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Post M&A-Restructuring: Herausforderung für chinesische Investitionen

Symbolbild. Gavel und Geld.
Quelle: Adobe Stock © thodonal

Chinesische Investitionen in deutsche Unternehmen erfolgen für gewöhnlich durch den Erwerb von Geschäftsanteilen/Aktien und/oder Finanzierungen durch Ausreichung von Darlehen. Gerät die Zielgesellschaft in die Krise, gefährdet dies den Wert der Beteiligung und der Darlehensrückzahlungsansprüche, denn die Gesellschafterdarlehen sind typischerweise nachrangig. Neben dem Verlust des Investments können sich auch noch Haftungsfolgen für den chinesischen Investor sowie den chinesischen Geschäftsführer ergeben.

Verlust des Investments

Das deutsche Insolvenzrecht kennt als oberste Maxime die bestmögliche Gläubigerbefriedigung. Wenn einmal das Insolvenzverfahren eingeleitet worden ist, richtet sich die Entscheidung, ob das Unternehmen liquidiert oder fortgeführt wird oder die Assets des Unternehmens als Going Concern verkauft werden können, danach, welcher Weg für die bestmögliche Gläubigerbefriedigung der vorzugswürdige ist. In dieser Hinsicht sind besonders Situationen gefährlich, in denen der chinesische Investor Gesellschaftsanteile erwirbt und zugleich Gesellschafterdarlehen ausreicht. Im Insolvenzverfahren der deutschen Zielgesellschaft sind Gesellschafterdarlehen nachrangig: Sie werden erst bedient, wenn alle gesicherten und einfachen Insolvenzgläubiger vollständig befriedigt wurden.

Insolvenzanfechtungen von Rückzahlungen von Gesellschafterdarlehen

Darüber hinaus sind auch Zahlungen, die ein Gesellschafter aufgrund eines Gesellschafterdarlehens im Zeitraum von einem Jahr vor der Stellung des Insolvenzantrags erhalten hat, durch den Insolvenzverwalter anfechtbar und müssen in die Insolvenzmasse zurückgeführt werden. Noch weiter zurück reicht die Insolvenzanfechtung von Sicherheiten, die ein Gesellschafter für ein Gesellschafterdarlehen erhalten hat – hier beträgt die Anfechtungsfrist sogar zehn Jahre. Die konkrete Ausgestaltung des Ausreichens von Gesellschafterdarlehen sowie deren Rückzahlungen kann entscheidend sein, um die Haftungsfolgen zu minimieren. So kann es z.B. besser sein, wenn der Gesellschafter erst auf die Sicherheit verzichtet, bevor ein Darlehen zurückgezahlt wird.

Ein Gesellschafter muss auch stets zahlen, wenn er einem Dritten für dessen Darlehen eine Sicherheit gestellt hat – sei es durch Mithaftung, Bürgschaft, Sicherungsübereignung oder andere Personal- oder Realsicherheiten. Diese Haftung des Gesellschafters gilt im Ergebnis unabhängig davon, ob die Gesellschaft den Dritten im Zeitraum von einem Jahr vor dem Insolvenzantrag befriedigt hat oder ob die Gesellschaft dazu nicht mehr in der Lage war.

Vorsicht ist auch bei der Ausreichung von Darlehen und Sicherheiten durch konzernverbundene Unternehmen geboten, die nicht selbst direkt Gesellschafter sind, denn nicht nur der Gesellschafter selbst ist von den erwähnten Regelungen betroffen, sondern auch mit ihm horizontal oder vertikal verbundene Unternehmen.

Schuld bei der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung

Ebenso birgt das ungeprüfte Ausreichen von (weiteren) Darlehen durch den chinesischen Investor in der Krise des deutschen Zielunternehmens nicht unerhebliche Risiken. Ein Darlehensgeber kann sich unter Umständen der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung schuldig machen, wenn die Gesellschaft im Zeitpunkt der Darlehensvergabe insolvenzreif war, der Darlehensnehmer dies wusste oder sich leichtfertig der entsprechenden Erkenntnis verschloss und so das Hinausschieben des gebotenen Insolvenzantrags bewirkt oder geduldet wird. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich für den chinesischen Investor, umfassende Informationen einzuholen und sorgfältige Dokumentationen anzufertigen, damit im späteren Streitfall die finanzielle Situation des Zielunternehmens sowie die Intentionen des chinesischen Gesellschafters nachvollziehbar und belegbar sind.

Haftung des Gesellschafters aus Patronatserklärungen

Einen Durchgriff auf das Vermögen des chinesischen Gesellschafters sieht das deutsche Recht bei Kapitalgesellschaften per se nicht vor. Eine Haftung des chinesischen Investors für Verbindlichkeiten des deutschen Zielunternehmens kann aber aus vertraglichen Regelungen resultieren, insbesondere aus Unternehmensverträgen und Patronatserklärungen. Gerade Letztere werden oftmals unüberlegt und weder in zeitlicher noch betragsmäßiger Begrenzung ausgereicht. Häufig werden sie auch „vergessen“ und nicht beseitigt, wenn die Gesellschaft sie eigentlich nicht mehr benötigt. Im Insolvenzfall sind sie für den chinesischen Investor besonders riskant, zumal eine Kündigung erstens zulässig sein muss und zweitens nur für die Zukunft Wirkung hat. Zu empfehlen ist daher, Patronatserklärungen z.B. nur für die Geltung jeweils eines Jahres und idealerweise der Höhe nach begrenzt auszureichen, damit stets neu und bewusst entschieden werden kann, ob und in welchem Umfang die deutsche Zielgesellschaft finanziell gestützt werden soll.

Herausforderungen für chinesische Geschäftsführer

Zusätzliche Risiken bestehen dann, wenn auch die Geschäftsführung durch den chinesischen Investor besetzt wird. Nach dem deutschen Insolvenzrecht obliegt der Geschäftsführung durchgängig die Pflicht zur Überprüfung einer etwaigen Insolvenzantragspflicht. In der Krise und späteren Insolvenz kann dabei häufig eine Art Generalverdacht bestehen, dass die Geschäftsführung nur oberflächlich und fehlerhaft durchgeführt worden ist, wenn der Geschäftsführer seinen Sitz im Ausland hat und typischerweise nicht immer vor Ort am Sitz der Gesellschaft tätig ist. Es können sich persönliche Haftungsrisiken ergeben, insbesondere wegen Insolvenzverschleppung, Zahlungen ab Eintritt der Insolvenzreife, Nichtabführen von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern sowie Eingehungsbetrugs, wenn klar ist, dass das Unternehmen einen Vertrag durchzuführen nicht mehr imstande sein wird. Eine Inanspruchnahme von – auch ausländischen – Geschäftsführern scheuen die Insolvenzverwalter nicht. D&O-Versicherungen bieten hierbei ebenfalls keinen umfassenden Schutz.

