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Post M&A-Restructuring: Herausforderung für chinesische Investitionen

Symbolbild. Gavel und Geld.
Quelle: Adobe Stock © thodonal

Chinesische Investitionen in deutsche Unternehmen erfolgen für gewöhnlich durch den Erwerb von Geschäftsanteilen/Aktien und/oder Finanzierungen durch Ausreichung von Darlehen. Gerät die Zielgesellschaft in die Krise, gefährdet dies den Wert der Beteiligung und der Darlehensrückzahlungsansprüche, denn die Gesellschafterdarlehen sind typischerweise nachrangig. Neben dem Verlust des Investments können sich auch noch Haftungsfolgen für den chinesischen Investor sowie den chinesischen Geschäftsführer ergeben.

Verlust des Investments

Das deutsche Insolvenzrecht kennt als oberste Maxime die bestmögliche Gläubigerbefriedigung. Wenn einmal das Insolvenzverfahren eingeleitet worden ist, richtet sich die Entscheidung, ob das Unternehmen liquidiert oder fortgeführt wird oder die Assets des Unternehmens als Going Concern verkauft werden können, danach, welcher Weg für die bestmögliche Gläubigerbefriedigung der vorzugswürdige ist. In dieser Hinsicht sind besonders Situationen gefährlich, in denen der chinesische Investor Gesellschaftsanteile erwirbt und zugleich Gesellschafterdarlehen ausreicht. Im Insolvenzverfahren der deutschen Zielgesellschaft sind Gesellschafterdarlehen nachrangig: Sie werden erst bedient, wenn alle gesicherten und einfachen Insolvenzgläubiger vollständig befriedigt wurden.

Insolvenzanfechtungen von Rückzahlungen von Gesellschafterdarlehen

Darüber hinaus sind auch Zahlungen, die ein Gesellschafter aufgrund eines Gesellschafterdarlehens im Zeitraum von einem Jahr vor der Stellung des Insolvenzantrags erhalten hat, durch den Insolvenzverwalter anfechtbar und müssen in die Insolvenzmasse zurückgeführt werden. Noch weiter zurück reicht die Insolvenzanfechtung von Sicherheiten, die ein Gesellschafter für ein Gesellschafterdarlehen erhalten hat – hier beträgt die Anfechtungsfrist sogar zehn Jahre. Die konkrete Ausgestaltung des Ausreichens von Gesellschafterdarlehen sowie deren Rückzahlungen kann entscheidend sein, um die Haftungsfolgen zu minimieren. So kann es z.B. besser sein, wenn der Gesellschafter erst auf die Sicherheit verzichtet, bevor ein Darlehen zurückgezahlt wird.

Ein Gesellschafter muss auch stets zahlen, wenn er einem Dritten für dessen Darlehen eine Sicherheit gestellt hat – sei es durch Mithaftung, Bürgschaft, Sicherungsübereignung oder andere Personal- oder Realsicherheiten. Diese Haftung des Gesellschafters gilt im Ergebnis unabhängig davon, ob die Gesellschaft den Dritten im Zeitraum von einem Jahr vor dem Insolvenzantrag befriedigt hat oder ob die Gesellschaft dazu nicht mehr in der Lage war.

Vorsicht ist auch bei der Ausreichung von Darlehen und Sicherheiten durch konzernverbundene Unternehmen geboten, die nicht selbst direkt Gesellschafter sind, denn nicht nur der Gesellschafter selbst ist von den erwähnten Regelungen betroffen, sondern auch mit ihm horizontal oder vertikal verbundene Unternehmen.

Schuld bei der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung

Ebenso birgt das ungeprüfte Ausreichen von (weiteren) Darlehen durch den chinesischen Investor in der Krise des deutschen Zielunternehmens nicht unerhebliche Risiken. Ein Darlehensgeber kann sich unter Umständen der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung schuldig machen, wenn die Gesellschaft im Zeitpunkt der Darlehensvergabe insolvenzreif war, der Darlehensnehmer dies wusste oder sich leichtfertig der entsprechenden Erkenntnis verschloss und so das Hinausschieben des gebotenen Insolvenzantrags bewirkt oder geduldet wird. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich für den chinesischen Investor, umfassende Informationen einzuholen und sorgfältige Dokumentationen anzufertigen, damit im späteren Streitfall die finanzielle Situation des Zielunternehmens sowie die Intentionen des chinesischen Gesellschafters nachvollziehbar und belegbar sind.

Haftung des Gesellschafters aus Patronatserklärungen

Einen Durchgriff auf das Vermögen des chinesischen Gesellschafters sieht das deutsche Recht bei Kapitalgesellschaften per se nicht vor. Eine Haftung des chinesischen Investors für Verbindlichkeiten des deutschen Zielunternehmens kann aber aus vertraglichen Regelungen resultieren, insbesondere aus Unternehmensverträgen und Patronatserklärungen. Gerade Letztere werden oftmals unüberlegt und weder in zeitlicher noch betragsmäßiger Begrenzung ausgereicht. Häufig werden sie auch „vergessen“ und nicht beseitigt, wenn die Gesellschaft sie eigentlich nicht mehr benötigt. Im Insolvenzfall sind sie für den chinesischen Investor besonders riskant, zumal eine Kündigung erstens zulässig sein muss und zweitens nur für die Zukunft Wirkung hat. Zu empfehlen ist daher, Patronatserklärungen z.B. nur für die Geltung jeweils eines Jahres und idealerweise der Höhe nach begrenzt auszureichen, damit stets neu und bewusst entschieden werden kann, ob und in welchem Umfang die deutsche Zielgesellschaft finanziell gestützt werden soll.

Herausforderungen für chinesische Geschäftsführer

Zusätzliche Risiken bestehen dann, wenn auch die Geschäftsführung durch den chinesischen Investor besetzt wird. Nach dem deutschen Insolvenzrecht obliegt der Geschäftsführung durchgängig die Pflicht zur Überprüfung einer etwaigen Insolvenzantragspflicht. In der Krise und späteren Insolvenz kann dabei häufig eine Art Generalverdacht bestehen, dass die Geschäftsführung nur oberflächlich und fehlerhaft durchgeführt worden ist, wenn der Geschäftsführer seinen Sitz im Ausland hat und typischerweise nicht immer vor Ort am Sitz der Gesellschaft tätig ist. Es können sich persönliche Haftungsrisiken ergeben, insbesondere wegen Insolvenzverschleppung, Zahlungen ab Eintritt der Insolvenzreife, Nichtabführen von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern sowie Eingehungsbetrugs, wenn klar ist, dass das Unternehmen einen Vertrag durchzuführen nicht mehr imstande sein wird. Eine Inanspruchnahme von – auch ausländischen – Geschäftsführern scheuen die Insolvenzverwalter nicht. D&O-Versicherungen bieten hierbei ebenfalls keinen umfassenden Schutz.

Dabei trifft die persönliche Pflicht zur Insolvenzantragsstellung (so denn eine solche zu bejahen ist) jeden einzelnen Geschäftsführer oder Vorstand, unabhängig von statutarischen Vertretungsregelungen, internen Geschäftsverteilungsplänen oder Ressortverantwortlichkeiten. Nötigenfalls muss der einzelne Geschäftsführer oder Vorstand den Insolvenzantrag allein stellen; weder ist eine Zustimmung des Gesellschafters dabei erforderlich noch befreit eine Gesellschafterweisung vom Befolgen der Antragspflicht.

Gerade einem chinesischen Geschäftsführer, der vielleicht nicht dauerhaft vor Ort ist, fällt die Überwachung der Insolvenzantragspflichten aber oftmals schwer. Zum Teil liegt die Schwierigkeit an mangelnder Kenntnis der tatsächlichen Finanzlage der Zielgesellschaft – schließlich überlässt der chinesische Investor häufig der deutschen Geschäftsführung einen wesentlichen Teil des täglichen Managements nach der Transaktion. Zudem sind einem chinesischen Geschäftsführer solche Überwachungspflichten zur Vermeidung der Insolvenz häufig auch unbekannt. Ihnen fehlt darüber hinaus meistens auch die entsprechende Erfahrung, wie ein entsprechender Insolvenztest technisch umzusetzen ist. Die aus der Pflichtverletzung resultierende Haftung kennen sie regelmäßig nicht.

Chinas Wirtschaft wächst im August

Chinas Wirtschaft im August, © lily
Im August ist Chinas Wirtschaft dank des erstarkenden Exports wieder deutlich gewachsen. Quelle: Adobe Stock; © lily

Bereits in den letzten Monate hatte sich Chinas Wirtschaft weitgehend stabilisiert. Bisher wurde sie dabei aber weitgehend vom erstarkten Binnenmarkt getragen, da die Aufträge aus dem Ausland eingebrochen waren. Nachdem immer mehr Länder im Westen ihr öffentliches Leben und ihre eigene Produktion herunterfahren mussten, wurden auch immer weniger chinesische Produkte und Werkstoffe wie Stahl nachgefragt. Mittlerweile erstarkt aber auch der Exportsektor der Volksrepublik wieder und Chinas Wirtschaft erreichte im August teilweise neue Rekordwerte. Die Industrieproduktion stieg im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent.
Das schlägt sich auch in steigenden Zahlen im Güterzugverkehr zwischen China und Europa nieder, die mittlerweile auf Rekordniveau liegen.

