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Deutsch-chinesischer Austausch in Ningbo – ein Reisebericht

Bildquelle: Zeppelin Universität gemeinnützige GmbH

Familienunternehmen im Spannungsfeld von Konstanz und Veränderung

Zum bereits achten Mal fand dieses Jahr das China Family Heritage Forum statt, das von der China Europe International Business School (CEIBS) ausgerichtet wird. Am 17. und 18. November 2019 hat die renommierte Business School mit ihrem Hauptcampus in Shanghai in das rund 200 Kilometer südlicher gelegene Ningbo eingeladen. Die Stadt gilt als Vorreiter chinesischer unternehmerischer Aktivität mit einer verhältnismäßig langen Tradition. Im Kontext des diesjährigen Hauptthemas des Kongresses, Constancy vs. Change, stand auch der Erfahrungsaustausch mit und über deutsche Familienunternehmen im Vordergrund. Hierzu haben sich unter anderem Gesellschafter der deutschen Familienunternehmen Wellendorff Gold-Creationen GmbH & Co. KG mit Herrn Christoph Wellendorff (vierte Generation) sowie der Freudenberg Chemical Specialities SE & Co. KG mit Herrn Hanno D. Wentzler (fünfte Generation) eingefunden und ihre Sicht auf die Gründe des langjährigen Erfolgs ihrer Unternehmen beschrieben wie auch über ihre Aktivitäten in China berichtet. Darüber hinaus gab es mit Herrn Carl Elsener (vierte Generation), CEO und Gesellschafter der Victorinox AG, und Herrn Masanao Kikuchi (15. Generation), Eigentümer von Kikuchi Hojudo (u.a. Teekannen aus Gusseisen), Einblicke in die Langlebigkeit eines Schweizer sowie japanischen Familienunternehmens. Demgegenüber hat auch eine Vielzahl chinesischer Unternehmer und Unternehmerinnen über ihre Erfahrungen des Unternehmensaufbaus und der Weitergabe an die nächste Generation gesprochen. Viele Industrien waren vertreten, darunter Automobilzulieferer wie Herr Luo Li Cheng, Executive Vice President von SLPT Automotive, und ein Hersteller von Angelgeräten mit Herrn He Shaojie, CEO der Haibo Group. Auch die jüngeren Generationen kamen zur Sprache: Sie folgen teils direkt ihren Eltern im Unternehmen oder beginnen ihre unternehmerische Reise mit neuen Geschäftsmodellen.

Kaum Erfahrung mit dem Thema Unternehmensnachfolge in China

Aufgrund des Wirtschaftssystems der Volksrepublik China bestehen bisher wenige Erfahrungen mit der Weitergabe von Unternehmen an die nachfolgenden Generationen. Die Systemveränderungen in den vergangenen Jahrzehnten erfordern jedoch die Nachfolgeplanung und Umsetzung in Millionen von chinesischen Familienunternehmen in den kommenden Jahren. Aufgrund dieses Erfahrungsmangels besteht ein großes Interesse seitens chinesischer Unternehmern und Unternehmerinnen am Austausch mit erfolgreichen und langlebigen Familienunternehmen aus anderen Ländern. Ihr aufgebautes Unternehmen und Vermögen wollen sie an die nächste Generation weitergeben. Daher stoßen insbesondere wissenschaftliche Erkenntnisse der Forschung zu Familienunternehmen auf großes Interesse.

Bildquelle: Zeppelin Universität gemeinnützige GmbH

Großes Interesse an der Forschung zu Familienunternehmen

Prof. Toshio Goto von der Japan University of Economics hat den Einfluss der drei vorherrschenden Religionen in Japan (Shintoismus, Buddhismus und Konfuzianismus) auf die Tradition der Unternehmensweitergabe an die nächste Generation hervorgehoben. In Japan finden sich eine Vielzahl der ältesten Familienunternehmen der Welt, und mit Herrn Kikuchi war einer ihrer Vertreter in Ningbo vor Ort. Da der Buddhismus und der Konfuzianismus vor mehr als 1.500 Jahren von China nach Japan kamen, sieht Prof. Goto ähnliche grundlegende Werte, die ein langfristiges Bestehen von Familienunternehmen ermöglichen können. Beobachtungen, dass in Familienunternehmen u.a. Tendenzen zu schwachen Governance-Systemen und Bestrebungen der Steuervermeidung existieren, hat Prof. Morten Bennedsen von Insead (Frankreich) offengelegt. Diesen Herausforderungen müssten sich Familienunternehmen stellen, um als Treiber guten Unternehmertums zu agieren und ihre langfristigen Visionen umzusetzen. Prof. Chen Ling von der Zhejiang University (China) hat rund sechs Jahre in Deutschland gelebt und zu Familienunternehmen geforscht. Er gab dem Publikum Einblicke in das deutsche Wirtschaftssystem und wies auf Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zum chinesischen hin. Auf seine und auf Frau Birgit Subergs (International Business School Suzhou) Einladung kamen auch deutsche Forscher, Politiker und Berater nach Ningbo. Mit Herrn Alexander Kulitz war ein Abgeordneter des deutschen Bundestages nach Ningbo gereist, um den Vergleich zwischen den chinesischen und deutschen Handelsstrukturen zu beleuchten.