Dabei trifft die persönliche Pflicht zur Insolvenzantragsstellung (so denn eine solche zu bejahen ist) jeden einzelnen Geschäftsführer oder Vorstand, unabhängig von statutarischen Vertretungsregelungen, internen Geschäftsverteilungsplänen oder Ressortverantwortlichkeiten. Nötigenfalls muss der einzelne Geschäftsführer oder Vorstand den Insolvenzantrag allein stellen; weder ist eine Zustimmung des Gesellschafters dabei erforderlich noch befreit eine Gesellschafterweisung vom Befolgen der Antragspflicht.

Gerade einem chinesischen Geschäftsführer, der vielleicht nicht dauerhaft vor Ort ist, fällt die Überwachung der Insolvenzantragspflichten aber oftmals schwer. Zum Teil liegt die Schwierigkeit an mangelnder Kenntnis der tatsächlichen Finanzlage der Zielgesellschaft – schließlich überlässt der chinesische Investor häufig der deutschen Geschäftsführung einen wesentlichen Teil des täglichen Managements nach der Transaktion. Zudem sind einem chinesischen Geschäftsführer solche Überwachungspflichten zur Vermeidung der Insolvenz häufig auch unbekannt. Ihnen fehlt darüber hinaus meistens auch die entsprechende Erfahrung, wie ein entsprechender Insolvenztest technisch umzusetzen ist. Die aus der Pflichtverletzung resultierende Haftung kennen sie regelmäßig nicht.

Schaeffler mit starkem Wachstum in China

Schaeffler mit starkem Wachstum in China
Bild: Schaeffler

Die Schaeffler Gruppe hebt ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2021 an. Hauptgründe sind die allgemeine Erholung des Segments Automotive Technologies und das starke Schaeffler-Wachstum in China.

Die international tätige Schaeffler Gruppe hat ihre Zahlen für das erste Quartal 2021 veröffentlicht. Das Unternehmen zeigt sich mit den Zahlen mehr als zufrieden. So sagte Dr. Klaus Patzak, Finanzvorstand der Schaeffler AG: „Die Schaeffler Gruppe hat im ersten Quartal 2021 ein starkes Ergebnis geliefert. Die strenge Kosten- und Kapitaldisziplin der letzten Monate zahlt sich weiter aus. Aus der deutlichen Belebung der Geschäftsaktivitäten resultierten Skaleneffekte, die einen wesentlichen Beitrag zur starken EBIT-Marge vor Sondereffekten und zur guten Cash Flow Entwicklung geleistet haben.“

Angesichts des pandemiebedingten Wirtschaftseinbruchs Anfang 2020 überrascht es nicht, dass Schaeffler ein derart hohes prozentuales Wachstum meldet. Schließlich war die Automobilindustrie mit als erstes von den Umsatzeinbrüchen betroffen. Ein wichtiger Hinweis zur Einordnung der Zahlen, den das Unternehmen auch selbst liefert. Vergleichswerte für das Jahr 2019, die einige Unternehmen wie VW aktuell anbieten, um die Einordnung der Ergebnisse zu erleichtern, bietet Schaeffler aber nicht an.

Neue Umsatzprognose dank guter Zahlen

Als Reaktion auf die guten Zahlen hat die Gruppe ihre bisherige Prognose für das Geschäftsjahr 2021 angehoben. Diese lag bisher bei sieben Prozent; Schaeffler hat aber allein im ersten Quartal 2021 bereits ein Plus von 11,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erwirtschaftet. In der Folge geht das Unternehmen jetzt davon aus, dass das währungsbereinigte Umsatzwachstum bei über 10 Prozent liegen wird.

Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG, sagte: „Das starke erste Quartal 2021 versetzt uns in die Lage, unsere Prognose für das laufende Jahr 2021 trotz der bestehenden Unwägbarkeiten nach oben anzupassen. Dabei hilft uns, dass die eingeleiteten strukturellen Maßnahmen Wirkung zeigen. Trotz der Erholungstendenzen bleiben wir weiter vorsichtig. Mit unserer Roadmap 2025 sind wir strategisch gut aufgestellt, um Wachstumspotentiale in Zukunftsfeldern zu realisieren.“

Interessant ist, dass die Umsätze sich in den einzelnen Berichtsregionen sehr unterschiedlich entwickelt haben. In Europa liegen sie mit -0,6 Prozent noch knapp unter den Zahlen aus 2020, während die anderen Regionen alle positive Wachstumsraten melden. So liegt das Wachstum in der Region Americas bei 6,7 Prozent und in der Region APAC bei 12,2 Prozent. Spitzenreiter ist „Greater China“ mit 57,1 Prozent.

Hierbei ist wiederum zu beachten, dass China früher von der Umsatzkrise erfasst wurde – und sich schneller erholte – als andere Regionen. Nicht nur für Schaeffler gilt daher, dass die Vergleichswerte des zweiten Quartals 2021 in Europa und den anderen Regionen ebenfalls wieder höher ausfallen dürften.

China trägt Schaeffler-Umsatz

Davon unabhängig sind die Zahlen aus der Volksrepublik in jedem Fall beeindruckend. So weist das Schaeffler-Segment Automotive Technologies in China ein Wachstum von 74,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus. Da das Segment weltweit ein vergleichsweise niedriges Wachstum von 15,8 Prozent erzielt hat, zeigt sich welche Bedeutung der Markt in China mittlerweile für Schaeffler hat.

Ähnlich ist die Entwicklung im Bereich Automotive Aftermarket. Auch hier liegt China mit einem Wachstum von 73,8 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2020 weltweit vorne. Aus Europa meldet Schaeffler im gleichen Zeitraum einen Umsatzrückgang von 3,1 Prozent. Das Gesamtwachstum des Segments lag bei 4,0 Prozent

Damit liegt es praktisch gleichauf mit der Sparte Industrial, die ein Wachstum von 3,9 Prozent erzielte. Die Sparte Industrial trägt mit zuletzt 836 Mio. EUR allerdings fast das Doppelte zum Schaeffler-Umsatz bei wie Automotive Aftermarket (444 Mio. EUR).

commercetools mit weiterem Investmentkapital

commercetools mit weiterem Investmentkapital und Blick nach China
Bildquelle: Adobe Stock; © Андрей Яланский

Die E-Commerce-Plattform commercetools hat weiteres Investmentkapital eingesammelt, mit dem sie ihre globale Expansion fortsetzen und besonders in China wachsen will.

