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Chinas Wirtschaft wächst um 4,9 Prozent

Chinas Wirtschaft wächst
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Im dritten Quartal 2020 erreicht das chinesische Wirtschaftwachstum mit 4,9 Prozent fast wieder Vorkrisenniveau, wie unter anderem die chinesische Global Times berichtet. Angesichts der massiven Einbrüche im ersten Quartal wird das Gesamtwachstum 2020 allerdings mit knapp 2 Prozent insgesamt deutlich geringer ausfallen. Dennoch ist absehbar, dass die Volksrepublik die einzige große Volkswirtschaft der Welt ist, die 2020 überhaupt ein Wachstum ausweisen kann.

Industrie trägt Erholung

Chinas Wirtschaft wächst wieder und Haupttreiber dieser Erholung ist die Industrie. Ihre Produktion ist um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gewachsen – der sechste monatliche Anstieg in Folge. Die Exporte liegen bereits jetzt 10 Prozent über den Werten des Vorjahreszeitraums. Ein Anstieg, der unter anderem darauf zurückgeführt wird, das andere Exportländer noch unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden. Davon profitieren die chinesischen Produzenten, die in die so entstandenen Kapazitätslücken stoßen und diese Bestellungen erfüllen können. Ein Indikator ist das stetig wachsende Frachtzugvolumen zwischen China und Europa.

Fokus auf den Binnenkonsum

Im Einzelhandel wiederum ist die Nachfrage mit 3,3 Prozent nur vergleichsweise leicht gestiegen. Dennoch hat sie sich mit deutlichem Wachstum gegenüber dem zweiten Quartal offensichtlich wieder weitgehend stabilisiert. Allerdings liegt sie trotz dieser zuletzt guten Werte weiterhin 7,2 Prozent unter denen des Vorjahres.
Ein wichtiger indirekter Indikator für das chinesische Konsumklima sind die Automobilverkäufe. Sie steigen bereits seit sechs Monaten wieder an. Auch das verfügbare Einkommen (pro Kopf) ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent gewachsen. Dieser Wert ist niedriger in als den letzten Jahren, markiert aber das erste Mal seit Beginn der Krise, dass er überhaupt wieder gewachsen ist. Ein weiterer Hinweis auf die insgesamt positive Entwicklung.
Parallel ist die Arbeitslosigkeit in den urbanen Ballungszentren auf 5,4 Prozent gefallen und liegt damit wieder auf Vorkrisenniveau.

Gerade vor dem Hintergrund des neuen Systems der „Dual Circulation“, das voraussichtlich Bestandteil des kommenden 5-Jahres-Plans sein wird, kommt dem Binnenkonsum in China eine wachsende Bedeutung zu. Die Zentalregierung in Peking verfolgt diese Zahlen daher besonderes genau.

Politische Zahlen, aber Chinas Wirtschaft wächst

Wie bei allen offiziellen Zahlen aus der Volksrepublik muss bedacht werden, dass diese nicht nur auf neutralen Erhebungen beruhen, sondern in hohem Maße politisch sind. Es ist daher davon auszugehen, dass einzelne Provinzen ihre Zahlen möglicherweise schönen, um die Vorgaben aus der Hauptstadt zumindest auf dem Papier zu erfüllen. Auch sind die Bemessungsgrundlagen für das BIP andere als beispielsweise in Deutschland, weshalb hier keine direkte Vergleichbarkeit gegeben ist.
Unabhängig von einzelnen Prozentzahlen lässt sich aber insgesamt festhalten, das die chinesische Wirtschaft die Krise offensichtlich überwunden hat und wieder auf klarem Wachstumskurs ist.

So wichtig ist Vertrauen für deutsch-chinesische Unternehmen

Vertrauen China Deutschland
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Insbesondere in Krisenzeiten wie der aktuellen bildet Vertrauen das Fundament dafür, dass Führungskräfte und ihre Teams auch über Videokonferenzen gut miteinander arbeiten. Weil deutsche Manager mittlerweile über einen langen Zeitraum keinen persönlichen Austausch mit Mitarbeitern vor Ort haben, wird die Frage nach der Besetzung von Führungskräften in China (Locals vs. Expats) immer stärker diskutiert. Dies gilt umso mehr, wenn kritische Schlüsselpositionen nicht besetzt werden können, weil Telefonate und/oder Videointerviews als Entscheidungsgrundlage nicht ausreichen. Bei Geschäftsführerposten oder anderen C-Level-Positionen bestehen deutsche Unternehmen auf ein persönliches Gespräch; chinesisch investierte Unternehmen hingegen zeigen sich dabei flexibler und entscheidungsfreudiger.

Für das Finden und Weiterbilden von Fach- und Führungskräften im deutsch-chinesischen Management haben sich aus unserer Erfahrung des vergangenen halben Jahres fünf Aktionsfelder als effizient herausgestellt:

  1. Messbare Erfolge und Transparenz

Um Vertrauen zu festigen oder auszubauen, bedarf es zweier Zutaten.

Erstens: Erzielen Sie gemeinsam mit den Mitarbeitern schnelle und messbare Erfolge. Das können Sie z.B. durch einen Wettbewerb unter Teams oder Abteilungen für Businessideen erreichen. Diese werden dann von einem paritätisch besetzten Gremium prämiert werden – denn gerade in China, wo das Bildungssystem mehr auf die Wissensvermittlung als auf die Lösungskreativität ausgerichtet ist, lässt sich durch Wettbewerbe die fürs Problemlösen wichtige Kreativität der Mitarbeiter aktivieren.

Zweitens: Seien Sie so transparent, dass Mitarbeiter Ihr Handeln gut nachvollziehen können, auch wenn sie 7.000 km weit entfernt arbeiten. Insbesondere die Antworten auf die drei W-Fragen (why, how, what) sollten Mitarbeitern klar sein. Gerade chinesische Mitarbeiter brauchen hier viel klarere und offensichtlichere Strukturen, neigen sie beim Arbeiten doch viel mehr zum Mikromanagement. Das muss dem Management bewusst sein, das von Deutschland aus Mitarbeiter in China führt. Auch bei Recruting-Prozessen muss man im Zusammenhang mit China noch weitaus mehr auf Transparenz setzen. Denn hier sind deutlich mehr Stakeholder in die Entscheidungsrunden einzubeziehen als in Deutschland, wo eine Entscheidungsrunde für das Einstellen von Top-Personal teils gar nur aus Geschäftsführer und Inhaber besteht.

  1. Sicherheit als Fundament für Zusammenarbeit

In Krisensituation bekommt Sicherheit oberste Priorität. Aber was Sicherheit verleiht, darin bestehen wichtige Unterschiede zwischen chinesischen und deutschen Mitarbeitern. So werden z.B. schlechte Nachrichten von chinesischen Mitarbeitern noch viel negativer aufgefasst als von ihren deutschen Pendants. Gegebenenfalls führen sie bei Ersteren bedeutend leichter zur Kündigungsbereitschaft. Deshalb ist beim Formulieren und Ausgestalten von negativen Nachrichten in Krisenzeiten für chinesische Mitarbeiter eine hohe Aufmerksamkeit genauso erforderlich, um kein Vertrauen zu verspielen. Die transparente, optimistische, nach vorne gerichtete Kommunikation ist dann noch viel wichtiger als in Deutschland.

  1. „Faktor Mensch“

Hat ein Managementkandidat die offiziellen Qualifikationsanforderungen erfüllt, kann der Recruting-Prozess bei deutschen Unternehmen in der Regel zeitnah abgeschlossen werden. In China hingegen nehmen sich die Verantwortlichen für den Einstellungsprozess von Managern viel mehr Zeit als in Deutschland; der Vertrauensaufbau dauert bedeutend länger, was für deutsche Kandidaten oft ungewöhnlich ist. Mit deutschen Kandidaten für Managementpositionen in chinesischen Unternehmen sollte man von daher den Vertrauensbildungsprozess frühzeitig starten. So könnte man sie bereits in der Anbahnungsphase Meetings leiten lassen.

Wenn Manager von Deutschland aus dann Mitarbeiter in China über die Distanz führen, wird es in Krisenzeiten umso wichtiger, sich in deren Situation vor Ort einzudenken, um Vertrauen aufzubauen und zu festigen: Wie kann ich noch enger und optimistischer mit ihnen kommunizieren? (Zum Beispiel sollte man sich in der Krise noch weitaus mehr nach dem Zustand von Eltern und anderen Angehörigen erkundigen.) Welche Sorgen treiben ihn und seine Familie um? Wie gut werden seine Bedürfnisse in der Krise berücksichtigt?

