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Shanghai will mit neuem Medizincluster internationale Unternehmen anziehen

Im Rahmen der International Biopharma Industry Week Shanghai wurde auch eine neue internationale Produktionsbasis für medizinische Geräte eröffnet. Ihr Standort ist die Pilot-Freihandelszone von Shanghai. Die Basis zeigt Chinas Bemühungen, Unternehmen aus dem Ausland und ihr Knowhow in High Tech Industrie ansiedeln zu wollen. Von Georg von Stein

Mit der neuen Basis will man ein „erstklassiges Ziel“ für internationale Hersteller intelligenter medizinischer Geräte schaffen. Die zugehörige Pudong New Area soll damit

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https://www.ftz-shanghai.com/About_FTZ/general-planning/

auch ein biomedizinisches Industriecluster von Weltklasse beherbergen. Angesiedelt ist der Kernbereich der neuen Basis im Biomedizin-Industriepark Waigaoqiao und besteht aus

  • einem internationalen Ausstellungs- und Handelszentrum für medizinische Geräte
  • einem U-Lab-Labor für die gemeinsame Nutzung von Biomedizin
  • einem großen Innovationszentrum für Gesundheit und
  • einem Zentrum für Biowissenschaften

Weitere Unterbereiche will man dann noch in der Zollverschlusszone des Hafens Waigaoqiao und der Zollverschlusszone des Flughafens Pudong errichten.

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https://de.set-up-company.com/shanghai-ftz-ushered-1.8-million-new-enterprises.html

Das angestrebte Ziel ist dabei ehrgeizig: Bis 2030 soll die Basis mehr als 100 führende Unternehmen ansiedeln. Der Fokus ist dabei weitgefasst: von den Bereichen Handel, Forschung und Entwicklung über Produktion bis hin zu technischen Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Herstellung intelligenter medizinischer Geräte.

Bereits heute nutzen 838 Unternehmen, die auf biologische Arzneimittel und medizinische Geräte spezialisiert sind, die Waigaoqiao Bonded Area., darunter auch große Hersteller. 2021 soll das zusammengenommene Betriebsergebnis der Unternehmen 248,4 Mrd. Yuan (34,69 Mrd. USD) betragen haben. Etwa 27 Prozent der importierten Medizinprodukte Chinas und 38 Prozent der Medizinprodukte werden offiziellen Angaben zufolge im Hafen von Waigaoqiao umgeschlagen.

Flugauto nimmt Demobetrieb in China auf

Das Beijing Institute of Technology oder BIT und das BIT Chongqing Innovation Center und Cool High Technology (Beijing) Co haben im November gemeinsam ein bemanntes zweisitziges Flugauto vorgestellt. Es ist Vorbote eines hoch interessanten Marktes für Investoren. Von Georg von Stein

Fliegende Autos hatte man früher als eine Art Science Fiction in einem James Bond Film gesehen. Sie schienen Mobile einer fernen Zukunft sein. Jetzt bewegen sich die Gefährte für die Mobilität auf der Straße und in der Luft in Richtung Marktreife. Das neue chinesische Split-Flugauto besteht hauptsächlich aus drei Teilen – dem autonomen vertikal startenden und landenden Flugzeug, dem intelligenten Cockpit und dem Auto-Chassis. Dieses dreidimensionale System wird Menschen und Fracht transportieren. Der in China vorgestellte Prototyp des autonomen senkrecht startenden und landenden Auto-Flugzeugs besitzt ein maximales Startgewicht von 650 Kilogramm und kann 280 Kilogramm Proviant transportieren.

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Das erste bemannte zweisitzige intelligente Split-Flugauto der Welt debütiert. [Foto/liangjiang.gov.cn]
Seinen Demobetrieb wird das Flugmobil in der nationalen Pilotzone der „Internets of  Vehicles“ und im Pilotgebiet der Zivilluftfahrt der Liangjiang New Area in Chongqing aufnehmen. Die Forschung für das Flugauto haben Xiang Chang von der Chinesischen Akademie für Ingenieurwissenschaften und sein Team erbracht.

Hohe Investitionen in Flugautomarkt

In den Flugautomarkt wird denn auch bereits kräftig investiert. So hat HT Aero, der Flugauto-Ableger des chinesischen Elektroauto-Herstellers Xpeng, im Rahmen seiner Serie-A-Finanzierungsrunde mehr als eine halbe Mrd. USD von Investoren eingenommen, darunger neben Xpeng selbst auch die IDG Capital und 5Y Capital.

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https://asia.nikkei.com/Business/Aerospace-Defense/Asian-flying-cars-aim-to-soar-over-walls-of-global-regulation

Xpeng will ab 2024 elektrische Flugautos auf den Markt bringen. Aber auch andere Anbieter der chinesischen Autobranche tummeln sich auf dem Flugautomarkt, so z.B.  arbeiten Geely Terrafugia  an eVTOL und auch Volkswagen evaluiert die Technologie in China. In Europa arbeitet beispielsweise das slowakische Unternehmen Klein an einem Auto, das bis zu 1000 Kilometer weit fliegen kann. Dessen erster kommerzieller Einsatz steht sogar schon fest. In Deutschland entwickelt die Carplane GmbH mit Sitz am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg am Flugauto Carplane, dessen Preis anfangs bei 200.000 Euro liegen soll,  bei einer Serienfertigung aber deutlich unter 100.000 Euro sinken.

Wieder mehr chinesische Firmenübernahmen in Europa

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Bildnachweis: © ink drop – stock.adobe.com, Travel mania – stock.adobe.com.