Das Geld der neuen Finanzierungsrunde kam wieder von der REWE Group, über ihre Tochter REWE Digital, und Hauptanteilseigner Insight Partners aus den USA. Über die genaue Höhe der Kapitalspritze haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. In der Presseerklärung ist allerdings von einer Finanzierungsrunde in Millionenhöhe die Rede.

„commercetools ist mittlerweile eines der wertvollsten Technologie-Grownups aus Europa“, so Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender der REWE Group. „Wir haben das Potenzial früh erkannt und setzen die flexible Technologie bereits seit 2015 in unserem Digitalgeschäft ein.“

Aktuell erwirtschaftet commercetools‘ Software-as-a-Service-Modell bereits über 50 Millionen US-Dollar Annual Recurring Revenue (ARR). CEO und Mitgründer Dirk Hoerig geht davon aus, dass dieser Umsatz bis Mitte nächsten Jahres auf über 100 Millionen US-Dollar mehr als verdoppelt werden kann: „Dank der erneuten Investitionsrunde können wir unser Wachstum in den Märkten in Nordamerika und Asien-Pazifik weiter beschleunigen. Schon heute steuern diese 40 Prozent unseres Umsatzes bei. Die Höhe dieser Finanzierung unterstreicht einmal mehr, dass wir auf einem guten Weg sind, zur weltweit führenden Commerce-Plattform zu werden.“

Commercetools nutzt Investmentkapital für Expansion in China

Bereits jetzt steht commercetools im Segment Commerce-Software für Unternehmen in Europa auf Rang zwei hinter Branchenriese SAP. Die 2006 gegründete Firma mit Hauptsitz in München unterhält mittlerweile Büros in Europa, den USA und Singapur. Sie helfen commercetools dabei, immer mehr führende internationale Marken für sich zu gewinnen. Dazu gehören mit Audi, Bang & Olufsen, Danone, Lego und Panasonic bekannte Namen aus komplett unterschiedlichen Branchen.

Jetzt steht als nächstes der Ausbau des Geschäfts in China an. commercetools CEO Hoerig zeigt sich optimistisch: „Unternehmen müssen schnell und flexibel auf neue Kundenwünsche reagieren können, eine Vielzahl an Verkaufskanälen anbinden und mit dem Druck steigender Nachfrage umgehen. Wir bieten unseren Kunden eine Technologie, mit der sie auf Amazon-Niveau arbeiten können, ohne deren Kostenstruktur bedienen zu müssen.“ Beides Aspekte, die auf dem chinesischen Markt, der bisher noch keinen klaren Marktführer hat, sicherlich von Bedeutung sein werden.

China dominiert Markt für Polysilizium

China dominiert Markt für Polysilizium
Bildquelle: Adobe Stock; © Eaknarin

Einer Marktstudie zufolge wird der Markt für das in Solarzellen eingesetzte Polysilizium bald vollständig von Herstellern aus China dominiert werden.

Das Würzburger Marktforschungsunternehmen Bernreuter Research hat seinen aktuellen Bericht zur Lage am Markt für Polysilizium veröffentlicht. Polysilizium kommt in der Produktion von Solarzellen zum Einsatz. Es ist daher auch ein guter Indikator für die Entwicklung des Photovoltaikmarktes.

Wie das Unternehmen schreibt, war bis 2020 noch der deutsche Anbieter Wacker Chemie größter Hersteller von Polysilizium weltweit. Dann hat ihn aber Tongwei Co., Ltd aus China an der Spitze abgelöst. Auf Rang drei steht wiederum die ebenfalls chinesische Daqo New Energy.

Diese Rangfolge wird sich aber schon in Kürze noch einmal – und deutlich – verschieben. Denn Wacker hat nach eigener Aussage kein Interesse daran hat, seine Produktionskapazitäten in großem Stil auszubauen. Die chinesischen Hersteller von Polysilizium in China expandieren aber weiterhin. Es ist daher davon auszugehen, dass Wacker in kurzer Zeit auf Rang 5, hinter Tongwei, Daqo, GCL-Poly und Xinte Energy zurückfallen wird. Die chinesischen Unternehmen profitieren von niedrigeren Herstellungskosten und können andere Hersteller somit unterbieten. Mit ein Grund, warum sich 2020 OCI aus dem Markt zurückgezogen hat. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Südkoreaner noch drittgrößter Hersteller von Polysilizium für Solarzellen.

Der Westen wird abhängig von Polysilizium aus China

Bernreuter Research warnt denn auch davor, dass der Westen sich von Chinas Solarindustrie abhängig mache. In den nächsten Jahren sei damit zu rechnen, dass 90 Prozent des weltweit produzierten Polysiliziums für Solarzellen aus China stammen werde. Eine nicht zu unterschätzende Abhängigkeit, wo der Westen gerade jetzt beim Wechsel hin zu erneuerbaren Energien doch auf Photovoltaik angewiesen sei. Das Unternehmen empfiehlt daher, die Produktion, besonders von Ingots und Wafern wieder selbst aufzunehmen. Das Problem der hohen Produktionskosten und mit der Stromerzeugung verbundenen Umweltschäden ist aus Sicht von Bernreuter Research lösbar. So könne man den für die Herstellung des Siliziums benötigten Strom beispielsweise in den USA oder Kanada vergleichsweise günstig und klimafreundlich aus Wasserkraft gewinnen.

BioNTech und Fosun gründen Joint Venture

BioNTech und Fosun gründen Joint Venture
Bildquelle: Adobe Stock; © Markus Mainka

BioNTech und der chinesische Partner Fosun Pharma gründen ein Joint Venture für die Produktion von COVID-19-Impfstoffen in China. Das neue Unternehmen soll bis zu einer Milliarde Impfdosen jährlich produzieren.

Wie Fosun Pharma am Wochenende bekannt gab, wird das Unternehmen ein Joint Venture mit dem deutschen Impfstoffhersteller BioNTech gründen. Geplant ist ein Produktionszentrum in Shanghai, das bis zu einer Milliarde Impfdosen gegen COVID-19 jährlich produzieren kann.

