den Aufbau von „Spezialized, Fined, Peculiar and Innovative SMEs (SFPI SMEs)“ und „Manufacturing Single Champions (MSC)“ fördert.

So hat die chinesische Regierung den „SFPI SMEs“ in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit geschenkt hat. Dafür hat das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) vorgeschlagen, dass China während des Zeitraums des „14. Fünfjahresplans“ 100.000 „SFPI SMEs“ auf Provinzebene gründen wird und weitere 10.000 Marktführer unter den „SFPI SMEs“, sogenannte „Spezialized, Fined, Peculiar and Innovative Little Giants“ (im Weiteren als „Little Giants“ bezeichnet) etablieren will. Bis Ende Juli 2021 hatte das MIIT insgesamt drei Chargen mit Listen von „Little Giants“ veröffentlicht. In die engere Wahl dafür gezogen wurden im ganzen Land insgesamt 4.762 Unternehmen.

Learnings von Deutschlands Hidden Champions

Mit jeweilig mehr als 260 „Little Giants“ liegen Peking und Shanghai weit vor anderen Städten, wie man   aus der Stadtverteilung der 4.762 „Little Giants“ ersehen kann. Mehr als 100 „Little Giants“ gibt es in Ningbo, Shenzhen, Tianjin, Chongqing und Chengdu. Gleichzeitig ist die Kultivierung von „Little Giants“ immer noch in vielen Städten mit einem BIP von über CNY 1 Billion nicht besonders ausgeprägt.

Bild1_Geografische-Verteilung-von-little-Giants
Abbildung 1: Geografische Verteilung von „Little Giants“
Datenquellen: MIIT (bis zu Ende Juli 2021)

Mit einem tieferen Verständnis der Erfolgsgründe und -faktoren der deutschen Hidden Champions könnte man nun die Kultivierung hochwertiger „Little Giants“ beschleunigen.

Rückgang der Verarbeitungsindustrie

Aufgrund der Globalisierung, also des offenen Handels, der niedrigen Arbeitskosten in den Entwicklungsländern und des fließenden globalen Kapitals, hat die Verarbeitungsindustrie in den Vereinigten Staaten und den meisten europäischen Ländern begonnen zu schrumpfen. In vielen Industrieländern haben Unternehmen ihre Fertigung allmählich aufgegeben und sich wissens- und dienstleistungsbezogenen Branchen zugewandt. Dabei haben sich deutsche Produktionsunternehmen allerdings ihre Wettbewerbsfähigkeit in der Welle der Globalisierung bewahrt, insbesondere die deutschen Hidden Champions, die zu einer Benchmark für die KMU auf der Welt geworden sind. Der Erfolg der deutschen Hidden Champions hängt dabei eng mit ihrer Organisationsstruktur zusammen.

Der erste wichtige Faktor dafür ist die Organisationsform Familienunternehmen, die den meisten KMU in Deutschland zu eigen ist. Sie gehen weder an die Börse noch erhalten sie Fremdfinanzierung. Die Familienunternehmer bzw. Eigentümer besitzen ein hohes Maß an Autonomie und Unabhängigkeit. Da sie nicht unter dem Druck externer Aktionäre hinsichtlich kurzfristiger Rentabilität, Marktwert, usw. stehen, planen und treffen sie Entscheidungen mit einer längerfristigen Perspektive.

Zweitens sind die meisten Hidden Champions in Deutschland mit einem flachen Management organisiert, Unternehmensentscheidungen können sehr flexibel und effizient getroffen werden.

Drittens pflegt der Geschäftsinhaber eine enge Beziehung zu den Mitarbeitern. Die Mitarbeiterbindung ist hoch, die Fluktuationsrate äußerst gering. Die Mitarbeiter haben in der langjährigen Arbeit des Unternehmens viel Erfahrung und Technologie-Knowhow gesammelt.

Viertens können KMU wegen der guten Lehrlingsausbildung in Deutschland auf eine große Zahl hochqualifizierter Arbeiter und Techniker für KMU zurückgreifen. Die Löhne deutscher Arbeiter und Techniker sind zwar deutlich höher als in Entwicklungsländern, dafür ist aber auch ihre Arbeitsproduktivität extrem hoch, wodurch Niedriglohnarbeit in Entwicklungsländern gegenüber den höheren Löhnen bei aber höherer Produktivität keine Vorteile mehr bietet.

Fünftens nehmen deutsche KMU den internationalen Markt aktiv wahr und sind gut darin, externe Chancen zu entdecken und zu ergreifen.

Neben den oben genannten Faktoren liegt vermutlich der Hauptgrund für den Erfolg der deutschen KMUs darin, dass sie sich auf Innovation und technologischen Fortschritt konzentrieren, die Produktionsqualität kontinuierlich verbessern und so ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt erhalten. Insbesondere erhalten deutsche Unternehmen auch staatliche Förderung und kooperieren gleichzeitig mit Forschungseinrichtungen oder Universitäten. Dadurch haben sie eine Vorreiterrolle in innovativer Forschung und Entwicklung übernommen.

China bei Innovationen auf dem Vormarsch

Ein Trend ist nun bemerkenswert: Obwohl chinesische Unternehmen langsamer starten, gehen chinesische Unternehmen im Unterschied zu deutschen „Hidden Champions“ früh an die Börse und investieren dann die am Kapitalmarkt erhaltenen Mittel in Wachstum und F&E. Von den 4.762 chinesischen „Little Giants“ sind bereits 311 als A-Aktien notiert. Entsprechend wachsen chinesische Unternehmen oft schneller als ihre deutschen Pendants, und die Zahl der F&E-Mitarbeiter ist vier- bis fünfmal so hoch wie bei deutschen Unternehmen gleicher Größe. Gleichzeitig meldet China jedes Jahr mehr als eine Million Patente an.

Bild2_Branchenverteilung-von-little-Giants
Abbildung 2:Branchenverteilung von „Little Giants“
Datenquellen: Zero2IPO Group (bis zu Ende 2021)
Bild3_Branchensegmentenverteilung-von-little-Giants
Abbildung 3: Branchensegmentenverteilung von 311 „Little Giants“, die an A-Aktien notiert sind
Datenquellen: MIIT (bis zu Ende Juli 2021)

Auf der anderen Seite können chinesische Unternehmen immer noch viel von den Erfahrungen der deutschen Hidden Champions lernen. Neben der Notwendigkeit zur Verbesserung der Bedingungen bei Kapital, Technologie und Talenten muss die chinesische Regierung auch ein Geschäftsumfeld schaffen, das für die Entwicklung „innovativer KMU“ geeignet ist. Forschung und Entwicklung bei KMU unterliegen nicht der Entwicklungslogik reifer Unternehmen. Das von KMU geforderte politische Dienstleistungsumfeld unterscheidet sich ebenfalls von dem bei reifen Firmen. In vielen Regionen Chinas erwirtschaften staatseigene und große Unternehmen einen hohen Anteil am Produktionswert und Gewinn. Das System und der Mechanismus der staatlichen Dienstleistungsorganisation eignen sich relativ gut für die Entwicklung solcher großen Unternehmen, aber bei der Erfüllung der Bedürfnisse kleiner und mittlerer innovativer Unternehmen gibt es eine große Lücke. Das wiederum hat die Regierung in China bereits erkannt.

Wie China konkret den Aufbau von Hidden Champions fördert, erläutern wir in „Teil 2: Chinas „Hidden Champions“ fordern deutsche Marktführer heraus“.