Schließlich ist man in China vom Dan-wei-Grundsatz geleitet, dass es dem Management obliegt, sich wie ein Familienoberhaupt um alles zu kümmern. Für das Führen aus der Ferne sollte man deshalb auch die Kommunikationsfrequenz im Kontakt mit chinesischen Mitarbeitern deutlich erhöhen und dafür die für sie relevanten Kanäle wie WeChat etc. nutzen.

Vertrauen entsteht durch gemeinsamen Erfolg.
Top Team: Das Erfolgefeiern hebt die Stimmung eines chinesischen Teams noch deutlich mehr als in Deutschland.
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  1. Erfolge gemeinsam realisieren

Im Gegensatz zu den vorherrschenden Unternehmenskulturen in Deutschland sind es Teams und Mitarbeiter in China gewohnt, viel privat zu unternehmen. Das gemeinsame Essen, der Ausflug mit dem Team oder der gemeinsame Besuch der Chinese-New-Year-Aufführung sind fast schon Pflicht, damit eine gute Teamkultur entsteht. Insbesondere wenn eine deutsche Führungskraft chinesische Teams zu führen hat, sollte ihr das bewusst sein. Optimal ist, wenn sie gemeinsam mit ihrem Team für nachprüfbare schnelle Erfolge in Projekten sorgt. Das Erfolgefeiern hebt die Stimmung eines chinesischen Teams noch deutlich mehr als in Deutschland. Es lässt die Erfahrung der virtuellen Umgebung von Videokonferenzen in den Hintergrund treten. Chinesische Teams erleben dann eine derartige Zusammengehörigkeit, dass sie bereit sind, die Extrameile zu gehen, auch am Wochenende zu arbeiten und sich stark zu engagieren.

  1. Die wichtigen Zukunftsfragen stellen

In einer Krise ist eine noch viel stärkere Kundenorientierung notwendig. Was benötigen unsere Kunden jetzt mehr als vorher? Welche Geschäftsfelder werden an Bedeutung verlieren? Wie kann man in der Krise auch vom deutschen Headquarter in China Innovationen anregen? Die deutsch-chinesischen Erfolgsbeispiele dafür werden immer mannigfaltiger, da werden in Teams, die in Deutschland und in China sitzen, mit Erfahrungen aus der Dichtungstechnik innovative Antriebstechniken entwickelt oder es entstehen Cloudplattformen, die Lösungen für veränderte Supply Chains bereitstellen. Solche Lösungen sind möglich, obwohl die deutschen und chinesischen Beteiligten mehr als fünf Monate nur via Zoom, Teams oder WeChat Kontakt miteinander hatten – dies zeigt, dass man auch von Deutschland die nötige Innovoation und Effizienz vorantreiben kann.

Fazit

Gerade in Krisenzeiten bereitet Vertrauen als eine der wichtigsten Führungsaufgaben den Nährboden dafür, dass deutsch-chinesische Teams den Unternehmenserfolg vorantreiben. Bei den fünf dafür zentralen Faktoren – messbare Erfolge und Transparenz, Sicherheit, Faktor Mensch, gemeinsames Erleben der Erfolge und Antworten für wichtige Zukunftsfragen – gilt es für das Führungspersonal, die Unterschiede zwischen China und Deutschland zu beachten. Wenn man sie gut berücksichtigt, dann entwickeln Teams innovative und kreative Lösungen, um gestärkt aus der Krise zu kommen.

Due Diligence in COVID-19-Zeiten

Due Diligence, China und COVID-19-19
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Alles deutet darauf hin, dass man sich als Konsequenz der Corona-Krise verstärkt mit einem „New-Normal-Szenario“ beschäftigen sollte und die Veränderungen überaus detailliert herausarbeiten muss. Daraus ergeben sich für Firmen in Deutschland und China wichtige Folgen für die Due Diligence zur Bewertung eines Unternehmens im aktuellen COVID-19-Marktumfeld.

Auswirkungen auf Unternehmensfusionen und -übernahmen

Der kurzfristige Einfluss von COVID-19 auf geplante Unternehmensabspaltungen, -fusionen und -übernahmen hat auch im deutsch-chinesischen Umfeld vielfach zu einem temporären Stopp der M&A-Prozesse geführt. Da Fusionen und Übernahmen aber für zahlreiche chinesische und deutsche Firmen einen wichtigen Bestandteil ihrer Unternehmens- bzw. Wachstumsstrategie darstellen, wird die schrittweise Lockerung von Maßnahmen wieder zu einem Anstieg der Transaktionsbereitschaft aller involvierten Parteien führen.

Profitabilität während und nach dem Lockdown

Im Transaktionsumfeld hat sich das EBITDA als ein Bewertungsparameter für die Praxis etabliert. Denn es wird weder durch nicht-zahlungswirksame Abschreibungen noch durch Finanzierungsstrukturen oder steuerliche Gestaltungsspielräume „verzerrt“. Deshalb dient es als geeigneter Näherungs- und Vergleichswert für die operative Leistungsfähigkeit eines Unternehmens.

Gleichwohl kann auch das EBITDA eines Jahres besonderen Einflüssen unterliegen. Um dennoch eine repräsentative und nachhaltige Profitabilität eines Unternehmens zu ermitteln, ist es daher um besondere Effekte im Jahr zu bereinigen. Dafür lassen sich durch COVID-19 bedingte (nicht-)operative Einmaleffekte herausrechnen oder finanzielle Einflüsse bereits implementierter langfristiger Maßnahmen berücksichtigen. Das können z.B. die Reduzierung der Büromietflächen durch eine steigende Nutzung von Homeoffice oder die konsequente Reduzierung von Reisekosten durch Einsatz von Videotelefonie sein. Diese müssten zusätzlich berücksichtigt werden, sollten sie in den aktuellen Finanzdaten noch nicht vollumfänglich reflektiert sein (sogenannte Pro-forma-Anpassungen). Allerdings basieren besonders diese Anpassungen oftmals auf subjektiven Wahrnehmungen der handelnden Personen. Daher kann die pro-forma ausgewiesene Ertragskraft eines Unternehmens Unter- oder Überschätzungen unterliegen.

Abweichungsanalysen liefern wertvolle Erkenntnisse

Die Effekte von COVID-19 auf Umsatz- und Kostenentwicklung, Working Capital und Investitionen strukturiert aufzuarbeiten wird wichtiger werden. Auch weil die Anforderungen an eine Bankenfinanzierung oder an die Erteilung der Freigabe einer Auslandsinvestition durch staatliche Behörden in China (z.B. MOFCOM) steigen. Dafür bietet sich an, die jüngsten Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis eines Unternehmens in drei Phasen zu unterteilen. Das wären: vor COVID-19, Lockdown, und „New Normal“. Zunächst sollten die Daten für die Vor-COVID-19-Periode (in den meisten Fällen 2019) zugrunde gelegt werden. Umsätze und Aufwendungen aus 2020 würde man dann mit den Vorjahren und dem ursprünglichen Budget für 2020 vergleichen. Eine Abweichungsanalyse liefert erste wertvolle Erkenntnisse. Oftmals würden im Anschluss beobachtete Plan-/Ist-Abweichungen – soweit möglich – in „COVID-19-bedingte Effekte“ sowie in „nicht-COVID-19-bedingte Effekte“ klassifiziert werden. Investoren sollten relevante Themen identifizieren und mit dem Management des jeweiligen Unternehmens diskutieren, wie z.B.:

  • „entgangene” oder in die Zukunft aufgeschobene Umsatzerlöse,
  • Einmalerträge in Form von Zuwendungen und/oder Subventionen,
  • Personalkosteneinsparungen durch die Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeldern sowie
  • Abfindungsaufwendungen oder sonstige Restrukturierungsaufwendungen.

