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Bringt der Hase, was er verspricht?

Deutschland China CAI

In wenigen Tagen wird der Tiger vom Hasen davongejagt. Was so unglaublich klingt, geschieht in der Nacht zum 22. Januar: Das Jahr des Hasen löst das Jahr des Tigers ab.

Hasen sind, so heißt es, talentiert, umsichtig, ehrgeizig, auch elegant. Auf Eleganz lässt sich verzichten, wenn es gelingt, das neue Jahr mit Talent und Ehrgeiz zu gestalten, und umsichtig zu handeln.

Nach dem unerwarteten und abrupten U-Turn in der chinesischen Corona-Politik Anfang Dezember und der kompletten Wieder-Öffnung des Landes 30 Tage später ist die Zeit gekommen, erneut durchzustarten, anzuknüpfen an Altem, sich aber auch dem veränderten internationalen Umfeld zu stellen. Lieferketten müssen wieder funktionieren, der persönliche Austausch muss wichtiger als Video-Calls werden, um Unstimmigkeiten schneller aus dem Weg zu räumen und Gemeinsamkeiten zu finden. Dialog mit – und nicht übereinander – das sollte in den Mittelpunkt gerückt werden. Im Kleinen wie im Großen. Im alltäglichen Geschäft wie in der sogenannten „großen“ Politik. Vertrauen muss wiedergewonnen, Zuversicht gestärkt werden.

So sollten wir, in das Jahr des Hasen startend, zuallererst gegenseitige Schuldzuweisungen hintanstellen. Keinem hilft, den anderen zu belehren, was „wissenschaftlich begründet“ oder was „nicht angemessen“ ist. Dass die Pandemie noch nicht vorbei ist, auch wenn sie hier und da bereits als endemisch betrachtet wird, sollte allen klar sein. Es bleibt ein Vor und Zurück. Vorkehrungen zu treffen, damit wir nicht wieder im Jahr 2020 landen, ist nur zu selbstverständlich. Überall auf der Welt. Nachdem die Chinesen vergangenes Jahr fast täglich zum PCR-Test „getrieben“ wurden, dürfte es auch keine große Hürde sein, sich vor dem Besteigen eines Flugzeuges testen zu lassen, letzten Endes zur eigenen Sicherheit. Darüber lamentieren – wozu? Ab und an ist es besser, einmal zu schweigen.

Denn entscheidend ist, dass Geschäftsleute wieder zusammenkommen können, ob in China oder Europa. Entscheidend ist, gemeinsam Ideen zu entwickeln, um die Herausforderungen der Zeit zu lösen. Entscheidend ist auch, Strategien zu formulieren, die nicht darauf zielen, einen Konkurrenten auszuschalten. Es muss darum gehen, die Kraft des Wettbewerbs zu nutzen, um Stärken zu stärken, gemeinsam im gemeinsamen Interesse. Politische Entscheidungen, die einschränken, anstatt Kräfte zu entfesseln, schaden nicht nur der Wirtschaft, sondern gefährden auch den gesellschaftlichen Wohlstand. Sogenannte wertebasierte Wirtschafts- und Außenpolitik sollte immer auch berücksichtigen und akzeptieren, dass Werte anderswo anders betrachtet werden.

Globalisierung mag manchem als gescheitert erscheinen, in die Tage gekommen. Doch wer sich oder andere abkoppelt, manövriert sich nur ins Abseits. Die Globalisierung muss auf neue Füße gestellt werden, innovativer werden. Kein exklusiver Club, sondern ein Modell internationalen wirtschaftlichen Handelns, an dem jedes Land partizipiert – und profitiert.

Illusorisch wäre es zu glauben, nach drei Jahren Pandemie dort fortsetzen zu können, wo Ende 2019, Anfang 2020 vieles zum Stillstand gekommen ist. Nein, der Hase muss schon große Sprünge im neuen Jahr machen. Möge er aber nicht zu viele Haken schlagen –damit es ein gutes Jahr wird.

Peter Tichauer ist ausgewiesener China-Experte. Nachdem er mehr als 20 Jahre das Wirtschaftsmagazin ChinaContact aufgebaut und als Chefredakteur geleitet hat, ist er seit 2018 im Deutsch-Chinesischen Ökopark Qingdao (www.sgep-qd.de) für die Kommunikation mit Deutschland verantwortlich.

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Schon unsere brandneue Jahresausgabe ‚Anleihen 2022‘ (11. Jg., Erscheinungstermin Dez 2022) gesehen?

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! Neu ! Investment Guide 2023 erschienen

Was aktuell im deutsch-chinesischen Investmentgeschehen wichtige Entwicklungen sind, dafür liefert Ihnen unser jährlicher Investment Guide 2023 mit vielen Experten-Beiträgen und -Analysen Antworten.

Hier können Sie ihn schon vorab als digitale Version erhalten, zum Chinese New Year Ende Januar erscheint er in einer nochmals erweiterten Version wie gewohnt als gedruckte Auflage.

Für 2023 zeigen sich am M&A-Horizont Signale für eine vermehrte chinesische Beteiligungsaktivität in Deutschland. Allen voran dürfte die Öffnung Chinas nach dem Lockdown (‚Null-Covid-Strategie‘) positiv wirken, aber auch das ungebrochene Interesse chinesischer Unternehmen an deutschen Targets in Branchen wie Industrie, Gesundheit oder Chemie.

Der Kauf eines Bereichs von ams-OSRAM durch Inventronics aus Hangzhou oder der Kauf der Krüger & Sohn GmbH durch die Sinoseal Holding sind nur zwei der Beispiele dafür aus diesem Jahr. Die M&A Aktivitäten deutscher Unternehmen in China hingegen erreichen gar trotz schwieriger politischer Stimmung gegenüber China nahezu Rekordniveau, allen voran sei die Milliardenbeteiligung von VW bei CARIAD Horizon Robotics genannt.

Was sind nun für das kommende Jahr die wichtigen Faktoren und Rahmenbedingungen im deutsch-chinesischen Investmentgeschehen? Den vertiefenden und hoffentlich erhellenden Blick dafür finden Sie im neuen Investment Guide 2023.

Aus dem Inhalt des Investment Guide 2023

US-Gesetzesvorhaben bedroht deutsche Chinainvestitionen
– Was für China als Standort spricht: Innovationen, Talentpool und Infrastruktur
Lieferketten China-Deutschland: Probleme, Trends, Chancen für Unternehmen und Investoren
Rechtstrends 2023 für Unternehmen, Investitionen und HR
– deutsch-chinesischer M&A Korridor – quo vadis?
– Herausforderungen für Investitionsvorhaben in China: Investoren bekommen Zollbefreiungen und Steuererleichterungen
– Interview „Der M&A-Markt hat bei chinesischen Investoren Nachholbedarf“
– Interview „Ich glaube an mehr chinesische Investitionen in Deutschland“
Joint Ventures als Königsweg für den Gang in den chinesischen Markt
– Unternehmen in China 2023 starten: von China aus in den Weltmarkt
Compliance Tools in China: Softwarelösungen und Hinweisgebersysteme
– wichtige Werkzeuge, die man im Chinageschäft kennen sollte
– Interview „Lokale Wertschöpfungsketten gewinnen in China an Bedeutung
Top-Five-Herausforderungen für die China-Asien-Expansion
Zahlungsverkehrslösungen zwischen China und Deutschland
Währungsabsicherung bringt Planungssicherheit bei Transaktionen
– Rückschritt nach vorne? Expertenumfrage zur Einschätzung der deutsch-chinesischen Investitionen 2023

! Link zum e-Magazin – bitte hier klicken !

Dieses und anderes mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Investment Guide 2023. Das e-Magazin zum interaktiven Durchblättern kann natürlich auch als pdf heruntergeladen werden – über Weiterleitungen des Links freuen wir uns genauso wie über Interaktionen in den üblichen Social-Media-Kanälen !

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Cross-Media-Empfehlungen:

Schon die brandneue Jahresausgabe ‚Anleihen 2022‘ (11. Jg., Erscheinungstermin Dez 2022) gesehen? – bequem als pdf zum Downloaden, teilen oder weiterleiten.

Die Ausgabe 3/2022 Biotechnologie 2022 der Plattform Life Sciences ist da. Die Ausgabe kann bequem als e-Magazin oder pdf durchgeblättert oder heruntergeladen werden.

Post M&A-Restructuring: Herausforderung für chinesische Investitionen

Symbolbild. Gavel und Geld.
Quelle: Adobe Stock © thodonal

Chinesische Investitionen in deutsche Unternehmen erfolgen für gewöhnlich durch den Erwerb von Geschäftsanteilen/Aktien und/oder Finanzierungen durch Ausreichung von Darlehen. Gerät die Zielgesellschaft in die Krise, gefährdet dies den Wert der Beteiligung und der Darlehensrückzahlungsansprüche, denn die Gesellschafterdarlehen sind typischerweise nachrangig. Neben dem Verlust des Investments können sich auch noch Haftungsfolgen für den chinesischen Investor sowie den chinesischen Geschäftsführer ergeben.

Verlust des Investments

Das deutsche Insolvenzrecht kennt als oberste Maxime die bestmögliche Gläubigerbefriedigung. Wenn einmal das Insolvenzverfahren eingeleitet worden ist, richtet sich die Entscheidung, ob das Unternehmen liquidiert oder fortgeführt wird oder die Assets des Unternehmens als Going Concern verkauft werden können, danach, welcher Weg für die bestmögliche Gläubigerbefriedigung der vorzugswürdige ist. In dieser Hinsicht sind besonders Situationen gefährlich, in denen der chinesische Investor Gesellschaftsanteile erwirbt und zugleich Gesellschafterdarlehen ausreicht. Im Insolvenzverfahren der deutschen Zielgesellschaft sind Gesellschafterdarlehen nachrangig: Sie werden erst bedient, wenn alle gesicherten und einfachen Insolvenzgläubiger vollständig befriedigt wurden.

Insolvenzanfechtungen von Rückzahlungen von Gesellschafterdarlehen

Darüber hinaus sind auch Zahlungen, die ein Gesellschafter aufgrund eines Gesellschafterdarlehens im Zeitraum von einem Jahr vor der Stellung des Insolvenzantrags erhalten hat, durch den Insolvenzverwalter anfechtbar und müssen in die Insolvenzmasse zurückgeführt werden. Noch weiter zurück reicht die Insolvenzanfechtung von Sicherheiten, die ein Gesellschafter für ein Gesellschafterdarlehen erhalten hat – hier beträgt die Anfechtungsfrist sogar zehn Jahre. Die konkrete Ausgestaltung des Ausreichens von Gesellschafterdarlehen sowie deren Rückzahlungen kann entscheidend sein, um die Haftungsfolgen zu minimieren. So kann es z.B. besser sein, wenn der Gesellschafter erst auf die Sicherheit verzichtet, bevor ein Darlehen zurückgezahlt wird.

