Start Blog

Ein „annus horribilis“ der Auslandsinvestitionen

Bildquelle: xtock-stock.adobe

Das vergangene Jahr markierte einen langjährigen Tiefpunkt der chinesischen Auslandsinvestitionen. In 2020 soll es endlich wieder besser werden.

Gerade einmal 57 Mrd. USD betrugen die gesamten chinesischen Direktinvestitionen ins Ausland (FDIs) im Jahr 2019, stellt eine Analyse von Baker McKenzie und dem Researchhaus Rhodium fest. Damit lagen die chinesischen FDIs um rund 30% niedriger als im Jahr 2018 und befinden sich nun auf dem tiefsten Stand seit 6 Jahren. Der Rückgang der chinesischen M&A Aktivitäten fand dabei weltweit statt. Bis auf Südamerika konnte sich keine Region dem rückläufigen Trend entziehen. Besonders hart traf es die Europäer und die USA. In die EU flossen gerade einmal 13,4 Mrd. USD, aber damit immerhin noch mehr als doppelt soviel Anlagekapital wie in die USA. Dort investierten die Chinesen nur noch 5,5 Mrd. USD.

Finnland hat die Nase vorn

Damit liegen die chinesischen FDIs in diese beiden Regionen mehr als 80% unter dem Rekordjahr 2017, als aus dem Reich der Mitte 107 Mrd. USD in den „Westen“ flossen. Insgesamt markieren die rund 19 Mrd. für die USA und die EU ein Zehnjahrestief. Dabei konnte Finnland fast genauso viel FDIs anziehen wie die USA – 5,3 Mrd. USD wurden in das kleine Land im hohen Norden Europas investiert. Allerdings entfielen hier alleine 5,2 Mrd. USD auf die Übernahme des Sportausrüsters Amer Sport durch den chinesischen Sportbekleidungshersteller Anta Sport mit Sitz in Jiangjin.

Brexit treibt FDIs

Auf Platz 2 folgt das Vereinigte Königreich. Hier investierten die Chinesen im vergangen Jahr 3,8 Mrd. USD, wobei die Topdeals die zusätzlichen Investitionen der Shangang Group in den Internetdienstleister Globalswitch (2,2 Mrd. USD) und die Übernahme des Finanzdienstleisters WorldFirst UK durch Alibaba (0,7 Mrd. USD) waren. Einer der Gründe für das relativ starke Abschneiden der Briten dürfte das Brexit-Geplänkel gewesen sein. Dies führte zu verstärkten Bemühungen um außereuropäische Investitionen. Der nun beschlossenen und zum 31. Januar stattfindenden Brexit sollte diesen Trend noch einmal verstärken. Schweden (1,3 Mrd. USD), Deutschland und Italien (je 0,7 Mrd. USD) folgen dann auf den Plätzen.

Zuwächse in West- und Osteuropa

In relativen Zahlen gab es in Irland einen deutlichen Anstieg. Um rund 50% legten die FDIs hier zu, was in erster Linie auf Greenfield Investments zurückzuführen ist: Unter anderem investierte Wuxi Biologics rund 240 Mio. USD in eine Produktionsstätte für Biologika. Auch Osteuropa verzeichnete starke Zuwächse: Das FDI-Volumen wuchs in Rumänien geradezu explosionsartige auf 238 Mio. USD an. Maßgeblich ist dies auf die Übernahme vom 15 Getreidesilos und Logistikzentren durch CEE Equity Partner, das neue Joint Venture-Unternehmen von CGN mit Nuclearelectrica, und die Übernahme der KLG Europe-Aktiva in Rumänien durch Sinotrans zurückzuführen. Insgesamt hat sich das durchschnittliche Transaktionsvolumen leicht erholt und betrug im Jahr 2019 132 Mio. USD gegenüber 130 Mio. USD im Vorjahr. Damit aber lag es immer noch weit unterhalb des Rekordjahres als das Mittel 526 Mio. USD betrug.

 Keine Staats- und Finanzinvestoren

Konsumgüter, Dienstleistungen und der Automotivsektor waren die Hauptziele chinesischer FDIs auf beiden Seiten des Atlantiks, auch wenn Europa traditionell gegenüber den USA breiter aufgestellt ist. Nicht zuletzt weil die Region offener für Investitionen in „kritische“ Sektoren wie Energie und Infrastruktur ist beziehungsweise war. In den Jahren 2014-2017 entfielen immer mehr als 50% der Gesamtinvestitionen auf Staatsbetriebe. Dies hat sich nun deutlich geändert. Die chinesischen Staatsinvestments näherten im Jahr 2019 sich in der EU der Nulllinie. Ebenso sind chinesische Finanzinvestoren nahezu gänzlich verschwunden. Fast alle Investments in der EU wurden durch strategische Investoren getätigt.

2020 wird wieder besser

Die Spezialisten von Baker McKenzie zeigen sich allerdings für das kommende Jahr optimistischer: „Die Deal-Pipeline sieht für 2020 in wichtigen Volkswirtschaften wie Frankreich und Deutschland nach einem relativ ruhigen Jahr 2019 wieder recht gut aus“, kommentiert Thomas Gilles, Leiter der EMEA-China-Gruppe von Baker McKenzie. Dafür gibt es einige Gründe: Unter anderem dank diverser Maßnahmen der chinesischen Zentralbank hat sich die Liquiditätssituation der chinesischen Volkswirtschaft wieder verbessert und die Anleiheaufnahme war solide. Insofern sollte auch mehr Kapital für FDIs zur Verfügung stehen.

Annäherung im Handelskrieg

Sorgten im vergangenen Jahr neue und schärfere Investitionsregeln in der EU und den USA (CFIUS!) noch für Verunsicherung und Zurückhaltung der Investoren, könnte sich nun, da die Regeln bekannt sind, die Risikowahrnehmung der Investoren umkehren und für eine größere Investitionsbereitschaft sorgen. Zumal die Chinesen selbst einiges in Sachen Marktöffnung und -zugangsmöglichkeiten getan haben und so gewissen Ressentiments zumindest teilweise den Wind aus den Segeln genommen haben. Schließlich könnte die Etablierung einer „Phase-1“ im Handelskrieg zwischen den USA und China dafür sorgen, dass man wieder zu einem rationalen Miteinander findet und sich die Sorgen der Anleger hinsichtlich eines Worst-Case-Szenarios zerstreuen.