Einen Einblick in die Besonderheiten von Unternehmenstransaktionen zwischen Deutschland und China konnte Herr Carsten Klante, Partner und Managing Director von Plumbohm & Co., aufgrund seiner langjährigen Beratungstätigkeit geben. Trotz des Rückgangs des Volumens von Unternehmensübernahmen werde es in den kommenden Jahren insbesondere strategische Transaktionen geben. Prof. Dr. Johannes Bähr von der Goethe-Universität Frankfurt, Mitautor zahlreicher Veröffentlichungen zur Geschichte deutscher Unternehmen, hat die Besonderheiten deutscher Großkonzerne sowie deren Entwicklung seit der Gründung anhand von BMW, Bosch und Siemens beleuchtet. Aktuelle Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zu deutschen Familienunternehmen haben Hon.-Prof. Dr. Hermut Kormann und Dr. Laura Seibold, Co-Autorin dieses Berichts, vorgetragen, deren Schwerpunkte auf Wachstumsstrategien, Governance und Nachfolgeplanung lagen. Ihre anschließende Diskussion mit Herrn Wellendorff und Herrn Cheng hat verdeutlicht, dass der Austausch von Erfahrungen internationaler unternehmerischer Aktivitäten sowie internationaler Forschung Stabilität und Orientierung für chinesische und deutsche Familienunternehmen bieten kann. Ziel ist es, sowohl Konstanz und somit Langlebigkeit des Unternehmens zu erreichen als auch die notwendigen Veränderungen anzugehen, um auf die aktuellen und anstehenden wirtschaftlichen sowie politischen Herausforderungen reagieren zu können. Ganz in diesem Sinne der Konstanz steht mit Peking auch bereits der Austragungsort für das China Family Heritage Forum im kommenden Jahr 2020 fest.

Autoren

Maximilian Lantelme

Maximilian Lantelme studierte Corporate Management & Economics an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen und ist derzeit Strategieberater im Bereich Mergers & Acquisitions bei einer internationalen Unternehmensberatung. Ab März 2020 beginnt er seine Doktorarbeit mit dem Schwerpunkt der Wachstumshistorien von Familienunternehmen.

Dr. des. Laura Seibold

Dr. des. Laura Seibold promovierte zum Thema Wachstum von Familienunternehmen an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Sie stammt selbst aus einer deutschen Unternehmerfamilie und ist als Strategieberaterin tätig. Zusammen mit dem Co-Autor Maximilian Lantelme veröffentlichte Sie bereits ein Sammelwerk über deutsche Familienunternehmen.

Erstveröffentlichung in der Ausgabe 1-2020 des Magazins „FuS – Zeitschrift für Familienunternehmen und Strategie

 

Corona-Virus auf dem Vormarsch – Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

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Corona-Virus auf dem Vormarsch – Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Es ist in aller Munde und wird uns wahrscheinlich noch eine ganze Zeit lang begleiten: Das Corona-Virus und seine rasante Ausbreitung. Waren es vor einigen Wochen noch vereinzelte Fälle in China, die sich mit der neuartigen Lungenerkrankung ansteckten, gibt es heute bereits mehrere tausend infizierte Menschen weltweit. Besonders betroffen ist zwar nach wie vor China, jedoch werden auch zunehmend Fälle in Europa gemeldet, so aktuell auch in Deutschland. Harald Gruber, Experte für International People Mobility bei Aon Deutschland, äußert sich zu den versicherungsrelevanten Auswirkungen für Unternehmen.

Internationale Dienstreisen gehören in Zeiten der Globalisierung zum Tagesgeschäft. Zu den Auslandsdienstreisen kommen dann noch die Fachkräfte, die sich für eine längere Zeit im Ausland befinden – die sogenannten Expats. Wie sollten sich Unternehmen in der aktuellen Situation verhalten?

Harald Gruber: Arbeitgeber tragen in solchen Fällen eine Fürsorgepflicht. Das heißt, sie müssen ihre Mitarbeiter im Ausland über mögliche Gefahren aufklären und deren Sicherheit gewährleisten. Mitarbeiter, die sich in betroffenen Gebieten befinden, sollten zurückgeholt werden. In der Regel sind in einem guten Versicherungsschutz auch Rückholmaßnahmen enthalten. Das heißt: Befindet sich ein Mitarbeiter beruflich bedingt im Ausland und erkrankt, steht ihm über seine Versicherung ein Rücktransport zu, wenn eine medizinische Notwendigkeit dazu besteht. Sollte dies aufgrund einer bestehenden Ein- und Ausreisesperre vorübergehend nicht möglich sein, wie derzeit in vielen chinesischen Städten der Fall ist, wird dank moderner eHealth-Lösungen (Telemedizin) eine angemessene medizinische Versorgung aus der Ferne sichergestellt. Noch nicht angetretene Dienstreisen sollten gegebenenfalls überhaupt nicht stattfinden.