Ein Gesellschafter muss auch stets zahlen, wenn er einem Dritten für dessen Darlehen eine Sicherheit gestellt hat – sei es durch Mithaftung, Bürgschaft, Sicherungsübereignung oder andere Personal- oder Realsicherheiten. Diese Haftung des Gesellschafters gilt im Ergebnis unabhängig davon, ob die Gesellschaft den Dritten im Zeitraum von einem Jahr vor dem Insolvenzantrag befriedigt hat oder ob die Gesellschaft dazu nicht mehr in der Lage war.

Vorsicht ist auch bei der Ausreichung von Darlehen und Sicherheiten durch konzernverbundene Unternehmen geboten, die nicht selbst direkt Gesellschafter sind, denn nicht nur der Gesellschafter selbst ist von den erwähnten Regelungen betroffen, sondern auch mit ihm horizontal oder vertikal verbundene Unternehmen.

Schuld bei der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung

Ebenso birgt das ungeprüfte Ausreichen von (weiteren) Darlehen durch den chinesischen Investor in der Krise des deutschen Zielunternehmens nicht unerhebliche Risiken. Ein Darlehensgeber kann sich unter Umständen der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung schuldig machen, wenn die Gesellschaft im Zeitpunkt der Darlehensvergabe insolvenzreif war, der Darlehensnehmer dies wusste oder sich leichtfertig der entsprechenden Erkenntnis verschloss und so das Hinausschieben des gebotenen Insolvenzantrags bewirkt oder geduldet wird. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich für den chinesischen Investor, umfassende Informationen einzuholen und sorgfältige Dokumentationen anzufertigen, damit im späteren Streitfall die finanzielle Situation des Zielunternehmens sowie die Intentionen des chinesischen Gesellschafters nachvollziehbar und belegbar sind.

Haftung des Gesellschafters aus Patronatserklärungen

Einen Durchgriff auf das Vermögen des chinesischen Gesellschafters sieht das deutsche Recht bei Kapitalgesellschaften per se nicht vor. Eine Haftung des chinesischen Investors für Verbindlichkeiten des deutschen Zielunternehmens kann aber aus vertraglichen Regelungen resultieren, insbesondere aus Unternehmensverträgen und Patronatserklärungen. Gerade Letztere werden oftmals unüberlegt und weder in zeitlicher noch betragsmäßiger Begrenzung ausgereicht. Häufig werden sie auch „vergessen“ und nicht beseitigt, wenn die Gesellschaft sie eigentlich nicht mehr benötigt. Im Insolvenzfall sind sie für den chinesischen Investor besonders riskant, zumal eine Kündigung erstens zulässig sein muss und zweitens nur für die Zukunft Wirkung hat. Zu empfehlen ist daher, Patronatserklärungen z.B. nur für die Geltung jeweils eines Jahres und idealerweise der Höhe nach begrenzt auszureichen, damit stets neu und bewusst entschieden werden kann, ob und in welchem Umfang die deutsche Zielgesellschaft finanziell gestützt werden soll.

Herausforderungen für chinesische Geschäftsführer

Zusätzliche Risiken bestehen dann, wenn auch die Geschäftsführung durch den chinesischen Investor besetzt wird. Nach dem deutschen Insolvenzrecht obliegt der Geschäftsführung durchgängig die Pflicht zur Überprüfung einer etwaigen Insolvenzantragspflicht. In der Krise und späteren Insolvenz kann dabei häufig eine Art Generalverdacht bestehen, dass die Geschäftsführung nur oberflächlich und fehlerhaft durchgeführt worden ist, wenn der Geschäftsführer seinen Sitz im Ausland hat und typischerweise nicht immer vor Ort am Sitz der Gesellschaft tätig ist. Es können sich persönliche Haftungsrisiken ergeben, insbesondere wegen Insolvenzverschleppung, Zahlungen ab Eintritt der Insolvenzreife, Nichtabführen von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern sowie Eingehungsbetrugs, wenn klar ist, dass das Unternehmen einen Vertrag durchzuführen nicht mehr imstande sein wird. Eine Inanspruchnahme von – auch ausländischen – Geschäftsführern scheuen die Insolvenzverwalter nicht. D&O-Versicherungen bieten hierbei ebenfalls keinen umfassenden Schutz.

Dabei trifft die persönliche Pflicht zur Insolvenzantragsstellung (so denn eine solche zu bejahen ist) jeden einzelnen Geschäftsführer oder Vorstand, unabhängig von statutarischen Vertretungsregelungen, internen Geschäftsverteilungsplänen oder Ressortverantwortlichkeiten. Nötigenfalls muss der einzelne Geschäftsführer oder Vorstand den Insolvenzantrag allein stellen; weder ist eine Zustimmung des Gesellschafters dabei erforderlich noch befreit eine Gesellschafterweisung vom Befolgen der Antragspflicht.

Gerade einem chinesischen Geschäftsführer, der vielleicht nicht dauerhaft vor Ort ist, fällt die Überwachung der Insolvenzantragspflichten aber oftmals schwer. Zum Teil liegt die Schwierigkeit an mangelnder Kenntnis der tatsächlichen Finanzlage der Zielgesellschaft – schließlich überlässt der chinesische Investor häufig der deutschen Geschäftsführung einen wesentlichen Teil des täglichen Managements nach der Transaktion. Zudem sind einem chinesischen Geschäftsführer solche Überwachungspflichten zur Vermeidung der Insolvenz häufig auch unbekannt. Ihnen fehlt darüber hinaus meistens auch die entsprechende Erfahrung, wie ein entsprechender Insolvenztest technisch umzusetzen ist. Die aus der Pflichtverletzung resultierende Haftung kennen sie regelmäßig nicht.

China führt staatlich kontrollierte NFT-Plattform ein

Seit 2019 ist der Handel mit Kryptowährungen in China untersagt. Doch führte China nun eine natürlich staatliche kontrollierte NFT-Plattform ein. Von Jacqueline Lehmann*

Und das, obwohl die digitalen Sammlerstücke wie Kryptowährungen auf der Blockchain verwaltet werden. Um den Handel mit NFTs besser zu regulieren, hat die Regierung zu Beginn des Jahres einen NFT-Marktplatz eingeführt. Und dieser unterliegt staatlicher Kontrolle. Trotzdem scheint es ein Fortschritt für die Krypto-Welt in China zu sein. Welche Änderungen werden durch die neue Plattform entstehen? Welche Ziele sollen erreicht werden? Und hat der NFT-Marktplatz wirklich Potenzial oder wird er bald ebenfalls verboten werden?

Die NFT-Plattform

Non-Fungible Token (NFT) werden in China als digitale Sammlerstücke bezeichnet. Obwohl Kryptowährungen dort als Besitz in Form virtuellen Eigentums anerkannt werden, ist der Handel damit verboten. Das ist auch der Grund für die staatliche Kontrolle der neuen Plattform. So können NFTs auf dem Marktplatz einzig und allein mit Fiat-Geld (Geld aus dem Nichts = Zentralbankgeld) erstanden werden und nicht wie im Normalfall mit Kryptowährungen.

Bildquelle: Adobe Stock; © Eisenhans

Erst vor kurzem wurden NFTs von dem chinesischen Internetgericht Hangzhou als virtuelles Eigentum eingestuft. Der neue Marktplatz nennt sich China Digital Asset Trading Platform. Neben dem NFT-Handel sollen hier auch Geschäfte mit anderen digitalen Assets durchgeführt werden können. Die staatliche chinesische Technologiebörse, das staatliche Art Exhibitions China, sowie das private Unternehmen Huaban Digital Cobyrights Ltd. arbeiten hier zusammen. Außerdem findet eine Zusammenarbeit mit dem Finanzinstitut Zhongrong Global Holdings statt. Die Blockchain China Cultural Protection Chain hält als die Basis der Plattform hin. Im Gegensatz zu herkömmlichen Blockchains benötigt diese keine Erlaubnis.

Die Kulturindustrie vorantreiben

Die Einführung der neuen NFT-Plattform ist ein Teil von Chinas nationaler kultureller Digitalisierungsstrategie. Damit betritt das Land einen Schritt weiter den Krypto-Sektor. Das Ziel des NFT-Marktplatzes soll ein Vorantrieb der Kulturindustrie Chinas sein. In Zukunft sollen auch Museen und Kulturzentren NFTs für sich nutzen können, so das Chinese Cultural Relics Exchange Institut, das an der Blockchain-Entwicklung beteiligt war. Die digitalen Sammlerstücke können nämlich auch als Kunstwerke betrachtet werden.

© zapp2photo

Chinas Krypto-Vergangenheit

Gründe für das Mining-Verbot, das seit 2021 in China herrscht, sind mögliche Risiken bezüglich Geldwäsche oder anderen illegalen Machenschaften. Folglich entschied sich, dass die Einsicht der Transaktionen der Einwohner über digitales Zentralbankgeld (CBDCs) erfolgen soll, wie z.B. dem digitalen Yuan – der Währung Chinas. Seit Mining verboten wurde, können Server-Farmen nicht mehr innerhalb des eigenen Landes arbeiten und es unterstützen. Das Verbot hatte seinen Ursprung in der Anonymität und Dezentralität der Blockchain. Die Miner zog es infolgedessen in anderen Regionen.

Nachbarstaaten wie die Mongolei und Kasachstan haben beispielsweise den Vorteil, dass dort recht niedrige Strompreise herrschen. Und in Texas können die Kapazitäten zu einem festen Preis von den Stromanbietern erworben werden. Grund dafür ist die Abkopplung des restlichen US-Stromnetzes. Für Miner sind niedrige Strompreise essenziell, da das Schürfen mit großen Rechenleistungen und Stromverbrauch verbunden ist. Aufgrund des Mining-Verbotes sanken die globale Hashrate sowie die Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerkes in China. Zusätzlich findet Mining teilweise geheim statt, wobei die Schürfer-Aktivitäten durch die Verwendung vorhandener Hardware verborgen werden. Motivierte Miner lassen sich demnach trotz drohender Strafen nicht von ihrer Arbeit abhalten.

Muss man mit einem Verbot des Marktplatzes rechnen?

Bei vielen Krypto-Enthusiasten ist Misstrauen infolge von Chinas Krypto-Vergangenheit weiterhin vorhanden. Schließlich wurde all das verboten, worüber der Staat keine Kontrolle hatte, obwohl das nicht dem Sinn hinter Krypto entspricht. Krypto-Handel sollte eigentlich anonym ablaufen und Anleger nicht die Größe ihrer Besitztümer angeben müssen. Die Einstellung Chinas hat sich in der Vergangenheit schon einmal von jetzt auf gleich verändert. So befürchten einige Anleger dies nun auch für die neue NFT-Plattform. Derzeit ist die staatliche Kontrolle zwar vorhanden, doch trotzdem ist ein weiteres Verbot in Zukunft möglich. Man sollte die Plattform demnach so lange wie möglich nutzen und genießen.