Auch der chinesische Einzelhandel erreichte mit 0,5 Prozent erstmalig in diesem Jahr knapp wieder die Wachstumszone. In Verbindung mit dem Wiedererstarken des Exportsektors hat die steigende Binnennachfrage Chinas Wirtschaft im August teilweise sogar zu neuen Höhen getragen. So verzeichnete das produzierende Gewerbe das höchste Wachstum der vergangenen neun Jahre. Der „Caixin China General Manufacturing Purchasing Managers“-Index (Caixin) wies im August einen neuen Rekordwert aus. Nach vier Monaten stetigen aber geringen Wachstums, stieg er bis auf 53,1 Punkte. Damit liegt er aktuell über der bisherigen Bestmarke von 52,8 Punkten, die zuletzt im Januar 2011 erreicht worden war.

Weiterhin gedämpfter Optimismus

Insgesamt ist der Optimismus im produzierenden Gewerbe aber weiterhin gedämpft. Die Unternehmen haben zwar begonnen, wieder mehr Mitarbeiter einzustellen, die Zahlen liegen aber noch unter der Wachstumsschwelle. Gründe sind unter anderem die nach wie vor in weiten Teilen der Welt nicht besiegte Corona-Pandemie sowie die andauernden Wirtschaftsstreitigkeiten zwischen den USA und China.

Interessant ist auch, dass der offizielle „Purchasing Manager Index“ (PMI) der chinesischen Regierung mit 51 Punkten deutlich unter dem Caixin-Index liegt. Bei kleineren Unternehmen zeigt er sogar einen Rückgang von 48,6 auf 47,7 Punkte. Eine mögliche Ursache ist, dass der offizielle PMI auch die zuletzt stark von Überschwemmungen betroffenen Regionen Chinas erfasst. Gerade hier sind viele kleine und mittelständische Unternehmen angesiedelt. Der Caixin-Index hingegen konzentriert sich stark auf die Produktionszentren entlang der chinesischen Ostküste mit ihren Großunternehmen.

Immobilienpreise steigen

Parallel mit dem Wiedererstarken der Wirtschaft Chinas im August sind auch die Preise für Immobilien wieder stärker gestiegen. Von den 70 Städten, deren Immobilienmarkt vom Nationalen Statistikbüro überwacht wird, um die Entwicklung des Sektors einzuschätzen, verzeichneten 59 ein Wachstum von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, beziehungsweise von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auffällig ist dabei, dass die Preise in den Tier-1-Städten, wie beispielsweise Shenzhen, weniger stark stiegen als im direkten Umland. Dies ist in der immer engeren Kontrolle des Marktes in diesen Städten durch die Aufsichtsbehörden begründet. Sie sind verstärkt dazu aufgerufen, Spekulationen mit Immobilien zu unterbinden, um bezahlbaren Wohnraum sicherzustellen.
In China ist es weiterhin nicht unüblich, dass große Teile von Wohnanlagen leer stehen. Die Eigentümer haben die Wohnungen nur in der Hoffnung auf steigende Preise erworben. Sie nutzen sie weder selbst, noch werden sie vermietet, da eine Nutzung als wertmindernd angesehen wird.

Um den Markt während der Corona-Pandemie in China zu stützen, wurden diese Regulierungsmaßnahmen in der ersten Jahreshälfte weniger strikt umgesetzt. Jetzt, wo Chinas Wirtschaft im August gewachsen ist und der Immobilienmarkt spürbar anzieht, werden die Behörden die Trends wieder genauer im Blick behalten. Die weitere Entwicklung ist daher momentan schwer vorherzusagen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Markt stabil bleiben aber nur geringes Wachstum aufweisen.

Autoindustrie mit guten Zahlen

Den starken August verdankt Chinas Wirtschaft unter anderem auch dem Automobilmarkt. Nach den Umsatzeinbrüchen zu Beginn des Jahres liegen die Verkaufszahlen aktuell bereits 3,5 Prozent über denen des Vormonats und 11,6 Prozent über den Vorjahreswerten. In absoluten Zahlen wurden allein im August 2,19 Millionen Fahrzeuge verkauft, davon 1,76 Millionen PKW. Auf das Jahr gerechnet liegen die Verkaufszahlen damit weiterhin fast zehn Prozent über den Vorjahreszahlen. Dank der wiedererstarkten Nachfrage, und mit Blick auf die traditionell umsatzstärksten Monate September und Oktober, ist die China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) aber optimistisch, was das Jahresergebnis angeht.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Markt für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, zu dem auch Elektrofahrzeuge gehören. Mit 109.000 verkauften Einheiten im August machen sie weiterhin nur einen Bruchteil des Gesamtmarktes aus. Allerdings liegt das Wachstum des Segments, im Vergleich zum Vorjahresmonat, bei 25 Prozent. Dieses starke Wachstum hängt auch direkt mit der schrittweisen Verschärfung der Emissionsgrenzwerte durch die chinesische Regierung zusammen. So werden die alternative Antriebe zu einer immer attraktiveren Option für viele Käufer.

Zwar machen die Elektroautos aus chinesischer Produktion zusammen nicht einmal 10 Prozent des Segments aus, sie weisen aber noch deutlich stärkere Wachstumsraten als die ausländischen Fabrikate auf. Ihr Anteil wird sich auch in Zukunft weiter erhöhen, da die meisten Hersteller wie Nio oder Xpeng ihre Produktionskapazitäten erhöhen, um mit der steigenden Nachfrage Schritt zu halten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frachtzüge zwischen China und Europa auf Rekordniveau

Frachtzugverkehr zwischen Europa und China auf Rekordniveau
Quelle: Adobe Stock; © kalpis

Wie die englischsprachige China Daily berichtet, hat sich der Güterzugverkehr zwischen China und Europa nicht nur deutlich erholt, sondern im Juli auch einen neuen Rekord aufgestellt. Insgesamt 1.247 Frachtzüge verkehrten laut der China State Railway Group zwischen China und Europa. Das waren 62 Prozent mehr als noch vor einem Jahr auf der Strecke unterwegs waren. Im Juli transportierten sie insgesamt 113.000 Standardcontainer zu Empfängern in ganz Europa und in umgekehrter Richtung zu Güterbahnhöfen in China. Allein im Vergleich zum Vormonat hat sich die Zahl der transportierten Standardcontainer damit um knapp zwei Drittel gesteigert.
Sie entspricht jetzt fast der fünffachen Menge, die das aktuell weltgrößte Containerschiff, die HMM Algeciras, laden kann. Gleichzeitig haben die Züge die Frachtlaufzeiten im Vergleich zum Schiffstransport mindestens halbiert.

Wie viele von den Güterzügen aus China bis zu den deutschen Endpunkten der neuen Seidenstraße in beispielsweise Duisburg gefahren sind, ist nicht Teil der Berichterstattung. Angesichts der enorm hohen Anzahl an Zugbewegungen ist aber trotz steigender deutscher Exporte nicht davon auszugehen, dass alle die gesamte Strecke zurückgelegt haben, sondern auch Ziele in Osteuropa angesteuert wurden.

Frachtzüge zwischen China und Europa gewinnen an Bedeutung

Das Interesse an Güterzügen zwischen China und Europa steigt weiterhin stark. Die chinesischen Exporte sind im August um 11,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen und die Frachtzüge in Richtung Europa sind mittlerweile ein wichtiger Teil des chinesischen Handelsnetzwerkes. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Corona-Pandemie kommt es allerdings immer wieder zu Verzögerungen in den Abläufen.

Ursache sind Sorgen sowohl bei Absendern, Empfängern als auch Umschlagplätzen entlang der Strecke zwischen China und Europa. Sie befürchten, dass die Güterzüge neben dringend erwarteter Fracht auch neue Covid-Fälle transportieren könnten. Laut Angaben der China State Railway wurden daher in enger Abstimmung mit allen beteiligten Parteien intensive Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Um Reisen und Kontakte zwischen den jeweiligen Ansprechpartnern zu minimieren, finden die Abstimmungsgespräche in der Regel als Videokonferenzen statt.

Chinas Binnenwachstum nutzen

Chinas Binnenwachstum nutzen
Quelle: Adobe Stock; © chungking

China war als erstes Land von der Corona-Krise betroffen. Jetzt hat es auch als erster Staat einen Weg aus der Pandemie gefunden. Sowohl hinsichtlich des Binnenwachstums als auch der Ertragsperspektive ist die Volksrepublik weltweit führend bei der Erholung von COVID-19. Die Revisionen der Konsensgewinnschätzungen sind zwar tendenziell rückläufig. Es wird jedoch erwartet, dass China widerstandsfähiger ist als seine globalen Wettbewerber, insbesondere auf dem Onshore-Markt für A-Aktien. Übereinstimmend werden nach wie vor für den CSI 300, den Referenzindex für den chinesischen Onshore-Markt, ein EPA-Wachstum von 8,1 Prozent in diesem Jahr und 16 Prozent für 2021 erwartet.

Privatanleger stützen Chinas Binnenwachstum

Mit ihrem typischerweise stärkeren Inlandsfokus haben China A-Aktien die Schwellenländer und Offshore-Peers während der Krise und darüber hinaus übertroffen. Dabei wurden sie durch die reichlich vorhandene Liquidität und die zuletzt optimistische Stimmungslage unterstützt. Ein wichtiger Faktor, wenn Privatanleger einen Kapitalmarkt dominieren, wie das in China der Fall ist.

