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Biotest: Übernahme durch Creat gerät ins Wanken

Unter dem Mikroskop der USA: CFIUS behindert die Übernahme von Biotest durch Creat. 美国监管机构的显微镜: 美国外国投资委员会阻拦科瑞收购Biotest. Bildquelle: Adobe Stock; © kkolosov

Im März wurde bekannt, dass das hessische Pharmazeutik-Unternehmen Biotest vom chinesischen Investor Creat übernommen werden soll. Nun gerät die Übernahme durch US-Behörden ins Stocken – der Fall erinnert stark an Aixtron im letzten Jahr.

Der zuständige Ausschuss der US-Regierung zur Kontrolle von Auslandsinvestitionen (CFIUS) habe angekündigt, den Deal zwischen Biotest und Creat nicht abschließend freigegeben zu können, teilten beide Unternehmen diese Woche mit. Nun suche man weitere Gespräche mit der Behörde, um Bedenken auszuräumen, hieß es weiter.

Biotest, die sich auf die Herstellung von Arzneimitteln aus Blutplasma spezialisiert haben, und Creat hatten sich bereits im Frühjahr auf eine Übernahme geeinigt. Creat ist laut eigenen Aussagen Chinas größte börsennotierte Gesellschaft für Plasmaprodukte. Die Transaktion hat einen Wert von rund 940 Mio. EUR. Dabei wollen die Chinesen 19 EUR je Vorzugspapier und 28,50 EUR je Stammaktie den Biotest-Aktionären bezahlen.

Aktienkurs leidet

Kurz nach Bekanntgabe der vorerst auf Eis gelegten Übernahme durch Creat, ging der Biotest-Aktienkurs rund 10% nach unten – erholte sich im Laufe des Mittwochs aber wieder deutlich. Im Xetra-Handel schloss das Papier bei 23 EUR.

Die Dreieicher wären nicht das erste deutsche Unternehmen, deren Übernahme durch die US-Behörden gestoppt würde: Im vergangenen Herbst platzte der Deal zwischen Aixtron und dem chinesischen Investor Fujian Grand Chip Investment, nachdem CFIUS Sicherheitsbedenken äußerte. Daraufhin gab die Behörde den Fall an den damaligen US-Präsident Barack Obama weiter, der durch sein Veto den Verkauf für die US-Niederlassung verhinderte. Fujian zog in Folge dessen das Übernahmeangebot zurück.

Bao’an – Motor der Modernisierung in Shenzhen

Neue Zusammenarbeit: Unter der Leitung von XU Yaojun (ganz links) , Leiter der CIIPAG, besiegeln WANG Ziyun von BankM, ZHANG Ning von CMS (links) sowie ZHANG Huanping, Geschäftsführer Eurasian Consulting (ganz rechts), eine Kooperationsvereinbarung mit Vertretern der BIDA. 新的合作: 在中国国际投资促进中心(德国)主任徐遥君的主持下,BankM代表王紫沄,德国CMS德和信律师事务所代表张宁以及德国欧亚咨询总经理张焕平与宝安中德(欧)产业发展合作联盟代表共同签署了合作协议

Shenzhen steht für die Transformation Chinas wie keine andere Stadt. Vor weniger als vierzig Jahren bezeichnete der Name nur ein Fischerdorf nahe Hongkong, heute befindet sich dort eine 12-Millionen-Einwohner-Stadt. Als Vorreiter der Öffnungspolitik von Deng Xiaoping führt Shenzhen seit jeher die Modernisierung des ganzen Landes an. Auf der zweiten Station der Hidden-Champions-Investmentreise nahmen die rund dreißig M&A-Experten und Unternehmer unter der Leitung von Professor Hermann Simon im Stadtteil Bao’an an einem internationalen Kooperationsforum teil. Der Bezirk ist Motor der neuesten Modernisierungswelle in Shenzhen: Ganz im Fokus stehen dort Hightech-Industrien, vor allem Automatisierung und Robotik.

In Bao’an mit seinen 5,4 Millionen Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von 300 Mrd. RMB verläuft die wirtschaftliche Lebensader Shenzhens. Dort befindet sich auch der Flughafen der Megacity. Der Stadtteil ist ein internationaler Knotenpunkt. Mehr als 2.000 Unternehmen unterhalten Geschäfts- und Handelsbeziehungen mit Deutschland.

Bao’an erweist sich immer mehr als Top-Standort für Hightech-Branchen: Bereits über 100 Unternehmen aus der Automatisierungs- und Robotik-Branche haben sich dort niedergelassen. Einige von Ihnen haben auch schon Kooperationen mit deutschen Partnern geschlossen. Das Interesse an einer Vertiefung der Zusammenarbeit mit Deutschland ist immens. Dazu rief die Verwaltung des Bezirks die Chinesisch-Deutsche (Europäische) Allianz für Industrielle Entwicklung und Zusammenarbeit in Bao’an – kurz BIDA – ins Leben. Die Allianz hat in Deutschland bereits mehr als zwanzig Kooperationspartner, darunter den Bundesverband der Deutschen Industrie und das Fraunhofer-Institut.

Vor allem auf dem Gebiet der Elektronik und der Industrie 4.0 soll die Zusammenarbeit mit deutschen Anbietern intensiviert werden. Mit einem in diesem Jahr neu aufgelegten Investitionsfonds in Höhe von 1 Mrd. RMB im Rücken und einer eigenen Vertretung in Frankfurt hat die BIDA beste Voraussetzungen geschaffen. Die Allianz wird künftig Investoren aus Bao’an unter die Arme greifen und internationale Partnerschaften, Kooperationen und Beteiligungen mit Fokus auf deutschen Unternehmen umfassend unterstützen.