Jacqueline Lehmann

Fazit

Mit der Einführung des NFT-Marktplatzes macht China einen weiteren Schritt in den Krypto-Sektor. Da viele Gegebenheiten in Bezug auf Krypto jedoch in der Vergangenheit verboten wurden, sorgen sich Anleger nun auch um ein NFT-Handels-Verbot. Und diese Sorge ist berechtigt. Denn die Regierung in China will stets alles unter genauer Kontrolle haben. Eine Änderung der Regeln und Gesetze könnte es jederzeit geben. Daher ist wichtig, die Plattform so lange für sich zu nutzen, wie es geht.

*) Jacqueline Lehmann ist CEO der Ledger21 AG, einer Tochtergesellschaft der Green Capital & Beteiligungen AG.  https://www.greencapital-b.ch/

China könnte im Jahr des Hasen durchstarten

China könnte nach einem wirtschaftlich schwierigen Jahr und schlechter Stimmung an den Börsen vor Erholung und Wiederaufschwung stehen. Von Jimmy Chen*

Für die chinesischen Aktienmärkte war 2022 das zweite schwierige Jahr in Folge, bedingt durch Chinas strikte Null-Covid-Strategie, das harte Durchgreifen der Regulierungsbehörden gegen Unternehmen sowie die eskalierenden geopolitischen Spannungen. Gegen Ende des Jahres zeichnete sich allerdings ein grundlegender Wandel ab: Die chinesische Regierung hob die meisten ihrer Covid-Beschränkungen auf, die Industriepolitik wurde wieder unternehmensfreundlicher und es wurden einige Fortschritte bei der Eindämmung geopolitischer Spannungen erzielt. Zudem wird erwartet, dass die Inflationsrate in China moderat bleibt, so dass die makroökonomische Politik weiterhin locker bleiben kann.

Gute Voraussetzungen für starke Performance

Unserer Ansicht nach dürfte das Jahr 2023 von einer Wachstumsbeschleunigung und einer Erholung der Anlegerstimmung geprägt sein. Die KGV-Bewertung chinesischer Aktien ist im historischen Vergleich nach wie vor günstig.1 Daher sind wir der Meinung, dass chinesische Aktien im Jahr des Hasen die Voraussetzungen für eine starke Performance haben.

Im Jahr 2022 waren die Null-Covid-Maßnahmen der chinesischen Regierung die größte Belastung für das Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen. Ab dem 8. Januar 2023 wurden jedoch alle verbleibenden Covid-Beschränkungen aufgehoben. Die schlechte Nachricht ist, dass dadurch das Tempo der Covid-Infektionen rasant ansteigt und das Gesundheitssystem überlastet wird.2 Dafür wird China den Höhepunkt der Infektionen voraussichtlich früher erreichen und die Wirtschaftstätigkeit sich schneller als erwartet erholen.

Unternehmensfreundliche Industriepolitik

Darüber hinaus ist die Industriepolitik unternehmensfreundlicher geworden. Dies zeigt sich etwa daran, dass das fast zweijährige harte Vorgehen gegen Tech-Plattformen anscheinend gelockert wird, wie der jüngste Abschluss der Kapitalerhöhung von Ant Financial zeigt.3 Auch die Vergabe von Glücksspiellizenzen wurde im April nach einem achtmonatigen Stillstand wieder aufgenommen, und die Unternehmen Tencent und Netease erhielten ab September ihre Genehmigungen.4 Die Regierung lockert auch die Vorschriften für Bauträger, nachdem die Bemühungen um einen Schuldenabbau zu einer Liquiditätskrise in der Branche geführt hatten. Auf makroökonomischer Ebene profitiert die Volkswirtschaft davon, dass die inländischen Lieferketten stabil geblieben sind und es zudem kein „Helikoptergeld“ gab, so dass die Inflation moderat ist und die Finanz- und Geldpolitik damit weiterhin locker bleiben kann.5

Stabilisierung der Beziehungen mit den USA

Die Beziehungen zwischen China und den USA haben sich zuletzt stabilisiert. Im November trafen sich der chinesische Präsident Xi Jinping und der US-Präsident Joe Biden zum ersten Mal als Staatsoberhäupter persönlich, um die Arbeitsbeziehungen wiederherzustellen.6 Ebenso wurde den Wirtschaftsprüfern des U.S. Public Company Accounting Oversight Board (PCAOB) von der chinesischen Aufsichtsbehörde im September in Hongkong endlich gestattet, Unterlagen zu US-amerikanischen Aktien-Hinterlegungsprogrammen (ADR) zu prüfen. Das PCAOB äußerte sich zufrieden zu den ersten Überprüfungen. Damit sank das Risiko erheblich, dass chinesische Unternehmen gezwungen sein könnten, ihre Börsennotierung in den USA aufzugeben.

China and Germany flags on chess pawns on a chessboard. 3d illusAll diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass Präsident Xi Jinping, wie andere chinesische Führer seit Deng, einen pragmatischen Ansatz verfolgt, um ein Gleichgewicht zwischen sozialer Stabilität und Wirtschaftswachstum herzustellen. Während es im Oktober zu einer schweren Marktpanik kam, nachdem Xi auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei als bislang erster Präsident für eine dritte Amtszeit wiedergewählt worden war, scheint diese Angst bisher unbegründet zu sein.

Unternehmen setzen zur Erholung an

Unsere Analyse legte nahe, dass die chinesischen Unternehmen, die von der Wiedereröffnung Chinas und von langfristigen Qualitätswachstumsfaktoren profitieren, für Aktienanleger im Jahr 2023 eine gewinnbringende Kombination darstellen könnten. Anta Sports, Suofeiya und Focus Media verfügen über diese Voraussetzungen; sie sind führend ihren Bereichen Sportbekleidung, maßgefertigte Möbel und Werbung aufgrund ihrer ständigen Innovationen und ihrer ständig wachsenden Präsenz.

*) Jimmy Chen ist Portfoliomanager des Comgest Growth China Fund

1 https://www.ft.com/content/7aac1c58-883e-45f6-95cf-21687f426cab
2 https://www.reuters.com/world/china/chinas-healthcare-system-put-test-covid-curbs-fade-2022-12-10/
3 https://www.cnbc.com/2023/01/04/ant-gets-approval-to-expand-its-consumer-finance-business.html
4 https://technode.com/2022/12/29/tencent-and-netease-secure-major-game-approvals-at-the-end-of-2022/
5 https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-12-18/china-hints-at-pro-business-push-smaller-fiscal-boost-in-2023
6 https://www.reuters.com/world/ahead-tense-g20-summit-biden-xi-meet-talks-2022-11-14/

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Chinas Rückkehr zur Normalität

Die chinesische Wirtschaft erholt sich rascher als erwartet – zurück zur Normalität also? Von Cosmo Zhang, Analyst Emerging Markets Fixed Income, Vontobel

China hat früher als erwartet wiedereröffnet, und obwohl die Corona-Infektionsraten in den meisten Städten ihren Höhepunkt erreichen, was sich kurzfristig auf die Wirtschaftstätigkeit auswirkt, rechnen wir damit, dass sich die Wirtschaft früher erholt als ursprünglich prognostiziert.

Die innerstädtische Mobilität ist bereits wieder auf etwa 75% des Niveaus vor der Pandemie gestiegen, zugleich lösten sich Logistikengpässe rasch auf. Während die U-Bahn-Passagierzahlen in 18 Städten 10–15% und die Verkehrsstaus in 46 Städten rund 25% unter dem Vor-Covid-Niveau blieben, stiegen der Bahn- und Straßengüterverkehr und der Warenumschlag in den großen Häfen in der vergangenen Woche stark an. Auch Inlands- und Auslandsreisen nahmen in den letzten Wochen mit der Rückkehr zum regulären Arbeitsleben deutlich zu.

Obwohl die große Covid-Welle abzuflachen scheint, besteht weiterhin Unsicherheit über zukünftige Infektionswellen oder neue Virusvarianten; nach dem chinesischen Neujahr am 22. Januar ist jedoch eine Rückkehr zur Normalität in den meisten Wirtschaftsbereichen wahrscheinlich.

Wirtschaftsaktivität dürfte sich rasch erholen

Unter Berücksichtigung saisonaler Effekte erwarten wir, dass sich die Wirtschaftsaktivität nach Februar erholen wird. Bedenken hinsichtlich möglicher Unterbrechungen der globalen Lieferketten halten wir für übertrieben, da das Risiko von Produktionsausfällen aufgrund der saisonal geringen Auslastung und auch der hohen Lagerbestände begrenzt ist. Wir sehen auch Produktionsengpässe und hohe Inflation nur als begrenzte Risiken. Unsicher sind wir aber hinsichtlich der Frage, wann und wie rasch sich das Konsumentenvertrauen, die Kaufkraft und Nachfrage insbesondere nach hochpreisigen Gütern wie Autos und Immobilien erholen werden.

Auf die Änderung von Chinas Politik ab Ende 2022 hin reagierten die wichtigsten Märkte positiv und fast alle Sektoren, insbesondere aber Fluggesellschaften, Gesundheitswesen, Immobilien und auch der Glücksspielsektor in Macau haben profitiert. Auch nach der jüngsten starken Kursrallye in der Region Greater China ist unser Ausblick für die nächsten sechs Monate positiv. Die chinesische Regierung wird alle Anstrengungen unternehmen, um das Wirtschaftswachstum im Jahr 2023 durch geld- und fiskalpolitische Maßnahmen anzukurbeln. Die Finanzierungsbedingungen werden sich erheblich verbessern, wobei die Inflation in Zukunft noch weiter steigen könnte.

Die Kombination aus der zunehmenden Mobilität und der Lockerung der Regulierungsvorschriften für die Sektoren Immobilien und Big-Tech deutet darauf hin, dass die Erholung früher und stärker als erwartet ausfallen könnte. Zwar dürften die Exporte und die Infrastrukturinvestitionen trotz staatlicher Unterstützung zurückgehen. Die Auflösung überschüssiger Ersparnisse aus der Pandemiezeit und die Wiederaufnahme der Aktivitäten kleiner und mittlerer Unternehmen kann aber die Beschäftigung und das Haushaltseinkommen fördern. Beides sollte das Konsumwachstum im Jahr 2023 ankurbeln.

Neue Normalität ?

Chinesische Hochzinsanleihen auch 2023 attraktiv

Früher oder später dürfte sich der Marktfokus von sinkender Inflation auf das Tempo des Wirtschaftswachstums verlagern. Bis dahin bestehen aber zunächst Unsicherheiten in Bezug auf Inflation und Zinsen.

Starke Kreditkennzahlen deuten darauf hin, dass Emittenten aus Schwellenländern gut positioniert sind angesichts eines sich fundamental eintrübenden globalen Umfelds. Wir glauben auch, dass der chinesische Immobiliensektor die Wende geschafft hat. auch wenn es bis zu einer nachhaltigen Erholung noch etwas dauern wird. Wir sind der Ansicht, dass die Anleihekurse immer noch günstig sind. Unsere Einschätzung für den Sektor ist daher weiter positiv.

Mehr über Vontobel Asset Management finden Sie auch hier bei Twitter

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„Should I stay or should I go?“*

Bildnachweis: Golib Tolibov – stock.adobe.com.

