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Zhongding übernimmt Tristone Flowtech

Autozulieferer im Visier: Serieninvestor Zhongding greift in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal in Deutschland zu. Bildquelle: Fotolia; © hfng

Anhui Zhongding Sealing Parts erwirbt für 170 Mio. EUR den deutsch-französischen Automobilzulieferer Tristone Flowtech Group. Verkäufer ist die Bavaria Industries Group. Zhongding führt damit bereits den insgesamt sechsten M&A-Deal in Deutschland durch. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung des deutschen Kartellamtes und der chinesischen Behörden.

Bavaria Industries verkauft mit Tristone Flowtech bereits ihr zweites Portfoliounternehmen an Zhongding. Erst im April dieses Jahres veräußerte die Industrieholding den österreichischen Aluminiumspezialisten Austria Druckguss an den chinesischen Serieninvestor. Wie bei allen Transaktionen in jüngster Zeit wurde Zhongding kaufmännisch und strategisch beraten von der Perlitz Strategy Group, rechtlich von Rittershaus Rechtanwälte und in Steuerfragen von Falk & Co.

Die Tristone Flowtech Group hat den Hauptsitz ihrer operativen Holding in Frankfurt und den ihrer rechtlichen Holding in französischen Nantes. Die Gruppe verfügt über neun Standorte in Europa, Nordamerika und Asien und bietet Flowtech-Produkte für die Automobilindustrie in den Bereichen Motorkühlung, Batteriekühlung, Air Charge/ Turbolader und Luftansaugung an. Nachdem Bavaria Industries 2010 Tristone Flowtech gekauft hatte, gelang dem Unternehmen in den folgenden Jahren eine Steigerung des EBITDA von 2% auf 11%.  Für das Geschäftsjahr 2016 prognostiziert der Automobilzulieferer einen Umsatz in Höhe von ca. 250 Mio. EUR. Tristone Flowtech beschäftigt rund 2.500 Mitarbeiter weltweit.

Mit Tristone Flowtech übernimmt Zhongding in diesem Jahr bereits das zweite Target in Deutschland. Erst im Juni hatte das in Shanghai und Shen­zhen gelistete Privatunternehmen aus Ningguo die Akquisition des E-Mobility-Spezialisten AMK aus Kirchheim/Teck für 130 Mio. EUR bekanntgegeben. Auf den Weg zum Serieninvestor begab sich Zhongding im Jahr 2007 mit der Akquisition der notleidenden Schmitter Group. Das ostchinesische Unternehmen leitete eine erfolgreiche Restrukturierung des unterfränkischen Hydraulikleitungsspezialisten ein. 2014 erwarb  Zhongding für 64 Mio. EUR 80% der Anteile an dem Dichtungshersteller KACO. 2015 wurde Kunststoffspezialist Wegu für 95 Mio. übernommen. Im selben Jahr kam noch Wiederholt, ein Technologieführer im Bereich Kaltverformung, hinzu. Im vergangenen Jahr erzielte Zhongding mit seinen rund 14.000 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von umgerechnet 1,6 Mrd. EUR.

„Wir wünschen uns eine Willkommenskultur“

Erfreuliche Entwicklung: Dr. Wolfgang Hübschle, Leiter Invest in Bavaria, berichtet über chinesische Investitionen in Bayern. 巴伐利亚投资促进局局长Wolfgang Hübschle博士介绍中资企业在巴伐利亚州的喜人发展

Bereits zum zweiten Mal trafen sich Geschäftsführer chinesischer Unternehmen in Bayern zu einem informativen Abend in München. Hierzu hatte Invest in Bavaria, das Generalkonsulat der VR China und die Stadt München am 21. November ins Deutsche Theater eingeladen. In einer vorgelagerten Veranstaltung klärte die Ansiedlungsagentur des Freistaats zunächst über aufenthaltsrechtliche Fragen auf. Beim anschließenden Hauptevent stellten sich die Newcomer des Jahres aus China vor: Der E-Commerce-Gigant Alibaba und der E-Mobility-Spezialist NextEV. Beide Unternehmen haben sich in München mit großen Plänen für Deutschland niedergelassen.

Dr. Wolfgang Hübschle, Invest in Bavaria, Generalkonsulin MAO Jingqiu, Karl Wehner,  Alibaba
Dr. Wolfgang Hübschle, Invest in Bavaria, Generalkonsulin MAO Jingqiu, Karl Wehner,  Alibaba (v.l.n.r., Bild: Invest in Bavaria).

Chinesische Investoren müssen in Deutschland immer noch zahlreiche bürokratische Hürden überwinden. Das wurde während des einführenden Vortrags zu ausländerrechtlichen Regelungen deutlich. Dr. Klaus Kirchmann von der Ausländerbehörde München erläuterte im Maritim Hotel die wichtigsten  Bestimmungen mit besonderem Blick auf die konkreten Bedürfnisse von Management und Fachkräften aus China. Dass hier noch Klärungsbedarf besteht, wurde in der anschließenden Fragerunde deutlich. Zahlreiche Teilnehmer suchten zu Visumbeantragung und –verlängerung und zu Fragen des Arbeitsvertrags in Deutschland Rat bei Kirchmann.

