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apt Group geht an Mengtai Group

apt Group geht an Mengtai Group
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Die chinesische Mengtai Group aus Ordos in der Inneren Mongolei, China, übernimmt den Monheimer Aluminiumteilehersteller apt Group von den aktuellen Eigentümern: der GP Holding, dem Family Office des Finanzinvestors Guido Pühse, dem ehemaligen Geschäftsführer Frans Kurvers und der Yinglei Wang Holding.

Der Übernahme der apt Group durch die Mengtai Group ging ein Bieterverfahren voraus. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Die apt Group beschäftigt zuletzt an drei Standorten in Deutschland und je einem in den Niederlanden und Tschechien etwa 1.000 Mitarbeiter. Sie entwickelt und fertigt Produkte aus Aluminium unter anderem für die Bau- und Autoindustrie sowie den Transportsektor. 2019 erwirtschaftete sie rund 250 Mio. EUR Umsatz.

Zuvor hatte sie sich bereits in chinesischer Hand befunden: 2015 hatte sich die Sedant Group aus Peking bei der apt Hiller GmbH eingekauft.  Die 1999 gegründete Gruppe setzt mit rund 1.000 Mitarbeitern fast 500 Mio. EUR um. Sedant zählt in China zu den führenden Herstellern von energieeffizienten und klimafreundlichen Komponenten für die Bauindustrie. Darüber hinaus ist sie in den Bereichen Immobilienentwicklung, Pkw-Distribution und Financial Investments aktiv. Die apt Hiller GmbH wiederum zählt zu den großen unabhängigen Herstellern in Europa und beliefert Marktführer aus den Segmenten Bau und Architektur sowie Automotive und Industrie. Fortan lautete der Firmenname Sedant-Roba Technology.

Diese Mehrheitsbeteiligung von 69,9% wurde dann 2019 durch die GP Holding übernommen. Damals verblieben 25% beim ehemaligen CEO Frans Kurvers, 5,1% bei der Düsseldorfer Yinglei Wang Holding.

Bayern fördert Ansiedelung von Unternehmen aus China

Bayern fördert Ansiedlung von Unternehmen aus China
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Die Partnerschaften zwischen Bayern und China manifestieren sich im Besonderen in Kooperationen innerhalb von Branchenclustern. Deren Bildung unterstützt die bayerische Staatsregierung daher in hohem Maße. Für die Cluster hat man mittlerweile ein engmaschiges Netzwerk mit intensivem Wissens- und Technologietransfer zwischen Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstituten aufgebaut. Typische Cluster finden sich in Schlüsseltechnologien wie Automotive, Mechatronik und Automation, Sensorik oder Umwelttechnologien. Als Folge davon kooperieren beispielsweise das bayerische Chemie Cluster und dessen Unternehmen mit dem chinesischen Petrochemiestandort Dongying aus der Provinz Shandong.

Bayern
Fläche 70.550 km², 20% von Deutschland
Bevölkerung* 13,1 Mio., 15% von Deutschland
Patente* 14.064, Nummer zwei in Deutschland
BIP* 633 Mrd. EUR, BIP-Wachstum (2000 bis 2018): 74,3%
Exportvolumen* 189,9 Mrd. EUR, 33,9 Mrd. EUR davon mit China
BIP pro Kopf* 48.323 EUR, Deutschland: 41.342 EUR
In Bayern angesiedelte
chinesische Unternehmen
über 400
*2019

Hinzu kommen Organisationen im Bereich Forschung und Entwicklung: neun staatliche Universitäten, 17 Hochschulen für angewandte Wissenschaften, 13 Max-Planck-Institute sowie drei dazugehörende Serviceeinrichtungen, zwei Zentren und drei Institute der Helmholtz-Gemeinschaft, zehn Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, zwölf weitere Forschungseinrichtungen und rund zehn Forschungsverbünde.

Der Freistaat investiert jährlich ca. 3% seines BIPs in Forschung und Entwicklung. Dabei kommen auch aus China immer mehr Unternehmen, die in Bayern forschen und gemeinsam mit bayerischen Firmen Projekte entwickeln. So betreibt Huawei Technologies mehrere Standorte in Bayern, Alibaba hat sein deutsches Headquarter in München aufgebaut und der Elektroautohersteller Nio dort gar sein europäisches Headquarter. FAW gründete in München sein erstes ausländisches F&E-Center überhaupt, während Catarc, die größte staatliche Forschungsstelle für Autos in China, seit 2018 ein Testing-und-Certification-Center in Erding bei München betreibt.

SF Express, eines der größten Logistikunternehmen in China, ist durch seine Investition in Amazilia Aerospace GmbH in Bayern präsent. Dort beschäftigt man sich mit digitalen Flugsteuerungs- und Flugmanagementlösungen für zivile bemannte und unbemannte Flugzeuge. Doch auch zahlreiche Start-ups aus China sind nach Bayern gekommen, so z.B. Mech-Mind Robotics Technologies oder LiangDao, ein Unternehmen für intelligente Fahrzeugtechnologie. All das lässt darauf schließen, dass sich die chinesisch-deutschen Kooperationen in den nächsten Jahren nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ erhöhen werden.

China und Bayern Zahlen und FaktenChina führt bei Direktinvestitionen in Bayern

China liegt seit Jahren auf Platz eins bei den ausländischen Direktinvestitionen in Bayern. Vor allem chinesische Unternehmen aus den Bereichen Automotive, Maschinenbau, erneuerbare Energien, ICT und Medizin fühlen sich in Bayern besonders wohl. Die Namen reichen von Nio und Byton über Alibaba bis hin zu Luye Pharma. Die meisten Anfragen kommen aus Südostchina, nämlich zwischen Shanghai und Guangdong. Entsprechend hatte der Freistaat Bayern bereits 1997 auch seine erste Repräsentanz in Shandong gegründet, als 2013 ein zweites Verbindungsbüro in Guangdong hinzukam. Im Juli 2018 eröffnete der Freistaat sogar noch ein drittes Standbein in der zentralchinesischen Stadt Chengdu.

Auch ist China der wichtigste Handelspartner Bayerns: 2019 mit einem Handelsvolumen in Höhe von 33,9 Mrd. EUR. Entsprechend haben sich über 400 chinesische Unternehmen haben sich im Freistaat angesiedelt, mehr als 2.000 bayerische klein- und mittelständische Unternehmen unterhalten eine enge Zusammenarbeit mit China. Für die bayerischen Global Players wie Siemens, Allianz, BMW, Audi, MAN stellt China einen absoluten Schlüsselmarkt dar. Jährlich finden zahlreiche Messen und Veranstaltungen in Bayern und China statt, bei denen sich Unternehmen austauschen können. Das reicht beispielsweise von der BAU China 2020, veranstaltet von der Messe München, bis hin zum Nürnberger Kongress „Seidenstraße – Handeln in neuen Märkten“. Auch die Partnerschaften zu chinesischen Städten werden von 18 bayerischen Städte und Gemeinden gepflegt, so z.B. Nürnberg und Shenzhen, Regensburg und Qingdao. Mittlerweile leben denn auch knapp 22.500 chinesische Staatsbürger im Freistaat – etwa ein Drittel von ihnen im Großraum München.

Unterstützung von Beginn an

Unternmen aus China in BayernDamit chinesische Unternehmen schnell in Bayern Fuß fassen können, bahnt „Invest in Bavaria“, die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern, Kontakte zu lokalen Netzwerken an, klärt Förder- und Finanzierungsfragen und unterstützt bei der Standortwahl. Sie begleitet Unternehmen aus China und aller Welt, die Teil des Forschungs- und Entwicklungsnetzwerks in Bayern werden oder dort eine Basis in aufbauen wollen, von der sie beispielsweise den europäischen Markt erschließen. Die Agentur unterstützt chinesische Unternehmen von der Vorbereitung bis zur Umsetzung einer Ansiedlung mit einem Portfolio an Dienstleistungen: von gewünschten Informationen über Standorte und Branchen bis hin zu weitergehenden Hilfen wie z.B. der Identifikation von Greenfield- oder Brownfield-Standorten oder geeigneten Büros.

Man berät chinesische Unternehmen aber auch dabei, wie sie Fördergelder des Staats Bayern erhalten können, oder bringt sie mit den geeigneten Experten des Steuer- oder Wirtschaftsrechts zusammen – genauso wie mit lokalen Akteuren oder anderen Unternehmen der chinesischen Community. Chinesische Unternehmen, die sich mit der Idee einer Ansiedlung in Bayern tragen, finden hier also eine Anlaufstelle, die ihnen Investitionswege ebnet.

Chinesische Regulatorik treibt Megadeals an

Chinesische Megadeals
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Bildnachweis: Worawut.

Im dritten Quartal 2020 hat sich der Wert der M&A-Deals in Asia Pacific mit 236,9 Mrd. USD und 819 Deals überaus positiv entwickelt. Das Volumen entspricht einer Steigerung um 76,3% gegenüber dem Vorjahr. Für die ersten drei Quartale 2020 insgesamt betrug der M&A-Dealwert 492,8 Mrd. USD bei 2.406 Transaktionen. Dabei standen chinesische Megadeals im Vordergrund, was vor allem auch durch die Umstrukturierung von Chinas Wirtschaft hin zu einem stärker marktorientierten System begründet ist. Acht Deals allein generierten 124,3 Mrd. USD.

Zu den zwei größten Transaktionen im dritten Quartal zählte der ChemChinaSinochem-Deal: Er lässt einen Energiegiganten von 146,6 Mrd. USD entstehen. Ermöglicht wurde der Deal durch die Liberalisierungen der chinesischen Regierung im Öl- und Gassektor. Die Reformen sollen auch den Marktzugang für kleine, nicht-staatliche Öl- und Gasproduzenten und Händler verbessern.