Unterscheidungssachverhalte mit COVID-19-Relevanz

Im nächsten Schritt sollten eindeutige bzw. „harte“ Einmaleffekte von „weicheren“ EBITDA-Einflüssen unterschieden werden. Während man harte Effekte vermutlich relativ eindeutig normalisieren kann, sind letztere als Pro-forma-Anpassungen zu diskutieren. Dafür sehen wir drei Unterscheidungssachverhalte:

  1. Zeitlich begrenzte Auswirkungen: Für Geschäftsmodelle, die im ersten Halbjahr 2020 durch den Lockdown beeinträchtigt waren, jedoch ihr ursprüngliches Umsatzniveau relativ zügig nach Ende der Beschränkungen wieder erreicht haben (z.B. Baumärkte, Baugewerbe), bietet sich die Verwendung einer um etwaige Nachholeffekte bereinigten Run-Rate an, basierend auf belastbaren Finanzdaten nach dem ersten Lockdown.
  2. Auswirkungen bis zum Ende der Krise: Einige Geschäftsmodelle waren vom ersten Lockdown betroffen und verzeichnen auch nach dessen Ende Umsatzerlöse unterhalb des Vor-COVID-19-Niveaus. Die operativen Kosten fielen aber größtenteils unverändert an (z.B. im Einzelhandel). In diesen Fällen bietet sich eine Run-Rate-Anpassung basierend auf Vor-COVID-19-Margen/-Aufwandsquoten zur Darstellung einer Pro-forma-Ertragskraft an.
  3. Strukturelle Veränderungen des Geschäftsmodells nach COVID-19: Manche Branchen erfahren durch COVID-19 eine grundlegende Nachfrageveränderung (z.B. Luftfahrt), deren langfristige Auswirkung noch nicht abschätzbar ist. Zur Risikominimierung bietet sich hierbei das Abbilden möglicher zukünftiger Szenarien als Entscheidungs- und Bewertungsgrundlage an.

Due Diligence und China in COVID-19-Zeiten
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Transparenz der Due Diligence vermeidet Bewertungsabschläge

Um als Verkäufer nicht mit signifikanten Bewertungsabschlägen konfrontiert zu werden, sollten die COVID-19-bedingten Auswirkungen identifiziert und erläutert werden. Dabei kommt es auf die transparente und nachvollziehbare Überleitung relevanter Finanzkennzahlen zwischen der „alten Welt“ und dem „New Normal“ an. Durch eine interdisziplinäre Würdigung der Einflüsse können Due-Diligence-Berater hier einen unabhängigen Blick liefern, der finanzielle Aspekte und marktseitige Trends berücksichtigt. Mit ihren Erfahrungen lässt sich eine Transparenz schaffen, die das Berichtswesen im Unternehmen per Knopfdruck in der gewünschten Form nicht ermöglicht. Diese Transparenz unterstützt dabei, profitable Geschäftsmodelle im M&A-Prozess erfolgreich zu vermarkten und notwendige Freigabeprozesse ggf. involvierter Behörden in China zielgerichteter und erfolgreich durchlaufen zu können.

Audi und FAW gründen Joint Venture für E-Fahrzeuge

Audi und FAW gründen Joint Venture zur Produktion von Elektrofahrzeugen,
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Audi und die China FAW Group (FAW) vertiefen ihre langjährige Kooperation und gründen ein Joint Venture zur Produktion von Elektrofahrzeugen in China. Die entsprechende Absichtserklärung haben die Unternehmen im Rahmen der aktuell stattfindenden deutsch-chinesischen Automobilkonferenz in Changchun unterschrieben. Ausplanung und Name des Unternehmens stehen noch nicht fest. Schon jetzt ist aber vorgesehen, dass ab 2024 die ersten gemeinsam produzierten vollelektrischen Audis vom Band rollen sollen.

Markus Duesmann, Vorstandsvorsitzender der Audi AG und seit Juni direkt für das China-Geschäft verantwortlich, zum Ausbau der Kooperation: „Diese Entscheidung unterstreicht die strategische Bedeutung des chinesischen Marktes. Damit treiben wir Innovationen vor Ort aktiv voran,“

Audi und FAW kennen sich seit Jahrzehnten

Das neue Joint Venture ist bereits die zweite Kooperation zur Herstellung von Fahrzeugen, an der Audi in China beteiligt ist. Das bestehende Joint Venture zwischen JAW und der Audi-Mutter VW, JAW-Volkswagen, produziert schon heute Modelle der Marken VW, Jetta und Audi. Xiandong Qiu, Präsident von FAW, sieht in dem neuen Unternehmen daher auch einen Beweis für das über Jahrzehnte erarbeitete Vertrauen. Für ihn ist das Joint Venture ein weiterer Schritt hin zur Öffnung der chinesischen Autoindustrie.

Mit dem neuen Unternehmen stärkt Audi sein Engagement in China weiter. Zusätzlicher können die Ingolstädter ihr Angebot jetzt noch stärker auf die Wünsche und Bedürfnisse der chinesischen Kunden abstimmen. Dieser Fokus zeigt sich bereits heute in den L-Versionen der Fahrzeugpalette. Diese Modelle mit leicht verlängertem Radstand sind für den chinesischen Markt optimiert und in Deutschland gar nicht erhältlich.

Ziel ist der Kooperation ist, den Anteil von Elektrofahrzeugen am Absatz in China bis 2025 auf ein Drittel zu steigern. Für Werner Eichhorn, Präsident von Audi China, ist das neue Joint Venture ein entscheidender Schritt, dieses Ziel zu erreichen: „Dies ist ein weiterer Meilenstein in unserer Elektrifizierungsstrategie für den chinesischen Markt. Wir bekräftigen damit unser Commitment sowohl zu unserem langjährigen chinesischen Partner FAW als auch zu unserem Engagement in China, das wir damit auf eine neue Stufe heben.“

Produktion von Elektrofahrzeugen hat bereits begonnen

Basis der neuen E-Fahrzeuge wird die von Audi und Porsche gemeinschaftlich entwickelte Premium Platform Electric (PPE). Sie ist die Grundlage, auf der Audis elektrische Fahrzeugreihen basieren. Modelle wie den Audi e-tron, die das Ingolstädter Unternehmen bisher nach China importiert hat, werden bereits seit September in Changchun hergestellt. Auch den rein elektrischen Q2L e-tron und eine Plug-in-Hybrid-Version des A6L produzieren Audi und FAW schon gemeinsam.

Als einer der ersten internationalen Autohersteller in China produziert Audi im Joint Venture FAW-Volkswagen zuletzt an vier chinesischen Standorten. Bei einem Großteil der Fahrzeuge handelt es sich allerdings weiterhin um konventionelle Verbrenner. Die Werke in Changchun, Foshan, Tianjin und Qingdao verfügen insgesamt über eine Produktionskapazität von circa 700.000 Fahrzeugen im Jahr.

Vertragsschutz deutsch-chinesischer M&A-Deals in COVID-19-Zeiten

Vertragsschutz deutsch-chinesischer M&A-Deals COVID-19
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Bildnachweis: Andrej Popov.

Die COVID-19-Pandemie hat viele Akteure während laufender Unternehmenskäufe kalt erwischt. Die ursprüngliche Bewertung des Zielunternehmens und damit der Kaufpreis können aus Sicht des Käufers jetzt nicht mehr angemessen sein. Da chinesische Investoren eher deutsche Unternehmen kaufen als umgekehrt, stellt sich dann die Frage, inwieweit chinesische Investoren nun Kaufpreisanpassungen anstreben werden oder weitere Rechte ausüben können, aber auch, welche Klauseln künftig eine gesteigerte Bedeutung beim Vertragsschutz von M&A-Deals zwischen Deutschland und China erfahren.

Vertraglich vereinbarte Kaufpreisanpassung

Häufig wird die Anwendbarkeit gesetzlicher Regelungen durch den Unternehmenskaufvertrag weitestgehend ausgeschlossen. Für Kaufpreisanpassungen kommt es deshalb wesentlich auf die vereinbarten Bestimmungen im Unternehmenskaufvertrag an. Ist dort die finale Kaufpreisbestimmung bzw. Kaufpreisanpassung z.B. durch sogenannte Closing Accounts auf den Zeitpunkt des Closings, sprich den Vollzug der Transaktion vereinbart, trägt grundsätzlich der Verkäufer das Risiko einer sich verschlechternden wirtschaftlichen Situation des Zielunternehmens bis zu diesem Zeitpunkt.
Dies kann für den Investor zu einer vorteilhaften Finalisierung bzw. Anpassung des Kaufpreises führen. Regelmäßig nicht anpassungsfähig sind die vom Investor für die Kalkulation zugrunde gelegten wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten und Erwartungen an das Zielunternehmen.
Deutsche Verkäufer drängten aber in der Praxis bislang noch auf feste Kaufpreise, sodass hier wenig Anpassungsspielraum für chinesische Investoren besteht. Durch COVID-19 wird sich das ändern. Bereits jetzt ist im Markt zu beobachten, dass auch chinesische Käufer stärker auf Closing Accounts bestehen.

