M&A-Strategien für den Mittelstand im China Geschäft

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Gemessen am Beitrag zur Wirtschaftsleistung sind kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) bei Fusionen und Übernahmen (M&A) deutlich unterrepräsentiert. Dies liegt hauptsächlich an der geringen Größe, welche die Realisierung von akquisitorischen Großprojekten in finanzieller und administrativer Sicht erschwert. M&A als Strategie kann von KMU aber auch genutzt werden, um komplexere Herausforderungen in Zusammenarbeit – insbesondere mit chinesischen Geschäftspartnern – erfolgreich zu meistern. Von Simon Laube

Herausforderungen

Für das Wachstum im Mittelstand und speziell bei kleineren Unternehmen ist die Finanzierung oft das größte Hindernis. Dem European Capital Market Institute (ECMI) zufolge werden 60 bis 70 Prozent der Investitionen von KMU in der Europäischen Union (EU) mit internen Reserven finanziert, und der Rest wird fast ausschließlich von Bankkrediten und Leasing abgedeckt. Eigenkapitalfinanzierung durch außenstehende Investoren schließt sich für KMU meist gänzlich aus, was die Möglichkeiten für M&A stark einschränkt. Dabei braucht es gerade beim Aufbau von neuen Möglichkeiten im deutsch-chinesischen Business größere Finanzvolumina – unter anderem um in die notwendigen Anpassungen des eigenen Geschäftsmodells zu investieren. So erfordert der chinesische Markt oft ein schnelleres Wachstum, als deutsche KMU es von ihrem Heimatmarkt gewohnt sind. Im Gegenzug werden chinesische KMU, welche vermehrt ihren heimischen Kunden nach Deutschland folgen, mit ungewohnt hohen Aufwendungen für Produktion und Lohnkosten konfrontiert.

Zwei Trends -bei Unternehmensnachfolge und globalen Geschäftsmodellen- zeigen, dass M&As auch für KMU an Bedeutung gewinnen.

Sehr deutlich ist der Trend bei der Unternehmensnachfolge sichtbar. Einer Umfrage der Kreditanstalt für Wiederaufbau zufolge – erhoben noch vor der Covid-19 Pandemie – können sich mindestens 42 Prozent der deutschen inhabergeführten KMU mit einem bevorstehenden Generationswechsel, vorstellen, an einen externen Investor zu verkaufen. Da eine Unternehmensnachfolge oft über Jahre hinweg geplant wird und KMU zumeist von Investoren aus der gleichen Branche akquiriert werden, ergeben sich hier neue Möglichkeiten für strategische Transaktionen mit chinesischen Industrieunternehmen. Mit dem Ziel einer Fusion können deutsche und chinesische KMU ihre Geschäftsbeziehungen über einen längeren und adäquaten Zeitraum hinweg vertiefen und somit kulturelle und unternehmensspezifische Differenzen überwinden.

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Die Mehrzahl der bekannten Deals bewegt sich auch medium und small sized Bereich, in dem KMU unterwegs sind.

Ein zweiter Trend sind KMU mit globalen Geschäftsmodellen, darunter viele Start-Ups, die ein schnelles Wachstum nach der Firmengründung benötigen. Die Skalierung von Start-Ups wird vorwiegend mit Risikokapital finanziert, welches dem ECMI zufolge 2,5 Prozent der gesamten Finanzierung aller KMU in der EU ausmacht. Junge und schnell wachsende KMU sind generell offener gegenüber M&A mit chinesischen Partnern. Dies gilt insbesondere bei der Expansion nach China wo vermehrt Forschung und Entwicklung sowie direkte Kommerzialisierung angesiedelt wird. Hier können chinesische Partner helfen von Beginn an nahe am Kunden zu sein.