Chinesische Megadeals in der Ölindustrie

Gleichzeitig führten sie auch dazu, dass nationalen Ölgesellschaften Vermögen an die neu geschaffene PipeChina übertrugen. Daraus resultierte dann der größte chinesische Megadeal 2020: der Verkauf der wichtigsten Pipeline-Vermögenswerte von PetroChina in Höhe von 49,1 Mrd. USD an PipeChina. Zudem kündigte das Öl- und Chemieunternehmen Sinopec an, drei seiner Öl- und Gaspipeline-Unternehmensteile an PipeChina für jeweils 6,7 Mrd., 5,9 Mrd. und 4,4 Mrd. USD zu verkaufen. PipeChina hat dabei von sechs seiner Aktionäre eine Kapitalzuführung von 34,8 Mrd. USD erhalten; unter den Aktionären sind die China Chengtong Holdings Group, der National Council for Social Security Fund und die China Reform Holdings.

Neue Life-Science-Brücken zwischen China und NRW

China und NRW schmieden Life-Science-Brücken
Quelle: fotolia; © SergiyN

2019 stieg der Umsatz der Life-Science-Branche in Deutschland laut EY um 10% auf 4,87 Mrd. EUR, wovon allein in NRW etwa 42% erwirtschaftet wurden; die Beschäftigtenzahl legte um 16% auf 33.706 zu und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung kletterten um 21% auf 1,79 Mrd. EUR. Auch das Handelsvolumen zwischen China (ohne Hongkong, Macao und Taiwan) und NRW ist enorm und stieg 2019 auf etwa 42,73 Mrd. EUR an. China ist somit der zweitgrößte Handelspartner NRWs. Mehr als 1.200 chinesische Firmen haben sich hier niedergelassen – etwa die Hälfte aller chinesischen Unternehmen in Deutschland, darunter z.B. Huawei (Hauptsitz Westeuropa), ZTE, Sany Heavy Industry oder Air China. Außerdem besitzen mehr als 2.700 Unternehmen aus NRW Repräsentanzen in China, sind dort investiert oder eingerichtet, was etwa 25% aller deutschen Investitionen in China ausmacht. Dabei werden zahlreiche Brücken zwischen chinesischen und nordrhein-westfälischen Unternehmen gerade im Bereich der Life Science gebaut, wie auch von BIO.NRW.

Vielfältige Unterstützung für chinesische Life-Science-Unternehmen

Klares Ziel von BIO.NRW ist der nachhaltige Ausbau der Stärken der nordrhein-westfälischen Biotechnologie. Dafür unterstützt man Start-ups und KMU, ist Ansprechpartner für den Wissenschaftsnachwuchs, stärkt den Technologietransfer, baut das Netzwerk zwischen Unternehmen und Wissenschaft aus und fördert die Beziehungen zu Life-Science-Unternehmen und Ansprechpartnern in China. Um den Austausch anzuregen, führt BIO.NRW verschiedene Veranstaltungsformate durch, so z.B. die Plattformtreffen von BIO.NRW.red, die BIO.NRW-Fördermittelveranstaltungen, den BIO.NRW Business Angel Congress, das MEDICA-Forum sowie die NRW-Repräsentanz auf der BIO USA und der BIO-Europe. All diese Veranstaltungen helfen beim Ausbau des nordrhein-westfälischen Life-Science-Netzwerks. Eine besonders wichtige Rolle für das Netzwerk spielt China:
Tragfähige Geschäftskooperationen zur Volksrepublik und seinen Life-Science-Unternehmen können NRW helfen, die Standortentwicklung bei den Life Sciences stark voranzutreiben.

Dafür arbeitet BIO.NRW mit der BIO Clustermanagement NRW GmbH (kurz: BIO CM) zusammen. Zudem hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung BIO.NRW und BIO CM 2017 mit dem Partnerland China für sein Programm „Internationalisierung von Spitzenclustern“ ausgewählt und das Projekt „ChInValue“ (innovative Life-Science-Wertschöpfungsketten China-NRW) finanziert, wodurch erfolgreich neue Branchenkooperationen initiiert wurden. Häufige wechselseitige Delegationsbesuche zwischen nordrhein-westfälischen und chinesischen Life-Science-Unternehmen haben die Geschäftsaktivitäten zusätzlich angekurbelt.

Sino German Investors Day Life Science, Schloss Benrath
Seit 2009 unterstützt BIO.NRW aktiv Biotech- und Life-Science-Start-ups aus NRW, Deutschland und der EU bei der Kapitalbeschaffung. Ob Anschubfinanzierungen für junge Start-ups, oder spätere Finanzierungsrunden bei reiferen Unternehmen, BIO.NRW ermöglicht den Zugang zu den Investoren aus seinem Netzwerk – zu Business Angels, Risikokapitalgebern, Unternehmensunternehmen, staatlichen Entwicklungsbanken, Family Offices und anderen Eigenkapitalgebern und -formen. So haben Unternehmen bei den „BIO.NRW Business Angel Circle Meetings“ vier bis fünf Mal im Jahr die Möglichkeit, sich und ihre Geschäftsideen diesen Investorengruppen vorzustellen. Nach mittlerweile 10 Jahren mit mehr als 130 präsentierenden Unternehmen und zahlreichen initiierten Finanzierungsabkommen hat BIO.NRW 2019 beschlossen, das Format der „Circle Meetings“ auch für chinesische und internationale Investoren zu öffnen. In der Folge konnten während der MEDICA 2019 zwölf kapitalsuchende Firmen beim chinesisch-deutschen Investorentag Life Science im „Schloss Benrath“ in Düsseldorf Kontakt zu potentiellen Investoren finden.

 

Langjährige Partnerschaften zwischen China und NRW

Insgesamt reicht die Geschichte der Partnerschaften zwischen NRW und chinesischen Provinzen sogar mehr als drei Jahrzehnte zurück. Dieser Tradition folgend streben BIO.NRW und BIO CM heute langfristig erfolgreiche Kooperationen im Bereich der Life Sciences an. Dabei setzt BIO CM auf chinesische Mitarbeiter, die mit ihrem Know-how und Verbindungen direkt auf chinesische Netzwerke und Informationsquellen zugreifen können. So werden NRW-basierte und chinesische Life-Science-Unternehmen optimal bei der Geschäftsentwicklung unterstützt. Als Dienstleister organisiert BIO CM zusätzlich Business-Workshops in NRW und China sowie Delegationsreisen inklusive Messestandpaketen bei Schlüsselveranstaltungen im Reich der Mitte und hilft beim Identifizieren potenzieller Partner. Eine interessante Unterstützung bieten auch Unternehmensstudien.
BIO CM erstellt diese für chinesische und deutsche Unternehmen nach Anforderungen – darunter Hightechentwicklungsstudien in NRW, Markt- und Technologiestudien und vor allem Markteintrittsstudien in China. Wer also Bedarf im Rahmen des Austauschs zwischen dem chinesischen und dem nordrhein-westfälischen Life-Science-Sektor hat, findet vielzählige Anlaufstellen.

Sichere Geschäfte mit China und den USA in Zeiten des Handelskriegs
Bio.NRW Cyber Security WorkshopAm 8. Oktober 2020 fand der zweite Cyber Security Workshop von BIO CM, unterstützt durch BIO.NRW, statt, und zwar mit dem Thema: „Wie lassen sich Geschäfte mit den USA und China dieser Tage auf sichere Art und Weise durchführen?“ Bei dem Onlineevent ging es zunächst um den sich vertiefenden Graben zwischen den USA und der Volksrepublik China. Hierzu beleuchtete Torsten Riecke vom Handelsblatt die Auswirkungen für deutsche Unternehmen in seinem Vortrag „USA vs. China: Das Duell des 21. Jahrhunderts“. Seine
These: Die wirtschaftlichen Risiken und Abhängigkeiten deutscher Unternehmen Richtung China und den USA haben sich durch Corona weiter verschärft.Vor dem Hintergrund von Decoupling, also dem Exodus westlicher Unternehmen aus China, und dem „Tech War“, der sich am chinesischen Hersteller HUuawei entzündet hat, rät Riecke zu Resilienz als neuem Joker in der Geopolitik. Bis zu 40% der befragten Unternehmen wollen in Zukunft näher an ihren Märkten produzieren. Widerstandsfähige
Lieferketten stünden ganz oben bei den Unternehmen. China als Markt bleibe aber unbestritten wichtig, wenngleich sich der Status vom Partner zum „systemischen Rivalen“ gewandelt habe. Immer noch hätten ausländische Unternehmen in China weniger Rechte und Möglichkeiten bei der Markterschließung als ihre chinesischen Pendants.
Es herrsche weiterhin eine massive Intransparenz bei Staatssubventionen an chinesische Unternehmen, mit denen sie Mitbewerber verdrängen oder aufkaufen.In der auf den Vortrag folgenden Podiumsdiskussion kam Dr. Thomas Pattloch, Partner bei Taylor Wessing, auch zu dem Schluss, dass sich Europa in einem klaren Systemwettbewerb mit der Volksrepublik befinde. Die chinesische Führung vertrete ihre Positionen mittlerweile ähnlich offensiv wie die USA. Das Decoupling sei im Gange – allerdings nicht aus politischen, sondern aus wirtschaftlichen Erwägungen. So sei die Textilindustrie angesichts in China steigender Löhne und Kosten weitergewandert. Wichtig sei nun die Sicherung von Patenten, da China hier sehr aktiv sei.