Ihre hohe Beteiligung an diesem Markt lässt sich auch an der in den letzten Monaten gestiegenen Marktgeschwindigkeit ablesen. Sie ist ein Maß für die Handelsfrequenz und an Märkten mit einem hohen Anteil an institutionellen Anlegern üblicherweise deutlich niedriger. Dieses systemimmanente Verhaltensmuster (Bias) ist für von Privatanlegern dominierte Aktienmärkten typisch. Hierin liegt die Chance für aktive Investoren. Fehlbewertete Aktien eröffnen Spielräume, um Alpha zu generieren.

Chinas Kapitalmärkte öffnen sich weiter

Für internationale Investoren wird der Zugang zunehmend einfacher. Um Chinas Binnenwachstum zu unterstützen öffnen sich die Kapitalmärkte zunehmend für ausländisches Kapital. Als direkte Folge sind A-Aktien aus China verstärkt in globalen Indizes vertreten. Mit der 20 Prozent-Aufnahme von China-A-Aktien im letzten Jahr stieg das Gesamtgewicht chinesischer Aktien auf 41 Prozent des MSCI Emerging Market Index.

Ninety One, Wenchang Ma
Wenchang Ma ist Co-Portfoliomanagerin für die All China Equity Strategy und für die China A Share-Strategie im 4Factor-Team bei Ninety One.

Wenchang Ma, Co-Portfoliomanagerin des Ninety One China A Shares Fonds, erklärt die aktuelle Situation an den chinesischen Kapitalmärkten und worauf Investoren jetzt achten sollten: „Da das Land seine Kapitalmärkte öffnet, stellen wir eine starke Nachfrage von Investoren fest, die in China investieren wollen. Sie interessieren sich vor allem für den Zugang zu den vielfältigen Möglichkeiten des Marktes für A-Aktien. Anleger sollten sich auf qualitativ hochwertige Unternehmen mit einer günstigen Geschäfts- und Aktienkursentwicklung konzentrieren, die zu attraktiven Bewertungen gehandelt werden. Wir richten unsere Fondsstragie auch an diesem Ansatz aus und glauben, dass dies der beste Weg ist, um langfristig Alpha zu generieren“.

 

China – Wie verändert Corona das Reich der Mitte?

China – Wie verändert Corona das Reich der Mitte
Quelle: Adobe Stock; © Thaut Images

China ist inzwischen nahezu frei von Corona. Laut offiziellen Angaben wurden fast alle neuen Infektionen von außen importiert und sind unter Kontrolle. Dabei hatte es noch Anfang Februar den Anschein gehabt, als ob der Kommunistischen Partei die Sache entgleiten könnte. Massenhaft wurden im Internet Beschuldigungen laut, wonach Chinas Führung die Epidemie zunächst vertuscht und warnende Stimmen zum Schweigen gebracht hatte. Wäre nicht ein Großteil des Landes im Lockdown gewesen, hätte man sich das Überschwappen der virtuellen Proteste auf Chinas Straßen beinahe vorstellen können.

Chinas nationale Einheit wurde durch Corona gestärkt

Mindestens so beachtlich wie Chinas Erfolg im Kampf gegen das Virus ist daher die 180-Grad-Wende, die die öffentliche Meinung in der Volkrsrepublik in nur knapp drei Monaten vollzogen hat. Innerhalb dieser kurzen Zeit nämlich ist es der chinesischen Regierung gelungen, nahezu das gesamte Land hinter sich und ihrer Botschaft eines siegreich aus der Pandemie hervorgegangenen und dem Rest der Welt überlegenen Chinas zu vereinen.

Die Propagandaschlacht der vergangenen Wochen und Monate, in der es immer wieder auch um den Ursprung des Virus ging, hat Präsident Jinping Xi damit gewonnen. Die Unzufriedenheit und Frustration, die mit Blick auf das anfängliche Management der Krise und die medizinische Versorgung noch im Februar in weiten Teilen des Landes herrschte, scheint verflogen und ist einem neuen Optimismus gewichen. Es überwiegt die Zuversicht, dass das autoritäre, chinesische System sehr viel besser mit einer solchen Situation umgehen kann als die liberalen, westlichen Gesellschaften. Diese versinken aus Sicht vieler Chinesen noch immer im Chaos.

Dabei hilft es zweifellos, dass das Individuum und seine persönlichen Belange in der chinesischen Kultur einen vergleichsweise geringen Stellenwert haben. Was zählt sind die Interessen der Nation. Schon vor Corona hatte sich die Bevölkerung in China an einen Grad der Überwachung, Nutzung und Verknüpfung persönlicher Daten gewöhnt, der in weiten Teilen der westlichen Welt noch immer unvorstellbar ist. Entsprechend leicht und schnell lässt sich in der aktuellen Situation auf die bestehenden Systeme zur sozialen Kontrolle aufbauen. Das können etwa App-gesteuerten Gesundheitscodes sein. Diese fungieren inzwischen als Eintrittskarte für den Nahverkehr, Restaurants, Supermärkte oder Büroräume und sind de facto Pflicht für chinesische Staatsbürger.

Internationale Fronten verhärtet

Während China im Inneren wegen Corona näher zusammenrückt, haben sich die internationalen Fronten im Zuge der Pandemie weiter verhärtet. Insbesondere das Verhältnis zwischen China und den Vereinigten Staaten scheint mehr zerrüttet denn je. Dabei hätte das Virus eine willkommene Gelegenheit sein sollen, die existierenden Handelsstreitigkeiten temporär beiseite zu legen. Der Abbau von Handelshemmnissen hätte der Weltwirtschaft zumindest etwas Luft zum Atmen geben können.

Anstatt aufeinander zuzugehen, beschleunigt sich die Demontage globaler Liefer- und Wertschöpfungsketten. Gleichzeitig stricken die USA im Eilverfahren an alten und neuen Allianzen. Ziel ist es, China zunehmend zu isolieren und in die Enge zu treiben. Die jüngste Ankündigung aus Peking zum geplanten Sicherheitsgesetz für Hong Kong ist ein neuer, diplomatischer Tiefpunkt in der Beziehung der beiden Großmächte.

Auf dem Verwaltungsweg wird nun Hongkong auf Linie gebracht. Es ist die logische Weiterführung des kühlen Pragmatismus von Chinas Staats- und Parteichef Jinping Xi: Je schneller eine Tagesordnung nach seiner Linie wiederhergestellt ist, desto bessere Ergebnisse werden in der Zukunft erzielt. Er nutzt dabei die Gunst der Stunde und konzentriert sich auf sich selbst. Parallel ist die Welt noch damit beschäftigt, aus der Umarmung der Covid-19-Krise zu kommen. Die Masse der Chinesen steht hinter Xi, hat er doch den “Krieg des Volkes gegen Corona“ erfolgreich angeführt.

Die Vereinigten Staaten sollten aufhören, China und die USA “an den Rand eines neuen Kalten Krieges“ zu bringen. So sagte es jüngst der chinesische Außenminister Yi Wang. “China hat nicht die Absicht, die Vereinigten Staaten zu verändern, noch weniger zu ersetzen“, erklärte er vor einer ausgewählten Gruppe von Journalisten. “Es ist Zeit für die Vereinigten Staaten, ihr Wunschdenken aufzugeben, China zu verändern und 1,4 Milliarden Menschen auf ihrem historischen Weg zur Modernisierung zu stoppen.“

Chinas Wirtschaft auf dem Weg zu alter Stärke

Die Demonstration von Stärke nach innen und außen ist für Peking in der aktuellen Situation ein wichtiger Faktor. Oberstes Ziel bleibt aber die Stabilisierung der chinesischen Volkswirtschaft, denn die Legitimität der kommunistischen Führung basiert nach wie vor auf dem Wachstumsversprechen gegenüber der eigenen Bevölkerung. Und dieses gerät erstmals nach vier Dekaden Öffnung, Reform und internationaler Vernetzung ins Wanken.

Im ersten Quartal fiel die chinesische Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorjahr um 6,8%. Die offizielle Arbeitslosenquote stieg bereits im Februar auf 6,2% und liegt damit auf dem höchsten Stand seit 2002. Zusätzlich werden auch in diesem Jahr wieder rund 9 Millionen Studenten Chinas Hochschulen verlassen und nach Chancen auf dem Arbeitsmarkt suchen.
Dabei war es eigentlich das Ziel zum 100. Geburtstag der Kommunistischen Partei Chinas im kommenden Jahr, die Wirtschaftsleistung im Vergleich zu 2010 zu verdoppeln. Dazu wäre jedoch ein Wachstum von sechs Prozent nötig. Das erscheint gegenwärtig äußerst unwahrscheinlich. Die Parteiführung wird jedoch alles versuchen, um dieses Ziel doch noch weitgehend zu erreichen.

Glücklicherweise gibt es auch bereits deutliche positive Signale einer wirtschaftlichen Belebung. So wuchs Chinas Wirtschaft im zweiten Quartal schon wieder um 3,2% im Jahresvergleich. Auch hat sich der chinesische Einkaufsmanagerindex wieder oberhalb von 50 Punkten und somit im Expansionsbereich stabilisiert. Im Februar notierte er noch bei katastrophalen 35,7 Punkten. Weitere wichtige Aktivitätsindikatoren wie der tägliche Kohleverbrauch und das Stauaufkommen auf Chinas Straßen liegen inzwischen wieder bei rund 90% ihres Vorjahresniveaus.