 

Handelsrekord erwartet

Bildquelle: zgtrend.blog

Im November 2019 verzeichnete die Volksrepublik ein Handelsvolumen von 2,86 Bio. CNY (umgerechnet ca. 366 Mrd. EUR), erklärte am vergangenen Freitag das chinesische Handelsministerium. Dies sei das höchste monatliche Handelsergebnis im Jahr 2019 gewesen. Insgesamt gehen die Beamten davon aus, dass China erstmals ein Handelsvolumen von über 30 Bio. CNY erzielen wird (umgerechnet etwa 3,86 Bio. EUR). Insbesondere im Exportbereich konnte die Volksrepublik zulegen. Der chinesische Anteil wuchs in den ersten 3 Vierteln des Jahres 2019 kontinuierlich und den Daten der WTO zufolge exportierte China mehr als jede andere Nation. In den ersten 11 Monaten betrug das Exportvolumen 28,5 Bio. CNY und übertraf damit bereits das gesamte Vorjahresergebnis um 2,4%.

Rund 60% des Exports ging dabei in die Emerging Markets, wobei auf die Staaten entlang der Belt & Road Initiative (BRI) hiervon rund 30% entfielen. Größtenteils wurden dabei mechanische und elektrische bzw. elektronische Güter exportiert. Erstmals zeichneten sich Privatunternehmen für die Mehrheit des Exportgeschäfts verantwortlich. Ihr Anteil am Gesamtexport stieg um 3,6% auf 14,65 Bio. CNY an und machte damit etwa 51,4% des chinesischen Exports aus.

Gericht stützt ausländische Investoren

Mit einer neuen Gesetzesinterpretation stärkt das oberste Gericht Chinas die Rechte ausländischer Investoren und will für insgesamt mehr Rechtsstaatlichkeit sorgen

Diesen Freitag (27. Dezember 2019) hat der Oberste Volksgerichtshof Chinas (SPC) eine gerichtlich anwendbare Neuauslegung des Auslandsinvestitionsgesetzes herausgegeben. „Diese Neuinterpretationen zielen darauf ab, die legitimen Interessen und Rechte ausländischer Investoren bestmöglich zu schützen und zeitgleich die Stabilität des Kapitalmarkts zu wahren“, stellt Dongchuan Luo, Vizepräsident des SPC, fest.

Gemäß der Neuauslegung werden Gerichtshöfe künftig keine Klagen akzeptieren, die sich darauf berufen, dass abgeschlossene Investitionsverträge ungültig seien, weil die Zustimmung bzw. Registrierung der lokalen Verwaltungsbehörde fehle. Selbst wenn die entsprechenden Verträge in Gebieten geschlossen wurden, in denen Auslandsinvestitionen durch Negativlisten beschränkt sind, können sie weiter Bestand haben, solange die betroffenen Parteien die erforderlichen Korrekturen vornehmen. Auch bleiben Investmentverträge, die zum Zeitpunkt der Unterzeichnung nicht die Anforderungen der Negativliste erfüllten, weiterhin gültig, wenn die Negativliste entsprechende Beschränkungen aufhebt, bevor die Gerichtsurteile wirksam werden. Die Neuinterpretation tritt am 1. Januar 2020 in Kraft.

Darüber hinaus gab der SPC ebenfalls neue Richtlinien für den Umgang mit Projekten der Belt & Road Initiative (BRI) heraus sowie für den Shanghaier Stadtteil Lingang (Nanhui), der nach seiner Fertigstellung kommendes Jahr Teil der Freihandelszone im Stadtbezirk Pudong werden soll.

Bezüglich der BRI fordert der SPC den Aufbau eines regelbasierten, rechtsstaatlichen Geschäftsumfelds voranzutreiben. Auch sollen die rechtlichen Mechanismen und Regeln für die Behandlung von BRI-Fällen weiter verbessert und den internationalen Mechanismen zur Beilegung von Handelsstreitigkeiten kontinuierlich angepasst werden. Der SPC zielt dabei vor allem darauf ab, die Glaubwürdigkeit des China International Commercial Court zu stärken.

Die neue Richtlinie für die Shanghaier Freihandelszone legt Aufgaben und Anforderungen für die diesbezüglich verantwortlichen Gerichte fest. So soll das breit gefächerte Schlichtungssystem verbessert und insbesondere übersichtlicher werden. Darüber hinaus sollen die Gerichte ein rechtsstaatliches Geschäftsumfeld schaffen, um so die Investitionen und Handelsliberalisierung im neuen Teil von Shanghai zu erleichtern und zu beschleunigen.

Weichai Power übernimmt Aradex

Bildquelle: ARADEX AG

Der in Weifang in der Provinz Shandong ansässige Motorenhersteller und Automobilzulieferer Weichai Power hat einen weiteren Schritt in Richtung seines langfristigen Zieles unternommen. Bis zum Jahr 2030 will man zu einem der führenden Anbieter im Bereich alternativer Antriebe und erneuerbarer Energien werden. Die nun vollzogene Übernahme der Aradex AG ist dabei ein wichtiger Meilenstein. Aradex verfügt über herausragende Fähigkeiten bei der Entwicklung und Systemintegration verschiedenster CNC-Servomotor- und Servoumrichter. Auch hinsichtlich alternativer Antriebe für Nutzfahrzeuge, Elektromotoren und DC/DC-Wandler für Brennstoffzellen bringt Aradex große Kompetenz und Knowhow mit ein. Weichai Power verfügt damit nicht mehr nur über entsprechende Stärken in den Schlüsseltechnologien traditioneller Antriebsstränge für schwere Nutzfahrzeuge, sondern vervollständigt seine Fähigkeiten in den Bereichen Batterie-, Elektromotor- und elektronische Steuerung. Damit kann das Unternehmen künftig komplette Systemlösungen auch für alternative Antriebe sowie im Spektrum der erneuerbaren Energien anbieten.

