Endgültige Regeln für Schanghaier Tech Innovation Board veröffentlicht

(Bild: http://german.china.org.cn/txt/2019-03/15/content_74574812.htm)

Bereits im November vergangenen Jahres verkündete Präsident Jinping Xi, anlässlich der Eröffnung der China International Import Expo, dass die Shanghai Stock Exchange (SSE) die Errichtung eines Science and Technology Innovation Board (STIB) angehen werde. Insbesondere den kapitalintensiven Technologie- und Zukunftsbranchen soll so die Möglichkeit gegeben werden, sich schneller und effektiver am chinesischen Kapitalmarkt zu finanzieren.

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Nun hat die SSE die finalen Richtlinien für die den jeweiligen IPO begleitenden Sponsoren veröffentlicht. Die betreffenden Banken müssen dabei 2 – 5% der Anteile des an die Börse gehenden Unternehmens erwerben. Der Pflichtteil wird dabei von der erreichten Marktkapitalisierung definiert: Bei einem Wert von unter 1 Mrd. CNY muss die Bank wenigstens 5%, ab über 5 Mrd. CNY mindestens 2% der ausgegebenen Anteile erwerben. Die Mindesthaltefrist für die so erworbenen Aktien beträgt 24 Monate.

Die Regeln sollen die beteiligten Banken zu einem konservativen und verantwortungsvollen Vorgehen anhalten. Eine übertrieben Börsengangmanie und allgemeines Heißlaufen des jungen Segments will die SSE so verhindern. Aus internationaler Sicht sind die Regeln ungewöhnlich, allerdings sind bisher auch keine internationalen Banken beteiligt. Die derzeit 79 Bewerber, die an der STIB ein Börsendebut planen, werden dabei von inländischen Banken betreut.

Bereits Ende Januar hatte die SSE eine erste Version der Richtlinien veröffentlicht. Die dabei wichtigste Regelung ist, dass IPOs nicht mehr wie bisher von der Genehmigung des Public Offering Review Committee (PORC) abhängen. Unternehmen können sich zum Börsengang anmelden und bei Erfüllung der Kriterien werden sie zugelassen. Auch wurden diese Kriterien deutlich vereinfacht. Bisher mussten Unternehmen drei Jahre lang profitabel gewesen sein, bevor sie einen IPO beantragen konnten. Nun sind bestimmte Mindestumsätze ausreichend. Insbesondere für Startups aus kapitalintensiven Branchen oder solchen mit einer sehr langfristigen Perspektive wie beispielsweise der Biotechnologiesektor wird es so deutlich einfacher, an der Börse Kapital aufzunehmen.

Konsequenzen dürfte das neue Schanghaier IPO-Regime auch für die Hongkonger Börse (HKex) haben. Werden Börsengänge auf dem Festland leichter, schneller und die Regeln hierfür transparenter, dann werden chinesische Unternehmen zunehmend eben dort den IPO vornehmen. Bisher war die HKex einer der großen Profiteure der strengen, bürokratischen und intransparenten Praxis auf dem Festland. Der Autovermieter Suncar beispielsweise hat seinen an der HKex geplanten IPO jüngst zurückgezogen und so Gerüchte befeuert, dass Unternehmen plane stattdessen ein Listing am STIB. Sollte sich das neue Board in Schanghai erfolgreich etablieren, könnten die Auswirkungen mittel- bis langfristig auch an der Nasdaq spürbar werden. Die US-amerikanische Hightech-Börse profitierte bisher ebenfalls von der Situation in China.

Die Gründung des STIB ist ein wichtiger Schritt in Richtung Öffnung der chinesischen Kapitalmärkte und auch ein deutliches Signal Pekings, in Zukunft bei der Finanzierung von Unternehmen verstärkt auf den privaten Sektor setzen zu wollen. Wann das STIB offiziell eröffnet wird, steht noch nicht fest. Analysten erwarten aber, dass es erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 soweit sein wird.

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Vereinfachtes Chinesisch