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Stunde der chinesischen Käufer? – Das Märchen vom Ausverkauf der Wirtschaft

Quelle: AdobeStock © ratpack223

In der zweiten Februarhälfte kam COVID-19 dann auch an den Börsen Europas und der USA an; die Indizes brachen auf breiter Front schnell und heftig ein. Zwar sorgten schnelle, in die Billionen USD gehenden Stützungsmaßnahmen dafür, dass sich die Kurse wieder relativ stabilisierten, aber in der Politik wuchsen die Sorgen um die heimischen Firmen. Man fürchtet nun, China werde in großem Stile angeschlagene oder auch einfach nur unterbewertete Firmen aufkaufen. Die Wettbewerbskommissarin der EU, Margrethe Vestager, warnte gegenüber der Financial Times vor einem „echten Risiko“ und brachte als mögliche Gegenmaßnahme sogar die Verstaatlichung von Unternehmen ins Spiel. Auch aus der
deutschen Politik sprangen viele auf diesen Zug auf. Wirtschaftsminister Altmaier bekräftigt, dass man einen Ausverkauf deutscher Unternehmen nicht zulasse. EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen ermahnte die nationalen Regierungen, Investitionen von außerhalb der EU sehr sorgfältig zu prüfen.

Die Unsicherheit im Markt ist groß – niemand wagt jetzt riskante Schnellschüsse.

Sun Yi Partnerin EY

Sinkende FDIs

Hintergrund der Sorgen sind dabei nicht nur die wirtschaftlichen Einbußen, die durch die Schutzmaßnahmen ausgelöst wurden, sondern auch die chinesische Strategie „Made in China
2025“. Sie soll China an die Spitze von zehn durch Peking definierten Schlüsselindustrien bzw. Wirtschaftsbereichen bringen, vom Schiffsbau über die Robotik bis zur Biomedizin. Bestandteil
der Strategie sind Übernahmen und Aufkäufe von westlichen Konkurrenten bzw. in den jeweiligen Industrien führenden Unternehmen. Insofern sind Befürchtungen in diese Richtung
nicht ganz von der Hand zu weisen – aber die Realität zeigt eher das Gegenteil: Seit 2017 sehen wir einen kontinuierlichen Rückgang der chinesischen Direktinvestitionen in Europa,
sowohl hinsichtlich der abgeschlossenen Deals insgesamt als auch der investierten Summen.

In Deutschland gingen die Investitionen von rund 12,5 Mrd. USD anno 2016 auf etwa 4,6 Mrd.
USD im vergangenen Jahr zurück; die Anzahl der Transaktionen fiel im selben Zeitraum von 68 auf 39. Die abnehmenden Direktinvestitionen sind übrigens eine weltweite Entwicklung. In China hingegen zeigt der Trend in die andere Richtung. Um 5,8% wuchsen die FDIs hier im vergangenen Jahr – rund 138 Mrd. USD wurden im Reich der Mitte investiert. Insofern zeigt sich auch Yi Sun, die als Partnerin den Bereich China Business Services der DACHRegion
bei EY leitet, unaufgeregt: „Wir erleben kein sonderlich gestiegenes Interesse von chinesischen Investoren. Im Gegenteil, fast die Hälfte aller Transaktionen ist derzeit auf Hold.
Viele wurden sogar komplett abgesagt. Die Unsicherheit im Markt ist groß. Da wagt niemand riskante Schnellschüsse.“

Strengere Rahmenordnungen

Ein gewisses gestiegenes Interesse macht Dr. Ernst Ludes, Geschäftsführer von CVCapital, zwar schon aus – insbesondere von chinesischen Finanzinvestoren, die europäische Aktien nun für günstig halten. Allerdings bedeutet dies noch lange nicht, dass sich dieses Interesse auch schnell umsetzen ließe, denn die regulatorischen Rahmenordnungen haben sich seit der für die deutsche Politik fast traumatisch zu nennenden Übernahme des Robotikunternehmens KUKA durch den chinesischen Mischkonzern Midea deutlich verschärft. Die Möglichkeiten der Bundesregierung, bei Investitionen in „systemrelevante“ Sektoren die Zustimmung zu verweigern, wurden deutlich erweitert. Im Rest der EU sieht es ähnlich aus. In den USA kontrolliert das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) alle ausländischen Investments.

„CFIUShat auch enorme Auswirkungen auf Cross-Border-Transaktionen zwischen Europa und China“, konstatiert Dr. Ludes. „Die meisten großen Unternehmen haben Produktionsstandorte in den USA, und damit sind sie von CFIUS betroffen. Nicht wenige Transaktionen scheiterten am Ende daran.“ Die von Ex-Präsident Barack Obama verhinderte Übernahme von AIXTRON durch Fujian Grand Chip ist das prominenteste Beispiel, aber viele mögliche Transaktionen werden aufgrund des drohenden Einspruchs des CFIUS bereits in einem viel früheren Stadium und von der Öffentlichkeit unbemerkt aufgegeben.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass auch die chinesischen Investoren selbst intensiven staatlichen Regularien unterliegen. Auslandsinvestitionen
sind genehmigungspflichtig und bedürfen einer langen Prüfung durch die entsprechenden staatlichen Institutionen. Gerade die Schieflage des Megakonglomerats HNA, das über Jahre
hinweg mehr oder weniger wahllos Unternehmensbeteiligungen wie z.B.einen 3,5%-Anteil an der Deutschen Bank angesammelt hat und nun massive Staatshilfen in Anspruch nehmen
muss, sorgt dafür, dass die Kontrolleure jetzt ganz besonders genau hinschauen. „Allein der ODI-Prozess [Overseas Direct Investment, Anm. d. Red.] dauert etwa drei bis sechs
Monate, chinesische Investoren können also die benötigte Liquidität gar nicht so schnell bereitstellen, wenn sie nicht bereits Dollar in beispielsweise Hongkong liegen haben“, so Dr.
Ludes.

Post M&A-Restructuring: Herausforderung für chinesische Investitionen

Symbolbild. Gavel und Geld.
Quelle: Adobe Stock © thodonal

Chinesische Investitionen in deutsche Unternehmen erfolgen für gewöhnlich durch den Erwerb von Geschäftsanteilen/Aktien und/oder Finanzierungen durch Ausreichung von Darlehen. Gerät die Zielgesellschaft in die Krise, gefährdet dies den Wert der Beteiligung und der Darlehensrückzahlungsansprüche, denn die Gesellschafterdarlehen sind typischerweise nachrangig. Neben dem Verlust des Investments können sich auch noch Haftungsfolgen für den chinesischen Investor sowie den chinesischen Geschäftsführer ergeben.