Für das bisher inhabergeführte Unternehmen Aradex wird sich nach dem Verkauf zunächst wenig ändern. Der Vorstand beleibt unverändert, nur der Aufsichtsrat wurde bereits neu besetzt: Zhixin Wang hat dort den Vorsitz übernehmen und Guogang Wu agiert als sein Stellvertreter. Norbert Haug komplettiert das Gremium. Für die Beschäftigten wurde eine Arbeitsplatzgarantie bis zum Jahr 2021 ausgehandelt und Aradex wird als selbstständiges Unternehmen weitergeführt. Ob hier mittelfristig doch Umstrukturierungen stattfinden werden, hängt ganz maßgeblich vom Wachstum des europäischen Mobilitätssektors ab. Aktuell ist aber nur der weitere Ausbau des Standortes Lorch geplant. Mit dem neuen Partner Weichai sind im Bereich Entwicklung und Fahrzeugintegration erste Kooperationsprojekte bereits angelaufen. Über die Höhe des Kaufpreises haben die Partner Stillschweigen vereinbart.

BAIC will Beteiligung an Daimler erhöhen

Bildquelle: gjfs.com

Noch im Oktober hatte Heyi Xu, Chef von BAIC, eine Erhöhung der Beteiligung an dem deutschen Autobauer ausgeschlossen: „Wir haben keine Pläne, den Anteil zu erhöhen.“ Nur knapp 6 Wochen später scheint diese Ankündigung Makulatur zu sein. Zumindest behauptet dies die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ungenannte Quellen. Wichtiges Indiz ist dabei die Meldung von Daimler, dass die Großbank HSBC Ende November 2019 insgesamt 5,3% der Daimlerstimmrechte direkt oder indirekt, z.B. über Swaps, kontrolliere. Die HSBC hatte BAIC bereits beim Erwerb des ersten Aktienpaktes von Daimler unterstützt, wodurch die Pekinger sich 5% der Anteile des Stuttgarter Autobauers sichern konnten.

Die Motivation hinter dem Sinneswandel dürfte zum einen natürlich sein, den chinesischen Konkurrenten Geely auszustechen, der sich in einem überraschenden Manöver Anfang 2018 insgesamt 9,7% der Anteil des Daimlerkonzerns sichern konnte. Das Unternehmen aus Hangzhou ist damit aktuell der größte Einzelaktionär bei Daimler. Außerdem strebt BAIC wohl einen Sitz im Aufsichtsrat des Unternehmens an. Darüber hinaus aber sind BAICs Bemühungen auch aus einer anderen Perspektive interessant: Daimler hatte immer wieder Interesse an der Übernahme oder zumindest einer deutlichen Aufstockung der Anteile des gemeinsamen Joint Ventures Beijing Benz Automotive (BBAC) signalisiert. Ab dem Jahr 2022 fällt die 50-50 Regelung. Diese untersagt es ausländischen Automobilherstellern, mehr als 50% der Anteile an einem Joint Venture zu halten.

Der Daimler-Konkurrent BMW hatte bereits im Sommer des vergangenen Jahres mit seinem Partner Brilliance eine Aufstockung der Anteile am gemeinsamen JV von 50% auf 75% im entsprechenden Jahr vereinbart. Daimlers Ambitionen in diese Richtung hingegen wurden nicht zuletzt durch den Einstieg von Geely gebremst. Eine Übernahme des JV durch den deutschen Partner bei dem ein direkter Konkurrent größter Einzelaktionär ist, dürfte in Peking für Bauchschmerzen gesorgt haben. Insofern waren die Gespräche immer wieder eingeschlafen. Sollte BAIC nun selbst zum größten Einzelaktionär aufsteigen, dann könnte sich auch in dieser Frage eine neue Dynamik ergeben.

M&A-Transaktion Nimak / HGZN gescheitert

Bildquelle: wittenstein

Im Oktober vergangenen Jahres hatten wir von der beschlossenen Übernahme der Nimak GmbH, einem Anbieter von industrieller Fügetechnik, durch die Jiangsu Hagong Intelligent Robot Co.,LTD (HGZN) berichtet. Der insgesamt 88 Millionen EUR schwere Deal zwischen dem Wissener Familienunternehmen Nimak und dem Automatisierungsspezialisten HGZN sollte bis Mai 2019 abgeschlossen sein. Doch dazu kam es nicht. Die Übernahme stand unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die für Investitionen chinesischer Unternehmen im Ausland verantwortlichen Behörden. Entsprechend der vertraglichen Vereinbarungen zwischen Nimak und HGZN hätte diese spätestens zum 30. November vorliegen müssen.

Nachdem allerdings die Genehmigung trotz starker Bemühungen von beiden Seiten der Partner nicht erreicht werden konnte, beschlossen die Gesellschafter der NIMAK GmbH am 4. Dezember vom Verkauft des Unternehmens zurückzutreten. Offenkundig sah man keinerlei Möglichkeit mehr, die behördliche Zustimmung kurzfristig doch noch zu erreichen. Beide Seiten bedauern das Scheitern ausdrücklich. Die Inhaberfamilie des deutschen Unternehmens betonte dabei, dass die Entscheidung schließlich alleine im Interesse der Nimak GmbH gefällt wurde. Denn für den langfristigen Erfolg und die Bewahrung der starken Marktposition des Unternehmens seien nicht zuletzt klare und eindeutige Verhältnisse wichtig. Konkrete Pläne hinsichtlich des weiteren Vorgehens wurden dabei nicht kommuniziert.

Finetrading: Passgenaue Finanzierung für China-Importe

Bildquelle: abcfinanzas

Aus keinem anderen Land importiert die deutsche Wirtschaft so viele Waren wie aus China. Aufgrund der besonderen Gepflogenheiten und des langen Transportwegs sind jedoch bei der Importfinanzierung andere Strategien gefragt als beim Wareneinkauf innerhalb Europas. Finetrading bietet als bankenunabhängiges Finanzierungsinstrument eine flexible Basis für Importeure von chinesischen Waren.

