Chinas Industriekonzerne sind die neuen Finanzinvestoren

Robotik für China: Europäische Anbieter stehen im Visier der aufstrebenden Unternehmen aus der Volksrepublik.中国关注欧洲机器人产业。

TCL legt zusammen mit der Tsinghua Unigroup einen Private Equity Fonds auf. Wie TCL Capital, der Investmentarm des chinesischen Elektronikriesen am 22. Februar bekanntgab, soll der Fonds 10 Mrd. RMB (1,4 Mrd. EUR) an Mitteln einsammeln. Im Visier stehen Targets aus den Bereichen Elektronik, TMT sowie Industrie 4.0 und „Internet Plus“, dem neuen chinesischen Konzept der vernetzten Produktion. Bereits im Oktober vergangenen Jahres gründete der Maschinenbauer Sany Heavy Industry mit Enlightenment Capital eine eigene Wagniskapitalgesellschaft.

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Damit liegen die beiden Branchenführer voll im Trend. Zahlreiche chinesische Unternehmen initiieren eigene Private Equity- und Venture Capital-Gesellschaften. Ziel ist die Finanzierung von Übernahmen und damit die Konsolidierung innerhalb der eigenen Branche bzw. die Beteiligung an vielversprechenden Start-ups. Erst im Dezember vergangenen Jahres legte der Smartphone- und Konsumelektronikanbieter LeEco (ehemals LeTV) einen eigenen Fonds auf. Dieser soll ebenfalls ein Volumen von 10 Mrd. RMB erreichen und in Big Data, künstliche Intelligenz und den Unterhaltungssektor investieren.

Sany Heavy Industry ist seit dem vergangenen Herbst als Venture Capital Investor unterwegs. Einer der Partner der neu gegründeten Gesellschaft Enlightenment Capital ist Liang Zhizhong, Sohn des Sany-Gründers und Vorstandsvorsitzenden Liang Wengen. Nähere Angaben zu dem zur Verfügung stehenden Kapital gibt es bisher nicht. Doch die Wagniskapitalgesellschaft plant nach eigenen Angaben, in den nächsten drei Jahren in 50 Projekte aus dem Bereich Internet der Dinge und Industrie 4.0 zu investieren. Dadurch könnte sich der Maschinenbaukonzern Sany den Zugang zu zukunftsträchtigen Technologien der vernetzten Produktion verschaffen.

Sany ist in Deutschland vor allem für die Übernahme des Betonpumpenbauers Putzmeister bekannt. Die 2012 durchgeführte Transaktion mit einem Gesamtwert von über 500 Mio. EUR gilt als beispielgebend für eine erfolgreiche Akquisition eines deutschen Unternehmens durch einen chinesischen Investor. Im gleichen Jahr erwarb Sany über Putzmeister auch den Mischmaschinenhersteller Intermix. Außerdem hält der chinesische Konzern seit 2013 in Form einer Überkreuzbeteiligung 10% am österreichischen Kranbauer Palfinger.

Weniger erfolgreich als Investor in Deutschland war hingegen bisher TCL. Der Konzern hatte schon früh große Expansionspläne für Europa und kaufte 2002 in einem Asset-Deal die Produktionsanlagen des insolventen Unterhaltungselektronikanbieters Schneider in Türkheim. Der Neustart durch den damals international noch wenig erfahrenen Investor aus China kam jedoch nie richtig in die Gänge. 2005 wurde die Produktion bei Schneider eingestellt und das Werk in Türkheim verkauft.

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Vereinfachtes Chinesisch