Nichterfüllung von Vollzugsvoraussetzungen

Gleichzeitig stellt sich auch die Frage, wann der chinesische Investor vom gesamten Vertrag zurücktreten kann. Eine Möglichkeit kann die Nichterfüllung von Vollzugsvoraussetzungen bieten. Hängt das Closing von einer behördlichen Freigabe wie Kartellfreigaben oder außenwirtschaftsrechtlicher Erlaubnisse oder Gremienzustimmungen aufseiten des chinesischen Käufers ab, könnte deren Nichterteilung dazu führen, dass die entsprechende Vollzugsbedingung nicht erfüllt werden kann. Ist vertraglich ein sogenanntes Long-Stop-Date vereinbart, können Rücktrittsrechte für den Käufer (ggf. beide Parteien) ab diesem Datum bei Nichterfüllung einer oder mehrerer Vollzugsvoraussetzungen entstehen.

Rücktritt auf Basis einer MAC-Klausel

Viel diskutiert wurde in den vergangenen Monaten die sog. „MAC“ (Material Adverse Change) Klausel. Sie ermöglicht dem Käufer (ggf. beiden Parteien), zwischen Signing und Closing von dem geschlossenen Vertrag Abstand zu nehmen, wenn sich wesentliche Rahmenbedingungen der Transaktion ändern. Bisher waren MAC-Klauseln (zumindest) in kontinentaleuropäischen Unternehmenskaufverträgen eher die Ausnahme waren. Nun drängen aber ausländische Investoren vermehrt auf die Aufnahme einer solchen Regelung. Für Käufer ist eine möglichst breite und umfassende MAC-Klausel erstrebenswert. Diese sollte sowohl eine wesentliche Veränderung der gesamtwirtschaftlichen Lage als auch des Zielunternehmens umfassen. Bei der Formulierung ist jedoch Vorsicht geboten.

Inwieweit sich z.B. ein chinesischer Käufer erfolgreich auf eine MAC-Klausel berufen kann, hängt davon ab, ob sowohl die tatbestandlichen Anknüpfungspunkte als auch die relevanten Auswirkungen so gewählt sind, dass sie vom Anwendungsfeld hinreichend weitgefasst und gleichzeitig konkret nachweisbar sind. Das bloße Berufen auf die COVID-19-Pandemie mag da zu kurz gegriffen. Es wird sich nicht automatisch unter MAC-Klauseln subsumieren lassen. Die Bedeutung solcher Klauseln für den Vertragsschutz im Rahmen deutsch-chinesischer M&A-Deals wird aber vor dem Hintergrund von COVID-19 zunehmen.

Garantieverletzungen

Die COVID-19-Pandemie kann sich auch auf die vom Verkäufer erteilten Garantien über den Zustand des Zielunternehmens auswirken. Dies gilt insbesondere, wenn sie sich auf den Vollzugszeitpunkt beziehen. So zählen z.B. Garantien hinsichtlich des Nichtbestehens von Insolvenzantragsgründen üblicherweise zu den fundamentalen Garantien, die auch am Vollzugstag noch zutreffen müssen. Ist das Zielunternehmen in der Zwischenzeit in Insolvenzgefahr geraten, kann sich für den chinesischen Käufer aufgrund einer Garantieverletzung – je nach Vertragsgestaltung – eine (faktische) Kaufpreisanpassung oder eine Lösungsmöglichkeit vom Kaufvertrag eröffnen. Chinesische Investoren werden bemüht sein, solche Garantieverletzungen als Verhandlungsmasse zu nutzen.

Verstoß gegen „Ordinary Course of Business“-Klausel

Wenn zwischen Signing und Closing ein längerer Zeitraum liegt, ist es im Interesse des Käufers, dass das Zielunternehmen während dieser Zeit ordnungsgemäß und im Rahmen des ordentlichen Geschäftsgangs geführt wird. Zahlreiche Unternehmen sahen sich in den letzten Monaten jedoch gezwungen, außergewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen. Diese reichten von vorübergehenden Werksschließungen über flächendeckende Kurzarbeit bis hin zur Inanspruchnahme staatlicher Hilfen. Ob diese Maßnahmen gegen Verpflichtungen aus dem Kaufvertrag verstoßen und sich daraus ein Rücktrittsgrund für den chinesischen Käufer ableiten lässt, ist eine Frage des Einzelfalls. Der Verhandlung dieser Klauseln wird eine noch größere Bedeutung beikommen, damit Verkäufer handlungsfähig bleiben, gleichzeitig aber Erwerber Schutz vor außergewöhnlichen Veränderungen erfahren.

Fazit

Die geltenden Regelungen zum Vertragsschutz in bestehenden Unternehmenskaufverträgen deutsch-chinesischer M&A-Deals werden auch in COVID-19-Zeiten chinesischen Käufern derzeit kaum weitere Verhandlungsmasse geben, soweit nicht bestimmte Rücktrittsrechte oder Kaufpreisanpassungsklauseln vereinbart wurden. Dies wird faktisch aber ein Nachverhandeln nicht verhindern, auf das sich deutsche Veräußerer einstellen sollten. Für die Zukunft ist damit zu rechnen, dass chinesische Investoren Vertragsklauseln, die bislang weniger in M&A-Deals vertreten waren – wie etwa MAC-Klauseln –, in Unternehmenskaufverträge hineinverhandeln werden.

SaaS in China – Zeit für M&A?

SaaS in China – Chance für M&A
Quelle: Adobe Stock, © putilov_denis

Bildnachweis: putilov_denis, MelchersRaffel Ltd..

Der SaaS-Markt in China boomt zurzeit, und es gibt eine Reihe an Hinweisen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen erfolgreichen Einstieg in die Branche gegeben ist.

China hat einen nahezu gigantischen Nachholbedarf, wenn es um IT-Investitionen geht: Während im globalen Durchschnitt rund 4,3 % des BIP für IT-Hardware und         -Software ausgegeben werden, sind es in China nur ca. 2,9 %. Dennoch wächst der SaaS-Markt in China um etwa 40 %, während es im globalen Schnitt nur rund 12 % pro Jahr sind.

Dabei existieren in China noch keine dominanten SaaS-Marktführer, denn die Top-10-Anbieter vereinen lediglich ca. 30 % des Marktes auf sich. Zudem fluktuieren die Anwendungen – in den vergangenen zwei Jahren allerdings mit Office-Lösungen als führender Applikation.


Saas in China Branche im Lebenszyklus
© MelchersRaffel Ltd.

KI als Schlüssel zu SaaS in China

Ein weiterer Trend neben dem Wachstum besteht in der Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in SaaS-Applikationen. Bekannt ist, dass China bei der KI-Forschung und -Anwendung weltweit mit den USA führend ist. Ein Zugang zum chinesischen KI-Know-how durch eine Präsenz vor Ort kann somit auch zu einem Technologietransfer nach Europa führen. Beispielsweise entwickelt SAP in China gemeinsam mit dem großen chinesischen Einzelhändler Suning KI-basierte Retail-Lösungen.


SaaS Markttrends in China
Quelle: Zhuanlan; Qianzhan; MelchersRaffel; © MelchersRaffel Ltd. Recherche

 

Ein klares Signal für die Wachstumsperspektiven einer Branche in China sind für uns die lokalen Unternehmensbewertungen und hier sind die chinesischen Aktien von Unternehmen wie Kingdee und Yonyou mit Kurs-Gewinn-Verhältnis von jeweils über 100 weltweit führend.
Es fließt viel Geld in Chinas SaaS-Branche: In den zurückliegenden Jahren wurden mehr als 280 Unternehmen mit vor allem HR, CRM und Finanzmanagement-Funktionen finanziell von Investoren unterstützt.

Für SaaS werden chinesische Partner benötigt

Für ausländische Unternehmen bestehen allerdings Restriktionen: SaaS fällt unter die Rubrik Telekommunikation. Somit ist ein Angebot ohne lokalen Partner nicht zwangsläufig möglich. Eine Partnerschaft ist jedoch, wie viele Beispiele der ausländischen Player in China belegen, auch nachhaltig tragfähig gestaltbar.

Welche Implikationen hat die skizzierte Branchenentwicklung nun für europäische Unternehmen?

  1. Die Zeit erscheint reif für einen Markteintritt in China (dynamisches Wachstum, kein Marktführer).
  2. Europäische ausgereifte Technologie bei Anwendungen wie HR, CRM und anderen kann chinesischen Unternehmen zu einem signifikanten Produktivitätsschub ihrer Anwender verhelfen und damit ein großes Marktpotenzial haben.
  3. Das für SaaS-Anwendungen in China zur Verfügung stehende Kapital und die sehr hohen Unternehmensbewertungen sollten in geeigneter Form von europäischen Playern genutzt werden (Beispiel: Kapitalaufnahme in EU-Kernunternehmen; Finanzierung eines Joint Ventures in China).
  4. Akquisitionen in China sind grundsätzlich möglich (allerdings aufgrund des Marktwachstums bei hohen Bewertungen).
  5. Das seit Anfang 2020 in China geltende neue Foreign Investment Law ermöglicht neue Gestaltungsformen und schützt ausländische Unternehmen und deren IP weitgehend.