Beide Unternehmen werden jeweils 50 Prozent der Anteile am Joint Venture halten und jeweils ca. 100 Millionen Dollar in das Unternehmen investieren. Fosun und der Mainzer Hersteller BioNTech arbeiten bereits seit einiger Zeit eng zusammen. So ist Fosun der exklusive Partner für den Vertrieb des BioNTech-mRNA-Impfstoffs in China, Hongkong, Taiwan und Macao.
Interessanterweise steht eine Zulassung des mRNA-Impfstoffs von BioNTech in der Volksrepublik weiter aus. Die Gründung des Joint Ventures ist aber sicherlich als Hinweis darauf zu verstehen, dass diese Zulassung nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.

Neues BioNTech-Hauptquartier in Singapur

Fast zeitgleich mit der Ankündigung des Joint Ventures durch Fosun hat BioNTech ein regionales Hauptquartier in Singapur angekündigt. Noch 2021 eröffnet ein erstes BioNTech-Büro, während parallel mit dem Bau des Werks begonnen wird. Mit Unterstützung durch den Stadtstaat will BioNTech dann ab 2023 auch in Singapur bis zu einer Milliarde COVID-19-Impfdosen im Jahr herstellen. Dazu wird die hochmoderne und annähernd vollautomatische Einrichtung kaum Personal benötigen. So soll das neue Werk nur ca. 80 Arbeitsplätze in Singapur schaffen. Die Wirtschaftsförderung Singapurs misst das BioNTech-Investment aber nicht allein an der Zahl der neuen Arbeitsplätze. Vielmehr geht es ihr darum, dass die Einrichtung, nicht nur mit Blick auf COVID-19, sondern auch potenzielle zukünftige Pandemien, von entscheidender Bedeutung sein kann. Denn das Werk wird nicht nur COVID-19-Impfstoffe produzieren. Vielmehr wird es in der Lage sein, auch andere mRNA-basierte Impfstoffe herzustellen, wenn das einmal nötig werden sollte.

China auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

China auf dem Weg zur Nachhaltigkeit
Bildquelle: Adobe Stock; © Romolo Tavani

Während die COVID-19-Pandemie abklingt, aber nach wie vor aber viele Volkswirtschaften rund um die Welt belastet, haben die politischen Entscheidungsträger in China – einem der beiden größten Märkten der Welt nach der Bevölkerungszahl – im vergangenen Jahr wichtige Struktur- und politische Reformen verabschiedet. Somit lohnt sich ein Blick auf die strukturellen und langfristig gegebenen Potentiale des asiatischen Wirtschaftstreibers. Ein Bereich, der in China besondere Aufmerksamkeit verdient, ist die Nachhaltigkeit.

China, mit seinen 1,4 Milliarden Menschen konzentriert sich auf Binnenkonsum sowie technologischen Fortschritt und achtet bei seinem Wachstum zunehmend auf Nachhaltigkeit bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Für Aktieninvestoren, die bei der Titelauswahl einen Bottom-up-Ansatz verfolgen, ergeben sich daraus Chancen. Dazu wollen wir uns die chinesische Volkswirtschaft einmal genauer anschauen.

China auf Reformkurs – mit „Carbonomics“ als Maßstab für Wachstum

Geläufig ist: Chinas Wirtschaft hat die Pandemie gut überstanden. Die „Zwei Sitzungen“ des Nationalen Volkskongresses, bei denen vor Kurzem der 14. Fünfjahresplan bekannt gegeben wurde, brachten willkommene Klarheit über den Kurs der Politik. So soll die Strategie der „Zwei Wirtschaftskreisläufe“ die Abhängigkeit von ausländischen Märkten reduzieren. Das dürfte den Binnenkonsum und die wirtschaftliche Selbstständigkeit stärken, was wiederum ausländische Kapitalzuflüsse anregt. Diese könnten dann Forschung und Entwicklung sowie Investitionen beschleunigen. Somit wäre China in der Lage, seine Wirtschaft allmählich von Basisindustrien zu einer innovationsbasierten Wirtschaft umzubauen.

Innovation und Reformen werden außerdem eine wichtige Rolle dabei spielen, dass China seine CO2-Ziele erreicht. Geplant ist, die CO2-Emissionen ab 2030 zu reduzieren und bis 2060 soll die Volksrepublik dann vollständig CO2-neutral sein. Da mit „Carbonomics“ jetzt Nachhaltigkeit der neue Maßstab für Chinas Wachstum wird, könnte dies durch den CO2-Handel und Investitionen in die Erzeugung erneuerbarer Energie wie Solar- und Windenergie sowie in Elektrofahrzeuge erfolgen.

China mit Millennial-Mentalität und Fokus auf Nachhaltigkeit

In China lebt ein großer Teil der weltweiten Millennial-Generation, die als die einflussreichste Verbrauchergruppe der Welt gilt. Natürlich unterscheiden sich die Entwicklungszyklen in China von denen des Westens. Dennoch rechnen wir damit, dass Konsumverhalten, Präferenzen und Prioritäten der Millennials im kommenden Jahrzehnt zur wirtschaftlichen Transformation in China beitragen werden.

Ein Thema, das bei vielen Millennials – auch in China – obersten Stellenwert hat, ist Nachhaltigkeit. Wir erkennen zahlreiche Chancen, die sich durch den gestiegenen Fokus auf Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungs- (ESG)-Faktoren ergeben.

In China treiben ESG-Kriterien die Entwicklung von Marktmechanismen für die Preisbestimmung von CO2 und die stärkere Akzeptanz alternativer und erneuerbarer Energiequellen voran. Die Verfügbarkeit der von chinesischen Unternehmen offengelegten ESG-Informationen ist allerdings nicht so vielfältig wie in Industrieländern. Doch die Entwicklung der Kapitalmärkte und die stärkere institutionelle Beteiligung drängen Unternehmen zu mehr Transparenz und einem effizienteren Ressourceneinsatz. Technologischer Fortschritt führt unserer Ansicht nach zu einer Steigerung der wirtschaftlichen Effizienz und zur Förderung und höheren Akzeptanz von alternativen Energien. Dazu zählt beispielsweise die Solarenergie in allen Wirtschaftszweigen und Haushalten.

Chancen, Risiken – und Bewertung

Globale Finanzinstitute, Pensionsfonds, Stiftungen und andere Großanleger investieren heute generell weniger in Schwellenländeraktien als in Aktien aus Industrieländern. Zugleich: Wenn sich die Gewinnwachstumsdynamik bei Schwellenländerunternehmen verbessert, rechnen wir mit mehr Kapitalzuflüssen in die Anlageklasse der Schwellenländeraktien. Und zwar gerade, weil die Bewertungen derzeit attraktiv sind.