Wie können Mitarbeiter unterstützt werden, die sich zurzeit in einer betroffenen Region befinden?

Mitarbeiter, die sich aktuell in einem Land befinden, in dem das Virus ausgebrochen ist, sollten zunächst Ruhe bewahren. Betroffene können sich regelmäßig auf der Internetseite der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über den aktuellen Stand und Empfehlungen von Experten informieren. Hier finden sie beispielsweise Informationen über Präventionsmaßnahmen, Symptome und den typischen Krankheitsverlauf. Wichtig: Die Situation ist zu diesem Zeitpunkt noch schwer einzuschätzen und ändert sich momentan täglich. Im Zweifel und bei allen Unklarheiten empfiehlt es sich daher immer, umgehend mit seinem Makler in Kontakt zu treten. Aufgrund der noch weitgehend ungewissen Lage kann die individuelle Situation am besten im persönlichen Gespräch bewertet werden.

In welchen Fällen erlischt der Versicherungsschutz für die Mitarbeiter?

Grundsätzlich gilt: Verunsicherung oder gar Panik, die voreilige Entschlüsse mit sich ziehen, sind aktuell unbegründet. Es besteht ein vollständiger Versicherungsschutz für Auslandsdienstreisende oder Expats. Lediglich ein wissentlicher Verstoß gegen offizielle Reisewarnungen, mutwillig falsches Verhalten oder Reisen in Sperrgebiete, beispielsweise nach Wuhan in China, könnten einen Versicherungsanspruch schmälern.

Wie kann ein Unternehmen sich grundsätzlich auf eine solche Situation vorbereiten?

Ist ein Unternehmen international tätig und sendet regelmäßig Mitarbeiter ins Ausland, haben Arbeitgeber eine besondere Fürsorgepflicht gegenüber diesen Mitarbeitern. Und das unabhängig davon, ob sich die Person auf einer kurzen Dienstreise befindet oder langfristig entsandt wird. Als Arbeitgeber müssen Sie sicherstellen, dass Ihre Mitarbeiter im Ausland Zugang zu einer medizinischen Versorgung haben, die mit dem westlichen Standard vergleichbar ist – unabhängig vom Reiseland. Aber nicht nur medizinische Kosten, auch hohe Kriminalität, politische Unruhen, Naturkatastrophen und daraus resultierende Evakuierungen sind Krisensituationen, auf die Unternehmen vorbereitet sein müssen. Dazu kommen die Beachtung von lokalen Gesetzgebungen und Compliance-Anforderungen, damit es nicht zu Strafzahlungen oder sofortiger Ausweisung der Mitarbeiter kommt. Es ist daher wichtig, auf Basis einer detaillierten Risikoanalyse ein umfangreiches Global-Mobility-Konzept zu erstellen, das nicht nur die internationale Krankenversicherung einschließt, sondern ebenso individuelle Assistance-Leistungen.

Pamela Lv
Harald Gruber

Zum  Autor: Harald Gruber ist Experte für International People Mobility bei Aon Deutschland. Aon ist ein führendes globales Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen mit über 50.000 Mitarbeitern in 120 Ländern. Die durch die Globalisierung immer häufiger nach Europa expandierenden chinesischen Unternehmen werden bei Aon durch den China-Desk betreut. Die aus China und Deutschland stammenden Experten unterstützen mit ihrer Expertise, Erfahrung, Sprachkenntnissen und interkulturellem Verständnis ebenso deutsche Unternehmen beim Eintritt in den chinesischen Markt. Weitere Informationen finden Sie unter: https://aon.com/germany/branchen/china-desk.jsp

Deutschlands Abhängigkeit von China

Der IW-REPORT vom Dezember 2019 untersucht die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von China: Im Warenhandel ist China inzwischen wichtigster deutscher Handels- und Importpartner. Mit einem Ausfuhranteil von 7% ist China für Deutschland wichtiger geworden. Eine besondere Bedeutung kommt den deutschen Investitionsgüterherstellern aus Maschinenbau und Elektroindustrie zu. Andererseits hätte ein Wegfall deutscher Exporte nach China zwischen 1991 und 2018 den Anstieg jährlicher deutscher Ausfuhren nur geringfügig abgesenkt (außer in wenigen einzelnen Jahren). Die exportseitige Abhängigkeit von China ist also begrenzt – der Blick auf hohe Umsatzanteile einiger großer deutscher Unternehmen in China verzerrt das Bild.