Während der Handelskonflikt zwischen den USA und China weiter schwelt, eilt die Verflechtung der chinesischen und deutschen Wirtschaft von Rekord zu Rekord. Mit einem gesamten Handelsvolumen von annähernd 200 Milliarden Euro ist China der größte Handelspartner Deutschlands, wobei mehr als die Hälfte des Volumens auf Importe entfällt. Vom Biogemüse bis hin zur komplexen Hochtechnologie gibt es kaum ein Marktsegment, in dem Importwaren aus China nicht mehr oder weniger prominent vertreten sind.

Befeuert wird der Import-Boom bei chinesischen Waren vom unaufhaltsamen Wachstum des Onlinehandels. Dieser eröffnet auch kleineren und mittelständischen Handelsunternehmen die Möglichkeit, mit Direktimporten aus dem fernen Osten ein florierendes Geschäftsmodell aufzubauen. Wie das gelingen kann, sieht man an einer Vielzahl neuer Trendanbieter in Bereichen wie Mode, Accessoires, Elektronik oder Sportausrüstung.

Besondere Finanzierungsanforderungen beim China-Import

Allerdings sind mit dem Import aus China andere Finanzierungsanforderungen verbunden als beim Wareneinkauf bei inländischen oder europäischen Anbietern. Während aufgrund der kurzen und recht kostengünstigen Transportwege auf dem europäischen Beschaffungsmarkt auch der Kauf von kleineren Mengen wirtschaftlich ist, sollten aufgrund des aufwändigen Transports über mehrere tausend Kilometer in China eher größere Stückzahlen geordert werden.

Darüber hinaus sollten deutsche Unternehmen bei der Beschaffung in China die dort üblichen Zahlungsmodalitäten berücksichtigen. Oftmals verlangen chinesische Lieferanten – insbesondere bei Neukunden – eine Anzahlung in Höhe von 30 Prozent, der Rest ist sofort bei der Übergabe an den Transporteur fällig.

Das bedeutet für deutsche Importeure, dass sie nicht nur die Frist von der Anzahlung bis zum Lieferzeitpunkt, sondern in Höhe der Restzahlung auch den meist vier- bis sechswöchigen Transport auf dem Seeweg finanzieren müssen. Wird zwecks Senkung der Transportkosten pro Stück eine größere Menge geordert, erhöht sich dadurch zusätzlich noch das Volumen und die Dauer der Kapitalbindung.

Bankenunabhängige Finanzierung bei Importgeschäften

Banken halten sich bei der Finanzierung von Importgeschäften häufig zurück, wenn die Geldmittel schon vor dem Eintreffen der Ware benötigt werden. Eine Möglichkeit, bei dieser Konstellation eine Fremdfinanzierung zu gestalten, kann die bankenunabhängige Finanzierung auf Basis eines Handelsgeschäfts bieten. Dieses Modell, bei dem die Finanzierung über einen Lieferantenkredit erfolgt, wird auch als Finetrading bezeichnet.

Die Funktionsweise: Der Finetrader übernimmt als Zwischenhändler die Ware für einen virtuellen Moment und veräußert sich direkt an den Importeur weiter. Diesem gewährt er ein bis zu sechsmonatiges Zahlungsziel, so dass beispielsweise auch die Beschaffung von Saisonware passgenau gestaltet werden kann. Da die Einschaltung als Zwischenhändler ausschließlich dem Finanzierungszweck dient, mischt sich der Finetrader nicht in die Konditionenverhandlungen zwischen Exporteur und Importeur ein, und die Lieferung erfolgt wie beim herkömmlichen Import direkt an den Abnehmer. Für die Auslösung der Zahlung legt der Importeur dem Finetrader die Bill of Lading oder bei Lieferung per Luftfracht die Airway Bill vor.

Für Unternehmen, die regelmäßig Waren aus China importieren, kann es somit lohnenswert sein, nach alternativen Finanzierungsquellen Ausschau zu halten. Ähnlich wie bei anderen bankenunabhängigen Finanzierungsmodellen – etwa Leasing oder Factoring – lässt sich auch mit dem zielgerichteten Einsatz von Finetrading im Bereich Beschaffung und Import die Finanzierungsstruktur des Unternehmens optimieren.

Zur Person

Dirk Oliver Haller

Dirk Oliver Haller, Gründer und Vorstand der DFT Deutsche Finetrading AG www.dft-ag.de, zählt zu den Pionieren der Branche und arbeitet für Industrie-, Handels- und Agrarunternehmen aus dem In- und Ausland.

BAIC und Daimler China erhöhen Einlage

Die beiden Automobilhersteller tätigen eine weitere Kapitalerhöhung beim gemeinsamen Joint Venture Mercedes-Benz Leasing in Höhe von 500 Mio. CNY (ca. 64,3 Mio. EUR)

Die Kapitalerhöhung für die gemeinsame betriebene Leasinggesellschaft, insgesamt bereits die sechste, wird notwendig aufgrund der staatlichen Regulierungsvorgaben: Das chinesische Handelsministerium verlangt, dass die Gesamtsumme der Risikoaktiva von Finanzleasinggesellschaften maximal das Zehnfache des Eigenkapitals betragen. Rund 51 Mrd. CNY betrugen die Aktiva von Mercedes-Benz Leasing China im 3. Quartal. Dem stand Eigenkapital in Höhe von etwa 4,3 Mrd. CNY gegenüber.

Entsprechend schießen nun BAIC und Daimler zusammen 500 Mio. CNY nach, wovon Daimler mit 325 Mio. CNY in etwa 65% trägt und BAIC die übrigen 175 Mio. CNY (35%) einzahlt. Die Geschäfte der Mercedes-Benz Leasing China wachsen rasant ebenso die Gewinne: Das Unternehmen verzeichnete in den vergangenen 3 Jahren Gewinnzuwächse von über 50%. Die Gewinne nach Steuern und Aufwendungen stiegen von 297 Mio. CNY im Jahr 2017 auf 450 Mio. CNY im Jahr 2018 und 690 Mio. CNY in diesem Jahr.