Verlust des Investments

Das deutsche Insolvenzrecht kennt als oberste Maxime die bestmögliche Gläubigerbefriedigung. Wenn einmal das Insolvenzverfahren eingeleitet worden ist, richtet sich die Entscheidung, ob das Unternehmen liquidiert oder fortgeführt wird oder die Assets des Unternehmens als Going Concern verkauft werden können, danach, welcher Weg für die bestmögliche Gläubigerbefriedigung der vorzugswürdige ist. In dieser Hinsicht sind besonders Situationen gefährlich, in denen der chinesische Investor Gesellschaftsanteile erwirbt und zugleich Gesellschafterdarlehen ausreicht. Im Insolvenzverfahren der deutschen Zielgesellschaft sind Gesellschafterdarlehen nachrangig: Sie werden erst bedient, wenn alle gesicherten und einfachen Insolvenzgläubiger vollständig befriedigt wurden.

Insolvenzanfechtungen von Rückzahlungen von Gesellschafterdarlehen

Darüber hinaus sind auch Zahlungen, die ein Gesellschafter aufgrund eines Gesellschafterdarlehens im Zeitraum von einem Jahr vor der Stellung des Insolvenzantrags erhalten hat, durch den Insolvenzverwalter anfechtbar und müssen in die Insolvenzmasse zurückgeführt werden. Noch weiter zurück reicht die Insolvenzanfechtung von Sicherheiten, die ein Gesellschafter für ein Gesellschafterdarlehen erhalten hat – hier beträgt die Anfechtungsfrist sogar zehn Jahre. Die konkrete Ausgestaltung des Ausreichens von Gesellschafterdarlehen sowie deren Rückzahlungen kann entscheidend sein, um die Haftungsfolgen zu minimieren. So kann es z.B. besser sein, wenn der Gesellschafter erst auf die Sicherheit verzichtet, bevor ein Darlehen zurückgezahlt wird.

Ein Gesellschafter muss auch stets zahlen, wenn er einem Dritten für dessen Darlehen eine Sicherheit gestellt hat – sei es durch Mithaftung, Bürgschaft, Sicherungsübereignung oder andere Personal- oder Realsicherheiten. Diese Haftung des Gesellschafters gilt im Ergebnis unabhängig davon, ob die Gesellschaft den Dritten im Zeitraum von einem Jahr vor dem Insolvenzantrag befriedigt hat oder ob die Gesellschaft dazu nicht mehr in der Lage war.

Vorsicht ist auch bei der Ausreichung von Darlehen und Sicherheiten durch konzernverbundene Unternehmen geboten, die nicht selbst direkt Gesellschafter sind, denn nicht nur der Gesellschafter selbst ist von den erwähnten Regelungen betroffen, sondern auch mit ihm horizontal oder vertikal verbundene Unternehmen.

Schuld bei der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung

Ebenso birgt das ungeprüfte Ausreichen von (weiteren) Darlehen durch den chinesischen Investor in der Krise des deutschen Zielunternehmens nicht unerhebliche Risiken. Ein Darlehensgeber kann sich unter Umständen der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung schuldig machen, wenn die Gesellschaft im Zeitpunkt der Darlehensvergabe insolvenzreif war, der Darlehensnehmer dies wusste oder sich leichtfertig der entsprechenden Erkenntnis verschloss und so das Hinausschieben des gebotenen Insolvenzantrags bewirkt oder geduldet wird. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich für den chinesischen Investor, umfassende Informationen einzuholen und sorgfältige Dokumentationen anzufertigen, damit im späteren Streitfall die finanzielle Situation des Zielunternehmens sowie die Intentionen des chinesischen Gesellschafters nachvollziehbar und belegbar sind.

Haftung des Gesellschafters aus Patronatserklärungen

Einen Durchgriff auf das Vermögen des chinesischen Gesellschafters sieht das deutsche Recht bei Kapitalgesellschaften per se nicht vor. Eine Haftung des chinesischen Investors für Verbindlichkeiten des deutschen Zielunternehmens kann aber aus vertraglichen Regelungen resultieren, insbesondere aus Unternehmensverträgen und Patronatserklärungen. Gerade Letztere werden oftmals unüberlegt und weder in zeitlicher noch betragsmäßiger Begrenzung ausgereicht. Häufig werden sie auch „vergessen“ und nicht beseitigt, wenn die Gesellschaft sie eigentlich nicht mehr benötigt. Im Insolvenzfall sind sie für den chinesischen Investor besonders riskant, zumal eine Kündigung erstens zulässig sein muss und zweitens nur für die Zukunft Wirkung hat. Zu empfehlen ist daher, Patronatserklärungen z.B. nur für die Geltung jeweils eines Jahres und idealerweise der Höhe nach begrenzt auszureichen, damit stets neu und bewusst entschieden werden kann, ob und in welchem Umfang die deutsche Zielgesellschaft finanziell gestützt werden soll.

Herausforderungen für chinesische Geschäftsführer

Zusätzliche Risiken bestehen dann, wenn auch die Geschäftsführung durch den chinesischen Investor besetzt wird. Nach dem deutschen Insolvenzrecht obliegt der Geschäftsführung durchgängig die Pflicht zur Überprüfung einer etwaigen Insolvenzantragspflicht. In der Krise und späteren Insolvenz kann dabei häufig eine Art Generalverdacht bestehen, dass die Geschäftsführung nur oberflächlich und fehlerhaft durchgeführt worden ist, wenn der Geschäftsführer seinen Sitz im Ausland hat und typischerweise nicht immer vor Ort am Sitz der Gesellschaft tätig ist. Es können sich persönliche Haftungsrisiken ergeben, insbesondere wegen Insolvenzverschleppung, Zahlungen ab Eintritt der Insolvenzreife, Nichtabführen von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern sowie Eingehungsbetrugs, wenn klar ist, dass das Unternehmen einen Vertrag durchzuführen nicht mehr imstande sein wird. Eine Inanspruchnahme von – auch ausländischen – Geschäftsführern scheuen die Insolvenzverwalter nicht. D&O-Versicherungen bieten hierbei ebenfalls keinen umfassenden Schutz.

Dabei trifft die persönliche Pflicht zur Insolvenzantragsstellung (so denn eine solche zu bejahen ist) jeden einzelnen Geschäftsführer oder Vorstand, unabhängig von statutarischen Vertretungsregelungen, internen Geschäftsverteilungsplänen oder Ressortverantwortlichkeiten. Nötigenfalls muss der einzelne Geschäftsführer oder Vorstand den Insolvenzantrag allein stellen; weder ist eine Zustimmung des Gesellschafters dabei erforderlich noch befreit eine Gesellschafterweisung vom Befolgen der Antragspflicht.