„Nur Fokus führt zu Weltklasse“

Hidden Champions in China: Prof. Dr. Dr. Hermann Simon und LIU Dianxun. Leiter der CIPA, im Gespräch in Foshan. “隐形冠军”在中国: 赫尔曼∙西蒙教授和中国投资促进事务局局长刘殿勋在佛山进行会谈

Hidden Champions sind derzeit in China ein heißes Thema. Die Innovationskraft und Effizienz der mittelständischen Weltmarktführer aus Deutschland sind zum offiziellen Vorbild für die Transformation der herstellenden Industrie des Riesenreichs geworden. Als Leiter einer Delegation der China Investment Promotion Agency stellte Prof. Dr. Dr. Hermann Simon auf dem „Deutsch-chinesischen Investment- und M&A-Forum 2017“ im kantonesischen Foshan die Geheimnisse der Hidden Champions vor.

Im Perlflussdelta befindet sich die Werkbank Chinas. Guangdong kann sich an Exportkraft mit den stärksten Nationen der Welt messen. Im direkten Vergleich mit den  Ländern mit dem höchsten Ausfuhrvolumen landet die südchinesische Provinz auf Platz acht.  Ein Viertel des chinesischen Exportwerts wird in Guangdong geschaffen. Doch um die nächste Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung zu erreichen, muss den Unternehmen dieser Region die Metamorphose von Auftragsproduzenten zu Innovations- und Weltmarktführern gelingen. Mit dem Segen des Staates sollen durch Kooperationen mit, Beteiligungen an, und Übernahmen von deutschen Mittelständlern die örtlichen Anbieter fit für die Zukunft gemacht werden.

Erfolgsgeheimnisse

Welche Bedeutung die mittelständischen Unternehmen für eine Volkswirtschaft haben können erläuterte Professor Simon, auf der Veranstaltung am 6. November im gewaltigen Sino-European Service Center in Foshan. Dort steht er unter dem Motto „Hidden-Champions-Investmentreise“ einer Delegation mit mehr als 30 M&A-Experten und Unternehmern aus Deutschland vor. Simon selbst prägte vor mehr als 20 Jahren den Begriff Hidden Champions. Er beschreibt damit Mittelständler mit einem Umsatz von bis zu 5 Mrd. EUR, die ihrem Segment zu den Weltmarktführern zählen. Zumeist sind dies Familienunternehmen und nicht börsennotierte Gesellschaften – von der breiten Öffentlichkeit werden sie häufig kaum wahrgenommen. Ihr Erfolgsgeheimnis besteht darin, dass sie über eine starke Führung – oft durch den Inhaber selbst – verfügen, die ambitionierte Ziele setzt, hochinnovativ und auf die globalen Märkte ausgerichtet sind, gleichzeitig aber nahe am Kunden sind. Vor allem aber sind sie in ihrem Segment mit ihren Produkten hochspezialisiert. „Nur Fokus führt zu Weltklasse“, resümiert Simon.

Export-Champions

Für Deutschland sind die Hidden Champions immens wichtig: Zwei Drittel der deutschen Exporte stammen von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Überraschenderweise gibt es in China eine Parallele hierzu: 68% der chinesischen Unternehmen beschäftigen weniger als 2.000 Mitarbeiter. In Foshan ist diese Struktur besonders ausgeprägt. Dort dominiert das Privatunternehmertum. 90% der Unternehmen sind Mittelständler.

China blickt auf deutschen Mittelstand

Für die wirtschaftliche Modernisierung  Chinas ist es eine Kernfrage, ob das Land eigene mittelständische Weltmarktführer vergleichbar den Hidden Champions in Deutschland entwickeln kann. Dazu möchte man die Zusammenarbeit mit Deutschland intensivieren und die Investitionsströme in beide Richtungen ausbauen. Das betonte LIU Dianxun, Leiter der China Investment Promotion Agency (CIPA). Die CIPA will sich dabei besonders auf die Förderung einzelner Regionen in China konzentrieren. Er betonte die Entschlossenheit der politischen Führung in Peking, an der Öffnungspolitik festhalten zu wollen. Auch sollen alle Unternehmen, die in China registriert sind – gleich ob chinesische oder ausländische –, gleich behandelt werden. Die Outbound-Investments sollen fortgesetzt werden. Cross-border-M&A sind laut LIU daher ein essentieller  Baustein.

Erfolgsbeispiele

Beispiele erfolgreicher Deals liefert das von Simon & Kucher herausgegebene Buch „Enterprise Value Enhancement“, das auf dem Forum vorgestellt wurde. In der Publikation, die den Auftakt zu einer Reihe von Studien über chinesische Investitionen in Deutschland darstellt, werden drei Beispiele von Übernahmen deutscher Unternehmen durch chinesische Käufer untersucht. In zwei Fällen bedeutete der Übergang in chinesische Hände die Rettung: Der insolvente Feuerwehrausrüster Ziegler wurde von dem südchinesischen Containerhersteller CIMC gerettet. Der Kauf von Dürrkopp Adler durch die Shanggong Group vor zwölf Jahren war für beide notleidende Nähmaschinenhersteller der entscheidende Schritt zurück auf den Wachstumspfad. Die Akquisition des Autozulieferers Preh durch Joyson ermöglichte dem deutschen Autozulieferer eine Umsatzvervielfachung innerhalb von wenigen Jahren. Für das bis dahin wenig bekannte Privatunternehmen aus Ningbo begann damit erst die Erfolgsstory: Nach einer Serie von Übernahmen in Deutschland, Österreich und den USA zählt Joyson mittlerweile zu den Top 100 unter den Autozulieferern weltweit.