Nach dem pandemiebedingten Einbruch bei den chinesischen Firmenübernahmen in Europa im Jahr 2020 hat sich die Zahl der Transaktionen im Jahr 2021 wieder erhöht: von 132 auf 155. Auch das Transaktionsvolumen stieg: der Wert der Beteiligungen und Übernahmen hat sich von 1,5 auf 12,4 Milliarden US-Dollar mehr als verachtfacht. VON GEORG VON STEIN

Chinesische Firmenübernahmen in Deutschland steigen von 28 auf 35

Auch in Deutschland traten chinesische Investoren wieder häufiger in Erscheinung: Nachdem 2020 nur 28 Transaktionen chinesischer Unternehmen gezählt worden waren, gab es 2021 immerhin 35 derartige Beteiligungen oder Übernahmen. Das Investitionsvolumen stieg von 0,4 auf 2,0 Milliarden US-Dollar. Nicht enthalten sind in dieser Summe Risikokapitalinvestitionen in deutsche Startups in Höhe von 1,9 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021, bei denen chinesische Unternehmen als Teil internationaler Investorengruppen aktiv waren.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die Investitionen chinesischer Unternehmen in Deutschland und Europa untersucht.

„Chinesische Unternehmen bleiben bei ihren Investitionen in Europa insgesamt noch zurückhaltend“, beobachtet Yi Sun, Partnerin und Leiterin der China Business Services in der Region Europe West bei EY. „Dazu trägt zum einen nach wie vor die Pandemie bei, die auch 2021 noch zu Beeinträchtigungen führte – auch wegen Eindämmungsmaßnahmen wie Reisebeschränkungen, strengen Quarantäne Regeln für Personen, die aus dem Ausland nach China reisen und Lockdowns sowohl in Europa als auch in China selbst. Die meisten chinesischen Unternehmen, die schon im Ausland Firmen übernommen haben, haben sich in den letzten Jahren eher damit beschäftigt, die Restrukturierung in Europa voranzutreiben als weiter zu expandieren – besonders in den Sektoren Automobilzulieferer und Maschinenbau.“

Ebenfalls dämpfend wirkten sich nach Suns Einschätzung die inzwischen hohen Hürden für ausländische Beteiligungen gerade in bestimmten kritischen Branchen sowie die zunehmende Konkurrenz durch kapitalstarke Finanzinvestoren aus. „Die Kaufpreise auf dem M&A-Markt sind zuletzt stark gestiegen – in einigen Fällen wollten die chinesischen Interessenten da nicht mehr mitgehen. Besonders die börsennotierten chinesischen Unternehmen fürchten, mit teuren Zukäufen den eigenen Aktienkurs unter Druck zu setzen“, so Sun. „Zudem besitzen einige der potentiellen Übernahmekandidaten Produktionsstätten oder R&D-Zentren in den USA. In solchen Fällen kann es vorkommen, dass eine Ablehnung durch das Committee on Foreign Investment in the U.S. (CFIUS) befürchtet wird – und potenzielle chinesische Bieter gar nicht erst eingeladen werden.“

Nachlassendes Interesse an Industrieunternehmen

Nach wie vor entfallen auf klassische Industrieunternehmen die meisten Deals – gerade in Deutschland: 12 der 35 Transaktionen in Deutschland und 30 der 155 Transaktionen in Europa fanden im Industrie-Sektor statt.

Allerdings ist deren Zahl rückläufig: 2020 waren europaweit noch 36 Industrietransaktionen gezählt worden. „Nach wie vor besteht bei chinesischen Investoren Interesse an europäischen Automobilzulieferern oder Maschinenbauern – allerdings inzwischen eher in den Subsektoren Elektromobilität, Autonomes Fahren und High Tech-Materialien“, sagt Sun.

Ein deutlich gestiegenes Interesse macht Yi Sun aber an anderer Stelle aus: „Chinesische Private Equity Fonds und Risikokapitalgeber werden immer aktiver. Gerade in Deutschland gab es im vergangenen Jahr einige sehr große Investitionen in Startups, an denen chinesische Investoren maßgeblich beteiligt waren. Neben deutscher Ingenieurskunst ist zunehmend ECommerce-Kompetenz gefragt.“

Auf High Tech/Softwareunternehmen entfielen im vergangenen Jahr europaweit 27 Transaktionen (Vorjahr: 20). „Wir sehen ein gestiegenes Interesse etwa an Spieleentwicklern und Softwareprogrammierern. Gerade der aktivste chinesischer Investor vergangenen Jahr, Tencent, hat sich zuletzt in diesem Segment stark engagiert“, beobachtet Sun.

Gestiegen ist auch die Zahl der Übernahmen und Beteiligungen im Bereich Gesundheit: von 16 auf 26 Transaktionen.  „Der Gesundheitssektor – ob Pharma, Biotech oder Medizintechnik – wird zunehmend zu einem der wichtigsten Zielsektoren chinesischer Unternehmen, weil es in diesem Sektor einen großen Nachholbedarf in China gibt, insbesondere bei der Forschung und Entwicklung.“

Großbritannien löst Deutschland als Top-Ziel in Europa ab

Die meisten Transaktionen bei Firmenübernahmen wurden im vergangenen Jahr in Großbritannien verzeichnet. Mit 36 Übernahmen und Beteiligungen liegt Großbritannien knapp vor Deutschland (35 Transaktionen) und deutlich vor den drittplatzierten Niederlanden (13).

Im Vorjahr war die Reihenfolge an der Spitze noch umgekehrt: 2020 lag Deutschland mit 28 Transaktionen vor Großbritannien mit 21 Deals.

„In dem Maß, wie sich das Interesse chinesischer Investoren weg von klassischen Industrieunternehmen hin zu Technologie-, Software- und Medienunternehmen entwickelt, gewinnt der Zielmarkt Großbritannien an Bedeutung“, sagt Sun. Sie ist allerdings überzeugt, dass Deutschland für chinesische Investoren ein attraktiver Markt bleibt: „Viele chinesische Unternehmen haben gute Erfahrungen mit ihren Investitionen gerade in Deutschland gemacht. Zudem gibt es inzwischen auf vielen Ebenen enge und belastbare Verbindungen zwischen China und Deutschland. Wir werden in den kommenden Monaten weitere chinesische Transaktionen in Deutschland sehen – vor allem, wenn die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft nachlassen“, erwartet Sun.