300 Unternehmen in Bayern

Auf der Hauptveranstaltung, zu der sich rund 100 Teilnehmer im edlen Ambiente des Deutschen Theaters einfanden, betonte Dr. Wolfgang Hübschle, Leiter von Invest in Bavaria, die Beliebtheit des Freistaats als Standort für Unternehmen aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. „Wir freuen uns über die starke Präsenz chinesischer Investoren in Bayern“, so Hübschle. Rund 300 chinesische Unternehmen zählt man mittlerweile in Bayern. Insbesondere München wird international als ein Top-Location wahrgenommen. Neben zahlreichen amerikanischen Unternehmen haben in den letzten Jahren auch Hightech-Anbieter aus China wie Huawei und Phicomm die Landeshauptstadt als Standort für Forschung und Entwicklung für sich entdeckt.

Verbesserung der Willkommenskultur

Kritische Worte fand MAO Jingqiu, Generalkonsulin der Volksrepublik China in München. Seit dem öffentlichen Übernahmeangebot des südchinesischen Unternehmens Midea für den Augsburger Roboterhersteller Kuka werden chinesische M&A-Aktivitäten in Deutschland als ein sensibles Thema wahrgenommen. Mao rückte die Investitionen aus China in die Gesamtperspektive: Zum einen stammten nur  0,3% aller Auslandsinvestitionen in Deutschland aus China. Von einer Übernahme der deutschen Wirtschaft könne also keine Rede sein. Zum anderen sicherten chinesische Investoren hierzulande Arbeitsplätze und unterstützten deutsche Unternehmen bei ihren Geschäften in China. Auch bei den ausländischen Direktinvestitionen in ihrer Heimat sieht die Generalkonsulin deutliche Fortschritte. So haben die chinesischen Behörden in jüngster Zeit rund 1.000 Regulierungsvorgänge vereinfacht oder ganz abgeschafft. Ein weiterer großer Schritt zur Vereinfachung war die Umstellung von einem aufwändigen Genehmigungsverfahren für ausländische Investitionen hin zu einem weitaus kürzeren Registrierungsprozess. Mao hofft umgekehrt auf eine Verbesserung des Umfelds für chinesische Investitionen in Deutschland. „Wir wünschen uns eine Willkommenskultur von der politischen Ebene und von der Öffentlichkeit“, resümierte die Generalkonsulin.

Vorreiter aus China

Deutsches Theater München
Edles Ambiente: das deutsche Theater in München (Bild: Invest in Bavaria).

Abschließend präsentierten sich zwei außergewöhnliche chinesische Unternehmen, die seit Ende 2015 in der Landeshauptstadt eine Niederlassung haben: Alibaba und NextEV. Der E-Commerce-Riese und das E-Mobility Start-up sind von Invest in Bavaria beide zum „Newcomer of the Year“ gewählt worden. Wie Karl Wehner, Director Business Development bei Alibaba, erklärte, möchte der chinesische Marktführer im Online-Handel von München aus deutsche Unternehmen beim Vertrieb ihrer Produkte in China mit Rat und Tat unterstützen. Eine Premiere und einen Rekord konnte Dr. Moritz Wefelscheid, Associate Legal Director bei NextEV, vermelden. Der E-Sportwagen Nio EP9 war wenige Stunden zuvor in London erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert worden. Die Neuentwicklung von NextEV hat bereits einen Rundenrekord für Autos mit elektrischem Antrieb in der Nordschleife des Nürburgrings aufgestellt. Ab 2018 soll der Elektroflitzer in den Handel kommen – zunächst in China. Höchste Zeit für deutsche Hersteller, beim Thema E-Mobility einen Gang höher zu schalten.

CFIUS stellt sich bei Aixtron-Übernahme quer

Im Fokus amerikanischer, chinesischer und deutscher Interessen: Aixtron aus Herzogenrath. 中美德争论的焦点——德国半导体材料制造商爱思强. Bild: Aixtron SE

Das Comittee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) erteilt für die Akquisition der deutschen Aixtron SE durch Fujian Grand Chip Investment (FGC) keine Freigabe. Das amerikanische Regierungsgremium hat das öffentliche Übernahmeangebot unter nationalen Sicherheitsaspekten untersucht und den beteiligten Parteien empfohlen, die Transaktion aufzugeben. Aixtron und FGC lehnen dies laut einer Mitteilung des Herzogenrathers Unternehmens vom 18. November ab. Die Freigabeentscheidung liegt jetzt in den Händen von US-Präsident Barack Obama. Dieser hat nun 15 Tage Zeit der Übernahme zuzustimmen oder diese abzulehnen.

CFIUS hat Präsident Obama empfohlen, die Freigabe nicht zu erteilen. Durch die bisher von Aixtron und FGC vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen sei für das Komitee die Bedenken in Bezug die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten keineswegs ausgeräumt. Die deutsche und die chinesische Seite wollen nach Angaben von Aixtron nach weiteren Lösungen suchen und mit den US-Stellen im Gespräch bleiben.