Um die chinesische Wirtschaft zu unterstützen, hat auch China eine Reihe geld- und fiskalpolitischer Maßnahmen auf den Weg gebracht. Im Vergleich zu Europa und den USA fällt der bisherige Umfang dieser Interventionen aber bescheiden aus. In Sachen Staatsdefizit und öffentlicher Verschuldung hat China jedenfalls noch immensen Spielraum. Für den Rest des Jahres und darüber hinaus ist man vergleichsweise gut gerüstet.

China baut seine Machtposition trotz Corona weiter aus

China und insbesondere auch seine Regierung wird gestärkt aus der von Corona verursachten Krise herauskommen und auch international seine Machtposition weiter ausbauen sowie eine stärkere Einbindung in die Weltgemeinschaft einfordern.

Hierbei treffen visionäre Pläne Chinas auf einen weitgehend planlosen Westen. Das Coronavirus wird China nicht von seinem Ziel abbringen, bis zum Jahre 2025 zu einem Innovationsführer in allen wichtigen Schlüsseltechnologien aufzusteigen. Dazu zählt die Volksrepublik Energieerzeugung, E-Mobilität, Flugzeug-, Eisenbahn- und Schiffbau sowie Robotertechnik, Mobilfunk-Technologie und Medizintechnik. Die Ausgaben für Forschung & Entwicklung liegen bereits heute höher als in der gesamten EU und steigen schneller als in den USA. Die Anzahl der internationalen Patentanmeldungen ist mittlerweile größer als in Europa, USA und Japan zusammen. Auf internationaler Ebene gilt es, im Rahmen der neuen Seidenstraße ein interkontinentales Infrastrukturnetz zwischen Asien, Europa und Afrika voranzutreiben. Bis zum Jahre 2049, sprich dem 100-jährigen Gründungsjubiläum der Volksrepublik China, soll das Land modern, stark und wohlhabend sein. Dann wird es die USA als Weltmacht Nr. 1 längst abgelöst haben.

Deutsche Finanz-Manager blicken nach Asien

Deutsche Finanz-Manager blicken nach Asien
Quelle: AdobeStock; © moofushi

Auf der Höhe der COVID-19-Pandemie machten sich mehr als die Hälfte (51%) aller Befragten Sorgen über die Auswirkungen von COVID-19 auf ihre Wachstumspläne außerhalb der Heimatregion. Auch zeigten alle Befragten einen signifikanten Konsens darüber, dass Liquiditätsprobleme eine große Herausforderung darstellen. Dies galt für Umsatz, Finanzierung oder die Rückführung von Gewinnen. Angesichts der COVID-19-Krise überrascht es nicht, dass 22% der Befragten das Versagen und die Unterbrechung von Lieferketten als Problem bezeichneten. 21% der Befragten prognostizierten auch einen Rückgang der Einnahmen. Deutsche Finanz-Manager zeigten sich in Sachen Liquidität besonders sensibel und legten großes Gewicht auf die Optimierung ihrer Betriebsmittel.

Dennoch bleibt auch in Krisenzeiten der Bedarf nach Informationen und Beratung über die regulatorischen Rahmenbedingungen außerhalb ihrer Heimatregion die größte Einzelherausforderung. Dies wurde von 32% aller Befragten angegeben. Für 39% der CFOs war es ein besonderes Anliegen, im Vergleich zu 29% bei den anderen befragten Finanz-Managern.

Deutsche Finanz-Manager setzen auf Optimierung des Betriebskapitals

Auf die Frage nach der Herausforderung Nummer 1 beim Wachstum außerhalb der Heimatmärkte nannten deutsche Finanzchefs die Absicherung von Wechselkursrisiken (20%) sehr viel öfter als die anderen Befragten (12%). Die Transformation ihrer Geschäftsmodelle hat für deutsche Manager ebenfalls einen höheren Stellenwert als für die Gesamtheit. Bei der Frage nach den 3 größten Herausforderungen rutschte die Transformation des Geschäftsmodells bei den deutschen Befragten jedoch von 25% auf 17% ab. Das zeigt, dass dies durchaus nicht in allen Branchen an erster Stelle steht.

So spielt die Sicherung der Liquidität für deutsche Finanz-Manager eine bedeutende Rolle. Allerdings machten sinkende Erlöse den deutschen Befragten nicht die größten Sorgen. Nur 11% der deutschen Manager gaben dies an, verglichen mit 21% aller Befragten. Auf der Einnahmenseite zeigten sich deutsche Befragte hingegen deutlich sensibler als die Gesamtgruppe. So gaben 31% der deutschen Manager an, dass überfällige Forderungen für sie eine ernste Herausforderung seien (verglichen mit 17% aller Befragten). Hier zeigte sich, dass deutsche Finanz-Manager ein sehr großes Gewicht auf die Optimierung ihrer Betriebsmittel legen. Das wurde auch durch die Aussage von 74% von ihnen belegt, dass sie Zahlungsvereinbarungen mit Lieferanten neu verhandeln wollen (verglichen mit 61% gesamt).

Durch die Corona-Krise hat der Aufbau robuster Lieferketten im Verhältnis zur reinen Optimierung der Betriebsmittel an Bedeutung gewonnen. Daher sollten deutsche Unternehmen jetzt davon absehen, den Kostendruck auf Lieferanten zu sehr zu verstärken. Es besteht sonst die Gefahr, dass Lieferketten erneut unterbrochen werden. Viele Unternehmen konzentrieren sich in Folge der Corona-Krise verstärkt darauf, regionale oder globale Finanzierungsprogramme für Betriebsmittel aufzusetzen. Dazu gehört beispielsweise Supply Chain Financing (Reverse Factoring), welches Lieferanten unterstützt und die Resilienz der Lieferketten so erhöht.

Europäer bevorzugen Bankkredite

Bei der Finanzierung ihres Wachstums außerhalb der Heimatmärkte setzen europäische Unternehmen deutlicher als ihre Kollegen aus Amerika auf Bankkredite. 75 % der europäischen Unternehmen würden Bankkredite zur Finanzierung der internationalen Expansion nutzen. Im Vergleich mit den amerikanischen Kollegen sind das 12 Prozentpunkte mehr. 44% der Befragten aus Amerika waren geneigt, Barmittel aus dem Unternehmen zur Finanzierung der internationalen Expansion zu verwenden. Bei den Europäern galt dies nur für 39%. Ebenso war in Amerika der Einsatz von Risikokapital, wie z.B. Privatplatzierungen und privates Beteiligungskapital, weiterverbreitet, wobei der Markt dafür in den Vereinigten Staaten etablierter ist als in Europa.

32% aller Befragten gaben an, dass es ihre oberste Priorität in den nächsten 6-12 Monaten sei, ihre Lieferantenbasis über ihren Heimatmarkt hinaus zu diversifizieren. So wollten sie die Widerstandsfähigkeit und Flexibilität ihrer Lieferketten erhöhen. Darüber hinaus wurden Ziele, wie die Digitalisierung des Handels, das Management von Devisenkursschwankungen und die vertikale Integration zur Verbesserung der Kontrolle über die Lieferketten als hohe Prioritäten eingestuft.

Befragt wurden 300 Finanz-Manager, die sich zu gleichen Teilen auf Europa (Großbritannien, Irland, Frankreich, Deutschland, Türkei, Schweden, Dänemark, Finnland, Norwegen) und Amerika (USA, Kanada, Brasilien) verteilten. Die Gruppe setzte sich zusammen aus CFOs und Finanzdirektoren (30%) und regionalen/globalen Finanzchefs (70%). Die Unternehmen in denen sie tätig sind, erwirtschafteten einen Umsatz von 500 Millionen Dollar oder mehr. Davon wiederum 28% einen Umsatz von über 1 Milliarde Dollar. Bei den Branchen (keine Finanzdienstleister) waren das verarbeitende Gewerbe (19%), das Gesundheitswesen (14%) sowie Technologie (10%) am stärksten vertreten.

Fazit

Deutsche Finanz-Manager ticken anders als ihre Kollegen in anderen Ländern. Die Standard Chartered Studie zeigt, dass sie in Zukunft ein gesundes Gleichgewicht zwischen der Optimierung ihrer Betriebsmittel und dem Aufbau resilienter Lieferketten finden müssen. Denn die Covid-19 Krise hat gezeigt, dass Unterbrechungen der Lieferketten nicht nur erhebliche Kosten verursachen. Sie können auch ganze Geschäftsmodelle ins Wanken bringen. So wird der Fokus in nächster Zeit darauf liegen müssen, Lieferketten anders zu organisieren und Lieferanten noch stärker als bislang zu binden, was mit höheren Kosten verbunden sein wird.

Bayer vergrößert Produktion in Beijing

Bayer vergrößert Produktion in Beijing
Quelle: Adobe Stock; © JHEVPhoto

Der Bayer-Standort in der Beijing Economic-Technological Development Area besteht bereits seit 1995 und wurde über die Jahre immer wieder erweitert. Seit 2016 ist er das weltweit größte Verpackungszentrum der Leverkusener. Jetzt vergrößert Bayer seine Produktion in Beijing noch einmal. Dazu werden ca. 50 mio. Euro in die Produktionsanlagen in der BDA investiert. Parallel verbessert das Unternehmen seine Logistik und führt Digitalisierungsmaßnahmen durch.