Kaum denkbar, dass die britische Punkrockband The Clash Ende 1981 an China dachte, als sie ihr Album mit dem Song „Should I stay or should I go“ veröffentlichte! Gleichwohl ist die Frage im Zusammenhang mit China mehr als aktuell. Ausgelöst durch den chinesischen Lockdown wie auch durch die anhand der Schiffskollisionen im Suezkanal sichtbar gewordenen Gefahren des Transports und nicht zuletzt durch die Auswirkungen des Ukrainekriegs stellt sich für Unter­nehmer und Investoren die Frage: „China – Bleiben oder Gehen?“

Diesen und weitere Artikel finden Sie in unserem neuen Investment Guide China / Deutschland – JETZT ALS E-MAGAZIN LESEN

Vorab: China ist aus unseren Augen viel zu wichtig, als dass es substituiert werden könnte. Decoupling und Diversifizierung hin oder her – bessere Alternativen zum chinesischen Markt mit seinem stetigen Wachstumspotenzial werden sich weder heute noch zukünftig leicht finden lassen. Der Anteil der Mittelschicht in China wird weiter steigen, die Kaufkraft wachsen und zu einer großen Nachfrage führen. Und mit dieser Mittelschicht wird China nicht nur viele Talente, sondern auch Innovationen hervorbringen.

Projected share of 25-34 year-olds with tertiary degree across OECD and G220 countries; Quelle: OECD

China treibt Innovationen voran

Zwischenzeitlich kommen vielerlei innovative Trends aus China, und auch die Talente als Treiber dafür. Der Talentpool, den Chinas Universitäten jedes Jahr hervorbringen, übertrifft den von deutschen und anderen westlichen Ländern bei Weitem. Während im 20. Jahrhundert Deutschland, die USA und andere Industrienationen von ihrem Vorsprung bei der Bildung profitierten, sieht es im 21. Jahrhundert zunehmend anders aus. China hat die USA bei Uniabsolventen bereits 2013 überholt. Etwa 17% aller Hochschulabgänger in den darauffolgenden Jahren waren bereits in China zu finden, verglichen mit 14% in den Vereinigten Staaten und Indien. Ein Blick auf die Prognose 2030 der OECD zeigt zudem die erwartete Dominanz von Chinas Talentpool.

Gut ausgebildete Mitarbeiter sind in China also mehr und mehr vorhanden oder Mitarbeiter können binnen Kurzem vor Ort ausgebildet werden. Gleichzeitig halten sich die Lohnkosten noch im Rahmen, jedenfalls dann, wenn nicht in oder sehr nahe an Ballungszentren produziert wird. Forschungs- und Entwicklungsarbeiten werden vor Ort auf das Großzügigste gefördert – zumindest in wichtigen Schlüsseltechnologiebereichen.

Quelle: https://bzintl.com

Wie sehr Innovation und innovatives Denken in China gefördert werden, zeigt sich auch bei den Patenten. Obwohl in China erst 1985 das erste moderne Patentgesetz in Kraft getreten ist, ist die Volksrepublik heute weltweit der größte Patentanmelder.

Mittlerweile hat China auch die dafür wichtige rechtliche Infrastruktur aufgebaut: Beispielsweise wurde 2014 wurde in Peking die erste auf geistiges Eigentum spezialisierte Justizbehörde geschaffen. 2021 gab es über 18 Gerichte und vier auf geistiges Eigentum spezialisierte Tribunale und insbesondere auch eine Kammer des Obersten Gerichtshofs, die ausschließlich auf Patentangelegenheit ausgerichtet ist.

Besserungen beim Datenschutz

Auch der den Deutschen so wichtige Datenschutz wird im Reich der Mitte nun beachtet und seine Verletzung kann empfindliche Strafen nach sich ziehen. Der chinesische Datenschutz sieht auch einen Schutz von persönlichen Informationen vor. Auf die Einhaltung des Datenschutzes prüfen die Behörden nicht nur ausländische, sondern auch prominente chinesische Unternehmen, z.B. den Fahrdienstleister DiDi. In diesem Fall wohl unvorbereitet, wurden doch zahlreiche Verstöße festgestellt und sanktioniert, etwa das unerlaubte Erfassen und Speichern von Screenshots von Mobilgeräten der Nutzer oder auch die Analyse der Reisepläne der Nutzer ohne deren vorherige Einverständniserklärung.

Quelle: Asia Briefing Ltd.

Hiesige Unternehmen mit Chinabezug gehen oft zu selbstverständlich davon aus, Datenschutz könne nur in Deutschland/der EU gelten, und übersehen so die lokalen chinesischen Bestimmungen.

Und auch beim Thema Bürokratie sollte sich das Verständnis wandeln: Manch einer, der in China die Bürokratie verflucht, wird sich bei seiner Rückkehr nach Deutschland über die vorsintflutliche Digitalisierung der deutschen Amtsstuben entrüsten und verwundert die Augen reiben, wie sich in den letzten 50 Jahren so wenig verändern konnte. Verglichen mit China dürfte Deutschland mittlerweile eher als Entwicklungsland gelten und muss dringend aufholen!

Vorbildliche Infrastruktur

In China kann man die Uhr nach den Zügen stellen, in Deutschland scheinen oft nur die Verspätungen sicher. Das effiziente Bahnsystem steht für die hervorragende Infrastruktur in der Volksrepublik: Flughäfen werden in Rekordzeiten gebaut, das erste eigene moderne chinesische Flugzeug wird demnächst in den regulären Betrieb genommen und E-Mobilität scheint eine chinesische Erfindung zu sein.

Die Investitionen in Infrastruktur sind enorm. Besonders interessant dabei ist für Investoren: Ein großer Teil der Infrastrukturinvestitionen fließt in Industrieparks und Transportinfrastruktur.

Dass deutsche Unternehmen indes bei öffentlichen Aufträgen in China nicht berücksichtigt werden, sollte uns animieren, die Situation genauer zu prüfen und Änderungen herbeizuführen. So könnte man beispielsweise auf politischer Ebene auf Reziprozität drängen, statt China deshalb den Rücken zu kehren!

FAZIT

China ist zu wichtig, als dass man sich dieses Geschäft entgehen lassen dürfte! Die vielen Talente, die hervorragende Infrastruktur und auch die zahlreichen Innovationen bergen auch für unsere Unternehmen große Chancen, daran zu partizipieren. Einzig sie müssen vor Ort sein und aktiv agieren, sonst wird es schwierig, die Gelegenheiten zu ergreifen.

You should stay.

www.roedl.de

* Eine Hommage an Keith Levene, Mitbegründer von The Clash, der am 12. November 2022 verstorben ist.

Joint Venture als Königsweg für die Investition in China

Bildnachweis: Blue Planet Studio – stock.adobe.com.

Wie viele Höhen und Tiefen China in den letzten drei Jahren im Hinblick auf die Pandemiebekämpfung auch erlebt hat, eines muss jeder anerkennen: Dieser riesige Markt erholt sich und öffnet sich wieder für die Außenwelt. Für Unternehmen, die ihre Basis in China neu aufbauen oder erweitern wollen, bleibt das Joint Venture in den meisten Fällen die beste Möglichkeit, die Marktchancen im Reich der Mitte zu ergreifen.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in unserem neuen Investment Guide China / Deutschland – JETZT ALS E-MAGAZIN LESEN

Seit der Verabschiedung der neuen chinesischen Gesetze für ausländische Investitionen im Jahr 2020 wurden die Hürden für den Eintritt ausländischer Unternehmen in China weiter gesenkt. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind einheitlicher geworden, sodass Unternehmen mit ausländischen Investitionen im Wesentlichen wie lokale Unternehmen behandelt werden können. Im Allgemeinen empfehlen wir ausländischen Investoren, sich in China durch die Gründung eines Joint Ventures niederzulassen, weil dies in vielerlei Hinsicht äußerst vorteilhaft sein kann. Vor diesem Hintergrund stellen wir ­einige der interessantesten und häufig ignorierten Themen für Investoren vor, die wir im Laufe der Jahre bei der Beratung zahlreicher Investoren zu Joint Ventures in China gesammelt haben.

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken. Quelle: Hoffmann Liebs

Was vor der Gründung eines Joint Ventures zu tun ist

Voraussetzung für ein erfolgreiches chinesisch-ausländisches Joint Venture ist ein Partner, der die gleichen Ziele verfolgt. Wir empfehlen ausländischen Investoren stets, ein Joint Venture mit einem chinesischen Geschäftspartner zu gründen, mit dem sie bereits über langjährige Erfahrungen verfügen. Sich ein vollständiges Bild von einem Unternehmen zu machen ist sehr schwierig und in einer einzigen Due-Diligence-Prüfung oft nicht möglich. Eine langjährige Zusammenarbeit mit einem potenziellen Joint-Venture-Partner hilft, die Geschäftsphilosophie des anderen zu verstehen. Allerdings werden das Geschäftskonzept oder die Geschäftsziele des Gemeinschaftsunternehmens bei den Verhandlungen über die Gründung oft nicht ausreichend berücksichtigt. Unterschiedliche Denkweisen führen dann im Alltag eines Joint Ventures zu vielen Konflikten, denn auch der Gewinn schweißt nicht alle zusammen. Falls notwendig, sollten das gemeinsame Geschäftskonzept und Verständnis füreinander sogar schriftlich vereinbart werden, z.B. durch die Unterzeichnung einer Absichtserklärung oder eines Memorandum of Understanding.

Wie Corona gezeigt hat, ist die direkte Kommunikation von Angesicht zu Angesicht für gegenseitiges Vertrauen wichtig. Häufig arbeiten Geschäftspartner viele Jahre zusammen, ohne sich je zu begegnen. Dies mag sich nicht signifikant auf den Geschäftsverkehr auswirken, aber wir legen bei der Prüfung von Joint-Venture-Partnern stets großen Wert auf persönliche Kontakte. Im Jahr 2023 wird es wieder möglich sein, jederzeit nach China zu reisen, und es ist wahrscheinlich, dass Investoren in naher Zukunft keine lange Quarantäne nach Einreise ertragen müssen.

Betrieb des Joint Venture

Der Erfolg eines Joint Ventures wird weitgehend in der Vorphase der Verhandlungen bestimmt. Alle Aspekte des Geschäfts sollten im Joint-Venture-Vertrag oder in der Satzung so detailliert wie möglich vereinbart werden, um die Möglichkeit künftiger Konflikte zu minimieren. Typische Fragen wie die jeweiligen Verantwortlichkeiten der Parteien für den Betrieb des Unternehmens, die Ernennung von Führungskräften in Schlüsselpositionen und der Schutz der Rechte von Minderheitsaktionären sollten im Voraus geklärt werden.