„Es führt kein Weg am chinesischen Markt vorbei“

Der ehemalige Investmentbanker Dr. Dirk Notheis ist heute als Mittelstandsfinanzierer unterwegs. Zu seiner Investmentfirma Rantum Capital gehört auch ein Netzwerk in China. Im Interview spricht er über die dortigen Marktdynamiken und die Kulturunterschiede zum Westen.

FuS: „Die Faszination für Hidden Champions ist in China stark“ – so hat sich Prof. Hermann Simon in unserer Zeitschrift (FuS 5/18) geäußert. Ist das auch Ihre Sicht, Herr Dr. Notheis?

Dr. Dirk Notheis: Deutschland, insbesondere die deutsche Ingenieurskunst genießt einen ganz besonderen Respekt vonseiten chinesischer Unternehmen sowie der chinesischen Elite. China ist sich bewusst, dass es trotz seiner besonderen Skalenfähigkeit noch auf vielen technischen Feldern erheblichen Nachholbedarf hat. Diesen versucht es im Ausland zu decken, entweder über Kooperationen oder Akquisitionen. Dabei richtet sich der Blick selbstverständlich auch auf deutsche Unternehmen. Insofern ist das, was Professor Simon sagt, richtig. Das Interesse seitens Chinas an Hidden Champions ist grundsätzlich groß, ganz besonders an solchen aus Deutschland.

FuS: Ihr Fonds Rantum Capital ist an der ökonomischen Schnittstelle zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen tätig. Können Sie uns Ihr Geschäftsmodell kurz erläutern?

Notheis: Rantum Capital wurde 2013 von Managern aus der Finanzwirtschaft, Unternehmern sowie ehemaligen DAXVorständen mit dem Ziel gegründet, mittelständischen Unternehmern in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Kapital und Netzwerken zur Seite zu stehen. Wir tun dies sowohl über unsere Kredit- als auch über Eigenkapitalfonds. Speziell mit unserem Private Equity-Fonds helfen wir, erfolgreiche Geschäftsmodelle hierzulande auf den chinesischen Wachstumsmarkt zu überführen. Zudem versuchen wir, deutsche Unternehmen, die bereits in China etabliert sind, mit unseren Netzwerken vor Ort tatkräftig zu unterstützen. Hierzu haben wir beispielsweise Partnerbüros in Shanghai und Hongkong, die von meinem Partner Bao Yi, dem früheren CEO von Morgan Stanley in China, geführt werden.

Zusammengefasst: Wir versuchen, die Wachstumsbrücke nach China für deutsche Unternehmen trittsicher zu bauen, getreu unserer Strategiedevise „von Unternehmern für Unternehmer“.

FuS: Namhafte Familienunternehmen gehören zu Ihren Kunden, auch chinesische Familienunternehmen kennen Sie gut. Können Sie für uns eine kurze Gegenüberstellung hinsichtlich der Unternehmensphilosophie sowie -kultur vornehmen?

Notheis: Bei allen Differenzen zwischen der chinesischen und der deutschen Kultur gibt es doch viele Gemeinsamkeiten in den Wesenszügen. Speziell der unternehmerische Geist beziehungsweise Antrieb ähnelt sich in beiden Kulturen – und ist in China ob der noch jungen wirtschaftlichen Öffnung sogar noch stärker ausgeprägt. Meiner Meinung nach hängt dieses Ähnlichkeitsmaß jedoch stark von der betrachteten Region in China ab. Der Unternehmergeist ist im Süden deutlich stärker als etwa im Norden zu spüren. Das Riesenreich zerfällt ja bekanntlich in viele Teilregionen mit sehr unterschiedlichen
Mentalitäten.

Ein Faszinosum ist für mich etwa die Region Zhèjiang mit ihrer Hauptstadt Hangzhou. Zhèjiang ist das Baden-Württemberg Chinas. Sie treffen dort Unternehmer, die nach unserem Sinne des Wortes („Ein Mann, ein Wort“) noch wahrlich handschlagsfähig sind. Verträge werden dort oftmals erst im Nachhinein schriftlich geschlossen. Im Vergleich zu unserer von Compliance-Recht geprägten westlichen Welt, ist dies kaum mehr vorstellbar, aber trotzdem Realität. Trennendes zwischen den beiden Kulturen sehe ich unter anderem in der vorherrschenden Führungsphilosophie. In China ist diese kulturhistorisch geprägt deutlich autoritärer – mit der Folge, dass etwa das Senioritätsprinzip und streng hierarchisches Denken noch immer vorherrschen. Aufgrund der erst seit rund 40 Jahren existierenden marktwirtschaftlichen Öffnung sind chinesische Mittelständler noch sehr stark auf die einzelnen Gründerfiguren ausgerichtet.

Ansätze partizipativer Führung greifen nur sehr langsam und mühsam Raum.

FuS: China hat einen neuen Fünfjahresplan formuliert. Welche Rolle spielen darin ausländische Investoren, speziell deutsche Familienunternehmen?

Notheis: Der Fünfjahresplan ist zunächst etwas Faszinierendes – denn er wird nicht nur geschrieben, sondern auch umgesetzt. Wenn man sich als Externer den Plan anschaut, kann man relativ gut voraussagen, wie die Chinesen in nächster Zeit agieren werden. So offenbart der Plan etwa auch die neuen Richtungen mit Blick auf die Vernetzung Chinas nach außen. Beispiele dafür sind die neue Seidenstraße oder das Programm technisches Fortkommen Chinas. Hierfür spielen Akquisitionen sowie Kooperationen mit westlichen, in der Regel Knowhow-und technologietragenden Unternehmen eine Rolle. Der Fünfjahresplan gibt chinesischen Unternehmen eine strategische Vorgabe, ohne jedoch konkrete operationale Ziele zu benennen. Der Staat unterstützt die Ziele durch Maßnahmen, zum Beispiel durch Finanzierungsangebote staatlicher Banken. Das Handeln obliegt dann den Wirtschaftssubjekten.