In China bleibt die höhere Verschuldung der Unternehmen, die dieses Jahr bereits zu einer Marktkorrektur beigetragen hat, ein Risiko, das beobachtet werden muss. Wir halten die Fundamentaldaten jedoch nach wie vor für stark. Folglich gehen wir davon aus, dass das Gewinnwachstum – und nicht die Stimmung – die Märkte von jetzt an bestimmen wird. Was potenzielle geopolitische Risiken angeht, sind wir der Ansicht, dass Anleger das Beste hoffen, sich aber auf Marktstörungen einstellen sollten.

 

ITM Isotopen Technologien München expandiert nach China

ITM Isotopen Technologien München expandiert nach China
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Die ITM Isotopen Technologien München AG (ITM AG) gründet eine Tochtergesellschaft, um ihre Expansion in China zu beschleunigen.

Die Gründung der Tochergesellschaft ITM (Shanghai) Precision Medical Co., Ltd., (ITM Shanghai) ist für die ITM AG ein wichtiger Schritt, um ihre Präzisionsonkologie nach China zu bringen. Im Zuge der Öffnung des chinesischen Marktes besteht im Gesundheitssektor kein Joint-Venture-Zwang mehr. ITM Shanghai ist daher als sogenannte WFOE (wholly foreign-owned entity) vollständig im Besitz der ITM AG.

Mit Hilfe der ITM Shanghai will die ITM AG ihre Präsenz in China weiter stärken. Ein nachvollziehbarer Schritt, da China sich immer mehr zu einem wichtigen Markt für die Pharmaindustrie entwickelt. Dementsprechend will hier auch die ITM AG mit ihrem Portfolio im Bereich neuartige Molekulare Radioonkologie vertreten sein. Das ITM Shanghai Team wird sich auf den Ausbau und die Beschleunigung der klinischen Entwicklung konzentrieren. Hinzu kommen die Registrierung von Behandlungsmethoden sowie der Kontakt zu chinesischen Behörden und Industriepartnern. So soll chinesischen Patienten der Zugang zum Portfolio der ITM AG ermöglicht werden.

ITM-Tochter ist ein weiterer Schritt in der China-Strategie

Die Gründung der chinesischen Tochter ist Teil einer langfristigen China-Strategie, die von der ITM AG bereits vor mehr als 10 Jahren begonnen wurde. Damals ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit der China Isotope & Radiation Corporation (CIRC) ein. Diese strategische Zusammenarbeit hat die ITM AG 2019 noch einmal mit einem Lizenzabkommen vertieft. Seither darf CIRC ausgewählte Radioisotopen selbst herstellen und vertreiben. Diese enge Zusammenarbeit zwischen CIRC und ITM soll dazu beitragen den Bedarf an theranostischen medizinischen Radioisotopen für den chinesischen Markt zu decken. (“Theranostik” ist ein Kofferwort aus Therapie und Diagnostik.)

Steffen Schuster, Chief Executive Officer der ITM AG zur China-Strategie: “Krebs ist die häufigste Todesursache in China, was einen hohen Bedarf and innovativen, präzisen und wirtschaftlichen Behandlungsmethoden erzeugt. Wir sind stolz, dass wir über die letzten zehn Jahre dazu beitragen konnten, in China die Grundlagen für die Radiomolekulare Präzisionsonkologie zu legen. Gemeinsam mit CIRC als Teil unseres „Processing and Production”-Netzwerks können wir sowohl Versorgungssicherheit als auch Skalierbarkeit von medizinischen Radioisotopen für den exponentiell wachsenden Markt der gezielten Radiopharmazie in der Präzisionsonkologie sicherstellen.“

Ein Bedarf, den nicht nur die ITM AG im Blick hat. Erst kürzlich hat Mitbewerber Eckert & Ziegler ebenfalls angekündigt, Radioisotope künftig in China zu produzieren. Das Berliner Unternehmen errichtet dazu in Jintan ein Produktions- und Verwaltungszentrum, das 2022 den Betrieb aufnehmen soll.

Deutsche Exporte steigen weiter

Bild: Adobe Stock; © Tiero

Auch im März sind die deutschen Exporte weiter gestiegen. Sie liegen jetzt nur noch 0,9 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2020.

Angesichts des pandemiebedingten Wirtschaftseinbruchs, der ab dem März 2020 verzeichnet wurde, weist das Statistische Bundesamt (Destatis) in seiner aktuellen Veröffentlichung der Außenhandelszahlen für den März 2021 darauf hin, dass bis auf weiteres das Vorkrisenniveau aus dem Februar 2020 als Vergleichswert angegeben wird.

Ein Hinweis der offensichtlich mit der Tatsache zusammenhängt, dass im Vergleich zum Vorjahresmonat die jeweils höchsten je gemessenen nominalen Monatswerte für Importe und Exporte verzeichnet wurden. So stiegen die Exporte im März 2021 um 16,1 Prozent und die Importe um 15,5 Prozent. In absoluten Zahlen hat Deutschland im März 2021 Waren im Wert von 126,5 Milliarden Euro exportiert und im Wert von 105,9 Milliarden Euro importiert.

Das entspricht einem Wachstum von 1,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat, dem Februar 2021. Das Wachstum des deutschen Außenhandels setzt sich damit weiter fort. Die Exporte liegen aber weiterhin 0,9 Prozent unter denen des Februars 2020. Die Importe hingegen liegen mit 97,2 Mrd. EUR deutlich über dem Februar 2020 (91,0 Mrd. EUR).

 

Deutsche Exporte nach China wachsen weiter.
Bild: Adobe Stock; © Tiero

China weiter zweitwichtigster Markt für deutsche Exporte

Der zweitwichtigste Markt für deutsche Exporte ist unverändert die Volksrepublik China mit 10,3 Mrd. EUR. Ein deutliches Wachstum, nicht nur im Vergleich zum Vorjahr, sondern auch dem direkten Vormonat als die Exporte noch bei 8,5 Mrd. EUR lagen. An erster Stelle der Exportmärkte stehen unverändert die USA mit Exporten in Höhe von 11,1 Mrd. EUR.

Bei den Importen zeigt sich ein anderes Bild: Deutschland hat im März 2021 Waren im Wert von 11,7 Mrd. EUR aus China eingeführt. Im Februar 2020 waren es noch 9,9 Mrd. EUR. Aus den USA wurden im März 2021 Waren im Wert von 6,7 Mrd. EUR importiert.