Quelle: Hoffmann Liebs

Viele deutsche oder ausländische Investoren werden nach China eingeladen, um mit ihren Geschäftspartnern Joint Ventures zu gründen. Da ein grundsätzliches Vertrauensverhältnis besteht, können die Parteien probeweise ein Joint Venture in einer eher vereinfachten Form gründen. So wird beispielsweise keine umfassende Joint-Venture-Vereinbarung unterzeichnet, kein detaillierter Gesellschaftsvertrag ausgearbeitet etc. Dies ist in der Praxis durchaus üblich. Geschäftsbeziehungen und die gemeinsame Führung eines Unternehmens sind jedoch zwei völlig verschiedene Themen. Ein vereinfachtes Unternehmenssystem führt häufig zu praktischen Schwierigkeiten bei der Führung. Darüber hinaus sind ausländische Investoren in der Praxis bisweilen nicht in der Lage, den Geschäftsbetrieb in China zu über­wachen, und können sich daher möglicherweise nicht auf vertragliche Vereinbarungen berufen und klare rechtliche Bestimmungen finden, wenn ihre Interessen beeinträchtigt werden. Dies ist für die gesunde Entwicklung eines Joint Ventures äußerst nachteilig. Denn gerade bei Joint Ventures gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Ausstiegsmechanismen

Ein sicherer Ausstiegsmechanismus ist von entscheidender Bedeutung – denn es geht nicht nur darum, dass ausländische Investoren aussteigen können, sondern auch darum, wie sie ihre legitimen Interessen während des Ausstiegsprozesses schützen und das Joint Venture mit einem Minimum an Aufwand beenden.

Wir sind auf allzu viele Fälle von Joint Ventures gestoßen, die nicht aufgelöst werden können. In China ist das Beenden eines Joint Ventures noch immer ein Problem, das nicht so einfach durch einen der Investoren gelöst werden kann, z.B. bei einem Firmenstillstand. Dies geht häufig mit der widerrechtlichen Aneignung von geistigem Eigentum, der Schädigung der Marktposition oder Handelsnamen beider Parteien einher. Die Auflösung eines Unternehmens wird noch komplizierter, sollten noch andere komplexe Sachverhalte vorliegen, etwa wenn eine Partei Sacheinlagen einbringt.

Das chinesische Gesellschaftsrecht enthält zwar einige besondere Bestimmungen für die Auflösung eines Unternehmens, aber wenn einer der Joint- Venture-Partner widerspricht, kann dies ein langwieriger Prozess sein. Viele der uns bekannten Gesellschaftsverträge oder Joint-Venture-Vereinbarungen geben lediglich die ursprünglichen Bestimmungen des Gesetzes wieder, was für den Schutz beider Investoren nur sehr begrenzt hilfreich ist. Das chinesische Recht erlaubt es den Parteien aber, individuelle Vereinbarungen über die Auflösung des Unternehmens zu treffen. Die Flexibilität bei der Anwendung der Parteivereinbarung, insbesondere im Hinblick auf die Beilegung einer Pattsituation im Unternehmen, ist eine Angelegenheit, die jeder Investor sorgfältig abwägen muss.

FAZIT

Damit ein Joint Venture erfolgreich wird, ist einiges zu beachten. Dem Joint Venture sollte möglichst eine langjährige Zusammenarbeit mit einem potenziellen Partner vorausgehen. Das Gelingen des Joint Venture wird weitgehend in der Vorphase der Verhandlungen bestimmt, wobei sich ein Joint Venture zunächst auch in einer vereinfachten Form durchführen lässt. In jedem Fall sollten alle Aspekte des Geschäfts in einem Joint-Venture-Vertrag oder in der Satzung so detailliert wie möglich vereinbart werden. Dazu zählen auch entsprechende Ausstiegsmechanismen. Wer die kritischen Faktoren frühzeitig beachtet, wird auch im Jahr 2023 in China von einem Joint Venture profitieren.

www.hoffmannliebs.de

Besser starten als warten

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Mit „Weniger China wagen“ hat die GTAI kürzlich ihre SWOT-Analyse zu China überschrieben. Der Titel spiegelt wohl mehr die politische Stimmung und den Stand der öffentlichen Diskussion wider als die wirtschaftliche Realität. Trotz COVID-Lockdowns und Risiken ist Chinas Wirtschafts­entwicklung nämlich stabil. Die prognostizierten 4% Wirtschaftswachstum 2022 sind in absoluten Zahlen sogar mehr als die knapp 7% im Jahr 2017. Dabei setzt sich auch in der deutschen Politik langsam die Erkenntnis durch, dass die Entkoppelung von China für die deutsche Wirtschaft weder machbar noch sinnvoll ist. Zu viele Zukunftssektoren können rein praktisch betrachtet nur in wirtschaftlicher Kooperation bearbeitet werden. Damit werden sich 2023 vielerlei Chancen für Investitionen in und mit China eröffnen.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sich gerade exportorientierte Unternehmen verstärkt mit einem Engagement in China und Asien auseinandersetzen, insbesondere wenn sie derzeit nur über Händlerstrukturen vor Ort agieren. Wurden die deutschen Unternehmen früher vor allem durch niedrige Lohnkosten motiviert, mit eigenen Niederlassungen nach China zu gehen, war es später der oft große, aber in jedem Fall wachsende Binnenmarkt für zumeist B2B-Produkte des deutschen Mittelstands. Heute wird China zunehmend als Innovationsstandort gesehen – oder zumindest als Ideengeber für Produktwünsche anderer asiatischer Kunden und als Standort für die Bearbeitung des Weltmarkts. Man kann also seine Wettbewerbsfähigkeit im innovativen Umfeld Chinas sowie durch die Bearbeitung des wachsenden asiatischen Markts mit 2,3 Milliarden Einwohnern, die im Durchschnitt deutlich jünger als in der westlichen Welt sind, massiv stärken.

World Average of robot density more than doubles compared to six yeras ago; Quelle: World Robotics 2022, www.ifr.org

Bereits heute gibt es Branchen, in denen China weltweit hinsichtlich Produktionskapazität die Führungsrolle übernommen hat, immer öfter aber auch in technologischer Hinsicht.

Wachstumsmarkt Photovoltaik

Ein Beispiel ist die Photovoltaik-(PV-) Industrie (PV). Die EU-Kommission verfolgt das politische Ziel, die installierte PV-Leistung bis 2025 auf 300 GW auszubauen, bei derzeit <10 GW Produktionskapazität in der EU. Die Photovoltaik erlebt gegenwärtig ein rasantes Wachstum von +50% im dritten Quartal 2022 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum (Export: +110%, 35 Mrd. USD, >100 GW). Nach einer Analyse von Apricum planen 20 chinesische Firmen den Aufbau von PV-Fertigungskapazitäten von 380 GW innerhalb Chinas in den nächsten zwei Jahren. Der Vergleich zu dem vom EU-Kommissar Thierry Breton ausgegebenen Ziel eines Aufbaus von 20 GW PV-Fertigungskapazität bis 2025 in Europa zeigt die ­Dimension des chinesischen Vorsprungs, aber auch die Chancen für Anlagenbauer als Marktteilnehmer in China.

Deutschland hat schlicht verpasst, dort als Komplettsystemanbieter zu agieren, obwohl hier ein erheblicher Teil technologischer Vorarbeit in Europa geleistet wurde. Aus der Sicht mittelständischer Unternehmen mit Technologieführerschaft in Nischensegmenten, muss man in jedem Fall in China sein, um diese bedienen zu können sowohl mit lokaler Produktion als auch mit lokalem Service vor Ort. Nehmen wir die Firma centrotherm, die 2018 ­eine Fertigung in China aufbaute. Sie ist mit ihrer Tochter in Kunshan ansässig. Vor Ort stellt man erfolgreich thermische Anlagen zur Solarmodulherstellung mitsamt Peripherie her und vertreibt sie sehr erfolgreich in China für ein oberes Marktsegment. Auf dieser Grundlage kann stetig im chinesischen Markt weiter expandiert werden.

Roboterindustrie zeigt Weg in die ­Zukunft

Eine weitere Branche unter hohem Augen­merk Beijings ist die Roboterindustrie. Hier hat China in der Roboterdichte 2021 noch einmal beachtlich zugelegt und liegt nach Angaben der International Federation of Robotik (IFR) nun bei 322 Robotern auf 10.000 Beschäftigte (2020: 246/10.000). Damit überholt China erstmals die USA in der Roboterdichte, die dort mit 274 Robotern auf 10.000 Beschäftigte angegeben wird (Deutschland: 397/10.000). Für die Roboterherstellerindustrie stellt sich die Situation aber anders dar als bei Photovoltaik oder Wasserstofftechnik. Ausländische Hersteller wie ABB, FANUC oder Yaskawa beherrschen nach wie vor den Markt, während große chinesische Hersteller wie SIASUN, EFORT oder Estun relativ stabil mit circa 30% Marktanteil operieren.

Quelle: World Robotics 2022, Quelle: A new Centre of Gravity, RCEP and ist Trade Effects, UNCTAD, Dezember 2021

Übrigens sind die chinesischen ­Roboterhersteller bisher überwiegend auf dem Heimatmarkt aktiv mit Exportquoten unter10%. Nur vereinzelt agieren sie unter eigener Marke in Europa wie beispielsweise Estun, die seit 2017 mit einem R&D-Zentrum in Italien ansässig sind. Umgekehrt gilt für europäische Unternehmen: Wer nicht vor Ort ist, wird die Entwicklungen und Kundenanforderungen verschlafen, die derzeit im chinesischen Markt – nicht zuletzt – dank reduzierter Reglementierung – bei kollaborativen Robotern, dem Einsatz von künstlicher Intelligenz oder automatisierter optischer Erkennung forciert werden. Und bevor chinesische Unternehmen die westlichen Märkte intensiv zu bespielen beginnen – in manchen Zweigen des Maschinenbaus und bei der E-Mobilität ist dies bereits spürbar –, sollte man seinen Wettbewerb und dessen Technologien kennen!

Von China aus in den Weltmarkt

30% der Weltwirtschaftsleistung und der Weltbevölkerung sind in Japan, China, Südkorea, Australien und Neuseeland sowie den ASEAN-Mitgliedsstaaten zu Hause. Die Möglichkeiten, den asiatischen Markt aus China heraus zu bearbeiten, sind mit Inkrafttreten des asiatischen Handelsabkommens RCEP (ASEAN plus die fünf genannten Länder, ohne Indien) Anfang 2022 noch einmal deutlich gewachsen. Durch das Abkommen sinken die Zölle auf im RCEP-Raum (hauptsächlich) produzierte Waren und Güter nach Einschätzung der Vereinten Nationen (UNCTAD) um 92%! Die UNCTAD erwartet eine Zunahme der Warenexporte innerhalb des RCEP-Raums um 42 Mrd. USD mit Zuwächsen für Japan, China, Südkorea und Australien, während die rein exportfokussierten Unternehmen aus der EU heraus mit -8,3 Mrd. USD die großen Verlierer sein werden. Insofern erscheint eine in Asien lokale Wertschöpfung unausweichlich, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die GTAI hat in diesem Zusammenhang Beispiele erarbeitet, die die hohe Relevanz auch für deutsche Mittelständler und ihre Exportprodukte zeigen. Für den Import eines Verbrennungsmotors von Japan nach China muss beispielsweise kein Zoll entrichtet werden, wenn >40% der verarbeiteten Teile aus Japan kommen. Um diese 40% und damit den Zollfreistatus zu erreichen, macht es einen Unterschied, ob ein Zulieferteil (z.B. ein Kolben) aus einem Nicht-RCEP-Land wie Deutschland kommt oder innerhalb des RCEP-Raums produziert wurde – da die 40% auch kumuliert aus RCEP-Ländern stammen dürfen, um die Zollpräferenz in diesem Fall Japan zu erfüllen. Die ­Ursprungslandquoten sind je nach Produkt unterschiedlich. Klar ist, dass ein Erreichen der erforderlichen Voraussetzungen für europäische Komponenten schwieriger wird , während Hersteller in Asien strategisch darauf achten werden, die Quoten sicher zu erfüllen.