FuS: Gegenwärtig häufen sich die Nachrichten darüber, dass sich in China die wirtschaftliche Situation eintrübt. Wie bewerten Sie die Lage?

Notheis: Chinas Wirtschaft ist gegenwärtig tatsächlich in einem geschwächten Zustand. Das hat verschiedene Ursachen. Neben der Unsicherheit durch den Handelskrieg mit den USA liegt ein wesentlicher Grund im sogenannten Deleveraging. Vor mehr als einem Jahr hat die chinesische Regierung damit begonnen, stückweise die Hyperliquidität aus dem Markt herauszunehmen. Die Kreditvergaben wurden und werden seitdem selektiv eingeschränkt. Im Moment führt dies zu einer Art Soft Landing, was auch beabsichtigt und geplant ist. Wir befinden uns allerdings immer noch bei einem Wirtschaftswachstum von circa 5 %, was sicherlich ein hochrespektabler Wert ist, von dem wir im Vergleich nur träumen können.

FuS: Für den deutschen Mittelständler ist die chinesische Politik in vielen Aspekten nicht transparent. Was sind die Themen, mit denen man sich vertraut machen sollte, bevor man in China investiert?

Mein Tipp: Man sollte nicht blauäugig den Marktstart in China angehen – er ist jedoch auch keine Herkulesaufgabe.

Notheis: Zunächst muss man sich als deutscher Mittelständler bewusst sein, dass China ein sehr heterogener Markt mit sehr vielen unterschiedlichen Teilmärkten, Regionen und Kulturen ist. Dies schlägt sich natürlich auch in den Charakteren der handelnden Wirtschaftssubjekte nieder. Die Han-Chinesen im Norden sind beispielsweise ein völlig anderer Menschenschlag als etwa die Chinesen in den Küstenregionen des Südens. Des Weiteren muss man sich im Klaren darüber sein, dass China ein autokratischer Staat mit einem hohen Bürokratieaufwand ist. Hierauf muss man sich bei einem Engagement einstellen, sonst entstehen schnell Frustrationen. Den positiven Beweis bilden dagegen sehr viele deutsche Mittelständler, die bereits heute schon in China erfolgreich produzieren.

Mein Tipp: Man sollte nicht blauäugig den Marktstart in China angehen – er ist jedoch auch keine Herkulesaufgabe.

FuS: Eine ganz wichtige Frage ist auch die Rechtssicherheit in China – wie sind da Ihre Erfahrungen?

Notheis: Es gibt natürlich keine dem deutschen Rechtssystem entsprechende Rule of Law. Jedoch führen deutsche Unternehmen mit einer Vielzahl von Ländern Geschäftsbeziehungen, in denen ebenfalls kein vergleichbarer Rechtsrahmen vorliegt. Eine Alternative zum Domestic Chinese Law bietet das Hongkong-Recht. Es handelt sich hierbei um einen international gesicherten Standard, welcher eine Mischung aus chinesischem sowie englischem Recht darstellt und aus meiner Sicht absolut zuverlässig ist.

Blick auf die City von Shenzhen: Die Stadt gilt als das Silicon Valley Chinas.

FuS: Hongkong spielt eine wichtige Rolle bei Investitionsüberlegungen. Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen China und Hongkong?

Notheis: Hongkong hat bis 2047 einen Sonderstatus, den es auch auslebt. Seine großen Vorteile sind eine auf englischem Recht basierende Rule of Law sowie eine weit längere Tradition der Vernetzung des Austauschs mit dem Rest der Welt. Hongkong ist das Tor zu China, insbesondere im Süden zur Hightech-Region Shenzhen, sozusagen dem Silicon Valley des 21. Jahrhunderts. Was sich hier abspielt, ist absolut beispiellos und wird die wirtschaftliche Bedeutung Hongkongs über die Zeit ablösen. So entsteht etwa inmitten von Shenzhen der neue Finanzdistrikt Qian Hai, der zum Financial Hub für China werden und in den nächsten Jahrzehnten eine wichtige Rolle in der Kapitalakquise spielen wird. Hongkong ist nach wie vor wichtig, aber Regionen wie Shanghai oder Shenzhen wachsen wesentlich intensiver.

FuS: Will man für seine ostasiatischen Aktivitäten eine Holding errichten, sollte dies also in Hongkong oder China geschehen?

Notheis: Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Es ist eine Frage der Besteuerung, die in China oft attraktiver als in Hongkong ist. Des Weiteren sind es Fragen der Infrastruktur und des Rechts. Dabei handelt es sich um keine monokausale Entscheidung, vielmehr geht es nach der Gewichtung der Faktoren. Jedoch zeigt die Empirie vielfach, dass der Weg über Hongkong führt.

FuS: Auf welchen Gebieten beziehungsweise in welchen Branchen sehen Sie gute Investitionschancen für deutsche Familienunternehmen in China?

Notheis: Der Maschinenbau, die Elektrotechnik sowie alle Branchen, in denen Deutschland technisch führend ist, bieten generell gute Investitionschancen, aufgrund positiver Wachstumsmöglichkeiten. Speziell industrielle Fertigungen und Dienstleistungsbereiche sind Know-how-Felder, die im chinesischen Markt noch nicht in dem gleichen Maße verbreitet und ausgeprägt sind. Darüber hinaus gibt es auch Chancen im Konsumgütersegment, da die Chinesen gerade ihre Konsumgewohnheiten ändern – speziell westliche Konsumgüter geraten in den Fokus, gerade deutsche Marken genießen eine hohe Reputation.

Für deutsche Familienunternehmen bedeutet dies in der Regel, dass ihr Nischendasein als Weltmarktführer ebenfalls Wettbewerbsvorteile in China generieren kann. Allerdings gibt es auch Branchen, in denen wir Deutschen nicht mehr wettbewerbsfähig sind, etwa bei künstlicher Intelligenz (KI) – dort sind die Chinesen weit vorne.