Gerade einem chinesischen Geschäftsführer, der vielleicht nicht dauerhaft vor Ort ist, fällt die Überwachung der Insolvenzantragspflichten aber oftmals schwer. Zum Teil liegt die Schwierigkeit an mangelnder Kenntnis der tatsächlichen Finanzlage der Zielgesellschaft – schließlich überlässt der chinesische Investor häufig der deutschen Geschäftsführung einen wesentlichen Teil des täglichen Managements nach der Transaktion. Zudem sind einem chinesischen Geschäftsführer solche Überwachungspflichten zur Vermeidung der Insolvenz häufig auch unbekannt. Ihnen fehlt darüber hinaus meistens auch die entsprechende Erfahrung, wie ein entsprechender Insolvenztest technisch umzusetzen ist. Die aus der Pflichtverletzung resultierende Haftung kennen sie regelmäßig nicht.

MicroGen Biotech erhält 3,8 Mio. USD als Serie A-Finanzierung

Quelle und ©: MicroGen Biotech

Der Schwermetallgehalt in Lebensmitteln hat sich zu einem globalen Problem entwickelt, das durch industrielle Verschmutzung und Ernteerträge verursacht wird. Reis, Weizen, Kakao und Blattgemüse nehmen diese Schwermetallrückstände auf und reichern sie in der Nahrung und damit auch im menschlichen Körper an. Die Aufnahme von Schwermetallen hat toxische und krebserregende Auswirkungen, insbesondere bei Säuglingen/Kleinkindern. Bis zu 95% der Säuglingsnahrung enthalten giftige Schwermetalle. Die Mikrobiom-Technologie von MicroGen ist in der Lage, die Aufnahme von Schwermetallen durch Nutzpflanzen zu blockieren und verbessert damit die Lebensmittelsicherheit.

MicroGen Biotech: Umfangreiche Feldversuche in China

Im Rahmen einer Serie A-Finanzierung konnte das MicroGen Biotech nun 3,5 Mio. USD einnehmen. „Diese Finanzierung ist entscheidend für die Umsetzung unserer Vision in Nordamerika und Europa“, sagt Gründer Dr. Xuemei Germaine. Man sei nun in der Lage, das Team zu verstärken, die Produktion auszuweiten und in neue Technologien und Produktentwicklung zu investieren.

Die Finanzierung wurde von Fulcrum Global Capital unter Beteiligung von The Yield Lab Europe geleitet. Bill Buckner, ehemaliger CEO von Bayer CropScience USA, tritt dem Beratungsausschuss von MicroGen bei.

Allein in China enthalten 19,4% der Anbaugebiete Schadstoffe. Chinas Programm „Safe Food and Clean Soil“ zielt daher auf die Reduzierung von Schwermetallen ab. MicroGen Biotech hat nach Feldversuchen auf einer Fläche von über 80.000 Quadratmetern zwei Produkte beim chinesischen Landwirtschaftsministerium registrieren lassen und führt seine Produkte nun landesweit ein.

Einsatz auch in der Bodensanierung

Die EcoPiling-Technologie von MicroGen kann auch bei der Bodensanierung eingesetzt werden, indem sie Kohle- und Ölrückstände abbaut. Sie wurde bereits bei Irlands größtem Bioremdiationsprojekt zur Beseitigung von Ölverschmutzung eingesetzt und vom chinesischen Umweltministerium anerkannt. MicroGen hat nach eigenen Angaben ölverseuchte Böden in Chinas zweitgrößtem Ölfeld erfolgreich saniert.

MicroGen Biotech wurde 2012 im Carlow Institute of Technology, Irland, von Dr. Xuemei Germaine gegründet. Das Unternehmen hat seine Firmensitz in Carlow, Irland, und eine Tochtergesellschaft in der Provinz Shandong, China.

 

Der Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von goingpublic.de übernommen.

Niu trotz Verlusten optimistisch

Niu Elektroroller
Quelle: niu.com © Niu

Die Coronakrise macht auch vor der E-Mobilität nicht halt: Für das vergangene Quartal musste Niu, der chinesische Experte für Mikromobilität und Joint Venture Partner von VW, deutliche Verluste vermelden. Konnte im Jahr 2019 für das 1. Quartal noch ein Gewinn von ca. 12 Mio. CNY (ca. 1,54 Mio. EUR) verkündet werden, so stehen nun Verluste in Höhe von 26,4 Mio. CNY (3,4 Mio. EUR) zu Buche. Der Umsatz fiel gegenüber dem Vorjahr um 34,4% auf rund 233 Mio. CNY (ca. 30 Mio. EUR). Noch stärker gingen die Verkäufe von E-Scootern zurück. Diese fielen um fast 40%, wobei der stärkste Rückgang auf dem chinesischen Heimatmarkt stattfand. Hier wurde ein Minus von 43,5% verzeichnet.
Dennoch zeigen sich Niu trotz ihren Verlusten weiterhin optimistisch. Denn zumindest in China scheint die Coronakrise nahezu ausgestanden zu sein. Entsprechend rechnet man mit deutlichen besseren Zahlen für das 2. Quartal.

Aktuell geht das Unternehmen von Umsätzen zwischen 585 Mio. CNY und 655 Mio. CNY aus, was einem Zuwachs von zwischen 10% und 23% gegenüber dem Vorjahrszeitraum entspräche. Nius CEO Dr. Yan Li kommentiert die Erwartungen folgendermaßen: „Wir bleiben optimistisch, was das weitere Wachstum unseres Geschäfts betrifft und setzen insbesondere auf die Erholung der Nachfrage in China: Unsere Verkäufe hier werden voraussichtlich im zweiten Quartal wieder gesund wachsen.“

Grund zum Optimismus

Während der Maßnahmen gegen Corona musste Niu Produktionsstandorte schließen, Zulieferer konnten bestellte Ware nicht liefern und vielen Angestellten war es nicht möglich, zum Unternehmen zu gelangen. Dank der relativ starken Cashposition gelang es jedoch, diese Probleme durchzustehen und darüber hinaus auch das Händlernetzwerk zu unterstützen und zu stärken. Mut macht ebenfalls, dass die Gewinnspanne pro verkauften E-Roller deutlich gestiegen ist. Auch konnten die Umsätze pro E-Scooter um rund 8% gesteigert werden, was in erster Linie einem größeren Angebot an zusätzlicher Ausstattung und Dienstleistungen geschuldet ist.