Vor einem Monat hatte bereits das Bundeswirtschaftsministerium seine Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Transaktion zurückgezogen. Dies sorgte für große Unruhe auf chinesischer Seite. Laut Medienberichten war eine Intervention von US-Geheimdiensten Auslöser der überraschenden Maßnahme von Vizekanzler Sigmar Gabriel. Demnach können die Anlagen des LED-Ausrüsters auch in militärischen Projekten zum Einsatz kommen.

Aixtron produziert Chipanlagen zur Herstellung von Leuchtdioden, die in der Unterhaltungselektronik, Autoindustrie und bei industrieller Beleuchtung verwendet werden. Das von der RWTH abgespaltene Hightech-Unternehmen erwirtschaftete im Jahr 2015 mit seinen 750 Mitarbeitern einen Umsatz von 198 Mio. EUR. Aixtron steckt seit geraumer Zeit in der Krise, u.a. auch weil ein großer Auftrag aus China Anfang des Jahres zusammengestrichen worden war. Nicht zuletzt deswegen waren die Herzogenrather für die Avancen von FGC offen, als über die deutsche Tochter Grand Chip Investment GmbH im Mai ein Übernahmeangebot in Höhe von 670 Mio. EUR vorgelegt wurde. FGC ist ein chinesischer Investmentfonds, der zu 51% von dem chinesischen Geschäftsmann Zhendong Liu und zu 49% von der Xiamen Bohao Investment gehalten wird.

Cathay Fortune steigt bei Epigenomics ein

癌症早期识别技术:Epigenomics的产品被应用于癌症的早期诊断。Bildquelle: Fotolia; © ag visuell

Die in Hongkong registrierte Beteiligungsgesellschaft Cathay Fortune International erwirbt einen Minderheitsanteil von 2,15% an der Epigenomics AG. Hierzu führt der am Frankfurter Prime Standard notierte Biotech-Spezialist eine Kapitalerhöhung mit Privatplatzierung durch. Cathay Fortune zahlt 4,52 EUR pro Aktie (Xetra-Schlusskurss 16.11.2016: 4,88 EUR) und legt insgesamt 2,1 Mio. EUR  auf den Tisch. Die neuen Anteilsscheine sind bereits ab dem laufenden Jahr dividendenberechtigt.

Die Berliner Epigenomics ist im Bereich Molekulardiagnostik aktiv und entwickelt Mittel für die Früherkennung und Diagnose von Krebserkrankungen. Das Hauptprodukt des Unternehmens ist Epi proColon, ein Bluttest zur Darmkrebsfrüherkennung. Dieser Test ist bereits in Europa auf dem Markt und befindet sich derzeit für die USA in der Entwicklung. Der Erlös aus der Kapitalerhöhung soll dann hauptsächlich für Vertrieb und Vermarktung von Epi proColon in den Vereinigten Staaten verwendet werden.

Die 1998 gegründete Epigenomics weist einen Börsenwert von 105 Mio. EUR auf. Mit seinen rund 40 Mitarbeitern erwirtschafteten  die Berliner 2015 einen Umsatz von 2,1 Mio. EUR. Cathay Fortune International wurde 1998 in Shanghai gegründet. Seit 2009 ist die Beteiligungsgesellschaft auch in Hongkong registriert. Cathay Fortune investiert vorwiegend in die Bereiche Telekommunikations- und Netzwerkausrüstung, Automatisierung, chemische Grundstoffe, Biomedizin, Luftfahrt und Bergbau.

„Das Spiel ist offen“

Expertenrunde: Alexander Ballmann (Ashurst), Dr. Stephan Bühler (SGL Carbon), Georg Kniese (SAP) und Prof. Dr. Kai Lucks (BM&A). | 专家小组: Alexander Ballmann (Ashurst), Dr. Stephan Bühler (西格里集团), Georg Kniese (SAP), Prof. Dr. Kai Lucks (德国联邦并购协会).

Chinesische Übernahmen und Beteiligungen stellen keine Bedrohung für den deutschen Mittelstand dar. Zu diesem Schluss gelangten rund 200 M&A-Spezialisten aus ganz Deutschland auf dem 14. Deutschen Corporate M&A-Kongress in München. Während einer Podiumsdiskussion, das den aktuellen internationalen Trends im Bereich Fusionen und Übernahmen gewidmet war, stimmten die Experten ab. Für die meisten M&A-Profis überwiegen eindeutig die Vorteile des chinesischen Engagements.

Moderiert wurde das Panel mit dem Titel „Internationale M&A – eine aktuelle Bestandsaufnahme“ von Professor Kai Lucks, dem Vorsitzenden des Vorstands Bundesverband Mergers & Acquisitions. Seine provokante Eingangsfrage, ob der Mittelstand in Deutschland durch die verstärkten M&A-Aktivitäten aus China bedroht werde, verneinte Alexander Ballmann, Partner bei der Kanzlei Ashurst, ganz eindeutig. Tatsächlich hätten chinesische Investoren mit ihren Übernahmen in den letzten Jahren zahlreiche vom Konkurs bedrohte Unternehmen und Arbeitsplätze hierzulande gerettet.