Schwerpunkt der neuen Produktionslinien sollen Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes für den chinesischen Markt sein. Die Arbeiten dauern bis voraussichtlich 2022. Zum offiziellen Beginn des Projekts waren Vertreter des chinesischen Wirtschaftsministeriums, der Deutschen Botschaft sowie der Stadt Beijing und der BDA anwesend.

Nach Fertigstellung der Arbeiten wird sich das Produktionsvolumen des Standortes um geschätzte 40% erhöhen. Der Ausbau der Kapazitäten erfolgt auch im Zuge der nationalen Kampagne „Healthy China 2030“. Die chinesische Regierung hat sie initiiert, um chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Bluthochdruck und Diabetes zu bekämpfen. Mit dem steigenden Durchschnittsalter der chinesischen Bevölkerung wächst der der Bedarf an Medikamenten zur Behandlung dieser Krankheitsbilder zunehmend schneller. Die Nachwirkungen der bis vor wenigen Jahren geltenden Ein-Kind-Politik verschärfen diese Entwicklung bis heute.
Bayer vergrößert daher seine Produktion in Beijing auch, um dem durch die Corona-Pandemie gesteigerten Interesse an stabilen Lieferketten und lokaler Produktion Rechnung zu tragen.

Bayer erweitert Produktion und Portfolio

Passend zur „Healthy China 2030“ Kampagne erweitert Bayer sukzessive sein Portfolio in der Volksrepublik. So haben die Leverkusener Ende August die Zulassung von Xofigo® für den chinesischen Markt erhalten, das bei der Prostata-Krebstherapie zum Einsatz kommt. Darüber hinaus haben sie fast zeitglich die Zulassung für Vericiguat beantragt, das zur Behandlung von chronischer Herzinsuffizienz eingesetzt werden soll.

Bayer beschäftigt heute über 6.000 Mitarbeiter in China. Neben dem Standort in Beijing, an dem Bayer aktuell seine Produktion vergrößert, sind die Leverkusener unter anderem auch in Qidong bei Shanghai, Chengdu und Guangzhou vertreten. Seit 2014 gehört auch das chinesische Pharmaunternehmen Dihon aus der Provinz Yunnan zum Konzern.

FAWER übernimmt ABC Umformtechnik

FAWER übernimmt ABC Umformtechnik aus Gevelsberg
Quelle: Adobe Stock; © Elke Hötzel

Die FAWER Automotive Parts Limited Company (FAWER) mit Sitz im nordostchinesischen Changchun investiert in die ABC Umformtechnik GmbH & Co. KG aus Gevelsberg. Das deutsche Traditionsunternehmen, das bis ins Jahr 1823 zurückgeht, ist heute auf die Produktion von Umformteilen und Komponenten für die Automobilindustrie und ihre Zulieferer spezialisiert. Zum Kundenstamm gehören die führenden deutschen Fahrzeughersteller.

1998 gegründet, ist FAWER ebenfalls Automobilzulieferer und spezialisiert sich auf Forschung und Entwicklung im Segment Autoersatzteile in den Kategorien Klimatisierungs-, Fahrwerk-, Brems-, Getriebe-, Lenk-, Elektronik- und Sicherheitssysteme sowie Motorsysteme und -zubehör. Die Produkte werden beim Bau von Nutzfahrzeugen und Personenwagen im asiatischen Heimatmarkt als auch international eingesetzt. Heute gehören 35 Tochterunternehmen und Joint Ventures zu FAWER. Der Gesamtjahresumsatz der Gruppe betrug zuletzt ca. 10 Mrd. Yuan (ca. 1,24 Mrd. Euro)

Folgerichtig erwartet sich das chinesische Management von der geplanten Übernahme nicht nur eine Erweiterung seiner Produktpalette. Weitere Ziele sind die Schaffung von Impulsen für Forschung und Entwicklung sowie eine Stärkung der internationalen Marktposition. Denn die chinesischen Käufer sind sich sicher: als spezialisierte Hersteller für die Automobilindustrie teilten FAWER und ABC Umformtechnik strategische Ambitionen und Werte und würden ihre internationale Wachstumsgeschichte gemeinsam fortsetzen.

Die Übernahme der ABC Umformtechnik aus Gevelsberg wird in zwei Schritten erfolgen: Im ersten Schritt erwirbt FAWER 80 Prozent der Anteile und dann später die restlichen 20 Prozent. Die Gesamtsumme der beiden Transaktionen wird sich auf knapp über 12,5 mio. EUR belaufen.

Im Rahmen dieser Transaktion berieten die Anwälte der Rechtsanwaltsgesellschaft King, Wood & Mallesons (KWM) aus Peking und Frankfurt am Main gemeinsam unter Leitung von Kaiding Wang (KWM Peking) und Dr. Sandra Link (KWM Frankfurt) FAWER beim Abschluss des Kaufvertrags zum Erwerb der Anteile. Allerdings steht der Vollzug des Erwerbs aktuell noch unter dem Vorbehalt der üblichen, regulatorischen Genehmigungen in China und Deutschland.

Können Chinas Aktienmärkte von Reformen profitieren?

Profitieren Chinas Aktienmärkte von Reformen?
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Im Juni dieses Jahres wurde Gangyu Huang vorzeitig auf Bewährung entlassen, nachdem er zehn Jahre im Gefängnis gesessen hatte. Im März 2010 war Huang, einer von Chinas ersten Milliardären, zu insgesamt 14 Jahren wegen Bestechung, Bilanzfälschung, Insiderhandel und Kursmanipulation verurteilt wurden. Huang hatte den Elektronikeinzelhändler GOME Electrical Appliances aufgebaut und groß gemacht. Als die Nachricht von Huangs Entlassung bekannt wurde, reagierten Chinas Finanzmärkte deutlich: Die Aktien des Unternehmens stiegen um rund 20%, die des ebenfalls börsennotierten Finanzarms des Konzerns sogar um über 50%. In den sozialen Netzwerken Chinas machte sofort ein Witz die Runde: Nicht nur Huangs Frau habe zehn Jahre auf die Rückkehr ihres Ehemanns gewartet, sondern auch der Shanghai Composite Index (SCI).

Flash-Bubble und mehr

Tatsächlich nämlich wies der Index Ende Juni 2020 mehr oder weniger genau den Wert aus (3.004 Punkte), den er auch bei Huangs Verhaftung im März 2010 hatte (3.074 Punkte). Es ist ein bemerkenswerter Umstand: Während sich das chinesische Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen zehn Jahren von rund 6 Bio. USD auf fast 16 Bio. USD im Jahr 2020 mehr als verdoppelt hat, sind Chinas Aktienmärkte kaum von der Stelle gekommen. Auch wenn es dazwischen spektakuläre Entwicklungen gab, wie beispielsweise die „Flash-Bubble“ in der ersten Jahreshälfte 2015 als sich die Kurse in Shanghai binnen weniger Monate mehr als verdoppelten und dann innerhalb kürzester Zeit wieder kollabierten.

Kleinanleger dominieren Chinas Aktienmärkte

Die Gründe hierfür sind vielfältig – am Wichtigsten ist vermutlich, dass in China der Aktienmarkt nicht als Möglichkeit gilt, mit langfristigen Investitionen Vermögen aufzubauen bzw. zu erhalten. „Echte“ Investments werden nahezu ausschließlich in Immobilien getätigt oder direkt in ein eigenes zweites oder drittes Unternehmen. Am Aktienmarkt zocken die Anleger in erster Linie – sie verstehen Chinas Finanzmärkte primär als Glücksspiel. Die Folge ist, dass es – anders als im Westen – so gut wie keine institutionellen Investoren gibt. Weit mehr als 90% der Anleger in China sind Kleinanleger. Sie folgen keinem System oder bestimmten Regeln, sondern handeln auf Empfehlung von Verwandten, Freunden oder Nachbarn kaufen. Die Folge sind entsprechend erratische Kursbewegungen, die dann noch durch die Emotionen der breiten Anlegermasse zusätzlich verstärkt werden.

PR-Bilanzen ohne Aktionärsschutz

Zudem machen es chinesische Unternehmen ihren Anlegern oft auch schwer. Die bilanzierten Zahlen sind in vielen Fällen mehr Wunschdenken und Marketing als wirklich handfester Beleg der unternehmerischen Entwicklung. Aktionärsschutzvereinigungen, die Bilanzen auf Herz und Nieren prüfen, gibt es kaum. An die Anleger wird zumeist als letztes, wenn überhaupt gedacht – entsprechend ist Transparenz im Sinne der Investoren eher unbekannt.

Auch gibt es kaum ausländische Investoren an Chinas Aktienmärkten. Während die Anteile des DAX zu ca. 55% im Ausland liegen und es für deutsche Anleger völlig problemlos möglich ist, in New York, Tokyo oder London Unternehmensanteile zu kaufen, können chinesische Privatanleger nicht ins Ausland und chinesische Aktien können von Ausländern ebenfalls nur unter extrem erschwerten Bedingungen erworben werden – wenn überhaupt. Allerdings ändert sich dieser Punkt gerade.