Die europaweit größte Investition war im vergangenen Jahr der Verkauf der Haushaltsgeräte-Sparte von Philips an die Investmentfirma Hillhouse Capital mit Sitz in Hong Kong für 4,4 Milliarden US-Dollar.

Die zweitgrößte Transaktion war die Übernahme des britischen Entwicklerstudios Sumo Digital durch Tencent für 1,1 Milliarden US-Dollar, gefolgt von der Übernahme des dänischen Kühlcontainer-Herstellers Maersk Container Industry durch China International Marine Containers für ebenfalls 1,1 Milliarden US-Dollar.

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Schon unsere brandneue Jahresausgabe ‚Anleihen 2022‘ (11. Jg., Erscheinungstermin Dez 2022) gesehen?

Die Ausgabe 3/2022 Biotechnologie 2022 der Plattform Life Sciences ist erschienen. Die Ausgabe kann bequem als e-Magazin oder pdf durchgeblättert oder heruntergeladen werden.

China: Null Chance auf Null Covid?

Die Zahl der Covid Fälle in China steigt, der Optimismus nach der Inflation schwindet, aber Anleger sind immer noch vorsichtig auf eine Erholung bis zum Jahresende eingestellt. Ein Marktkommentar von Neil Wilson

Das erneute Auftreten von Covid Fällen und Sperrungen, die sich über das ganze Land erstrecken und mehr Menschen betreffen als jemals zuvor seit der Ausbreitung von Covide, lässt die Hoffnungen auf eine rasche Erholung im nächsten Jahr sicherlich schwinden, was wiederum die Sorgen über eine weltweite Rezession im nächsten Jahr verstärkt – unabhängig davon, ob Covid dann weiter ein Thema sein wird oder weniger.

Chinesische Technologiewerte gaben in Hongkong stark nach. Die europäischen Aktien eröffneten uneinheitlich, aber Öl- und Grundstoffwerte führten den FTSE 100 zu einigen ordentlichen Gewinnen: Shell +3%, Harbour Energy +4% und BP +5% im frühen Handel.

Die Wall Street schloss am Montag niedriger, wobei der S&P 500 um 0,4% und die Nasdaq um 1% nachgaben. Eine 6%ige Rallye bei Disney sorgte dafür, dass der Dow Jones die Sitzung fast unverändert beendete. Zoom fiel nachbörslich aufgrund schwacher Prognosen für das vierte Quartal, obwohl das Unternehmen im dritten Quartal sowohl bei der Umsatz- als auch bei der Gewinnspanne zulegen konnte. Die durch die Feiertage verkürzte Handelswoche brachte nicht viel Schwung in die Kurse, wobei die Erholung von den Tiefstständen Mitte Oktober am 61,8%-Retracement des S&P 500 – wo wir am vergangenen Mittwoch ein kurzfristiges Hoch ausgemacht hatten – ein wenig nachließ.

Die Präsidentin der Fed von San Francisco, Mary Daly, sagte, die Auswirkungen von Zinserhöhungen „sind viel größer als das, was uns der Leitzins sagt … es wird wichtig sein, sich dieser Lücke zwischen dem Leitzins und der Anspannung auf den Finanzmärkten bewusst zu bleiben. Wird sie ignoriert, besteht die Gefahr einer zu starken Straffung“.

Ein bisschen dovish…? Ich weiß nicht, ich denke, wir können einigen dieser Teeblätter viel zu viel Aufmerksamkeit schenken. Die Präsidentin der Fed von Cleveland, Loretta Mester, meinte hingegen, es sei jetzt an der Zeit, eine Verlangsamung der Zinserhöhungen in Betracht zu ziehen: „Ich denke, es ist sinnvoll, dass wir das Tempo der Zinserhöhungen ein wenig verlangsamen“, sagte sie. „Wir werden den Leitzins immer noch anheben, aber wir sind jetzt an einem vernünftigen Punkt angelangt, an dem wir die Geldpolitik sehr überlegt gestalten können.“

EZB gespalten

Der österreichische Zentralbankchef Robert Holzmann, ein Falke, sprach sich für eine dritte Anhebung um 75 Basispunkte im Dezember aus, da er keine Anzeichen für eine Abschwächung der Kerninflation sehe. Chefvolkswirt Philip Lane sagte erst gestern, dass 75 Basispunkte nicht in Frage kämen… wir können uns also auf ein geteiltes Votum im nächsten Monat gefasst machen… aber es scheint immer noch wahrscheinlich, dass die EZB eher zu wenig als zu viel tun wird, zumal EZB-Präsidentin Christine Lagarde glaubt, dass eine Rezession die Inflation nicht auf das Zielniveau senken wird – warum also die Dinge noch schlimmer machen, wenn es die Inflation nicht senkt?

Die gewichtete mediane Inflationsrate der Bank of Japan stieg im Oktober auf einen Rekordwert von 1,1%, was auf die Kerninflationswerte der letzten Woche aufbaut und auf einen zunehmenden Preisdruck hinweist. Der USDJPY ist leicht auf 141,68 zurückgegangen, nachdem er gestern aufgrund der breit angelegten USD-Stärke auf den höchsten Stand seit über einer Woche gestiegen war. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass ein Anstieg der Inflation die BoJ davon abhalten wird, ihre ultralockere Geldpolitik fortzusetzen.

Cathie Wood … kauft natürlich immer noch und verdoppelt auf Busted Flushes. ARK-Fonds haben nach dem FTX-Kollaps Coinbase und andere Krypto-Aktien zugelegt. COIN ist im letzten Jahr um über 83% gefallen und fiel gestern um weitere 9%… Timing. Inzwischen Bitcoin meandert weiterhin unter $16k. Genesis erklärt derweil, dass es keine Pläne habe, Konkurs anzumelden, obwohl es Berichten zufolge kurz davor stand, dies zu tun.