Auf der Importseite sieht es ähnlich aus: Dort stieg der Anteil der Wertschöpfungslieferungen aus China zwischen 2005 und 2015 von 0,6% auf 2%. Als Wertschöpfungslieferant für Deutschland kommt China also eine ähnlich große Bedeutung zu wie den USA, aber eine deutlich geringere als den westlichen EU-14-Staaten. Im G6-Vergleich ist Deutschland damit auf Chinas Wertschöpfungslieferungen nicht stärker angewiesen als andere europäische G6-Länder und etwas weniger als die USA und Japan. Auf Branchenebene kann das im Einzelfall allerdings anders sein, so z.B. für die deutsche Elektroindustrie und deren Bedarf an chinesischen Importen.

www.iwkoeln.de

China im Fokus der Chemiekonzerne

Bei BASF erwartet man den Anstieg des chinesischen Anteils am globalen Chemiemarkt von den derzeitig etwa 40% auf 50% im Jahr 2030. Mit einem Volumen von über 1,6 Bio. EUR war China schon 2018 der mit Abstand größte Chemiemarkt der Welt. Entsprechend wird BASF am Standort Nanjing über ein Joint Venture mit SINOPEC einen zweiten Cracker und weitere Anlagen mit einem Volumen von etwa 4 Mrd. USD erstellen. Eine noch größere Investition plant der Chemiekonzern in Zhanjiang, Guangdong. Dort wurde das Projekt zur Produktion von technischen Kunststoffen und thermoplastischem Polyurethan (TPU) im November 2019 offiziell gestartet, welches ein Volumen von etwa 10 Mrd. USD erreichen soll. Später sollen ein Cracker und mehr als 30 Produktionseinheiten hinzukommen. Auch unterzeichnete ExxonMobil bereits im September 2018 einen Kooperationsvertrag mit der Provinz Guangdong zum Bau eines Ethylencrackers sowie von Polyethylen- und Polypropyleneinheiten mit einem geschätzten Investitionsvolumen von 10 Mrd. USD. Darüber hinaus vereinbarte die niederländische LyondellBasell im September 2019 eine Absichtserklärung für ein 50:50-Joint-Venture mit der chinesischen Bora Enterprise Group mit einem geschätzten Investitionsvolumen von 12 Mrd. USD. Zugute kommt den Unternehmen die Gesetzesänderung, nach welcher für petrochemische Anlagen in China keine Joint Ventures mehr nötig sind – seit Kurzem dürfen sie zu 100% von Ausländern betrieben werden. Auch beim Geschäftsklimaindex der Weltbank hat sich China zwischen 2017 und 2019 von Rang 78 auf Rang 31 hochgearbeitet und liegt damit vor Frankreich (32), der Schweiz (36) sowie den Niederlanden (42).

www.chemanager-online.com

Einkaufsmanager zeigt verlangsamtes Wachstum an

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Mit Spannung wurde die heutige Veröffentlichung des Caixin PMI erwartet. Der Index fiel gegenüber dem Vormonat leicht von 51,5 auf 51,1 Punkte. Damit deutet er eine Verlangsamung des Wachstums an, zeitgleich aber befindet sich die chinesische Wirtschaft damit weiterhin auf Expansionskurs. Inwieweit hier der Ausbruch der Corona-Epidemie bereits (teilweise) eingespeist ist, lässt sich aber schwer sagen. Die ersten wirklich messbaren Auswirkungen werden sich vermutlich erst in den Werten für Februar zeigen. Ob dann der Wachstumskurs immer noch beibehalten werden kann, ist mehr als fraglich.

Darüber hinaus veröffentlicht das nationale Statistikbüro die Gewinnentwicklung der großen Industrieunternehmen. Wobei der Rückgang der Gewinne der Staatsunternehmen bei 12% gegenüber dem Vorjahr betrug, er bei den Aktienunternehmen hingegen lediglich bei -2,9% lag. Dabei stiegen die Gewinne von 28 der 41 Industriesektoren im Vergleich zum Vorjahr, bei lediglich 13 ging er zurück. ZU den großen Gewinnern gehörten die Stromproduzenten (+19%), der Spezialmaschinenbau (+12,8%) und der Maschinen und Anlagenbau (+10,8%).

Dass die Gewinne insgesamt jedoch zurückgingen, liegt vor allem an vier Sektoren: Bei der Kohleindustrie halbierten sich die Gewinne fast (-42,5%), die Stahlindustrie wurde mit einem Gewinnrückgang von -37,6% ebenfalls hart getroffen. Die Chemie- und die Autoindustrie folgen mit Rückgängen von -25,6% beziehungsweise -15,9%. Gerade die Gewinnrückgänge bei den Autoherstellern sind nicht überraschend, da die Absatzzahlen für das Jahr 2019 erneut rückläufig waren. Sie sanken bereits zum zweiten Mal in Folge. Damit ist der erste Abwärtstrend des chinesischen Automobilmarkts in rund drei Jahrzehnten bestätigt.

Link zur Meldung des Statistikbüros. (Chinesisch)

Tristone kauft Anhui Zhongding Rubber Hose Products

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Die in Frankfurt am Main ansässige Tristone Flowtech GmbH erklärte die Übernahme von Anhui Zhongding Rubber Hose Products zum 1. Januar 2020 für abgeschlossen. Mit der Übernahme will Tristone vor allem das Kerngeschäft in China stärken sowie den Zugang zu lokalen Automobilunternehmen und seine Position am chinesischen OEM-Markt verbessern. Anhui Zhongding Rubber Hose produziert an zwei Standorten (Ningguo und Suzhou) vor allem Motor- und Batteriekühlungsschläuche sowie Ladeluftschläuche. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt rund 540 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2019 rund 34 Mio. EUR Umsatz.