Ausländisches Kapital

Chinas Finanzmärkte wurden seit 2019 vielen Reformen unterzogen. Die „Qualified Foreign Institutional Investor“-Programme (QFII) sind seither deutlich vereinfacht und viele Limitierungen gelten nicht länger. Dabei sind die Aufhebung der Obergrenzen für Einzelbeteiligungen und das Ende der Beschränkung der gesamten Investmentsummen von besonderer Bedeutung. Des Weiteren hat die chinesische Regierung sogenannte Stock Connect Programme ins Leben gerufen. Diese ermöglichen es beispielsweise Investoren in Hong Kong, London und bald wohl auch Paris ermöglichen, direkt an den Börsen in Shanghai und Shenzhen zu investieren. Darüber hinaus wird es für chinesische Unternehmen zunehmend leichter an die Börse zu gehen. Das gilt insbesondere für Technologieaktien. Für sie wurde im vergangenen Jahr eigens ein neues Marktsegment – der Shanghai Star Market – kreiert.

Zusätzlich hat einer der führenden Indexanbieter, MSCI, beschlossen, den Anteil der chinesischen A-Aktien bei seinen Indizes wie dem MSCI Emerging Markets Index oder den All Country World Index sukzessive deutlich aufzustocken. Das bedeutet, jeder ETF und jeder Fonds, der sich an diesen Indizes orientiert oder sie gar 1:1 abbildet, muss entsprechende Investments in China tätigen. Es wird also sehr viel mehr ausländisches Kapital in den kommenden Jahren an die Börsen von Shanghai und Shenzhen fließen.

Auch wird der Shanghai Composite Index (SCI) erstmals seit seiner Gründung im Jahr 1991 neu zusammengesetzt – mit einem deutlich größeren Gewicht auf Tech-Aktien. Zeitgleich wird es für Börsenneulinge schwieriger werden Teil des SCI zu werden, denn der IPO muss nun wenigstens ein Jahr zurückliegen. Zudem erhalten in Zukunft auch „ausländische“ Unternehmen Zugang zum SCI. Dies gilt insbesondere für die sogenannten „Red Chips“. So bezeichnet man die Aktien jener Unternehmen, die aus Hongkong heraus geführt werden, aber eine chinesische Konzernmutter haben. Auf lange Sicht sollten gerade diese Reformen sowie das zufließende Auslandskapital dem SCI einen deutlichen Wachstumsimpuls.

Chinas Aktienmärkte – Entwicklung des SCI

Chinas Finanzmärkte öffnen sich

Tatsächlich kam nahezu zeitgleich mit Huangs Entlassung Bewegung in Chinas Aktienmärkte (vgl. Abb., grüne Markierung bei Durchbruch der steilen roten Abwärtstrendlinie). Im Sommer gab es einige spektakuläre Börsengänge in Shanghai wie beispielsweise das Zweitlisting von Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC), bei dem der Chiphersteller mehr als 6,5 Mrd. USD erlöste. Am ersten Handelstag notierten die Aktien bei 95 CNY – und damit rund 350% über dem Ausgabepreis von 27.46 CNY.

Auch der SCI insgesamt hat kräftig zugelegt. Seit Juli ist der Index um rund 15% gestiegen. Noch bleibt freilich abzuwarten, ob dies mehr als eine Momentaufnahme ist. Werden die Kleinanleger dieses Mal länger bei der Stange bleiben? Oder werden in einigen Monaten die ersten Gewinnmitnahmen einsetzen, die dann zum Signal für alle Anleger werden, zu den Ausgängen zu rennen?
China öffnet seine Finanzmärkte zunehmend einem internationalen Publikum. Aber dieses Publikum wird nur dann dauerhaft in China bleiben, wenn die Rendite stimmt. Zeitgleich ist China zunehmend auf dieses zusätzliche Kapital angewiesen. Denn das chinesische Bankensystem alleine wird den Kapitalhunger der Volkswirtschaft nicht dauerhaft befriedigen können. Zumal bereits jetzt die Verschuldungsquoten vieler chinesischer Unternehmen, insbesondere der Staatsbetriebe, ungesunde Höhen erreicht haben.

Im Augenblick jedenfalls kratzt der SCI an seiner leicht fallenden Abwärtslinie aus dem Jahr 2015/2016, die sich zudem auf das Verlaufshoch aus dem Jahr 2018 stützt. (Vgl. Abb., flache rote Linie). Aus charttechnischer Sicht, die sich auch in China zunehmender Beliebtheit erfreut, wäre bei einem Durchbruch der Weg frei in Richtung 4.000 Punkte.

Fazit

Die größte Wachstumsstory der Welt ging – bisher zumindest – am chinesischen Aktienmarkt vorbei. Beziehungsweise, sie fand ihren Niederschlag nur in jenen Unternehmen, die an den US-Börsen oder der Hongkonger Börse gelistet sind. Mit der zunehmenden Öffnung seiner Finanzmärkte könnte China hier die Trendwende einleiten und so den enormen wirtschaftlichen Erfolg auch in Börsenkapital ummünzen. Allerdings ist dies nach wie vor ein weiter Weg und erfordert nicht nur die Fortsetzung des bisherigen Reformkurses. Vielmehr bedarf es auch eines grundlegenden Wandels der Mentalität. Nicht nur bei den Anlegern, sondern auch bei den Unternehmen, wenn Chinas Aktienmärkte dauerhaft erfolgreich und attraktiv werden sollen. Es bleibt spannend, ob und wie es zu diesem kommen wird.

In Ausgabe 01/2019 der Investment Plattform China „Chinas Aktienmärkte“ hatten wir uns bereits intensiv mit der Thematik befasst. Hier finden sie nähere Erläuterungen zu A-, B- und H-Aktien, den Stock Connect Programmen und der grundlegenden Struktur von Chinas Finanzmärkten.


Dieser Artikel wurde in ähnlicher Form zuerst im „weekly“ Newsletter von Smart Investor veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.

Fachhochschule Bielefeld kommt nach Hainan

Fachhochschule Bielefeld geht nach Hainan in Südchina
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Bereits am 13. August verkündete die Fachhochschule Bielefeld ihre Pläne via der eigenen WeChat-Seite: Als erste ausländische Universität in China wird man in der Freihandelszone von Hainan, der im Südchinesischen Meer gelegenen Inselprovinz Chinas, ein Bildungsinstitut unter eigener Verwaltung und Kontrolle implementieren. Die ersten Studenten sollen sich schon im kommenden Jahr einschreiben können.

Erste Indizien gab es bereits in den vergangenen Jahren. Im Jahr 2019 besuchte eine hochrangige Delegation um die Bildungsministerin der Provinz Hainan, Prof. Cao Xiankun, Bielefeld und die dortige Fachhochschule. Bereits im Jahr zuvor war sogar der stellvertretende chinesische Bildungsminister Dr. Yao Sun in der ostwestfälischen Metropole. Hainan soll ein „International Innovation Education Island“ werden und entsprechend groß ist das Interesse der Chinesen an dem einzigartigen Studienmodell der deutschen Fachhochschulen, bei dem Theorie und Praxis Hand in Hand gehen.

An der Universität werden dann sowohl Bachelor- als auch Master-Abschlüsse möglich sein. Das heisst, dass sich die Studenten in insgesamt 37 Bachelor- und 25 Masterstudiengänge einschreiben werden können. Die neugegründete Institution der FH-Bielefeld soll dabei nicht nur eine qualitativ hochwertige Bildung und spezielle Förderung für die Talente der Insel bieten. Sie wird auch als Kristallisationspunkt für die Ansiedlung deutscher Spitzenunternehmen auf Hainan dienen.

FH-Bielefeld ist Teil der Pläne für Hainan

Die Ausgründung der Fachhochschule Bielefeld passt perfekt in das größere Bild und die langfristigen Pläne, die Peking mit Hainan hat. Zum 1. Juni 2020 wurde die gesamte Insel zum Freihandelsgebiet erklärt und bis zum Jahr 2050 soll Hainan ein international bedeutender Handelsplatz ähnlich wie Singapur oder Hong Kong werden. Entsprechend attraktiv sind bereits jetzt die Steuersätze auf der Insel, wodurch viele chinesische Unternehmen angezogen werden.

Auch für die Angestellten der neuen Universität der FH-Bielefeld hat dies vorteilhafte Konsequenzen. Denn die Professoren werden ohne Visum ein- und ausreisen können und einer reduzierten Einkommenssteuer unterliegen. Waren können ebenfalls steuerfrei ein und ausgeführt werden. Schließlich verbessert Peking auch die Infrastruktur der Insel deutlich: Internationale Schulen und Kindergärten sind ebenso geplant wie der Aufbau eines wettbewerbsfähigen Gesundheitssystems.