 

 

Jifeng erreicht Sperrminorität an Grammer

Zusammenarbeit ausgebaut: Jifeng hat seine Beteiligung am Sitzhersteller Grammer erhöht. 扩大合作:继峰增持格拉默股份。Bildquelle: Adobe Stock; © Avantgarde

Im Abwehrkampf gegen die Investorengruppe der Familie Hastor kann die Grammer AG einen Punktsieg für sich verbuchen. Der chinesische Partner Ningbo Jifeng hat seinen Anteil am bayerischen Automobilzulieferer Grammer nochmals von 20,01% auf 25,51% erhöht. Hierfür dürften die Chinesen schätzungsweise weitere 35 Mio. EUR investiert haben. Damit hält Jifeng jetzt eine Sperrminorität und kann künftige Kontrollversuche von Hastor blockieren. Der Konflikt mit der bosnischen Investorenfamilie zeigt bereits negative Auswirkungen auf den Auftragsbestand und das zu erwartende Ergebnis von Grammer.

Über die Vehikel Halog und Cascade International halten die Bosnier rund 20% an dem Amberger Unternehmen. Die Hastors wollten Grammer-Vorstand Hartmut Müller bei der Hauptversammlung im Mai absetzen und den Aufsichtsrat neu besetzen, scheiterten aber mit ihren Anträgen. Die Investorengruppe hatte bereits 2015 mit einer Reihe von Übernahmen deutscher Autozulieferer für Wirbel gesorgt. Vergangenes Jahr eskalierte ein Streit mit Volkswagen und zog Produktionsausfälle beim größten deutschen Automobilkonzern nach sich.

Ungebetener Investor

Die Versuche von Nijaz Hastor und seiner Familie, die Kontrolle über Grammer zu erlangen, werden in der deutschen Automobilbranche dementsprechend mit Argwohn betrachtet. Dies hat auch längst negative Rückwirkungen auf Grammer selbst: Reuters meldet unter Berufung auf Insider, dass jüngst Daimler dem bayerischen Automobilzulieferer einen geplanten Großauftrag für Armlehnen und Kopfstützen für die neue Mercedes-C-Klasse entzogen hat. Grammer wiederum berichtet in einer Pflichtmitteilung, dass das Unternehmen aufgrund der Entwicklungen in der Aktionärsstruktur Neu- und Folgeaufträge für die nächsten drei Jahre in einem Volumen von 80 Mio. EUR verloren hat. In diesem Jahr wird dies zu einer Kostenbelastung in Höhe von rund 10 Mio. EUR führen. Die Amberger werden demnach ihre EBIT-Zielmarge von 5% verfehlen, wollen aber dennoch über dem Vorjahreswert von 4% bleiben.

Beteiligung in mehreren Schritten

Seit Februar sind Grammer und Ningbo Jifeng strategische Partner. Für den Einstieg mithilfe einer Pflichtwandelanleihe über 9,2% der Unternehmensanteile legten die Chinesen 60 Mio. EUR auf den Tisch. Nach den darauf folgenden weiteren Zukäufen an der Börse dürfte das Gesamtinvestment mittlerweile bei rund 170 Mio. EUR liegen. Beide Partner sind im Bereich Sitze und Fahrzeuginnenausstattung tätig und wollen die Zusammenarbeit in Asien und insbesondere China ausbauen. Grammer erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit 12.000 Mitarbeitern bei einem Umsatz von fast 1,7 Mrd EUR ein EBIT von 73 Mio. EUR. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei rund 624 Mio. EUR, die des Partners Jifeng bei umgerechnet circa 1 Mrd. EUR.

Mason aus Hongkong kauft Liechtensteiner Bank

Chinesische Investoren im Fürstentum: Die Hongkonger Mason Group kauft die Liechtensteiner Raiffeisen Privatbank. 香港茂宸集团收购列支敦士登银行: 位于古堡中的银行. Bildquelle: Adobe Stock; © dudlajzov

Die Mason Group Holdings aus Hongkong übernimmt die Raiffeisen Privatbank Liechtenstein für 58,6 Mio. CHF (rund 50 Mio. EUR). Verkäufer sind die Walser Privatbank und die Raiffeisenbank Kleinwalsertal Beteiligungsmanagement aus Österreich. Das Hongkonger Konglomerat verschafft sich damit ein Standbein in Europa für den Bereich Wealth Management. Die Genehmigung der Finanzmarktaufsicht in Vaduz steht noch aus.

Die Mason-Gruppe, die vor allem in den Bereichen Finanz- und Gesundheitsdienstleistungen aktiv ist, zielt mit der Übernahme darauf ab, wohlhabenden Privatkunden und Vermögensverwaltern aus dem asiatischen Raum auch in Europa eine Anlaufstelle anbieten zu können. Im Gegenzug soll der Raiffeisen Privatbank Liechtenstein durch neue Investitionen die Erschließung asiatischer Märkte erleichtert werden.

„Mit dem Einstieg der Mason Group Holdings bieten sich jetzt auch interessante Wachstumsperspektiven mit asiatischen Kunden, die sowohl die Qualität des europäischen Private Bankings als auch die Stabilität Liechtensteins besonders schätzen“, kommentiert Dr. Alexander Putzer, Vorsitzender der Geschäftsleitung in einer Mitteilung den Verkauf seines Instituts. Für die Kunden und Partner der Raiffeisen Privatbank Liechtenstein soll demnach alles beim Alten bleiben, die Bank werde ihre Geschäfte in gewohnter Weise fortführen. Die Ansprechpartner sollen ebenfalls dieselben bleiben.