Dass Niu trotz den jüngsten Verlusten optimistisch bleiben können, dafür sorgen auch die deutlich breiter gewordene Produktpalette, die um mehr als 50% gestiegenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie das Wiederanlaufen des internationalen Geschäfts. Li konstatiert: „Seit Mai haben Händler in ausgewählten internationalen Märkten den Betrieb wieder aufgenommen und wir arbeiten eng mit ihnen zusammen, um unsere Expansionspläne aktiv zu verfolgen. Auch die Erweiterung unseres Produktportfolios bereitet uns große Freude.“

Positive Meldungen gab es zudem von den Aktienmärkten. Nach dem Börsendebut an der Nasdaq vor rund anderthalb Jahren wird Niu zum 29. Mai 2020 in den MSCI China Small Cap Index aufgenommen werden. Hierdurch dürfte die Firma zusätzliche Aufmerksamkeit von Seiten der Kapitalmärkte erfahren.

Die neue Ausgabe als E-Magazin

Quelle: AdobeStock © ratpack223

Ab sofort können Sie alle aktuellen Beiträge auch im neuen E-Magazin lesen:

In unserer aktuellen Titelgeschichte Stunde der Käufer analysieren wir die Gründe für das Ausbleiben der befürchteten Übernahmewelle.
Einer davon ist die erneute Verschärfung der Investitionskontrolle in Deutschland. Thomas Weidlich geht auf die neuen Vorschriften ein, und zeigt, welche Folgen immer weicher formulierte aber strenger ausgelegte Regelungen für die deutsche Wirtschaft haben.

Umgekehrt gelten weiterhin Auflagen für Übernahmen von chinesischen Unternehmen. Wenn man selbst als deutsches Tochterunternehmen eines chinesischen Konzerns in China keine Unternehmen akquirieren darf, muss man sich zu helfen wissen: Tristone übernimmt Anhui Zhongding Rubber Hose

Auch die Personalsituation in China war schon vor Corona von einigen Besonderheiten geprägt. Worauf man jetzt erst recht achten muss, zeigen Hsiao J. Chiu und Kristine Horbach in ihrem Beitrag „Neue Rekrutierungsansätze in Krisensituationen“, den Sebastian Wiendieck mit einem Überblick über das Arbeitsrecht in China während der Corona-Krise ideal ergänzt.

Die eine Chance, die sich in der aktuellen Krise verbirgt, ist womöglich der schnellere Wechsel auf moderne Formen der Online-Kommunikation. Im Experteninterview spricht Chefredakteur Georg von Stein mit China-SpezialistInnen über Businesskommunikation in der Corona-Krise.

Ein Thema, das selbst ohne direkten Bezug zu Corona immer aktuell ist: Post-M&A Restructuring. Hier hält das deutsche Insolvenzrecht einige Fallstricke für chinesische Investoren bereit, die nicht unterschätzt werden dürfen. Dr. Nils Krause und Dr. Mirjam Rüve zeigen, worauf es im Fall der Fälle ankommt.

 

Titelseite der Ausgabe 02-20

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Tristone Group erwirbt Autozulieferer in China

Quelle: Tristone © Olivier Le Moal

Manchmal sind Familiengeschichten etwas komplizierter. So bei der Tristone Flowtech Group: Sie hat Anfang des Jahres über ihre chinesische Tochtergesellschaft. Tristone Flowtech China Ltd.  Suzhou, den chinesischen Automobilzulieferer Anhui Zhongding Rubber Hose Products Co. Ltd. akquiriert. Als Verkäufer fungiert die eigene Muttergesellschaft von Tristone, die in China börsennotierte Zhongding-Gruppe. Man möchte meinen, dass sich eine solche Transaktion Mutter- zu Tochterunternehmen nicht übermäßig kompliziert gestalten würde – doch 2018 wurde sie noch vom chinesischen Wirtschaftsministerium untersagt, berichtet Tristone-CEO Günter Frölich.

Tristone Germany Frankfurt
Tristone Frankfurt

Seinerzeit sollte die Tristone Flowtech SAS, Nantes die Transaktion als europäisches Unternehmen abwickeln. Das aber funktionierte nicht, obschon man als Bestandteil der Zhongding-Gruppe ja durchaus als chinesischer Investor hätte gewertet werden können. Aber heute gilt schließlich: Die Akquise über die chinesische Tochter sei nun reibungslos verlaufen, so Frölich – was ihn für die weitere Entwicklung ungeachtet der aktuellen Pandemie-Situation  positiv in die Zukunft blicken lässt. Generell stellt er ein verändertes Handeln der chinesischen Behörden fest: Vollständige Übernahmen seien seit Anfang 2020   genehmigungsfähig – das war bis vor Kurzem noch nicht möglich.

Zhongding mit klarer Akquisitionsstrategie

2016 hatte der Zhongding-Konzern, ein bekannter chinesischer Automobilzulieferer, einen Kaufvertrag für den Erwerb der Tristone Flowtech Group unterzeichnet, einen Automobilzulieferer für Flowtech-Lösungen, also Strömungstechnik für Luft oder Flüssigkeiten. Verkäuferin war die BAVARIA Industries Group AG, München gewesen; der Kaufpreis hatte 170 Mio. EUR betragen. Die Tristone Flowtech Group mit ihren Hauptsitzen in Frankfurt am Main, Deutschland (operative Holding), und Nantes, Frankreich (rechtliche Holding), fertigt an Produktionsstandorten in Europa, Nordamerika und Asien moderne Flowtech-Lösungen für die Automobilindustrie in den Bereichen Motorkühlung, Batteriekühlung, Air Charge/Turbolader. Zuvor hatten die Chinesen bereits die AMK-Gruppe (Kirchheim/Teck), die Austria Druckguss GmbH & Co KG (Gleisdorf, Österreich), die WEGU-Gruppe (Kassel) sowie die Kaco Gruppe (Kirchhardt) in Europa akquiriert.