Der Vorstandsvorsitzende von Tristone, Günter Frölich, kommentierte den Zukauf folgendermaßen: „Die Tristone-Gruppe ist nun in der Lage, ein deutlich breiteres Produktportfolio in den einzelnen Geschäftsfeldern anzubieten und dabei als Systemlieferant und Entwicklungspartner sowohl für die globalen OEM-Kunden als auch für lokale chinesische OEM-Unternehmen aufzutreten. Unser Produktportfolio wird dabei nicht nur Motorkühlungsschlauchsysteme, sondern auch Ladeluftschlauchsysteme, Turboladerschlauchsysteme, Kunststoffleitungen und -ausgleichsbehälter umfassen.“

Tristone betreibt Fertigungs- und Entwicklungsstandorte in insgesamt zwölf Ländern in Europa, Nordamerika und Asien. Das Unternehmen beschäftigt rund 2.800 Mitarbeiter und rechnet für das vergangene Jahr mit einem Umsatz von ca. 306 Mio. EUR. Die Finanzierung der Transaktion erfolgte nach Angaben Tristones aus Eigenmitteln, wobei die Höhe nicht weiter beziffert wurde. Die neue Tochtergesellschaft wird künftig unter der Bezeichnung Anhui Tristone Flowtech Ltd. firmieren.

Tatsächlich ist der Verkauf auch eine Umstrukturierung innerhalb der ebenfalls in Ningguo ansässigen Zhongding Group. Denn sowohl Tristone als auch Anhui Zhongding Rubber Hose Products gehören zur Anhui Zhongding Seals Group. Erst im Jahr 2016 hatte Zhongding Tristone übernommen. Es war damals bereits der sechste M&A Deal von Zhongding in Deutschland. In demselben Jahr firmierte das Unternehmen auch erstmals unter den Top20 der „Global Non-Tire Rubber Products Manufacturer“. Heute ist man das in diesem Sektor führende Unternehmen in China und verzeichnete im Jahr 2018 Umsätze in Höhe von umgerechnet rund 1,6 Mrd. EUR.

Ein „annus horribilis“ der Auslandsinvestitionen

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Das vergangene Jahr markierte einen langjährigen Tiefpunkt der chinesischen Auslandsinvestitionen. In 2020 soll es endlich wieder besser werden.

Gerade einmal 57 Mrd. USD betrugen die gesamten chinesischen Direktinvestitionen ins Ausland (FDIs) im Jahr 2019, stellt eine Analyse von Baker McKenzie und dem Researchhaus Rhodium fest. Damit lagen die chinesischen FDIs um rund 30% niedriger als im Jahr 2018 und befinden sich nun auf dem tiefsten Stand seit 6 Jahren. Der Rückgang der chinesischen M&A Aktivitäten fand dabei weltweit statt. Bis auf Südamerika konnte sich keine Region dem rückläufigen Trend entziehen. Besonders hart traf es die Europäer und die USA. In die EU flossen gerade einmal 13,4 Mrd. USD, aber damit immerhin noch mehr als doppelt soviel Anlagekapital wie in die USA. Dort investierten die Chinesen nur noch 5,5 Mrd. USD.

Finnland hat die Nase vorn

Damit liegen die chinesischen FDIs in diese beiden Regionen mehr als 80% unter dem Rekordjahr 2017, als aus dem Reich der Mitte 107 Mrd. USD in den „Westen“ flossen. Insgesamt markieren die rund 19 Mrd. für die USA und die EU ein Zehnjahrestief. Dabei konnte Finnland fast genauso viel FDIs anziehen wie die USA – 5,3 Mrd. USD wurden in das kleine Land im hohen Norden Europas investiert. Allerdings entfielen hier alleine 5,2 Mrd. USD auf die Übernahme des Sportausrüsters Amer Sport durch den chinesischen Sportbekleidungshersteller Anta Sport mit Sitz in Jiangjin.

Brexit treibt FDIs

Auf Platz 2 folgt das Vereinigte Königreich. Hier investierten die Chinesen im vergangen Jahr 3,8 Mrd. USD, wobei die Topdeals die zusätzlichen Investitionen der Shangang Group in den Internetdienstleister Globalswitch (2,2 Mrd. USD) und die Übernahme des Finanzdienstleisters WorldFirst UK durch Alibaba (0,7 Mrd. USD) waren. Einer der Gründe für das relativ starke Abschneiden der Briten dürfte das Brexit-Geplänkel gewesen sein. Dies führte zu verstärkten Bemühungen um außereuropäische Investitionen. Der nun beschlossenen und zum 31. Januar stattfindenden Brexit sollte diesen Trend noch einmal verstärken. Schweden (1,3 Mrd. USD), Deutschland und Italien (je 0,7 Mrd. USD) folgen dann auf den Plätzen.