Der Ölpreis erholte sich am Dienstag nach einem wilden Ritt am Montag inmitten von Berichten, die später kategorisch widerlegt wurden, dass die OPEC eine Erhöhung der Produktion um bis zu 500.000 Barrel pro Tag erwäge. Möglicherweise war dies ein Versuchsballon, um zu sehen, wie die Reaktion ausfallen würde? Die Abwärtsbewegung gestern Nachmittag aufgrund des WSJ-Berichts war heftig, scheiterte jedoch am Tiefststand von Ende September. Obwohl es sich hierbei um eine durch die Nachrichten ausgelöste Bewegung handelte, ebnet die Ablehnung den Weg für einen weiteren Anstieg in Richtung der 50er-Linie bei 91,50 $.

Neil Wilson 
Chief Market Analyst 

Website: www.finaltotrading.com 
Twitter:   @marketsneil
Linkedin: https://www.linkedin.com/company/finalto-group 

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Die Ausgabe 3/2022 Biotechnologie 2022 der Plattform Life Sciences ist erschienen. Die Ausgabe kann bequem als e-Magazin oder pdf durchgeblättert oder heruntergeladen werden.

Schon unsere brandneue Krypto-Jahresausgabe 2022 (1. Jg., Erscheinungstermin Aug. 2022) gesehen?

China : Schlüsselfaktoren des Wachstums auf nicht mehr tragfähigem Niveau

Während viele im Westen China nach wie vor als einen stetig wachsenden wirtschaftlichen Riesen betrachten, sprechen die Zahlen eine ganz andere Sprache – von Gerwin Bell*

Das persönliche Treffen zwischen den Präsidenten der USA und Chinas, bei dem es um die Verbesserung der wichtigsten Beziehungen der Welt ging, ist als leicht positiv zu bewerten, insbesondere nachdem Xi auf dem Parteikongress im letzten Monat seine Macht in einem Maße konsolidiert hat, wie es seit dem Vorsitzenden Mao nicht mehr der Fall war.

Der Umgangston während des Treffens war neutral und beide Seiten riefen dazu auf, angesichts der instabilen internationalen Situation Spannungen abzubauen.

Als Reaktion auf den Einbruch des chinesischen Immobiliensektors kündigte die Regierung in Peking 16 Maßnahmen an, die den Liquiditätsengpass der Bauträger beheben und die Anzahlungsbeschränkungen für Hauskäufer lockern sollen. Viele der Änderungen werden wahrscheinlich die im letzten Jahr verhängte Politik der „drei roten Linien“ rückgängig machen, die den Kollaps beschleunigt hatten.

Hatte auf dem G-19-Gipfel ausgiebigen Gesprächsbedarf: Joe Biden

Offen bleibt, ob die Förderung der Immobilienkreditvergabe die Nachfrage der privaten Haushalte nach Immobilien verbessern wird, wenn das Vertrauen in diese Anlageklasse auf dem Tiefpunkt ist. Sollten die angekündigten Maßnahmen den Rückgang der Immobilienpreise nicht aufhalten können, ist mit weiteren fiskalischen Anreizen zu rechnen, wie z.B. Programme für den sozialen Wohnungsbau, die durch eine Ausweitung der Geldmenge finanziert werden.

Während viele im Westen China nach wie vor als einen stetig wachsenden wirtschaftlichen Riesen betrachten, sprechen die Zahlen eine ganz andere Sprache. Auch wenn die allgemeine Verlangsamung des Wachstums erwartet wurde, widerspricht die Zusammensetzung des Wachstums dem Ziel der Wiederherstellung des Gleichgewichts. Die Investitionen übertreffen nach wie vor den Konsum und die Tendenz zu höherem Konsum ist ins Stocken geraten, so dass das weitere Wachstum erneut einen Beitrag der Auslandsnachfrage erfordert. Das zeitgleiche Auftreten des erwarteten Wachstumsrückgangs und die Trendwende beim Rebalancing ist ein besorgniserregender Trend.

Kann Präsident Xi sämtliche aktuellen Probleme weglächeln?

Dieser zeigt, dass die Schlüsselfaktoren des Wachstums zum Stillstand gekommen sind oder ein nicht mehr tragfähiges Niveau erreicht haben. Am deutlichsten wird dies am starken Rückgang der Geburtenrate in China, da eine höhere Abhängigkeit von Kapital und Produktivität erforderlich ist, um eine bestimmte Wachstumsrate aufrechtzuerhalten.

Viele Beobachter stellen jedoch fest, dass China den Punkt der Überinvestition erreicht haben könnte, da es jetzt mehr investiert als andere Länder, um das gleiche Wachstum zu erzielen, und – was besonders wichtig ist – mehr als die Länder, die sich aus der Phase des mittleren Haushaltsvolumens lösen konnten. Auf jeden Fall begrenzt die derzeitige Schuldenquote Chinas von über 300% des BIP jeden künftigen Investitionsimpuls.

Gerwin Bell

Daher haben wir unsere Prognose zum BIP-Wachstum für dieses Jahr auf 3% und für 2023 auf 5,7% gesenkt, wobei wir darauf hinweisen, dass die letztgenannte Schätzung größtenteils auf statistische Eigenheiten zurückzuführen ist und der kurzfristige Wachstumspfad sehr unsicher bleibt. Wir haben auch unsere Inflationsprognose für China gesenkt von 2,8 auf 2,0% für das vierte Quartal 2022 und von 1,8 auf 1,3% für das vierte Quartal 2023 in Anbetracht der schwächeren Aussichten für das BIP-Wachstum und die Aktienkurse.

*) Gerwin Bell ist Lead Economist Asia bei PGIM Fixed Income

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BMW: Milliardeninvestition in Batteriewerk in China

BEIJING, CHINA-NOVEMBER 22, 2014: BMW i3 electric vehicle model

BMW wird rund 10 Mrd. Yuan (1,36 Mrd. EUR) in die Erweiterung der Batterieproduktionsanlage in Shenyang investieren. Durchgeführt wird das Projekt über das Joint Venture BMW Brilliance. Die Investition zeigt, wie China immer mehr zum (Welt-)Markt-Hub deutscher Automobilhersteller wird. Von Georg von Stein

Bereits 2017 hatte das Joint Venture BMW Brilliance eine Batterieproduktion an den Start gebracht und damit eine Alternative zu rein chinesischen Operationsstätten geschaffen.

