Chancen der Belt and Road Initiative für deutsche Mittelständler

China investiert Milliarden in die Neue Seidenstraße. Bei deutschen Unternehmen kommt davon bislang nur wenig an. Neun von zehn Aufträgen gehen an ­chinesische Unternehmen. Wer zu den verbleibenden 10% gehören möchte, muss sich in die ­Wachstumspläne der Regierung einarbeiten und Baustein der chinesischen ­Wachstumspolitik werden. Von Ziyun WANG

Belt & Road Initiative
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Seidenstraße. Das klingt nach Abenteuer, nach exotischen Gewürzen, seltenen Stoffen und funkelnden Edelsteinen. Mit der 2013 gestarteten Belt and Road Initiative (BRI) möchte China an den Glanz einer Zeit anknüpfen, in der das damalige Kaiserreich der Mittelpunkt des Welthandels war. Neben Handelsinteressen und Wirtschaftsförderung stehen Ressourcenpolitik und geopolitische Machtansprüche im Fokus. Vor allem aber geht es um Geld. Viel Geld. Milliarden warten darauf, in den Bau von Containerhäfen, Terminals, Eisenbahnlinien, Straßen, Kraftwerken oder Raffinerien zu fließen. Das anfangs genannte Investitionsvolumen von 900 Mrd. USD dürfte bald erreicht sein; bis 2020 könnte der Finanzbedarf sogar auf über 7 Bio. USD steigen.

Zahlen, die Begehrlichkeiten wecken.

Obwohl Deutschland bislang nicht zu den mehr als 100 Ländern gehört, die ein Kooperationsabkommen mit China unterzeichnet haben, hoffen auch hierzulande viele Firmen auf ein Stück vom Kuchen. Einer Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) unter seinen in China tätigen deutschen Mitgliedsfirmen zufolge erwarteten 2018 49% der Befragten einen positiven Effekt für sich durch die sogenannte Neue Seidenstraße. Dabei sieht die Realität bislang anders aus. In neun von zehn Fällen geht der Zuschlag für ein Projekt an chinesische Unternehmen – das zeigen aktuelle Zahlen des Mercator Institute for China Studies (MERICS).

Mittelstand bislang außen vor

Wenn doch einmal deutsche Firmen zum Zuge kommen, dann Großkonzerne. So unterzeichnete Siemens allein 2018 mehr als zehn Kooperationsvereinbarungen im Bereich Industrie 4.0 und Energieerzeugung mit chinesischen Staatskonzernen; der schwäbische Maschinenbauer Voith liefert für 200 Mio. EUR drei 470-Megawatt-Turbinen sowie die elektrische und mechanische Ausrüstung für die Erneuerung eines Wasserkraftwerks in Pakistan. Das Staudammprojekt ist wichtiger Bestandteil des Wirtschaftskorridors, über welchen China seinen Westen mit dem Hafen Gwadar verbindet.

Ähnliche Erfolgsmeldungen aus dem klassischen Mittelstand sucht man vergebens. Unterhält Siemens eine eigene BRI-Taskforce mit Büro in Peking, um weltweit mögliche Seidenstraßenprojekte zu identifizieren, klagen kleinere Unternehmen über mangelnde Transparenz der Ausschreibungen und fehlende Chancengleichheit. Jens Hildebrandt, Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Peking, kritisiert offen, dass Mittelständler nur schwer einen Zugang erhielten, weil sie meist gar keine Projektinformationen hätten. Die Planungsbehörden sollten die anstehenden Aufträge klar im Netz kommunizieren und insgesamt mehr Informationen zur Verfügung stellen, lautet die Forderung.

Der Weg dahin ist jedoch ein steiniger. Zwar steht das Versprechen größerer Transparenz im Raum, doch nicht von ungefähr hat China feste institutionelle Regeln im Rahmen kollektiver Verträge bislang umgangen. Stattdessen setzt das Reich der Mitte auf bilaterale Abkommen. Unter Ausnutzung seiner ökonomischen und politischen Stärke sind diese meist an strikte Bedingungen geknüpft. Die deutsche Regierung kritisiert dieses Vorgehen und hofft auf eine europäische Lösung. Diese ist nach dem jüngsten Vertragsabschluss zwischen China und Italien aber weiter entfernt denn je. Das macht auch den Mittelstand zunehmend skeptisch – die positiven Einschätzungen der Maschinenbauer sanken im April 2019 jedenfalls auf 30%.

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