Buchkritik: „Chinas Bosse – Unsere unbekannten Konkurrenten“

Kennen wir China? Verstehen wir die chinesische Wirtschaft? Wer sind die treibenden Kräfte hinter dem Aufstieg? Bei solchen Fragen muss selbst ich, der ich oft China besuche, passen. Das Bestreben, diese Wissenslücke zu schließen, wird durch das Buch von Hirn wirkungsvoll bedient. Der Inhalt geht über den Titel hinaus, indem nicht nur die „Bosse“, sondern auch die von ihnen gegründeten und oft noch heute geleiteten Firmen dargestellt werden.

Neue Managementkompetenzen für eine neue Zeit

Chinesische Investoren haben in der Vergangenheit von einer offenen Weltwirtschaft profitiert. Daher standen bei Auslandsübernahmen im Heimatland übernommener Firmen häufig geschäftliche Aspekte im Vordergrund. Allerdings erfordern neue Realitäten in der Weltwirtschaft neue politische Managementkompetenzen.

Prüfung ausländischer Direktinvestitionen in Deutschland

Der sächsische Flugzeugzulieferer Cotesa darf von einer chinesischen Investorengruppe um den Pekinger High-Tech-Konzern Advanced Technology & Materials (AT&M) übernommen werden. Dies ist möglich, nachdem das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) am 16. April 2018 formell bescheinigt hat, dass dem Erwerb "keine Bedenken im Hinblick auf die öffentliche Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland entgegen" stehen.

So schaffen Unternehmer den neuen Datenschutz

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) regelt den Umgang mit personenbezogenen Daten neu – und bringt wichtige Veränderungen für in Deutschland tätige Unternehmer. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 20 Mio. Euro oder 4% des weltweiten Jahresumsatzes. Das Problem: Nicht zu einem Datensünder zu werden ist gar nicht so einfach. Die DSGVO ist allgemein gehalten. Was für die einen gilt, können andere ignorieren. Zehn Dinge, auf die Sie in jedem Fall achten sollten.

„Wir beobachten verstärktes Interesse an chinesischen Unternehmen“

Während Chinas M&A-Aktivitäten in Deutschland 2016 sämtliche Rekorde brachen, hielten sich umgekehrt die Deutschen im Reich der Mitte weiterhin zurück. Nur acht deutsche Inbound-Deals mit überschaubaren Ticketgrößen wurden gezählt. In China sind es zumeist Mittelständler, die chinesische Partner oder Wettbewerber übernehmen. Unter welchen Bedingungen es für Unternehmen aus Deutschland Sinn machen kann, in China einen M&A-Deal zu stemmen, erklärt Stefan Kracht, Geschäftsführer von Fiducia Management Consultants, im Interview.

„Bei Opel wäre das Potenzial für eine Win-Win-Situation riesig gewesen“

Nach fast neun Jahrzehnten wechselt Opel den Besitzer. Peugeot übernimmt für insgesamt 2,2 Mrd. EUR die Rüsselsheimer Traditionsmarke vom US-Konzern General Motors. Die Franzosen werden nach der Fusion einen Marktanteil von 17% in Europa erreichen und hinter Volkswagen zum zweitgrößten europäischen Hersteller aufsteigen. Indirekt mit dabei: Peugeots Ankerinvestor Dongfeng Motor. Was die Übernahme für die Perspektiven der Belegschaft von Opel bedeutet, ob sich neue Chancen auf dem chinesischen Markt bieten, und wie es hätte anders laufen können, das erläutert Lutz Berners, Geschäftsführer der Berners Consulting GmbH, im Interview.