 

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https://merics.org/en/analysis/chinas-battery-industry-powering-global-competition

In Lydia in Shenyang ging parallel eine 15 Mrd. Yuan (2,02 Mrd. EUR) teure Produktionsanlage in Betrieb, sie reiht sich in die hohen Investitionen von BMW am dortigen Standort ein. Mittlerweile ist Shenyang der weltweit größte Produktionsstandort der BMW Group. In Lydia wird unter anderem der BMW i3 eDrive 35L gebaut – eine Elektrolimousine auf Basis der 3er Limousine, die trotz der Namensgleichheit wenig Gemeinsamkeiten mit dem europäischen i3 aufweist. Die Produktionsstätte wurde als erstes BMW Werk vollständig virtuell geplant und simuliert, u.a. mit der 3D-Plattform Unreal Engine von Epic Games als Backbone. Die Bauzeit der Anlage soll sich dadurch um sechs Monate verkürzt haben, Teams konnten überregional und zeitenzonenübergreifend zusammenarbeiten – ein Vorteil vor allem während der Corona-Pandemie.

Größter Markt für Elektrofahrzeuge

In dem Werk setzt man die „iFactory“ und damit auch die Themen Lean, Green, und Digital um. Zum Einsatz kommen in den Shenyang-Werken auch rund 100 Anwendungen für künstliche Intelligenz; 1.600 Multifunktionskameras im Bereich der Qualitätsabsicherung erzeugen jedes Jahr mehr als zehn Petabyte Daten; also 1.024 Terabyte. All das zeigt: Die Investitionen in Werke und Batterieproduktion in China besitzen eine hohe strategische Bedeutung. Dazu der Vorstandsvorsitzende der BMW Group, Oliver Zipse: „Wir sind hinsichtlich der mittel- und langfristigen Aussichten des chinesischen Marktes optimistisch. Die BMW Group bekennt sich uneingeschränkt zu China und wird ihre Win-Win-Partnerschaften mit lokalen Unternehmen fortsetzen“. Die Zahl der Mitarbeitenden des Konzerns in China soll mittlerweile auch die Marke von 28.000 überschritten haben.

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Quelle: Wood Mackenzie
https://www.greentechmedia.com/squared/electric-avenue/china-poised-to-dominate-ev-battery-manufacturing
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https://merics.org/en/analysis/chinas-battery-industry-powering-global-competition

Welche Bedeutung eine Batterieproduktion vor Ort haben dürfte, zeigt sich auch in der Einschätzung des chinesischen Verbands der Automobilhersteller CAAM: China sei der weltweit größte Markt für Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride. Gemäß dessen Zahlen lag der Absatz von Elektroautos und Plug-in-Hybriden im vergangenen Monat bei 714.000 Einheiten, was einem Anstieg von 81,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Bezogen auf die gesamten Fahrzeugauslieferungen machten sie im Oktober 28,5 Prozent aus.

Die NEV-Verkäufe sollen von Januar bis Oktober bei 5,28 Mio. Einheiten gelegen haben – eine Steigerung von 110 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es wird erwartet, dass dieses Jahr sogar 6,5 Mio. Stück erreicht werden, so die CAAM. Insofern dürften die Investitionen von BMW in eigene oder zumindest teilweise eigene Batterieproduktion gewinnbringend sein, um besser am chinesischen Elektroautoboom mit zu partizipieren.

 

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https://theicct.org/2022-update-ev-sales-us-eu-ch-aug22/

Holpriger Weg zu Chinas Ankurbelung der Konjunktur

China and Germany flags on chess pawns on a chessboard. 3d illus

Die Oktoberdaten überraschten negativ und selbst Chinas Umschwenken in der COVID- und Immobilienpolitik wird dem Wachstum in den nächsten zwei Monaten nicht helfen – von Aidan Yao, AXA Investment Managers.

Chinas Einzelhandelsumsätze gingen zum ersten Mal seit sechs Monaten zurück und der offizielle Dienstleistungsindex gab das gesamte Wachstum des letzten Jahres wieder auf. Die sich verschlechternde COVID-Situation war der Hauptgrund für das schwindende Wachstum im Konsum- und Dienstleistungssektor.

Die chinesische Politik verabschiedete einen sogenannten 16-Punkte-Plan, der den Immobilienmarkt entlasten soll, indem die Finanzlage von Bauträgern und die Zusammenarbeit von Geschäftsbanken, politischen Banken und Treuhandgesellschaften erleichtert wird.

Die jüngsten Entwicklungen haben unsere Erwartungen verstärkt, dass nach dem Parteitag politische Maßnahmen erlassen werden, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Hintergrund [Anm.d.Red.]

Die 16 Maßnahmen sind sehr umfangreich. Erschließungsdarlehen, Hypothekendarlehen, Anleihefinanzierungen und Sonderdarlehen sollen die Übergabe von bereits verkauften Wohnungen sicherstellen. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Finanzierungsprobleme des Sektors sofort zu lösen. Zuvor kündigte die National Association of Financial Market Institutional Investors (NAFMII) an, die Emission von Anleihen in Höhe von 250 Mrd. Renminbi durch Unternehmen in Privatbesitz zu unterstützen.