Strategien

Bei Expansion oder Produktdiversifizierung wird M&A oft als Weg beschritten  und bietet mehrere Vorteile, so z.B. schnellen Marktzugang und direkte Berührungspunkte mit vorhandenem Kunden- oder Lieferantenstamm. Für KMU ist es hierbei wichtig eine Strategie mit klarer Value Proposition zu entwickeln, bevor potentielle Kandidaten ins Auge gefasst werden. Damit lässt sich verhindern, dass eine Übernahme etwa zugunsten erhöhter Einnahmen auf dem chinesischen Markt, aber zum Nachteil interner Prozesse und ohne Rückhalt in der deutschen Belegschaft durchgeführt wird.

Falls ein M&A mit bestehenden Geschäftspartnern in China strategisch Sinn macht, bietet es zusätzliche Vorteile. Je nach Intensität der Geschäftsbeziehung, kann das gewonnene Wissen dazu beitragen, den Wert des Übernahmekandidaten zu bestimmen und die bevorstehende Integration damit gut in die Wege zu leiten.

Eine weitere Möglichkeit sind schließlich Unternehmensbeteiligungen, die die finanzielle Last, sowie die Anforderungen an Führungskräfte reduzieren. Allerdings ist hierbei die Kontrolle über Markt-, Kunden- oder Lieferantenzugang stärker eingeschränkt. Einen Mittelweg bilden daher stufenweise Übernahmen, wobei einerseits die Kontrolle über wichtige Ressourcen schrittweise gesteigert wird und andererseits eine mögliche Integration zunächst getestet werden kann, ohne sich bereits zu Beginn dem vollen Risiko eines Misserfolgs auszusetzen.


Ein Ausgestaltungsbeispiel für M&A

Dezan Shira & Associates hat ein mittelständisches Unternehmen bei der stufenweisen Übernahme eines chinesischen Lieferanten beraten. Investor und Lieferant formten zunächst ein JointVenture in China, in welches die Vermögenswerte des Lieferanten übertragen wurden, wobei sich der Investor das Recht vorbehielt, zu einem späteren Zeitpunkt die Unternehmensanteile des Lieferanten am Joint Venture zu erwerben. Damit wurde nicht nur das finanzielle Risiko einer vollen Übernahme reduziert, sondern auch die Möglichkeit geschaffen, das Joint Venture zunächst operativ zu führen.


M&As mit bekannten Geschäftspartnern, sowie Unternehmensbeteiligungen und stufenweise Übernahmen reduzieren Informationsasymmetrien, sie ersetzen jedoch nicht die Due Dilligence und Unternehmensbewertung. Oft hängt der Unternehmenserfolg von KMU stark vom Einfluss der Eigentümer und Geschäftsführer, sowie auch von nicht dokumentierten Prozessen und Fähigkeiten ab. Dies gilt für Deutschland und China gleichermaßen. KMU-Investoren sollten den Transaktionspreis jedoch strikt an historischen Fakten und erwartetem Cash-Flow orientieren.

Schlussendlich können KMU mit starkem Wachstumspotential auch eigene Unternehmensanteile veräußern, um den Ausbau ihres Kerngeschäfts zu finanzieren. Ein strategischer Investor kann zudem Synergien in das Unternehmen einbringen, welche gerade im Chinageschäft deutscher KMU entscheidend sein können. Die Eigenkapitalfinanzierung von starkem Wachstum birgt wiederum den Vorteil, dass das Kreditausfallrisiko minimiert wird, stellt es doch ein Haupthindernis für das Wachstum von KMU dar. In Summe betrachtet sollten M&As von KMU ganzheitlich betrachtet werden. Als Teil einer langfristigen Strategie können sie einen wichtigen Beitrag zur Erreichung von Unternehmenszielen leisten.

Simon Laube

Simon Laube ist als Senior Associate für Dezan Shira & Associates in Shanghai tätig, wo er vorwiegend KMU bei ihrem Markteintritt in China berät. Dabei verbindet er seine Erfahrungen aus dem produzierenden Gewerbe mit der Expertise seiner Kollegen in Steuer, Recht, und IT.