China kommt dabei für die deutsche Industrie eine Schlüsselrolle zu, denn das Land bietet nach wie vor eine sehr gute Basis für die Erschließung asiatischer Märkte: Tiefe Zulieferketten, qualifizierte Arbeitnehmer, eine steigende, aber noch moderate Kostenstruktur, ein regulatorisch einheitlicher Binnenmarkt und oft bereits vorhandene Unternehmensstrukturen.

FAZIT

Um im asiatischen Markt und im Wettbewerb mit chinesischen Unternehmen zu bestehen, müssen viele mittelständische deutsche Unternehmen sich zukünftig in China Südostasien stärker engagieren. Das Risiko, sich dem Wettbewerb und der Innovationskraft nicht vor Ort zu stellen, wird man spätestens dann begreifen, wenn bislang noch weitgehend unbekannte asiatische Hersteller mit ihren Technologien nach ­Europa drängen. Die Versäumnisse im Aufbau der Batterietechnik, in der Südkorea und China inzwischen globale Technologieführer sind, sollten uns Lehre und Motivation genug sein. Im Jahr 2023 sollten Unternehmen die Weichen für ihre Zukunft stellen und intelligent mehr China wagen.

www.startupfactory-china.de

Trends: Rückschritt nach vorne?

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Im Jahr 2021 wurden Waren im Wert von 246,5 Mrd. EUR zwischen Deutschland und der Volksrepublik China gehandelt – also Exporte und Importe. China war damit zum sechsten Mal in Folge Deutschlands wichtigster Handelspartner. Gleichzeitig hat die Volksrepublik für deutsche ­Unternehmen einer aktuellen Umfrage der AHK China zufolge an Attraktivität verloren. Nur 51% beabsichtigen demnach, ihre Investitionen in China in den nächsten zwei Jahren auszubauen – 2021 waren es noch 71%. Grund genug zu hinterfragen, wie sich deutsch-chinesische Investitionen 2023 entwickeln und welches die wichtigen Einflussfaktoren sind.

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Zwischen Coronalockerungen, China +1 und verschärfter ­Investitionskontrolle in ­Deutschland: Wohin entwickeln sich 2023 die deutsch-­chinesischen Investitionen?

Bernhard Weber ist erster stellvertretender Vorsitzender des China Netzwerks Baden-Württemberg. Von 2018 bis September 2022 hat er Baden-Württemberg als General Manager der Baden-Württemberg International Economic and Scientific Cooperation (Nanjing) Co. Ltd. in China vertreten. Seit 1994 war er in China tätig, u.a. als kaufmännischer Leiter eines Siemens-Joint-Venture in Nanjing.

Weber: Investitionen aus Deutschland in China werden vor allem unter dem Motto „in China für China produzieren“ getätigt werden – nachdem alle Unternehmen ihre internationale Lieferketten auf Sicherheit und Nachhaltigkeit überprüft und justiert haben. Besonders die von der chinesischen Regierung angesagte Umgestaltung der chinesischen Volkswirtschaft auf ein Zwei-Kreislauf-System, eines für den Binnenmarkt und eines für den Export, macht insbesondere für KMU ein Onboarding in China sinnvoll oder notwendig, um auch in Zukunft chinesische Kunden bedienen zu können. Außerdem kann ein deutsches Unternehmen nur in China vor Ort an der Dynamik des chinesischen Markts teilhaben, chinesische Konkurrenten kennen­lernen und mittelfristig global auch von Bedeutung bleiben. Die chinesische Volkswirtschaft hat allerdings Corona noch nicht hinter sich. Der Zickzackkurs der chinesischen Regierung – von absoluter Kontrolle und ständigem Testen zu fast totaler Aufgabe der Kontrolle – führt schon jetzt zu einem Anstieg der Anzahl an Coronakranken im Land. Die Frage ist, ob die medizinische Versorgung des Landes ausreichen wird oder es dann doch wieder zu neuen Einschränkungen kommt. 2023 wird wirtschaftlich in China ein Jahr der Stagnation sein; nach ­Corona sind einem raschen Wiederaufleben zumindest in Sachen Binnenkonsum indes keine Grenzen gesetzt.

Dr. Joachim Arnold ist Chief ­Operation Officer und Head of OCO Germany. Er arbeitet mit Kunden in China und auf der ganzen Welt ­zusammen, um sich auf internatio­nalen Märkten zu positionieren, ­strategische Partnerschaften aufzubauen und Investitionen anzuziehen.

Vogel: Die Deglobalisierung wird 2023 weiter voranschreiten. Die Liefer- und Wertschöpfungsketten zwischen China und Deutschland bzw. Europa werden bereits seit zwei Jahren auf den Prüfstand gestellt. Nun werden Entscheidungen seitens europäischer Unternehmen zu alternativen Zulieferern, eigene Produktions- und Dienstleistungsstandorte in Asien, neben China vor allem Indonesien, Vietnam, Indien sowie Rückverlagerung nach Europa 2023 und 2024 umgesetzt. Wir bei VM bezeichnen diese Unternehmensstrategie als Value Chain Disruption. Ein Rückgang der deutsch-chinesischen Investition für langlaufende Maßnahmen wie z.B. bei BASF und Covestro ist kurzfristig nicht zu erwarten. So ergab die letzte Sommerumfrage der European Union Chamber of Commerce in China, dass ein Viertel der Mitgliedsunternehmen zunächst nicht weiter in China investiert. In den nächsten fünf Jahren erwarten nach einer aktuellen Umfrage der deutschen Außenhandelskammer in China (AHK) aber drei Viertel der Mitgliedsunternehmen weiterhin Umsatzwachstum.

Prof. Dr. Jochen Vogel ist Gründer/CEO der Value Management GmbH und des Value Management FOruM für internationale Wertsteigerungsberatung sowie Professor der FOM Hochschule für die Bereiche Performance Management, Strategie, M&A für Industrieunternehmen und Private Equity. Mit seinen Teams berät er CEOs, CFOs und COOs bei der Umsetzung von Wertsteigerungs­projekten inkl. Change Management, z.B. bei Eintracht Frankfurt, Triton, BC Partners oder JP Morgan.

Arnold: Das erste Halbjahr 2023 wird weiterhin von großen Unsicherheiten geprägt sein. Grundsätzlich werden sich die Öffnung der Einreisebeschränkungen und Reduzierung von Quarantänevorschriften positiv auf Investitionsaktivitäten im Verlauf von 2023 auswirken. Ähnlich wie in anderen Teilen der Welt nach der Pandemie ist ein Nachholeffekt ausländischer Investitionen zu erwarten. Zurückgestellte Investitionsprojekte werden mit der Lockerung der Coronavorschriften wieder aufgegriffen und realisiert. Es ist zu erwarten, dass ein Großteil der Investitionsaktivitäten durch regionale Standortverlagerungen und Expansionsprojekte von bereits ansässigen Unternehmen erfolgen wird. Investitionsprojekte von Unternehmen, die ihre erste Produktionsstätte in China aufbauen, gibt es noch relativ wenige, es könnten aber mit der Öffnung wieder mehr werden. Zudem ist mit einer verstärkten Diversifizierung der Standort- und Zulieferstrukturen in Asien zu rechnen. Dies wirkt sich auf existierende Standorte in China aus, die vorwiegend für den lokalen Markt zuständig sein, während exportorientierte Produktionen an andere Standorte außerhalb von China verlagert werden.

Wie begegnet man der zunehmenden „Politisierung“ der wirtschaftlichen Beziehungen und Investmentprojekte zwischen Deutschland und China?

Weber: Unternehmen sollten sich nicht scheuen, diese Themen offensiv mit der deutschen Regierung zu diskutieren. Als Markt bieten die diskutierten Länder Südostasiens nur geringe Chancen im Vergleich zu China; außerdem sind alle diese Länder in der Freihandelszone RCEP zusammen mit China eingebunden und meistens auch wirtschaftlich schon stark von chinesischen ­Akteuren besetzt. Es ist wichtig, dass Unternehmen ihre Lieferketten auf ethische Grundlagen hin ausrichten und dass auch klare Regeln in Europa bestehen, nach denen ausländische Konkurrenten nur dann auf unseren Markt agieren dürfen, wenn sie nachweislich vergleichbare ethische Grundsätze anwenden. Unternehmen, die schon in kritisch diskutierten Regionen, wie Xinjiang, investiert haben, sollten klarstellen, unter welchen Konditionen ihre Mitarbeiter vor Ort arbeiten und entlohnt werden. In Europa und damit auch in Deutschland sollten klare und auch durchsetzbare Regeln für chinesische Investoren herrschen, die streng an den Sicherheitsinteressen unserer Seite orientiert sind und darüber hinaus auch nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit funktionieren: Wenn eine vergleichbare Investition ausländischer Unternehmen in China nicht erlaubt wäre, sollte das auch nicht für chinesische Unternehmen in Europa möglich sein. Dabei sollte Europa als ein Block handeln und sich nicht in kleinstaatlicher Optimierung verlaufen.

Vogel: Industrie- und Dienstleistungsunternehmen haben durch die Russland-Ukraine-Situation verstanden, dass sie sich flexibler aufstellen müssen. Gewach­sene Infrastrukturen und eine direkte Bahnverkehrsader für Güter zwischen Duisburg und China, hohe Innovationskraft in chinesischen Städten und wertvolle neue Partnerschaften bieten nach wie vor Wachstumschancen. Der weltgrößte, taiwanesische Handyproduzent Foxconn mit großen Produktionsstandorten in China hat im Oktober rund 30% Umsatzrückgang (auf 18 Mrd. USD) gemeldet im Vergleich zum Vorjahresmonat. Insgesamt haben gemäß einer VM-Kunden-Studie die führenden Unternehmen der Branchen Stahl/Metall, Chemie, Maschinen-/Anlagenbau die politischen Risiken bereits neu bewertet, die Investitionsstrategien auf „Halten“ gesetzt. Die weiterhin großen Unsicherheiten der EU- und US-Beziehungen zu China sind ein weiterer Grund dafür, dass in vielen Unternehmen bisher keine komplett neuen Chinastrategien verabschiedet wurden. Das Risikomanagement auch der politischen Risiken wird weiterhin ausgebaut, z.B. werden diese jetzt eher quartalsweise und nicht nur jährlich neu eingeschätzt.