Zuwächse in West- und Osteuropa

In relativen Zahlen gab es in Irland einen deutlichen Anstieg. Um rund 50% legten die FDIs hier zu, was in erster Linie auf Greenfield Investments zurückzuführen ist: Unter anderem investierte Wuxi Biologics rund 240 Mio. USD in eine Produktionsstätte für Biologika. Auch Osteuropa verzeichnete starke Zuwächse: Das FDI-Volumen wuchs in Rumänien geradezu explosionsartige auf 238 Mio. USD an. Maßgeblich ist dies auf die Übernahme vom 15 Getreidesilos und Logistikzentren durch CEE Equity Partner, das neue Joint Venture-Unternehmen von CGN mit Nuclearelectrica, und die Übernahme der KLG Europe-Aktiva in Rumänien durch Sinotrans zurückzuführen. Insgesamt hat sich das durchschnittliche Transaktionsvolumen leicht erholt und betrug im Jahr 2019 132 Mio. USD gegenüber 130 Mio. USD im Vorjahr. Damit aber lag es immer noch weit unterhalb des Rekordjahres als das Mittel 526 Mio. USD betrug.

 Keine Staats- und Finanzinvestoren

Konsumgüter, Dienstleistungen und der Automotivsektor waren die Hauptziele chinesischer FDIs auf beiden Seiten des Atlantiks, auch wenn Europa traditionell gegenüber den USA breiter aufgestellt ist. Nicht zuletzt weil die Region offener für Investitionen in „kritische“ Sektoren wie Energie und Infrastruktur ist beziehungsweise war. In den Jahren 2014-2017 entfielen immer mehr als 50% der Gesamtinvestitionen auf Staatsbetriebe. Dies hat sich nun deutlich geändert. Die chinesischen Staatsinvestments näherten im Jahr 2019 sich in der EU der Nulllinie. Ebenso sind chinesische Finanzinvestoren nahezu gänzlich verschwunden. Fast alle Investments in der EU wurden durch strategische Investoren getätigt.

2020 wird wieder besser

Die Spezialisten von Baker McKenzie zeigen sich allerdings für das kommende Jahr optimistischer: „Die Deal-Pipeline sieht für 2020 in wichtigen Volkswirtschaften wie Frankreich und Deutschland nach einem relativ ruhigen Jahr 2019 wieder recht gut aus“, kommentiert Thomas Gilles, Leiter der EMEA-China-Gruppe von Baker McKenzie. Dafür gibt es einige Gründe: Unter anderem dank diverser Maßnahmen der chinesischen Zentralbank hat sich die Liquiditätssituation der chinesischen Volkswirtschaft wieder verbessert und die Anleiheaufnahme war solide. Insofern sollte auch mehr Kapital für FDIs zur Verfügung stehen.

Annäherung im Handelskrieg

Sorgten im vergangenen Jahr neue und schärfere Investitionsregeln in der EU und den USA (CFIUS!) noch für Verunsicherung und Zurückhaltung der Investoren, könnte sich nun, da die Regeln bekannt sind, die Risikowahrnehmung der Investoren umkehren und für eine größere Investitionsbereitschaft sorgen. Zumal die Chinesen selbst einiges in Sachen Marktöffnung und -zugangsmöglichkeiten getan haben und so gewissen Ressentiments zumindest teilweise den Wind aus den Segeln genommen haben. Schließlich könnte die Etablierung einer „Phase-1“ im Handelskrieg zwischen den USA und China dafür sorgen, dass man wieder zu einem rationalen Miteinander findet und sich die Sorgen der Anleger hinsichtlich eines Worst-Case-Szenarios zerstreuen.

 

Handelsrekord erwartet

Bildquelle: zgtrend.blog

Im November 2019 verzeichnete die Volksrepublik ein Handelsvolumen von 2,86 Bio. CNY (umgerechnet ca. 366 Mrd. EUR), erklärte am vergangenen Freitag das chinesische Handelsministerium. Dies sei das höchste monatliche Handelsergebnis im Jahr 2019 gewesen. Insgesamt gehen die Beamten davon aus, dass China erstmals ein Handelsvolumen von über 30 Bio. CNY erzielen wird (umgerechnet etwa 3,86 Bio. EUR). Insbesondere im Exportbereich konnte die Volksrepublik zulegen. Der chinesische Anteil wuchs in den ersten 3 Vierteln des Jahres 2019 kontinuierlich und den Daten der WTO zufolge exportierte China mehr als jede andere Nation. In den ersten 11 Monaten betrug das Exportvolumen 28,5 Bio. CNY und übertraf damit bereits das gesamte Vorjahresergebnis um 2,4%.

Rund 60% des Exports ging dabei in die Emerging Markets, wobei auf die Staaten entlang der Belt & Road Initiative (BRI) hiervon rund 30% entfielen. Größtenteils wurden dabei mechanische und elektrische bzw. elektronische Güter exportiert. Erstmals zeichneten sich Privatunternehmen für die Mehrheit des Exportgeschäfts verantwortlich. Ihr Anteil am Gesamtexport stieg um 3,6% auf 14,65 Bio. CNY an und machte damit etwa 51,4% des chinesischen Exports aus.