Neue Perspektiven

Aber auch in anderen Fällen schaffen die Käufer aus der Volksrepublik neue Perspektiven. So sieht Ballmann in der Akquisition der Betonpumpenanbieter Putzmeister durch Sany und Schwing durch XCMG keineswegs den Ausverkauf einer Branche. Zwar lief es bei beiden Gesellschaften zum Zeitpunkt der Übernahme gut. Doch 60% des relevanten Marktes liegen in Asien. Nach Ansicht von Ballmann boten sich den beiden deutschen Unternehmen durch die chinesischen Investitionen neue Perspektiven. Erst dadurch wurden sie nachhaltig zukunftsfähig.

Ungewohnte Situation

Dr. Stephan Bühler, General Counsel & Chief Compliance Officer bei SGL Carbon, ergänzte, dass das in Medien und Politik seit kurzem vernehmbare Unbehagen gegenüber den Käufern aus China auch mit einer gewissen Verunsicherung zu tun hat. Mit M&A aus dem anglo-amerikanischen Raum und Europa sei man hierzulande vertraut. Doch China wurde bis vor kurzem in der deutschen Öffentlichkeit bisher vor allem als Zielland deutscher Investitionen – aber nicht als Käufer – wahrgenommen. Protektionistische Tendenzen hingen daher auch mit der Unsicherheit gegenüber der ungewohnten Situation zusammen.

Live-Abstimmung

Die rund 200 Vertreter von Corporate M&A-Abteilungen im Plenum pflichteten größtenteils den Diskutanten bei. In einer Live-Abstimmung per Mobile-App äußerten sie sich die Frage: „Sehen Sie durch China eine Bedrohung des deutschen Mittelstands?“ 65% der Anwesenden verneinte dies. Nur etwas über ein Drittel antworteten mit Ja.

Chinas Vorstoß in die Industrie 4.0

China versucht mit eigenen Initiativen wie dem Plan „Made in China 2025“ in den Bereich Industrie 4.0, dem Paradefeld deutscher Ingenieurskunst, vorzustoßen. Georg Kniese, Senior Vice President Corporate Development/M&A bei SAP, sieht dies aber ganz nüchtern. Märkte und Produkte für Automatisierung und Robotik seien in allen Ländern noch in der Entwicklung. China positioniert sich hier wie andere Länder auch mithilfe von Zukäufen bei zentralen Komponenten und Kernkompetenzen. „Das Spiel ist offen“, bringt Kniese die aktuelle Lage auf den Punkt. Auf einem Gebiet aber hat das Reich der Mitte gegenüber den westlichen Mitbewerbern einen Vorsprung: Durch die Restriktionen für ausländische IT- und Internet-Dienstleister schafft das Land einheimische Monopole im Bereich der Dateninfrastruktur. Dies werden künftig enorm wichtig für die vernetzte und automatisierte industrielle Produktion und Logistik werden. Cloud-Dienste können beispielsweise nur von chinesischen Providern angeboten werden.

Der Fall Aixtron

Im konkreten Fall der Übernahme des LED-Ausrüsters Aixtron durch Fujian Grand Chip Investment raten die Panel-Teilnehmer ebenfalls dazu, einen kühlen Kopf zu bewahren. Alexander Ballman von Ashurst sieht in der Rücknahme der Unbedenklichkeitsbescheinigung des Wirtschaftsministeriums zunächst einmal lediglich einen Verwaltungsakt. Stephan Bühler von SGL Carbon erkennt nicht, inwieweit der Deal Sicherheitsbelange Deutschlands gefährdet. Ein Verbot der Transaktion laut dem Außenwirtschaftsgesetz käme nur bei Rüstungsfirmen und bei bestimmten sicherheitsrelevanten IT-Unternehmen in Betracht. „Ich sehe keine rechtliche Grundlage“, resümiert Bühler. In China indes haben die Äußerungen von Vizekanzler Gabriel für großen Wirbel gesorgt. Dort wünscht man sich Klarheit. „Die Chinesen wollen nur nach den hier geltenden Gesetzen behandelt werden“, so Bühler.

China bleibt unverzichtbar

Eines wurde am Ende der Veranstaltung nochmals deutlich: Um ein Engagement in China kommen deutsche Unternehmen längst nicht mehr herum. So antwortete lediglich ein Viertel der Plenumsteilnehmer auf die Frage nach der Bedeutung von Investitionen und M&A in China für das eigene Unternehmen, dass das Land nicht relevant sei. Alle anderen sind bereits in China präsent (36%), planen einen weiteren Ausbau ihrer Aktivitäten vor Ort (26%) oder denken zumindest über einen Einstieg dort nach (13%).

Xuduan kauft ebu

Xuzhou Metalforming Machine Group Co. Ltd (Xuduan) erwirbt den Anlagenbauer ebu Umformtechnik GmbH aus Bayreuth. Verkäufer sind die niederländisch-deutsche Industrieholding Nimbus als Mehrheitsgesellschafter sowie Jörg Berger, der ebu als Geschäftsführer erhalten bleiben wird. Berger hatte ebu seit 2012 gemeinsam mit Nimbus als Nachfolger der insolventen Burkhardt GmbH am Standort Bayreuth aufgebaut. Zum Kaufpreis äußerten sich die beteiligten Parteien nicht.

