Finetrading: Passgenaue Finanzierung für China-Importe

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Aus keinem anderen Land importiert die deutsche Wirtschaft so viele Waren wie aus China. Aufgrund der besonderen Gepflogenheiten und des langen Transportwegs sind jedoch bei der Importfinanzierung andere Strategien gefragt als beim Wareneinkauf innerhalb Europas. Finetrading bietet als bankenunabhängiges Finanzierungsinstrument eine flexible Basis für Importeure von chinesischen Waren.

Während der Handelskonflikt zwischen den USA und China weiter schwelt, eilt die Verflechtung der chinesischen und deutschen Wirtschaft von Rekord zu Rekord. Mit einem gesamten Handelsvolumen von annähernd 200 Milliarden Euro ist China der größte Handelspartner Deutschlands, wobei mehr als die Hälfte des Volumens auf Importe entfällt. Vom Biogemüse bis hin zur komplexen Hochtechnologie gibt es kaum ein Marktsegment, in dem Importwaren aus China nicht mehr oder weniger prominent vertreten sind.

Befeuert wird der Import-Boom bei chinesischen Waren vom unaufhaltsamen Wachstum des Onlinehandels. Dieser eröffnet auch kleineren und mittelständischen Handelsunternehmen die Möglichkeit, mit Direktimporten aus dem fernen Osten ein florierendes Geschäftsmodell aufzubauen. Wie das gelingen kann, sieht man an einer Vielzahl neuer Trendanbieter in Bereichen wie Mode, Accessoires, Elektronik oder Sportausrüstung.

Besondere Finanzierungsanforderungen beim China-Import

Allerdings sind mit dem Import aus China andere Finanzierungsanforderungen verbunden als beim Wareneinkauf bei inländischen oder europäischen Anbietern. Während aufgrund der kurzen und recht kostengünstigen Transportwege auf dem europäischen Beschaffungsmarkt auch der Kauf von kleineren Mengen wirtschaftlich ist, sollten aufgrund des aufwändigen Transports über mehrere tausend Kilometer in China eher größere Stückzahlen geordert werden.

Darüber hinaus sollten deutsche Unternehmen bei der Beschaffung in China die dort üblichen Zahlungsmodalitäten berücksichtigen. Oftmals verlangen chinesische Lieferanten – insbesondere bei Neukunden – eine Anzahlung in Höhe von 30 Prozent, der Rest ist sofort bei der Übergabe an den Transporteur fällig.

Das bedeutet für deutsche Importeure, dass sie nicht nur die Frist von der Anzahlung bis zum Lieferzeitpunkt, sondern in Höhe der Restzahlung auch den meist vier- bis sechswöchigen Transport auf dem Seeweg finanzieren müssen. Wird zwecks Senkung der Transportkosten pro Stück eine größere Menge geordert, erhöht sich dadurch zusätzlich noch das Volumen und die Dauer der Kapitalbindung.

Bankenunabhängige Finanzierung bei Importgeschäften

Banken halten sich bei der Finanzierung von Importgeschäften häufig zurück, wenn die Geldmittel schon vor dem Eintreffen der Ware benötigt werden. Eine Möglichkeit, bei dieser Konstellation eine Fremdfinanzierung zu gestalten, kann die bankenunabhängige Finanzierung auf Basis eines Handelsgeschäfts bieten. Dieses Modell, bei dem die Finanzierung über einen Lieferantenkredit erfolgt, wird auch als Finetrading bezeichnet.

Die Funktionsweise: Der Finetrader übernimmt als Zwischenhändler die Ware für einen virtuellen Moment und veräußert sich direkt an den Importeur weiter. Diesem gewährt er ein bis zu sechsmonatiges Zahlungsziel, so dass beispielsweise auch die Beschaffung von Saisonware passgenau gestaltet werden kann. Da die Einschaltung als Zwischenhändler ausschließlich dem Finanzierungszweck dient, mischt sich der Finetrader nicht in die Konditionenverhandlungen zwischen Exporteur und Importeur ein, und die Lieferung erfolgt wie beim herkömmlichen Import direkt an den Abnehmer. Für die Auslösung der Zahlung legt der Importeur dem Finetrader die Bill of Lading oder bei Lieferung per Luftfracht die Airway Bill vor.

Für Unternehmen, die regelmäßig Waren aus China importieren, kann es somit lohnenswert sein, nach alternativen Finanzierungsquellen Ausschau zu halten. Ähnlich wie bei anderen bankenunabhängigen Finanzierungsmodellen – etwa Leasing oder Factoring – lässt sich auch mit dem zielgerichteten Einsatz von Finetrading im Bereich Beschaffung und Import die Finanzierungsstruktur des Unternehmens optimieren.

Zur Person

Dirk Oliver Haller

Dirk Oliver Haller, Gründer und Vorstand der DFT Deutsche Finetrading AG www.dft-ag.de, zählt zu den Pionieren der Branche und arbeitet für Industrie-, Handels- und Agrarunternehmen aus dem In- und Ausland.