Die Raiffeisen Privatbank Liechtenstein beschäftigt 33 Mitarbeiter und verwaltet Kundenvermögen in Höhe von etwas mehr als 1 Mrd. CHF (rund 900 Mio. EUR). Die Bilanzsumme belief sich im Geschäftsjahr 2016 auf knapp 370 Mio. CHF (315 Mio. EUR). Der Gewinn lag im ersten Halbjahr 2017 bei 1,3 Mio. CHF (1,1 Mio. EUR). Für die Walser Privatbank war der Verkauf des Liechtensteiner Finanzinstituts durch den Wegfall des österreichischen Bankgeheimnisses unumgänglich geworden. Die Österreicher richten ihr Angebot in erster Linie an vermögende Privatkunden in Deutschland und besitzt neben dem Hauptsitz mit zwei Filialen im Kleinwalsertal auch Zweigstellen in Düsseldorf und Stuttgart.

Chinas Biotech-Revolution

Die medizinische Biotechnologie ist eine hoch dynamische, doch sehr spezielle Branche. Einerseits multinational bestens vernetzt, andererseits akademisch geprägt und teils nerdig. Die zahlreichen deutsch-chinesischen Kooperationen funktionieren ebenfalls nach etwas anderen Regeln als in den klassischen Industrien. Doch auch hier spielen Beteiligungen und Übernahmen eine zunehmend wichtigere Rolle. Von Mark Fehr

Wer in die weltweit vernetzte Biotech-Branche investieren will, muss über viele internationale Ecken spielen. Wie das funktioniert, lässt sich am Beispiel der Münchner Beteiligungsgesellschaft TVM Capital Life Science beobachten. TVM hat 2015 einen 50 Mio. USD großen Venture-Capital-Fonds namens China Biopharma Capital I aufgelegt. Beraten wird der Fonds von TVMs Hongkonger Büro aus. Mit an Bord ist die chinesische Pharmafirma Lummy aus der zentralchinesischen Metropole Chongqing. Lummy notiert an der Börse in Shenzhen und beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter. Das Fondskapital soll in westliche Jungunternehmen aus der Biotech-Branche fließen, deren Produkte sich für die Lizenzierung, Entwicklung und Vermarktung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt eignen könnten. Seit September 2016 gehört nun das Start-up Quantapore aus dem Silicon Valley zum Portfolio, welches eine besonders kostengünstige Plattform für die Entschlüsselung von menschlichen Erbinformationen entwickelt.

Professor Ole Döring, Direktor, SIGENET

„Chinesischen Wissenschaftlern steht eine sehr leistungsfähige Informationstechnologie zur Verfügung.“ (Professor Ole Döring, Direktor, SIGENET)

Vermarktung im Reich der Mitte

Umsätze chinesischer Biopharmazieeunternehmen (in Mrd. RMB - Quelle: CIConsulting)
Umsätze chinesischer Biopharmazieeunternehmen (in Mrd. RMB – Quelle: CIConsulting)

Diese TVM-Transaktion setzt auf Produktentwicklung im Westen und die Vermarktung in China. Dazu passt, dass der wegen des steigenden Wohlstands und der alternden Gesellschaft wachsende chinesische Gesundheitsmarkt ein Absatzvolumen verspricht, das groß genug ist, um die hohen Forschungsausgaben für biotechnische Innovationen amortisieren zu können. Aber die Zusammenarbeit mit China ist in der Biotech-Branche keine Einbahnstraße. Denn Chinas ehrgeizige Wissenschaftler und Forschungsinstitutionen beschleunigen die Entwicklung von neuen Produkten in der medizinischen Biotechnologie, sodass die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern nicht nur bei der Markterschließung helfen kann, sondern auch bei der Suche nach neuen Ideen.

Kulturelle Wurzeln

„Die chinesische Kultur ist eine Bildungskultur, in der Lernen und Wissen anerkannte Werkzeuge beim gesellschaftlichen Aufstieg sind“, sagt Ole Döring, Professor am Ostasiatischen Seminar der Freien Universität Berlin und Direktor des Sino-German Network for Public Health and Bioethics (SIGENET) an der Charité. Chinesische Wissenschaftler und Naturwissenschaftler in der Bioforschung seien ganz besonders leistungsbereit und leistungsfähig. Chinaexperte Döring forscht zur Medizin- und Bioethik und hat daher tiefe Einblicke in den chinesischen Wissenschaftsbetrieb, insbesondere in die medizinische und biotechnische Forschung.

Praxisnahe Forschung

Quellen: dealogic, eigene Recherche; n.v.: nicht veröffentlicht
Quellen: dealogic, eigene Recherche; n.v.: nicht veröffentlicht

Westlichen Unternehmen kann bei der Zusammenarbeit mit chinesischen Wissenschaftlern entgegenkommen, dass die Übergänge zwischen akademischer Forschung und praktischer Anwendung in China laut Döring viel fließender verlaufen als zum Beispiel in Deutschland. Von chinesischen Forschungsinstituten werde regelrecht erwartet, dass sie mit ihren Ergebnissen Geld verdienen. „Das chinesische Forschungssystem ist sehr modern und den chinesischen Wissenschaftlern steht eine sehr leistungsfähige Informationstechnologie zur Verfügung“, beobachtet Döring. Die IT-Qualität ist in der Biotechnologie besonders entscheidend, wo viele Experimente per Computer berechnet werden. So qualifizierte sich das renommierte Beijing Genomics Institute (BGI) mit Sitz in der Industriestadt Shenzhen schon in den 1990er-Jahren als einziger Vertreter eines Entwicklungslandes für die Teilnahme am internationalen Humangenomprojekt (HGP), bei dem sich Wissenschaftler aus aller Welt zur systematischen Erforschung der menschlichen Erbanlagen zusammenschlossen, um etwa Therapien gegen Erbkrankheiten zu entwickeln.