Der Deal ging rasch über die Bühne: Am 20. Oktober unterschrieben Xuduan und ebu das Share Purchase Agreement (SPA) und bereits zum Ende des Monats erfolgte das Closing. Die schnelle Übereinkunft kommt nicht von ungefähr. Beide Seiten stehen bereits seit September vergangenen Jahres in Kontakt und sind auch in der gleichen Nische aktiv. Sowohl das deutsche als auch das chinesische Unternehmen sind auf den Bau von Großpressen und Stanzautomaten spezialisiert.

Mit der Akquisition von ebu plant Xuduan, sein Produktportfolio zu erweitern und Marktzugang in Mittel- und Osteuropa zu erhalten. Das in Xuzhou in der Provinz Jiangsu ansässige Unternehmen wurde 1951 gegründet und beschäftigt rund 600 Mitarbeiter. Xuduan ist Teil der Jiangsu Furen Group, deren 17 Gesellschaften neben Anlagen- und Maschinenbau auch in Haushaltselektronik, Automobil- und Luftfahrtindustrietechnik aktiv sind sowie Stromnetze ausrüsten.

Die Bayreuther ebu Umformtechnik ging vor vier Jahren aus der 1861 gegründeten Burkhardt GmbH hervor. Die Oberfranken beschäftigen rund 120 Mitarbeiter und rechnen für 2016 mit einem Umsatz von 25 Mio. EUR. Hauptkunden des Unternehmens sind Automobilzulieferer. In diesem Bereich generiert ebu rund 60% seiner Einnahmen.

Neue Runde des Going Out

上海联合产权交易所副总裁李杰现场介绍该交易所面向中国国企的服务与功能

Chinas zentralstaatlich geführte Unternehmen bekunden ihr Interesse an einer Ausweitung der Zusammenarbeit mit Deutschland. Am 7. November präsentierten sich ausgewählte Vertreter von Chinas größten Staatskonzernen vor rund 50 M&A-Experten in Frankfurt. Ziel war es, die Chancen für Investments auszuloten und ein besseres Verständnis für den deutschen Markt zu gewinnen. Zum Auftakt aber ging es um die jüngsten Spannungen in den Wirtschaftsbeziehungen beider Länder.

Die Veranstaltung fand unter dem Motto „Chinesische zentralstaatliche Unternehmen in Deutschland 2016“ in den Frankfurter Räumen der China International Investment Promotion Agency (Germany). Die offizielle Investmentagentur des chinesischen Handelsministeriums organisierte zusammen mit der Shanghai United Assets and Equity Exchange (SUAEE) den Event.

Börse für Staatsunternehmen

Die SUAEE, die mit dem Zusammenschluss zweier lokaler Börsen in Shanghai im Jahr 2003 ins Leben gerufen wurde, ist der zentrale Handelsplatz für Staatsunternehmen und untersteht der Kommission zur Kontrolle von Staatsvermögen, SASAC. Wie LI Jie, Vizepräsident der SUAEE, und Ren Lizhong, General Manager der internationalen M&A-Abteilung der Börse, in ihren Vorträgen darlegten, müssen alle nicht-börsennotierten Staatsunternehmen Beteiligungen, Akquisitionen und Fusionen über die SUAEE abwickeln. Neben Anteilen können dort sämtliche Staatsunternehmen auch Assets, Schuldtitel und IP-Rechte handeln. Unabdingbar ist die Börse ebenfalls bei Cross-border- M&A-Transaktionen. Ren Lizhong hatte hierzu auch konkrete Outbound-Projekte in den Bereichen Halbleiter, IT-Sicherheit und Verkehrssignalanlagen im Gepäck, die er den deutschen Teilnehmern vorstellte. Neben der SUAEE präsentierten sich auch einige Staatsunternehmen. Chinas Staatskonzerne sind in jüngster Zeit verstärkt auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern in Deutschland und Europa.

Deutsche Kritik zurückgewiesen

Die Rücknahme der Unbedenklichkeitsbescheinigung des deutschen Wirtschaftsministeriums für die Übernahme von Aixtron durch Fujian Grand Chip Investment sowie die Kritik von Vizekanzler Sigmar Gabriel an vermeintlich mangelnder Gleichbehandlung deutscher Investoren durch die chinesischen Behörden hat in jüngster Zeit zu erheblichen Verstimmungen im Verhältnis der beiden Wirtschaftsmächte geführt. Zhu Weige, Konsul und Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung in der Frankfurter Vertretung der Volksrepublik verwahrte sich deutlich gegen die Kritik aus Deutschland. Er verwies zum einen darauf, dass angesichts des Engagements von 8.000 deutschen Unternehmen in China und weiterhin wachsender Investitionen wohl kaum von einer Behinderung der Aktivitäten deutscher Gesellschaften die Rede sein könne. Hingegen haben sich erst 2.000 Gesellschaften aus der Volksrepublik in Deutschland niedergelassen. Überdies sind im Bereich M&A die chinesischen Beteiligungen im Vergleich zu den Investitionen aus den USA und anderen europäischen Ländern immer noch gering. Zudem hob Konsul Zhu hervor, dass China beständig das regulatorische Umfeld für ausländische Unternehmen verbessert. Ein wesentlicher Schritt dabei war im vergangenen Jahr die Umstellung von einem Genehmigungsprozess auf ein einfacheres Registrierungsverfahren für die meisten Branchen. Zudem wurde die Anzahl der Branchen mit Investitionsbeschränkungen zwischenzeitlich von über 70 auf 38 halbiert.