Deutschland muss sich nicht für eine Seite entscheiden

Volker Wagner, Vorstandsvorsitzender des ASW-Bundesverbands, führte dazu aus, dass deutsche Unternehmen wegen des Handelskriegs nicht vor eine „Entweder-USA-oder-China-Entscheidung“ gestellt seien. Man könne Huawei aufgrund von begründeten Sicherheitsbedenken vom 5G-Ausbau ausschließen, andererseits aber durchaus Solarpanele aus China kaufen. Insofern plädiert er in Anlehnung an den US Security Council für eine Institution auf europäischer Ebene, die diese Abwägungsentscheidungen verpflichtend für die EU treffen solle. Die zunehmende Abschottung der USA gegenüber China könne dabei eine Chance für deutsche Anbieter sein, weil sie in die entstehenden Lücken stoßen könnten. Gleichzeitig nahm er eine differenzierte Betrachtung der IT-Sicherheitsrisiken vor, denen sich deutsche Unternehmen in China aussetzen, so z.B. bei der neuen verpflichtenden Steuersoftware Chinas, die Sicherheitslücken und Hintertüren enthalte. Die Risiken müssten erkannt, eingegrenzt und kontrollierbar gemacht sowie als Kostenfaktor eingepreist werden, bevor man den ganzen Markt aufgebe.

Über die Hürden jener Life-Science-Unternehmen, die gleichzeitig Partner in den USA und China haben, sprach schließlich Dr. Peter Johann, Managing General Partner der NGN Capital LLC. Er warnte, dass die immer schärferen Kontrollen die Weitergabe detaillierterer Informationen an Zulassungsbehörden erfordere, die dann teils wiederum von potenziellen Partnern oder Mitbewerbern abgefragt werden könnten.

Auch wenn die Referenten die schwerer werdenden Rahmenbedingungen aufgrund der politischen Entwicklungen in den beiden weltgrößten Life-Science-Märkten diskutierten, bleibt für BIO.NRW klar: Man baut sein Chinanetzwerk konsequent aus und wird deshalb die nordrhein-westfälischen Unternehmen durch die Einbindung der richtigen lokalen und regionalen Partner beim Markteintritt und -ausbau in China passgenau unterstützen.

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Robo-Advisors wachsen in China

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Verbraucher in China zeigen großes Interesse an Robo-Advisors. Laut einer aktuellen Umfrage von Kagan nutzen derzeit rund 38% der befragten erwachsenen Internet-User in China Robo-Advisor für Finanzanlagen – und sogar unter den Nichtnutzern zeigten 68% Interesse an ihnen. Während Unternehmen wie Betterment LLC und Wealthfront Corp. in den USA bereits seit 2008 agieren, entstanden die ersten Robo-Advisor-Firmen in China erst nach 2015. Neben Fintechs als Betreibern finden sich mittlerweile auch chinesische Banken und Broker im Markt.

Robo-Advisors in ChinaDabei sind die in China ansässigen Robo-Advisors etwas eingeschränkter: Sie geben in der Regel zwar Portfolioempfehlungen, aber die Anlageentscheidungen müssen von den Benutzern letztendlich aufgrund regulatorischer Einschränkungen getroffen werden. Laut dem China News Service haben mindestens 18 Finanzinstitute Beratungslizenzen für Investmentfonds erhalten, die inländischen Anlegern angeboten werden können. Ende Juli hatten chinesische Bürger rund 17,7 Bio RMB (2,6 Bio. USD) in öffentlich angebotene Investmentfonds investiert (basierend auf Daten der Asset Management Association of China).

So haben auch die Vanguard Group Inc. und die Ant Group Co. Ltd. letztes Jahr ein Joint Venture gegründet, um den Robo-Advisor Bangnitou zu starten, bei dem man seine Investitionen über Alipay laufen lassen kann, sodass seine Beratung mehr als 1 Mrd. Alipay-Nutzern zur Verfügung steht. Die Mindestinvestitionsschwelle liegt dafür bei nur 800 RMB (116 USD). Allein innerhalb der ersten 100 Tage investierten hier 200.000 Benutzer insgesamt 2,2 Mrd. RMB (318 Mio. USD). Das entspricht wiederum mehr als dem Doppelten des von Polaris von Pintec Technology Holdings Ltd. verwalteten Vermögens (die bereits seit 2016 auf dem Markt agieren). Im August startete nun auch die Fondsvertriebseinheit von Tencent Holdings Ltd., Teng An Fund, eine Testversion seiner Fondsberatungsdienste. Sie werden nach dem offiziellen Start in Tencents Messaging-App WeChat für über 1,1 Mrd. Nutzer verfügbar sein.

Handelskrieg mit China: Deutschland zwischen den Fronten

Handelskrieg zwischen China und den USA
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Im Januar 2018 hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, gegenüber China Strafzölle auf Solarzellen und -panels sowie Waschmaschinen  zu erheben und damit den US-chinesischen Handelskrieg begonnen. In vielen Ländern hat sich seither eine kritischere Stimmung gegenüber China aufgebaut. Gleichzeitig sind China und die USA für viele deutsche  Firmen zentrale Absatzmärkte. Wie sollen sich deutsche Firmen und Investoren also heute positionieren, um nicht Opfer des Handelskrieges zu werden und Umsatzeinbußen zu erleiden?

Welche Auswirkungen hat der Handelskrieg zwischen den USA und China auf das Investitionsklima und -verhalten von Deutschland und China?

Dr. Ernst Ludes: Vielzählige deutsche Gründer fragen sich mittlerweile: Wenn ich einen chinesischen Investor an Bord nehme, verbaue ich mir dann den Zugang im US-amerikanischen Markt? Der Handelskrieg erhöht die Unsicherheit und Risiken bei deutsch-chinesischen Investments. Wegen des Handelskriegs sinken Investitionen deutscher Firmen in China, aber auch chinesischer Unternehmen in Deutschland. Besonders betroffen sind die Technologiebranchen, so beispielsweise die Halbleiterbranche. Hier versuchen die USA, China von der globalen Lieferkette abzuschneiden. Damit wollen sie verhindern, dass China seine relative Schwäche in dieser Branche aufholen kann. Andere Branchen, in denen wegen des Handelskriegs die deutsch-chinesischen Investitionen leiden, sind Telekommunikation, Technology, Aerospace und Transportation.

Welche Rolle spielt der Handelskrieg für die Lieferketten?

Ludes: Zunächst muss man feststellen: Durch einen lange andauernden Handelskrieg verlieren wir alle. Auch die Globalisierung können wir nicht zurückdrehen – das würde nur Verlierer bringen. Aber manche deutsch chinesischen Liefersituationen und -ketten in Teilen zu überdenken ist sicher sinnvoll, wenn man gefährliche Abhängigkeiten von einem Land vermeiden will, insbesondere auch wenn es ein anderes politisches System hat. In Deutschland sollten wir z.B. von den Lieferketten bei Generika, die aus Indien oder China kommen, nicht so abhängig sein. Ähnliches mag für die Abhängigkeiten von China bei seltenen Erden wie Neodym, Scandium und Yttrium gelten.

Welche Rolle spielt die Verschärfung des deutschen Außenwirtschaftsgesetzes, wodurch chinesische Investoren bei einer Beteiligung an Unternehmen in Schlüsselbranchen von mehr als 10% eine staatliche Zustimmung benötigen?

Ludes: Der Handelskrieg hat eine starke und negative Stimmung gegenüber China kreiert. Die Chinesen fühlen sich in vielen Ländern wenig oder weniger willkommen – das gilt auch für viele Bereiche der deutschen Gesellschaft und auch hinsichtlich der Verschärfung des Außenwirtschaftsgesetzes. Wegen der allgemeinen Negativstimmung richtet China seinen Blick bei Investitionen nun viel mehr nach Asien. Hier bieten sich Länder wie Indonesien, Kambodscha, Vietnam, Malaysia und auch Indien quasi als natürliche Handelspartner an. Wir sollten uns aber Eines klarmachen: Im Businessbereich nicht die guten oder bösen Chinesen, Amerikaner, Russen etc., sondern es gibt verlässliche Partner und weniger bis kaum verlässliche Partner.


„China kann ohne uns,
wir aber nicht wirklich ohne China“


Das dürfte im Businessbereich überall auf der Welt ähnlich sein. Wirtschaftlich gesehen sind wir als Exportnation Nummer eins abhängig von einem intakten Verhältnis zu China und auch davon, dass die chinesische Wirtschaft wächst. China kann ohne uns, wir aber nicht wirklich ohne China – Beispiel VW, das 40% seines Umsatzes in China macht. Während es für VW dieses Jahr in allen Ländern Umsatzeinbrüche gab, verzeichnete man in China in den letzten Monaten bereits wieder Zuwächse gegenüber dem Vorjahr.

Was können wir also konkret tun, um den Handelskrieg positiv für das deutsch-chinesische Investitionsklima zu nutzen?

Ludes: Auf der politischen Ebene sollten wir eine unabhängigere Stellung beziehen, die Chinesen und chinesische Unternehmen als Geschäftspartner und Investoren willkommen heißt. Das fehlt auf der politischen Ebene. Auch sollten deutsche Unternehmen viel mehr die Gemeinsamkeiten mit chinesischen Partnern, aber auch Wettbewerbern ausloten. Dafür müsste man natürlich viel mehr Kommunikation betreiben und fördern – auch und gerade in COVID-Zeiten. Wir sollten ganz allgemein viel mehr gemeinsame Unternehmungen unterstützen. Das kann von gemeinsamen Investitionsparks bis hin zu Joint Deals reichen, bei denen chinesische (Co-)Investoren gemeinsam mit europäischen Private-Equity (PE-)Firmen ein Bieterkonsortium bilden. Vereinzelt gibt es ja auch schon chinesische Finanzinvestoren, die hierzulande investieren, wie z.B. FountainVest, die sich bei Bosch Mahle Turbo Systems engagiert haben. Wir sollten Partnerschaften zwischen deutschen und chinesischen PE- und Venture-Capital-(VC-)Firmen fördern – was wir bei CVCapital auch aktiv tun –, umso mehr, als der chinesische VC-Markt den amerikanischen im letzten Jahr zum ersten Mal an Volumen überholt hat.