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Chinesisch-chinesischer Deal in Deutschland

Kohle für China: EKOF kann mit seinem Verfahren Kohle und andere Mineralien aus feinkörnigen Substanzen herausfiltern. EKOF拥有分离微型碳颗粒及其他所需微粒的工艺技术. Bildquelle: Adobe Stock; © Modella

Der Hongkonger Investor REFD erwirbt 100% an der Bochumer EKOF Mining & Water Solution GmbH. Verkäufer ist die KHD Humboldt Wedag International AG, Tochter eines chinesischen Staatskonzerns. REFD ist das Investitionsvehikel einer chinesischen Familie, die bisher nicht namentlich in der Öffentlichkeit in Erscheinung getreten ist. Für den chinesischen Käufer ist die Übernahme des mittelständischen Chemieunternehmens die erste Transaktion in Deutschland.

Die 1921 gegründete EKOF ist auf Produkte im Bereich der Flotation und der Wasserbehandlung spezialisiert. Für die Flotation, einem Verfahren zur Filterung von Mineralien und anderen Rohstoffen aus einer feinkörnigen Masse durch Schaumschwimmaufbereitung, bietet das Traditionsunternehmen sowohl Anlagen also auch die für das Verfahren notwendigen Reagenzien an.

Der Verkäufer KHD Humboldt Wedag ist selbst mehrheitlich in chinesischer Hand. 2013 stieg der Staatskonzern Aviation Industry of China (AVIC) zunächst mit einer Beteiligung von 19% in den Kölner Maschinen- und Anlagenbauer ein. Mittlerweile hält AVIC einen Anteil von annähernd 80% an dem Zementindustrieunternehmen. Der chinesische Konzern ist in Deutschland bereits mehrfach als Investor aufgetreten: Allein im Jahr 2014 übernahm AVIC mit Koki, Kokinetics und Hilite International drei deutsche Automobilzulieferer.

Zum Kaufpreis und weiteren Einzelheiten der Akquisition von EKOF äußerten sich die beteiligten Parteien nicht. Beraten wurde REFD durch GvW Graf von Westphalen. Erst im April hatte die Kanzlei mit Romaco einen anderen chinesischen Investor bei seiner ersten Transaktion in Deutschland begleitet.

Erste Erfahrungen mit neuer Regulierung für Auslandsbeteiligung in China

Mit Wirkung zum 1. Oktober 2016 wurde das in China geltende Verfahren zur Gründung und Änderung ausländisch investierter Unternehmen (Foreign-Invested Enterprises – „FIE“) durch eine Gesetzesänderung wesentlich vereinfacht. Zuvor musste die Gründung eines FIE beim chinesischen Handelsministerium (MOFCOM) im Vorhinein genehmigt und bei der Handelsregisterbehörde registriert werden.

Umstellung auf Meldeverfahren

Anstelle des Genehmigungsverfahrens ist seit Oktober letzten Jahres ein vereinfachtes Meldeverfahren getreten, dessen Einzelheiten in der am 8. Oktober 2016 in Kraft getretenen Meldeverordnung durch das MOFCOM geregelt wurden. Solange die Unternehmenstätigkeit des FIE keiner speziellen Verwaltungsbeschränkung unterliegt, bedarf es nun lediglich einer nachträglichen Anmeldung. Ausschlaggebend dafür, ob eine Verwaltungsbeschränkung vorliegt, ist die neue „Negativliste“, die in dem sogenannten Investitionslenkungskatalog (Catalogue for the Guidance of Foreign-Investment Industries) enthalten ist, der am 28. Juli in Kraft getreten ist. Die Anmeldung (Record Filing) durch das FIE erfolgt über ein Online-System auf der Seite des MOFCOM und kann entweder vor Erhalt der neuen oder geänderten Geschäftslizenz oder bis zu 30 Tage danach vorgenommen werden. Die einzureichenden Unterlagen sind ebenfalls online hochzuladen, wobei sich die Anzahl der erforderlichen Dokumente deutlich reduziert hat. Sind alle Unterlagen eingereicht, soll die Bearbeitungsdauer drei Arbeitstage betragen.

Für M&A-Transaktionen mit Auslandsbeteiligung blieb es allerdings zunächst auch unter der oben genannten Gesetzeslage weiterhin bei dem zähen Genehmigungsprozess. M&A-Deals wurden folglich bei der Anwendung der Meldeverordnung erst einmal ausgeklammert.

Neu: einfache Anmeldung auch bei M&A-Transaktionen

Doch am 30. Juli wurde die Meldeverordnung vom MOFCOM abgeändert und das Meldeverfahren für ausländische Investments auch auf M&A-Transaktionen ausgeweitet. Zusammen mit der neuen Verordnung hat das MOFCOM eine Ankündigung (Nr. 37) erlassen, die Details zur Implementierung der Novellierung sowie auch das geänderte Antragsformular für die Errichtung eines FIE (Incorporation Application) sowie jenes für die Änderung eines FIE (Change Application) beinhaltet.
Die Umsetzung kam schneller als erwartet. Erst zwei Monate zuvor hatte das MOFCOM einen Überarbeitungsentwurf der Meldeverordnung veröffentlicht.