Gericht stützt ausländische Investoren

Mit einer neuen Gesetzesinterpretation stärkt das oberste Gericht Chinas die Rechte ausländischer Investoren und will für insgesamt mehr Rechtsstaatlichkeit sorgen

Diesen Freitag (27. Dezember 2019) hat der Oberste Volksgerichtshof Chinas (SPC) eine gerichtlich anwendbare Neuauslegung des Auslandsinvestitionsgesetzes herausgegeben. „Diese Neuinterpretationen zielen darauf ab, die legitimen Interessen und Rechte ausländischer Investoren bestmöglich zu schützen und zeitgleich die Stabilität des Kapitalmarkts zu wahren“, stellt Dongchuan Luo, Vizepräsident des SPC, fest.

Gemäß der Neuauslegung werden Gerichtshöfe künftig keine Klagen akzeptieren, die sich darauf berufen, dass abgeschlossene Investitionsverträge ungültig seien, weil die Zustimmung bzw. Registrierung der lokalen Verwaltungsbehörde fehle. Selbst wenn die entsprechenden Verträge in Gebieten geschlossen wurden, in denen Auslandsinvestitionen durch Negativlisten beschränkt sind, können sie weiter Bestand haben, solange die betroffenen Parteien die erforderlichen Korrekturen vornehmen. Auch bleiben Investmentverträge, die zum Zeitpunkt der Unterzeichnung nicht die Anforderungen der Negativliste erfüllten, weiterhin gültig, wenn die Negativliste entsprechende Beschränkungen aufhebt, bevor die Gerichtsurteile wirksam werden. Die Neuinterpretation tritt am 1. Januar 2020 in Kraft.

Darüber hinaus gab der SPC ebenfalls neue Richtlinien für den Umgang mit Projekten der Belt & Road Initiative (BRI) heraus sowie für den Shanghaier Stadtteil Lingang (Nanhui), der nach seiner Fertigstellung kommendes Jahr Teil der Freihandelszone im Stadtbezirk Pudong werden soll.

Bezüglich der BRI fordert der SPC den Aufbau eines regelbasierten, rechtsstaatlichen Geschäftsumfelds voranzutreiben. Auch sollen die rechtlichen Mechanismen und Regeln für die Behandlung von BRI-Fällen weiter verbessert und den internationalen Mechanismen zur Beilegung von Handelsstreitigkeiten kontinuierlich angepasst werden. Der SPC zielt dabei vor allem darauf ab, die Glaubwürdigkeit des China International Commercial Court zu stärken.

Die neue Richtlinie für die Shanghaier Freihandelszone legt Aufgaben und Anforderungen für die diesbezüglich verantwortlichen Gerichte fest. So soll das breit gefächerte Schlichtungssystem verbessert und insbesondere übersichtlicher werden. Darüber hinaus sollen die Gerichte ein rechtsstaatliches Geschäftsumfeld schaffen, um so die Investitionen und Handelsliberalisierung im neuen Teil von Shanghai zu erleichtern und zu beschleunigen.

Weichai Power übernimmt Aradex

Bildquelle: ARADEX AG

Der in Weifang in der Provinz Shandong ansässige Motorenhersteller und Automobilzulieferer Weichai Power hat einen weiteren Schritt in Richtung seines langfristigen Zieles unternommen. Bis zum Jahr 2030 will man zu einem der führenden Anbieter im Bereich alternativer Antriebe und erneuerbarer Energien werden. Die nun vollzogene Übernahme der Aradex AG ist dabei ein wichtiger Meilenstein. Aradex verfügt über herausragende Fähigkeiten bei der Entwicklung und Systemintegration verschiedenster CNC-Servomotor- und Servoumrichter. Auch hinsichtlich alternativer Antriebe für Nutzfahrzeuge, Elektromotoren und DC/DC-Wandler für Brennstoffzellen bringt Aradex große Kompetenz und Knowhow mit ein. Weichai Power verfügt damit nicht mehr nur über entsprechende Stärken in den Schlüsseltechnologien traditioneller Antriebsstränge für schwere Nutzfahrzeuge, sondern vervollständigt seine Fähigkeiten in den Bereichen Batterie-, Elektromotor- und elektronische Steuerung. Damit kann das Unternehmen künftig komplette Systemlösungen auch für alternative Antriebe sowie im Spektrum der erneuerbaren Energien anbieten.