Ein Modell für eine kooperative Markterschließung mit „Netzwerk-Kapital“ aus China kann beinhalten:

  1. Finanzierung in China durch einen chinesischen Partner
  2. Delegation der Verantwortung für die Markterschließung an den chinesischen Partner
  3. Funktionierende Kontrolle des Gemeinschaftsunternehmens, inkl. IP-Nutzung etc.
  4. Dividendenanspruch plus Lizenzgebühren aus China für das europäische Unternehmen.

SaaS Modell für kooperative Markterschließung
© MelchersRaffel

 

Bleibt zu erwähnen, dass bei der Gestaltung von funktionierenden und kontrollierten Partnerschaften in China unbedingt auf Erfahrungswerte zurückgegriffen werden sollte.

Fangen Sie am besten mit einem Potenzial-Check über exakt Ihre Applikation an. Ermitteln Sie die Kundenbedürfnisse und Wettbewerbslandschaft für Ihre SaaS-Lösung in China und bewerten sie ihre Attraktivität für den chinesischen Markt. Falls Ihre Lösung erfolgversprechend erscheint, können auf dieser Basis dann weitere Schritte definiert werden.

DDW-Ranking: Chinesische Eigentümer in Deutschland

DDW Ranking Chinesische Eigentümer in Deutschland
Quelle: Adobe Stock, © あんみつ姫

Bildnachweis: あんみつ姫, DDW Die Deutsche Wirtschaft.

Entgegen vieler warnender Stimmen steht die deutsche Wirtschaft nicht vor einem Ausverkauf nach China. Der Plattform DDW Die Deutsche Wirtschaft (DDW) zufolge sind chinesische Eigentümer nur bei 274 deutschen Unternehmen mehrheitlich beteiligt.

Das Ranking führen US-Amerikanische Eigner mit der Mehrheit an deutschen 1.853 Unternehmen an – gefolgt von den Franzosen (889), Schweizern (825) und Niederländern (626).
Auch beim Kriterium kumulierter Umsatz erreichen die chinesischen Besitzer lediglich Rang 11: Ihre deutschen Unternehmen erwirtschaften zusammengenommen 40 Mrd. EUR Umsatz, deutsche Unternehmen im US-Besitz hingegen 254 Mrd. EUR. Dafür findet man klangvolle Namen unter den deutschen Unternehmen in chinesischem Besitz: Vom Augsburger Robotik-Spezialist KUKA über den Automobilzulieferer Grammer, den Maschinenbauer KraussMaffei, den Gabelstaplerhersteller Still bis hin zum Bekleidungshersteller Tom Tailor.

17 der Unternehmen sind sogar in der Liste der deutschen Weltmarktführer von DDW vertreten. Darunter unter anderem die Putzmeister Holding, Kiekert oder Biotest. Von 1.413 deutschen Weltmarktführern hat damit etwa ein Prozent chinesische Eigentümer.

Mit Blick auf die regionale Investitionsaktivität finden sich die meisten der Unternehmen laut DDW in Nordrhein-Westfalen (53), gefolgt von Baden-Württemberg (50), Bayern (49) und Hessen (43). Frankfurt am Main ist dabei mit 14 Unternehmen die „Hauptstadt“ chinesischer Unternehmenskäufe, knapp gefolgt von Hamburg mit 13 Unternehmen. In Düsseldorf und München gibt es je 7, in Köln und Stuttgart je 6 Unternehmen in chinesischer Hand.

Was den Schwerpunkt des Wirtschaftssektors schließlich betrifft, sind 77 Prozent der chinesischen Investitionen in Unternehmen der Industrie zu verorten. 20 Prozent sind Dienstleistungsunternehmen und nur drei Prozent Handelsunternehmen.

DDW Ranking; chinesische Eigentümer deutscher Unternehmen


Dieser Beitrag basiert auf Datenmaterial der DDW Die Deutsche Wirtschaft, einem multimedialen Informationsnetzwerk der deutschen Wirtschaft, das uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.

China-Ausblick 2021

China-Ausblick 2021
Quelle: Adobe Stock, © gui yong nian

Bildnachweis: gui yong nian.

Reisen nach China und Treffen mit Partnern vor Ort sind nach wie vor praktisch unmöglich. Dennoch erlaubten die virtuellen Alternativen zu den wichtigsten Investorenkonferenzen wichtige Einblicke in die aktuelle und wahrscheinliche weitere Entwicklung. Im folgenden wird daher ein Ausblick auf die Wirtschaft in der Volksrepublik und ihren Sonderverwaltungszonen im Jahr 2021 vorgestellt. Weitere Schwerpunkte im China-Ausblick 2021 sind der Handelskonflikt mit den USA, der Einfluss des US-Wahlkampfs darauf und wie sich Chinas nächster 5-Jahresplan auf die Beziehungen der beiden Großmächte auswirken wird.

Chinas Rückkehr zur Normalität

Chinas Wirtschaft erholt sich zusehends vom Corona-Schock: Seit einigen Monaten gibt es in der Volksrepublik praktisch kaum noch Neuinfektionen. Das Rekordhoch vom Februar liegt bereits weit zurück. Das Leben im Land normalisiert sich seither zusehends in immer mehr Bereichen. Auch die stationäre Einzelhandelsumsätze erholen sich, wenngleich die Online-Umsätze nach wie vor deutlich stärker steigen. In den größeren Städten sind die Restaurants oftmals wieder zu mehr als 90 Prozent ausgelastet und auch Großveranstaltungen wie Hochzeiten oder Messen finden wieder statt. Gleichzeitig nimmt auch die Reisetätigkeit wieder zu – allerdings nur innerhalb Chinas.

Macau: Hoffnung auf Inlandstourismus

Da Auslandsreisen weiterhin verboten sind, unternehmen die chinesischen Bürger überwiegend Kurz-Trips innerhalb Chinas und bleiben dabei oft in ihrer jeweiligen Heimatprovinz. Dort bevorzugen sie vor allem Luxushotels, da die meisten Touristen der Ansicht sind, dass diese ein besseres Hygienekonzept hätten. Zu den Regionen, die vom neuen Inlandstourismus aktuell besonders stark profitieren, gehören unter anderem die Insel Hainan und wohl bald auch wieder die chinesische Sonderverwaltungszone Macau. Beide Ziele eignen sich ideal für Kurzurlaube. Die meisten Besucher von Macau kommen direkt aus der benachbarten Provinz Guangdong. Hintergrund ist, dass Guangdong vor Kurzem die Quarantäne-Pflicht für (Rück-)Reisende aus Macau aufgehoben hat.

Somit ist es nicht unwahrscheinlich, dass es während der „Golden-Week“, vom 01. bis 08. Oktober zu einem deutlichen Anstieg der Besucherzahlen kommt. Hiervon würden die in Macau ansässigen Casino- und Resort-Betreiber profitieren, die in den vergangenen Monaten ohne die für sie so wichtigen Glücksspielerlöse auskommen mussten. Ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2020 werden aller Voraussicht nach noch einmal schlecht ausfallen – mit dem vierten Quartal könnte dann aber die erhoffte Besserung eintreten.

Längerfristig bleibt Macau als Destination ohnehin sehr interessant, da es realistisch erscheint, dass der Pekinger Zentralregierung sehr viel am Erfolg dieser zweiten Sonderwirtschaftszone, neben Hong Kong, gelegen ist. Darüber hinaus möchte man, um keine Unruhen wie in Hong Kong zu riskieren, die Zufriedenheit der Bevölkerung sicherstellen.

Gedämpfte Aussichten für Hong Kong

Anders sieht es in Hong Kong aus: Hier dürfte die wirtschaftliche Erholung sich unter dem doppelten Eindruck der Corona-Maßnahmen und Ausschreitungen generell deutlich länger hinziehen. Das Ausbleiben der Touristen und Investoren vom chinesischen Festland belastet die Metropole weiterhin massiv. Es ist daher davon auszugehen, dass die Immobilienpreise in Hong Kong zunächst einmal weiter nachgeben dürften. Ausgehend vom letzten Hoch sind die tatsächlichen Transaktionspreise mittlerweile wohl schon jetzt mehr als 20 Prozent gefallen.