„In China erlebt man eine fantastische Dynamik“


In China erlebt man eine fantastische Dynamik; hier dagegen hat man den Eindruck, dass alles eher schläft. In China gibt es einen großartig funktionierenden VC-Markt, von dem wir hier nur träumen können, mit Hunderten interessanten chinesischen Finanzinvestoren, wie zum Beispiel Vision Knight Capital, das ja vom ehemaligen CEO von Alibaba geführt wird, CDH Fund, CICC, Ping An Capital, Auster Capital von Jennifer Yu mit Beteiligung von Rothschild & Co, und Centurium Capital, um nur einige zu nennen. Wenn mehr chinesische VCs sich an Firmen in Deutschland beteiligten, könnten sie diese ermuntern, auf den chinesischen Markt zu expandieren. Das könnte wiederum helfen, mehr deutsche Weltmarktplayer zu kreieren, die diesen großen Markt ja nutzen müssten.

Nehmen wir das Beispiel Telemedizin: Sie ist in Europa ein mit den jeweiligen Landesgesetzen überregulierter Sektor. Die deutschen und EU-Unternehmen stecken eher in den Kinderschuhen. Telemedizin-Start-ups aus China oder den USA hingegen werden weniger reguliert, aber systematisch ausgebaut und vorangetrieben. Zusätzlich finden sie durch die viel größeren Heimatmärkte bessere Startbedingungen vor.

Was könnte die chinesische Seite verbessern?

Ludes: Auch auf chinesischer Seite gibt es dafür Punkte, so den Schutz des geistigen Eigentums, den China aktuell verbessert, was aber durchaus noch schneller gehen könnte. Deutsche Unternehmen brauchen insgesamt mehr Rechtssicherheit in China. Andererseits wird dieses Thema heute oft überbetont. Das mag vor 30 Jahren anders gewesen sein. Weitere Punkte sind die Erlaubnis von Übernahmen und der freie Marktzugang auch ohne Joint-Venture-Zwang. Mittlerweile können deutsche Unternehmen chinesische Unternehmen auch in wichtigen Branchen gründen oder vollständig übernehmen. Das hat beispielsweise die Allianz mit ihrer 100%-Tochter Anlian in Shanghai gemacht.
Ein letzter Punkt noch: Damit mehr chinesische VC-Firmen in Deutschland gut agieren können, wäre es hilfreich, wenn die chinesische Regierung ihre Beschränkungen bei Devisen abbaut oder eine entsprechende Bewilligung zum Investieren in Deutschland/Europa schnell erteilt.


 

Dr. Ernst Ludes ist Head of Europe der privaten chinesischen Investmentbank CVCapital. Zuvor war er Partner bei dem internationalen Private-Equity-Investor EQT und arbeitete bei Alchemy Partners sowie der M&A- und Corporate-Finance-Beratung Drueker & Co. Seine Karriere startete er bei McKinsey. 2010 gründete Dr. Ludes das Beratungshaus Turning Point Investments zur Beratung von Unternehmen in Sondersituationen.

Warum wurde CRRC die Übernahme von Vossloh genehmigt?

Kartellamt genehmigt Übernahme von Vossloh durch CRRC
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Bildnachweis: Marco2811.

Nach längerer Prüfung hat das Bundeskartellamt den Erwerb der Vossloh Locomotives (Vossloh), dem europäischen Marktführer für Rangierlokomotiven, durch den chinesischen Zughersteller CRRC Zhuzhou Locomotives (CRRC) am 27. April 2020 freigegeben. Die Transaktion wurde zum 31. Mail 2020 vollzogen.

In der Entscheidung hat sich das Bundeskartellamt erstmals vertieft mit dem Erwerb eines Wettbewerbers durch ein chinesisches Staatsunternehmen befasst. Die Entscheidung veranschaulicht, was bei einer Anmeldung derartiger Transaktionen zu beachten ist und wo die Behörde Prüfungsschwerpunkte setzt. Es ist sehr zu begrüßen, dass das Bundeskartellamt sich hierbei – unbeeinflusst von politischen Debatten – ausschließlich auf wettbewerbsrechtliche Aspekte konzentriert.

Vossloh Locomotives stand schon vor dem Erwerb durch CRRC seit längerer Zeit zum Verkauf. Mit einem Marktanteil von 40-50 % ist das Unternehmen europäischer Marktführer bei Rangierlokomotiven. Allerdings sind Investitionen in innovative Antriebstechnologien zuletzt unterblieben. CRRC ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der börsennotierten CRRC Corporation, an der der chinesische Staat mit 51 % beteiligt ist. CRRC ist der weltgrößte Hersteller von Schienenfahrzeugen. Die Produkte werden bislang überwiegend in China abgesetzt. Auch bei Rangierlokomotiven befindet CRRC sich erst im Begriff, in den europäischen Markt einzutreten.

Betrachtung chinesischer Staatsunternehmen als Konzernverbund

Nach Einschätzung des Bundeskartellamts befindet sich CRRC durch den mittelbar kontrollierenden Einfluss des chinesischen Staates in einem Konzernverbund mit anderen chinesischen Staatsunternehmen gemäß § 36 Abs. 2 GWB. Die Norm ordnet an, dass mehrere verbundene Unternehmen als ein einheitliches Unternehmen im kartellrechtlichen Sinne anzusehen sind. Da die Volksrepublik China mittelbar die Mehrheit der Anteile an CRRC hält, sei die Beherrschungsvermutung erfüllt (§ 17 Abs. 2 AktG). Die Ermittlungen haben zudem ergeben, dass auch der ausdrückliche Anspruch der staatlichen Beteiligungsverwaltung SASAC (die staatliche Kommission zur Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen) bestehe, wesentliche Aspekte des wirtschaftlichen Verhaltens ihrer Staatsunternehmen zu beeinflussen. Zudem zeigten interne Dokumente, dass CRRC ihr Verhalten eng an den Vorgaben der derzeit gültigen Fünfjahresplanung ausrichte.

Angaben zum Konzernverbund sind zunächst für die Vollständigkeit einer Anmeldung relevant. Die Fristen, innerhalb derer das Bundeskartellamt ein Vorhaben prüfen muss, werden durch den Eingang einer vollständigen Anmeldung ausgelöst. Dabei muss die Beteiligungsliste vor allem in für die Beurteilung eines Falles bedeutsamen Bereichen vollständig sein, insbesondere bezüglich Beteiligungen in dem betroffenen Sektor sowie hierzu vor- und nachgelagerten Märkten. In dem Verfahren hatte das Bundeskartellamt mehrmals Informationen zu Beteiligungen nachgefordert. Die Anmeldung war bereits am 13. September 2019 eingereicht worden.

Zudem sind Verbundvorteile aus einem Konzernverbund für die materielle Bewertung relevant.

Besonderheiten von Staatsunternehmen, insbesondere Niedrigpreisstrategien

Das Bundeskartellamt stellt klar, dass, auch wenn der Kauf deutscher Unternehmen durch Firmen aus China derzeit intensiv diskutiert wird, viele Aspekte dieser Debatte für die Fusionskontrolle keine Rolle spielen. Allerdings ergeben sich durch die Beteiligung eines Staatsunternehmens aus einer zentral geplanten Volkswirtschaft Besonderheiten für die kartellrechtliche Analyse.

Eine Besonderheit besteht in der Größe des Konzernverbunds. Durch die erhebliche vertikale Integration des Verbunds von Staatsunternehmen können Verbundvorteile entstehen. Staatsunternehmen aus zentral geplanten Volkswirtschaften weisen eine besonders hohe Fertigungstiefe in ihrem Konzernverbund auf. Sie können viele Vorprodukte – teilweise bis weit nach oben in der Lieferkette – intern herstellen.

Zudem hat sich das Bundeskartellamt mit der Gefahr von Niedrigpreis- und Dumpingstrategien und Kostenvorteilen aufgrund des staatlich geförderten Engagements von CRRC in vielen anderen Märkten auseinandergesetzt. Niedrigpreisstrategien sind wettbewerblich ambivalent. Ein Markteintritt oder ein Ausbau der eigenen Marktstellung durch niedrige Preise ist dem Wettbewerbsgedanken inhärent. Allerdings können Niedrigpreise, die nicht mit komparativen Kostenvorteilen unterlegt sind, auf mittlere Sicht die Marktstruktur schädigen. Maßgeblich seien insofern Möglichkeiten und Anreize zur Umsetzung entsprechender Niedrigpreisstrategien.

Vitesco errichtet F&E-Zentrum in China

Vitesco erreichtet Forschungs- und Entwicklungszentrum in China
Quelle: Adobe Stock; © Gorodenkoff; Symbolbild

Bildnachweis: Gorodenkoff.

Die Vitesco Technologies GmbH (Vitesco) errichtet in China ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Standort ist das nordostchinesische Tianjin, nahe der Hauptstadt Peking. Hier betreibt der Automobilzulieferer mit Sitz in Hannover bereits seit 2019 einen Produktionsstandort.

Schwerpunkt des neuen Zentrums ist die Entwicklung von Antriebslösungen für Elektrofahrzeuge von Mild-Hybrid über Hybrid bis zu vollelektrischen Motoren. Zusätzlich bietet der Automobilzulieferer auch elektronische Steuerungen, Sensoren sowie Aktuatoren an. Zum Angebotsportfolio gehören auch Lösungen zur Abgasnachbehandlung für konventionelle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor oder Hybridantrieb.