Fazit

Aidan Yao

Die jüngsten Entwicklungen Chinas haben unsere Erwartung einer beschleunigten politischen Anpassung zur Ankurbelung der Wirtschaft nach dem Parteitag bekräftigt. Wir sind der Ansicht, dass sie die notwendigen Voraussetzungen für eine bescheidene Wachstumserholung schaffen, die wir und der Markt für 2023 erwarten. Es liegt nun an den Beamten der unteren Ebenen, diese Maßnahmen so umzusetzen, dass das richtige Gleichgewicht zwischen der Eindämmung der Pandemie und der Förderung des Wachstums gefunden wird. Dies ist keine leichte Aufgabe, und die Herausforderung, es richtig zu machen, wird wahrscheinlich bedeuten, dass China eine holprige Fahrt vor sich hat.

*) Aidan Yao ist Senior Economist bei AXA Investment Managers

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Das Maßnahmenpaket Chinas zur Unterstützung des Immobiliensektors

Die von der People‘s Bank of China und der CBIRC kürzlich vorgestellten 16 Maßnahmen zur Unterstützung des Immobiliensektors in China haben eine Anleihen- und Aktienrallye ausgelöst. Von Joyce Bing und Alec Jin*

Die 16 Maßnahmen sind sehr umfangreich. Erschließungsdarlehen, Hypothekendarlehen, Anleihefinanzierungen und Sonderdarlehen sollen die Übergabe von bereits verkauften Wohnungen sicherstellen. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Finanzierungsprobleme des Sektors sofort zu lösen. Zuvor kündigte die National Association of Financial Market Institutional Investors (NAFMII) an, die Emission von Anleihen in Höhe von 250 Mrd. Renminbi durch Unternehmen in Privatbesitz zu unterstützen.

Wir sind der Ansicht, dass dies einen Wendepunkt für den Immobiliensektor darstellt. Doch die Unterstützung wird sich wahrscheinlich auf diejenigen Bauträger konzentrieren, die ihre Schulden noch nicht beglichen haben, was zu einer stärkeren Differenzierung der Kredite unter den Bauträgern führt.

Wir glauben, dass die 16 Maßnahmen allein nicht ausreichen, um den Sektor aus der aktuellen Krise zu führen. Die Verkäufe der Bauträger sind im bisherigen Jahresverlauf sehr schwach gewesen. Daher sind weitere Lockerungsmaßnahmen erforderlich, um den Sektor zu unterstützen. Dazu gehören z.B. die Lockerung der Treuhandkonten, die Lockerung der Hauskaufpolitik in höher klassifizierten Städten und die schrittweise Aufhebung der dynamischen Null-Covid-Politik.

Die USD-Anleihen der Bauträger erlebten nach der Ankündigung eine starke Rallye. Um diese Rallye aufrechtzuerhalten, müssen die Onshore-Finanzinstitute konkrete Folgemaßnahmen ergreifen (beispielsweise weitere garantierte Anleiheemissionen durch eine größere Gruppe von Bauträgern). Dazu gehören weitere Lockerungsmaßnahmen, um Probleme auf der Nachfrageseite zu lösen und eine anhaltende Erholung bei den vertraglich vereinbarten Verkäufen zu erreichen. Wir glauben, dass die 16 Maßnahmen nur begrenzte direkte Auswirkungen auf die notleidenden Unternehmen haben. Allerdings könnte dies den in Verzug geratenen Bauträgern mehr Anreize geben, sich schneller mit den Anleihegläubigern zu einigen, sodass sie von einigen dieser unterstützenden Maßnahmen profitieren können.

Der Immobiliensektor ist nach wie vor schwach und wird von zwei Hauptfaktoren belastet: dem Liquiditätsrisiko und langsameren Verkäufen. Während auf lokaler Ebene immer mehr unterstützende Maßnahmen ergriffen werden, z.B. die Ankurbelung der Nachfrage und das Angebot hochwertiger Grundstücke, bleibt die Zentralregierung in ihrer politischen Haltung gegenüber dem Sektor standhaft.

Die jüngsten Maßnahmen haben die Stimmung positiv beeinflusst, da die Regierung den Sektor zunehmend unterstützt. Die Behörden scheinen sich des Liquiditätsrisikos bewusst zu sein. Kürzlich weiteten sie ein wichtiges Anleihefinanzierungsprogramm für private Unternehmen aus und ermutigten Geschäftsbanken, Garantien für hochwertige Bauträger auszustellen, um Zugang zu Kapital auf Treuhandkonten zu erhalten.

Als Nächstes wird es darauf ankommen, wie die neu angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden und ob die richtigen Anreize für die wichtigsten Akteure geschaffen werden, damit sie aktiv werden. Wir hoffen auf die Veröffentlichung weiterer Einzelheiten zu diesem Thema, die uns noch mehr von der Wirksamkeit der Politik überzeugen.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Behörden die Nachfrage in großem Umfang ankurbeln werden. Aber zumindest sollten sie dazu beitragen, den Liquiditätsdruck im System zu verringern, insbesondere für die privaten Bauträger, da dies derzeit das größte Risiko im Sektor darstellt. Sollte sich die Lage im Immobiliensektor weiter verschlechtern, würden wir mehr Unterstützung von der Zentralregierung erwarten, um das Ansteckungsrisiko für die Gesamtwirtschaft einzudämmen.

*) Joyce Bing ist Investment Manager of Fixed Income Asia, Alec Jin Investment Director of Asian Equities bei abrdn

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China Abkehr von der Null-Covid-Politik – und gleich Proteste

In der südchinesischen Wirtschaftsmetropole Guangzhou kam es angesichts eines deutlichen Anstiegs der Corona-Zahlen zu Protesten – die schwierige Abkehr von der bisherigen Null-Covid-Politik Chinas.

Menschenmengen durchbrachen Montagabend Sperren in der Stadt und marschierten durch die Straßen. Das zeigten im Internet veröffentlichte Videos mit chaotischen Szenen.

Unter den jüngsten Ausbrüchen in der Volksrepublik ist Guanghzhou, die auch als Fabrik der Welt bezeichnet wird und nahezu 20 Mio. Einwohner zählt, die Stadt mit den meisten Fallzahlen aktuell. Die täglichen Neuinfektionen übertrafen erstmals die Marke von 5.000 Fällen und schürten Spekulationen, dass örtliche Lockdowns ausgeweitet werden könnten – die Null-Covid-Politik funktioniert nicht mehr, sofern sie es jemals überhaupt tat.