Auch eine schnelle Erholung der Umsätze im Einzelhandel – selbst erst im Jahr 2021 – ist aus heutiger Sicht unrealistisch. Immobiliengesellschaften mit Schwerpunkt in Hongkong, die dortige Hotellerie und Gastronomie sowie die Einzelhändler dürften daher vor einem weiteren schwierigen Jahr stehen. Grund für die verzögerte Erholung sind weniger die Corona-Maßnahmen vom Frühjahr 2020 als die massiven Ausschreitungen in der Stadt. Die Hong Kong-Politik der chinesischen Zentralregierung genießt bei den Chinesen auf dem Festland großen Rückhalt. Sie sehen die Proteste hauptsächlich als einen Angriff auf sich und die Volksrepublik. Erfahrungsgemäß werden Länder oder Städte, die sich nach Meinung der Bürger gegen China wenden, von da an von chinesischen Touristen gemieden. In der Regel dauert es Jahre, bis sich die Zahlen wieder normalisieren.

Chinesischer Patriotismus unter Jinping Xi gestärkt

Nicht nur die Hong Kong-Politik, auch das Management der Corona-Krise durch Präsident Jinping Xi und die Zentralregierung findet weiterhin großen Zuspruch in der chinesischen Bevölkerung. Während hier der führende chinesische Virologe Zhong Nanshan als Held gilt, stellt der amerikanische Präsident Trump sein US-Pendant Dr. Fauci oftmals an den Pranger. Es scheint, dass die chinesische Zentralregierung und damit auch die kommunistische Partei einen viel größeren Rückhalt in der chinesischen Bevölkerung haben, als westliche Medien im Allgemeinen annehmen und berichten. Ein China-Ausblick muss daher, auch über 2021 hinaus, berücksichtigen, dass der Patriotismus in China unter Präsident Xi zugenommen hat.

Luxussektor profitiert von steigender Binnennachfrage

In China sind ausgewählte „domestic brands“ klar auf dem Vormarsch, seit die Chinesen vermehrt heimische Produkte kaufen. Dieser Trend dürfte sich weiter fortsetzen. Das bedeutet im Gegenzug zu erwartende Umsatzverluste für viele westliche und vor allem US-Konsumgüterhersteller, da ihre Produkte auf dem oft so profitablen chinesischen Markt dann weniger nachgefragt werden könnten als bisher. Die Ausnahme dürften allerdings die Hersteller von qualitativ hochwertigen Luxusartikeln sein. Für sie sind die chinesischen Konsumenten schon heute die mit Abstand wichtigste Kundengruppe. Ihr Absatz in China boomt zurzeit, denn teure Handtaschen & Co. sind aktuell wieder sehr gefragt. Dabei gibt es aber einen wichtigen Unterschied zu der Zeit vor Corona: Während früher Luxusartikel bevorzugt in Mailand, Paris, London oder New York gekauft wurden, hat sich, unter dem Eindruck der Reisebeschränkungen, dieser Absatz jetzt komplett ins Inland verlagert. Die Betreiber der Luxusmalls in Tier-1-Städten wie Shanghai berichten dementsprechend auch von zuletzt sehr guten Geschäften.

Im China-Ausblick dürfte der wachsende Binnenkonsum 2021 und auch in den kommenden Jahren der wichtigste Treiber und gleichzeitig auch Stabilisator des chinesischen Wirtschaftswachstums sein. Hier besteht noch ein großes Wachstumspotenzial. Während der Konsum in China aktuell für ca. 38 Prozent des BIP steht, liegt dieser Anteil in westlichen Industrienationen oft bei bis zu 70 Prozent. In den USA sind es sogar noch einmal etwas mehr. Mit der verstärkten Fokussierung auf den Binnenkonsum und die gezielte Förderung spezifischer Regionen und Technologien will China die eigene Wirtschaft in Zukunft unabhängiger vom Ausland machen. Die Förderung der Autarkie dürfte denn auch erklärtes Ziel im kommenden 14. Fünf-Jahresplan sein. Dieser wird im März 2021 verabschiedet werden.

Keine Kehrtwende im Handelskonflikt mit den USA

Selbst unter einem möglichen neuen US-Präsident Biden dürften die bestehenden Spannungen zwischen China und den USA weiterbestehen. In einem solchen Fall könnte aber zumindest der Ton zwischen beiden Parteien moderater werden. Dennoch dürfte eines der wichtigsten strategischen Ziele des nächsten Fünf-Jahresplans, neben einer massiven Stärkung der chinesischen Binnennachfrage, die zunehmende Autarkie von wichtigen Rohstoffen, Energie und technologischen Schlüsseltechnologien wie beispielsweise Computerprozessoren sein. Damit wiederum dürfte das Streben nach Technologieführerschaft auch in den kommenden Jahren im Mittelpunkt des Konflikts mit den USA stehen. Denn hierin sind sich viele Experten einig: „Semiconductors are the battleground“.

Die daraus resultierenden Folgen für die Chipbranche, insbesondere für die großen US-Produzenten wie Intel deren China-Umsätze oft deutlich über 20 Prozent liegen, sind im China-Ausblick für 2021 und auch darüber hinaus nur sehr schwer abzuschätzen. Sollten die USA ihrer „Blacklist“ neben Huawei weitere wichtige Technologieunternehmen aus China hinzufügen, dürften vergleichbare Reaktionen der chinesischen Seite folgen.
Die lachenden Dritten wären dann mitunter Chiphersteller aus Südkorea oder Japan. Aber noch verhält sich China strategisch und abwartend. Die Antworten auf Trumps Politik waren bisher sehr zurückhaltend. Das könnte sich aber nach dem US-Wahlkampf schnell und deutlich ändern.

Verstärkte Infrastruktur-Investitionen im Inland

Zwar hat China die Corona-Krise effektiver gemanagt als die meisten anderen Ländern und auch die jüngsten Wirtschaftsdaten überzeugten, aber im China-Ausblick 2021 gibt es dennoch zahlreiche Unsicherheiten, was das erwartete Wirtschaftswachstum angeht. Zurzeit liegen die Wachstumsprognosen für das chinesische BIP 2021 bei ca. 8,4 Prozent. Eine deutliche Erholung nach den geschätzten +2,7 Prozent für 2020. Zur Sicherstellung dieses Wachstums wird die Regierung der Volksrepublik bis mindestens 2021 auf Maßnahmen zur Stimulation der Wirtschaft zurückgreifen. Wie schon in den Jahren zuvor werden daher auch im nächsten Jahr Milliarden Renminbi in Infrastrukturprojekte fließen. Aktuell bereiten viele der Lokalregierungen daher zahlreiche neue Projekte vor, damit sie möglichst schnell genehmigt und umgesetzt werden können. Anders als noch zuletzt scheint sich China aber jetzt verstärkt auf Projekte im Inland zu fokussieren. Die multinationalen Projekte wie die „Belt and Road Initiative“, oft auch als „neue Seidenstraße“ bezeichnet, haben vergleichsweise an Bedeutung verloren.

China-Ausblick 2021: Erneuerbare Energien im Fokus

Neben einer weiteren Verbesserung der Transportinfrastruktur investiert die Volksrepublik verstärkt in den Gesundheitssektor. Aktuell wächst dieser knapp doppelt so stark wie das chinesische BIP. In Teilbereichen wie der Telemedizin liegen die Wachstumsraten zurzeit sogar bei über 35 Prozent. Hohe Priorität genießen auch gezielte Investitionen für den Ausbau des flächendeckenden 5G-Netzes im Land und die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Beides wird für die chinesische Mobilitätswende benötigt, denn der Absatz von Elektroautos in China wird erwartungsgemäß in den nächsten Jahren um rund 25 bis 30 Prozent wachsen – und das jährlich.

Dazu passen auch die gigantischen Investitionen in Erneuerbare Energien, die geplant sind. Vornehmlich Solar- und Windenergie werden stark gefördert. Dies erscheint zusätzlich plausibel, da China so seinem Ziel einer verringerten Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Ausland näherkommt. Dementsprechend ist der Bereich der Erneuerbaren Energien, oft auch „Cleantech“-Sektor genannt, ein aussichtsreiches Segment.

In jedem Fall sollten diese erhöhten Infrastrukturausgaben auch mit einer steigenden Metall- bzw. Rohstoffnachfrage einhergehen – wovon der Rohstoff- bzw. Basic-Resources-Sektor profitieren könnte.