„Drei gewinnt“ Städtenetzwerk Fernost

Delegation organisiert von
Erste Opels: Auch die Oldtimer aus Rüsselsheim finden das Interesse chinesischer Besucher; Foto: "Drei gewinnt"

Drei gewinnt ist der Zusammenschluss von Rüsselsheim, Raunheim und Kelsterbach, um den dortigen Wirtschaftsstandort und Lebensraum gemeinsam zukunftssicher aufzustellen. Wie sich dabei auch in Corona-Zeiten ganz neue Zusammenhalte zwischen den Standorten und chinesischen Unternehmen und auch Win-Win Situationen ergeben, weiß die „Drei gewinnt“-Netzwerk-Managerin Anja Warnecke-Bi zu berichten. Interview von Georg von Stein

Wie wirkt die Corona-Zeit auf den Standort „Drei gewinnt“?
"Drei gewinnt" Spende-Geely
Spende mit medizinischem Material; Foto: „Drei gewinnt“

Warnecke-Bi: In der Not stehen gute Partner eng zusammen. Bereits im Februar hatten das Deutsch-Chinesische Innovationszentrum in Raunheim und der “Drei gewinnt” Förderverein medizinische Schutzprodukte nach Neijiang, Chengdu und Chongqing geliefert. In Raunheim konnten wir dann die Unterstützung von chinesischer Seite erfahren. Die Stiftung des Geely-Gründers Shufu Li hat der Stadt im sechsstelligen Eurobereich medizinisches Material gespendet. Die Lieferung umfasste unter anderem Schutzmasken, -brillen, -handschuhe und -anzüge. Das kam Arztpraxen, Senioreneinrichtungen sowie Rettungskräften zu Gute und über die örtlichen Apotheken auch Bürgerinnen und Bürger direkt. Geely hatte sich ja erst in 2018 in Raunheim niedergelassen und pflegt nun enge Beziehungen zur Stadt Raunheim.

Porträt Frau Warnecke-Bi
ZUR PERSON
Anja Warnecke-Bi arbeitet seit knapp 5 Jahren als Netzwerkmanagerin von „Drei gewinnt“. Sie spricht fließend Chinesisch und ist für alle Belange zuständig, die mit China und Ansiedlungen zu tun haben. Als studierte Sinologin mit einem BWL-Abschluss verfügt sie über 30 Jahre
Berufserfahrung mit China.
dreigewinnt.org
Foto: „Drei gewinnt“
Haben sich durch Corona neue digitale Beziehungen mit China und den chinesischen Partnern entwickelt?

Warnecke-Bi: Ja, beispielsweise bieten wir nun Online-Formate an, in denen wir die drei Standorte noch viel intensiver vorstellen. Im April haben wir chinesische Unternehmensvertreter auf Chinesisch in einem digitalen Seminar über die Corona-Soforthilfen von Bundes- und Landesregierung informiert. Von der Resonanz von über 100 Anmeldungen waren wir überwältigt. Für September planen wir wieder ein solches Online-Seminar, dann mit vielen Grundlageninformationen: von der Darstellung unserer „Drei gewinnt“ Standorte über steuerliche Fragen bis hin zu Informationen aus erster Hand von bei uns angesiedelten erfolgreichen Firmen. Selbst während der ersten Corona-Zeit ist ja ein konkretes Ansiedlungsverfahren entstanden und weitergeführt worden.

Welche fachliche Hilfen können chinesische Firmen, die sich im Gebiet von „Drei gewinnt“ ansiedeln wollen, denn bekommen?

Warnecke-Bi: Unser Netzwerkmanagement China sieht sich als Lotse, One-Stop-Agency und proaktiver Dienstleister für die Anliegen der chinesischen Unternehmen in „Drei gewinnt“. Zu unseren Kernaufgaben zählen: Die Beratung ansässiger chinesischer Unternehmen, die Herstellung von Kontakten zu Dienstleistern bei Steuern, Recht, Immobilien uvm., aber auch die Kommunikation mit der Politik und die Vernetzung mit möglichen Partnern. Wir organisieren auch Vorträge zu den steuerlichen Grundlagen für ein chinesisches Investment oder beraten zu den europäischen Datenschutzgesetzen. Genauso helfen wir auch bei der Personalgewinnung, HR-Management, Wohnungssuche, Visaangelegenheiten oder auch Markteinschätzungen. Dafür erstellen wir dann Marktanalysen und geben Unterstützung bei Marketingstrategie und -konzepten.

"Drei gewinnt" mit Delegation
Delegationsbesuch; Foto: „Drei gewinnt“
Im Gebiet von „Drei gewinnt“ können interessierte Firmen die bereits angesiedelten chinesischen Unternehmen besichtigen. Was bekommt sie dann zu sehen?

Warnecke-Bi: Wir haben insgesamt über 40 chinesische Unternehmen an unseren drei Standorten, so z.B. Geely, Chery, Sinotrans, SolaX. Für interessierte Unternehmen stellen wir gerne branchenbezogen den Kontakt so her, dass potentielle Anknüpfungspunkte für beide Seiten und eine win-win Situation entstehen. Das beginnt oft als Rundfahrt durch die Gewerbegebiete von Rüsselsheim, Raunheim und Kelsterbach und mündet dann in die Besichtigung von repräsentativen Unternehmen. Oft kommt es bei der Vorstellung des Wirtschaftsstandorts auch zum Austausch mit einem der Bürgermeister.

Frau Warnecke-Bi, vielen Dank für das Gespräch.

Digitaler Wandel beschleunigt Chinas Wachstum

Digitaler Wandel stützt Chinas Wachstum
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Bereits im März, als Europa erst den Lockdown verhängte, begann China seine über Monate andauernden Maßnahmen aufzuheben. Diese Zeit strenger Beschränkungen war in China kürzer als die Lockdowns anderer Länder und lässt sich teilweise auf Chinas Erfahrung im Umgang mit früheren Pandemien zurückführen. Da SARS und MERS in Asien stark verbreitet gewesen waren, war die chinesische Regierung besser vorbereitet als die vieler anderer Länder und konnte der zunehmenden Gefahr durch Covid-19 schneller entgegenwirken. Dank des kürzeren Lockdowns folgte dann auch logischerweise die schnellere Erholung der Konjunktur. Wichtiger Faktor dafür ist ein anhaltender digitaler Wandel, der das Wachstum beschleunigt.

Luxus- und Online-Unterhaltungssektor profitieren von Konsumerholung

Auch wenn der Konjunktureinbruch im Vergleich zum Westen von kürzerer Dauer war, ist das Leben in China auch jetzt noch bei weitem nicht zur Normalität zurückgekehrt. Reisebeschränkungen bestehen weiterhin und selbst wenn sie aufgehoben würden, verspüren viele Konsumenten vermutlich weiterhin wenig Lust, ins Ausland zu reisen. Das dürfte sich auch frühestens wieder ändern, wenn ein Impfstoff gefunden worden ist.
Da chinesische Konsumenten Luxusprodukte vorzugsweise im Ausland kaufen, erwarten wir daher – vor allem im Luxussektor – eine signifikante Erholung des Konsums in China. Zwar sind die Preise im Inland aufgrund von Zöllen höher, das Interesse an Luxusgütern ist aber unverändert stark. Derzeit haben die Konsumenten allerdings keine Wahl und müssen ihre Einkäufe im Heimatmarkt anstatt im Ausland tätigen.

Auch die Online-Unterhaltung dürfte davon profitieren, dass die Konsumenten bevorzugt zu Hause bleiben. Insbesondere der Bereich Videospiele entwickelt sich in Zeiten wirtschaftlicher Krisen oft überdurchschnittlich gut, da die Kunden versuchen, Geld zu sparen. Abgesehen davon, dass sie nicht verreisen können, dürften alle Konsumenten in der einen oder anderen Form von den Folgen der virusbedingten Schwäche des Marktes betroffen sein. Es steht zu erwarten, dass sie günstigere Unterhaltungsangebote wählen, anstatt in dieser Zeit viel Geld für Kinobesuche oder potenziell risikoreiche Familienferien auszugeben.

Der entscheidende Vorteil der Online-Unterhaltung liegt bereits im Namen – sie ist online verfügbar. Da die Konsumenten zurzeit Menschenansammlungen bewusst meiden, wählen sie im Gegenzug Angebote, die über das Internet verfügbar sind. Dieser Trend zum Online-Konsum ist nicht neu. Er bestand bereits vor der Pandemie, wurde jetzt aber durch die abrupten Lockdowns und die weiterhin nötige soziale Distanzierung beschleunigt. Dies resultierte in einer Stärkung der digitalen Infrastruktur, die von Dauer sein dürfte. In China zählen der Gesundheits- und Bildungssektor zu den Pionieren dieses Trends. Aufgrund ihrer Unentbehrlichkeit waren sie bereits im Vorfeld dazu gezwungen, moderne und vor allem Online-Technologien zu nutzen.

Digitaler Wandel als langfristiger Treiber für Wachstum

Das Gesundheitssystem der Volksrepublik hatte bereits vor Jahren mit Versuchen begonnen, die in China kulturell verwurzelte Reaktion zu überwinden, bei Krankheitssymptomen direkt das nächstgelegene Krankenhaus aufzusuchen. Dort warteten die Patienten häufig über Stunden, um anschließend nur zehn Minuten mit einem Arzt zu sprechen. Online-Angebote waren praktisch nicht existent. Um gegenzusteuern, hat die Regierung die Verbreitung von Online-Hausarztdiensten gefördert. Diese Dienste bieten gegen eine Gebühr rund um die Uhr die Möglichkeit, einen Arzt online zu konsultieren. Anschließend liefern Apotheken die verschriebenen Medikamente innerhalb nur weniger Stunden. Diese Gesundheitsleistungen für zu Hause können auch nach dem Abflauen der Coronavirus-Krise dauerhaft dazu beitragen, die Überfüllung der Krankenhäuser zu verringern und somit die Effizienz des gesamten Gesundheitssektors in China zu verbessern.