Gegründet wurde die Zhongding Group 1980 in Ningguo, China. Mit kontinuierlichem Wachstum entwickelte sich das Unternehmen zu einer international agierenden Gruppe mit Hauptsitz in der Provinz Anhui. Mittlerweile besitzt es mehr als 30 Tochtergesellschaften in China und zehn weitere im Rest der Welt. Jede einzelne Marke des Unternehmens konzentriert sich in erster Linie auf die Produktion von Teilen für die Automobilindustrie und auch sonstige Industrien. Zhongding Group sieht sich unter allen nicht Reifen herstellenden Gummi-Unternehmen  auf dem 18. Platz weltweit. Dabei konzentriert sich die Zentrale auf Holdingaufgaben, berichtet Frölich: „Wir führen das Unternehmen selbstständig, ohne operativen Einfluss der Muttergesellschaft.“

Tristone Ningguo

Die BAVARIA Industries Group habe das Management seinerzeit bei der Auswahl des Käufers in den Entscheidungsprozess miteinbezogen, so Frölich; nachdem man sich auf die Zhongding-Gruppe geeinigt hatte, sei direkt klar gewesen, dass die Anhui Zhongding Rubber Hose Products Co. Ltd. aus Ningguo perfekt in Tristones Portfolio passt. Das Ziel hinter dieser Akquisition sei, einen besseren Marktzugang zu lokalen chinesischen Automobilkunden zu erhalten. Vor allem wolle man Tristones Kernaktivitäten in China in den wichtigen Geschäftsfeldern Motor-, Batterietemperierungs- und Ladeluftapplikationen stärken – allein im PKW Bereich immerhin ein Markt von 600 Mio. EUR, so Frölich.

„Wir verfügen über gute Geschäftsbeziehungen zu den internationalen OEMs, die auch in China fertigen, gleichzeitig hatten wir aber Nachholbedarf bei den zahlreichen chinesischen Herstellern.“ Diese jungen Firmen könne man insbesondere bei alternativen Antrieben mit Lösungen für Batteriekühlung für Hybrid- und Elektrofahrzeugen  unterstützen.

Bessere Ansprache für lokale chinesische OEMs

Mit nun zwei Produktionsgesellschaften in China (in Ningguo und Suzhou) sei die Gruppe in der Lage, ein deutlich breiteres Produktportfolio als Systemlieferant und Entwicklungspartner für die globalen wie auch die lokalen chinesischen Automobilhersteller anbieten zu können, betont Frölich. Anhui Zhongding Rubber Hose Products hat 2019 Umsätze von 34 Mio. EUR erwirtschaftet und beschäftigt 544 Mitarbeiter. Tristones Planungen sehen vor, dass die jeweiligen regionalen Märkte von den Unternehmen vor Ort beliefert werden. Das hat die Tristone Group bereits vor der Corona-Pandemie strategisch festgelegt. „Seit wenigen Jahren hatte sich in zahlreichen Branchen ein Trend zu rückläufiger Globalisierung gezeigt, die Pandemie wird diese Entwicklung in meinen Augen verstärken“, analysiert Frölich.

Die Integration der neuen chinesischen Tochter unterscheide sich im Prinzip nicht signifikant von Integrationen andernorts. Man habe Fahrpläne für die einzelnen Bereiche wie Finanzen, Einkauf, Entwicklung, Operations und Vertrieb erstellt und über ein Steering-Komitee überwacht. Die Anpassung der Managementstruktur zählt praktisch zum Handwerk, wobei Tristone dem chinesischen Management einen europäischen legalen Vertreter der Gesellschaft  vorangestellt habe. Ziel dieses Schrittes sei, Compliance-Risiken zu minimieren. Zurzeit sind die wesentlichen Integrationsziele bereits weitestgehend umgesetzt.

Fazit

Die Gründung einer rechtlich eigenständigen Tochtergesellschaft in China (Legal Entity) kann über Vorteile in besserer Kundenansprache, erhöhter Liefersicherheit oder Natural Hedging noch einen weiteren wichtige Vorzüge bieten, wie das Beispiel Tristone zeigt: Denn obwohl selbst Teil eines chinesischen Konzerns, gelang die Übernahme eines chinesischen Unternehmens erst, als die eigene chinesische Tochter als Käufer auftrat – und die Transaktion als lokale rechtliche Angelegenheit aufgesetzt wurde. Gewusst, wie!

Hannover Rück plant Kapitalerhöhung für chinesische Tochter

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Die chinesische Banken- und Versicherungsaufsichtsbehörde (China Banking and Insurance Regulatory Commission – CBIRC) hat ihre Erlaubnis erteilt: Damit ist der Weg für den deutschen Rückversicherer Hannover Rück frei und er erhöht wie geplant das Grundkapital seiner 100%igen Tochter in Shanghai zu erhöhen. Damit ist der Weg frei für eine Erhöhung von 2,55 Mrd. CNY (ca. 330 Mio. EUR) auf 4,51 Mrd. CNY (ca. 585 Mio. EUR) steigen, was einer Erhöhung von mehr als 75% entspricht. Es ist dies bereits die zweite Kapitalerhöhung innerhalb nur eines Jahres. Bereits im September 2019 hat die Hannover Rück das Grundkapital ihrer Shanghaier Tochter um rund 60% aufgestockt. Es lag damals bei 1,55 Mrd. CNY.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2008 verzeichnet die einzige chinesische Tochtergesellschaft der Niedersachsen ein kontinuierliches Wachstum. So stiegen allein im vergangenen Jahr die Umsätze aus dem chinesischen Rückversicherungsgeschäft um 46% auf etwa 13,9 Mrd. CNY (ca. 1,8 Mrd. EUR). Das Gesamtergebnis der Muttergesellschaft belief sich im Jahr 2019 auf 22,6 Mrd. EUR, bei einem Nettokonzerngewinn von 1,28 Mrd. EUR.

Wachstumsmarkt Rückversicherung

Insgesamt hat sich Chinas Rückversicherungsmarkt in den letzten Jahren stetig und schnell entwickelt. Als wichtigsten Grund hierfür nennt die CBIRC das offene und wettbewerbsorientierte Umfeld, wobei die Öffnung des Marktes von den Aufsichtsbehörden konsequent vorangetrieben wird. So wurde im Dezember 2019 der koreanischen Rückversicherungsgesellschaft Korea Re die Erlaubnis erteilt, in Shanghai eine Niederlassung zu gründen. Damit erhöhte sich die Anzahl der ausländischen Rückversicherer, die in China agieren, auf sieben. Darüber hinaus erlaubte die CBIRC Kapitalerhöhungen für die Niederlassungen der deutsch-US-amerikanischen Gen Re und der Swiss Re in Shanghai beziehungsweise Peking.

Die CBIRC verwies bei ihren Entscheidungen auf das stetig wachsende Interesse ausländischer Versicherungen am chinesischen Markt und die sich daraus ergebende Notwendigkeit erhöhter Investitionen. Nur so können die entsprechenden Unternehmen den Anforderungen des Marktes und der Geschäftsentwicklung in China gerecht  werden. Der chinesische Versicherungsmarkt insgesamt ist extrem schnell wachsend. Noch im Jahr 2013 lag man weltweit an 4. Stelle, im Jahr 2016 wurde bereits Japan als zweitgrößter Markt der Welt überholt.