Das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Tianjin ist eine Erweiterung des bestehenden Standorts. Auf 9.000 m2 entstehen neue Büroflächen sowie Labore in denen elektrische Antriebssysteme erprobt und validiert werden. Der neue Komplex entsteht auf dem Gelände der „Tianjin Economic-Technological Development Area“ (TEDA), Tianjins ältester und größter Wirtschaftsentwicklungszone. Mit einem eigenen Hafen ist TEDA ideal für Unternehmen, die entweder größere Mengen an Vorprodukten und Rohstoffen für ihre Produktion importieren, oder nicht nur für den chinesischen Markt, sondern auch den Export produzieren.

Vitesco setzt auf den Wachstumsmarkt China

Mit dem Neubau unterstreich Vitesco die Bedeutung des chinesischen Marktes für das Unternehmen. Geschäftsführer Andreas Wolf zeigt sich denn auch überzeugt von der schnellen und nachhaltigen Wirtschaftlichen Erholung, die sich in den letzten Monaten abgezeichnet hat. Im asiatisch-pazifische Wirtschaftsraum erwartet das Unternehmen für die nächsten Jahre das stärkste Wachstum im Bereich E-Mobility. Zielmärkte für die in Tianjin entwickelten Antriebssysteme ist aber nicht allein der asiatische Markt. Auch Europa und die USA sind langfristige Zielmärkte für den Automobilzulieferer, der sich von der immer aktiveren Förderung der Elektromobilität, besonders in Europa, ein steigende Nachfrage erwartet.

Vitesco, bis 2019 noch bekannt als „Continental Division Powertrain“, sind bereits seit 25 Jahren in China mit inzwischen drei Werken aktiv. In Tianjin produziert das Unternehmen seit 2019 vollintegrierte elektrische Achsantriebssysteme für Autohersteller wie Hyundai aus Südkorea und die chinesische Dongfeng Motor Company Limited. Weltweit betreibt der Automobilzulieferer 50 Entwicklungs- und Produktionsstandorte, an denen er rund 40.000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Jahresumsatz 2019 lag bei insgesamt 7,8 Mrd. Euro.

 

Wo steht „Made in China 2025“?

Wo steht China 2025?
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Mit »Made in China 2025« hatte die chinesische Regierung den Plan ausgegeben, die Technologie- und Marktführerschaft in zehn Industriezweigen aufzubauen. Dafür wollte man gezielt Investitionen in ausländische Hochtechnologiefirmen vornehmen, aber auch die Binnenkonjunktur sollte gestärkt werden. Mittlerweile hat das 2015 gestartete Programm Halbzeit. Zeit für eine Bestandsaufnahme und Einordnung darüber, was heute die zentralen Handlungsfelder und Schlussfolgerungen für Investoren sind.

1. Wie setzt China seine Strategie „Made in China 2025“ aktuell in Schlüsselbranchen um (Erfolge, Innovationen, Verzögerungen, Probleme/Schwierigkeiten, Strategieänderungen etc.)?

Corinne Abele
Korrespondentin für China in Shanghai, Germany Trade and Invest (GTAI)

„Made in China 2025“ macht in den chinesischen Medien kaum noch Schlagzeilen. Dies hat verschiedene Gründe: Zum einen möchte man es aufgrund der negativen internationalen Reaktion auf die enthaltenen Selbstversorgungs- und damit Importsubstitutionsziele aus der Schusslinie bekommen – gerade vor dem Hintergrund des sich weiter zuspitzenden Technologiekonflikts mit den USA. Zum anderen bedeutet es, dass die Umsetzung läuft, die Gelder verteilt sind und man die Roadmap für die identifizierten Schlüsseltechnologien in den zehn strategischen Bereichen wie Biotech, alternative Antriebstechnik, moderne IKT oder neue Materialien mithilfe gezielter Aktions- und Entwicklungsprogramme abarbeitet und ausfeilt. Der Fokus liegt dabei zunehmend auf der Herausbildung regionaler Industriecluster.

Für China hat sich dabei gezeigt, dass Subventionen allein keine internationalen Spitzentechnologien hervorbringen und überdies teuer sind. Das beste Beispiel dafür sind Elektroautos. Chinesische Automobilhersteller umzupolen und Elektroautos in den Markt zu drücken hat China viel Geld gekostet, aber bislang keine Technologiedominanz begründet, was übrigens auch der erfolgreiche Markteintritt von Tesla untermauert. Ich sehe daher Chancen für Elektromodelle deutscher Autobauer, die 2021 in größerer Zahl auf dem chinesischen Markt sein werden. Gleichzeitig ist die Volksrepublik mit rund 1,2 Mio. im Jahr 2019 verkauften Fahrzeugen mit alternativem Antrieb ihrem Etappenziel von 2 Mio. anno 2020 auf der Spur. Auslaufende Subventionen und Auswirkungen der COVID-19-Krise haben – abgesehen von Tesla-Modellen – jedoch zu einem deutlichen Einbruch der Nachfrage geführt, die nur langsam wieder anspringt.

Beim Ausbau der 5G-Kommunikationsinfrastruktur, bei Biotech oder alternativen Energien ist die Dynamik hingegen weiterhin groß. Auch bei den in der Strategie „Made in China 2025“ benannten Querschnittsthemen wie der Weiterentwicklung des Standardisierungssystems und der Marktüberwachung gibt es bereits Etappenergebnisse: So ist 2018 die neu eingerichtete Superbehörde für Marktüberwachung (State Administration for Market Regulation; SAMR) entstanden. Zudem hat die Ausarbeitung von „China Standards 2035“ Gestalt angenommen. Tendenziell steigen dabei Gestaltungsraum und Eigenverantwortung der Unternehmen – bei verstärkter Kontrolle der Anforderungen.

Anna Holzmann
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, MERICS

Das Label „Made in China 2025“ ist zwar seit Sommer 2018 fast völlig verschwunden
– die Strategie ist aber in ein Netzwerk an Initiativen wie Internet Plus oder der KI-Strategie eingebettet, mit dem die chinesische Regierung ihre Ziele zur Modernisierung der Industrie und zur Stärkung des Innovationssystems munter vorantreibt. Die zehn Fokusindustrien von Made in China 2025 werden dabei allerdings nicht im gleichen Maß verfolgt. Chinas Fortschrittsbestrebungen konzentrieren sich auf technologische Komponenten in zwei Bereichen.
Zum einen sind dies Zukunftsbranchen, in denen China nicht erst Technologierückstände aufholen muss, sondern gleich von Beginn an selbst globale Standards setzen kann. Dazu zählen moderne Informationstechnologien wie z.B. Quantenkommunikation, die industrielle Anwendung von künstlicher Intelligenz und Fahrzeuge alternativer Antriebstechnologien.
Zum anderen sind dies Sektoren, in denen China noch große Schwachstellen aufweist, z.B. bei neuen Materialien wie Hochleistungskeramik, komplexen Fertigungsanlagen und Hochleistungschips.

Das Zwischenfazit fällt gemischt aus: Bei 5G gilt China bereits als globaler Vorreiter; 2025 werden Schätzungen zufolge aber nur 21% statt der angestrebten 70% des chinesischen Markts mit Chips „Made in China“ bedient.

Dr. Mirko Wormuth
Partner, Awesome Capital

In den chinesischen Medien ist das Thema „Made in China 2025“ verschwunden, aber seine Essenz wird weiter verfolgt. Weitgehend ähnliche Inhalte sind nun unter dem neuen Schlagwort New Infrastructure wiederzufinden. Die Fortschritte darin seien an nur einem Beispiel verdeutlicht: Im Bereich der 5G-Infrastruktur wurden allein dieses Jahr von China Unicom und China Mobile landesweit über 680.000 Basisstationen errichtet und damit 50.000 mehr, als der ursprüngliche Plan es vorsah. Die Stadt Shenzhen ist mittlerweile mithilfe von 46.000 5G-Basisstationen vollständig abgedeckt.

Im Rahmen der voranschreitenden Digitalisierung sind dies perfekte Bedingungen, die Kommerzialisierung von 5G voranzutreiben. Nach einem Bericht der China Academy of Information and Communications Technology werden allein dieses Jahr noch 900 Mrd. RMB in die Kommerzialisierung von 5G fließen.

2. Welche Auswirkungen hat die Corona Krise auf die Made in China Strategie 2025?

Corinne Abele

Die Corona-Krise hat den bereits in der Strategie angelegten Fokus auf Informatisierung sowie Digitalisierung verschärft. China denkt Digitalisierung umfassend und treibt sie gemäß seiner Vision voran: Die Schnittstellen zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Staat sind zahlreich und gewinnen im internationalen Wettbewerb an Bedeutung. Darauf müssen sich auch deutsche Firmen vor Ort einstellen. Denken Sie nur an den Einsatz von QR-Gesundheitscodes während der Corona-Pandemie, die digitalen Zahlungsverfahren oder die anvisierte papierlose Abwicklung von Cross-Border-E-Commerce.

Anna Holzmann

Die Corona-Krise wirkt in zweierlei Hinsicht als ein Katalysator für Made in China 2025. Erstens wird im Rahmen von Stabilisierungs- und (Wieder-)Belebungsmaßnahmen der chinesischen Wirtschaft auf den Ausbau moderner Infrastruktur gesetzt, etwa für Informationstechnologie und Forschung.
In den nächsten fünf Jahren werden Investitionen in Chinas digitale Infrastruktur in Höhe von mehr als 1 Bio. EUR erwartet. Modernisierungsmaßnahmen des Industriestandorts China wie der Ausbau der 5G-Netzwerke oder die Digitalisierung von Industrieclustern werden im Sinne von Made in China 2025 also fortgesetzt.