Deutschland zwischen China und den USA – Chancen und Risiken

China und Deutsschland – Chance und Risiken
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Dass die Volksrepublik die USA in wenigen Jahren als die globale Wirtschafts- und Innovationsmacht Nummer Eins ablösen wird ist kein Geheimnis. Auch nicht, dass schon heute China Deutschlands wichtigster Handelspartner ist. Demgegenüber zeigt die aktuelle Situation mit Covid-19 noch einmal mehr, wie sehr sich die USA hinter dem Vorhang der “America First” Politik positionieren und stärker denn je protektionistische Maßnahmen ergreifen. Unter dieser bipolaren Welt leidet vor allem Europa. Aufgrund der fehlenden Solidarität zwischen seinen einzelnen Mitgliedstaaten und einer klaren internationalen Ausrichtung gerät es noch stärker unter Druck. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko für den Exportweltmeister Deutschland.

Chinas Börsen gewinnen an Bedeutung

Diese Entwicklungen haben aber nicht nur Negatives. Wir befinden uns vielmehr zurzeit an einem denkwürdigen Wendepunkt für chinesische Unternehmen. Sie wenden sich zunehmend vom US-amerikanischen Aktienmarkt mit seiner bisherigen Hegemonialstellung ab. Stattdessen wählen sie die, in letzter Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnenden, Börsen in Hong Kong, Shanghai und Shenzhen.

Auslöser für diese Neuordnung ist vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Seit über ein mögliches Delisting von chinesischen Titeln an US-Börsen diskutiert wird, entscheiden sich mehr und mehr Unternehmen, sich ebenfalls an den Heimatmärkten in Asien zu listen. Beispiele sind der E-Commerce Gigant JD.com oder Spieleentwickler NetEase. Beide führten bereits im Juni ihr zweites Listing, neben dem in den USA, an der Hongkonger Börse durch. Doch zuletzt zeigt sich ein neuer Trend ab: Secondary Listings aus Sicherheitsgründen. Sollten die US-Regierung mit ihrer Delisting-Drohung Ernst machen. Die Ant Group, einst von Alibaba gegründet und heute eines der wertvollsten Unternehmen Chinas, plant ihren IPO ausschließlich an der Hong Kong Stock Exchange und am Shanghaier STAR Markt durchzuführen.

Sicherlich bedeutet das nicht, dass chinesische Technologie-Gründer einen Börsengang in den USA nicht mehr in Betracht ziehen werden, wie die Beispiele von Xpeng und Li Auto zeigen, aber die Zeiten, in denen ein prestigeträchtiges und lukratives Listing nur auf der anderen Seite des Pazifiks möglich war, sind sicherlich vorbei.

In Rekordzeit zum IPO

Allein 2019 gab es in China 200 IPOs, mit einem kombinierten Volumen von 32,8 Milliarden Euro. Zudem ist das Wachstum der Tech-Titel im Mittel aufgrund des gewaltigen Binnenmarktes in China verhältnismäßig deutlich stärker als in Deutschland und Europa. Im Durchschnitt benötigt ein chinesisches Technologieunternehmens von der Gründung bis zum Börsenparkett nur 3–5 Jahre. Damit unterbieten sie die Zeiten ihrer westlichen Mitbewerber deutlich. Hier rechnen wir im Mittel mit 7–9 Jahren, bis ein Unternehmen den Schritt aufs Parkett wagt.

Hier können deutsch-chinesische Venture-Fonds ansetzen, die eine Brücke aus Deutschland ins digitale China schlagen, indem sie ausgewählten jungen Technologieunternehmen in Europa Investorengelder zur Verfügung stellen. So ermöglichen sie ihnen die Expansion in den chinesischen Wachstumsmarkt und verringern die Abhängigkeit von amerikanischen Technologieunternehmen.

China als Chance für Deutschland

Im Angesicht der weltweit herrschenden Corona-Krise braucht es umso mehr Experten, die eine umfangreiche Einschätzung zu langfristigen Entwicklungen liefern. Gegenwärtig hat sich der globale Aktienmarkt, nach einer starken Talfahrt, in großen Teilen wieder erholt.
Die Krise, die im Januar 2020 in China begann, und im Rest der Welt erst viel später ernst genommen wurde, hat unter anderem zur Unterbrechung globaler Produktions- und Lieferketten geführt.

Welche Lehren können aus der bisherigen Entwicklung gezogen werden? Die globalen Aktienmärkte erreichten ihren krisenbedingten Tiefstand ungefähr Mitte März. Seitdem haben sich viele Titel bereits stark erholt, manche sind sogar auf einem Allzeithoch. Welche das sind, sollte für Anleger von besonderem Interesse sein. Die meisten von ihnen sind durch ihre technologische Komponente geprägt: E-Commerce, Kollaborationssoftware, Internet Services wie Social Networking und Digital Education. Wir sehen uns daher in unserer Einschätzung bestätigt. Diese technologiegetriebenen und digitalen Geschäftsmodelle werden die Protagonisten der Zukunft sein und gerade jetzt ist ein exzellenter Anlagezeitpunkt. Mit der weiteren Öffnung der Finanzmärkte in China kann dies auch über Anbieter von Aktienfonds in Deutschland erfolgen. Dann ist es aber umso wichtiger, dass sie über die nötige Expertise und vor allem ein kompetentes und dichtes Netzwerk vor Ort verfügen.

China erleichtert Einreise weiter

Nach sechs Monaten erleichert China wieder die Einreise für Ausländer mit gültiger Aufenthaltsgenehmigung.

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Im Zuge des Ausbruchs von Covid-19 war die Einreise nach China schwierig bis fast unmöglich geworden. Mit Wirkung ab dem 28. März hatte die Volksrepublik alle Aufenthaltserlaubnisse auf „inaktiv“ gestellt. Wer sich zu diesem Zeitpunkt außerhalb Chinas befand, konnte nicht mehr einreisen, auch wenn er technisch betrachtet über ein gültiges Visum verfügte.

Wer von da ab nach China einreisen wollte braucht eine neues Visum. Ein solche gab es nur wenn man als dringend benötigter Experte klassifiziert wurde oder für humanitär begründete Ausnahmefälle. In beiden Fällen war eine offiziell bestätigte Einladung von Nöten („PU-Einladung“). Selbst dann war es fast unmöglich nach China einzureisen, da der Flugverkehr fast vollständig eingestellt worden war. Die AHK Greater China organisierte daher ab Mai Charterflüge. Zuerst nach Shanghai, später nach Qingdao.Ziel war es, dringend benötigte Spezialisten die Einreise nach China zu ermöglichen, ohne die manche Unternehmen nach dem Lockdown nicht wieder ihre Produktion anfahren können. Spätere Flüge ermöglichten auch Familienangehörigen die Wiedereinreise.

Immer unter Berücksichtigung des vorgelagerten Sicherheitsinteresses gab es dann schrittweise leichte Lockerungen. Eine war beispielsweise die Implementierung eines „fast-track“-Verfahrens für bestimmte europäische Staatsbürger.
Im August kam es dann erstmals zu einer deutlichen Vereinfachung der Einreisebestimmungen: Mitarbeiter bestimmter europäischer Firmen brauchten ab da für die Einreise nach China keine PU-Einladung mehr vorweisen.

Einreise nach China ohne weiteres Visum

Nun geht die Volksrepublik noch einmal einen deutlichen Schritt weiter. Wer eine gültige Aufenthaltserlaubnis (begründet mit Arbeit, persönliche Angelegenheit oder Familienzusammenführung) besitzt, darf wieder ohne weiteres Visum einreisen. Wessen so begründete Aufenthaltserlaubnis nach dem 28. März abgelaufen ist, der kann unproblematisch eine neue Aufenthaltserlaubnis beantragen, so die entsprechenden Gründe weiterhin gelten. Mögliche Auflagen hinsichtlich des Gesundheitsschutzes wie beispielsweise die Installation einer Tracking-App, einer negativer Covid-19 Test oder die 14tätige Quarantäne bleiben von der Neuregelung unberührt.

Die Originalmeldung des Ministry of Foreign Affairs of The People’s Republic of China (MFA) zu den neuen Vorschriften für die Einreise nach China finden Sie hier in englischer und chinesischer Sprache.