Insgesamt schloss die Außenhandelsbilanz im März 2021 mit einem Überschuss von 20,5 Milliarden Euro ab. Im März 2020 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz 17,2 Milliarden Euro betragen. Kalender- und saisonbereinigt lag der Überschuss der Außenhandelsbilanz im März 2021 bei 14,3 Milliarden Euro.

Audi mit Absatzrekord in China und USA

Audi mit Absatzrekord in China und USA
Bild: Audi AG

Die positive Geschäftsentwicklung des Audi-Konzerns setzt sich fort. Im Rahmen einer deutlichen Erholung im ersten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahr hat Audi in China und den USA neue Absatzrekorde aufgestellt.

Wie auch andere Unternehmen profitiert Audi – rein prozentual – von den pandemiebedingt niedrigen Vorjahreszahlen. So konnte das Ingolstädter Unternehmen ein Wachstum um 31 Prozent vermelden. Der Wert liegt aber trotz allem deutlich über den durchschnittlich 20 Prozent des weltweiten PKW-Markts. Audi hat sich somit deutlich schneller als die Konkurrenz von der Corona-Krise erholt und seine Marktanteile steigern können.
Auffällig ist aber dennoch, dass Audi, anders als VW, keine Vorkrisenzahlen zum Vergleich anbietet.

Von den im ersten Quartal 2021 verkauften 462.828 Fahrzeugen der Marke Audi ging annähernd die Hälfte allein nach China, was einen neuen Absatzrekord bedeutet. Aber nicht nur in China verkaufen sich die Modelle aus Ingolstadt gut. Auch die Audi-Händler in den USA melden mit 55.000 Fahrzeugen einen neuen Quartalshöchstwert. Gleichzeitig gingen die Absatzzahlen in Europa um 6,1 Prozent zurück, was die Ingolstädter auf die pandemiebedingten Einschränkungen sowie anhaltende Halbleiter-Knappheit zurückführen.

China und USA werden für Audi immer wichtiger

Die Bedeutung von China und den USA als Absatzmärkte wird noch einmal deutlicher, wenn nicht nur die Absatzzahlen, sondern auch die verkauften Modelle betrachten werden. Während in den Überseemärkten die Oberklasse-Modelle Q7, Q8, Audi e-Tron und A6 dominieren, ist es in Europa der vergleichsweise günstige Q3.
Das gute Chinageschäft wird separat auch noch einmal als positiver Einfluss auf das Finanzergebnis aufgeführt, wenngleich es mit 285 Mio. EUR unter dem Vorjahr (530 Mio. EUR) lag.

Deutsche Unternehmen in China zuversichtlich

Deutsche Unternehmen in China zuversichtlich
Bild: Adobe Stock; © Jonas Weinitschke

Der aktuelle AHK-World Business Outlook zeigt, dass deutsche Unternehmen in China zu 69 Prozent einen Aufschwung in den nächsten 12 Monaten erwarten. Der höchste Wert unter den erfassten Regionen. Probleme gibt es aber im Bereich der Lieferketten.

Die deutschen AHKs haben ihre Mitglieder in aller Welt nach ihrer Geschäftssituation und ihren Erwartungen für die Zukunft befragt. Das Ergebnis hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seinem AHK World Business Outlook Frühjahr 2021 zusammengefasst.

Insgesamt schätzen die deutschen Unternehmen in aller Welt ihre Geschäfte wieder überwiegend als „gut“ (45 Prozent) ein. Nur 14 Prozent sind mit der Situation unzufrieden („schlecht“), wobei die Industrie die höchsten Zufriedenheitswerte ausweist.

Durchschnittlich erwarten 47 Prozent der befragten Unternehmen, dass sich die Konjunktur vor Ort verbessern wird, 21 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Allerdings sind auch unter den optimistischen Unternehmen nur die wenigsten der Ansicht, dass noch 2021 mit einer nachhaltigen Konjunkturerholung zu rechnen ist. 43 Prozent erwarten diese erst für 2022, während ein Viertel sogar erst 2023 damit rechnet.

Nach Regionen aufgeschlüsselt, zeigt sich aber ein deutlich differenzierteres Bild: So sind deutsche Unternehmen in China zu 69 Prozent zuversichtlich, dass es noch in den kommenden 12 Monaten einen Aufschwung geben wird. Der weltweit höchste Wert und in deutlichem Kontrast zum Schlusslicht Ost- und Südosteuropa mit nur 30 Prozent.
Die Eurozone liegt mit 43 Prozent im Mittelfeld hinter Asien (49 Prozent) und Nordamerika (64 Prozent).

Deutsche Unternehmen mit Lieferkettenproblemen in China

Wie die Befragung auch ergeben hat, ist die Stimmung in China und Asien aber nicht völlig ungetrübt. Während im Schnitt 40 Prozent der befragten Unternehmen mit Lieferketten- und Logistikproblemen zu kämpfen haben, sind es in China 53 Prozent. Überdurchschnittlich betroffen sind aber auch der gesamte Asien-Pazifik-Raum (47 Prozent) und Nordamerika (46 Prozent). Hauptursachen sind nach Angaben der Unternehmen neben Produktionsausfällen vor allem Probleme mit der Seefracht und die Containerknappheit der vergangenen Monate. Verlängerte Lieferzeiten und erhöhte Transportkosten sind die Folge. 71 Prozent der betroffenen Unternehmen planen daher, ihre Lieferketten umzustellen.

Geringer FDI-Rückgang in Deutschland

Geringer FDI-Rückgang in Deutschland
Bild: Adobe Stock; © ronstik

Im Vergleich zu 2019 haben sich 2020 weniger ausländische Unternehmen in der Bundesrepublik angesiedelt. Der FDI-Rückgang in Deutschland kommt nicht überraschend, fiel aber geringer aus als befürchtet. China ist nach den USA und der Schweiz drittwichtigstes Quellland für Investitionen in Deutschland.

Der aktuelle FDI Report der Germany Trade & Invest (GTAI) zeigt, dass sich 2020 insgesamt 1.684 ausländische Unternehmen in Deutschland angesiedelt haben. GTAI erstellt dieses Reporting gemeinsam mit den Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Bundesländer. 1.684 neue Projekte im Jahr 2020 bedeuten einen Rückgang von neun Prozent im Vergleich zu 2019 als es 1.851 Projekte waren. Den Rückgang hatte man angesichts der weltweiten Corona-Krise erwartet. Er fiel jedoch deutlich niedriger aus, als die GTAI ursprünglich erwartet hatte.