Zweitens führten Unterbrechungen globaler Liefer- und Wertschöpfungsketten gepaart mit zunehmendem Entkopplungsdruck aus den USA dazu, dass der chinesische Binnenmarkt im Rahmen der Dual-Circulation-Strategie stärker ins Zentrum rückt. Die Abhängigkeit vom Ausland soll verringert, des heimischen Wirtschaftssystems gestärkt werden. Hier spiegelt sich ein weiteres Kernelement von Made in China 2025 wider: die Substitution bzw. Verdrängung ausländischer Produkte sowie Technologien durch chinesische Alternativen.

Dr. Mirko Wormuth

Wie für viele andere Länder und ganze Industriesegmente hat die Corona-Krise auch für China einen beschleunigenden Effekt gebracht. Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten; digitale Ökosystembetreiber wie Alibaba, Tencent, Huawei, Xiaomi und Bytedance hat sie enorm beflügelt. Die chinesischen Techgiganten haben in wichtigen Teilen das Mandat der Regierung zur Umsetzung erhalten, einen Beitrag für ihr Land und dessen digitale Infrastruktur zu leisten. Geschäfte wollen sie natürlich trotzdem machen.
Zwei konkrete Fälle dazu: Vor Kurzem hat Alibaba seine erste digitale „Smart Factory“ in Hangzhou geöffnet. Das Projekt heißt „fast rhino“ und ist die erste datengetriebene Fabrik, die ondemand für Verkäufer auf TMall produziert und komplett mit Produktionsmaschinen auf der Basis des 5G Internet of Things eingerichtet ist.

Aber auch das durch COVID-19 noch einmal verstärkte Livestreaming mit dem Aspekt des ECommerce 2.0 verändert die digitale Infrastruktur Chinas; es hat vielen Händlern und ihren Millionen von Angestellten geholfen, Einkommen von zu Hause oder den leeren Geschäften aus zu generieren und besser durch die Krise zu kommen. Dieser neue Kanal verspricht zukünftige Umsätze von mehreren Bio. RMB. Das Marktforschungsunternehmen iResearch schätzt, dass in China allein dieses Jahr schon mehr als 136 Mrd. USD mit umgesetzt werden.

3. Welche Schlussfolgerungen sollten deutsche (ggf. auch chinesische) Unternehmen und Investoren aus den Analysen der ersten zwei Antworten ziehen?

Corinne Abele

Sie müssen eine kritische und ehrliche Bestandsaufnahme ihrer digitalen Wettbewerbsfähigkeit vornehmen und rasch reagieren: Verfüge ich über die notwendige Hard/Software und das notwendige Knowhow? Wie bleibe ich für umkämpfte IT-Spezialisten ein attraktiver Arbeitgeber? Kann ich in meiner Firma Datensicherheit garantieren? Wie bin ich in den für meine Branche wichtigen digitalen Ökosystemen – von den Marketingmöglichkeiten über WeChat bis hin zu Apollo, Baidus offener Plattform für autonomes Fahren – unterwegs?
Dazu zählt auch, für künftige Industriestandards bedeutende und häufig mit staatlicher Initiative gegründete Industrieallianzen im Blick zu behalten, beispielsweise in den Bereichen Industrial Internet, Internet of Things, künstliche Intelligenz oder 5G. Bin ich zudem firmenintern auf das schnelle Ausrollen von 5G in China vorbereitet? So hat beispielsweise BMW bereits 2019 drei Werke seines Joint Ventures BMW Brilliance Automotive in Shenyang komplett mit 5G ausgestattet; Erweiterungen sind in Bau und Planung.

Gleichzeitig müssen Tochterfirmen vor Ort ihren Headquartern in Deutschland die Dynamik von innovativem Wettbewerb und digitalem Fortschritt auf dem chinesischen Markt verdeutlichen, damit Entscheidungen zeitnah getroffen werden können. Die Greater Shanghai Innovation Survey 2018/19 der deutschen Auslandshandelskammer in Shanghai identifizierte deutsche Headquarter als ein Haupthindernis für Innovation in China.

Anna Holzmann

Will man in oder mit China Geschäfte machen, ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem strategischen Kontext essenziell: Welche Ziele verfolgen chinesische Partner, und wie fügt sich das in die Zielerreichung der chinesischen Führung ein? Im Rahmen der chinesischen Modernisierungsstrategie bieten sich auch für ausländische Unternehmen Chancen.
In Bereichen wie Industriesoftware und hochklassiger Medizintechnik ist China noch auf ausländische Expertise angewiesen. Auch zeigen nationale Leitfonds wie z.B. zur Entwicklung der chinesischen Chipindustrie an, in welchen strategisch wichtigen Bereichen die chinesische Regierung Investitionen willkommen heißt.
Außerdem plädiere ich für eine Erweiterung des Entscheidungshorizonts, sodass kurzfristige Profitaussichten inkl. Risiken eines ungewollten Technologietransfers im Kontext eines längerfristigen Innovationswettbewerbs abgewogen werden.

Dr. Mirko Wormuth

Auch wenn es in Deutschland nicht so populär ist: Wir müssen uns weiterhin konstruktiv mit China engagieren. Keine Frage – wir sind Partner und Rivalen zugleich. Ähnlich wie bei einer sich schnell drehenden Münze kann man Kopf und Zahl fast gleichzeitig sehen.
So wird auch unser Blick auf den Rivalen und Partner China sein müssen. Dabei gibt es viel, das wir beitragen, aber auch von China lernen können.

4. Was sind die zentralen Handlungsfelder für Unternehmen für die nächsten 5 Jahre der Made in China Strategie 2025?

Corinne Abele

Alles wird sich um die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit drehen, denn chinesische Konkurrenten werden stärker – das bestätigen Umfragen in nahezu allen Branchen. Bereits jetzt sind chinesische Firmen wie Haier, DJI, CATL, COFCO und natürlich Huawei weltweit unterwegs und zählen in den jeweiligen Sektoren zu den Spitzenunternehmen.
Hinzu kommen durch staatlich verordnete Fusionen entstandene Giganten wie China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC) oder China COSCO Shipping Corporation.
Wer aufgrund der Corona-Krise jetzt in China technologisch und digital nicht am Ball bleibt, wird Marktanteile an seine chinesischen Herausforderer verlieren – zunächst in der Volksrepublik und dann weltweit.

Gleichzeitig müssen sich deutsche Unternehmen auf die wachsende Innovationsfähigkeit des chinesischen Markts und steigende Kundenanforderungen einstellen. Das geht nur mithilfe von Investitionen in Innovation. Sich aus dem chinesischen Markt zurückziehen ist trotz möglicher Decoupling-Szenarien keine Lösung.
Dabei werden digitale Ökosysteme das Miteinander von Kooperation und Wettbewerb in China sowie weltweit verstärken. Wer „Coopetition“ kann, wird vorne mit dabei sein.

Anna Holzmann

China befindet sich noch mitten in der vierten industriellen Revolution. Internationale Kooperationen und Investitionen im Bereich der Digitalisierung und des Internets der Dinge werden noch auf Jahre gefragt sein. Auch das Thema nachhaltiger Entwicklung – Stichwort „grüne Fertigung“ und Umwelttechnik – wird von großer Bedeutung sein. Das frisch gesetzte Ziel von Jinping Xi, bis 2060 ein CO2-neutrales China zu haben, lässt auf viel Dynamik im Umweltbereich hoffen.
Mehr Details zur wirtschaftlichen Schwerpunktsetzung sowie Zielvorgaben für die nächsten fünf bis 15 Jahre sind ausgehend von der 5. Plenarsitzung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas zu erwarten.

Dr. Mirko Wormuth

Als Unternehmer und Investor steht für mich immer der China Speed ganz vorne an. Neues wird in China mit hoher Geschwindigkeit vorangetrieben. In Europa sind wir zu langsam und träge geworden. Beispiel Elektromobilität: Es ließe sich behaupten, dass China in den letzten fünf Jahren hier enorme Ressourcen verschwendet habe, um lokale Champions aufzubauen, um den nicht mehr aufzuholenden Rückstand bei der Entwicklung von Verbrennungsmotoren wettzumachen. Dennoch: Aus den Hunderten von NEV-Startups sind mit NIO, Xpeng, WM Motor und Li Auto vielversprechende Marken mit anständigen Verkaufszahlen entstanden.
Wie viele neue heranreifende und unabhängige Elektroautomarken haben wir in Deutschland am Start?

Große Unternehmen ebenso wie Startups müssen sich in die chinesischen  Ökosysteme begeben, sich auf Partnersuche machen und die Inte gration in die bestehenden Plattformen suchen. Nur wer sich diesem Wettbewerbsdruck aussetzt, trainiert die wichtigen Digitalmuskeln.
Beschweren über chinesische Geschäftspraktiken hilft nicht. So geht es bei chinesischen Geschäftsleuten auch untereinander zu. Nur Schnelligkeit, ständige Innovation und starke Partner können hier schützen. Ein dickes Fell hilft natürlich auch.

 


Die Experten

Corinne Abele, GTAICorinne Abele leitet seit 2014 den Bereich Außenwirtschaft von Germany Trade & Invest (GTAI) in Shanghai. Zuvor war sie für GTAI in Beijing und davor für die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) in Taipeh, Taiwan, tätig. Die Journalistin, Diplom-Volkswirtin und Osteuropa-Historikerin analysiert damit seit zwei Jahrzehnten das Wirtschaftsgeschehen und die Branchenentwicklungen vor Ort im chinesischsprachigen Raum. Zu ihren Spezialthemen zählen Innovation, Digitalisierung, Umweltschutz sowie Wettbewerbscharakteristika in China.

