E-Mobility und alternative Antriebe in China als Chance

Nicht nur die deutsche Industrie, speziell Automotive-Werkzeugmaschinen und andere Kernzweige, stehen vor dem vielleicht gewaltigsten Change-Prozess der jüngeren Industriegeschichte überhaupt: der Wechsel im Automotive-Bereich vom reinen Verbrennungsmotor als alleinigem Antrieb hin zu einem voraussichtlich bunten Strauß von Antrieben konventioneller Art, Hybridantrieben, reinen E-Cars oder – in Zukunft auch denkbar – Wasserstoffantrieben.

Stau in China
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Viele Industriebetriebe müssen sich auf diesen Change-Prozess radikal einstellen. Um E-Mobility und alternative Antriebe als Chance zu nutzen werden große Teile des gesamten Produktspektrums in Zukunft entweder wegfallen oder stark gewandelt werden müssen. Doch es gibt Hoffnung: So bescheinigt die jüngst veröffentlichte Studie „E-Mobility Index 2019“ von Roland Berger und der fka GmbH der deutschen Industrie eine Technologieführerschaft im Bereich E-Mobility und Battery Power. Die deutschen Unternehmen müssen es nur schaffen, diese in aktives Business umzusetzen. Das Gebot der Stunde ist also, klare Strategien für das Unternehmen zu entwickeln. Hinsichtlich der weiteren Sicherung von Absatzmärkten und der Umsetzung notwendiger Änderungen im Produktportfolio.

Situation in China

China stellte bereits in den vergangenen zehn bis 15 Jahren einen nicht mehr wegzudenkenden Markt dar. Nicht nur für die deutsche Automobilindustrie, sondern auch für Zulieferer, die vor Ort Werke sowie Niederlassungen gegründet haben und teils für deutsche OEMs (Automobilhersteller) wie auch für chinesische OEMs in China tätig waren. Heute gilt der Bereich E-Mobility als eindeutig größter Markt und größter Produzent in China. Nirgendwo sonst auf der Welt fährt man bereits so viele E-Cars. Schätzungen gehen von über 1,2 Mio. Fahrzeugen im Jahr 2017 aus, was etwa 40% der E-Mobility-Weltflotte entspricht. (Siehe Studie der German Asia-Pacific Business Association 01/2020.) In puncto Technologie besitzt Deutschland nach wie vor einen Vorsprung. Liegt es für deutsche Unternehmen also nahe, hier eine Symbiose mit dem weltgrößten Markt, den größten Produzenten und der deutschen Technologie einzugehen?

China scheint erkannt zu haben, dass es in Zukunft einen Mix verschiedener Antriebe geben wird: von konventionell über E-Mobility mit und ohne Hybrid bis hin zu anderen alternativen Antrieben, wie z.B. Wasserstoff. Hierzu zählen nicht nur reine Automobilzuliefererteile, sondern auch die Infrastruktur und deren Ausbau. Ohne sie wird die E-Mobility nicht weiterwachsen können. Besonders in mittelständischen und kleinen chinesischen Unternehmen wartet man auf z.B. deutsche Unternehmen, die bereit sind, gemeinsam die Technologie und Produktion voranzutreiben. Zwar sind E-Mobility und alternative Antriebe eine Chance für die deutsche Industrie – nur muss der Schritt sorgfältig bedacht und geplant sein. Er muss finanzierbar sein sowie von der Unternehmensorganisation gestemmt werden können.

Voraussetzungen für deutsche Unternehmen

Wie unsere Beratungspraxis zeigt, muss ein deutsches Unternehmen für den Weg nach China einen gewissen „langen Atem“ haben. Das schnelle Geld ist in China nicht (mehr) zu verdienen, es bedarf ausreichender personeller, organisatorischer und letztendlich auch finanzieller Ressourcen. Sonst wird der Schritt nicht in einen wirtschaftlichen Erfolg umgemünzt werden. Erfolg hat in China heutzutage nur, wer bereit ist, ein langfristiges Engagement nachhaltig durchzuführen und die chinesischen Besonderheiten zu verstehen, zu lernen und mit ihnen umzugehen.

Personelle Ressourcen

Bevor ein deutsches Unternehmen den Schritt nach China wagt, ist intern zu klären, wer ihn verantwortlich managen soll. Dafür müssen möglichst bilinguale Personen eingeteilt sein, die sich hauptsächlich um das Chinaprojekt kümmern können. (Diese müssen mindestens Deutsch und Englisch, idealerweise auch Chinesisch beherrschen.) Aus der jahrelangen Betreuung deutscher Tochterunternehmen in China können wir feststellen, dass dies einen der wesentlichen Erfolgsfaktoren in China darstellt.

Organisatorische Voraussetzungen

Das Unternehmen muss seine Organisation für den Schritt nach China anpassen. Formulare, Vertragswerke und E-Mail-Verkehr müssen so umgestellt werden, dass auch die Kollegen in China sie verstehen. Daneben müssen Produkte und Produktionsverfahren so aufgestellt sein, dass sie möglichst in beiden Ländern Gültigkeit haben. Dabei sind natürlich die lokalen Besonderheiten zu beachten. Auch das Rechnungswesen ist auf die Internationalität anzupassen.

Finanzen

Für China muss zudem eine sorgfältige Businessplanung erstellt werden. Dabei ist abzuschätzen, inwieweit nach den gesetzlichen Anforderungen in China die dort notwendige Eigenkapitalrelation zum gesamten sogenannten „Total Investment“ aufgebracht werden muss und woher die Finanzierung hierfür stammt.