Arnold: Der Einfluss von Regierungsorganisationen und deren Gesetzgebungen auf die Marktentwicklung spielt eine zunehmend wichtige Rolle in der Chinageschäftsplanung von Unternehmen. Dazu ist ein detailliertes Verständnis der Regularien essenziell und es bedarf der Investitionen in lokale Expertise, um deren Auswirkungen auf das eigene Geschäft zu erfassen. Auswirkungen der „Politisierung“ auf die Geschäftstätigkeiten sind sektoral sehr unterschiedlich. Grundsätzlich gilt jedoch: China ist und bleibt ein sehr wichtiger Markt für deutsche Unternehmen, der allerdings von steigender Komplexität geprägt ist und damit höheren Ressourcenaufwand bedeutet. In diesem Kontext kommt dem Aufbau von Partnerschaften zwischen deutschen Regionen und lokalen chinesischen Regierungen eine wichtige Rolle zu. Export- und Investitionsförderagenturen in Deutschland und China sind hier gefragt, Transparenz der Investitionsbedingungen zu vermitteln und die Kooperation der Marktakteuren zu unterstützen.

Viele deutsche und ausländische Fachkräfte verlassen China, allerdings ist der Talentpool in China sehr groß und wächst auch weiter. Welche Strategien sollten Unternehmen und Investoren im Umgang damit fahren? Welche Implikationen hat das?

Weber: Ich hoffe, dass sich nach dem Ende der Coronakrise in China auch wieder mehr ausländische Fachkräfte in China niederlassen. Besonders wichtig erscheint mir, dass europäische Unternehmen in China nicht nur ausländisches Topmanagement stellen, sondern vielmehr im Mittelbau des Unternehmens Techniker und Manager aus dem Ausland einstellen, um einen echten Austausch von Know-how zu schaffen. Oft ist es heute sinnvoll, in der Führungsrolle eine einheimische Kraft ­arbeiten zu lassen, besonders wenn es darum geht, chinesische Kunden zu überzeugen. Wichtiger als früher wird es sein, dass die ausländischen Fachkräfte sich mehr mit China auseinandersetzen und das Land besser verstehen lernen. Es sollte genauso selbstverständlich sein, in China zu arbeiten, wie in Frankreich oder den USA. Das heißt aber, dass Unternehmen mehr Menschen mit chinesischen Sprach- und Kulturkenntnissen einstellen und ihnen ­interne Entwicklungschancen bieten. Der angesprochene chinesische Talentpool ist eben nicht sehr groß; er ist überaus einseitig und wird fast in Gänze von chinesischen Unternehmen aufgenommen. Daher kosten auch gute und erfahrene chinesische Manager nicht weniger als ausländische Manager.

Vogel: Europäische Firmen hatten bereits in der Vergangenheit gute Erfahrung mit chinesischen Studierenden in Europa. Mittlere und höhere Führungskräfte werden nun ebenfalls aus China stärker „nachgefragt“. Viele Doktoranden aus China in Deutschland werden eher doch nicht nach China zurückkehren. Einer Studie des MarcoPolo und des Paulson Institute zufolge repräsentierten chinesische Forscher ca. ein Viertel bei der renommierten KI-Konferenz 2019. Damit ist von einem weiteren „Brain-Drain“ des chinesischen Talentpools auszugehen, verbunden mit Nachteilen für die chinesische Wirtschaft. Dieser Trend wird sich eher verstärken, weil das chinesische Wirtschaftswachstum aktuell einbricht und die Jobangebote für hoch qualifizierte Chinesen in anderen Teilen der Welt zunehmen, nicht zuletzt in Europa und Deutschland.

Arnold: Die Verfügbarkeit und vor allem die Entsendung von Fachkräften nach China ist in der aktuellen Situation eine große Herausforderung. Insbesondere der kurzfristige Einsatz von Personal macht es für Unternehmen schwierig, vor Ort Projekte durchzuführen. Dies ist einerseits durch die niedrige Planbarkeit der Einsatzfähigkeit der Mitarbeiter bedingt aufgrund von regionalen Lockdowns, andererseits durch die noch vorliegenden Einreisebedingungen. Das Interesse seitens der Mitarbeiter ausländischer Unternehmen an einer kurzfristigen Entsendung nach China ist derzeit gering. Viele deutsche Unternehmen setzen daher auf eine Lokalisierung der Belegschaft und den Einsatz chinesischer Manager vorzugsweise mit Deutschkenntnissen. In der Tat haben langjährige China-Fachkräfte in den letzten Jahren das Land verlassen, allerdings ist China für viele ausländische Fachkräfte und Manager nach wie vor ein reizvoller Markt und Standort.

Vielen Dank für das Interview.

www.china-bw.net/de
www.ocoglobal.com/tag/germany/
www.vmvalue.de/

Zahlungsverkehr und Währungsabsicherung

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Noch nie bedurfte es moderner Zahlungsverkehrslösungen zwischen China und Deutschland so sehr wie heute – denn die Volksrepublik ist vielleicht unser wichtigster Handelspartner. Im Jahr 2021 wurden nach endgültigen Ergebnissen Waren im Wert von 246,5 Mrd. EUR zwischen Deutschland und China gehandelt. Gleichzeitig weitete der Yuan seinen weltweiten Einfluss – und die Partei mischt mit. Was bedeutet das für Investoren und Unternehmen?

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Aktuell schwächelt die deutsche, aber auch die chinesische Wirtschaft, allerdings aus höchst unterschiedlichen Gründen. Bei China liegen die Gründe in der rigiden Null-COVID-Politik und einer Konsumzurückhaltung. Große Sorgen bereitet ebenso der überhitzte Immobilienmarkt mit einer Reihe spektakulärer Skandale.

Luftfracht via Hongkong nimmt ab

Hochinteressant sind in diesem Zusammenhang die neuesten Luftfrachtdaten für den Hong Kong International Airport. Generell zeigen solche logistischen Statistiken deutlich und frühzeitig die Veränderungen im Konjunkturzyklus, besonders für das verarbeitende Gewerbe. In dem Fall kommt hinzu: Hongkong ist das verkehrsreichste Luftfrachtdrehkreuz der Welt – und ein wichtiges Tor Chinas in die Welt.

Nach einer starken Erholung im Jahr 2021 sind die Frachtvolumina in Hongkong seit Februar rückläufig. Die Zahlen für Oktober zeigen einen Rückgang von 23,8% im Jahresvergleich – sehr nah am größten historischen Minus im Januar 2009. Die Zahlen sind auch tiefer als während des ersten globalen Lockdowns im Frühjahr 2020 (-13,1%). All das zeigt: Während China vor der Pandemie zu etwa 30% zum globalen Wachstumsimpuls beitrug – mehr als die Vereinigten Staaten und die Eurozone zusammen –, sind es nun etwa 10%.

So abhängig wie von Russland?

Schließlich ist Deutschland stark von der chinesischen Wirtschaft abhängig – als Absatzmarkt, aber auch Quelle günstiger Konsumgüter, Vorprodukte und Materialien. Die Rufe nach „China+1-Strategien“ hört man oft, zahlreiche Unternehmen schauen sich verstärkt auch nach zusätzlichen Standorten in Asien um. Noch aber gehen nach wie vor Milliarden an Euro und Yuan alljährlich über deutsch-chinesische Import- und Exportkonten.

Verwendung des Yuan wächst

Bemerkenswert sind hierbei Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ): Sie zeigen die zunehmende Verwendung des Yuan im weltweiten Handel an, und zwar mit einem Sprung vom achten auf den fünften Platz, von dem das Britische Pfund verdrängt wurde. In den vergangenen Jahren hat Peking Währungs-Swap-Abkommen mit einer Vielzahl afrikanischer, ­lateinamerikanischer und asiatischer Länder abgeschlossen. Sie stellen den Hauptfaktor hinter der Internationalisierung des Yuan dar und sind deutlich wichtiger als auf Yuan lautende Ölkontrakte. Allerdings ist diese Internationalisierung auch auf eine größere Wechselkursflexibilität angewiesen. Und bis sie Wirklichkeit ist, wird es dauern. Erst kürzlich intervenierten sogar chinesische Geschäftsbanken in den Markt, um den Wechselkurs der chinesischen Währung zu beeinflussen – vermutlich auf Anweisung der Zentralbank.

Wechselkurse: Die Partei mischt mit

Was bedeutet all dies für chinesisch-deutsche Transaktionen? Ein wichtiger Hebel für Chinas Erfolg im globalen Handel ist der Yuan/Renminbi, der lange als chronisch unterbewertet galt. China und seine staatlichen Stellen ­taten/ tun dies, um der heimischen Wirtschaft Vorteile beim bedeutsamen Export zu verschaffen – die Waren sind dann günstiger. Gerade die USA haben diesen Mechanismus jahrelang scharf kritisiert. Seit Mitte 2020 ist jedoch der Renminbi gegenüber dem Dollar und Euro deutlich stärker geworden, und zwar sicherlich nicht durch das Spiel freier Märkte. Man vermutet, dass dies chinesische Importe stützen, also den Einkauf von Rohstoffen oder Maschinen günstiger gestalten sollte – zu dem Preis, dass der Export ein paar Kostenaufschläge erhält. Diese Währungspolitik ist immer zweischneidig und in ­Bezug auf China ein besonders großes Spannungsfeld; dies ist auch daran zu sehen, dass es seit Mitte des Jahres wieder in die andere Richtung geht.

Deutscher Außenhandel: Mehr Geschäfte in China; Quellen: Statistisches Bundesamt, Institut der deutschen Wirtschaft © 2022 IW Medien / iwd

Lösung: Währungsabsicherung

Da niemand Währungsschwankungen voraussehen kann – schon gar nicht, wenn eine Kommunistische Partei mitmischt –, empfehlen wir unseren Kunden stets, diese durch Währungsab­sicherungen zu flankieren. So können europäische Einkäufer ihre chinesischen Lieferanten in ihrer Währung bezahlen. Dies ist unter dem Strich günstiger, denn bei einem fix in Euro festgelegten Geschäft hat zwar der Euroinhaber kein Währungsrisiko, wohl aber der Zulieferer, der in Yuan kalkuliert – und dieses Risiko auf den Preis aufschlägt. Tools zur Währungsabsicherung sollten daher genutzt werden, um Planungssicherheit zu haben, aber auch um mit einem vereinbarten Kaufpreis in Yuan womöglich noch ein paar Prozente herauszuschlagen.

Ob nun Waren nach China exportiert oder aus China importiert werden – mit folgenden Problemen sehen sich die meisten Unternehmen in dieser Situation konfrontiert:

  • Margendruck durch fehlende Kalkulationssicherheit (EUR/CNH-Schwankungen)
  • keine Transparenz über Wechselkurse und hohe Abschluss-/Handelsgebühren der Banken
  • keine Transparenz über Wechselkurse und hohe Gebühren der Banken
  • Kunden in China möchten in ihrer loka­len Währung bezahlen und wünschen eine verlässliche Preisgebung.