Chinas Wirtschaft wächst im August

Chinas Wirtschaft im August, © lily
Im August ist Chinas Wirtschaft dank des erstarkenden Exports wieder deutlich gewachsen. Quelle: Adobe Stock; © lily

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Bereits in den letzten Monate hatte sich Chinas Wirtschaft weitgehend stabilisiert. Bisher wurde sie dabei aber weitgehend vom erstarkten Binnenmarkt getragen, da die Aufträge aus dem Ausland eingebrochen waren. Nachdem immer mehr Länder im Westen ihr öffentliches Leben und ihre eigene Produktion herunterfahren mussten, wurden auch immer weniger chinesische Produkte und Werkstoffe wie Stahl nachgefragt. Mittlerweile erstarkt aber auch der Exportsektor der Volksrepublik wieder und Chinas Wirtschaft erreichte im August teilweise neue Rekordwerte. Die Industrieproduktion stieg im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent.
Das schlägt sich auch in steigenden Zahlen im Güterzugverkehr zwischen China und Europa nieder, die mittlerweile auf Rekordniveau liegen.

Auch der chinesische Einzelhandel erreichte mit 0,5 Prozent erstmalig in diesem Jahr knapp wieder die Wachstumszone. In Verbindung mit dem Wiedererstarken des Exportsektors hat die steigende Binnennachfrage Chinas Wirtschaft im August teilweise sogar zu neuen Höhen getragen. So verzeichnete das produzierende Gewerbe das höchste Wachstum der vergangenen neun Jahre. Der „Caixin China General Manufacturing Purchasing Managers“-Index (Caixin) wies im August einen neuen Rekordwert aus. Nach vier Monaten stetigen aber geringen Wachstums, stieg er bis auf 53,1 Punkte. Damit liegt er aktuell über der bisherigen Bestmarke von 52,8 Punkten, die zuletzt im Januar 2011 erreicht worden war.

Weiterhin gedämpfter Optimismus

Insgesamt ist der Optimismus im produzierenden Gewerbe aber weiterhin gedämpft. Die Unternehmen haben zwar begonnen, wieder mehr Mitarbeiter einzustellen, die Zahlen liegen aber noch unter der Wachstumsschwelle. Gründe sind unter anderem die nach wie vor in weiten Teilen der Welt nicht besiegte Corona-Pandemie sowie die andauernden Wirtschaftsstreitigkeiten zwischen den USA und China.

Interessant ist auch, dass der offizielle „Purchasing Manager Index“ (PMI) der chinesischen Regierung mit 51 Punkten deutlich unter dem Caixin-Index liegt. Bei kleineren Unternehmen zeigt er sogar einen Rückgang von 48,6 auf 47,7 Punkte. Eine mögliche Ursache ist, dass der offizielle PMI auch die zuletzt stark von Überschwemmungen betroffenen Regionen Chinas erfasst. Gerade hier sind viele kleine und mittelständische Unternehmen angesiedelt. Der Caixin-Index hingegen konzentriert sich stark auf die Produktionszentren entlang der chinesischen Ostküste mit ihren Großunternehmen.

Immobilienpreise steigen

Parallel mit dem Wiedererstarken der Wirtschaft Chinas im August sind auch die Preise für Immobilien wieder stärker gestiegen. Von den 70 Städten, deren Immobilienmarkt vom Nationalen Statistikbüro überwacht wird, um die Entwicklung des Sektors einzuschätzen, verzeichneten 59 ein Wachstum von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, beziehungsweise von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auffällig ist dabei, dass die Preise in den Tier-1-Städten, wie beispielsweise Shenzhen, weniger stark stiegen als im direkten Umland. Dies ist in der immer engeren Kontrolle des Marktes in diesen Städten durch die Aufsichtsbehörden begründet. Sie sind verstärkt dazu aufgerufen, Spekulationen mit Immobilien zu unterbinden, um bezahlbaren Wohnraum sicherzustellen.
In China ist es weiterhin nicht unüblich, dass große Teile von Wohnanlagen leer stehen. Die Eigentümer haben die Wohnungen nur in der Hoffnung auf steigende Preise erworben. Sie nutzen sie weder selbst, noch werden sie vermietet, da eine Nutzung als wertmindernd angesehen wird.

Um den Markt während der Corona-Pandemie in China zu stützen, wurden diese Regulierungsmaßnahmen in der ersten Jahreshälfte weniger strikt umgesetzt. Jetzt, wo Chinas Wirtschaft im August gewachsen ist und der Immobilienmarkt spürbar anzieht, werden die Behörden die Trends wieder genauer im Blick behalten. Die weitere Entwicklung ist daher momentan schwer vorherzusagen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Markt stabil bleiben aber nur geringes Wachstum aufweisen.

Autoindustrie mit guten Zahlen

Den starken August verdankt Chinas Wirtschaft unter anderem auch dem Automobilmarkt. Nach den Umsatzeinbrüchen zu Beginn des Jahres liegen die Verkaufszahlen aktuell bereits 3,5 Prozent über denen des Vormonats und 11,6 Prozent über den Vorjahreswerten. In absoluten Zahlen wurden allein im August 2,19 Millionen Fahrzeuge verkauft, davon 1,76 Millionen PKW. Auf das Jahr gerechnet liegen die Verkaufszahlen damit weiterhin fast zehn Prozent über den Vorjahreszahlen. Dank der wiedererstarkten Nachfrage, und mit Blick auf die traditionell umsatzstärksten Monate September und Oktober, ist die China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) aber optimistisch, was das Jahresergebnis angeht.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Markt für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, zu dem auch Elektrofahrzeuge gehören. Mit 109.000 verkauften Einheiten im August machen sie weiterhin nur einen Bruchteil des Gesamtmarktes aus. Allerdings liegt das Wachstum des Segments, im Vergleich zum Vorjahresmonat, bei 25 Prozent. Dieses starke Wachstum hängt auch direkt mit der schrittweisen Verschärfung der Emissionsgrenzwerte durch die chinesische Regierung zusammen. So werden die alternative Antriebe zu einer immer attraktiveren Option für viele Käufer.

Zwar machen die Elektroautos aus chinesischer Produktion zusammen nicht einmal 10 Prozent des Segments aus, sie weisen aber noch deutlich stärkere Wachstumsraten als die ausländischen Fabrikate auf. Ihr Anteil wird sich auch in Zukunft weiter erhöhen, da die meisten Hersteller wie Nio oder Xpeng ihre Produktionskapazitäten erhöhen, um mit der steigenden Nachfrage Schritt zu halten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frachtzüge zwischen China und Europa auf Rekordniveau

Frachtzugverkehr zwischen Europa und China auf Rekordniveau
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Wie die englischsprachige China Daily berichtet, hat sich der Güterzugverkehr zwischen China und Europa nicht nur deutlich erholt, sondern im Juli auch einen neuen Rekord aufgestellt. Insgesamt 1.247 Frachtzüge verkehrten laut der China State Railway Group zwischen China und Europa. Das waren 62 Prozent mehr als noch vor einem Jahr auf der Strecke unterwegs waren. Im Juli transportierten sie insgesamt 113.000 Standardcontainer zu Empfängern in ganz Europa und in umgekehrter Richtung zu Güterbahnhöfen in China. Allein im Vergleich zum Vormonat hat sich die Zahl der transportierten Standardcontainer damit um knapp zwei Drittel gesteigert.
Sie entspricht jetzt fast der fünffachen Menge, die das aktuell weltgrößte Containerschiff, die HMM Algeciras, laden kann. Gleichzeitig haben die Züge die Frachtlaufzeiten im Vergleich zum Schiffstransport mindestens halbiert.

Wie viele von den Güterzügen aus China bis zu den deutschen Endpunkten der neuen Seidenstraße in beispielsweise Duisburg gefahren sind, ist nicht Teil der Berichterstattung. Angesichts der enorm hohen Anzahl an Zugbewegungen ist aber trotz steigender deutscher Exporte nicht davon auszugehen, dass alle die gesamte Strecke zurückgelegt haben, sondern auch Ziele in Osteuropa angesteuert wurden.

Frachtzüge zwischen China und Europa gewinnen an Bedeutung

Das Interesse an Güterzügen zwischen China und Europa steigt weiterhin stark. Die chinesischen Exporte sind im August um 11,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen und die Frachtzüge in Richtung Europa sind mittlerweile ein wichtiger Teil des chinesischen Handelsnetzwerkes. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Corona-Pandemie kommt es allerdings immer wieder zu Verzögerungen in den Abläufen.

Ursache sind Sorgen sowohl bei Absendern, Empfängern als auch Umschlagplätzen entlang der Strecke zwischen China und Europa. Sie befürchten, dass die Güterzüge neben dringend erwarteter Fracht auch neue Covid-Fälle transportieren könnten. Laut Angaben der China State Railway wurden daher in enger Abstimmung mit allen beteiligten Parteien intensive Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Um Reisen und Kontakte zwischen den jeweiligen Ansprechpartnern zu minimieren, finden die Abstimmungsgespräche in der Regel als Videokonferenzen statt.