Vereinbarung unterzeichnet

In den anschließenden Präsentationen berichteten hochrangige Experten der Bank of China sowie von Eurasian Consulting, PwC, Lincoln International und der Staufen AG über Marktbedingungen und Erfolgsfaktoren für chinesische Investitionen und Beteiligungen in Deutschland. Zum Abschluss der Veranstaltung setzten Vertreter der Niederlassung der Bank of China in Frankfurt und die SUAEE feierlich ihre Unterschrift unter eine Kooperationsvereinbarung.

Deutsche Bank schließt Hua Xia-Verkauf ab

Aufatmen in Frankfurt: Die Deutsche Bank darf endlich ihren Anteil an Hua Xia verkaufen. Bildquelle: Fotolia; © davis

Fast ein Jahr hat es gedauert: Die Deutsche Bank hat endlich von der chinesischen Bankenaufsicht die Genehmigung zum milliardenschweren Verkauf Ihres Anteils in Höhe von 19,99% an der Hua Xia Bank erhalten. Käufer ist das Versicherungsunternehmen PICC Property and  Casualty Company. Trotzdem dürfte man in Frankfurt keine Sektkorken knallen hören. Die Bewertung des chinesischen Finanzinstituts ist zwischenzeitlich erheblich gesunken.

Bereits am 28. Dezember des vergangenen Jahres hatte die Deutsche Bank die Einigung mit PICC über den Verkauf des Minderheitsanteils verkündet. Damals war man noch von einem Erlös zwischen 23,0 und 25,7 Mrd. RMB (zwischen circa 3,2 und 3,7 Mrd EUR) ausgegangen. Der Wert von Hua Xia ist seither jedoch deutlich geschrumpft. Zum Ende des dritten Quartals stand die Beteiligung nur noch mit 2,8 Mrd. EUR in den Büchern. Anfang 2015 war der Minderheitsanteil noch über 4 Mrd. EUR wert gewesen. Doch dann folgte im Sommer desselben Jahres der große Einbruch an den chinesischen Börsen. Zudem gab der Kurs des Renminbi in jüngster Zeit deutlich nach. Auch deswegen musste die Deutsche Bank seit der Ankündigung des Deals den Wert ihres Anteils mehrmals berichtigen.

Allerdings stand für die Deutsche Bank sowieso ein anderes Ziel im Vordergrund: Mit dem Verkauf der Hua Xia-Beteiligung steigt die harte Kernkapitalquote, die jüngst noch bei 11,1% lag, um 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte. Laut dem neuen Eigenkapital-Regelwerk Basel III wirken sich nämlich Beteiligungen von Finanzinstituten an anderen Banken belastend auf die eigene Kapitalstärke aus. Bereits beim jüngsten Stresstest der EZB hatte sich die Deutsche Bank den positiven Effekt aus dem damals noch nicht abgeschlossenen Verkauf  anrechnen dürfen.

Die Deutsche Bank war 2006 bei Hua Xia eingestiegen. 2008 und 2011 erhöhte das Frankfurter Institut seinen Anteil weiter bis auf insgesamt 19,99%.

Chinesische Investitionen – eine Kontroverse

Im Blick Pekings: Deutschland ist als Investitionsziel für China besonders spannend. Bildquelle: Fotolia; © beugdesign

Deutschland ist ein attraktives Ziel für Direktinvestitionen aus China. Marktzugang, qualifizierte Arbeitskräfte, hochspezialisierte Technologien und das Qualitätsversprechen „Made in Germany“ locken die Unternehmen aus der Volksrepublik. Als hochentwickeltes Land, das über zukunftsträchtige Schlüsseltechnologien verfügt, steht Deutschland besonders im Fokus der Planer und Entscheider in Peking. Nach Übernahmen berichten viele deutsche Unternehmen durchaus positiv über die Investoren aus China. Doch wie sehen die Konsequenzen für die gesamte Wirtschaft des Landes aus? Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zieht eine Zwischenbilanz.

Chinesische Direktinvestitionen sorgen dafür, dass sich Deutschland und China weiter wirtschaftlich verflechten, bringen frisches Kapital ins Land, schaffen und erhalten Arbeitsplätze. Zudem kann ein chinesischer Investor aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll sein. „Viele deutsche Unternehmen, die in den letzten Jahren in chinesischen Besitz gewechselt sind, haben gute Erfahrungen mit ihren neuen Eigentümern gemacht. Dazu zählen ein langfristiges Bekenntnis zum Standort, Beschäftigungsgarantien und ein verbesserter Zugang zum chinesischen Markt“, erläutert Cora Jungbluth, Wirtschaftsexpertin der Bertelsmann Stiftung und Studienautorin.