Doch wie können die Folgen fehlender Währungsabsicherung nun genau aussehen? Um das zu veranschaulichen, finden Sie im Folgenden zwei Beispiele:

Grundsätzlich können Kunden für die Währungsabsicherung mehrere ­Varianten nutzen – von fixen Devisentermingeschäften bis hin zu dynamischen Termingeschäften inkl. Partizipierungsmöglichkeiten bei positivem Kursverlauf. Jede Lösung muss auf die jeweilige Kundensituation maßgeschneidert werden. So sichert sich der Kunde bei einem fixen Devisentermin-geschäft einen festen Kurs in der ­Zukunft, um einen bestimmten Fremdwährungsbetrag zu kaufen oder zu verkaufen. Bei dynamischen Devisentermingeschäften hingegen sichert man sich, zwar ebenfalls einen fixen Kurs verbindlich in der Zukunft, allerdings mit dem Zusatz, dass man am Markt partizipieren kann. Man profitiert dann davon, wenn sich der Kurs entsprechend positiv entwickelt. Hier kann man mit entsprechenden Konstruktionen sehr individuell auf jeweilige Zahlungs- und Risikosituationen eingehen.

Wichtig ist für Währungsabsicherungen zusätzlich die schnelle Handlungsfähigkeit. Bei iBan-First erhält der Kunde über die Onlineplattform die Möglichkeit, jederzeit seine gesamten laufenden Devisentermingeschäfte einzusehen. So kann er sich jederzeit mit einem Account Manager für die bestmögliche Absicherung gegen Währungsrisiken abstimmen.

FAZIT

Aufgrund der chinesischen Währungspolitik, aber auch für Planungssicherheit sollte man Tools zur Währungsabsicherung einsetzen. Bei intelligenter Nutzung lassen sich mit ihnen sogar bei in Yuan vereinbarten Kaufpreisen noch ein paar Prozente herausschlagen. Professionelle Währungsabsicherungen sind damit eigentlich ein Muss im deutsch-chinesischen Geschäft, auch im Jahr 2023.

www.de.ibanfirst.com

Top-Five-Herausforderungen bei der China- und Asienexpansion

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Allein im ersten Halbjahr 2022 investierten deutsche Firmen 10 Mrd. EUR in China. Der Wert ­übertrifft alle erfassten Statistiken seit dem Jahr 2000. China bleibt ein wichtiges Investitionsziel, wenngleich angemerkt werden muss, dass zwischen 2018 und 2021 allein die großen Unterneh­men BASF, Siemens, VOLKSWAGEN, BMW und Daimler rund ein Drittel aller europäischen ­Gesamtinvestitionen ausmachten. Wir zeigen die Top-Five-Herausforderungen bei der China- bzw. Asienexpansion auf – und praktische Wege, sie zu überwinden. 

Diesen und weitere Artikel finden Sie in unserem neuen Investment Guide China / Deutschland – JETZT ALS E-MAGAZIN LESEN

Unternehmen, die weiteres Wachs­tum über eine Expansion in China und Asien generieren wollen, brauchen Antworten dafür, wie sie sich als Unternehmen positionieren, welche Marktsegmente sie anvisieren oder wie das Lieferkettenmanagement organisiert wird. Wir haben die wichtigen Themen analysiert:

1. Klare Positionierung im Markt von elementarer Bedeutung

Sollte ein Unternehmen bei der Markterschließung in China zunächst eine Exportbasis aufbauen oder besser Produkte direkt von Beginn an für den Direktvertrieb lizenzieren lassen? Oder rechtfertigt die starke Markenstellung sogar Übernahmen oder die Gründung neuer Tochtergesellschaften? Eine erste Orientierungsgrundlage beim Markteintritt in China gibt die folgende Grafik.

Quelle: Hawksford

Unternehmen sollten sich beim Markteintritt in China zwei Schlüsselfragen stellen:

Wie viel von ihren vorhandenen Ressourcen (d.h. Geld, Zeit und Fachwissen) sind sie zu investieren bereit? Je weniger, desto besser ist es für das ­Unternehmen, auf vertraglicher Basis in den chinesischen Markt einzutreten – durch Lizenzierung, Franchising-Projekte oder andere Partnerschaften.

Wie viel Kontrolle wollen sie im Unternehmen behalten? Je mehr, desto besser ist die Gründung einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft (WFOE).

2. Balanceakt im Premiumsegment

Das Wachstum der Schwellenländer werde den Welthandel bis 2030 grundlegend neu ordnen, so eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC. Die Präferenzen der stark heranwachsenden Mittelschichten, vor allem in China und Indonesien, dürften in den nächsten Jahrzehnten einen starken Einfluss auf die Produktentwicklung und die damit in Verbindung stehenden Fertigungsketten ausüben. Letztlich werden Mittelständler, die Marktanteile gewinnen wollen, noch stärker hochwertige Produkte zu bezahlbaren Preisen anbieten müssen. Im Vordergrund steht dabei mehr und mehr das Einkaufserlebnis. Insbesondere über moderne digitale Formate kann die aufstrebende Bevölkerungsschicht in Asien deutlich besser als in Europa erreicht werden.

3. Internationale Fertigungsbasis mit lokaler Charakteristik

Auch wenn Produktion, um näher am Kunden zu sein, zunehmend ins Ausland verlagert wird, so werden Geschäftsausrichtung und Strategie weiterhin an der Basis entschieden. Langfristige Kundenbeziehungen und Kontinuität sind dabei wichtiger als kurzfristiger Profit. Die Herausforderung für den Mittelstand ist, sich im mittleren Preissegment, in dem die Nachfrage gerade in Schwellenländern höher ist, zu etablieren, ohne gleichzeitig die Premiumidentität der Marke zu verlieren. Kleinere Mittelständler können je nach Land eine gesonderte Strategie definieren, die auf den Erkenntnissen einer ­lokalen Marktstudie aufbaut. Größere Mittelständler hingegen könnten ihr Handeln lokal und überregional gleichzeitig steuern, beispielsweise über eine Asienzentrale in Singapur und regionale Produktionsstandorte in ausgewählten Schwellenländern.

So Viele Milliarden Euro investierten deutssche Unternehmen pro Jahr zusätzlich in China; Quelle: Hawksford

4. Diversifizierung der Produktpalette erleichtert Marktsegmentierung

Wettbewerber aus China haben in ­Nischenmärkten aufgeholt und erobern sie nun. Wenn deutsche Hidden Champions keine Strategie finden, wird ihr ­zukünftiges Wachstum stark reduziert. Die Entscheidung, ob man dieser Entwicklung mit Investitionen gegensteuern will, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Größe des Unternehmens, dem Anteil am Premiumsegment, Eintrittsbarrieren, Kosten und der Stärke der lokalen Wettbewerber vor Ort. ­Eine Option ist dann z.B. die Erweiterung der Produktpalette mit speziellen Produkten, die nur für Schwellenländer bestimmt sind. Dies bietet sich an, ­sofern die Nische relativ groß ist und für das Mid-Market-Segment ein starkes Wachstumspotenzial besteht.

5. Lieferkettenmanagement: Priorisieren und regionalisieren

Für die Regionalisierung von Liefer­ketten punktet der asiatisch-pazifische Raum, allen voran China, mit einem ­klaren Standortvorteil: Er kann bereits seit vielen Jahrzehnten auf bequeme Handelsrouten und technologiegetriebene Lieferkettenmodelle zurückgreifen, was die Effizienz beim globalen Handel mit Waren und Dienstleistungen erhöht. Lokale Experten können dabei zu Lieferkettenrisiken und deren Chancen beraten. Kritische Komponenten werden künftig äußerst selten nur aus einem Land kommen. Diesbezüglich wird gerne von der Strategie „China+1“ gesprochen und damit von der Ausschau nach alternativen Zulieferern aus verschiedenen Regionen. Vor allem für ­arbeitsintensive Produktionsketten gestaltet sich diese Diversifizierung ­jedoch als schwierig, da sie sehr zeit- und kapitalintensiv sind. Inmitten der komplexen Veränderungen in globalen Lieferketten ist es für Supply Chain ­Manager daher wichtiger denn je, über die Mapping- und Transparenzfunktionen zu ver­fügen, die genau zeigen, wo die von den direkten Lieferanten und Auftragsfertigern verwendeten Materialien und Komponenten hergestellt werden.

Fazit

Die internationale Geschäftsexpansion erfordert strategische Planung, Zeit und Ressourcen, um langfristig in Asien zu wachsen. Ein Aktionsplan unter ­Berücksichtigung der oben genannten fünf Herausforderungen mindert viele Anfangsschwierigkeiten. Besonders ­regionale Produktionsstandorte sind hilfreich dafür. Auch die Produktpräferenzen der stark heranwachsenden Mittelschichten, vor allem in China und Indonesien, dürften in den nächsten Jahrzehnten die globale Produktentwicklung und die damit in Verbindung stehenden Fertigungsketten stark beeinflussen. Daher sollte man die Produktentwicklung strategisch bereits früh auf den Bedarf der Zukunftsmärkte ausrichten.

www.hawksford.com

Ant Group jetzt wieder Kandidat für IPO

Der Gründer der chinesischen Ant Group, Jack Ma, gibt Medienberichte zufolge die Kontrolle über den Finanzdienstleister ab – das könnte die Börsenpläne revitalisieren.

Ein solcher Rückzug, sofern er sich denn manifestiert, könnte die Pläne für einen Börsengang wiederbeleben. Milliardär Jack Ma möchte sich angeblich von der Kontrolle über den Finanzriesen Ant Group verabschieden. Der Gründer des Unternehmens sowie ja auch der größten chinesischen Handelsplattform Alibaba ziehe sich damit weiter aus seinem Online-Imperium zurück.

Das gehe zudem aus einer Mitteilung der Ant Group hervor. Der Schritt erfolge vor dem Hintergrund des Durchgreifens chinesischer Aufsichtsbehörden, die vor zwei Jahren noch den seinerzeit geplanten Börsengang des FinTech-Großunternehmens verhindert hatten und dem Technologie-Sektor seitdem genauer in die Bücher und auf die Finger schauen.

2020 hätte ein IPO mit damals geplanten Erlösen von 35 Mrd. USD einen der größten Börsengänge des Jahres bedeutet, womöglich sogar weltweit den größten.

Seit seiner einstigen Kritik am chinesischen Wirtschaftssystem war Jack Ma zunehmend aus der Öffentlichkeit abgetaucht. Der Schritt zum weiteren Rückzug Mas könnte also ein Zugeständnis sein, das man ihm abzuringen vermochte, um sich weiterhin unbehelligt bewegen und arbeiten zu können. Zuletzt lebte der 58jährige längere Zeit in Japan unterhalb des Radars chinesischer Behörden.

Allerdings: Chinesische Aktienmärkte erfordern nach maßgeblichen Veränderungen in der Unternehmensführung eine sog. Abklingzeit von zwei bis drei Jahren, für Hongkong reicht ein Jahr.

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