Mehrere Städte haben ihre Routinetests der Einwohner:innen zurückfahren, nachdem Ende vergangener Woche leichte Lockerungen der strikten chinesischen Corona-Maßnahmen bekanntgegeben worden waren wie eine Verkürzung der Quarantänezeiten für enge Kontaktpersonen und Reisende aus dem Ausland, berichtet u.a. der tagesspiegel.

Während dies bei vielen Menschen für verhaltenen Optimismus sorgt, wächst gleichzeitig die Sorge über die steigenden Infektionszahlen und die Verwirrung über die Teststrategie.

Die neuen Vorschriften sehen vor, dass Tests nunmehr gezielter vorgenommen werden, was eine erhebliche finanzielle Entlastung für die Städte bedeutet. In Pekings bevölkerungsreichstem Bezirk Chaoyang wurden am Montag einige Teststellen näher an Wohngebiete verlegt, so der tagesspiegel weiter.

Dadurch erhöhe sich zwar die Gesamtzahl der Teststellen, doch auch lange Wartezeiten gibt es jetzt. Das sorgt für zusätzliche Frustration in der Bevölkerung, da an vielen Arbeitsplätzen und öffentlichen Einrichtungen weiterhin negative Testergebnisse innerhalb von 24 Stunden verlangt werden.

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China bürstet gegen den Strich

Auf dem 20. Parteitag im Oktober 2022 hat die Kommunistische Partei Chinas unter Xi Jinping bekräftigt, dass die Volksrepublik eine globale Führungsrolle beansprucht und die USA-dominierte Weltordnung ablösen wolle. Größte strategische Bedeutung besitzt für China dabei der Ausbau enger politischer und wirtschaftlicher Beziehungen zu den energie- und rohstoffreichen Ländern des „Globalen Südens“ als Basis für die Versorgung der eigenen Wirtschaft.

Dies sind zentrale Aussagen der aktuellen Studie „Chinas globales Powerplay: Wie China seine eigene wirtschaftlich-technologische Hemisphäre erschafft”, mit der das FERI Cognitive Finance Institute die Reihe seiner China-Analysen unter Mitwirkung renommierter China-Experten fortsetzt.

„Die chinesische Doktrin nationaler Größe und wirtschaftlicher Autarkie wird den Systemkonflikt zwischen China und dem Westen in den kommenden fünf bis zehn Jahren deutlich verschärfen und die Aufspaltung der Weltwirtschaft weiter vorantreiben“, erklärt Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute.

Wachsender Einfluss in Schwellenländern

China konzentriere seit längerem seine Außenwirtschaftspolitik auf den vom Westen vernachlässigten „Globalen Süden“ und habe sich damit eine realistische Option für eine „asymmetrische Entkopplung“ von der westlichen Wirtschaftshemisphäre geschaffen.

„China will in Zukunft so wenig wie möglich auf Lieferanten des US-Bündnissystems angewiesen sein. Umgekehrt soll der Rest der Welt weiter abhängig von China bleiben. Im Konfliktfall könnte man so westliche Sanktionen ins Leere laufen lassen“, ergänzt Prof. Sebastian Heilmann, Inhaber des Lehrstuhls für Politik und Wirtschaft Chinas an der Universität Trier und Verfasser der Studie.

Auch habe China es frühzeitig verstanden, seine Rohstoff- und Energielieferanten zu diversifizieren, um Abhängigkeiten zu vermeiden. Stellvertretend hierfür stehe etwa die chinesisch-russische Energiepartnerschaft, die China eindeutig zum eigenen Vorteil organisiert habe. In vielen Schwellenländern sei China heute mit Abstand wichtigster Ausrüster für Informations-, Telekommunikations-, Datenzentren- und Sicherheitstechnologien.

Damit nehme Peking in vielen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas dominanten Einfluss auf Infrastruktur und Geschäftsmodelle. Besonders in Afrika habe China seine Interessen tief verankert. „Die chinesische Regierung investiert in das Entwicklungspotential Afrikas und setzt darauf, dass der Kontinent zum Niedrigkosten-Produktionsstandort und aufnahmefähigen Markt für chinesische Erzeugnisse heranwächst“, so Prof. Heilmann.

Konflikt um Taiwan droht zu eskalieren

Parallel zum strategischen Ausbau einer eigenständigen Hemisphäre wolle China das „Große Wiedererstarken der chinesischen Nation“ durch eine „Wiedervereinigung“ mit Taiwan untermauern. Die unverhüllten Drohungen Xi Jinpings, den Inselstaat notfalls mit Gewalt einzunehmen, seien als klare Kampfansage an die USA und ihre Bündnispartner zu verstehen. Sollte der Konflikt militärisch eskalieren, sei mit massiven Folgen für die Weltwirtschaft zu rechnen.

Die im Kriegsfall gegen China verhängten Wirtschafts- und Finanzsanktionen würden alle Handelspartner treffen und zu wirtschaftlichem Chaos führen. Taiwan sei zudem der weltweit wichtigste Produzent von High-End-Halbleitern, was im Konfliktfall die Versorgung mit den systemrelevanten Bauteilen gefährde. „Das Dominanzstreben Chinas und der zunehmende staatliche Dirigismus erhöhen die Risiken für Anleger. Das Land verliert unter diesen Vorzeichen deutlich an Anziehungskraft für globale Investoren“, so Rapp.

Die Studie „Chinas globales Powerplay: Wie China seine eigene wirtschaftlich-technologische Hemisphäre erschafft” ist beim FERI Cognitive Finance Institute erschienen. Sie steht zum Download unter Content Center | FERI (www.feri-institut.de) zur Verfügung. Hier der Direktlink.