BMW investiert weiter in Shenyang

Quelle: AdobeStock © aphotostory

Das Joint Venture BMW Brilliance Automotive (BBA) investiert weiter in Shenyang. Laut der zuständigen Lokalregierung will BMW gemeinsam mit seinem chinesischen Partner Brilliance China Automotive in den kommenden 3 Jahren insgesamt rund 28,3 Mrd. CNY (ca. 3,67 Mrd. EUR) in der Provinz Liaoning investieren. In diesem Jahr wird BMW hierzu 4,4 Mrd. CNY (ca. 570 Mio. EUR) beisteuern. Anders als der deutsche Konkurrent VW, der in seinen beiden Werken in Foshan in absehbarer Zeit ausschließlich Elektroautos fertigen will, wollen die Bayern in ihren Werken flexibel bleiben. Es sollen hier sowohl batteriebetriebene e-Autos und Plug-In Hybride als auch die klassischen Verbrenner hergestellt werden.

Bereits im Sommer vergangen Jahres war BMW mit seinen Werken in Shenyang in den Schlagzeilen, weil dort die Münchner als erster Autobauer weltweit, die Werke komplett auf 5G, den Mobilfunkstandard der Zukunft, umstellten. Auch die neuen Investitionen verdeutlichen die Bedeutung des chinesischen Standorts als einem der wichtigsten globalen Fertigungscenter des bayerischen Automobilbauers. Nachdem am 17. Februar 2020 die infolge von Covid-19 ruhende Produktion wieder aufgenommen wurde, rollte am 27. Februar der dreimillionste in Shenyang gefertigte BMW, ein Plug-In Hybrid, vom Band. Insgesamt verkaufte BMW im Jahr 2019 über 720.000 Autos in China. Damit ist das Reich der Mitte längst der wichtigste Absatzmarkt des Unternehmens, weshalb BMW immer weiter in Shenyang investiert.

Erneute Verschärfung der Investitionskontrolle in Deutschland

Symbolbild. Gavel und Geld.
Quelle: Adobe Stock © thodonal

Corona-Pandemie bringt Investitionsschutz in den Fokus

Im Zuge der Corona-Pandemie erhält die AWG-Novelle dabei besondere Aufmerksamkeit. Weltweit auftretende Lieferengpässe in Bezug auf Schutzkleidung, Desinfektionsmittel, Medikamente und Beatmungsgeräte führen der Welt schmerzhaft vor Augen, wie bedeutsam die gesicherte medizinische Versorgung der Bevölkerung in Zeiten einer Gesundheitskrise ist. Im Hinblick auf die durch die Krise geschwächte Wirtschaft besteht zudem die Sorge, dass strategisch wichtige Unternehmen zu leichten Übernahmekandidaten werden und es zu einem Ausverkauf von Unternehmen aus krisenrelevanten Industriesektoren kommt. Besonders augenscheinlich ist dies aktuell bei Unternehmen, die Impfstoffe oder Medikamente gegen COVID-19 entwickeln. Ein Tauziehen internationaler Investoren um Unternehmen aus den Bereichen Pharma und Biotechnologie hat auch bereits begonnen.

Quelle: Luther Rechtsanwaltsgesellschaft

Die EU-Kommission hat die Mitgliedsstaaten vor dem Hintergrund der COVID-19 Pandemie am 25. März 2020 aufgefordert, Unternehmen gerade im Pharmabereich vor ausländischen Übernahmen zu schützen und nationale Regelungen ggf. anzupassen, wobei man in Brüssel neben den USA besonders China im Blick hat. Berlin hat sich insoweit bereits positioniert und als Teil des gewaltigen staatlichen Corona-Hilfspaketes den neuen Wirtschaftsstabilisierungsfonds ins Leben gerufen, über den sich der deutsche Staat zum Schutz vor ausländischen Investoren auch an deutschen Unternehmen beteiligen kann. Eine solche „Bazooka“ dürfte aber vermutlich der Ausnahmefall bleiben und es steht zu erwarten, dass man im BMWi deutlich häufiger über eine Untersagung mittels des erweiterten AWG-Instrumentariums nachdenken wird.

Quelle: Luther Rechtsanwaltsgesellschaft

Wesentliche Änderungen des AWG und der AWV

Das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) stellt zusammen mit der Außenwirtschaftsverordnung (AWV) die rechtliche Grundlage für die Prüfung ausländischer Direktinvestitionen in Deutschland dar. Mit den Verschärfungen der letzten Jahre wurde u.a. die Beteiligungsschwelle in besonders sicherheitsrelevanten Bereichen von 25% auf 10% abgesenkt und kritische Infrastrukturen wie z.B. Energieversorger in den Anwendungsbereich der Investitionskontrolle einbezogen.

Bislang können gemäß § 5 Abs. 2 AWG Beschränkungen und Handlungspflichten nach § 4 Abs. 1 AWG in Bezug auf den Erwerb inländischer Unternehmen durch unionsfremde Erwerber angeordnet werden, wenn infolge des Erwerbs die öffentliche Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich und hinreichend schwer gefährdet ist. Nach dem Gesetzesentwurf zur Änderung des AWG soll nun anstelle einer tatsächlichen Gefährdung bereits eine voraussichtliche Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland ausreichen. Zugleich wird das Schutzgut nicht mehr nur aus deutscher Perspektive betrachtet, sondern auf die ganze EU und ihre Mitgliedsstaaten erstreckt. Bei Rüstungsgütern und IT-Sicherheitsprodukten sollen zudem nicht mehr nur die Hersteller und Entwickler geprüft werden, sondern auch Unternehmen, die solche Produkte nutzen oder modifizieren. Dies soll laut Bundesregierung eine vorausschauendere Investitionskontrolle ermöglichen.

Der Gesetzesentwurf sieht ferner eine Ausweitung der Vollzugssperre (geregelt in § 15 Abs. 3 AWG) auf sämtliche Rechtsgeschäfte vor, die nach der AWV meldepflichtig sind. Bisher war eine Vollzugssperre nur für Investitionsprüfungen im sektorspezifischen Bereich (Rüstungs- und IT-Sicherheitsunternehmen) vorgesehen. Nach Änderung des AWG wird hingegen auch der Vollzug von meldepflichtigen Erwerbsgeschäften im für alle Branchen geltenden sektorübergreifenden Bereich während des laufenden Prüfverfahrens nicht mehr möglich sein. Diese Neuregelung soll ein „gun jumping“, d.h. die Schaffung vollendeter Tatsachen vor Abschluss des Prüfverfahrens verhindern (beispielsweise den Zugriff auf kritische Technologien oder den Abfluss von sicherheitsrelevanten Informationen).