Doch es gibt auch Kritikpunkte: Da ist zunächst die Unsicherheit über den staatlichen Einfluss. Die Eigentumsstrukturen chinesischer Unternehmen sind häufig intransparent. Hinzu kommt in China eine Vielzahl informeller Verflechtungen zwischen Staat und Wirtschaft. Auch chinesische Privatunternehmen können daher nicht vorbehaltlos als Wirtschaftsakteure gelten, die ausschließlich ökonomische Motive verfolgen. Die gilt erst recht für Staatsunternehmen, die direkt der Kontrolle der Zentralregierung unterliegen.

Nach Ansicht der Studienautorin begegnen sich Deutschland und China auch nicht auf Augenhöhe: Die Bundesrepublik bietet chinesischen Investoren freien Marktzugang und hat keinen generellen Schutzmechanismus für deutsche Schlüsseltechnologien. Peking hingegen schützt strategische Industrien bewusst vor ausländischem Zugriff. „Chinesische Unternehmen genießen hierzulande weitgehende Bewegungsfreiheit. Bei deutschen Unternehmen in China ist das nicht der Fall“, so Cora Jungbluth. Den Schlüssel zur Lösung dieses Dilemmas sieht Jungbluth darin, einen Weg zwischen bedenkenlosem Ausverkauf deutscher beziehungsweise europäischer Interessen und protektionistischem Aktionismus zu finden. Hier haben die Deutschland die EU noch einen langen Weg vor sich.

Die komplette Studie (Deutsch) kann hier heruntergeladen werden.

Automatisierungsspezialist aus Kanada wird chinesisch

Industrie 4.0 aus Kanada: Auch im Land der Grizzly-Bären sind chinesische Käufer auf der Suche nach Automatisierungsspezialisten. 来自加拿大的工业4.0:中国买家对自动化领域标的公司的搜寻已经延伸到了北美大陆。Bildquelle: Fotolia; © luzitanija

Ein chinesisches Konsortium erwirbt den kanadischen Maschinenbauer und Automatisierungsspezialisten Valiant TMS. Verkäufer ist die Inhaberfamilie Solcz. Beraten wurde die Käufer von MBL China Consulting aus Augsburg. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Die Identität des Käufers soll erst beim Closing bis zum Ende des Jahres veröffentlicht werden. Auch zum Kaufpreis wurden bisher keine Angaben gemacht.

Valiant TMS ist ein global tätiger Anbieter von automatisierten Produktionssystemen für die Automobil- und Luftfahrtindustrie sowie den Schwermaschinenbau. Die Gruppe liefert Produktionsanlagen für den Karosseriebau, Systeme für die Getriebe- und Motorenmontage, Lecktest- Anlagen, industrielle Waschsysteme, Lösungen für Endmontage von Fahrzeugen, sowie Transport- und Handling-Systeme. Die 1959 gegründete Firma hat ihren Hauptsitz in Windsor, Ontario/Canada und unterhält 27 Standorte in weiteren 13 Ländern. Laut Angaben der Geschäftsführung soll das Unternehmen auch unter  dem neuen  Eigentümer wie bisher operativ weitergeführt werden. Durch die Zusammenarbeit mit dem Konsortium erhofft man sich neue Marktchancen.

Das in Shanghai ansässige chinesische Konsortium besteht aus Unternehmen und Finanzpartnern. Nach eigenen Angaben planen die Investoren, einen globalen Lieferanten für intelligente und automatisierte Produktionsausrüstung im Themenumfeld der Industrie 4.0 aufzubauen. Das Konsortium will sich dabei auf die Kernkompetenzen der Valiant TMS Gruppe stützen. Der neue Anbieter soll künftig nicht nur organisch wachsen sondern durch weitere Zukäufe möglichst schnell an die Weltspitze vorstoßen.

Neue Chancen in China

Neue Investitionschancen: Der 13. Fünfjahresplan rückt zukunfstweisende Branchen in den Mittelpunkt. Bildquelle: Fotolia; © xtock

Chinas 13. Fünfjahresplan (2016-2020) zielt auf eine strukturelle Modernisierung der Wirtschaft ab und bietet neues Potential für Inbound- und Outbound-Investments. Insbesondere in aufstrebenden Branchen  wie Biopharmazie, neuen Materialien, High-end-Komponenten und -Ausrüstung, Internet sowie Technologiedienstleistungen zeigen sich Chancen für grenzüberschreitende Kooperationen, Beteiligungen und Übernahmen. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Unter dem Titel „The 13th Five-Year Plan – China’s transformation and integration with the world economy” untersuchen die KPMG-Experten die neuen Möglichkeiten und zukünftigen Potenziale, die sich aus dem aktuellen Fünfjahresplan für chinesische und ausländische Investoren ergeben. So hat die Zentralregierung in Peking die Biopharmazie als einen Schwerpunktsektor identifiziert. Die Umsätze der chinesischen Biopharmazieunternehmen wuchsen im Zeitraum vom 2010 bis 2014 jährlich durchschnittlich um 23%. In diesem Bereich gibt es mehr als 170 börsennotierte Gesellschaften. Bis zum Ende des Fünfjahresplans soll die Branche um das Doppelte wachsen. Hierzu sollen u.a. neue Technologien aus der Genomforschung zum Einsatz kommen und weiter entwickelt werden. Die Autoren der Studie sehen hierin einen Treiber Cross-border-M&A und eine vertiefte internationale Zusammenarbeit.