Anna Holzmann, MERICSAnna Holzmann ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mercator Institute for China Studies (MERICS). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen bei Chinas Industriepolitik und nationalem Innovationssystem. Zuvor arbeitete sie unter anderem als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Wirtschaftsuniversität Wien. Anna Holzmann hat Internationale Betriebswirtschaft, Sinologie sowie Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens in Österreich, Australien und China studiert.

Dr. Mirko Wormuth, Awesome CapitalDr. Mirko Wormuth ist Partner bei Awesome Capital. Nach Stationen bei McKinsey und Freshfields hat er mehrere chinesische Startups in den Bereichen Offline-Einzelhandel, E-Commerce, Markteintrittsberatung und Reiseeinzelhandel gegründet. Er ist außerdem Mitbegründer eines Newsletters über digitales China namens „Chinabriefs“. Bis vor kurzem war er als Global Head of HR bei BYTON tätig.

COVID-19: Finanzielle Gestaltungsmöglichkeiten für Firmen in China

Finanzielle Gestaltungsmöglichkeiten in China
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Gesetzliche Förderung 

Das erste Feld der finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen die gesetzlichen Erleichterungen in China im Rahmen der COVID-19-Krise. Dabei wiederum steht die (teilweise) Befreiung der Arbeitgeberanteile von der Sozialversicherung für Unternehmen, die nach chinesischem Recht in China gegründet sind, an erster Stelle. Diese Erleichterung gilt derzeit noch bis Ende 2020. Sie macht sich bei Unternehmen, die die Anteile gesetzeskonform bezahlen, wesentlich stärker bemerkbar als bei den Firmen, die sie unvollständig oder gar nicht bezahlen was bei in China inländischen Unternehmen häufiger vorkommt. Weitere Gestaltungsmöglichkeiten resultieren aus dem gewährten Aufschub der Körperschaftsteuerzahlung für Unternehmen mit niedriger Gewinnmarge. Davon können defizitäre Gesellschaften allerdings nicht profitieren. Andere aktuelle chinesische Regelungen finden für deutsche Unternehmen selten ihre Anwendung, wie z.B. der Mehrwertsteuererlass im Bereich des öffentlichen Transports oder für Unternehmen, die im privaten (notwendigen) Konsum tätig sind. 

Kurzarbeit? 

Das nächste große Feld für finanzielle Gestaltungsmöglichkeiten bietet Kurzarbeit. Auch wenn das chinesische Arbeitsrecht diese Möglichkeit nicht kennt, bestehen hier dennoch Wege zur Kostenreduzierung, denn chinesische Arbeitsverträge sind in aller Regel befristet. Nach Ablauf der Frist muss der Vertrag nicht erneuert werden allerdings wird eine Kompensationszahlung fällig. Was man dabei wissen muss: Ein Arbeitsvertrag kann in China nur einmal befristet verlängert werden. Nach Ablauf der ersten Verlängerung gilt ein fortgesetztes Arbeitsverhältnis als unbefristet geschlossen. Berücksichtigt man jedoch die häufige Fluktuation der Arbeitnehmer in China und die damit verbundene niedrige Anzahl der Beschäftigungsjahre, bestehen hier durchaus Gestaltungsmöglichkeiten. Dazu muss man sich allerdings eine Übersicht über die Beschäftigungszeiten der Mitarbeiter verschaffen.

Auch sind chinesische Mitarbeiter oft an Teilzeitstellen interessiert. Derartige Beschäftigungsformen sind in China allerdings noch eher unüblich. Entsprechend sind sich viele chinesische Geschäftsführer dieser Möglichkeiten nicht bewusst. Eventuell lehnen sie sie aus der Tradition der üblichen Vollzeitbeschäftigungen heraus gar ab. Anpassungsmöglichkeiten an ein rückläufiges Geschäft lassen sich hier also nutzen, indem man ein konsequent durchgeführtes Auslastungsscreening mit Time Sheets und ausgefüllten Wochenplänen durchführt und die chinesischen Geschäftsführer durch freundliche Hinweise aus dem Mutterhaus auf die Potenziale der Teilzeitbeschäftigungen aufmerksam macht. 

Controlling verbessern 

Auch in Sachen Controlling und Reporting bestehen Möglichkeiten, durch die Muttergesellschaft positiv auf die Entwicklung der chinesischen Tochtergesellschaft Einfluss zu nehmen. Wichtig ist ein monatliches Berichtswesen, das nicht nur die Gewinn-undVerlust-Rechnung auf Deutsch oder Englisch übersetzt. Vielmehr sollte es auch auch umfassend über die Geschäfts- und Mitarbeiterentwicklung sowie Forderungsmanagement informieren. Hierauf aufbauend bewirkt eine ausführliche und regelmäßige Diskussion mit der lokalen Geschäftsführung in China, Potenziale zu erkennen und Einsparungsmöglichkeiten zu identifizieren: Denn nach unserer Erfahrung sperren sich gerade im Mittelstandssektor chinesische Geschäftsführer häufig gegen eine solche Transparenz, weil sie in der chinesischen Unternehmenskultur eher unüblicher ist. Wer aber seine Geschäfte vor Ort optimieren will, sollte diese Transparenz unbedingt und nachdrücklich einfordern.  

Fazit 

Die meisten Investitionen scheitern nach unserer Erfahrung nicht an den Möglichkeiten des chinesischen Markts oder COVID-19. Sie scheitern vielmehr an unzureichend strukturierten und intransparent geführten Gesellschaften mit schwachem lokalem Management oder fehlendem Konzept für finanzielle Gestaltungsmöglichkeiten (meistens aber an beidem). Durch ein gebündeltes Maßnahmenprogramm könnten viele Tochtergesellschaften in China in die richtige Richtung gelenkt werden. Dies gilt umso mehr, als sie bereits vor oder aufgrund von COVID-19 nur leicht defizitär waren bzw. sind. 

Lieferketten mit China nach Corona neu bewerten

Lieferketten mit China nach Corona
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Die Schließung von Werken ab Ende Januar bis Anfang März in China und dann ab Ende März in Europa sorgten für eine abrupte Unterbrechung der teils langjährig bestehenden Lieferketten. Benötigte Teile wurden nicht mehr produziert. Dieser Produktionsstopp trat vor allem dort auf, wo keine enge kommunikative Zusammenarbeit oder partnerschaftliche Beziehung bestand. Wo man hingegen eng miteinander kommunizierte, ließ sich durch Abnahme von bereits produzierten Teilen und deren Bezahlung erreichen, dass die Lieferketten aufeinander abgestimmt blieben. Immerhin stimmen die Erfahrungen der letzten Monate optimistisch, dass das partnerschaftliche Verhältnis wieder zunimmt. Zulieferer sollten selbstbewusst Zugeständnisse von OEMs verlangen, z.B. Zahlungsziele von 60 auf 30 Tage zu senken, damit die eigene Liquidität gestärkt wird.

Lieferketten-mit-China-nach-Corona

Zweifachzulassung von deutschen und chinesischen Werken

Als Konsequenz der Pandemie müssen nun die bestehenden Lieferketten neu betrachtet werden. Insbesondere die zwischen Europa und China – denn auch Corona wird die Globalisierung nicht eindämmen oder zurückdrehen. Allein die „Neue Seidenstraße“ wird Lieferzeiten und Lieferwege weiter verkürzen. Gleichzeitig dürften vereinzelte Produkte und Komponenten wieder stärker in Europa gesourct werden. In einer Umfrage der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Fertigung unter 250 deutschen Unternehmenslenkern und Supply-Chain-Experten gingen sogar zwei Drittel der Befragten von einer steigenden Bedeutung der europäischen und nationalen Beschaffungsmärkte aus.

Hier kann eine Zweifachzulassung für die deutschen und chinesischen Werke eine deutliche Verbesserung der Lieferkettensicherheit bewirken. Insbesondere, da zahlreiche mittelständische Automobilzulieferer bereits Werke in Asien betreiben. Dadurch lassen sich etwa Materialänderungen bei Metallteilen oder Produktionszeichnungen vereinheitlichen, wenn sie sich nur unwesentlich voneinander unterscheiden. Im Notfall kann man dann chinesische Produkte aus diesen Werken nach Europa liefern und umgekehrt. Dafür müssen die Automobilhersteller allerdings in Kauf nehmen, dass sie beide Werke „frei fahren“. Zusätzlich muss der Hersteller jeden Produktionsstandort für diese Teile zertifizieren und genehmigen lassen, um dann jedes Werk des OEM beliefern zu können.

Diese zusätzliche Flexibilität dürfte aufgrund der Erfahrungen aus dieser Pandemie aber in Zukunft deutlich mehr Gewicht bekommen als in der Vergangenheit. Da die Zertifizierungen eines Automobilzulieferers im Wesentlichen international genormt sind, kommen hier noch Themen der Corona-Vorsorge dazu. Das wäre zum Beispiel „Sicherheitsbestand“ sowie eine enge kommunikative und partnerschaftliche Zusammenarbeit – wie etwa zwischen Bosch und CATL – bis hin zu Zusammenschlüssen. Dabei ist festzustellen, dass der aktuelle Rechtsrahmen für Lieferbeziehungen zwischen Europa, Deutschland und China absolut ausreichend ist. Abschottungen sind langfristig gesehen der Tod für Lieferketten und die Wirtschaft. Das können wir derzeit in den USA und teilweise in China beobachten.