Im digitalen Bereich sind sie aufgrund ihrer Skalierungsfähigkeit und geringeren Datenschutzstandards generell deutlich in Führung. Beispiele hierfür sind Unternehmen wie Alibaba und Tencent. Diesen Giganten hat die deutsche Konkurrenz wenig entgegenzusetzen.

FuS: Findet man in China genügend geeignete chinesische Fachkräfte für sein Vorhaben?

Notheis: Die Die Ausbildungsqualität ist in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden. Jedoch muss man diese Aussage differenzieren: In den weiterentwickelten Küstenregionen ist der Ausbildungsstand besser als im westlichen Teil Chinas, dem sogenannten Hinterland. Über die letzten 25 Jahre waren jedoch auch dort erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. China hat zwar kein mit dem deutschen vergleichbaren duales Ausbildungssystem, versucht aber, es an der einen oder anderen Stelle mutatis mutandis zu simulieren. Darüber hinaus befinden sich dort hervorragende Universitäten – besonders im ingenieurwissenschaftlichen Bereich – mit atemberaubenden Absolventenzahlen. Dies setzt sich ebenfalls im IT- sowie Softwarebereich fort.

FuS: Welche Besonderheiten weist das chinesische Management auf? Wie beurteilen Sie die Qualität?

Notheis: In China herrscht eine Kultur der Gesichtswahrung. Die Direktheit, die den Deutschen sowie seine Sprache auszeichnet, ist in China nicht angebracht. Diplomatie, Sensibilität, Respekt und Würde sowie die Gesichtswahrung des Gegenübers gelten als essenzielle Elemente im Umgang mit Chinesen. Diese Grundeinstellungen liegen auch der Unternehmenskultur sowie dem Managementverhalten zugrunde. Insgesamt handelt es sich um eine autokratisch organisierte Gesellschaft, welche auch die Führungskultur innerhalb des Unternehmens bestimmt. Zu beachten ist, dass die Parteiorganisationen auch innerhalb der Unternehmen präsent sind. Man findet daher in Unternehmen in der Regel auf allen Hierarchieebenen Abgesandte der Partei und eine zweite Person, die die eigentliche Arbeit verrichtet. Diese Besonderheiten müssen bei der Interaktion mit Chinesen im wirtschaftlichen Kontext unbedingt berücksichtigt werden, sie stören aber keineswegs, wenn man sich darauf einstellt.

FuS: Wie kann man die Weichen für eine erfolgreiche Expansion in China stellen?

Notheis: Wenn man selbst über keine Empirie verfügt, ist es wichtig, sich mit Menschen zu umgeben, die eben auf eine solche zurückgreifen können. In China sind lokale Erfahrungen sowie Netzwerke durch nichts zu ersetzen. Es ist eine Gesellschaft, die auf Netzwerken und Vertrauensbeziehungen basiert. Die richtigen Begleiter sind daher eine notwendige, jedoch noch keine hinreichende Bedingung für den unternehmerischen Erfolg.

Man benötigt für den Aufbau dieser Beziehungen neben einem langen Atem auch Geld. Darüber hinaus muss man China das nötige Verständnis, eine Sympathie sowie Respekt für die Kultur und Staatsform entgegenbringen. Wer dies alles mitbringt, hat beste Voraussetzungen, in China Erfolg zu haben.

FuS: Sehen Sie einen Unterschied zwischen dem Absatzmarkt und dem Investitionsstandort China?

Notheis: China ist durch seine Geografie der größte Absatzmarkt der Welt. Es stehen mehrere Optionen zur Verfügung, diese Region zu erschließen. Zum einen kann China über einen Handelspartner mit Distributionsnetzwerken erschlossen werden. Die Lösung eignet sich, wenn man den Markteintritt über Import beziehungsweise Export nach China bewerkstelligen möchte.

Eine weitere Möglichkeit stellt der Aufbau einer eigenen Produktion in China dar. Die Vorzüge bestehen hierbei sowohl in komparativen Kostenvorteilen der lokalen Produktion als auch im Knüpfen von Netzwerken, welche die Geschäftsentwicklung grundsätzlich positiv unterstützen. Hierzu braucht man allerdings die richtigen Unterstützer, Joint Venture-Partner und ein erfahrenes Managementteam (Mischung aus lokalen Mitarbeitern und Expats), das gemeinsam vor Ort ein Standbein mit dem deutschen Unternehmen aufbaut.

Unsere Portfoliounternehmen beweisen, dass der Weg nach China erfolgreich beschritten werden kann.

FuS: Was ist Ihre Einschätzung: Ist ein Engagement in China für deutsche Familienunternehmen ein Must-have oder ein „Nice-to-have“?

Notheis: Ich glaube, man kann das 21. Jahrhundert nicht ohne China denken, weder ökonomisch noch politisch. Wenn wir den Anspruch haben, als erfolgreiche deutsche Familienunternehmen auch im 21. Jahrhundert unsere Weltmarktführerschaften aufrechtzuerhalten, dann führt kein Weg am chinesischen Markt vorbei. Es ist eine essenzielle Aufgabe.

Dr. Dirk Notheis (r.)

Dr. Dirk Notheis (r.) ist Gründer und Geschäftsführer des Mittelstandsfonds Rantum Capital, der sowohl Eigen- als auch Fremdkapital zur Verfügung stellt. Vor der Gründung von Rantum Capital war Herr Dr. Notheis Vorstandsvorsitzender der Morgan Stanley Bank AG sowie Country Head von Morgan Stanley für die deutschsprachigen Länder. Zuvor war er für die SGZ-Bank tätig. Nach dem Studium der BWL, Philosophie und politischen Wissenschaften an der Universität Mannheim wurde er an der Universität Stuttgart promoviert.