„Der Rückgang kommt in Anbetracht der weltweiten Corona-Krise alles andere als überraschend. Allerdings hatte die UNCTAD (Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung) für die EU einen Rückgang der Investitionen in Höhe von 15 Prozent prognostiziert, die neun Prozent sind deswegen letztendlich eine gute Nachricht“, meint Robert Hermann, Geschäftsführer von Germany Trade & Invest.

Im Zusammenhang mit den neuen Investitionsprojekten geht die GTAI davon aus, dass mehr als 35.000 Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Wichtigstes Herkunftsland für FDI in Deutschland waren 2020 die USA mit 254 Investitionsprojekten. An zweiter und dritter Stelle folgen die Schweiz mit 219 und China mit 154 Projekten.

Elektro-FDI nach Deutschland steigen

GTAI haben im Rahmen ihres FDI-Reportings einen weiteren Trend in Deutschland ausgemacht: Die Bundesrepublik hat 2020 im Bereich Elektromobilität deutlich zugelegt und zeigt sich als Markt hochattraktiv. Zum einen für Konkurrenten der deutschen KFZ-Industrie (z.B. Tesla), zum anderen für Lieferanten, wie beispielsweise den chinesischen Batteriehersteller Svolt Energy Technology (Svolt). Das Unternehmen hatte im vergangenen Herbst einen Produktionsstandort im Saarland angekündigt. Hier will Svolt ab 2022 bis zu 2.000 Arbeitsplätze schaffen.

„Hierzulande werden hochmoderne Produktionsanlagen gebaut und tausende Jobs geschaffen, genauer gesagt etwa 15.000 allein in diesem Bereich. Es ist auch erfreulich zu beobachten, dass rund zwanzig Prozent der Unternehmen Deutschland als Forschungs- und Entwicklungsstandort nutzen wollen“, erklärt Robert Hermann.

Insgesamt sind die FDI internationaler Unternehmen in Deutschland recht breit gestreut und nutzen das breite Branchenspektrum des Standortes gut aus. Schwerpunkte liegen in den Sektoren IKT- & Software (19 Prozent), gefolgt von Unternehmens- und Finanzdienstleistungen (17 Prozent). Ebenfalls großes Interesse zeigen Investoren in den Bereichen Konsumgüter (10 Prozent) und Maschinenbau (9 Prozent).

Der Beteiligungssektor in China – Unterschiede und Besonderheiten

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Welche Eigenarten und Unterschiede der Beteiligungssektor in China im Vergleich zum deutschen oder amerikanischen Sektor aufweist, erläutert Dr. Ernst Ludes, Head of Europe bei CVCapital, in diesem aufschlussreichen Interview. Dabei er zeigt auch auf, in welchen Bereichen sich Investoren noch besser aufstellen können.

Investment Plattform China/Deutschland:
Was unterscheidet den Beteiligungssektor in China von unserem?

Dr. Ludes: Der chinesische Beteiligungssektor unterscheidet sich von unserem oder dem amerikanischen darin, dass in China das Venture-Capital- und das Private-Equity-Geschäft sich viel mehr verwischen. In China gibt es vor allem Wachstumsinvestoren, während in Deutschland der Großteil der Investoren BuyOut-Investoren sind, die Mehrheiten erwerben wollen. In China können auch Private Equity-Investoren durchaus in frühphasigen Series C- oder D-Situationen investieren. Bei uns liegt bei Investments in Wachstumsunternehmen der klare Fokus auf Profitabilität, während in China die meisten Wachstumsunternehmen auf Jahre hinaus keinen Profit erwirtschaften. Es wird mehr auf Umsatzwachstum gezielt als auf Ertragswachstum. Man will Marktanteile gewinnen, und pflegt die Philosophie, dass die Profitabilität sich hinterher einstellen wird. Bestes Beispiel ist Meituan, das hinter Tencent und Alibaba einer der größten Digitalkonzerne Chinas ist. Meituan plant eine Kapitalaufnahme in Hongkong von bis zu 4,5 Mrd. USD, macht aber derzeit noch Verluste.

Wie unterscheiden sich die Beteiligungsunternehmen zwischen China und Deutschland in ihrer inneren Struktur?

Zunächst gibt – es auf den gesamten Beteiligungssektor in China bezogen – große Unterschiede in der Qualität und in den Marken. Es gibt zahlreiche große, professionelle Brands wie Sequoia Capital China oder Hillhouse Capital aber auch viele kleinere Beteiligungsunternehmen, die noch nicht so bekannt sind. So gibt es auch Beteiligungsfirmen, in denen die Entscheidungsstrukturen zumindest aus europäischer Sicht unklar sind. Unterschiede gibt es auch in den Entscheidungsprozessen. In Europa sind sie standardisiert, in China gibt es das auch, aber häufig hat der Chairman das letzte Wort und er wiederum kann vieles noch umschmeißen. Während es bei uns tendenziell eher zu Gremienentscheidungen kommt, kommt es in China häufiger zu einer Ein-Mann-Entscheidung, was ggf. die Verlässlichkeit reduzieren kann.

Was sind für die chinesischen Investoren die Gründe, um in Deutschland oder der EU zu investieren?

Aktuell besteht auf der chinesischen Seite noch Interesse, bei uns zu investieren und das obwohl der Wechsel zu Biden die politische Landschaft aus Sicht Chinas weder zu den USA noch zu Europa verbessert hat. Einige chinesische Investments werden nach wie vor behindert. So wurden beispielsweise in Italien chinesische Investments abgelehnt wie z.B. des Automobilherstellers FAW, der den italienischen Lastwagenhersteller IVECO kaufen wollte. Dieses Geschäft ist letztlich von der Regierung blockiert worden. Ich frage mich dabei, warum IVECO strategisch für Italiens Sicherheit so wichtig sein soll. Auf der anderen Seite würde die Transaktion für IVECO große Opportunitäten in China eröffnen, weshalb die Shareholder von IVECO, CNH Industrial, auch dankbar wären, würde die Transaktion zustande kommen.

Wie präsent sind die chinesischen Investoren mit Organisationen vor Ort in Deutschland?

Mich überrascht, dass nur wenige chinesische Private-Equity-Häuser (PE) mit Büros in Europa präsent sind. Schließlich macht es beim Deal Sourcing einen großen Unterschied, wenn Mitarbeiter nur in China vor Ort in einer ganz anderen Zeitzone sitzen und kaum Möglichkeiten für den Aufbau eines intensiven persönlichen Netzwerks haben. Gleichzeitig kommt es mir so vor, dass die Mehrheit der chinesischen Finanzinvestoren opportunistisch auf ihnen unterbreitete Investitionsangebote reagiert. Sie analysieren den Markt in Europa weniger proaktiv und systematisch, um bereits heute zu wissen, welche Assets in den nächsten 18 Monaten in Europa auf den Markt kommen werden. Deswegen sehen wir sie oft als Käufer von Assets, die für europäische PEs weniger attraktiv sind. Nehmen wir die von der chinesischen Hillhouse Capital erworbene Consumer Appliance Sparte von Philips. Sie ist eine tolle Brand, aber eher nicht ein Geschäft, das durch hohe Margen oder besondere Wachstumsaussichten in Europa hervorsticht. Genau das aber suchen westliche PE-Firmen.