Neben der Änderung des AWG beabsichtigt die Bundesregierung, in einem weiteren Schritt Anpassungen und Ergänzungen im Rahmen der AWV vorzunehmen. Insbesondere sollen die in Artikel 4 der EU-Screening-VO bereits angesprochenen „kritischen Technologien“ definiert und katalogartig erfasst werden. Einbezogen werden voraussichtlich Künstliche Intelligenz, Robotik, Halbleiter, Bio- und Quantentechnologie, für die eine Meldepflicht und eine Prüfmöglichkeit des BMWi bereits ab einem Anteilserwerb von 10% gilt. Es ist nicht auszuschließen, dass der Katalog vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie noch auf den Gesundheitssektor oder andere Bereiche erweitert wird.

Konjunktur – Chinas Weg zur Erholung

Quelle: AdobeStock ©Shutter2U

Die Statistiken für März 2020 zeigen, dass Chinas Wirtschaft noch eine Wegstrecke bis zur vollständigen Erholung zu gehen hat – im März haben sich die wirtschaftlichen Kennzahlen aber wieder verbessert: So stieg der Einkaufsmanager­index für das verarbeitende Gewerbe von seinem historischen Tiefstwert von 35,7 Punkten im Februar auf 52,0 im März und liegt somit leicht über der Expansionsschwelle von 50. Im Dienstleistungssektor stieg der Wert von 29,6 Punkten im Februar auf 52,3 im März. Auf das erste Quartal 2020 insgesamt bezogen schrumpfte Chi­nas Wirtschaft allerdings mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 6,8% verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

Es ist das erste Quartal mit negativen Zahlen seit 1976. Chinas Aussichten auf Wirtschaftswachstum scheinen im Vergleich zu der globalen Finanzkrise 2008/09 wohl geringer zu sein, denn gemäß den Zahlen des chinesischen Statistikamts sank die chinesische Industrieproduktion von Januar bis März um 8,4% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Ähnliches gilt für die Anlageinvestitionen, die ein Minus von 16,1% auswiesen
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Gestiegene Konjunkturerwartungen für China

Für China scheinen sich die Aussichten für eine Besserung der Konjunktur aufzuhellen. In der Aprilumfrage von ZEW und der Fudan-Universität in Shanghai legen die Konjunkturerwartungen kräftig zu. Der CEP-Indikator, der auf Basis des China Economic Panel (CEP) erhoben wird und die Konjunkturerwartungen internationaler Finanzmarktexperten für das Reich der Mitte auf Sicht von zwölf Monaten wiedergibt, liegt aktuell bei 36,5 Punkten und damit um 25,4 höher als im Vormonat (März 2020: 11,1 Punkte). Allerdings sind auch die Prognosen der befragten Experten für das Wachstum des BIP im zweiten Quartal 2020 auf nur noch 2,0% gesunken; zuvor waren es noch 4,2% gewesen.

„Diese Zurücknahme bei den BIP-Prognosen ist auf die überraschend schlechte Entwicklung im ersten Quartal zurückzuführen. Im dritten Quartal soll die Wirtschaftsleistung Chinas dann allerdings wieder um 4,2% zunehmen“, führt dazu Dr. Michael Schröder aus, Senior Researcher beim ZEW. Darüber hinaus wurden für 2021 die Wachstumsprognosen auf 5,1% reduziert – ein Schwund von 0,4 Prozentpunkten im Vergleich zu den Prognosen des Vormonats. Die positiven Erwartungen spiegeln sich auf Branchenebene dann allerdings doch unterschiedlich wider: So gingen die Einschätzungen zu wichtigen Industriebereichen (Chemie/Pharma, Elektro, Maschinenbau und IT) weiter zurück, während sich für die Automobilindustrie, Konsum/Handel sowie die Baubranche deutlich bessere Erwartungen ergaben. (www.zew.de )

Bosch setzt auf Hesai

© Hesai

Die chinesische Hesai, ein Unternehmen im Bereich der Light-Detection-and-Ranging-(LiDAR-)Technologie, hat im Rahmen ihrer Serie-C-Finanzierungsrunde 173 Mio. USD eingesammelt. Auch die Robert Bosch GmbH setzt auf Hesai: Unter der Führung der Stuttgarter und Lightspeed konnte sich das Unternehmen die bislang größte Einzelinvestition innerhalb der LiDAR-Branche sichern. Zu den Co-Investoren gehören u.a. ON Semiconductor, Qiming Venture Partners, DT Capital Partners und Axiom Asia Private Capital.

Bei LiDAR handelt es sich um eine dem Radar verwandte Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung sowie zur Fernmessung atmosphärischer Parameter. Anstelle von Radiowellen verwendet Hesai dafür allerdings Laserstrahlen. Hesais Produkte kommen dabei in verschiedenen Anwendungsbereichen zum Einsatz, so z.B. Wahrnehmungslösungen im Bereich von selbstfahrenden Mobilen für die Abstandserfassung.

Neue Rekrutierungsansätze für Krisensituationen

Quelle: AdobeStock © ChenPG

Wer als Ausländer mit Kindern in China wohnt, zahlt grundsätzlich mehr für die Schulausbildung und ist somit teurer für die Firma. Im Umkehrschluss wird Mitarbeitern das Gehaltspaket entwertet, das vorherrschend der Grund ist, mit der ganzen Familie den Lebensmittelpunkt in die Volksrepublik zu verlagern. Stetig neue Visaregelungen, die auslegungsfreudig implementiert werden, überfordern oftmals sogar die chinesischen Behörden selbst. In der Folge kann es dann zu Unwägbarkeiten bis hin zum absoluten Arbeitsverbot kommen.

Mittlerweile ist zu beobachten, dass Ausländer – darunter auch viele hochqualifizierte Talente – bisweilen etwas „chinamüde“ werden, haben sie doch den oben aufgezeigten Katalog bereits durchlebt. Ihre Kündigung ist meist mit einer längeren Abwicklungsphase verbunden und sollte gut vorbereitet werden. Noch viel einschneidender wirken sich nun die Viruskrise oder die neuen Visaregelungen aus. Einreise und Flugverbote können von einem Tag auf den anderen eine ganze Firma nahezu führungslos machen, und zwar über Monate hinweg. Die für den Übergang eingesetzten Videokonferenzen und Heimarbeit funktionieren nur bei Unternehmen, die ein gutes Führungsteam und die für ein sinnvolles Teilen von Wissen nötige Struktur aufweisen. Eine überaus herausfordernde Situation zeigt sich häufig bei Betrieben, in denen z. B. lediglich ein Werkleiter ein Produktionsteam führt, das von täglichen Anweisungen abhängig ist. Wie man sich für solche Situationen besser rüstet und kostspielige Fehler vermeidet – dafür sollte man sich von Chinaexperten beraten lassen.