Allianz will Joint Venture mit CITIC komplett übernehmen

Der Münchner Versicherungskonzern plant, die Anteile des chinesischen Partners CITIC am gemeinsamen Lebensversicherungsgeschäft aufzukaufen

Erst vor kurzem hat die Allianz als erster ausländischer Versicherungskonzern von der China Banking and Insurance Regulatory Commission (CBIRC) die Erlaubnis erhalten, am chinesischen Markt ohne inländische Partner zu agieren. Insofern ist es nur folgerichtig, wenn die Allianz nun darüber nachdenkt, die Lebensversicherungssparte Allianz China Life Insurance alleine zu steuern.

Bisher betreiben die Münchner diese Sparte in einem Joint Venture gemeinsam mit der staatseigenen China International Trust and Investment Corporation (CITIC). Der chinesische Partner hält aktuell 49% der Anteile des Joint Ventures, das im Jahr 1998 in Shanghai gegründet wurde. Das eingetragene Grundkapital beträgt 2 Mrd. CNY.

VW plant Milliardeninvestitionen

Bildquelle: vw.com

Der deutsche Automobilkonzern will im kommenden Jahr wenigsten 4 Mrd. EUR im Reich der Mitte investieren. Ein Schwerpunkt soll dabei im Bereich Elektrofahrzeuge liegen.

 Stephan Wollenstein, CEO von Volkswagen China, stellte auf der Guangzhou Auto Show den neuen Investmentplan des Konzerns vor: Rund 4 Mrd. EUR will das Unternehmen im Jahr 2020 gemeinsam mit seinen chinesischen Partnern investieren. Davon sollen etwa 40% auf den Bereich E-Mobilität entfallen, wozu auch die Bereitstellung der entsprechenden Infrastruktur gehört. Wollenstein stellte dabei fest, dass Chinas Erfolge in der E-Mobilität, der entscheidende Faktor seien, um die Nachhaltigkeitsziele der Wolfsburger zu erfüllen.

Hierzu ergänzte Oliver Blume, Vorstandsmitglied der Volkswagen AG, am gestrigen Dienstag, dass VW bezüglich der anvisierten Emissionsreduktion in der Produktion dem Zeitplan bereits voraus sei. In den vergangenen zwei Jahren wurden die CO2-Emissionen je gebautes Fahrzeug bereits um mehr als 10% reduziert. Bis zum Jahr 2025 soll der ökologische Fußabdruck der Produktion um insgesamt 50% reduziert werden, so die Ziele des VW-Konzerns.

Entsprechend werden die Investitionen in E-Mobilität noch zunehmen und damit werden in absehbarer Zeit die Investitionen in E-Fahrzeuge die in Benziner übertreffen. VWs Elektro-Strategie in China konzentriert sich dabei auf die beiden Werke in Foshan und Anting/Shanghai, die als Joint Ventures mit FAW beziehungsweise SAIC betrieben werden. Diese sind ausschließlich auf die Produktion von E-Autos ausgelegt und ab Oktober 2020 sollen dort pro Jahr insgesamt 600.000 Stück vom Band rollen. Bis zum Jahr 2025 will VW insgesamt 30 unterschiedliche Typen mit Elektroantrieb anbieten und 1,5 Mio. E-Autos im Reich der Mitte verkaufen. In den ersten 10 Monaten hatte Volkswagen nach eigenen Angaben rund 3,34 Mio. Fahrzeuge in China ausgeliefert. Damit stammt rund jedes fünfte in China verkaufte Auto aus der VW-Produktion.

Stock Connect Programm zwischen Shanghai und Frankfurt geplant

Bilequelle: marcuspfeiffer.de

Unter Federführung von CEINEX wollen die Deutsche Börse und die Shanghai Stock Exchange den chinesischen und den deutschen Aktienmarkt enger miteinander verknüpfen

Die China Europe International Exchange (CEINEX) arbeitet an der Implementierung eines neuen Stock Connect Programms (SCP), das die Shanghai Stock Exchange (SEE) und die Frankfurter Börse enger miteinander verbinden soll. Die CEINEX ist ein Joint Venture zwischen der SSE, der Deutsche Börse Group und der China Financial Futures Exchange, das 2015 ins Leben gerufen wurde. Ursprüngliche Hauptaufgabe des Joint Ventures war es, eine Möglichkeit zur Platzierung von CNY-Anleihen im Ausland zu schaffen. Etliche chinesische Finanzinstitute, darunter die Agricultural Development Bank und die Bank of China, haben ihre Off-Shore Bonds über die CEINEX begeben. Darüber hinaus entstand dank des Einsatzes von CEINEX ein neues Börsensegment in Deutschland: die D-Shares. Im Oktober 2018 war es der Weltmarktführer im Bereich Haushaltsgroßgeräte, Haier aus Qingdao, der als erstes Unternehmen ein Listing über das neuen Marktsegment vornahm.

Mit dem nun geplanten SCP kommt ein weiterer Aspekt zum Portfolio des deutsch-chinesischen Joint Ventures hinzu: Deutsche Blue Chips sollen in die Lage versetzt werden, sogenannte China Depositary Receipts (CDRs) an der Börse in Shanghai zu platzieren und chinesische Unternehmen werden dann Global Depositary Receipts (GDRs) an der Frankfurter Börse lancieren können. „Wir sehen es als eine unserer Kernaufgaben an, die chinesischen und europäischen Kapitalmärkte sowie die Akteure beider Realwirtschaften enger miteinander zu verbinden. Die Ausgabe solcher Hinterlegungsscheine ist eine exzellente Möglichkeit hierzu“, erklärte Dr. Han Chen, einer der beiden CEOs der CEINEX, am Rande der 22. Euro Finance Week in Frankfurt, wo die Pläne zu dem neuen SCP verkündet wurden.

SCPs bestehen bereits zwischen den Börsen von Shanghai beziehungsweise Shenzhen und der Hongkonger Börse sowie zwischen der SSE und der Londoner Börse. Die Möglichkeiten und Perspektiven dieser Programme hatten wir unter anderem in unserer Ausgabe 2019-1 Chinas Aktienmärkte vorgestellt und diskutiert.