Anleger sollten sich nicht vor dem Jahr des Tigers fürchten

Alexander Limbach - Adobe Stock

Bildnachweis: Alexander Limbach – Adobe Stock.

China bereitet sich auf den Jahreswechsel vor und startet am 1. Februar 2022 in das Jahr des Tigers. Vor diesem Hintergrund gibt Jimmy Chen, Portfoliomanager des Comgest Growth China Fonds, einen Ausblick auf den chinesischen Aktienmarkt. Trotz der strengen Regulierungsmaßnahmen, die ausländische Investoren 2021 verschreckt haben, sieht der Experte zahlreiche Chancen für Wachstumsinvestoren. 

Chen: „Das Jahr des Tigers wird unserer Einschätzung nach für Investoren besser laufen, als es der Name vermuten lässt. 2022 könnte die Inflation rund um den Globus nach oben schnellen. In diesem Fall könnte sich China als Zufluchtsort erweisen, da die Inflation dort niedrig bleibt und die Geldpolitik gelockert wird.“ Zusätzlich wird davon ausgegangen, dass die behördlichen Maßnahmen nachlassen werden. China hätte nach wie vor einige höchst innovative Unternehmen zu bieten, beispielsweise in den Bereichen Videospiele bzw. Gaming, Elektromobilität und Biopharma. Comgest ist überzeugt, dass die chinesische Regierung ihre langfristigen Reform-Bemühungen zugunsten der Innovation im Lande fortsetzen wird. „Für internationale Investoren bietet China eine Diversifizierung gegenüber entwickelten Märkten. Da der KGV-Abschlag Chinas gegenüber den USA fast den Höchststand des letzten Jahrzehnts erreicht hat und das geschätzte Gewinnwachstum hoch ist, könnte sich die geringe Korrelation im Jahr des Tigers zugunsten chinesischer Aktien auswirken. China erfordert eine gewisse unkonventionelle Herangehensweise, da das Land schon oft mit starker Performance überrascht hat, obwohl es börsentechnisch am Boden zu sein schien“, so Chen weiter.

Was hinter „Gemeinsamen Wohlstand“ steckt

Es sei unwahrscheinlich, dass sich die Intensität der behördlichen Regulierungsmaßnahmen aus 2021 in diesem Jahr wiederhole. Das liege nicht daran, dass das Vorantreiben des „Gemeinsamen Wohlstandes“ vorbei sei, ganz im Gegenteil. Die chinesische Regierung verfolge vielmehr das langfristige Ziel, immer mehr Bürgern den Zugang zu einem Lebensstil in der Mittelschicht zu ermöglichen.

Tai Fook, Anta und Midea

Comgest sieht Chancen in Unternehmen, die sich mit ihren Produkten oder Dienstleistungen an Chinas Mittelschicht richten. Investiert wird deshalb beispielsweise in den Juwelier Chow Tai Fook, die chinesische Tiffany & Co, und in die Sportbekleidungsmarke Anta, ein sehr erfolgreicher Mitbewerber von Adidas und Nike. Beide sind generationsübergreifend, einschließlich der Generation Z, sehr beliebt. Da sie „Made in China“ sind, profitieren sie auch vom sogenannten „Guochao“ – einem Trend in der jüngeren chinesischen Bevölkerung, mehr Geld für regionale Marken auszugeben. Midea, einer der innovativsten Hersteller von Haushaltsgeräten, ist ein weiteres Beispiel. Das hochmoderne, direkt an die Konsumenten gerichtete Online-Vertriebsmodell hat es Midea ermöglicht, während der COVID-Krise sowohl in China als auch im Ausland sehr stark zu wachsen.

Chinas Pendant zum Hollywood-Blockbuster

China seit zudem Heimat einiger sehr dynamischer und innovativer Unternehmen. Als Beispiel nennt Chen den Bereich Video-Spiele und dabei vor allem die Sparte mobile Handy-Spiele. „Sie sind ein großer Teil des chinesischen Kulturexports und somit Chinas Äquivalent zum Hollywood-Film. Unternehmen wie Tencent und Netease haben einen riesigen Inlandsmarkt, um ihre Expertise in der Branche auszubauen und Skaleneffekte zu erreichen. Das Internet-Unternehmen Tencent lernt schnell, denn die regulatorischen Kontrollen reichen von Spielen über soziale Medien bis hin zu E-Commerce“ merkt Chen an. Deshalb hätten chinesische Behörden das Unternehmen im Visier. Ein internes Umdenken habe dazu geführt, dass Tencent im vergangenen Jahr bei Investitionen in China vorsichtiger geworden sei und sich nun stärker auf die Expansion im Ausland konzentriere. Aufgrund seiner allgegenwärtigen App WeChat, seiner Dominanz in der chinesischen Gaming-Szene und seiner Investitionen im Ausland solle das Unternehmen in der Lage sein, seinen Wachstumskurs der letzten zehn Jahre fortzusetzen.

Hightech und Healthcare

Mit starker staatlicher Unterstützung und dem Bestreben, China zu einem Hightech-Standort zu machen, haben sich chinesische Unternehmen technologisches Knowhow in aufstrebenden Wachstumsmärkten wie der Elektromobilität angeeignet. Dank Spitzentechnologie und hochmoderner Produktion können die dynamischsten Marktteilnehmer große Teile des Marktes abdecken.

Auch der chinesische Healthcare-Markt entwickele sich rasch weiter, nachdem China sich das Ziel gesetzt hat, das öffentliche Gesundheitssystem zu verbessern. „Das Reich der Mitte hat die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich stark ausgebaut, um westliche Player einzuholen“, sagt Chen.

Genannt werden in diesem Zusammenhang zwei Unternehmen: WuXi Biologics, das sich laut Comgest bereits zum größten Outsourcing-Partner der globalen biopharmazeutischen Industrie entwickelt, wenn es um die Entdeckung und Entwicklung biologischer Arzneimittel geht. Es erziele bereits 70 Prozent seiner Einnahmen außerhalb Chinas. Weiter nennt Comgest das Unternehmen Bafang Electric. Einer der größten Hersteller von Elektromotoren für Elektrofahrräder. Obwohl das Unternehmen noch jung sei – es wurde 2003 gegründet – stehe es bereits im direkten Wettbewerb mit Shimano und Bosch.

Redaktion IPCD