Wesentliche Änderungen der Meldeverordnung

Auch Übernahmen rein inländischer Unternehmen durch ausländische Investoren unterliegen nun nur noch der Meldepflicht und sind mithin genehmigungsfrei, sofern die Unternehmenstätigkeit der Zielgesellschaft nicht unter die Negativliste fällt. Ebenso unterfallen strategische Investments an börsennotierten Unternehmen der neuen Meldepflicht. „Strategische Investments“ umfassen dabei den Kauf sogenannter „A-Shares“ börsennotierter Unternehmen durch mittel- oder langfristige strategische Fusionen oder Investments einer gewissen Größenordnung. Die in Shanghai und Shenzhen gelisteten A-Shares sind in der Regel nur für ausgewählte ausländische institutionelle Investoren handelbar.

Nach der geänderten Meldeverordnung werden der Erwerb einer inländischen Gesellschaft sowie auch strategische Investments in inländische börsennotierte Unternehmen durch ausländische Investoren nun wie die Errichtung eines FIE behandelt. Entsprechend ist bei der Anmeldung eines Unternehmenskaufs oder eines strategischen Investments der Antrag für die Errichtung eines FIE auszufüllen. Hingegen wird ein strategisches Investment durch einen neuen ausländischen Investor, der in ein bestehendes, börsennotiertes FIE investiert, wie die Änderung eines FIE behandelt. Ebenso verhält es sich, wenn sich die Eckdaten einer M&A-Transaktion ändern, beispielsweise die Zahlungsmethode oder der Kaufpreis. In diesen Fällen ist die Anmeldeform für die Änderung eines FIE heranzuziehen, wobei die Änderungen innerhalb von 30 Tagen angezeigt werden müssen.

Genehmigungszwang für „Round-Trip-Investitionen“

Nach dem Investitionslenkungskatalog fallen sogenannte „Round-Trip-Investitionen“ durch inländische Gesellschaften nicht in den Anwendungsbereich der neuen Meldeverordnung. Das heißt, ist das Erwerbsunternehmen von inländischen Investoren im Ausland gegründet worden oder wird es von inländischen Investoren kontrolliert, muss die Transaktion daher auch weiterhin vom MOFCOM geprüft und genehmigt werden. Mit dem Beibehalten des strengeren Genehmigungsprozesses für Round-Trip-Investments gedenkt die chinesische Regierung, Kapitalabflüsse ins Ausland zu beschränken.

Erste Deal-Erfahrungen mit neuen Erfordernissen

Während nach der neuen Meldeverordnung zwar grundsätzlich weniger Begleitunterlagen zu den Anträgen notwendig sind, liegt es im Ermessen der örtlichen Behörden, über die in der Meldeverordnung aufgezählten Unterlagen hinaus auch weitere Dokumente einzufordern. Die jüngsten Deal-Erfahrungen haben gezeigt, dass der Umfang der zusätzlich geforderten Unterlagen stark von der jeweiligen Behörde abhängig ist.

Ferner sieht aber auch die geänderte Meldeverordnung neue Erfordernisse im Hinblick auf die einzureichenden Unterlagen vor:

  • So soll im Fall, dass ein ausländischer Investor Eigenkapital an einem ausländischen Unternehmen zur Zahlung nutzt, zum Beispiel bei einem Share Swap, ein sogenanntes „Outbound-Investment Certificate“

für die inländische Gesellschaft eingereicht werden, die das Eigenkapital an der ausländischen Gesellschaft erhält.

  • Ferner soll ein Struktur-Chart der Zielgesellschaft eingereicht werden, aus dem sich ergibt, von wem die tatsächliche Kontrolle auf das FIE ausgeübt wird. Die Struktur muss den „final actual shareholder“ abbilden, was nach bisheriger Erfahrung mit den chinesischen Behörden entweder eine natürliche Person sein kann oder aber eine börsennotierte Aktiengesellschaft. Dieses Erfordernis stellt insbesondere Private-Equity-Fonds vor Probleme. Der Umgang mit diesen ist nach bisheriger Erfahrung von Behörde zu Behörde unterschiedlich. So wurde ein Private-Equity-Fonds zuletzt von einer Behörde wie eine börsennotierte Aktiengesellschaft behandelt und damit auf das Erfordernis verzichtet, jede natürliche Person aufzulisten, die Anteile an dem Fonds hält. Andere Behörden zeigten sich diesem Argument zunächst nicht so aufgeschlossen. Wie bei vielen China-Deals kommt es also auch hier darauf an, Überzeugungsarbeit bei den chinesischen Behörden zu leisten.

Fazit

Die bisherige Genehmigungspraxis für ausländische Direktinvestments ist in China weitestgehend abgeschafft worden. Eine Genehmigung ist nur noch für solche M&A-Transaktionen und strategische Investments erforderlich, die unter die Negativliste fallen, sowie für Round-Trip-Investments. Die Umstellung auf die neue Meldepflicht bedeutet eine massive Erleichterung für M&A-Projekte und strategische Investments in börsennotierte Unternehmen. Durch den vereinfachten und beschleunigten Prozess wird die Transaktionssicherheit erhöht und Kosten werden verringert. M&A-Deals in China sind damit attraktiver geworden.

Dieser Beitrag erschien in Printausgabe 4-2017.