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Die wirtschaftliche Öffnung Chinas wird holprig

Wenn Peking die politische Anpassung fortsetzen kann, um den Weg für eine erneute Öffnung Chinas zu ebnen, könnte der Tiefpunkt des Marktes hinter uns liegen. Von Aidan Yao*

Auch wenn die Ankündigung keinen klaren Fahrplan für die Wiedereröffnung liefert, hat sie doch die umfassendsten Änderungen an Chinas COVID-Politik seit Beginn des Kampfes gegen Omicron gebracht. Diese Änderungen kamen für den Markt überraschend, wenn man den Anstieg des Hang Seng Index um 7% und den Rückgang des CNY/USD um 1,4% betrachtet.

Wie erwartet, würde angesichts der in vielen chinesischen Vermögenswerten eingepreisten maximalen Baisse ein bloßer Hinweis auf eine Rekalibrierung der COVID-Politik ausreichen, um Anleger zu begeistern und ihre Aussichten neu zu bewerten. Wenn Peking die politische Anpassung fortsetzen kann, um den Weg für eine erneute Öffnung zu ebnen, könnte der Tiefpunkt des Marktes hinter uns liegen.

Die HTC-News sind für uns jedoch keine Überraschung. Wir sind seit langem der Ansicht, dass Peking die Anpassung seiner COVID-Politik beschleunigen wird, sobald sich der politische Staub nach dem Parteitag gelegt hat. In den letzten Wochen wurden bereits einige Maßnahmen vorgenommen, und die heutige Ankündigung bestätigt, dass es sich dabei nicht um einmalige, isolierte Änderungen handelt, sondern um Teil einer konzertierten Strategie zur Verfeinerung von Chinas Pandemiemanagement.

Wichtig ist, dass diese Anpassungen unter dem Banner der „Dynamic Zero COVID“-Politik (ZCP) vorgenommen werden – etwas, das unserer Meinung nach beibehalten wird, bis China vielleicht aufgrund seiner politischen Bedeutung den Sieg über COVID erklärt. Daher müssen Anleger mehr darauf achten, was Peking tut (z.B. die Umsetzung der Politik verfeinern), als was es sagt (z.B. ein Ende der ZCP ankündigen).

Aber Reden ist leicht, Peking muss nun Taten folgen lassen. Der Leitfaden mit den 20 Regeln enthält viele umsetzbare Strategien, was ihre Implementierung an der Basis erleichtert. Die Herausforderung besteht jedoch darin, mit der unvermeidlichen Folge eines Anstiegs der Infektionen umzugehen, wenn die administrativen Kontrollen gelockert werden.

China sieht sich derzeit mit dem schwersten Ausbruch seit der Abriegelung von Shanghai konfrontiert, und eine Lockerung der Kontrollen wird die Ausbreitung des Virus mit Sicherheit verschlimmern. Wie viel Toleranz Peking für eine Verschlechterung der Bedingungen hat, bevor es den Fuß wieder auf die Bremse stellen muss, ist unbekannt.

Aidan Yao, AXA IM

Wir sind der Meinung, dass die richtige Reihenfolge der Maßnahmen darin besteht, den medizinischen Schutz zu verstärken – durch vermehrte Impfungen, den Einsatz von antiviralen Medikamenten und den Bau von Feldlazaretten –, bevor die sozialen Beschränkungen erheblich gelockert werden. Aber selbst bei dieser Reihenfolge der Maßnahmen gibt es keine Garantie für einen reibungslosen Ablauf. Wir gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Öffnung Chinas holprig verlaufen wird, und der derzeitige Ausbruch wird ein entscheidender Test für die Entschlossenheit Pekings sein, diesen Weg weiterzuverfolgen.

*) Aidan Yao ist Senior Economist bei AXA Investment Managers

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Auf der Suche nach neuen Märkten in Südasien – außerhalb Chinas

Diese Tage steht Südasien im Mittelpunkt des wirtschaftspolitischen Geschehens: Im indonesischen Bali findet der G-20-Gipfel statt, das zum Stelldichein aller wichtigen wirtschaftlichen Nationen avanciert. Putin fehlt folgerichtig und lässt sich verstelltreten.

Bundeskanzler Scholz reist allerdings nicht direkt nach Bali – sondern über Vietnam und Singapur. Von Vietnam erwarte Scholz eine klare Positionierung zum und eine entsprechende Verurteilung des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.

Im Rahmen dessen überprüfe die Bundesregierung ihre Absatzmärkte, Lieferketten und Rohstoff-Bezugsquellen. Diese Aussicht hat Scholz bei seiner Asienreise mit im Gepäck. Vietnam spiele dabei eine wichtige Rolle, wird Scholz zitiert – Zuckerbrot und … wenn nicht Peitsche, dann zumindest ernst vorgebrachte Worte.

Natürlich müsse es verlässliche Vereinbarungen geben, die Grundlage für Wohlstand und Stabilität. Im Hinterkopf hat Scholz dabei Konflikte im Südchinesischen Meer, die das Gegenteil von Stabilität bedeuten könnten, würden sie eskalieren.

Urban Construction Landscape of Changchun City, China - Renmin SDann ist da noch die 17. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft, APK, in Singapur. Angeblich sehen sowohl Bosch wie auch Siemens keine Alternative zum größten Handelspartner Deutschlands, China. KMUs (kleine und mittlere Unternehmen / der deutsche Mittelstand) sorgt sich dagegen um bestehende und neue Abhängigkeiten vom Reich der Mitte. Bundes-Wirtschaftsminister Habeck empfahl bereits seinerseits die Suche nach neuen Märkten in Asiens Süden und schrieb sie ins Aufgabenheft des Bundeskanzlers.

Dem gemäß passt die Reiseroute nach Vietnam und von dort zur Konferenz nach Singapur, weiter erst von dort nach Bali genau ins Ablaufprogramm der deutschen Ausrichtung. In China soll ankommen: Wir haben auch Alternativen und Asien besteht aus mehr als dem Reich der Mitte – in Südasien mindestens mal.

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