Chinas Wirtschaft wächst im August

Auch im August stehen die Zeichen für Chinas Wirtschaft auf Normalisierung, wenn nicht sogar Wachstum. Nicht nur die weiter steigende Binnennachfrage, sondern auch das Wiedererstarken des Exportsektors sorgen für positive Nachrichten aus den Bereichen Produktion, Automotive und dem Immobilienmarkt.

Chinas Wirtschaft im August, © lily
Im August ist Chinas Wirtschaft dank des erstarkenden Exports wieder deutlich gewachsen. Quelle: Adobe Stock; © lily

Bereits in den letzten Monate hatte sich Chinas Wirtschaft weitgehend stabilisiert. Bisher wurde sie dabei aber weitgehend vom erstarkten Binnenmarkt getragen, da die Aufträge aus dem Ausland eingebrochen waren. Nachdem immer mehr Länder im Westen ihr öffentliches Leben und ihre eigene Produktion herunterfahren mussten, wurden auch immer weniger chinesische Produkte und Werkstoffe wie Stahl nachgefragt. Mittlerweile erstarkt aber auch der Exportsektor der Volksrepublik wieder und Chinas Wirtschaft erreichte im August teilweise neue Rekordwerte. Die Industrieproduktion stieg im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent.
Das schlägt sich auch in steigenden Zahlen im Güterzugverkehr zwischen China und Europa nieder, die mittlerweile auf Rekordniveau liegen.

Auch der chinesische Einzelhandel erreichte mit 0,5 Prozent erstmalig in diesem Jahr knapp wieder die Wachstumszone. In Verbindung mit dem Wiedererstarken des Exportsektors hat die steigende Binnennachfrage Chinas Wirtschaft im August teilweise sogar zu neuen Höhen getragen. So verzeichnete das produzierende Gewerbe das höchste Wachstum der vergangenen neun Jahre. Der „Caixin China General Manufacturing Purchasing Managers“-Index (Caixin) wies im August einen neuen Rekordwert aus. Nach vier Monaten stetigen aber geringen Wachstums, stieg er bis auf 53,1 Punkte. Damit liegt er aktuell über der bisherigen Bestmarke von 52,8 Punkten, die zuletzt im Januar 2011 erreicht worden war.

Weiterhin gedämpfter Optimismus

Insgesamt ist der Optimismus im produzierenden Gewerbe aber weiterhin gedämpft. Die Unternehmen haben zwar begonnen, wieder mehr Mitarbeiter einzustellen, die Zahlen liegen aber noch unter der Wachstumsschwelle. Gründe sind unter anderem die nach wie vor in weiten Teilen der Welt nicht besiegte Corona-Pandemie sowie die andauernden Wirtschaftsstreitigkeiten zwischen den USA und China.

Interessant ist auch, dass der offizielle „Purchasing Manager Index“ (PMI) der chinesischen Regierung mit 51 Punkten deutlich unter dem Caixin-Index liegt. Bei kleineren Unternehmen zeigt er sogar einen Rückgang von 48,6 auf 47,7 Punkte. Eine mögliche Ursache ist, dass der offizielle PMI auch die zuletzt stark von Überschwemmungen betroffenen Regionen Chinas erfasst. Gerade hier sind viele kleine und mittelständische Unternehmen angesiedelt. Der Caixin-Index hingegen konzentriert sich stark auf die Produktionszentren entlang der chinesischen Ostküste mit ihren Großunternehmen.

Immobilienpreise steigen

Parallel mit dem Wiedererstarken der Wirtschaft Chinas im August sind auch die Preise für Immobilien wieder stärker gestiegen. Von den 70 Städten, deren Immobilienmarkt vom Nationalen Statistikbüro überwacht wird, um die Entwicklung des Sektors einzuschätzen, verzeichneten 59 ein Wachstum von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, beziehungsweise von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auffällig ist dabei, dass die Preise in den Tier-1-Städten, wie beispielsweise Shenzhen, weniger stark stiegen als im direkten Umland. Dies ist in der immer engeren Kontrolle des Marktes in diesen Städten durch die Aufsichtsbehörden begründet. Sie sind verstärkt dazu aufgerufen, Spekulationen mit Immobilien zu unterbinden, um bezahlbaren Wohnraum sicherzustellen.
In China ist es weiterhin nicht unüblich, dass große Teile von Wohnanlagen leer stehen. Die Eigentümer haben die Wohnungen nur in der Hoffnung auf steigende Preise erworben. Sie nutzen sie weder selbst, noch werden sie vermietet, da eine Nutzung als wertmindernd angesehen wird.

Um den Markt während der Corona-Pandemie in China zu stützen, wurden diese Regulierungsmaßnahmen in der ersten Jahreshälfte weniger strikt umgesetzt. Jetzt, wo Chinas Wirtschaft im August gewachsen ist und der Immobilienmarkt spürbar anzieht, werden die Behörden die Trends wieder genauer im Blick behalten. Die weitere Entwicklung ist daher momentan schwer vorherzusagen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Markt stabil bleiben aber nur geringes Wachstum aufweisen.

Autoindustrie mit guten Zahlen

Den starken August verdankt Chinas Wirtschaft unter anderem auch dem Automobilmarkt. Nach den Umsatzeinbrüchen zu Beginn des Jahres liegen die Verkaufszahlen aktuell bereits 3,5 Prozent über denen des Vormonats und 11,6 Prozent über den Vorjahreswerten. In absoluten Zahlen wurden allein im August 2,19 Millionen Fahrzeuge verkauft, davon 1,76 Millionen PKW. Auf das Jahr gerechnet liegen die Verkaufszahlen damit weiterhin fast zehn Prozent über den Vorjahreszahlen. Dank der wiedererstarkten Nachfrage, und mit Blick auf die traditionell umsatzstärksten Monate September und Oktober, ist die China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) aber optimistisch, was das Jahresergebnis angeht.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Markt für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, zu dem auch Elektrofahrzeuge gehören. Mit 109.000 verkauften Einheiten im August machen sie weiterhin nur einen Bruchteil des Gesamtmarktes aus. Allerdings liegt das Wachstum des Segments, im Vergleich zum Vorjahresmonat, bei 25 Prozent. Dieses starke Wachstum hängt auch direkt mit der schrittweisen Verschärfung der Emissionsgrenzwerte durch die chinesische Regierung zusammen. So werden die alternative Antriebe zu einer immer attraktiveren Option für viele Käufer.

Zwar machen die Elektroautos aus chinesischer Produktion zusammen nicht einmal 10 Prozent des Segments aus, sie weisen aber noch deutlich stärkere Wachstumsraten als die ausländischen Fabrikate auf. Ihr Anteil wird sich auch in Zukunft weiter erhöhen, da die meisten Hersteller wie Nio oder Xpeng ihre Produktionskapazitäten erhöhen, um mit der steigenden Nachfrage Schritt zu halten