Innovation made in China

Wenn es um Innovationen geht, gibt die chinesische Wirtschaft kein einheitliches Bild ab. Dazu sind die Branchen und Strukturen der Unternehmen zu unterschiedlich und der Markt auch viel zu groß: In China gibt es 22 Millionen Unternehmen, davon 7,5 Millionen im produzierenden Gewerbe und 650.000 im IT-relevanten Sektor. Es ist also nicht überraschend, dass die Eindrücke bunt, differenziert, ja in Teilen sogar widersprüchlich sind. Einerseits ist die chinesische Regierung, was Innovationen angeht, sehr ambitioniert. Sie hat sich zum Beispiel folgendes Ziel gesetzt: das Investment in Forschung und Entwicklung soll bis 2020 2,5% des Bruttoinlandsprodukts betragen, womit China sich direkt hinter den USA positionieren würde.

Chinas Freihandelszonen

Auch wenn Chinas Freihandelszonen ähnlicher Regulierungspolitik unterliegen, bestehen wichtige Unterschiede zwischen den vier Zonen. So weisen beispielsweise die Körperschaftsteuer und Einkommensteuer unterschiedliche Strukturen auf und Shanghai und Tianjin behandeln grenzüberschreitende Zahlungsströme in RMB unterschiedlich. Weiterhin zu beachten ist, dass trotz eines weitestgehend freien Systems für Auslandsinvestitionen, in den vier Freihandelszonen unterschiedliche Restriktionen und Anreize bestehen, die Investoren kennen sollten.

E-Commerce in China

Chinas E-Commerce Industrie erfährt derzeit ein enormes Wachstum. Onlineshopping, der kraftvollste Motor des E-Commerce Marktes in China, verzeichnete 2010 ein Rekordwachstum von 96,9% und hat seitdem kontinuierlich an Schwung hinzugewonnen. Im Jahr 2015 haben Chinas Online-Einzelhandelstransaktionen 3.877,3 Mrd. RMB erreicht (622,5 Mrd. USD, ein Anstieg von 33,3% gegenüber 2014), was 12,9% des gesamten Einzelhandelsumsatzes ausmacht. Laut Prognosen wird Chinas E-Commerce Markt bis 2020 größer sein als die Märkte der USA, des Vereinigten Königreichs, Japans, Deutschlands und Frankreichs zusammen.

Wie Chinas Konsumenten ticken

Das Chinageschäft ist kein Sprint, sondern ein Langer Marsch. Auch drei Jahrzehnte nach der Öffnung des Landes bleiben die Erfolgsfaktoren für viele Unternehmen große Unbekannte. Vor allem die fremde Kultur und Sprache verhindern den entscheidenden Zugang. Die Risiken zu erkennen, Fehler zu vermeiden und den richtigen Zugang zu finden – darum geht es in dem Buch „China-Marketing“. Kurz und kompakt werden darin die wichtigsten Regeln für deutsche Investoren in China dargestellt.

„Wichtig ist, das Verhalten des chinesischen Partners richtig einzuordnen“

Wie seriös ist ein potenzieller chinesischer Geschäftspartner? Ob eine Zusammenarbeit im Vertrieb oder in einem Joint Venture geplant ist oder ob man das eigene Unternehmen an einen Investor aus China verkaufen möchte, ein gründlicher Background-Check sollte vor einer Vertragsbeziehung stets durchgeführt werden. Nur so lassen sich unangenehme Überraschungen vermeiden. Worauf man achten sollte, erkärt Patrick Heid, Leiter des Shanghaier Büros der Kanzlei Graf von Westphalen.

„Wir haben einen starken Deal-Flow“

Industrie 4.0 ist ein großes Thema in China und Asien. Viele Unternehmen dort setzen auf die Technologiekompetenz führender europäischer Anbieter. Für Private-Equity-Investoren bieten sich dadurch spannende Gelegenheiten. Eine Beteiligungsgesellschaft, die sich ganz auf die europäisch-asiatische Kooperation bei Industrietechnologien fokussiert, ist AGIC Capital. 2015 von Henry Cai initiiert und von Wolfgang Seibold mitgegründet, machte AGIC als Co-Investor bei der Übernahme von KraussMaffei jüngst von sich Reden. Interview Stefan Gätzner

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