Küchenbauer Siematic geht an Nison

Der chinesische Hausgerätehersteller Nison übernimmt die Mehrheit an dem Küchenanbieter Siematic. Verkäufer sind die Familiengesellschafter Ulrich Siekmann und Kathrin André, die weiterhin eine Minderheit behalten werden. Auch die Geschäftsführung um Siekmann und Silvia Weppler soll bestehen bleiben. Löhne in Nordrhein-Westfalen wird auch künftig Hauptsitz und Produktionsstandort des Premiumanbieters von Küchenmöbeln sein. Der Abschluss der Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Zustimmung. Zu den finanziellen Details haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

Siematic will in China weiter wachsen und neben dem Einzelhandelssegment insbesondere das Objektgeschäft ausbauen. Bislang war das Reich der Mitte mit einem Umsatzanteil von knapp 4% der sechstgrößte Absatzmarkt für den nordrhein-westfälischen Küchenbauer. Gerade auch durch den Ausbau des Vertriebsnetzes in China in Zusammenarbeit mit dem neuen Investor Nison verspricht sich das Unternehmen hohes Wachstumspotenzial. Siematic ist mit seinen Tochtergesellschaften und Vertriebspartnern in rund 60 Ländern vertreten. Kernmärkte des Unternehmens sind Europa und die USA.

Die Nison-Gruppe ist neben dem Bereich Haushaltsgeräte auch im Immobiliensektor tätig und betreibt zudem in Suzhou ein Hotel. Im Hausgerätesegment zählt das Familienunternehmen nach eigenen Angaben zu den führenden Anbietern in China und vereint mehrere Premiummarken unter seinem Dach. Im vergangenen Jahr erzielte Nison mit rund 10.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 900 Mio. USD.

Lince holt sich Bahntechnikspezialist mdexx

Rasende Entwicklung: Chinas Regierung fördert massiv den Eisenbahnsektor. 高速发展: 中国政府大力建设铁路交通. Bildquelle: Fotolia; © gui yong nian

Die Zhuzhou Lince Group übernimmt vollständig die mdexx GmbH aus Weyhe in Niedersachsen. Beide Unternehmen sind im Bereich Eisenbahntechnik tätig und planen eine vertiefte strategische Zusammenarbeit in Europa und China. Verkäufer ist die Münchner Private Equity Gesellschaft Quantum Capital Partners, die mit dem Trade Sale einen erfolgreichen Exit aus ihrem 2014 aufgelegten ersten Fonds verbucht. Zum Kaufpreis äußerten sich die Beteiligten nicht.

Die mdexx Gruppe erhofft sich als neues Tochterunternehmen des Eisenbahnzulieferers aus der Provinz Hunan einen besseren Marktzugang in China sowie im asiatischen Raum insgesamt. Lince zielt im Gegenzug auf eine verbesserte internationale Positionierung ab. „Die Akquisition ermöglicht uns beiden die engere Zusammenarbeit in Osteuropa“, präzisiert XIAO Yongmin, Vorstandsvorsitzender der Lince Group, die Absichten für sein Unternehmen und die neue Tochter. Die Eisenbahntechnik ist einer der zehn Kernbereiche moderner Industrien, deren technologisches Upgrade von der chinesischen Regierung im Rahmen des Entwicklungsplans „Made in China 2025“ gezielt gefördert wird.

International aktiver Mittelständler

Der norddeutsche Mittelständler mdexx entwickelt und produziert Drosselspulen, Filter, Regeltransformatoren sowie Axial und Radialventilatoren für den Eisenbahnsektor,daneben aber auch für andere Industrieanwendungen sowie den Bereich der erneuerbaren Energien. Das Unternehmen beschäftigt rund 500 Mitarbeiter in Weyhe, Trutnov (Tschechien) und Tianjin (China). Im Geschäftsjahr 2015/16 erwirtschaftete mdexx einen Umsatz von circa 51 Mio. EUR und verzeichnete beim Ergebnis einen Fehlbetrag von rund 200.000 EUR. 2014/15 hatte das Minus noch bei 3,98 Mio. EUR gelegen. Im laufenden Geschäftsjahr soll laut Verkäufer Quantum Capital eine nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone endgültig gelingen.

Wichtiger Player in China

Die 1979 gegründete Lince mit Hauptsitz in Zhuzhou gilt als ein wichtiger Zulieferer für den chinesischen Eisenbahnsektor. Das Unternehmen stellt vorwiegend Strukturkomponenten sowie Lüftungs- und Kühlungssysteme her. Mit über 3.000 Mitarbeitern erwirtschaftete Lince im vergangenen Jahr einen Umsatz von umgerechnet rund 450 Mio. EUR. Bei der Akquisition von mdexx wurde Lince von Rödl & Partner in rechtlichen, steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen beraten.

Tencent und Navinfo machen Rückzieher bei Here

In der Sackgasse: CFIUS macht Tencent und Navinfo einen Strich durch die Rechnung. 美国监证会的否决使腾讯和四维图新的注资计划搁浅. Bildquelle: Fotolia; © Syda Productions

Das Konsortium aus Tencent, Navinfo und Singapurs Staatsfonds GIC gibt sein Vorhaben auf, einen Anteil von 10% an Here zu erwerben. Das teilt der chinesische Kartendienst Navinfo in einer Unternehmensmeldung mit. Die Zusammenarbeit mit den Eigentümern von Here, den deutschen Autokonzernen Audi, BMW und Daimler, sei reibungslos verlaufen und neben der Beteiligung gemeinsam geplante Projekte sollen auch nach dem Scheitern der Transaktion fortgesetzt werden. Ausschlaggebend für die Aufgabe der Beteiligung sei das Ausbleiben einer Genehmigung durch das Committee on Foreign Investments in the United States (CFIUS).