Wirtschaftsstabilisierungsfonds kann Eigenkapital stärken

Aufgrund der schnellen wirtschaftlichen Erholung in China produzieren die meisten Werke dort wieder die gleichen Mengen wie vor der Krise und sind wieder in den schwarzen Zahlen. Bei europäischen Zulieferern hingegen können die Verluste und damit der Geldbedarf coronabedingt steigen. Aus der Not heraus und um an Cash zu gelangen, wird man in Einzelfällen an den Verkauf chinesischer Tochtergesellschaften denken. Wegen der Verluste durch die Pandemie wird dem Thema Eigenkapital eine erhöhte Bedeutung zukommen. Bei vielen mittelständischen Unternehmen ist das Eigenkapital auf eine kritische Marke geschrumpft. KfW-Kredite und Landesbürgschaften können hier eine erste Hilfe geben.

Eigenkapitalähnliche Mittel wie z.B. vom Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) eignen sich für die infrage kommenden Unternehmen ebenfalls hervorragend. Damit hat man auch die Lufthansa stabilisiert. Die klassische Bankenfinanzierung hingegen dürfte beim Aufbau neuer Lieferketten weiter zurückgehen, denn die Bankenregularien machen Finanzierungsentscheidungen überaus langwierig. Bankenunabhängige Finanzierungen, wie zum Beispiel durch Unternehmensanleihen, die etwa die Automobilzulieferer Schlote oder Neue Zahnradwerke Leipzig vor einigen Jahren erfolgreich ausgegeben haben, werden weiter an Bedeutung gewinnen. Sie konnten einen Teil der eingeworbenen Gelder der Unternehmensanleihe dafür nutzen, ihr Portfolio als Zulieferer stärker auf Zukunftsfelder zu erweitern, etwa den Bereich der Elektromobilität.

Lieferketten-mit-China-nach-Corona

Stabile Lieferketten mit China als Bestandteil des Ratings

Aktuell nimmt die Liefersicherheit größeren Einfluss auf das Ratings eines Unternehmens. Dies wird in Zukunft noch weiter zunehmen. Ein Belieferungseinbruch stellt ein hohes Risiko für den Unternehmenswert und die Bonität dar. Unternehmen, die eine Anleihe emittiert haben, sollten deshalb fortlaufend und aktuell über die Situation ihrer Lieferketten im Rahmen eines Quartalsreports berichten. So können sie das Vertrauen der Anleger stabilisieren.

Fazit

Momentan ist eine starke Zurückhaltung bei der Eröffnung neuer Werke in China zu spüren. Da der Hauptanreiz für ein Werk in China jedoch unverändert der gesamtasiatische Markt bleibt, gehen wir von einer Wiederbelebung des Automarkts und der damit verbundenen Lieferketten spätestens im kommenden Jahr aus. Dafür muss man Lieferketten neu bewerten und gegebenenfalls ausrichten. Eine Vereinheitlichung in der Zertifizierung und Zulassung von Bauteilen und Komponenten – zum Beispiel durch Zweifachzulassungen von chinesischen und deutschen Werken – kann die nicht nur für Corona-Zeiten notwendige Flexibilität verschaffen.

Poggenpohl: Chinesen schnappen Briten Luxusmarke weg

Poggenpohl geht an Jomoo Group
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Es war eine überraschende Wende im Überlebenskampf der Poggenpohl Möbelwerke GmbH. Entgegen der Erwartungen ging die Edelmarke, die im Zuge der Corona-Pandemie Insolvenz anmelden musste, in chinesische Hände. Dabei hatte noch Mitte Juni 2020 Insolvenzverwalter Manuel Sack den britischen Premiumküchen-Anbieter Lux Group zusammen mit der deutschen Unternehmerfamilie Wolf als Käufer präsentiert. „Dieser Verkauf ist am Ende aber nicht zustande gekommen“, erklärte der Insolvenzverwalter, ohne weitere Details zu nennen. Neuer Eigentümer des über 125 Jahre alten Herforder Mittelständlers ist der Sanitär- und Küchenarmaturenhersteller Jomoo aus Xiamen.

Weltbekannt durch Anbauküche

Poggenpohl gehört zu den bekanntesten Möbelmarken der Welt. Der große Aufstieg gelang unter Walter Ludewig, der das Unternehmen von 1940 bis 1987 als persönlich haftender Gesellschafter leitete. Ab 1950 machte er in Deutschland und auf der ganzen Welt die Anbauküche populär, wie das System der Küchen-Serienfertigung genannt wurde. Nachdem Ludewig seine Firma 1987 verkauft hatte, kam es zu weiteren Besitzerwechseln. Wegen erheblicher Auftrags- und Umsatzrückgänge in der Pandemie musste die Firma im April 2020 Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen.

Jomoo: Von Badartikeln bis Küchenmöbel

Jomoo hat seinen Hauptsitz in Xiamen, Provinz Fujian, an der Südostküste Chinas. Die Gruppe – zu 100 Prozent in Privatbesitz – ist sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Bad- und Küchenartikeln, verwandten Metallwaren, Schränken und Möbeln konzentriert. 5 % des Jahresumsatzes fließen in Forschung und Entwicklung. Der Konzern betreibt Produktionsstätten an allen wichtigen Standorten in China, beschäftigt weltweit über 14.500 Mitarbeiter und erzielte 2019 einen Jahresumsatz von 1,7 Mrd.

Auf vier Kontinenten vertreten

Mittlerweile verfügt der Großkonzern über ein nationales Netzwerk mit 5.000 Händlern und über 4.000 Geschäften und Ausstellungsräumen. So deckt er alle Regionen und Städte Chinas ab. International ist Jomoo in 48 Ländern vertreten – neben Nordamerika in Europa, Asien, Afrika und im Mittleren Osten. Vor drei Jahren eröffnete Jomoo das Europäische Operations-Center in München.

Poggenpohl füllt Lücke im Premium-Segment

Für die langfristige, nachhaltige Markt- und Produktstrategie der Chinesen ist jedoch unabdingbar, das Spitzen- und Premium-Segment abzudecken. „Wir haben schon längere Zeit darüber nachgedacht, mit einer etablierten Marke zusammenzuarbeiten, die für hohe Qualität und großes Design-Renommée steht“, erläutert Xiaowei Lin, Geschäftsführer Jomoo Deutschland. „Oder eine sehr verbreitete Marke mit diesen Stärken zu erwerben.“ Idealerweise sollte der Brand weltweit bekannt sein sowie eine lange Tradition und einen guten Ruf für ausgezeichnetes Handwerk besitzen. „Alle Kriterien treffen auf Poggenpohl zu, weshalb der Mittelständler sehr gut zu unserer Wachstumsstrategie mit Küchen- und Badmöbeln passt“, freut sich Lin.

Neue Chancen im Projektgeschäft

Die Poggenpohl-Manager rechnen damit, dass sich aus der Verbindung des Know-hows des deutschen Küchenspezialisten mit den asiatischen Badexperten neue Geschäftsfelder für die eigene Firma ergeben werden – z.B. im internationalen Projektgeschäft. „Dort werden interessante Synergien zwischen den Bereichen Küche und Bad möglich, weil wir Projektentwicklern in Zukunft für beide Räume ein Design aus einer Hand anbieten können“, kündigte Ex-Geschäftsführer Gernot Mang noch vor seinem Ausscheiden an. Gleichzeitig werde Poggenpohl stärker in den Bereich der Luxusküchen vorstoßen. Ziel sei es, die Stückzahlen der in Herford produzierten Küchen weiter zu erhöhen.

Die meisten Poggenpohl-Mitarbeiter bleiben

Jomoo bekennt sich zum Hauptstandort Herford und wird den Großteil der bisherigen Mitarbeiter übernehmen. Einige Beschäftigte müssen allerdings das Unternehmen verlassen. Das sind, neben dem bisherigen Geschäftsführer Gernot Mang, weitere neun Mitarbeiter. Sie waren nach der Übernahme durch den Finanzinvestor Adcuram auf Leitungspositionen gelangt. „Durch diese Personalwechsel ist das Unternehmen für seine langfristige Wachstumsstrategie am besten aufgestellt“, begründet Lin diese Maßnahmen. Der Premium-Küchenhersteller beschäftigte zuletzt 270 Mitarbeiter.

Wachstumspläne für Europa und Übersee

Die Herforder werden sich unter chinesischer Flagge weiterhin auf Produktdesign und -innovation konzentrieren. „Poggenpohl wird eine deutsche Küchenmarke mit Produktion in Herford bleiben, die für anspruchsvolles, modernes Design sowie hohe Qualität und hohe Zuverlässigkeit steht“, bestätigt der neue Geschäftsführer Ralf Marohn. „Unsere Kunden können sich auf das hohe Markenversprechen verlassen.“ Ein Schwerpunkt des neuen Investments soll die Expansion in kontinentaleuropäische Länder und regionale Überseemärkte wie USA, China, Indien und Naher Osten sein. Außerdem ist geplant, das Netz der bestehenden Niederlassungen und Händler weiter auszubauen. Soll weiterhin die hohe Qualität der Produkte und des B2B-Kundenservice sichergestellt werden.

Ausblick

Noch in letzter Sekunde hat Jomoo den Kauf des britischen Premiumküchen-Anbieters Lux verhindert und sich Poggenpohl selber einverleibt. Erneut zeigt dieses Beispiel, dass die Chinesen von renommierten und international bekannten Marken sehr fasziniert sind – egal, wie profitabel sie hergestellt und welche Preise dafür verlangt werden. Sehr gute Produkte zu sich an der Nachgefrage orientierenden Preisen zu vermarkten, ist bekanntlich eine große Stärke chinesischer Unternehmen. Deshalb wird auch Poggenpohl künftig seine Küchen günstiger herstellen müssen, um auf den neuen Weltmärkten bestehen zu können.