Gleichzeitig bringt der Gang nach China in den größten Markt der Welt für die Consumer Appliance Sparte von Philips neue Wachstumsimpulse. Daher ergibt die Akquisition für einen chinesischen Investor Sinn. Wenn die chinesischen Investoren aber nun bei uns an die Assets kommen wollen, die – weil sie profitabel aus sich heraus wachsen – auch für europäische PE-Firmen interessant sind, müssten sie sich wahrscheinlich hier vor Ort besser und stärker aufstellen.

Welche Probleme sollten dabei chinesische Investoren besonders beachten?

Verlässlichkeit ist ein wichtiges Thema, insbesondere auch in der internen Abstimmung. Ich habe eine große Verlässlichkeit bei chinesische Fonds gesehen, aber auch Situationen erlebt, wo der bereits ausgehandelte Deal nochmal ins chinesische Investment Commitee ging und dann ein anderer Investmentvorschlag als der ausgehandelte vorgelegt wurde. So ein Verhalten ist problematisch, denn es spricht sich herum. Jeder gute Investor achtet auf ein verlässliches Erscheinungsbild und eine klar definierte Corporate Governance. Diese Themen sind auch für das Management des Zielunternehmens wichtig. Denn das fragt sich, an wen berichte ich, welche Freiheitsgrade habe ich, wie werden sich die Board Meetings gestalten etc. Stimmen diese Themen nicht, kann das Management opponieren. Und ein Unternehmen gegen das Management zu kaufen ist häufig unmöglich.

Wie sehr sollten chinesische Beteiligungsunternehmen auf deutsche Mitarbeiter an Bord setzen?

Es bedarf eines multikulturellen Ansatzes. Für einen Deal hier ist es besser, wenn der chinesische Fonds verantwortliche lokale Manager einsetzt und der Prozess nicht rein von China aus getrieben wird. Bekommen die chinesischen PE-Firmen diese Themen in den Griff, werden sie im Vergleich zu den europäischen PE- und VC-Firmen einen deutlichen Mehrwert anbieten. Denn schließlich besitzen die chinesischen PE-Firmen ja den besseren Zugang zum chinesischen Markt und dessen Wachstumschancen.

Wir danken Ihnen für das Gespräch, Dr. Ludes.

 


Zur Person

Dr. Ernst Ludes ist Head of Europe der privaten chinesischen Investmentbank CVCapital. Zuvor war er Partner bei dem internationalen Private-Equity-Investor EQT und arbeitete bei Alchemy Partners sowie der M&A- und Corporate-Finance-Beratung Drueker & Co. Seine Karriere startete er bei McKinsey. 2010 gründete Dr. Ludes das Beratungshaus Turning Point Investments zur Beratung von Unternehmen in Sondersituationen.

IfW Kiel erwartet Exportrückgang für China

IfW Kiel erwartet Exportrückgang für China
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Das Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW Kiel) hat einen neuartigen Handelsindikator entwickelt. Dieser prognostiziert für den April einen Exportrückgang in China.

Der Kiel Trade Indicator des ifW Kiel erstellt Prognosen für den internationalen Handel. Als Basis dienen dem Frühindikator Echtzeitdaten von Containerschiffen. Dazu werden ihre Bewegungsdaten in 100 Seeregionen analysiert. Das System wertet auch den Tiefgang aus, um die Auslastung der einzelnen Schiffe zu erfassen. Hinzu kommen Containerumschläge in 500 Häfen, die Teil der erfassten Daten sind. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erfolgt dann die hochfrequente Auswertung durch einen speziell entwickelten Algorithmus.

„Mit dem Kiel Trade Indicator liefert das IfW Kiel einen konjunkturellen Frühindikator von bislang nicht gekannter Qualität und Quantität“, sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr. „Hochfrequente Daten bieten für uns die große Chance, wirtschaftliche Ausschläge mit sehr geringem Zeitversatz ablesen oder prognostizieren zu können. Wirtschaft und Politik können so beispielsweise sehr viel früher auf sich abzeichnende Verwerfungen reagieren und gegensteuern.“

Der zugrundeliegende Ansatz des maschinellen Lernens, erlaubt es dem Algorithmus sich ständig weiter zu verbessern. Er erkennt Schätzfehler, korrigiert diese und berücksichtigt sie in zukünftigen Prognosen entsprechend.

Der Indikator erfasst nicht den zuletzt stark gewachsenen Güterverkehr auf der Schiene zwischen China und Europa. Allerdings dürfte dieser im Vergleich zur globalen Containerschifffahrt auch weiterhin nicht sonderlich ins Gewicht fallen.

Indikator weist auf Exportrückgang für China hin

Der Kiel Trade Indikator meldet zweimal im Monat seine Prognosen. Zuerst um den 20. des jeweiligen Monats, wenn die Handelsdaten für den laufenden und den folgenden Monat berechnet werden und ein weiteres Mal um den 3. eines jeden Monats, wenn die Daten aktualisiert werden.

Das jüngste Update vom 03.05.2021 zeigt jetzt einen deutlichen Exportrückgang für die Volksrepublik China an. Die Auswertung der Containerschiffdaten hat ergeben, dass die Ausfuhren aus China im April um 8,8 Prozent zurück gegangen sind. Parallel sollten die Importe ein moderates Wachstum um 3,1 Prozent aufweisen.

„Damit zeigen die Containerschiffbewegungen erstmals seit einem Jahr eine Abkehr von Chinas robustem Exportwachstum an. Dies könnte auf Verspätungen von Schiffen, ausgelöst durch die Krise im Suezkanal, zurückzuführen sein. Gleichzeitig ist es denkbar, dass Konsumenten in Europa und den USA aufgrund von steigenden Corona-Impfraten beginnen, weniger Konsumgüter aus China und wieder mehr heimische Dienstleistungen wie Restaurantbesuche nachzufragen”, so Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator.

Es wird interessant sein zu beobachten, inwieweit die chinesischen Wirtschaftszahlen für den April diese Prognose bestätigen.

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