Für das bisher inhabergeführte Unternehmen Aradex wird sich nach dem Verkauf zunächst wenig ändern. Der Vorstand beleibt unverändert, nur der Aufsichtsrat wurde bereits neu besetzt: Zhixin Wang hat dort den Vorsitz übernehmen und Guogang Wu agiert als sein Stellvertreter. Norbert Haug komplettiert das Gremium. Für die Beschäftigten wurde eine Arbeitsplatzgarantie bis zum Jahr 2021 ausgehandelt und Aradex wird als selbstständiges Unternehmen weitergeführt. Ob hier mittelfristig doch Umstrukturierungen stattfinden werden, hängt ganz maßgeblich vom Wachstum des europäischen Mobilitätssektors ab. Aktuell ist aber nur der weitere Ausbau des Standortes Lorch geplant. Mit dem neuen Partner Weichai sind im Bereich Entwicklung und Fahrzeugintegration erste Kooperationsprojekte bereits angelaufen. Über die Höhe des Kaufpreises haben die Partner Stillschweigen vereinbart.

BAIC will Beteiligung an Daimler erhöhen

Bildquelle: gjfs.com

Noch im Oktober hatte Heyi Xu, Chef von BAIC, eine Erhöhung der Beteiligung an dem deutschen Autobauer ausgeschlossen: „Wir haben keine Pläne, den Anteil zu erhöhen.“ Nur knapp 6 Wochen später scheint diese Ankündigung Makulatur zu sein. Zumindest behauptet dies die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ungenannte Quellen. Wichtiges Indiz ist dabei die Meldung von Daimler, dass die Großbank HSBC Ende November 2019 insgesamt 5,3% der Daimlerstimmrechte direkt oder indirekt, z.B. über Swaps, kontrolliere. Die HSBC hatte BAIC bereits beim Erwerb des ersten Aktienpaktes von Daimler unterstützt, wodurch die Pekinger sich 5% der Anteile des Stuttgarter Autobauers sichern konnten.

Die Motivation hinter dem Sinneswandel dürfte zum einen natürlich sein, den chinesischen Konkurrenten Geely auszustechen, der sich in einem überraschenden Manöver Anfang 2018 insgesamt 9,7% der Anteil des Daimlerkonzerns sichern konnte. Das Unternehmen aus Hangzhou ist damit aktuell der größte Einzelaktionär bei Daimler. Außerdem strebt BAIC wohl einen Sitz im Aufsichtsrat des Unternehmens an. Darüber hinaus aber sind BAICs Bemühungen auch aus einer anderen Perspektive interessant: Daimler hatte immer wieder Interesse an der Übernahme oder zumindest einer deutlichen Aufstockung der Anteile des gemeinsamen Joint Ventures Beijing Benz Automotive (BBAC) signalisiert. Ab dem Jahr 2022 fällt die 50-50 Regelung. Diese untersagt es ausländischen Automobilherstellern, mehr als 50% der Anteile an einem Joint Venture zu halten.

Der Daimler-Konkurrent BMW hatte bereits im Sommer des vergangenen Jahres mit seinem Partner Brilliance eine Aufstockung der Anteile am gemeinsamen JV von 50% auf 75% im entsprechenden Jahr vereinbart. Daimlers Ambitionen in diese Richtung hingegen wurden nicht zuletzt durch den Einstieg von Geely gebremst. Eine Übernahme des JV durch den deutschen Partner bei dem ein direkter Konkurrent größter Einzelaktionär ist, dürfte in Peking für Bauchschmerzen gesorgt haben. Insofern waren die Gespräche immer wieder eingeschlafen. Sollte BAIC nun selbst zum größten Einzelaktionär aufsteigen, dann könnte sich auch in dieser Frage eine neue Dynamik ergeben.

M&A-Transaktion Nimak / HGZN gescheitert

Bildquelle: wittenstein

Im Oktober vergangenen Jahres hatten wir von der beschlossenen Übernahme der Nimak GmbH, einem Anbieter von industrieller Fügetechnik, durch die Jiangsu Hagong Intelligent Robot Co.,LTD (HGZN) berichtet. Der insgesamt 88 Millionen EUR schwere Deal zwischen dem Wissener Familienunternehmen Nimak und dem Automatisierungsspezialisten HGZN sollte bis Mai 2019 abgeschlossen sein. Doch dazu kam es nicht. Die Übernahme stand unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die für Investitionen chinesischer Unternehmen im Ausland verantwortlichen Behörden. Entsprechend der vertraglichen Vereinbarungen zwischen Nimak und HGZN hätte diese spätestens zum 30. November vorliegen müssen.

Nachdem allerdings die Genehmigung trotz starker Bemühungen von beiden Seiten der Partner nicht erreicht werden konnte, beschlossen die Gesellschafter der NIMAK GmbH am 4. Dezember vom Verkauft des Unternehmens zurückzutreten. Offenkundig sah man keinerlei Möglichkeit mehr, die behördliche Zustimmung kurzfristig doch noch zu erreichen. Beide Seiten bedauern das Scheitern ausdrücklich. Die Inhaberfamilie des deutschen Unternehmens betonte dabei, dass die Entscheidung schließlich alleine im Interesse der Nimak GmbH gefällt wurde. Denn für den langfristigen Erfolg und die Bewahrung der starken Marktposition des Unternehmens seien nicht zuletzt klare und eindeutige Verhältnisse wichtig. Konkrete Pläne hinsichtlich des weiteren Vorgehens wurden dabei nicht kommuniziert.