Ein weiterer Bereich, in denen chinesische Unternehmen bereits seit einigen Jahren im Ausland auf Einkaufstour sind, sind High-end-Komponenten und -Ausrüstung in verschiedenen Sektoren. Dies umfasst so unterschiedliche Bereiche wie Luft- und Raumfahrt, Schiffbau, den Schienenverkehr, Automation und Robotik, Landwirtschaftliche Maschinen und Management, Medizintechnik oder auch Anlagen für die petrochemische Industrie. In all diesen Branchen sollen zukunftsweisende Technologien eingeführt und weiter entwickelt werden.

Die KPMG-Studie (Englisch) kann hier heruntergeladen werden.

Überraschende Wende bei Aixtron-Übernahme

Neue Runde im Prüfverfahren: Das BMWi will sich die Übernahme von Aixtron durch GCI nochmals näher anschauen. 再次提上审核:德国联邦经济部需进一步审查福建投资基金对爱思强的收购案. Bild: Aixtron SE

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) stellt die Übernahme des deutschen Spezialmaschinenbauers Aixtron durch einen chinesischen Bieter erneut auf den Prüfstand. Das Ministerium hat seine Anfang September an das Unternehmen Fujian Grand Chip Investment (FGC) erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung widerrufen. Dies erfuhr Aixtron noch Freitagabend vom Ministerium. Die entsprechende Adhoc-Meldung erfolgte allerdings Montagmorgen um halb sieben zum Wochenauftakt. Offenbar wurden alle Beteiligten auf dem falschen Fuß erwischt.

FGC hatte Ende Juli ein 680 Mio. EUR umfassendes Kaufangebot für Aixtron abgegeben. Angeblich hatte die chinesische Beteiligungsgesellschaft schon rund zwei Drittel der Aixtron-Aktien angedient bekommen. Am 21. Oktober lief die Annahmefrist ab.

Aixtron produziert Chipanlagen zur Herstellung von Leuchtdioden, die in der Unterhaltungselektronik, Autoindustrie und bei industrieller Beleuchtung zum Einsatz kommen – zugleich ist die aus der RWTH abgespaltene Hightech-Schmiede ein Kind des ehemaligen Neuen Marktes, notiert als eines der ersten Unternehmen 1997.

Aktionäre liefen Sturm auf der Aixtron-HV im Frühjahr: Der Übernahmepreis sei zu niedrig, Knowhow solle nach China abgezweigt werden. FGC versprach im Vorfeld, weiterhin auf das Management-Knowhow aus Deutschland zu setzen: Übernahme ja, reinlabern nein. Ein übliches Vorgehen bei Transaktionen aus dem Ausland.

Auch Wirtschaftsminister Gabriel schaltete sich ein: Man müsse mehr Handhabe gewinnen bei ausländischen M&A-Vorhaben, sprich: man wolle mehr Mitsprache, mehr Regulierung. Das widerspricht natürlich einem freien Markt. Ob die Chinesen – oder sonst wer – ein faires Angebot unterbreiten, darüber entscheiden ja wohl die Aktionäre. Notfalls mit den Füßen.

Ähnliche Diskussionen gab es bei der kürzlichen Übernahme von Kuka durch Midea. Weder sind die Debatten neu, noch dürften sie abebben. Über patriotischen Einsprüche der Regierung wie in den USA hat man sich hierzulande öfters lustig gemacht – inzwischen sitzen alle im selben Boot: China investiert, und zwar überall auf der Welt.

Die Gabriel-Pläne gelten daher als was sie sind: heiße Luft, Wahlkampfpopulismus.

Interessant ist hingegen, dass die Chinesen mit ihrer hauseigenen Inbound-M&A-Politik ihrerseits durchkommen. Natürlich kann in China nicht jeder investieren, und wer es kann, unterliegt strenger Aufsicht und Auflagen. Meistens müssen sich Ausländer mit Knowhow-Abfluss anfreunden – oder draußen vor bleiben.

Offiziell ist es so: Zur Vermeidung von Sicherheitsgefahren kann das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie den Erwerb inländischer Unternehmen durch ausländische Käufer im Einzelfall überprüfen. Grundlage dafür sind das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) und die Außenwirtschaftsverordnung (AWV). Geprüft werden kann jeder Unternehmenskauf, durch den ausländische Investoren mindestens 25% der Stimmrechte an einem in Deutschland ansässigen Unternehmen erlangen.

Was das BMWi aktuell beanstandet, wird Aixtron sicherlich noch kommentieren. Denn eigentlich war die Offerte für den oftmals kriselnden LED-Spezialisten halbwegs fürstlich: Die Beteiligten bekunden, dass Kosten zu senken oder Stellen abzubauen kein Thema der Fusion sei: FCG unterstütze Aixtrons bisherige Strategie, Martin Goetzeler bleibe CEO und Dr. Bernd Schulte COO. Rund 1,7 Mrd. RMB (etwa 231 Mio. EUR)  werden als Eigenkapitalfinanzierung durch FGC bereitgestellt.