Laut der Unternehmensmeldung habe Navinfo aktiv mit CFIUS zusammengearbeitet und in zehn Fällen Anfragenkataloge der US-Aufsichtsbehörde beantwortet. Letztlich habe man keinen positiven Bescheid bekommen, sodass das Konsortium das Beteiligungsvorhaben aufgab. Über die Gründe für die Blockadehaltung von CFIUS wird in den Medien spekuliert. Ein Grund könnte sein, dass auch der amerikanische Chipriese Intel an Here beteiligt ist. In einem anderen Fall hatte US-Präsident Donald Trump auf Empfehlung von CFIUS erst Mitte September die geplante Übernahme des Halbleiterherstellers Lattice durch den chinesischen Private Equity Fonds Canyon Bridge untersagt. In Deutschland scheiterte im vergangenen Jahr die Übernahme von Aixtron durch Fujian Grand Chip Investment ebenfalls an einem Veto des damaligen Präsidenten Barack Obama – ausschlaggebend war auch damals die Ablehnung der Transaktion durch CFIUS.

Konkurrenz für Google & Co.

Das asiatische Konsortium um Navinfo gab die geplante 10%-Beteiligung Ende Dezember vergangenen Jahres bekannt. Demnach hätte die Transaktion  im ersten Halbjahr 2017 abgeschlossen sein sollen. Audi, BMW und Daimler hatten Here 2015 für 2,6 Mrd. EUR von dem finnischen Telekommunikationsausrüster Nokia erworben. Die drei deutschen Autobauer wollten mit der Akquisition von Here sicherstellen, dass die US- Internetriesen Google und Apple künftig nicht alleine über Schlüsseltechnologien für Assistenzsysteme, Navigation und autonomes Fahren verfügen werden.

Kooperation wird fortgeführt

Die Konsortiumsmitglieder planen auch nach der geplatzten Beteiligung die Zusammenarbeit mit Here fortzusetzen. So will Tencent die Karten- und Lokalisierungsdienste von Here in die eigenen Produkte und Services zu integrieren. Navinfo wird mit der ehemaligen Nokia-Tochter ein Joint-Venture für Navigationsservices in China gründen. Das Gemeinschaftsunternehmen soll unter anderem hochauflösende Karten auf den Markt bringen, die für die Navigation von selbstfahrenden Fahrzeugen benötigt werden.

Die Unternehmensmeldung von Navinfo (auf Chinesisch) finden Sie hier.

Teurer als gedacht: 5,8 Mrd. EUR für ista

Viel Geld aus Hongkong: Li Ka-shings Konglomerat Cheung Kong zahlt für ista fast 5,8 Mrd. EUR. 巨额出资: 李嘉诚的长江集投资近58亿欧元收购德国智能电表公司Ista. Bildquelle: Adobe Stock; © kalafoto

Laut jüngsten Medienberichten zahlt die Hongkonger Cheung Kong Property Holdings für die Übernahme des Mehrheitsanteils an der ista international GmbH insgesamt rund 5,8 Mrd. EUR – weit über 1 Mrd. EUR mehr als ursprünglich gemeldet. Damit wird der Verkauf des deutschen Energiedienstleisters, der bisher zum Portfolio der Luxemburger Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners gehörte, auch zum bisher teuersten Private-Equity-Deal in Deutschland. Diesen Rekord hielt zuvor die 5,2 Mrd. EUR schwere Übernahme des M-DAX-Pharmakonzerns Stada durch  Bain und Cinven.

Bereits Ende Juli war der Verkauf von ista an Cheung Kong bekannt geworden. Damals hieß es jedoch aus Unternehmenskreisen, dass die Hongkonger rund 4,5 Mrd. EUR für das Essener Unternehmen auf den Tisch legen wollten. Vor einigen Tagen meldete jedoch Cheung Kong an die Hongkonger Börse, dass man rund 3,93 Mrd. EUR für die Anteile an ista aufwenden werde – 226 Mio. EUR mehr als ursprünglich vorgesehen. Hinzu kommen Bankschulden und andere Verbindlichkeiten des Targets. Laut dem Börsendokument addieren sich die Aufwendungen auf insgesamt 5,776 Mrd. EUR.

Investmentvehikel gegründet

Als künftigen Gesellschafter für ista hat der chinesische Konzern ein eigenes Investmentvehikel gegründet. Daran ist der Immobilienarm Cheung Kong Property Holdings mit 65% und der Infrastrukturspezialist Cheung Kong Infrastructure Holdings mit 35% beteiligt.

Mulitple von 13,75

Das Geschäftsmodell von ista besteht in der individuellen Erfassung und Abrechnung von Energieverbrauchdaten von Wohn- und Gewerbeimmobilien. Dabei setzt der Energiedienstleister für die Messtechnik selbst entwickelte Hardware ein. Das Unternehmen beschäftigt über 5.400 Mitarbeiter und betreut mehr als 12 Millionen Wohnungen und Gewerbeimmobilien in 24 Ländern. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die Essener einen Umsatz von 850 Mio. EUR. Für dieses Jahr wird ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 420 Mio. EUR erwartet. Bei dem jetzt bekannt gewordenen Preis von rund 5,8 Mrd. EUR liegt damit das Multiple des aktuellen EBITDA bei einem Wert von 13,75. Der Fonds V des Luxemburger Buyout-Spezialisten CVC Capital Partners hatte ista im April 2013 für 3,1 Mrd. EUR erworben.