Die Corona-Krise und die wirtschaftlichen Verluste führen den Unternehmen – nicht nur in China – vor Augen, dass sie über neue Personalstrategien nachdenken müssen, vor allem, was den klugen Einsatz ausländischer vs. inländischer Führungskräfte betrifft. Wir empfehlen, hier auf spezifische Strategien beim frühzeitigen Einsatz von lokalen Führungskräften zu setzen – denn sie sind besonders stabile Mitarbeiter in Krisenzeiten, da sie von vielen Maßnahmen nicht betroffen sind. Ferner ist lokales Personal besonders bereichernd in Branchen, für die ein lokales Netzwerk erforderlich ist. Es kann für einen Ausländer viel schwieriger sein als für einen lokalen Mitarbeiter, Beziehungen zu chinesischen Entscheidungsträgern aufzubauen: Zahlreiche Netzwerke werden in China  – wie auch in Deutschland – schon in der Ausbildungszeit aufgebaut und Ausländer gehören oft nicht zum einflussreichen lokalen Kreis. Hierzulande werden z.B. auf Messen viele gute Kontakte geschlossen und auch Führungskräfte angeworben – dies ist in China eher unüblich. Das Zuschieben von Geschäften zum „eigenen Landsmann“ hingegen ist ein globales Phänomen und spricht ebenfalls für den chinesischen Mitarbeiter vor Ort.

Quelle: JP Contagi

Was man beim Aufbau von lokalem Personal beachten sollte

Ein Beispiel aus der Praxis gibt Herr Wenzel, Gesamt-Projektleiter Remanufacturing Asia bei Mercedes-Benz Parts Manufacturing. „In unserem Werk in Lingang in Shanghai verfolgen wir einen starken Lokalisierungsansatz. Dies bedeutet, wir halten einen geringen Expat-Anteil (<7%), den wir weiter kontinuierlich reduzieren wollen. Unsere lokalen Mitarbeiter sehen wir als wichtigen Erfolgsfaktor und möchten sie daher langfristig aufbauen. Besonders die notwendige technische Expertise, firmeninterne IT-Systeme und Informationsquellen, Prozesse und Abläufe, aber auch das Netzwerk zu benötigten Schnittstellen und Wissensträgern an anderen Standorten – das alles muss erlernt werden. Auf den Schlüsselpositionen von Expats gibt es oftmals einen definierten lokalen Counterpart, der diese Funktion später komplett übernehmen soll. Besonders in technischen Positionen ist zusätzlich ein mehrwöchiges Training an den Standorten in Deutschland ein integraler Bestandteil – bis hin zu mehreren Monaten.“

Bei der Rekrutierung von lokalen Mitarbeitern fehlt es deutschen Firmen oft noch am Grundverständnis für die kulturellen Unterschiede. Die Wahl wird nach dem „Bauchgefühl“ getroffen und nicht aufgrund von objektiven Kriterien und dem Erfahrungswissen guter Rekrutierung. Am Beispiel der Körpersprache während eines Bewerbungsgespräches wird diese Problematik deutlich: Die chinesische Art ist von Zurückhaltung geprägt; der Händedruck bei der Begrüßung ist nach westlicher Auffassung schlaff, direkter Augenkontakt wird vermieden, die Haltung erscheint unterwürfig. Antworten werden teils zögerlich, leise erteilt, mit häufigem, unnötigem Entschuldigen. Eine solche Körpersprache würde die Einstellungschancen reduzieren, da sie dem deutschen Verständnis von Führungseigenschaften wie Eigeninitiative, aus eigenem Antrieb zu handeln und selbstständig Entscheidungen zu treffen, widerspricht. Im gruppenorientierten China würde aber dieses eher deutsche Führungsverhalten als egoistisch aufgefasst und der Person unterstellt, aus reinem Eigeninteresse zu handeln.

Die erwünschten Kompetenzen müssen also immer im kulturellen Kontext betrachtet werden. Für die Rekrutierungsstrategie braucht man von Beginn an ein einheitliches Verständnis von den kulturellen Normen und Werten – wie Führungsstil, Beziehungs- und Vertrauensbildung, Entscheidungsfindung, Konfliktlösung, Verhandlungs- und Kommunikationsstil. Ist eine lokale Person eingestellt, braucht es ein individuelles Entwicklungsprogramm, damit sie als zukünftige Führungsperson ihr Verhalten in der neuen kulturellen Umgebung reflektieren und daran arbeiten kann, ihre kulturellen Lücken zu schließen.

Fazit

Damit Unternehmen in Zukunft und nicht nur in Krisensituationen ihre Handlungsfähigkeit vor Ort sicherstellen, sollten sie ihre Personalstrategie in China überdenken. Das strategische Rekrutieren und die Entwicklung von lokalen Führungskräften spielen entscheidende Rollen. Für eine erfolgreiche Umsetzung sind hier tiefe Kenntnisse der Kultur und der lokalen Besonderheiten unentbehrlich.

240 Mio. USD für Flugtaxi-Entwickler Lilium

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© Lilium

Das Münchner Flugtaxiunternehmen Lilium konnte trotz der Coronavirus-Krise eine 240 Mio. USD schwere Finanzierungsrunde abschließen. Führender Investor war dabei der chinesische Internetkonzern Tencent. Das frische Kapital will Lilium u.a. einsetzen, um die Maschinenentwicklung abzuschließen und wie geplant zum Jahr 2025 die Serienproduktion sowie den Betrieb regionaler Flugdienste zu starten.

Das von Lilium entwickelte Elektro-Flugtaxi Lilium Jet startet und landet senkrecht; die Flugstrecke legt es aber mithilfe von Tragflächen wie ein konventionelles Flugzeug zurück. Konkurrenten wie Airbus oder das badische Unternehmen Volocopter hingegen arbeiten an der Entwicklung von elektrischen Passagierdrohnen. Experten hatten Ende vergangenen Jahres Zweifel an der Schlüssigkeit von Liliums Konzept angemeldet. Firmenchef Daniel Wiegand hielt nun in einem Interview mit dem Handelsblatt dagegen und kritisierte die Studie: Es sei einfach falsch, zu behaupten, dass die Batterie nach einer Minute leer sei, wird er zitiert. Lilium werde zwar für das spätere Serienmodell noch etwas bessere Batterien benötigen, aber man brauche definitiv keine Wunderbatterie für den Lilium Jet.