Darüber hinaus spielt die chinesische Kultur auch bei der Entwicklung des Bildungssektors eine wichtige Rolle. In China ist Bildung ein potenziell lebensveränderndes Instrument. Sie dient Bedürftigen dazu, sozial aufzusteigen. Da viele Schulen weiterhin geschlossen sind, ist Online-Bildung zur Notwendigkeit geworden. Daher wird sie auch von den Eltern und Schülern gerne als Alternative angenommen. Sie ermöglicht es ihnen, die Schule als Teil ihres Lebens zu behalten. Mit Unterstützung großer privater Bildungsunternehmen wurden in kurzer Zeit verschiedene Maßnahmen eingeführt, um einen effektiven virtuellen Unterricht sicherzustellen. In den angebotenen Online-Klassen werden unangekündigte Tests durchgeführt. So werden die Lernergebnisse und -fortschritte nahezu unmittelbar erfasst und benotet. Dadurch wiederum werden Daten gewonnen, die eine Beurteilung der Aufmerksamkeit und des Lernfortschritts der einzelnen Schüler ermöglichen. Insbesondere die Eltern haben diese Möglichkeiten schnell zu schätzen gelernt. Sie werden sie vermutlich auch dann weiter nutzen wollen, nachdem alle Lockdown-Beschränkungen aufgehoben sind.

Fazit

Bei GAM Investements gehen wir davon aus, dass sich ein digitaler Wandel mit entsprechendem Wachstum bei Onlineageboten und einem zunehmend digitalen Leben, wie wir ihn jetzt in China sehen, auch in anderen Ländern auf der Welt widerspiegeln wird. Unterhaltung, Bildung, Gesundheitswesen – in jedem dieser Sektoren bestand bereits vor der Corona-Pandemie der Trend hin zu mehr und umfassenderen Onlineangeboten. Diese Entwicklung ist durch die Krise noch weiter beschleunigt worden. Während die globale Konjunkturerholung langsam voranschreitet, ist China bereits jetzt Vorreiter für Online-Trends, die sich langfristig zu tragenden kulturellen Säulen entwickeln werden.

Chinesische Unternehmer – Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Chinesische Unternehmer sind durch Konfuzius geprägt
Quelle: Adobe Stock; © christian straub

Dietmar Thiele, Managing Partner bei Network Corporate Finance, erklärt im Gespräch, wo Unterschiede und Gemeinsamkeiten von chinesischen und deutschen Unternehmern liegen, was chinesische Entrepreneure antreibt und mit welcher Philosophie man sich in jedem Fall vertraut machen sollte, wenn man in China bestehen möchte.

Investment Plattform China/Deutschland: Was ist Ihrer Meinung nach die herausragende Fähigkeit von chinesischen Unternehmern?

Dietmar Thiele: Wir haben viele chinesische Unternehmer als inhaltlich extrem pragmatisch erlebt. Sie schauen sich Opportunitäten an – Opportunität ist gleichbedeutend mit Gelegenheit/Chance und nicht zu verwechseln mit opportunistisch. Mir erscheint, dass das „unternehmerische“ Gespür hier stärker ausgeprägt ist oder weniger gezügelt wird als bei uns, wo oftmals eine primär Strategie- und Berater-getriebene Investitionslogik herrscht.

Was sind die gravierenden Unterschiede zwischen westlichen und chinesischen Unternehmern?

Ich glaube, die Unterschiede sind bei „richtigen“ Unternehmern gar nicht so groß – wenn man unternehmerische Entscheidungen mit einem „passt das zu mir?“ oder „sehe ich hier eine Chance auf wirtschaftlichen Erfolg?“ interpretiert. Allenfalls ist für chinesische Unternehmer – sicher im Gegensatz zu den meisten westlichen – immer auch eine gehörige Portion nationales Interesse oder sogar Patriotismus wichtig – ein „was ist gut für mein Land, gut für die Weiterentwicklung von China, beziehungsweise macht das für mein Heimatland Sinn?“

Unternehmerische Tugenden sind also weltweit gültig. Aber warum tun sich westliche Unternehmer dann in Fernost oftmals schwer?

Sicher gibt es auch große, deutlich spürbare Unterschiede – beispielsweise in der Verhandlungsführung. Diese sind so umfassend, dass ich glaube, dass etwa deutsch-chinesische M&A-Transaktionen, egal ob in- oder out-bound, immer umfassender Beratung bedürfen, M&A-spezifisch, aber vor allem auch interkulturell. Das decken nur internationale Beraterteams ab. Und das ist auch der Grund, warum wir bei Network Corporate Finance seit Jahren mit zwei M&A-Häusern in China – Merger China Group in Beijing und Metro Ascent Capital in Hong Kong – eng und partnerschaftlich und auch exklusiv zusammen arbeiten. Man kann meiner Meinung nach keine Deals wirklich erfolgreich closen, ohne hier sehr solide aufgestellt zu sein.

Worauf muss ein westlicher Unternehmer in China also neben der Verhandlungsführung achten?

Ich glaube, dass es aus Sicht deutscher Unternehmer wesentlich darauf ankommt, sich frühzeitig sehr intensiv mit einigen wesentlichen Aspekten der chinesischen Mentalität und Philosophie auseinander zu setzen. China ist kein kurzfristiges Projekt. Und Erfolg geht nur mit Partnern vor Ort, auf die man sich verlassen können muss. Solche zu finden, ist sicher eine ganz schwierige Herausforderung.

Gilt das auch umgekehrt für chinesische Unternehmer, die im Westen den Erfolg suchen?

Ja, Chinesen in Deutschland betrifft das natürlich auch. Hier ist es aus meiner Sicht von herausragender Bedeutung, das deutsche Management frühzeitig sehr stark einzubinden und diesem vor allem operativ sehr weit zu vertrauen. Der deutsche Mittelstand denkt ganz überwiegend langfristig für seine Unternehmen, was nicht nur die Firma als solche umfasst, sondern auch und gerade die Mitarbeiter mit einbezieht. Auch die Verankerung in der Region spielt eine essentielle Rolle. Diese Form der langfristigen Loyalität – gerade beim Mittelstand – muss der chinesische Investor hier erst verstehen. Chinesisches Management alleine wird in der Regel nie funktionieren.

Chinesen wird oft ein „Unternehmer-Gen“ nachgesagt. Der Wunsch ein eigenes Unternehmen zu führen, ist dort scheinbar stärker ausgeprägt. Auch als Angestellte haben viele Chinesen ein „kleines Sidebusiness“ laufen. Wie erklären Sie sich das?

Es ist meines Erachtens kein Gen, es ist eine Lehre, eine Philosophie: Chinesen sind in weiten Teilen von Konfuzius‘ Lehren, die über etwa 2.500 Jahre alt sind und sich über alle feudalen Dynastien, die Republik zu Beginn des letzten Jahrhunderts und auch die jetzige Staats- und Regierungsform bewährt und behauptet haben, geprägt. Diese Lehren bestimmen auch heute noch wesentliche Teile des Denkens und Handelns chinesischer Unternehmer. Tüchtigkeit ist hier eine ganz wesentliche Tugend. Und Bildung! Sich den Vorfahren würdig zu zeigen, indem man mehr erreicht, als die eigene Ausgangsposition war. Natürlich kann man diese Lehre nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen, aber man sollte sich damit zumindest mit einer gewissen Intensität befassen, um diese innere Motivation vieler Chinesen wenigstens ein kleines Bisschen nachvollziehen zu können. Verstehen geht wahrscheinlich gar nicht, oder gelingt nur versierten Sinologen.


„Sich den Vorfahren als würdig erweisen“


Erklärt das in gewissen Teilen auch, dass die Chinesen oft anders mit ihrem erworbenen Wohlstand umgehen als beispielsweise US-Unternehmer, die oftmals weite Teile ihre Vermögens spenden (Stichwort „the giving pledge“)?

Sicher. Die Familie spielt auch hier eine sehr große Rolle, Bildung für die Kinder, am besten im Ausland – auch das greift auf die Philosophie von Konfuzius zurück. Doch bei allem Respekt vor dieser Jahrtausende-alten Lehre, daneben fallen mir zwei Dinge ein, die dann doch so überraschend nicht sind: Immobilien und – ganz simpel und banal – Luxusgüter aller Art. Hier kann man auch einen Unterschied zu deutschen Unternehmern sehen: Diese zeigen ihren Wohlstand nur sehr zurückhaltend. Chinesische Unternehmer hingegen sind hier weniger scheu. Der Erfolgreiche zeigt seinen Erfolg auch und kann so – auch das ein Unterschied zu Deutschland – viel Gesicht gewinnen.

Herr Thiele, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Weitere Informationen zu chinesischen Unternehmern, ihren Lebensgeschichten und Wegen zum Erfolg, finden Sie in unserer aktuellen Titelgeschichte.

 


Zur Person

Porträt Dietmar ThieleDietmar Thiele ist Managing Partner bei Network Corporate Finance GmbH & Co. KG, er leitet das Berliner Büro und kümmert sich um die internationalen Partnerschaften. Zuvor war unter anderem Finanzvorstand der Producers’ AG Media Capital. Bei der InvestitionsBank des Landes Brandenburg leitete er den Bereich Medien- und Technologiefinanzierung, Beteiligungen und EK-Finanzierungen. Für die WestLB arbeitete er u.a. in Hong Kong. Dietmar Thiele studierte Betriebswirtschaftslehre in Siegen.

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