BAIC will Beteiligung an Daimler erhöhen

Meldungen zufolge will die Beijing Automotive Industry Holding(BAIC) größter Einzelaktionär bei Daimler werden und strebt eine Verdoppelung der Beteiligung an.

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Noch im Oktober hatte Heyi Xu, Chef von BAIC, eine Erhöhung der Beteiligung an dem deutschen Autobauer ausgeschlossen: „Wir haben keine Pläne, den Anteil zu erhöhen.“ Nur knapp 6 Wochen später scheint diese Ankündigung Makulatur zu sein. Zumindest behauptet dies die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ungenannte Quellen. Wichtiges Indiz ist dabei die Meldung von Daimler, dass die Großbank HSBC Ende November 2019 insgesamt 5,3% der Daimlerstimmrechte direkt oder indirekt, z.B. über Swaps, kontrolliere. Die HSBC hatte BAIC bereits beim Erwerb des ersten Aktienpaktes von Daimler unterstützt, wodurch die Pekinger sich 5% der Anteile des Stuttgarter Autobauers sichern konnten.

Die Motivation hinter dem Sinneswandel dürfte zum einen natürlich sein, den chinesischen Konkurrenten Geely auszustechen, der sich in einem überraschenden Manöver Anfang 2018 insgesamt 9,7% der Anteil des Daimlerkonzerns sichern konnte. Das Unternehmen aus Hangzhou ist damit aktuell der größte Einzelaktionär bei Daimler. Außerdem strebt BAIC wohl einen Sitz im Aufsichtsrat des Unternehmens an. Darüber hinaus aber sind BAICs Bemühungen auch aus einer anderen Perspektive interessant: Daimler hatte immer wieder Interesse an der Übernahme oder zumindest einer deutlichen Aufstockung der Anteile des gemeinsamen Joint Ventures Beijing Benz Automotive (BBAC) signalisiert. Ab dem Jahr 2022 fällt die 50-50 Regelung. Diese untersagt es ausländischen Automobilherstellern, mehr als 50% der Anteile an einem Joint Venture zu halten.

Der Daimler-Konkurrent BMW hatte bereits im Sommer des vergangenen Jahres mit seinem Partner Brilliance eine Aufstockung der Anteile am gemeinsamen JV von 50% auf 75% im entsprechenden Jahr vereinbart. Daimlers Ambitionen in diese Richtung hingegen wurden nicht zuletzt durch den Einstieg von Geely gebremst. Eine Übernahme des JV durch den deutschen Partner bei dem ein direkter Konkurrent größter Einzelaktionär ist, dürfte in Peking für Bauchschmerzen gesorgt haben. Insofern waren die Gespräche immer wieder eingeschlafen. Sollte BAIC nun selbst zum größten Einzelaktionär aufsteigen, dann könnte sich auch in dieser Frage eine neue Dynamik ergeben.

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